Minerva. Innehalten im Auge des Ozeans. Was für ein Geschenk!

Dankbarkeit. Ehrfurcht. Glückseligkeit. Schwer in Worte zu fassen, was die ruhigen Tage hier im Minerva Riff uns so fühlen lassen.

Wir sind wie aus der Zeit gefallen, oder mehr noch: wie aus dem Raum, aus unserer an besonderen Orten ja schon nicht eben armen Welt. Hinein in diese Blase eines ganz eigenen Mikrokosmos.

Als stets präsentes Hintergrundgeräusch rauscht leise die Brandung auf dem Riff, sonst ist es einfach still. Der Wind hat deutlich abgeflaut. Keine Vögel, kein Zivilisationslärm, Allenfalls fährt ab und zu ein Dinghy vorbei oder eine befreundete Crew kommt auf einen Schnack herüber.

Denn ja, wir sind natürlich nicht alleine hier. Es ist Hauptsaison für den Schwarm der seglerischen Zugvögel nach Neuseeland. Das schmälert aber keineswegs das Gefühl, an einem einmaligen Ort sein zu dürfen. Eher im Gegenteil, diesen besonderen Ort gemeinsam mit Freunden erleben zu dürfen fühlt sich eher noch intensiver an, ein bisschen „wirklicher“.

Alle scheinen die „Pause“ bei wirklich idealen Bedingen hier auf Minerva zu genießen, ein Wetterfenster für die Weiterfahrt nach Neuseeland zeichnet sich nicht vor Mittwoch ab.

Mit Ralf und David von der Barbarella fahren Wiebke und ich zum Schnorcheln an den Pass. Spektaläre Drop-Offs machen deutlich, wie steil das Minerva-Riff aus der Tiefe des Pazifiks emporsteigt. Einmal mehr ändert sich die Fischwelt ein wenig, so sehen wir erstmals die weiß-gelb-schwarzen Diamant-Falterfische.

Am Nachmittag fahre ich dann mit Ralf, David, Phil und Jean-Luc hinüber ans Riff. Das Riffdach ist rund um Minerva ziemlich breit und bei Ebbe überwiegend gut begehbar. Es bietet gute Chancen, Lobster zu fangen, dieses Mal ist allerdings nur Jean-Luc erfolgreich, Phil fängt ein eiertragendes Weibchen, das er gleich wieder frei lässt (einer der Gründe, warum wir nicht mit Harpunen auf Lobsterfang gehen).

Abends dann Potluck auf der französischen Inajeen bei Soize und Ben gemeinsam mit den Crews der Naida, der Clair de Gouêt und der Skylark.

Heute gibt’s dann für Wiebke und mich Sonntags-Schnorcheln vom Feinsten. Nahe bei unserem Ankerplatz liegen im Flachwasser die Überreste des kleinen Stahlfrachters Commonderry der hier im Jahr 1969 und damit 83 Jahre nach seinem Stapellauf verunglückte. Wer sich für die wirklich ereignisreiche Geschichte der Commonderry interessiert, findet hier nähere Angaben.

Bug und Heck des auseinander gebrochenen Rumpfes liegen ein ganzes Stück voneinander entfernt. Bei unserem ersten Besuch finden wir nur den Bug, einige Metallteile davon ragen auch bei Hochwasser an die Oberfläche.

Spannend, dass nach so vielen Jahren doch noch Details der Schiffstechnik auf dem Vorschiff erkennbar sind, obwohl sich eben auch farbenfrohe Korallen angesiedelt haben.

Das kleine Wrackteil des Schiffsbugs beherbergt eher wenige Fische. Ganz anders ist das bei den anderen Überbleibseln der Commonderry, die wir am Nachmittag bei etwas niedrigerem Wasserstand näher am Riffdach ausfindig machen.

Vor allem Schwärme von Gelbstreifen-Meerbarben und auch viele große Harlekin-Süßlippen mit ihren auffälligen schwarz-weißen Punktmustern halten sich mit unzähligen anderen Meeresbewohnern im und am Wrack auf. Und sie sind wenig scheu, das macht diesen Schnorchelgang im sonnendurchfluteten, glasklaren und damit farbenfrohen Flachwasser regelrecht magisch für uns.

Das passt sich wunderbar ein in unsere Minerva-Stimmung.

Tonga: Nuku zum Abschied für Emma und Claas

Zum Abschied geht’s mit Emma und Claas noch einmal an einen Ankerplatz im Inneren der Vava‘u-Gruppe. Es hat immer noch recht viel Wind, wir wählen daher den Ankerplatz #8, Nuku. Der Name steht für die unbewohnte kleine Insel etwas westlich des Ankerplatzes, der eher an der etwas größeren Insel Kapa liegt.

Die beiden Inseln trennt ein flaches Riff, ideal zum Schnorcheln. Emma entdeckt sogar einen Pazifischen Feuerfisch.

Die kleine unbewohnte Insel Nuku hat einen wunderbaren Sandstrand zum Anlanden des Dinghies sowie zum Flanieren am Ufer und sie bietet mit ihren Palmen und dem hellen Türkis des Flachwassers am Riff zum Abschied noch einmal so richtig Bilderbuch-Südseekulisse.

Tschüss Ihr beiden, kommt gut wieder nach Hause. Es war richtig schön mit Euch!

Tonga: an der Steilküste von Vava‘u; Walgesang und Spinner-Delfine

Die Vava‘u-Gruppe hat viele Facetten. Niedrige, palmenbestandene Inselchen prägen den Süden, im Norden aber erhebt sich wie ein Bollwerk Tonga‘s zweitgrößte Insel mit ihren schroffen Steilküsten aus den Tiefen des Ozeans. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Östlich von Tonga fällt der Pazifik im Tonga-Graben bis auf 10.882 m unter NN ab. Hier taucht die Pazifische Platte unter die australische Platte. Nur der Mariannengraben ist mit 11.034 m noch etwas tiefer. Die tektonischen Verschiebungen haben auch dafür gesorgt, dass sich der Korallenkomplex der Vava‘u-Gruppe schräg aus dem Meer hob und die Inselgruppe jetzt von der Seite betrachtet wie eine schiebe Ebene wirkt. Die Insel Utu Vava‘u bildet mit fast 90 Quadratkilometern Größe die hohe Nordseite dieser Schräge.

Und genau dorthin segeln wir zu unserem nächsten Ankerplatz, in die Vaiutukakau-Bucht, draußen an der Nordwest-Seite der Inselgruppe.

Der Ankerplatz trägt ausnahmsweise keine Nummer, ist aber trotzdem kein echter Geheimtipp mehr. Es hat sich inzwischen unter den Seglern herumgesprochen, dass hier gute Chancen bestehen, Wale zumindest zu hören und Spinnerdelfine zu sehen. Zudem bietet sich das glasklare Wasser der Bucht zum Schnorcheln an.

Jedenfalls aber ist der Ankerplatz vor der 100 m hohen und praktisch senkrecht abfallenden Steilküste wirklich imposant.

Der Wetterbericht hat Böen bis über 30 kn aus Südost vorhergesagt, aber geschützt von der hohen Küste werden wir davon tatsächlich nichts mitbekommen. Stattdessen können wir bei fast glattem Wasser in aller Ruhe die Paddelboards nutzen und ausgiebig im klaren Wasser schnorcheln. Emma und Claas entdecken viele neue Fische wie zum Beispiel den von ihnen so genannten „Panda“-Kofferfisch, außerdem noch einige inzwischen bekannte Fische, Claas findet zudem sogar einen gut getarnten Oktopus.

Es gefällt uns so gut dass wir beschließen, noch eine weitere Nacht zu bleiben. Das erweist sich als Glücksgriff. Schon am Abend und dann auch immer wieder während der Nacht können wir innen im Schiff deutlich Walgesänge hören. Draußen ist das kaum zu vernehmen, aber der Schiffsrumpf scheint die Schallwellen im Wasser aufzunehmen. Wir bekommen die Wale nicht zu sehen, es ist gleichwohl ein wunderschönes Erlebnis.

Das nächste Highlight folgt Tags darauf. Wiebke und ich sind schon im Cockpit, als wir ein leises Schnaufen hören. Delfine! Wir rufen gleich Emma und Claas aus der Koje, aber der Eile hätte es gar nicht bedurft. Den ganzen Vormittag bleibt eine große Schule von gut 80 Ostpazifischen Delfinen in der Bucht. Auch als Langschnauzen-Spinner-Delfin bekannt, gehören diese Meeressäuger zu den Delfinen mit der akrobatischsten Sprüngen. Teilweise springen sie hoch aus dem Wasser und vollführen dabei diverse Drehungen um ihre Längsachse (Spins). Auch wenn sie sich damit heute zurückhalten und überwiegend ruhig zwischen den ankernden Booten und dem felsigen Ufer dahinziehen, manchmal drehen sie sich im Wasser einfach mal um sich selbst, zeigen uns den Bauch, und ein paar übermütige Sprünge streuen sie dann doch ein (wie immer: für bessere Auflösung auf ein Bild klicken).

Hier noch ein kurzes Video:

Die Zugabe gibt’s, als wir gegen Mittag dann doch den Anker lichten. Mehrere Tiere lösen sich von der jagenden Schule und begleiten die Flora am Bug spielend aus der Bucht hinaus.

Tonga. Vava‘u und die Flora halten uns auf Trab.

Was für ein wunderbares Revier. Auch wenn wir gerne länger an einem einmal gewählten Ankerplatz bleiben, wollen wir unseren Gästen doch auch etwas Abwechslung bieten. Hier in der Vava‘u-Gruppe fällt das leicht. Die traumhaften Ankerplätze liegen nahe beieinander und selbst zum Hauptort ist es meist nur ein kurzer Schlag.

Für eine Nacht stoppen wir am Ankerplatz #6 (Mala). Wir sind begeistert vom Schnorcheln an den kleinen Felsinselchen, viel bunter Korallenfisch, Moränen, Anemonen und damit auch Clownfische, das alles in kristallklarem Wasser.

#6

Beim Abduschen nach dem Schnorcheln gibt’s allerdings eine unangenehme Überraschung: nur ganz kurz kommt noch Wasser. Hm. Die Tankanzeige steht auf voll, die Pumpe macht allerdings ein seltsames Geräusch. Also dann muss wohl eine Ersatzpumpe ran, die hatten wir allerdings auch wegen viel zu häufigem Anspringen ausgetauscht und eigentlich nur als Teileträger behalten. Jetzt macht sie kurzfristig mehr Druck und bringt den Wasserhahn zum Sprötzeln, mehr aber auch nicht. Sollte die Tankanzeige klemmen und der Tank leer sein?

Wir stellen den Wassermacher an und motoren zum Ort. Wir holen unsere gefüllte Gasflasche ab, außerdem die neuen Crew-Shirts. Und wir füllen die Vorräte auf. Außerdem finden wir beim Schiffsausrüster noch eine neue 12V Druckwasserpumpe – super, zumindest ein funktionierendes Backup. Einbauen brauchen wir sie noch nicht, mit dem jetzt wieder gefüllten Frischwassertank funktionieren Dusche und Wasserhähne wieder. Das bedeutet allerdings, dass wir den Salontisch ausbauen und die Bodenbretter losschrauben müssen. Nur so kommen wir an die Inspektionsluke für den Wassertank und können die klemmende Tankanzeige wieder gängig machen. Emma und Claas werden natürlich zur Bootsarbeit mit eingespannt.

Zur Belohnung gibt es Abends im „Basque“ ein Abschiedsessen mit Bonnie und Bob von der Scout. Die beiden wollen weiter nach Fiji und werden wohl das nächste passende Wetterfenster nehmen. Da sie in Fiji aber länger bleiben werden, treffen wir sie hoffentlich dort im Frühsommer 2026 wieder.

Wir verholen am nächsten Morgen ein weiteres Mal, jetzt zum Ankerplatz #16 an der Insel Vaka‘eitu. Auf dieser privaten Insel lebt nur eine zehnköpfige Familie. Am Strand treffen wir Dorothy mit zwei ihrer drei Kinder. Sie begrüßt uns freundlich und erlaubt uns bereitwillig, auf ihrer Insel herum zu wandern. Wir melden uns auch gleich für das „Tongan Feast“ an, das hier am Ende der Woche stattfinden soll.

Zurück am Dinghy erwartet uns eine Überraschung: direkt am Strand schlängelt sie sich schwarz weiß geringelt im flachen Wasser: das sieht nach einer hochgiftigen gebänderten Seeschlange aus.

Wäre allerdings nicht sehr gefährlich für uns, denn diese gut einen Meter langen Schlangen haben ein so kleines Maul, dass sie Menschen eigentlich kaum beißen könnten. Und – wichtiger – das Tier sieht wirklich nur sehr ähnlich aus. Tatsächlich bedient sich hier ein gebänderter Schlangenaal der Mimikry. Er imitiert in seiner Erscheinung weitgehend die Seeschlange, ist aber komplett harmlos. Erkennbar ist er vor allem an der Zeichnung am Kopf (Auge im weißen Bereich) und an den gelegentlich vorkommenden schwarzen Punkten in den weißen Bereichen. Das musste ich allerdings erst mal nachschlagen. Diese Schlangenaale lieben flache sandige Flächen in Lagunen und Riffen, aber es ist trotzdem der erste seiner Art, den wir sehen.

Auch der heutige Morgen bringt uns Tiere direkt ans Schiff. Als wir wach werden, hören wir rund um die Flora herum in kurzen Abständen ziemlich heftiges Plantschen. Ein Schwarm kleiner Fische sucht unter unserem Boot Schutz. Diverse Raubfische versuchen sie vom Rumpf weg an die Oberfläche zu treiben, wo sie sich leichter jagen lassen. Die ins Wasser gehaltene GoPro enthüllt, dass neben Dicklippen-Makrelen einige Blauflossenmakrelen und auch mehrere kleine Thunfische (Wavyback-Skipjacks) zu den Jägern gehören.

Einige Noddie-Seeschwalben, vor allem aber eine Menge an Schwarznacken-Seeschwalben nutzen die Gelegenheit, um die aus ihrem Versteck getriebenen kleinen Fische von oben anzugreifen.

Es ist insgesamt ein langanhaltendes ordentliches Spektakel. Die uns als Zuschauern gebotene Unterhaltung passt ja eigentlich auch gut zu einen Ankerplatz, der ein wenig an ein natürliches Amphitheater erinnert.

Tonga, Kapa Island, #7

Nummer 7 gefällt uns richtig gut. Die besten Ankerplätze der Vava‘u-Gruppe sind (von 1 bis 42) durchnummeriert und bei den schwer aussprechbaren Namen hat sich diese Nummerierung tatsächlich als Bezeichnung durchgesetzt. Unser Platz hier an der Westseite von Kapa Island trägt die #7. Das hat den Vorteil, dass wir morgen früh von hier aus abgeholt werden können. Das Whale-Watching-Boot fährt zwar vom Hauptort Neiafu ab, sammelt aber bei Bedarf auch von den Ankerplätzen 5 bis 8 ein. Wir können also eine halbe Stunde länger schlafen.

Aber nicht nur das macht die #7 attraktiv. Der Sandstrand im Scheitel der Bucht bietet sich für das Anlanden mit dem Dinghy an. Und gleich hinter dem Strand beginnt ein Weg, wir können uns also die Beine vertreten und die Insel erkunden.

Blüten am Wegesrand werden dabei nicht nur bewundert, sondern auch gleich als Verzierung von Emmas Hut platziert.

Und auch die Tierwelt bietet neben Bekanntem (und immer wieder aufs Neue faszinierendem) wie den Flughunden und der Tonga-Taube …

… auch Neues und bisher nicht vor die Linse bekommenes wie die Schwarznacken-Seeschwalben …

… und die herrlich blau schillernden Pazifischen Eisvögel:

Aber auch zu Wasser bietet sich #7 für Exkursionen an. Wiebke und ich machen eine ausgiebige Paddeltour mit dem Kajak. Etwa drei Seemeilen weit geht es am Ufer der Bucht und pilzförmigen Inselchen entlang zur „Swallows Cave“ und zurück. Ein bisschen ungewohnt für unsere untrainierten Schultern, aber trotzdem herrlich.

So beeindruckend, dass wir am frühen Nachmittag mit Emma und Claas im Dinghy noch einmal dorthin fahren. Diesmal haben wir Schnorchelsachen dabei, die hochstehende Sonne fällt durch ein Deckenloch im Eingangsbereich, beleuchtet das Felsentor und schickt durchs Blätterdach gefilterte Strahlen durchs klarblaue Wasser bis zum Grund der Höhle, während das Wasser drumherum fast unheimlich dunkel bleibt.

Übrigens, auch ohne weitere Action lässt es sich in #7 aushalten.

Besuch in Tonga

Kaum zu fassen. Unsere Nichte Emma ist bisher nur ein einziges Mal geflogen, vor sechs Jahren hat sie uns zu Beginn unserer Langfahrt auf Sizilien besucht.

Und jetzt – inzwischen 22jährig – fliegt sie mit ihrem Freund Claas buchstäblich um die halbe Welt. Für Claas ist es die allererste Flugreise und das tatsächlich über die USA und Fiji hierher nach Tonga, wow! Die mit der langen Reise verbundene Anstrengung lassen sich die beiden jedenfalls nicht anmerken, als wir sie am Flughafen von Vava‘u abholen.

Erst einmal bleiben wir mit den beiden am Liegeplatz vor dem Hauptort Neiafu, denn für die folgenden Tage ist eher raues Wetter angesagt. Außer einigem Regen bekommen wir in der geschützten Bucht zum Glück nicht allzu viel davon ab. Außerdem gibt uns dass die Gelegenheit, den Ort Neiafu mit seinem Fruchtmarkt zu erkunden, die Flughunde zu bewundern, den Gottesdienst am Sonntag mit den traditionell festlich gekleideten Tonganern zu besuchen und auch noch eine Wanderung zur Vaimumuni-Höhle zu machen.

In der nahe am Meer gelegenen und auch mit Süßwasser gespeisten Höhle kann man ein Bad nehmen. Allerdings erwartet uns jenseits des niedrigen Eingangs ziemliche Finsternis.

Eine kurze Holztreppe führt drinnen hinunter zum Wasser. Wir haben aber zwei Taschenlampen dabei. Mit der einen erkunden Claas und ich schwimmend die Höhle, mit der anderen haben Wiebke und Emma von der Treppe aus ein wachsames Auge auf uns.

Am Dienstag hat sich das Wetter dann beruhigt und nach letzten Einkäufen bewegen wir die Flora von Neiafu weg zum ersten Ankerplatz auf Tonga. Gar nicht so weit, einfach nur kurz ums Eck (die Entfernungen in der Vava’u-Inselgruppe sind wirklich nicht sehr groß). Und trotzdem: gefühlt eine völlig andere Welt.

Die Paddelboards und das Kanu werden aufgeblasen, damit lässt sich die schöne Ankerbucht wunderbar erkunden. Bilderbuch mit Sandstrand und Palmen. Muscheln sammeln, Schnorcheln im klaren Wasser.

Südsee eben. 😎

Tagesausflug nach Fiji?!?

Es geht uns schon viel besser. Weil wir mit den noch verheilenden Wunden aber erstmal nicht ins Wasser wollen und mit der Antibiotika-Behandlung auch intensive Sonne meiden sollten, nutzen wir spontan die Gelegenheit einfach mal einen Ausflug zu machen. Einen längeren.

Wir beschließen, Flora in der Marina in Apia spinnennetzmäßig zu vertäuen und für einen Monat nach Deutschland zu fliegen.

Dabei können wir dann auch ein paar Ersatzteile besorgen und sowieso in Deutschland einige Sachen erledigen.

Wir bekommen sogar kurzfristig einigermaßen preiswerte Flüge. Und so zeigt uns das Bild auf dem Flug von Apia nach Nadi in Fiji. Allerdings ist der Flugplan hinsichtlich der Reisedauer nicht eben optimal. Morgens um 5.00 Uhr fliegen wir in Samoa los, in Fiji haben wir dann von 6:30 bis 22:50 Aufenthalt.

Ein Tag in Fiji. 😊

Wir machen das Beste daraus, nehmen uns einen Mietwagen und erkunden ein bisschen die Insel (Viti Levu). Schauen uns frühmorgens die Vuda Marina an,

… fahren dann weiter zum Markt in Lautoka …

… bestaunen die vielen üppig mit Zuckerrohr von den allgegenwärtigen Plantagen beladenen LKW …

… und wir treffen uns mit unseren Segelfreunden von der My Motu in Port Denarau:

Zwischendurch sind wir allerdings so platt, dass wir im Mietwagen ein Nickerchen auf dem Parkplatz in Port Denarau einlegen.

Tja, und jetzt sitzen wir im Flughafen von Nadi und warten auf den Weiterflug nach Singapur. Nach diesem Nachtflug soll es dann morgen Vormittag nach Frankfurt weitergehen, Ankunft dort (und auch noch in Hamburg) Donnerstag Abend.

Dürfte noch ein ziemlicher Schlauch werden, aber wie Wiebke so treffend sagt: Immerhin werden wir chauffiert und müssen nicht selber fahren.

Und dann ein Monat „Heimaturlaub“, das lockt schon sehr!

Rock zum 60. Geburtstag

Echt jetzt? Na ja, so richtig überraschend kommt der 60. Geburtstag natürlich nicht, das Datum steht ja fest und rechnen kann ich einigermaßen. Trotzdem, war nicht früher mal jeder über dreißig schon ein alter Zausel? Aber die Feier meines 30. Geburtstags in Siedenburg habe ich noch gut in Erinnerung und schon da war es so, dass ich nicht nur das Feiern, sondern auch das Älterwerden begrüßt habe. Das fortschreitende Lebensalter abzulehnen hieße in der Konsequenz ja, Stillstand statt Weiterentwicklung zu erhoffen. Wer nicht mehr älter wird ist tot. Und auch rückblickend bin ich für die weitere Entwicklung meines Lebens von 30 bis jetzt 60 ausgesprochen dankbar.

Ein Zehntel dieser 60 Jahre sind wir jetzt schon auf Langfahrt unterwegs, seit wir am 25.06.2019 in Griechenland Floras Leinen losgeworfen haben. Meinen 60. Geburtstag feiern wir also in Samoa. Wie?

Im Rock.

Und mit viel Freude. Darauf stoßen wir an bei leckeren Lunch im „Feast“, dem Restaurant im Sheraton-Hotel.

Abends dann ist Steg-Party mit den anderen Seglern hier in der beschaulich kleinen Marina von Apia.

Zwei verlassene Boote liegen fest zwischen den Pollern vertäut, die einmal den zweiten Steg gehalten haben. Der wurde aber von Stürmen immer wieder beschädigt oder eben ganz weggerissen. Er soll derzeit nicht wieder aufgebaut werden, jedenfalls nicht bevor die Mole am Industriehafen erheblich verlängert wurde und dann mehr Schutz vor Schwell bieten würde.

Neun Segelboote liegen an dem intakten Steg. 8 Einrümpfer und ein Katamaran, was nach der hohen Katamarandichte in Französisch Polynesien schon bemerkenswert ist. Dazu kommen noch ein paar lokale Angelboote und – am Kopfende des Stegs – das Polizeiboot von Apia. Auslaufen sehen haben wir es noch nicht, nur einmal für zehn Minuten zum Warmlaufen der Motoren. Danach folgte eine intensive ganztägige Putzaktion und am nächsten Tag die Besichtigung durch zwei Japaner. Japan sponsert derzeit viel in Samoa, auch die neue Brücke am Hafen wurde mit japanischer Unterstützung errichtet. Jedenfalls liegt das Polizeiboot jetzt schön geputzt aber ziemlich unbewegt am Steg.

Genutzt wird es trotzdem 😉.

Die Crews der meisten Boote unseres Stegs finden sich nach und nach zum Potluck ein.

Die Musikbeschallung liefert, darauf ist am Wochenende Verlass, die direkt an der Marina gelegene Bar.

Chris von der „Hathor“, Einhandsegler aus Schweden, kredenzt zu meinem Geburtstag zudem ein umfangreiches Rum-Tasting mit wirklich edlen Rumsorten der verschiedensten Provenienzen von der Karibik über den Pazifik bis nach Asien. Es wird ein langer, schöner Abend. Dankeschön, ein tolles Geburtstagsgeschenk.

Und 60 ist übrigens wie 30, nur doppelt so schön!

Kleine Sachen, die glücklich machen: Kanu-Hilfe

Wir erleben die Menschen hier in Samoa als ausgesprochen freundlich. Es fällt auf, dass der noch in den Kinderschuhen steckende Tourismus als Chance für das Land gesehen wird. Mehrfach werden wir aufgefordert, doch anderen vom schönen Samoa zu berichten, damit mehr Besucher kommen. Das gilt auch für die Segler. Als wir beim Einklarieren dem Biosecurity-Officer erklären, unser ganzes Obst und Gemüse aufgegessen zu haben, weil wir gehört und gelesen haben, keines nach Samoa einführen dürfen, ist er erschüttert. Nein, so sei das nicht. Den Eigenbedarf dürften wir an Bord haben. Wir sollten das unbedingt auch anderen Seglern berichten, damit sie nicht von einem Samoabesuch abgeschreckt werden. Von unterschwelliger Ablehnung angesichts der immensen Touristenzahlen, die uns in Französisch Polynesien ja auch nur ganz vereinzelt begegnet ist, haben wir hier im etwas abseits der Hauptreiserouten gelegenen Samoa bisher nirgends etwas gespürt. Stattdessen freundliche, hilfsbereite und zuvorkommende Menschen.

Da tut es ganz gut, einmal etwas zurückgeben zu können.

Wir sitzen im Cockpit der Flora hier in der kleinen „Marina“ (ein Steg) von Apia, als wir vom Ufer hinter uns aufgeregte Rufe hören. Ein Mann winkt und ruft uns zu, dass sein Kanu abgetrieben sei.

Ich lasse das Dinghy ins Wasser und hole den Mann am Ufer ab. Dann flitzen wir hinaus in die Bucht von Apia. Koto, so stellt er sich vor, hat am Malecon zwischen Marina und Stadt gefischt, als sein Kanu abtrieb. Er schwamm hinterher, aber das Kanu trieb bei dem starken Wind zu schnell weg und für ihn wurde es langsam gefährlich. Also kam er zurück ans Ufer, lief zur Marina.

Tatsächlich finden wir sein Boot weit draußen in der Bucht, wo der heute sehr frische Wind die See schon ziemlich aufgewühlt hat. Nur ein Frachter und Zweimaster-Katamaran ankern hier draußen.

Mit dem Dinghy ziehen wir das Kanu zurück zum Ufer. Dabei erzählt Koto, dass er das Auslegerkanu selbst gebaut hat. Einen Treibholz-Stamm hat er mit einem Stechbeitel ausgehöhlt, mit Bauholz-Latten dann ein weiteres zurecht gezimmertes Treibholz als Ausleger angebracht. Das Ganze im Wesentlichen nicht geschraubt, sondern mit Laschings flexibel verbunden. Einfach und klein, aber effektiv.

Jedenfalls ist Koto sichtbar erleichtert und glücklich, sein Kanu zurück zu haben. Er besteht darauf, mir einen Fisch zu schenken, ohne die leckere Spanische Makrele (Scomberomorus) lässt er mich nicht davon.

Aber das eigentliche Geschenk hat er mir schon vorher gemacht. Die spontane Gelegenheit, die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Samoaner erwidern zu können, etwas zurück zu geben, uns nützlich zu machen. Dankeschön.

Samoa mit Elisa

Wir kommen auf Samoa an und haben das Gefühl, dass die Uhr tickt. Nur drei Tage haben wir noch gemeinsam mit Elisa hier, dann fliegt unser Patenkind schon wieder ab. Wie schnell doch sieben Wochen vergehen.

Entsprechend packen wir die Tage ziemlich voll. Am Montag bringen wir zunächst Wäsche weg und erkunden dann zu Fuß die Stadt. Der eigentliche Innenstadtbereich von Apia ist klein, wir lassen uns treiben, streifen durch die Nebenstraßen.

Was auf Anhieb auffällt: die schier unglaubliche Anzahl an Kirchen. Schon bei unserer Anfahrt mit dem Boot war das von See aus auffällig, zumal die blaue Kathedrale im Scheitel der Bucht von Apia die Skyline prägt. Sie wurde als Ersatz des nach dem schweren Erdbeben von 2009 abgerissenen Wahrzeichens der Stadt, der alten weißen Kathedrale, an gleicher Stelle errichtet und 2014 fertiggestellt.

Wir schauen uns die Kathedrale auch von innen an. Im blankpolierten Boden spiegeln sich die bunten Glasfenster, ansonsten dominiert Holz. Leider bleibt uns die Bedeutung der gemalten Personen in der Rotunde unklar. Der Christusfigur gegenüber sitzt eine Frau. Die übrigen Sitzenden tragen zumeist eine Ula Fala, die traditionelle rote, aus Pandanuss-Samen gefertigte Ehrenkette für hochgestellte samoanische Personen.

Wir kommen bei unserem Spaziergang noch an zig anderen Kirchen vorbei. Gefühlt kommen in Samoa auf je drei Häuser eine Kirche. Im Ernst, die Kirchendichte ist kaum zu glauben. Nicht alle, aber doch recht viele sind in sehr gutem Zustand und verglichen mit den Häusern der Umgebung recht pompös. Es gibt aber auch Gegenbeispiele.

Ein zweites großes Gebäude war uns schon bei der Anfahrt aufgefallen:

Es ist das Regierungsgebäude Samoas, auch das Immigration Office befindet sich hier. Und auch diesem Gebäude statten wir bei unserem Rundgang einen Besuch ab. Wir können dort nämlich unsere gestempelten Pässe sowie die Bootspapiere abholen.

Die auffällige „Haube“ auf dem Gebäude symbolisiert übrigens ein „Fale“ bzw. dessen traditionelle Dachform. Ein Fale ist ein Wohn- oder auch Versammlungshaus. Ursprünglich palmblattgedeckt und komplett ohne Wände auf Holzsäulen ohne Metallverbinder errichtet, haben heute viel Fale eine von Wänden umgebene, abgetrennte Ecke und sind zumeist mit Wellblech gedeckt. Als große Versammlungsstätten sieht man sie in jedem Dorf, auf dem Land oft auch noch als Wohnhäuser.

Die kleinere Version dieser Gebäude, Faleo‘o genannt, bezeichnet, dienen als Küchenhäuser, Abstellräume oder als kleine Strandhäuser.

Wir nutzen eines der letzteren, als wir am nächsten Tag mit dem Mietwagen hinüber auf die andere Inselseite von Upolu fahren.

Dort besuchen wir den To-Sua Oceantrench, ein Sinkhole bzw. eine Doline. Im Prinzip eine Höhle mit eingestürztem Dach. Mit der Besonderheit, dass sie (wie den Cenoten in Mexiko) eine unterirdische Verbindung zum nahen Ozean aufweist und ein nur über eine steile Holztreppe zu erreichendes wunderbares Naturschwimmbad ist.

Die Fahrt dorthin und auch die Weiterfahrt führt durch die Berge im Zentrum von Upolu. Zum Teil ziehen sich Plantagen an den Hängen entlang, wo es steiler wird weidet Vieh auf Bergwiesen. Die höheren Grate sind dafür aber meist zu schroff. Hier fangen sich die Wolken und sorgen dafür, dass Samoa so üppig grün ist.

Die Niederschläge führen in dem steilen Gelände zu zahlreichen Wasserfällen. Wir besuchen die Sopoga Falls, eines der Wahrzeichen Samoas, das auch den 20-Tala-Schein ziert.

Die jetzt tief hängenden Wolken sorgen aber auch dafür, dass wir im Nebel (bzw.. eben in den Wolken) nach Apia zurückkehren, wo dann auch prompt wieder die Sonne scheint.

Abperlende Tropfen auf einem Taro-Blatt

Und was machen wir in Apia? Na ja, in der Stadt natürlich: shoppen! Klingt langweilig? Nicht wirklich. Es gibt sogar ein weiteres „erstes Mal“ für mich: mit fast 60 Jahren kaufe ich meinen ersten eigenen Rock!

Nicht nur hier in Samoa, auch in Tonga und Fidji tragen Männer traditionell Rock. Es ist nicht zwingend notwendig, wird aber als Anerkennung der lokalen Traditionen gesehen, wenn sich Gäste bei offiziellen Anlässen (in Fidji zum Beispiel beim erforderlichen Antrittsbesuch beim lokalen Chief) entsprechend kleiden. Jetzt habe ich dafür also schon mal vorgesorgt. Als wir abends im Restaurant essen gehen, werden Wiebke und Elisa mit „Hello“, ich (im Rock) aber mit dem samoanischen „Talofa“ begrüßt. Auch irgendwie nett. Im Stadtbild von Apia sind die Männerröcke eine ganz normale Erscheinung, auch bei Uniformen. Das gilt bei Jugendlichen auch für die hier üblichen Schuluniformen.

Und natürlich gilt es erst recht für touristische Veranstaltungen wie die Siva-Afi Feuer-Show mit samoanischem Buffet. Vor über zwanzig Jahren aus einer Initiative für Straßenkinder hervorgegangen, hat sich die Veranstaltung um Feuertanz, traditionellen samoanischen Tanz und typische samoanische Küche zu einem Standard in Apia entwickelt.

Die Männerröcke hier sind allerdings dem sportlichen Erfordernis angepasst und deutlich kürzer als die bis über die Knie reichende „Straßenversion“.

Kulturell geht es für uns auch am nächsten Tag weiter. Im „Cultural Village“, einer Art Museumsdorf gleich neben dem Regierungsgebäude, nehmen wir an einer Führung teil. Samoanische Musik, aktives Flechten eines Tellers aus Pandabuss-Palmenblättern, samoanische Küche einschließlich der Demonstration eines Umu-Erdofens, Kokosnussöffnen und Kokosmilchherstellung sowie Vorführung traditioneller samoanischen Schnitzerei stehen auf dem Programm. Außerdem dürfen wir bei Tätowierung zusehen. In einem heiligen und mit besonderen Tabus versehenen Fale (unter anderem: nicht fotografierenund keine Kopfbedeckung) wird nach alter Sitte mit einem kleinen gezackten Kamm tätowiert, der mit einem Holzstöckchen immer wieder tintengetränkt in die Haut geschlagen wird. Auch wenn der Kamm heute mit Metallspitzen aus Titan versehen ist, bleibt es eine sehr schmerzhafte Prozedur. Dies gilt umso mehr, als die samoanischen Tattoos sehr flächig und dunkel sind. Der Übergang vom Jungen zum Mann wird traditionell durch ein Tattoo gezeigt, dass vom unteren Rücken über die Hüfte bis hinunter zu den Knien reicht.

Heute Morgen heißt es dann extrem früh aufstehen, schon um 2:30 Uhr fahren wir mit dem Mietwagen los. Zwar ist Faleolo, der Internationale Flughafen von Samoa, nur etwa 30 km entfernt. Trotzdem ist es fast eine Stunde Fahrt bis dorthin.

Und schon verlässt uns Elisa wieder. Die genau sieben Wochen mit ihr sind so schnell vergangen. Dankeschön Elisa, es war toll mit Dir.