Rock zum 60. Geburtstag

Echt jetzt? Na ja, so richtig überraschend kommt der 60. Geburtstag natürlich nicht, das Datum steht ja fest und rechnen kann ich einigermaßen. Trotzdem, war nicht früher mal jeder über dreißig schon ein alter Zausel? Aber die Feier meines 30. Geburtstags in Siedenburg habe ich noch gut in Erinnerung und schon da war es so, dass ich nicht nur das Feiern, sondern auch das Älterwerden begrüßt habe. Das fortschreitende Lebensalter abzulehnen hieße in der Konsequenz ja, Stillstand statt Weiterentwicklung zu erhoffen. Wer nicht mehr älter wird ist tot. Und auch rückblickend bin ich für die weitere Entwicklung meines Lebens von 30 bis jetzt 60 ausgesprochen dankbar.

Ein Zehntel dieser 60 Jahre sind wir jetzt schon auf Langfahrt unterwegs, seit wir am 25.06.2019 in Griechenland Floras Leinen losgeworfen haben. Meinen 60. Geburtstag feiern wir also in Samoa. Wie?

Im Rock.

Und mit viel Freude. Darauf stoßen wir an bei leckeren Lunch im „Feast“, dem Restaurant im Sheraton-Hotel.

Abends dann ist Steg-Party mit den anderen Seglern hier in der beschaulich kleinen Marina von Apia.

Zwei verlassene Boote liegen fest zwischen den Pollern vertäut, die einmal den zweiten Steg gehalten haben. Der wurde aber von Stürmen immer wieder beschädigt oder eben ganz weggerissen. Er soll derzeit nicht wieder aufgebaut werden, jedenfalls nicht bevor die Mole am Industriehafen erheblich verlängert wurde und dann mehr Schutz vor Schwell bieten würde.

Neun Segelboote liegen an dem intakten Steg. 8 Einrümpfer und ein Katamaran, was nach der hohen Katamarandichte in Französisch Polynesien schon bemerkenswert ist. Dazu kommen noch ein paar lokale Angelboote und – am Kopfende des Stegs – das Polizeiboot von Apia. Auslaufen sehen haben wir es noch nicht, nur einmal für zehn Minuten zum Warmlaufen der Motoren. Danach folgte eine intensive ganztägige Putzaktion und am nächsten Tag die Besichtigung durch zwei Japaner. Japan sponsert derzeit viel in Samoa, auch die neue Brücke am Hafen wurde mit japanischer Unterstützung errichtet. Jedenfalls liegt das Polizeiboot jetzt schön geputzt aber ziemlich unbewegt am Steg.

Genutzt wird es trotzdem 😉.

Die Crews der meisten Boote unseres Stegs finden sich nach und nach zum Potluck ein.

Die Musikbeschallung liefert, darauf ist am Wochenende Verlass, die direkt an der Marina gelegene Bar.

Chris von der „Hathor“, Einhandsegler aus Schweden, kredenzt zu meinem Geburtstag zudem ein umfangreiches Rum-Tasting mit wirklich edlen Rumsorten der verschiedensten Provenienzen von der Karibik über den Pazifik bis nach Asien. Es wird ein langer, schöner Abend. Dankeschön, ein tolles Geburtstagsgeschenk.

Und 60 ist übrigens wie 30, nur doppelt so schön!

Kleine Sachen, die glücklich machen: Kanu-Hilfe

Wir erleben die Menschen hier in Samoa als ausgesprochen freundlich. Es fällt auf, dass der noch in den Kinderschuhen steckende Tourismus als Chance für das Land gesehen wird. Mehrfach werden wir aufgefordert, doch anderen vom schönen Samoa zu berichten, damit mehr Besucher kommen. Das gilt auch für die Segler. Als wir beim Einklarieren dem Biosecurity-Officer erklären, unser ganzes Obst und Gemüse aufgegessen zu haben, weil wir gehört und gelesen haben, keines nach Samoa einführen dürfen, ist er erschüttert. Nein, so sei das nicht. Den Eigenbedarf dürften wir an Bord haben. Wir sollten das unbedingt auch anderen Seglern berichten, damit sie nicht von einem Samoabesuch abgeschreckt werden. Von unterschwelliger Ablehnung angesichts der immensen Touristenzahlen, die uns in Französisch Polynesien ja auch nur ganz vereinzelt begegnet ist, haben wir hier im etwas abseits der Hauptreiserouten gelegenen Samoa bisher nirgends etwas gespürt. Stattdessen freundliche, hilfsbereite und zuvorkommende Menschen.

Da tut es ganz gut, einmal etwas zurückgeben zu können.

Wir sitzen im Cockpit der Flora hier in der kleinen „Marina“ (ein Steg) von Apia, als wir vom Ufer hinter uns aufgeregte Rufe hören. Ein Mann winkt und ruft uns zu, dass sein Kanu abgetrieben sei.

Ich lasse das Dinghy ins Wasser und hole den Mann am Ufer ab. Dann flitzen wir hinaus in die Bucht von Apia. Koto, so stellt er sich vor, hat am Malecon zwischen Marina und Stadt gefischt, als sein Kanu abtrieb. Er schwamm hinterher, aber das Kanu trieb bei dem starken Wind zu schnell weg und für ihn wurde es langsam gefährlich. Also kam er zurück ans Ufer, lief zur Marina.

Tatsächlich finden wir sein Boot weit draußen in der Bucht, wo der heute sehr frische Wind die See schon ziemlich aufgewühlt hat. Nur ein Frachter und Zweimaster-Katamaran ankern hier draußen.

Mit dem Dinghy ziehen wir das Kanu zurück zum Ufer. Dabei erzählt Koto, dass er das Auslegerkanu selbst gebaut hat. Einen Treibholz-Stamm hat er mit einem Stechbeitel ausgehöhlt, mit Bauholz-Latten dann ein weiteres zurecht gezimmertes Treibholz als Ausleger angebracht. Das Ganze im Wesentlichen nicht geschraubt, sondern mit Laschings flexibel verbunden. Einfach und klein, aber effektiv.

Jedenfalls ist Koto sichtbar erleichtert und glücklich, sein Kanu zurück zu haben. Er besteht darauf, mir einen Fisch zu schenken, ohne die leckere Spanische Makrele (Scomberomorus) lässt er mich nicht davon.

Aber das eigentliche Geschenk hat er mir schon vorher gemacht. Die spontane Gelegenheit, die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Samoaner erwidern zu können, etwas zurück zu geben, uns nützlich zu machen. Dankeschön.

Samoa mit Elisa

Wir kommen auf Samoa an und haben das Gefühl, dass die Uhr tickt. Nur drei Tage haben wir noch gemeinsam mit Elisa hier, dann fliegt unser Patenkind schon wieder ab. Wie schnell doch sieben Wochen vergehen.

Entsprechend packen wir die Tage ziemlich voll. Am Montag bringen wir zunächst Wäsche weg und erkunden dann zu Fuß die Stadt. Der eigentliche Innenstadtbereich von Apia ist klein, wir lassen uns treiben, streifen durch die Nebenstraßen.

Was auf Anhieb auffällt: die schier unglaubliche Anzahl an Kirchen. Schon bei unserer Anfahrt mit dem Boot war das von See aus auffällig, zumal die blaue Kathedrale im Scheitel der Bucht von Apia die Skyline prägt. Sie wurde als Ersatz des nach dem schweren Erdbeben von 2009 abgerissenen Wahrzeichens der Stadt, der alten weißen Kathedrale, an gleicher Stelle errichtet und 2014 fertiggestellt.

Wir schauen uns die Kathedrale auch von innen an. Im blankpolierten Boden spiegeln sich die bunten Glasfenster, ansonsten dominiert Holz. Leider bleibt uns die Bedeutung der gemalten Personen in der Rotunde unklar. Der Christusfigur gegenüber sitzt eine Frau. Die übrigen Sitzenden tragen zumeist eine Ula Fala, die traditionelle rote, aus Pandanuss-Samen gefertigte Ehrenkette für hochgestellte samoanische Personen.

Wir kommen bei unserem Spaziergang noch an zig anderen Kirchen vorbei. Gefühlt kommen in Samoa auf je drei Häuser eine Kirche. Im Ernst, die Kirchendichte ist kaum zu glauben. Nicht alle, aber doch recht viele sind in sehr gutem Zustand und verglichen mit den Häusern der Umgebung recht pompös. Es gibt aber auch Gegenbeispiele.

Ein zweites großes Gebäude war uns schon bei der Anfahrt aufgefallen:

Es ist das Regierungsgebäude Samoas, auch das Immigration Office befindet sich hier. Und auch diesem Gebäude statten wir bei unserem Rundgang einen Besuch ab. Wir können dort nämlich unsere gestempelten Pässe sowie die Bootspapiere abholen.

Die auffällige „Haube“ auf dem Gebäude symbolisiert übrigens ein „Fale“ bzw. dessen traditionelle Dachform. Ein Fale ist ein Wohn- oder auch Versammlungshaus. Ursprünglich palmblattgedeckt und komplett ohne Wände auf Holzsäulen ohne Metallverbinder errichtet, haben heute viel Fale eine von Wänden umgebene, abgetrennte Ecke und sind zumeist mit Wellblech gedeckt. Als große Versammlungsstätten sieht man sie in jedem Dorf, auf dem Land oft auch noch als Wohnhäuser.

Die kleinere Version dieser Gebäude, Faleo‘o genannt, bezeichnet, dienen als Küchenhäuser, Abstellräume oder als kleine Strandhäuser.

Wir nutzen eines der letzteren, als wir am nächsten Tag mit dem Mietwagen hinüber auf die andere Inselseite von Upolu fahren.

Dort besuchen wir den To-Sua Oceantrench, ein Sinkhole bzw. eine Doline. Im Prinzip eine Höhle mit eingestürztem Dach. Mit der Besonderheit, dass sie (wie den Cenoten in Mexiko) eine unterirdische Verbindung zum nahen Ozean aufweist und ein nur über eine steile Holztreppe zu erreichendes wunderbares Naturschwimmbad ist.

Die Fahrt dorthin und auch die Weiterfahrt führt durch die Berge im Zentrum von Upolu. Zum Teil ziehen sich Plantagen an den Hängen entlang, wo es steiler wird weidet Vieh auf Bergwiesen. Die höheren Grate sind dafür aber meist zu schroff. Hier fangen sich die Wolken und sorgen dafür, dass Samoa so üppig grün ist.

Die Niederschläge führen in dem steilen Gelände zu zahlreichen Wasserfällen. Wir besuchen die Sopoga Falls, eines der Wahrzeichen Samoas, das auch den 20-Tala-Schein ziert.

Die jetzt tief hängenden Wolken sorgen aber auch dafür, dass wir im Nebel (bzw.. eben in den Wolken) nach Apia zurückkehren, wo dann auch prompt wieder die Sonne scheint.

Abperlende Tropfen auf einem Taro-Blatt

Und was machen wir in Apia? Na ja, in der Stadt natürlich: shoppen! Klingt langweilig? Nicht wirklich. Es gibt sogar ein weiteres „erstes Mal“ für mich: mit fast 60 Jahren kaufe ich meinen ersten eigenen Rock!

Nicht nur hier in Samoa, auch in Tonga und Fidji tragen Männer traditionell Rock. Es ist nicht zwingend notwendig, wird aber als Anerkennung der lokalen Traditionen gesehen, wenn sich Gäste bei offiziellen Anlässen (in Fidji zum Beispiel beim erforderlichen Antrittsbesuch beim lokalen Chief) entsprechend kleiden. Jetzt habe ich dafür also schon mal vorgesorgt. Als wir abends im Restaurant essen gehen, werden Wiebke und Elisa mit „Hello“, ich (im Rock) aber mit dem samoanischen „Talofa“ begrüßt. Auch irgendwie nett. Im Stadtbild von Apia sind die Männerröcke eine ganz normale Erscheinung, auch bei Uniformen. Das gilt bei Jugendlichen auch für die hier üblichen Schuluniformen.

Und natürlich gilt es erst recht für touristische Veranstaltungen wie die Siva-Afi Feuer-Show mit samoanischem Buffet. Vor über zwanzig Jahren aus einer Initiative für Straßenkinder hervorgegangen, hat sich die Veranstaltung um Feuertanz, traditionellen samoanischen Tanz und typische samoanische Küche zu einem Standard in Apia entwickelt.

Die Männerröcke hier sind allerdings dem sportlichen Erfordernis angepasst und deutlich kürzer als die bis über die Knie reichende „Straßenversion“.

Kulturell geht es für uns auch am nächsten Tag weiter. Im „Cultural Village“, einer Art Museumsdorf gleich neben dem Regierungsgebäude, nehmen wir an einer Führung teil. Samoanische Musik, aktives Flechten eines Tellers aus Pandabuss-Palmenblättern, samoanische Küche einschließlich der Demonstration eines Umu-Erdofens, Kokosnussöffnen und Kokosmilchherstellung sowie Vorführung traditioneller samoanischen Schnitzerei stehen auf dem Programm. Außerdem dürfen wir bei Tätowierung zusehen. In einem heiligen und mit besonderen Tabus versehenen Fale (unter anderem: nicht fotografierenund keine Kopfbedeckung) wird nach alter Sitte mit einem kleinen gezackten Kamm tätowiert, der mit einem Holzstöckchen immer wieder tintengetränkt in die Haut geschlagen wird. Auch wenn der Kamm heute mit Metallspitzen aus Titan versehen ist, bleibt es eine sehr schmerzhafte Prozedur. Dies gilt umso mehr, als die samoanischen Tattoos sehr flächig und dunkel sind. Der Übergang vom Jungen zum Mann wird traditionell durch ein Tattoo gezeigt, dass vom unteren Rücken über die Hüfte bis hinunter zu den Knien reicht.

Heute Morgen heißt es dann extrem früh aufstehen, schon um 2:30 Uhr fahren wir mit dem Mietwagen los. Zwar ist Faleolo, der Internationale Flughafen von Samoa, nur etwa 30 km entfernt. Trotzdem ist es fast eine Stunde Fahrt bis dorthin.

Und schon verlässt uns Elisa wieder. Die genau sieben Wochen mit ihr sind so schnell vergangen. Dankeschön Elisa, es war toll mit Dir.

Abschied von Bora Bora

Tschüss. „Nana“ Bora Bora, „au revoir“ Französisch Polynesien insgesamt. Wir haben ausklariert, in den nächsten 24 Stunden müssen wir abfahren.

Entgegen anderslautenden Berichten war das Ausklarieren – in unserem Fall ja auch noch mit einer zusätzlichen Person an Bord – unproblematisch und schnell. Letzte Woche hatten wir bei der Gendarmerie schon mal angefragt, was zu unternehmen ist. Die Gegenfrage war, ob wir unsere zusätzliche Crew (Patenkind Elisa) schon im Online-Formular https://www.demarches-simplifiees.fr/ eingetragen haben. Haben wir, ebenso wie den jetzt gewünschten Abreisetermin. Kurz warten, er überprüft das im Computer, kommt mit einem Ausdruck zurück. Fein, dann einfach Dienstag wiederkommen und die Pässe stempeln lassen.

Sehr gut.

Bis dahin nutzen wir die Zeit, wechseln den Bojenplatz, hinüber auf die andere Seite der Insel zu Povai / Bloody Mary. Der Liegeplatz gefällt uns zwar nicht ganz so gut, die Böen schießen ziemlich unberechenbar zwischen den Bergen hindurch. Tatsächlich erwischt eine 42 Kn Böe unser Solarpanel auf dem Bimini so unglücklich, dass die offenbar mürbe gewordenen Nähte des guten Sunware-Panels aufgeben und das Panel aus der Befestigung reißt. Das Panel können wir bergen, zwei kleine Löcher im Biminibleiben trotzdem zurück. Wieder ein paar Sachen für die To-Di-List.

Ein Vorteil des neuen Bojenplatzes ist, das der Bergrücken im Süden der Insel sehr gut zu erreichen ist und sich für einen Hike quasi anbietet. Das lassen wir uns nicht entgehen.

Es ist ein durchaus steiler, aber nicht sehr schwieriger Aufstieg. Der wird belohnt mit wunderbaren Aussichten auf die Buchten der Lagune um das südliche Ende von Bora Bora.

Der Pfad führt auf dem Grat des Gebirgszuges entlang. Manchmal beschattet von Bäumen manchmal recht frei am steilen Abgrund, dann wieder überraschend durch Wiesen voller Blütenpracht. Ein wunderschöner Hike auf einer faszinierenden Insel.

(Für bessere Auflösung auf eines der kleineren Bilder klicken)

Und doch, das Segelboot auf dem offenen Ozean hinter dem Riff erinnert uns daran, bald geht’s weiter.

Ein Versuch, auf den Bojenplatz vorm Bora Bora Yachtclub zu wechseln scheitert. Erstaunlicherweise sind hier (und nur hier) gerade alle Bojen belegt. Möglicherweise wird dieser Platz am Montag für die Charterboote auf Rundtörn empfohlen. Wie auch immer, dann gehen wir eben wieder ins To‘opua Bojenfeld hinter der gleichnamigen Insel. Ist eine etwas weitere Dinghyfahrt zur Gendarmerie für das Ausklarieren, aber immer noch gut machbar. Und dafür um so schöner, weil aus der Bootsperspektive die Natur überwiegt. Hinter uns ein breiter Streifen der flachen Lagune bis zum Außenriff. Vor uns die Insel To’opua, sie verdeckt von unserem Standpunkt die Stadt und die Kreuzfahrtschiffe. Das zentrale Bergmassiv der Insel mit dem über 700 m hohen Mont Otemanu wirkt dadurch um so prägnanter.

Tja, also tschüss Französisch Polynesien. War ein wunderschönes Jahr hier. ☺️😊

(Photo Credit: Elisa)

Moorea-Hikes.

4 Tage, 4 Hikes. Das ist auch für uns ungewöhnlich, aber hier auf Moorea bietet es sich einfach an. Und es ist zudem eine gute Gelegenheit, Elisa verschiedene Seiten dieser auch landseitig wunderschönen Insel zu zeigen.

Wir liegen in der Cooks Bay vor Anker. Im Anschluss an das herrliche Schnorcheln an Moorea’s Ostseite ging ja der erste Hike am Ankunftstag hier auf den Berg am Westufer der Cooks Bay. Jetzt führt unser Weg es am nächsten Tag durch den Ort Pao Pao am Scheitel der Bucht hindurch und über langsam ansteigendes Gelände hinein in die ausgedehnten Ananasfelder zu Füßen der steilen Berge der Insel.

Bevor wir aufbrechen, geht ein heftiger Tropenschauer nieder. Die unbefestigten Wege sind deshalb mit schlammigen Pfützen übersät und die kleineren Bachdurchquerungen auf glitschigen Steinen werden ein bisschen anspruchsvoller. Aber es lohnt sich und neben den Anananas profitierenoffenbar auch die Blumen am Rand der Wege von dem Niederschlag der letzten Zeit. Für die Geräuschkulisse sorgen die Hühner und vor allem Hähne, die auch außerhalb des Ortes überall auf der Insel präsent sind.

(Für bessere Auflösung auf eines der kleinen Bilder klicken)

Für die nächsten beiden Tage haben wir uns gemeinsam mit Mareike von der Moana ein Auto gemietet. Wir machen eine Tour auf der Küstenstraße rund um Moorea. Eigentlich war eine Wanderung am Belvédère de Opunohu vorgesehen, aber als wir dort ankommen, gibt es gerade mal wieder einen tropischen Wolkenbruch. Also verschieben wir das erst einmal und besuchen stattdessen das Ökomuseum Te Fare Natura an der Opunohu Bucht. In mehreren Aquarien und mit Multimedia-Shows wird hier das Ökosystem von Moorea über und unter Wasser erklärt. Und hier erfahren wir auch, dass die schützenden Ankerbuchten im Norden der Insel durch das Abrutschen der Nordflanke der Caldera der vulkanischen Insel entstanden sind.

A propos Schutz: auf der Weiterfahrt um die Insel können wir an der Südwestseite von Moorea sehen, dass unsere Sorge vor hohen Wellen nicht unberechtigt war. Die Brecher auf dem Riff an dieser Seite sind heute ziemlich beeindruckend. Wir sind froh über unsere Entscheidung für die Cooks Bay auf der Nordseite.

Einen Hike gibt es an diesem Tag für uns dann auch noch. Statt des ins Wasser gefallenen Belvédère hiken wir, nachdem der Regen inzwischen aufgehört hat, an Moorea’s Ostseite hinauf zum Āfareaitu Wasserfall. Ein wunderschöner (wenn auch natürlich auch wieder ein bisschen schlammiger) Hike durch den Wald. Er führt wohl über privates Gelände, die 100 XPF (umgerechnet 90 Eurocent) Eintritt ist das aber auf jeden Fall wert, selbst wenn der Wasserfall trotz des Wetters derzeit erstaunlich wenig Wasser führt.

Und auf diesem Hike bekomme ich auch mal wieder ein paar Vögel vor die Linse, neben der ausgewachsen nur etwa amselgroßen Sperbertaube auch Wellenastrild und viele freche Hirtenmaina :

Am Freitag können wir dann den ursprünglich schon für den Vortag geplanten Hike auf den Belvédère doch noch machen. Diesmal bleibt es trocken. Das ist gut, denn es geht ziemlich steil bergauf, bergab und wieder hinauf zum gegenüber dem Einstiegspunkt am Belvédère nochmals höher gelegenen Aussichtspunkt am Col des Trios Pinus. Der liegt Luftlinie gar nicht so weit entfernt vom Āfareaitu Wasserfall auf der anderen Seite des 1.207 m hohen Mont Tohivea.

Am Col des Trios Pinus wandern wir zum Ende eines zu beiden Seiten steil abfallenden Grates. Dort ist zwischen den Bäumen ein Schaukel aufgehängt. Ein wenig Nervenkitzel beim Schwingen über den Abgrund und weite Blicke über die Insel bis hin zur Flora in der Ankerbucht.

Und dann: zurück zur Cooks Bay, mit dem Dinghy zurück zur Flora und mit der Drohne noch mal die Cooks Bay von der Wasserseite aus anschauen.

Immer wieder: was für eine tolle Insel.

Crewzuwachs

Es ist nicht einfach nur Besuch. Für fast zwei Monate wird unsere Patentochter Elisa an Bord sein. Entspannter Urlaub in Französisch Polynesien oder anspruchsvolles Segeln über den Pazifik? Diese Alternativen boten sich, abhängig nur von ihrem Anreisedatum. Elisa hat gerade ihr Jurastudium erfolgreich beendet und jetzt bis zum Beginn des Referendariats Zeit, sie konnte sich also frei entscheiden. Und sie war sich sicher: lieber Passage als Strand! Ok, das sind dann etwa 1.200 Seemeilen durch die Gesellschaftsinseln und die Cook-Inseln nach Samoa. So ist jedenfalls der Plan bis Mitte Juni.

Und jetzt ist Elisa hier:

Aber erstmal zeigen wir Elisa Papeete. Die Hauptstadt. Oder das Hauptdorf? Jedenfalls entspannt.

Ist aber schon eine ordentliche Strecke von etwa 3 Seemeilen (einfach) mit dem Dinghy. Wir cruisen auch von unserem Ankerplatz am Flughafen mit dem Dinghy zum Einkaufen in die Taina-Marina, das sind ebenfalls über 2 Seemeilen. Elisa hat Spaß daran.

Ansonsten lassen wir Elisa erst einmal in Ruhe ankommen und ein bisschen auch in das Langfahrt-Leben hinein schnuppern. Treffen uns nochmal mit der Theresa und Joe auf der Freefall, haben Barbie und Wayne von der Hope zum Sundowner bei uns an Bord.

Das Wetter hat sich nach den hier auf Tahiti extrem regenreichen letzten Wochen (von denen wir ja nur die letzten paar Tage mitbekommen haben) auch wieder gefangen.

Und der Blick richtet sich nach vorn. Erst einmal noch ein bisschen die Gesellschaftsinseln erkunden, dann weiter nach Westen. Die Cook-Inseln, dann Samoa, wo Elisa Mitte Juni aussteigen will. Kann auch eine andere Route werden, Flüge sind noch nicht gebucht. Für uns soll es dann jedenfalls nach Tonga gehen und zum Jahresende nach Neuseeland.

Aber erstmal Moorea!

Blick vom Ankerplatz hinüber nach Moorea

Schon wieder Abschied: von unseren Freunden und von den Tuamotus

Seit über drei Jahren segeln wir jetzt schon im Pazifik, im März 2022 hat Flora den Panamakanal passiert. Danach ging es über Galapagos und Hawai’i zum bisher nördlichsten Punkt unserer Reise, nach Alaska. Und jetzt sind wir schon seit einem guten Jahr in Französisch Polynesien, im März 2024 kamen wir auf dem Gambier-Archipel und damit der bisher südlichsten von uns bereisten Region an.

Und jetzt? Ein wenig bleiben wir noch in Französisch Polynesien, aber nach einem knappen halben Jahr in den flachen Atollen der Tuamotus heißt es, von einer weiteren Inselgruppe Abschied zu nehmen. Es ist schön, dass wir unseren Freunden Karen und Steve vorher noch ein paar Highlights der Tuamotus zeigen können.

Von Fakarava aus geht’s zunächst hoch nach Toau.

Herrliches sportliches Segeln und dann ebenso wunderbares Schnorcheln im Coral Garden.

Ein Hike zum Außenriff mit seinen Tide-Pools, in denen wir bei Ebbe herumwaten, Seesterne, Krebse und Fische beobachten, darunter gleich mehrere Muränen.

Das Wetter spielt mit, auch zurück nach Fakarava und durch die Lagune hinunter zum Südpass können wir segeln. Ein Tauchgang an der Wall of Sharks für Steve und mich, …

… Driftschnorcheln für Karen und Wiebke. Und am nächsten Tag noch zwei weitere Schnorchelgänge im Südpass für uns vier, einmal auf der West-, einmal auf der Ostseite. Beide haben ganz unterschiedliche Reize und beide sind einfach fantastisch.

Ganz nebenbei darf Elektriker Steve bei uns an Bord natürlich auch arbeiten, er hatte mehrfach danach gefragt.

Erfolgreich kümmern wir uns gemeinsam um ein Problem mit unserem EmpirBus-System (natürlich im schwer zugänglichen Knotenpunkt unter unserer Spüle) und um den Austausch der Kondensatoren unseres Generators, der zuvor die Spannung nicht mehr konstant halten wollte.

Zurück im Hauptort Rotoava treffen wir bei einem unserer Spaziergänge auch Jakob wieder, der uns gleich erkennt. Bereitwillig zeigt er auch Karen und Steve noch einmal den Prozess der Kopra-Herstellung und er lässt es sich auch nicht nehmen, uns wieder mit frischen Trinknüssen zu versorgen.

Überhaupt, Rotoava mit seinen freundlichen Bewohnern und den herrlichen Blicken auf die Lagune macht uns den Abschied nicht leicht.

Aber es hilft ja nichts. Die kurze Urlaubszeit unserer Freunde ist um, mit dem Dinghy bringen wir Karen und Steve zum Flughafen.

Und wir? Ein kurzes Wetterfenster für die Fahrt nach Papeete tut sich auf, danach soll ein System weit im Süden hohe Wellen und einigen Regen zu uns hinaufschicken. Noch am Nachmittag lichten wir den Anker. Tschüss Tuamotus, es geht westwärts. Tatsächlich können wir nach anfänglichem Motoren durch die erste Nacht fast die gesamte Strecke herrlich segeln, selbst die Squalls verschonen uns weitgehend und bescheren uns nur ein paar schöne Regenbögen.

Erst in der zweiten Nacht, bei der Ansteuerung von Tahiti, verschlechtert sich das Wetter zusehends.

Im Morgengrauen begrüßt uns Papeete dann mit Weltuntergangsstimmung. Kaum am Ankerplatz angekommen will es dann auch gar nicht mehr aufhören zu regnen.

Gutes Timing.

Abgründe und Rettungsflieger

In der letzter Woche ist so viel passiert, dass wir eine ganze Zeit gebraucht haben, um überhaupt darüber berichten zu können. Begonnen hat es wunderbar entspannt.

Mit unseren Freunden Theresa und Joe genießen wir zunächst die Zeit im Atoll Aratika. Wir schnorcheln im Ostpass, wo neben den Haien …

… dieses Mal insbesondere der wirklich als senkrechte Wand in die dunkle Tiefe abfallende Dropoff am äußeren Ende des Passes beeindruckt. Ein irres Gefühl, darüber hinaus bzw. hinein zu schnorcheln. Gerade noch 10 m Wassertiefe und gleich daneben: scheinbar ein unendlicher Abgrund. Der Blick sucht Halt, tastest sich an der steilen Wand hinunter und verliert sich im immer dunkler werdenden Blau.

Im Pass selbst begeistern uns vor allem die Adlerrochen. Zunächst ein einzelnes Exemplar …

… dann mehrmals gleich jeweils vier Geflecke Adlerrochen im Formationsflug:

Diese wunderschönen und eleganten Tiere gehören (anders als die Mantas) zu den Stechrochen und tatsächlich haben sie Giftstachel am Schwanzansatz. Allerdings dienen diese lediglich als Verteidigungswaffe, Menschen gegenüber sind die Adlerrochen eher scheu.

Auch an Land sind wir gemeinsam unterwegs, wandern wir durch eine Palmenallee hinüber zum Außenriff.

Abends verabschieden wir uns von Theresa und Joe, am nächsten Tag brechen wir früh auf. Es scheint die einzige Möglichkeit zu sein, einigermaßen vernünftig durch den (West-)Pass und nach Fakarava zu kommen. Die Strömung in den Pässen von Aratika scheint derzeit zu machen, was sie will. Seit zwei Tagen haben wir kein einlaufendes Wasser erlebt, jederzeit strömt es hinaus. Die Tide nach Vollmond (Springtide) und der Wind haben da wohl den eigentlichen Rhythmus ziemlich durcheinander gebracht.

Wir laufen erst einmal eine Boje am Westass an und ich erkunde mit dem Beiboot die Situation im Pass. Auslaufendes Wasser, recht kräftig. Aber keine stehende Welle, nur kleinere Strudel und stärkeres Kabbelwasser erst draußen außerhalb der engen Riffdurchfahrt. Ok, das können wir probieren. Tatsächlich werden wir beim Hinausfahren kaum durchgeschaukelt und auch nicht vom Kurs abgebracht. Allerdings schießen wir mit bis zu zwölf Knoten Fahrt wie ein Korken aus der Flasche. Puh, aufregend, aber gut.

Ein paar Seemeilen weiter bekommen wir einen WhatsApp-Anruf von Theresa. Sie ist ziemlich aufgelöst, Joe hat aus unbekanntem Grund akute Gesundheitsprobleme.

Wir drehen um und fahren zurück Richtung Pass. Unterwegs bringen wir die WhatsApp-Nummer der Rettungsleitstelle in Tahiti in Erfahrung, Telefonempfang hat Theresa am Ankerplatz nicht.

Die Strömung im Pass hat sich leider kaum verändert. Gegen gut 5 Knoten Gegenstrom kämpft sich die Flora quälend langsam zurück in die Lagune von Aratika. Immer noch sieben Meilen bis zur Freefall. Unterwegs kommt mit Brassfahrt ein Dinghy von hinten auf. Die beiden Franzosen darin rufen uns zu, das eine Krankenschwester an Land sei. Wir erklären, dass der Notfall nicht bei uns an Bord sondern auf dem Katamaran im Osten der Lagune vorliegt und klären, wie wir die Hilfe an Bord bekommen können.

Kurz nachdem wir bei der Freefall ankommen, braust dann ein lokales Boot mit der Krankenschwester heran. Gemeinsam schaffen wir es, Joe auf das Local-Boat zu bekommen. Theresa fährt mit und sie brausen davon.

Etwas später erfahren wir, dass der Rettungsflieger unterwegs ist um Joe nach Tahiti ins Krankenhaus zu bringen. Wir suchen auf der Freefall ein paar Sachen für Joe zusammen und ich bringe sie zum Flughafen, wo wir gemeinsam auf den Rettungsflieger warten. Als er gelandet ist, untersucht die Ärztin Joe in der leeren Wartehalle des Flughafens (hier landet normalerweise nur einmal pro Woche ein Linienflugzeug). Sie entscheidet, dass er flugfähig ist und zur weiteren Untersuchung nach Tahiti ausgeflogen werden soll. Theresa kann allerdings nicht mitfliegen.

Die nächsten Tage sind eine emotionale Achterbahnfahrt. Wir sind froh, dass wir umgekehrt sind und Theresa unterstützen können.

Es ist jedenfalls gut zu wissen, dass das Rettungssystem auch auf kleineren bewohnten Inseln der Tuamotus funktioniert, fast alle haben einen kleinen Flughafen. Und – Lessons Learned – wir nehmen uns vor, die Notfall-WhatsApp -Nummer der jeweiligen regionalen Rettungsleitstelle künftig gleich in unsere Handys zu speichern. Eine aktive lokale SIM-Karte macht (Empfang vorausgesetzt) auch manches leichter. So haben wir gelernt, dass hier in Französisch Polynesien die Rettungsleitstelle per Handy über die Telefonnummer 16 (wie der UKW-Anrufkanal) erreichbar sein soll.

Zwei Tage nach unserem ersten Versuch laufen wir dann wieder durch den Pass aus, wieder mit reichlich Strömung, aber unproblematisch. Wir wären noch länger geblieben, aber unsere Gäste Karen und Steve kommen in Fakarava an, insofern wird es höchste Zeit. Aber immerhin sind die Untersuchungen von Joe jetzt durch und es geht ihm besser, er fliegt zwei Tage später zurück zur Freefall. Wir bleiben in Kontakt und immerhin auch räumlich in der Nähe. Für Freefall und Flora steht ja demnächst der etwas längere Schlag zurück Richtung Papeete an, das werden wir wohl als Buddy-Boote angehen.

Nachdem wir ja im letzten halben Jahr keinen einzigen Fisch mehr gefangen haben (und in den Atollen wegen der Ciguatera-Gefahr nicht angeln oder speeren), ist uns auf der Überfahrt von Aratika nach Fakarava endlich wieder einmal das Angelglück hold. Und wie! Passend zur Crewerweiterung von zwei auf vier ziehen wir nach längerem Kampf einen wirklich großen Mahi Mahi an Bord:

Mit Karen und Steve erkunden wir einmal mehr Fakarava, schaffen auch erstmals eine Fahrradtour über die Insel.

Und, obwohl wir schon so oft hier waren, erleben auch wir dabei neben Bekanntem auch wieder einiges Neues und so von uns noch nicht gesehenes.

Szenenwechsel und doch das Gleiche?

Wir segeln etwa dreißig Seemeilen nach Norden. Herrlich geschütztes Segeln ohne Ozeanschwell, einfach innerhalb des Atolls. Immer noch Fakarava. Nur liegen wir jetzt wieder vor dem Ort Rotoava. Eine der ersten Aktionen ist tatsächlich, den Müll wegzubringen, der sich innerhalb der letzten drei Wochen angesammelt hat. Sehr viel ist es eigentlich nicht, etwa eine mittlere Mülltüte pro Woche, den Hygienemüll aus dem Bad schon dabei. In Rotoava gibt es die einzige legale Möglichkeit der ganzen Gegend (einschließlich der umliegenden Atolle). Glas, Plastik und Dosen werden getrennt gesammelt, die Beutel mit dem Restmüll kommen auf ein Gestell direkt am Dinghydock.

Einen Termin für die Laundry machen. Und dann einkaufen. Das Versorgungsschiff ist gerade da, wir finden also einen ausnahmsweise gut gefüllten Obst- und Gemüsetisch im Markt vor. Was zu Hause als sehr bescheidene Auswahl gelten würde, zaubert hier glückliche Gesichter.

Außerdem mache ich gemeinsam mit Ralph von der Lille Venn sowie Theresa und Joe von der Freefall noch einmal zwei Tauchgänge, diesmal am Nordpass von Fakarava. In dem breiten Pass ist das Finden des Highlights Ali-Baba-Canyon nicht ganz einfach, wir gehen deshalb mit der Tauchschule TopDive hinaus. Wieder gibt es unfassbar viele Haie, insbesondere am Dropoff, der äußeren Grenze des Passes. Hier fällt die Wassertiefe von etwa 20 Metern auf kurzer Distanz steil auf mehrere hundert Meter Tiefe ab.

An dieser Kante tummelt sich Schwarmfisch – und eben Haie.

Und wie schon am Südpass finden sich auch hier wieder die riesigen Napoleonfische. Mit Ihren zumeist bedächtigen Bewegungen, ihrer “Denkerstirn”, den wulstigen Lippen und der feinen Labyrinth-Zeichnung sehen sie faszinierend aus.

Sie sind zumeist eher scheu als neugierig. Und doch: unterschätzen sollte man sie nicht. Nach dem ersten Tauchgang ist eine junge dänische Taucherin aus einer parallelen Tauchgruppe immer noch sichtlich geschockt. Ein Napoleon ist plötzlich von unten her auf sie zu geschossen und hat sie ins Handgelenk gebissen. Wohl nicht dramatisch, aber es blutet doch etwas. Hm.

Für unsere Gruppe führt der zweite Tauchgang (nach der Pause) dann zum Ali-Baba-Canyon. Wie beim letzten Mal mit Wiebke ist es auch diesmal ein strömungsreicher Drift-Tauchgang, aber wiederum begeistert der Fischreichtum im Canyon.

So. Erstmal genug getaucht, morgen wollen wir Fakarava mit seiner für die Tuamotus so seltenen Infrastruktur (Ver- und Entsorgung, Servicebetriebe wie Wäscherei, Restaurants, Tauchbasen) wieder verlassen. Es soll noch ein kleines Stück weiter nach Norden gehen, diesmal also hinaus auf den offenen Pazifik und ins nächste Atoll, nach Toau.

Um es mit Detlef Buck zu sagen: “Same same but different.“

Wieder zur Wall of Sharks, aber erst einmal Marlin!

Der Wecker klingelt um kurz nach fünf. Früh raus, das passt gut mit der Tide im Pass von Tahanea und es gibt uns außerdem genügend Zeit, um bei Tageslicht in Fakarava anzukommen.

Tatsächlich können wir praktisch die gesamte Strecke von etwas über 50 Seemeilen wunderbar segeln, größtenteils unter Gennaker. Am Anfang klassisch, zwischendurch auch mal ohne Großsegel, am Ende dann Schmetterling mit Gennaker und Groß.

Ein traumhafter Segeltag. Einziger Wermutstropfen: wieder kein Fisch gefangen.

Das allerdings erweist sich als nicht so tragisch. Die parallel segelnde Freefall verkündet in unserer WhatsApp-Gruppe: Fisch für alle! Sie haben einen knapp unter 2.5 Meter langen Marlin an Bord gezogen.

Photo credit: Theresa, SV Freefall

Kein Wunder, dass sie plötzlich etwas langsamer geworden und als letzte beim Ankerplatz am Südpass ankommen. Allerdings hat sich Joe beim Ausnehmen an der Hand verletzt, Hilfe beim Filetieren wäre also gewünscht.

Das übernehme ich doch gerne und ich bekomme es auch gerade noch vor dem Dunkelwerden hin. Der schon kopflose Marlin auf dem Heck der Freefall:

Die Wall of Sharks muss also noch etwas warten. Allerdings versammeln sich einige Haie hinter der Freefall, obwohl wir die Abfälle natürlich extra in großer Entfernung vom Ankerplatz entsorgen. Allein das Sauberspülen des Hecks sorgt schon dafür, dass die nächsten beiden Tage niemand von Bord der Freefall aus ins Wasser gehen möchte. 20 Haie direkt am Schiff zählt Joe. Flora liegt nur 100 m weiter vor Anker, aufgeregte Haie zeigen sich bei uns aber zum Glück nicht.

😉