Orcas zum Abschied

Die Chance in British Columbia Orcas zu sehen, ist eigentlich ziemlich groß. Vier verschiedene Populationen gibt es hier. Erstaunlicherweise mischen sie sich nicht, obwohl sich ihre Verbreitungsgebiete überlagern. Sie haben unterschiedliche Verhaltens- und Ernährungsweisen, Forscher haben zudem für die jeweilige Population unterschiedliche Laute und Kommunikationsfolgen bei diesen intelligenten Tieren erkannt und gehen von regelrecht verschiedenen Sprachen aus.

Da sind zum einen die Offshore-Population am Kontinentalschelf vor der Westküste, die sich ausschließlich von Fisch ernährt (unter ihrer Beute finden sich selbst Haie). Die zweite Gruppe bilden die sogenannten „Transients“. Sie ziehen in Küstennähe herum und jagen ganz überwiegend maritime Säugetiere, vor allem Seehunde und Seelöwen, aber auch Delfine und sogar andere Walarten wie zum Beispiel Schweinswale (daher auch die oft reißerisch verwendete Bezeichnung „Killerwal“).

Die dritte und vierte Gruppe bilden die nördlichen und die südlichen „Residents“. Beide Gruppen ernähren sich fast ausschließlich von Lachs. Die beiden Gruppen lassen sich nicht nur geografisch sondern auch genetisch unterscheiden, scheinen sich gegenseitig zu meiden und paaren sich auch nicht miteinander.

Trotz der vier Gruppen: nur insgesamt drei Mal haben wir bisher Orcas gesehen, allerdings jeweils ziemlich kurz und aus großer Entfernung. Es waren vermutlich jeweils Northern Residents.

Jetzt in den Gulf Islands hatten wir ein bisschen auf Southern Residents gehofft, die sich hier häufiger aufhalten sollen. Aber bisher: Fehlanzeige.

Von Saturna Island aus segeln wir nach Portland Island. Als wir ankommen, ist der im Törnführer empfohlene aber ohnehin ziemlich flache Ankerplatz in der Princess Bay bereits gut belegt.

Ist aber kein Problem: nur 500 m weiter um die Ecke herum sieht es laut Seekarte ebenso geschützt aus, sogar etwas tiefer und weiter vom Schwell der vorbei fahrenden Fähren entfernt. Wir probieren es, der Ankergrund ist gut und hier sind wir ganz allein.

Das Beste: zum Dinghydock in der Princess Bay ist es nur ein kurzer Weg, so können wir trotzdem einen schönen Hike auf der unbewohnten Insel machen und uns an den dort wild wachsenden Brombeeren gütlich tun.

Am nächsten Tag motoren wir bei Windstille aus den Gulf Islands hinaus, passieren die kargen Chatham Islands bei mitsetzender Tide …

… und sind damit in der Strait of Juan de Fuca, quasi der südlichen Ausfahrt von BC. Abschiedstour. Hm. Als die Tide kentert biegen wir nach Victoria ab.

Sommer in der Stadt: zwei Tage genießen wir strahlenden Sonnenschein, blauen Himmel und warme 28 Grad. Verglichen mit der Westküste von Vancouver Island ist es hier tatsächlich regelmäßig um einige Grade wärmer.

Wir treffen noch einmal Eliza und Ben. Ben fährt „als Rentnerjob“ im Sommer eines der knuffigen und für Victoria so typischen Hafentaxis. Er macht uns ein wunderbares Abschiedsgeschenk: eine Privattour mit einer der elektrischen Hafenfähren.

Die Route führt vom Liegeplatz an der ikonischen Klappbrücke durch die „Gorge Waters“ mit ihrer bunten Mischung aus Industriehafen, neuem modernen Stadtviertel, Naturbadeanstalten und – weiter den eigentlich nicht wirklich einer Schlucht ähnelnden sondern eher lieblich gewundenen Wasserweg hinauf – auch mit elegant edlen Wassergrundstücken mit Einzelhäusern und Bootsstegen.

Es ist ein herrlicher Einblick in Teile von British Columbias Hauptstadt, die wir bisher noch überhaupt nicht kannten.

Und dann: ist das jetzt ein Wetterfenster? Jedenfalls nutzen wir vorsichtshalber am nächsten Morgen wieder die Tide und fahren die Juan de Fuca weiter hinaus. Mit bis zu 5,5 kn werden wir zwischenzeitlich (zusätzlich zur etwa gleichen Geschwindigkeit durchs Wasser) geschoben, die „Race Passage“ mit dem markanten Leuchtturm auf dem „Great Race Rock“ wird ihrem Namen gerecht.

Auch das ein Geschenk, und die Serie reißt noch nicht ab. Einige Meilen weiter – da hat die Strömung längst wieder auf „nur noch“ zwei Knoten nachgelassen, treffen wir auf einen Clan „Southern Residents“. In mehreren Gruppen ziehen uns die Orcas entgegen. Zunächst sehen wir eine Familie in Ufernähe auftauchen. Wir nehmen den Gang heraus und lassen uns von der Strömung vorbei treiben, aber da kommen uns bereits rechts und links von der Flora weitere Gruppen von Orcas entgegen geschwommen.

Wegen ihrer charakteristischen Rückenflossen, die bei den Männchen schmaler und gerader sind und bis zu 2 m lang werden können, werden sie auch als Schwertwale bezeichnet. In Europa können Segler die Begegnung mit den Orcas leider nicht mehr uneingeschränkt genießen, da es – zunächst vor Spanien, jetzt aber auch an anderen Orten – zu einer Vielzahl von zerstörerischen Angriffen der Orcas auf die Ruder von Segelyachten gekommen ist, mehrere Segelboote sind sogar gesunken. Hatten zunächst auch dort nur wenige Mitglieder einer einzelne Orcafamilie dieses Verhalten gezeigt, hat es sich inzwischen dort weiter verbreitet. Hier in BC und an anderen Orten der Welt (Orcas kommen in allen Weltmeeren vor) zeigen die Schwertwale dieses Verhalten aber (bisher) nicht. Es ist also um so schöner, hier jetzt ohne derartige Befürchtungen so viele dieser wunderschönen Tiere sehen zu können.

Wir sind total geflasht. Was für ein Erlebnis.

Zurück im Wasser, Saturna Island, Rettungsaktion und der Blick in die Sterne

Vor Anker mit Blick auf den 90 km entfernten Mount Baker

Flora schwimmt wieder. Der Wellness-Aufenthalt an Land hat ihr gut getan, das Coppercoat-Unterwasserschiff ist wieder sauber und glatt, der Propeller ist gereinigt und gefettet, die Anoden sind neu, das Ruderlager geschmiert und sogar das von uns selten genutzte Bugstrahlruder quirlt nicht mehr nur das Wasser, sondern schiebt Floras Bug bei Bedarf zur Seite, nachdem die Muschelzucht im Inneren des Tunnels entfernt wurde.

Mit dem “haul out self propelling trailer” wird Flora abgeholt und wieder in ihr eigentliches Bestimmungs-Element gesetzt.

Einen Tag später als ursprünglich geplant, weil zwar die ersetzten drei Borddurchlässe und Seeventile rechtzeitig drin waren, aber auch noch ein Seewasserfilter gewechselt werden musste. Das gestaltete sich tricky: die originalen (europäischen) Seewasserfilter sitzen direkt auf den Seeventilen. Das ist sehr kompakt, bewirkt aber auch einen relativ großen Hebel etwa beim Öffnen eines festsitzenden Deckels. Angeblich aus diesem Grund ist das nordamerikanische System anders: vom Seeventil führt ein Schlauch zu dem senkrecht an einer Wand montierten Seewasserfilter. Der Filter selbst ist zudem auch um einiges größer. Es wird deutlich mehr Platz benötigt. Ein europäischer Filter ist natürlich nicht vorrätig oder kurzfristig zu beschaffen. Den Vorschlag der Montage des großen amerikanischen Filters am Schott zwischen Motorraum und Salon muss ich ablehnen, dort würde er mich beim Wechsel des Impellers zu sehr behindern. Wir einigen uns auf eine Montage an einer Halterung auf einem Stringer, die muss aber erst gebaut werden.

Größenvergleich. Der nordamerikanische Filter steht hier noch verkehrt herum.
Eingebaut. Ganz schön eng, aber es geht.

Nach den Verprovierungseinkäufen (im Costco Großmarkt, frisch vom Feld an einem Straßenstand mit Geldeinwürfen wie in Dänemark und im normalen Supermarkt) sind wir startklar. Wir ziehen wieder aufs Boot. Von Melanie und Chris müssen wir uns trotzdem noch nicht gleich verabschieden, SolarCoaster und Flora laufen zu einem gemeinsamen Wochenende in den Gulf Islands aus. Wochenende zur Hauptsaison, da sind die meisten schönen Ankerbuchten der direkt an die US-amerikanischen San Juan Islands angrenzenden Inselgruppe gut besucht. Aber unsere Gastgeber wissen in ihrem Heimatrevier Abhilfe: der Anker fällt im äußersten Osten des Archipels, in der Narvaez Bay auf Saturna Island.

Den Ankerplatz mit Blick auf den von Gletschern bedeckten und weit drüben am Festland gelegenen Vulkanberg haben wir zunächst ganz für uns allein, erst kurz vor Sonnenuntergang kommen noch zwei kleine Motorboote dazu.

Es ist die Nacht mit dem Höhepunkt des Perseiden-Schauers. Chris als begeisterter Nacht-Fotograf kann sich das natürlich nicht entgehen lassen. Das ist klasse, denn so bekomme ich eine Einweisung in die Grundlagen und kann meine neue Kamera (eine Sony RX 10 IV) entsprechend voreinstellen, um unsere Ankerlieger und den Sternenhimmel abzulichten.

Melanie nimmt Chris und mich auf und fängt damit die Stimmung wunderbar ein:

Und hier ein Ergebnis von Chris:

Die Mehrzahl der Meteoriten zeigt sich aber erst am frühen Morgen. Dass Wiebke und ich auch zu dieser Zeit wieder einige Sternschnuppen zu sehen bekommen, liegt an unserem Motorboot-Nachbar. Kurz vor drei Uhr nachts frischt der Wind kräftig auf. Wiebke schaut nach, ob alles in Ordnung ist und ruft mich dann nach draußen. Unser Nachbar driftet in 20 m Entfernung an uns vorbei Richtung offenes Meer. Sein Anker hält nicht.

Wiebke gibt Schallsignale und ich springe ins Dinghy, fahre hinüber und klopfe am Rumpf, bis der Eigner aufwacht und ein neues Ankermanöver fährt.

Danach sind wir erstmal hellwach, außerdem wollen wir schauen, ob sein ziemlich kleiner Anker (mit kurzem Kettenvorlauf und dann Leine) jetzt besser hält. Also legen wir uns aufs Vorschiff und beobachten in der wunderbar lauen Sommernacht noch einmal den Sternenhimmel.

Die Milchstraße direkt über dem Masttop

Am nächsten Tag (Sonntag) machen wir einen größeren Hike. Saturna bietet mehrere schöne Trails, wir entscheiden uns für die Wanderung hoch auf den Bergrücken und am westlichen Cliff entlang zum rund 400 Meter hohen Mount Warburton Pike. Das sind zwar rund 15 km, aber die Ausblicke auf dieser Strecke sind fantastisch. Nachdem der Aufstieg geschafft ist geht’s hoch über dem Meer auf Ziegenpfaden mal durch den Wald, mal am steilen Abhang entlang. Gulf Islands und San Juan Islands liegen uns zu Füßen, der Blick geht hinüber bis Vancouver Island und Mount Olympia. Nebenbei können wir auch gut erkennen, wie lokal die Wind- und Strömungsfelder in der Inselgruppe sind, die das Segeln hier trotz der kurzen Entfernungen so spannend und anspruchsvoll machen.

Zurück bei den Booten (etwa 24.000 Schritte Training für die Seglerbeine) heißt es dann wirklich Abschied nehmen von unseren Freunden. Chris und Melanie segeln nach Hause, wir dagegen bleiben noch etwas in den Gulf Islands und bereiten uns auf den langen Schlag nach San Francisco vor.

Danke für alles, Ihr Lieben.

Sidney. Per Luftkissen an Land. Erschreckendes Seeventil. Und wunderbare Gastfreundschaft.

Eine Woche sind wir schon in Sidney. Von Victoria aus gleich um die Ecke im Südosten von Vancouver Island und damit in unmittelbarer Nähe der Gulf Islands gelegen, ist Sidney so etwas wie das Segler-Mekka auf Vancouver Island. Ein knappes Dutzend Yacht Clubs und Marinas gibt es hier, dazu die entsprechende Infrastruktur von Segelmachern bis zu Motor-Mechanikern und Elektronik-Spezialisten.

Für uns eine gute Gelegenheit, Flora für den nächsten langen Schlag nach San Francisco fit zu machen. Wir entschließen uns, unser Boot für ein paar Tage aus dem Wasser zu nehmen und ein paar kleinere Wartungsarbeiten durchzuführen.

Aber erst einmal ankern wir in der Roberts Bay, direkt am Haus unserer Freunde Melanie und Chris. Na ja, fast. Ein bisschen Vorsicht ist geboten, der innere Teil der Bucht fällt bei Ebbe trocken, man sollte also nicht bis zu den (ohnehin als privat gekennzeichneten) Bojen fahren. Aber die Seekarten sind akkurat und wir sind ohnehin gewarnt.

Es ist schon klasse, im Garten zu sitzen und das eigene Boot vor Anker beobachten zu können.

Oder aber bei Sonnenaufgang aus dem Fenster.

Das Foto hat Chris gemacht, aber es hätte auch von uns sein können. Denn schon am zweiten Abend paddeln wir nicht mehr zur Flora, sondern beziehen das Gästezimmer im Haus unserer Freunde.

Wir machen gemeinsame Ausflüge und Fahrradtouren, besuchen den privaten Blumenpark Butchart Gardens mit Karussellfahrt, anschließendem Picknick und großem Feuerwerk, machen eine Einkaufstour (Wolle und Kamera) nach Victoria, werden bekocht, gehen Essen und besuchen Freunde der beiden, feiern Chris’ Geburtstag, kurz: wir werden so richtig verwöhnt.

Orca ganz nah (und ganz freundlich)

Aber na klar, auch etwas Arbeit auf Flora steht an. Die neue Armatur in der Pantry installieren wir noch vor Anker. Hört sich einfach an, erfordert aber doch einiges an Boots-Yoga und ein paar Anpassungen an den Anschlüssen. Ein wenig Blut und einige Flüche gehören nun mal zu jeder anständigen Bootsarbeit …

So siehts aus, endlich tropft der Wasserhahn nicht mehr (und deshalb müssen wir auch nicht mehr nachts die sonst regelmäßig anspringende Frischwasserpumpe ausstellen).

Aber die anderen Arbeiten heben wir uns für Floras Landaufenthalt auf. Insbesondere zwei Seeventile sehen nicht mehr sehr Vertrauen erweckend aus, sie und die dazu gehörenden Borddurchlässe sollen getauscht werden. Der Log/Lot/Temperatur-Geber kommt ebenfalls neu. Außerdem hat unser Unterwasserschiff hier im kalten aber an Nährstoffen reichen Wasser des Nordpazifiks etwas Pelz angelegt.

Bei Philbrooks an der Van Isle Marina gehen wir aus dem Wasser. Diesmal nicht wie sonst per Travellift (also per fahrbarem Kran, der Flora mit Schlingen unter dem Bauch hochhebt). Statt dessen bringt ein “45 t haul out self propelling trailer” unser Schiff aufs Trockene.

Und das geht so: Flora liegt am Steg vor der Rampe. Wie von einem überdimensionierten Unter-Wasser-Gabelstapler wird Flora auf die Hörner genommen, links und rechts vom Kiel werden per Fernsteuerung die langen Metallarme (mit großen Luftschläuchen darauf) unter Floras Rumpf platziert. Dann wird das Ganze hydraulisch hoch gepumpt (bzw. die darunter liegenden Räder nach unten gegen die Rampe gepresst. Das alles ohne irgendwelche Abspannung des Bootes, ganz schön aufregend für uns. Flora bleibt waagerecht und wird auf dem jetzt schrägen Gefährt die Rampe hoch gezogen und an Land gesetzt.

Das Coppercoat des Unterwasserschiffs wird nach dem Hochdruck-Reinigen mit 320er Papier angeschliffen. Decken, Vorhänge und Teppiche kommen raus, Waschmaschine und Teppichreiniger unserer Freunde laufen im Hochbetrieb. Was für ein Luxus, wir können bequem in ein paar Minuten von der Marina zum Haus unserer Freunde laufen. Und für die Teppichladung werden wir von Melanie und Chris sogar im Auto chauffiert.

Bootsteppich trocknet mit Aussicht hinterm Haus
Gardinen im Vorgarten

Die Opferanoden hat die Taucherin in Campbell River vor zwei Monaten kontrolliert: “sind noch gut”. Wohl eher nicht, gut dass wir sie jetzt checken und tauschen können.

Opferanode der Antriebswelle alt/neu
Opferanode Propeller alt/neu

Und die Borddurchlässe/Seeventile? Eins überlebt den (allerdings verschärft durchgeführten) Rütteltest nicht und bricht im Verbindungsstück zwischen Seeventil und Seewasserfilter ab:

Die rote Bruchstelle sieht schwer nach galvanischer Korrosion/Entzinkung aus. Das betroffene Fitting wurde bei der nachträglichen Installation des Wassermachers in Griechenland eingebaut. Möglicherweise war es Messing statt gegen Seewasser beständigerer Bronze, aber wir haben ab jetzt ein besonders wachsames Auge auf unsere Borddurchlässe. Alle werden noch einmal gecheckt, drei lassen wir von Philbrooks tauschen.

Aber jetzt ist erst einmal langes Wochenende: Montag ist “British Columbia Day” und damit arbeitsfrei. Mittwoch soll Flora zurück ins Wasser.

Zeit, erstmal bei “Tim’s“ Kaffee und Croissants zu holen. Melanie: “Ihr wart noch überhaupt nicht bei Tim Hortons? Dann lassen Euch die Zöllner bestimmt nicht aus Kanada ausreisen!” Die von der kanadischen Eishockey-Legende Tim Horton gegründete Kaffeehaus-Kette ist wohl eine kanadische Institution.

😇

Rund Vancouver Island: weitere Eindrücke von der Westküste

Verwöhn-Segeln, Flauten-Motoren, 2. Reff im Nebel. Die Küste mal schroff, mal lieblich, mal mit Sandstrand, mal mit skurriler Felsen-Landschaft. Grün und Grau. Inselwirrwarr, schnuckelige kleine Orte oder jetzt gerade die Großstadt Victoria.

Gemeinsam mit Floras Buddyboat, der SolarCoaster, machen wir die Runde um Vancouver Island komplett. Auf Noforeignland sieht unser (engerer) Track um die große Insel jetzt so aus:

Seit wir Ende April in Campbell River wieder losgefahren sind, haben wir 1.688 weitere Seemeilen in British Columbia geloggt. So langsam naht der Abschied aus Kanada, aber ein paar Wochen sind es noch. In der ersten Augustwoche ist noch ein kurzer Werftaufenthalt geplant. Ein paar Seeventile sollen getauscht und das Unterwasserschiff fit für die Fahrt nach Süden gemacht werden.

Aber noch ist es nicht ganz so weit.

Seit Hot Spring Cove haben wir noch einmal die ganze Vielfalt der wilden Westküste genießen können. Erst einmal zieht es uns wieder tief hinein in die Insel. Wir segeln in das Shelter Inlet. Dieser Fjord führt hinter Flores Island herum und versteckt ganz an seinem Nordende die schmale und erst aus der Nähe überhaupt erkennbare Einfahrt in die Bacchante Bay. Spektakulär mit ihren steilen Gebirgsflanken und den vom Logging verschonten Wälder (Strathcona Provincial Park).

Das ausgedehnte Flach im Scheitel der Bucht ist das Delta des Watta Creek. Wir erkunden ihn ein ganzes Stück mit dem Dinghy, bis das steinige Bachbett einfach zu flach wird.

Am nächsten Morgen gehts mal wieder früh raus. Wir wollen durch die Sulphur Passage östlich an Obstruction Island vorbei, das geht nur um Stillwasser herum. Wie so oft herrscht am frühen Morgen absolute Flaute. Landschaft und Wolken verdoppeln sich im Spiegel des Wassers.

Die Passage selbst ist tief, es macht also nichts aus, dass es Niedrigwasser-Still ist, sondern bietet eher den Vorteil, die sonst überspülten Felsen rechts und links des Fahrwassers erkennen zu können und durch das aufschwimmende Kelp die schmale Rinne gut sichtbar markiert zu finden.

Nachdem die Engstellen passiert sind, geht es 10 Meilen den Millar Channel hinunter, bevor wir uns bei Vargas Island um Flachstellen und Felseninseln herum in den offenen Pazifik manövrieren können. Hier wechseln sich schroffen Steinküste und ausgedehnte Sandstrände ab, während im Hintergrund schneebedeckte Berge das Panorama bilden.

Unter Gennaker segeln wir an der Küste hinunter – traumhaft der Blick auf den Gebirgszug.

Wir lassen Tofino, dass wir ja schon von Land aus besucht hatten, an Backbord liegen. Ebenso den berühmten Ganzjahres-Kaltwasser-Surferstrand Long Beach. Unser Ziel ist das etwas südlicher gelegene und weniger touristische Ucluelet.

Der tägliche Weißkopfseeadler. In Ucluelet einer von ziemlich vielen.

Genau richtig, um im Supermarkt mal wieder die Frisch-Vorräte aufzustocken und am nächsten Tag vor der Abfahrt noch einen schönen Hike auf einem Teil des West Pacific Trail zu unternehmen.

Fischotterweibchen mit Jungtier

Danach dann aber flott los: der Nebel hat sich aufgelöst. Wind ist allerdings fast keiner, unter Motor fahren wir in Richtung der Broken Island Group.

Die Broken Islands bieten reichlich geschützte Ankerplätze, allerdings auch ein Gewirr von einigen passierbaren und vielen nur für Kayaks geeigneten Passagen. Wirklich ein Labyrinth.

Am Ankerplatz treffen wir auf die „New Era“, Freunde von Melanie und Steve, die aus Port Alberni mit ihrem kleinen Motorboot hier her gekommen sind. Gemeinsam verbringen wir den Abend auf der SolarCoaster und verabreden uns für den nächsten Tag im nur wenige Meilen entfernten Bamfield. Sehr gut: bevor wir hineinkommen, angeln wir uns einmal mehr Lachs: zwei (allerdings etwas kleinere) Spring-Salmon gehen an den Haken. In Bamfield macht dann die Crew der New Era den Tourguide, Liz und Darren nehmen uns mit auf den Hike durch den schmucken Ort, weiter zum Brady Beach mit seinen imposanten Felsformationen und dem herrlichen Sandstränden. Danach ist ein Tisch im einzigen Restaurant am Ort reserviert und zum Abschluss gibts Cocktails und „Nanaimo-Bar“ Nachtisch bei Liz und Darren. Wir werden rundum verwöhnt.

Dann folgt wieder einmal Nebel-Segeln. Mal licht, mal dichter. Aber immerhin müssen wir auf dem Weg nach Port Renfrew die Maschine ganz überwiegend nicht einsetzen.

Port Renfrew ist hauptsächlich auf kleine Motorboote ausgerichtet, aber für uns Segler findet sich am äußeren Steg auch noch ein Plätzchen. Das Bild des leeren Hafens täuscht, als wir zu unserer Wanderung aufbrechen wollen, sind die Angelboote alle schon ausgelaufen.

Wir haben Glück, Hafenmeister Simon fährt uns mit seinem Auto die 4 km zum Juan de Fuca Park und holt uns sogar wieder ab. So können wir die geologischen Besonderheiten dort in aller Ruhe erwandern. Im Tidenbereich finden sich unzählige Pools, die wie Aquarien in der Felslandschaft wirken. Bei Abfahrt vom Hafen scheint die Sonne, hier aber sorgt Nebel für eine ganz besondere Stimmung.

Als wir gegen Mittag zurück im Hafen ankommen, hat auch hier der Nebel Einzug gehalten. Unter Radar segeln wir aus der Bucht heraus, denn trotz Nebel weht es ordentlich.

Ziel ist die Becher Bay an der Südspitze von Vancouver Island, rund 40 Meilen weiter im Westen, wir können also den Wind ganz gut gebrauchen, denn wegen der Tide in der Streit of Juan de Fuca können wir erst am frühen Nachmittag aufbrechen. Zum Glück lichtet sich der Nebel nach ein paar Stunden, vor dem Wind rauschen wir dahin.

Am Abend erwartet uns am Ankerplatz eine Überraschung: Melanie hat an unseren 24. Hochzeitstag gedacht und verwöhnt uns mit einer Apple Pie.

Bei der Weiterfahrt nach Victoria bleiben wir heute von dem hier so häufigen Nebel sogar ganz verschont. Nur drüben auf der amerikanischen Seite der Strait zeigt sich etwas Hochnebel.

Und jetzt: zur Abwechslung mal Großstadt. Wir sind gespannt auf Victoria.

Hot Springs Cove

Es sind unsere fünften heißen Quellen hier oben in Pacific Northwest. Bisher jeweils zweimal in Alaska (White Sulphur Hot Springs und Baranof Warm Springs) und in British Columbia (Bishop Bay Hot Springs und Hotspring Island auf Haida Gwaii) hatten wir ein Bad in den natürlichen Thermalquellen genossen, alle hatten ihren ganz eigenen Charakter.

So auch jetzt wieder in der Hot Springs Cove an der Westküste von Vancouver Island. Wunderschön ist schon der etwa 2 Kilometer lange “Boardwalk” durch den Regenwald, der vom Dinghysteg am Ankerplatz zu den heißen Quellen führt.

Nur vier Boote ankern in der Bucht und die von Tofino und anderen Orten herüber kommenden Tourboote haben jetzt am späten Nachmittag alle schon wieder den Heimweg angetreten. Die Crew des einen Bootes kommt uns auf der Wanderung durch den “Old-Growth-Rainforrest” entgegen.

Wir müssen uns das Entspannungsbad ein bisschen erarbeiten, der liebevoll angelegte Bohlenweg geht oft treppauf und treppab. Aber er schlängelt sich eben auch um die zum Teil Jahrhunderte alten Zedern und Fichten herum, bietet Ausblicke auf die Bucht und führt oft auf Stelzen über die Unterholz- und Farnlandschaft mit mal felsigen, mal sumpfigen Abschnitten. Am Ende geht es auf einer Brücke über den dampfenden Bach, in dem das an der Quelle etwa 50 Grad heiße Wasser in Richtung Küste fließt und nur leicht schwefelig zu uns hinauf dampft.

Foto: Melanie, S/V SolarCoaster

Als wir ankommen, verlässt gerade der letzte Benutzer die Becken. Fein, so haben wir Crews von SolarCoaster und Flora dieses kleine Naturwunder ganz für uns.

Was die heißen Quellen hier in Hotspring Cove besonders macht: zum einen: die Quellen sind WIEDER heiß. Nach einem Erdbeben ohne größere berichtete Schäden (4,8 auf der Richterskala) am 7. Januar 2015 waren sie zwischenzeitlich erkaltet, wenn auch nur für ein paar Tage. Ähnliches gilt allerdings auch für die Quellen von Hot Spring Island auf Haida Gwaii, die nach dem heftigen Erdbeeren (7,7 auf der Richter-Skala) vom 27. Oktober 2012 sogar für mehrere Jahre kalt blieben und nur ganz langsam wieder dem Inselnamen Ehre machten.

Zum zweiten fächert sich der Bach auf und fließt auf einige Meter breiter Front über eine Klippe in eine Felsspalte hinab, bevor er dann über mehrere kleine Becken weiter in Kaskaden ins Meer fließt. Wir können also erst einmal unter der Felsenklippe heiß duschen und uns dann in einem der drei Becken bei Badewannentemperatur so richtig einweichen.

Ein dritter Punkt: auch die Becken sind natürlich, wurden nicht extra angelegt um das Wasser aufzustauen, sondern ergeben sich aus dem Verlauf der Felsspalte in Richtung Meer (welches noch dazu im Hintergrund an die unteren Felsen brandet).

Ein tolles Erlebnis. Wir bleiben so lange, dass die Sonne schon tief steht als wir in der rustikalen Umkleide wieder in unsere Klamotten schlüpfen.

Als wir am nächsten Morgen den Ankerplatz verlassen, liegen bereits zwei Tourboote am Steg. Timing ist alles.

😉

Walters Cove / Kyuquot

Wir haben die Uchuck III verpasst. Das Versorgungsschiff kommt am Donnerstag in Walters Cove an, entlädt mit ihrem Kran Fässer, Boxen, Elektrogeräte und alles mögliche andere. Unter anderem auch: Kayaks, die im Gestell herunter gelassen werden, wobei die Kayaker schon drin sitzen und gleich lospaddeln. Ebenso werden natürlich auch neue Fahrgäste aufgenommen. Dass muss eine echte Show sein, unsere Motorboot-Nachbarn erzählen uns davon, aber wir sind erst am Freitag dort. Auch das hat seinen Vorteil. Als das Postflugzeug vor der Terrasse vorbeikommt erzählt uns Eric, der Besitzer des einzigen Restaurants am Ort, dass heute auch die „Mall“ geöffnet hat. Das Flugzeug kommt Montags, Mittwochs und Freitags, und an diesen Tagen öffnet eben auch der einzige Laden. Leicht zu merken. Und so kommen wir wieder zu frischer Milch, Tomaten und Bananen. Ansonsten ist das Angebot recht übersichtlich.

Trotzdem, der Ort in der kleinen, rundum geschützten Bucht ist einfach klasse. Und – wie Eric es formuliert – einer der wenigen noch wirklich funktionierenden Gemeinden an der Westküste von Vancouver Island.

Eric ist ein Original, eine echte Type. Kennt und grüßt jeden, der vorbeikommt. „Ihr seid die Segler.“ Nicht als Frage formuliert, eher eine Feststellung zu unserer Begrüßung. Stimmt. Und außerdem war die Crew des Motorbootes am Public Dock gestern schon hier, sie hatten uns das Restaurant im ehemaligen Schulgebäude wärmstens ans Herz gelegt.

Warum funktioniert dieser Ort noch? Laut Eric, weil es hier alles Nötige gibt. Das Versorgungsschiff, den Laden, aber auch sein Cafe-Restaurant und sogar ein Hospital. Daran waren wir schon vorbei gekommen, es liegt an der engen Einfahrt in die innere Bucht und vermittelt schon einen guten Eindruck, wie das Leben hier in Walters Cove wohl so tickt. Es gibt laut Eric sogar noch ein zweites Hospital auf der anderen Seite der Bucht in der First Nation Siedlung Kyuquot, man muss halt gucken, wann man wo hin geht, denn es wird von derselben Krankenschwester betreut. Einmal pro Woche kommt zudem ein Arzt vorbei.

In der charmanten Ortschaft selbst wechseln sich viele gut in Schuss gehaltene und einige wenige verfallende Gebäude ab, es wird auch neu gebaut.

Manchmal nagt der Zahn der Zeit mehr oder weniger offensichtlich …

Aber hier eben doch immer irgendwie charmant, wie bei diesen beiden (funktionsfähigen) Telefonzellen auf dem Public Dock, freundlicherweise mit Klappstühlen ausgestattet:

Und ausnahmslos jeder den wir ansprechen nimmt sich Zeit und ist freundlich. Der Wanderweg zum Strand? Da müsst Ihr beim Haus mit dem Namensschild „Beach House“ durch den Garten in den Wald gehen. Im Wald gibts einen Trail. Am Haus noch mal nachgefragt: „Ja klar, einfach hier durch unseren Garten und rechts am Geräteschuppen vorbei.“

Na dann, ab durch die Rabatten, wir klettern ein bisschen durch den Wald und auf der anderen Seite des Hügels wieder hinunter zum Ufer mit seinem massiven Treibholz und der aufgehängten Schaukel. Wer könnte widerstehen?

Foto: Melanie, S/V SolarCoaster
Foto: Chris, S/V SolarCoaster

Chris steht sogar mitten in der Nacht nochmal auf, um die besondere Atmosphäre des Ortes auch bei Sternenlicht fotografisch einzufangen. Eine Straßenanbindung für Autos hat Walters Cove nicht. Aber die Milchstraße ist dafür um so präsenter:

Vancouver Islands wilder Westen von seiner ruhigen Seite. Lachs, Loonies und “Pinguine des Nordens”.

Der Ort Winter Harbour mit seinen 17 ganzjährigen Bewohnern bietet uns Gelegenheit, mal wieder den Dieseltank zu füllen, in der kleinen Hafen-Laundry Waschmaschine und Trockner zu nutzen und uns beim Spaziergang auf dem schönen Boardwalk am Ufer entlang die Beine zu vertreten.

Außer für die paar “verirrten“ Segler ist Winter Harbour aber vor allem ein Anlaufpunkt für viele Angler. Der Ort ist – wenn auch nur über Schotterstraßen und anschließende “Dirt-Tracks” mit dem ausgebauten Straßennetz an der Ostküste von Vancouver Island verbunden, Leidensfähige können ihr Angelboote also nach Winter Harbour trailern. Oder aber die Straßenanbindung von Port Alice und den tief ins Landesinnere einschneidenden Quatsino Sound nutzen, um rund dreißig Seemeilen mit dem Motorboot hier her zu flitzen. Oder einfach in einer der Angel-Lodges ein Boot mieten. Wie dem auch sei: Angeln wird hier sehr groß geschrieben, speziell jetzt zur Lachs-Saison.

Das motiviert uns in dieser Gegend ebenfalls “auf Lachs zu gehen”, also gaaaanz langsam mit nur 2 bis 3 kn Fahrt zu trollen und dabei die Leine mit Blei oder “sinker”auf Tiefe zu bringen.

Mit Erfolg: ein schöner Coho geht uns an den Haken, unser erster in Kanada:

Gemeinsam mit der Crew der SolarCoaster speisen wir also auf Flora fangfrischen Lachs (mit Zitronenrisotto und frisch gepflücktem Queller/Sea Asparagus). Die beiden überraschen uns dazu mit einer eigens gefertigten “Angeltrophäe”, noch dazu einer, die perfekt zum Lachs getrunken werden kann.

Und wir erkunden einige weitere schöne Ankerbuchten, machen einen wunderschönen Hike von der Columbia Cove hinüber zum langen Sandstrand, schlängeln uns mit unseren Booten durch die schmale Zufahrt mit steil aufragenden Klippen in das Klaskish Basin:

Foto courtesy Chris, S/V SolarCoaster

Hier treffen wir auch zum ersten Mal auf den Vogel, dessen Namen wir schon so oft gehört haben: den Loon. Sein Abbild ziert nämlich die kanadische 1$-Münze, die deshalb gemeinhin als “Loonie” bezeichnet wird (und die wir z.B. für die Wäscherei brauchen). Jetzt, zur Balzzeit, schwimmt der auf deutsch als Eistaucher bezeichnete Vogel uns im Prachtkleid vor die Linse:

Das freut uns, sehr sogar. Aber sogar noch mehr begeistert uns ein anderer Vogel. Als wir nämlich bei ungewöhnlich ruhigen Bedingungen das berüchtigte Cape Cook an der Spitze der Brooks Peninsula umfahren, können wir an der vorgelagerten Seelöwen- und Vogelinsel Solander Island erstmals Puffins bewundern. Unsere Hoffnung auf Puffin-Sichtungen auf Haida Gwaii hatte sich leider nicht erfüllt, jetzt aber fliegen einige dieser “Papageitaucher” um uns herum.

Und neben anderen Seevögeln sehen wir hier wieder Nashornalke und auch Trottellummen:

Papageitaucher, Nashornalke und Trottellummen gehören zu den (nur auf der Nordhalbkugel vorkommenden) Alkenvögeln. Anders als die (mit Ausnahme von Galápagos) nur auf der Südhalbkugel vorkommenden Pinguine sind alle heute noch vorkommenden Alkenvogelarten flugfähig (der von den Menschen ausgerottete Riesenalk war es nicht). Mit ihren kurzen schmalen Flügeln wirken sie nicht wie elegante Flieger. Dafür aber können sie ihre Flügel unter Wasser beim Tauchen nach Fischen ungemein effektiv einsetzen. Auch ansonsten verbindet sie eine Menge mit den Pinguinen, obwohl sie eigentlich nicht sehr nahe miteinander verwandt sind. Das zumeist schwarz-weiße Erscheinungsbild, vor allem aber das an Land sehr aufrechte Stehen durch die weit hinten ansetzenden Beine und damit zusammenhängend der clownesk watschelnd oder fast torkelnd wirkende Gang. “Pinguine des Nordens”.

Die großen Stellersche Seelöwen sind auf diesen exponierten Felsen auch zahlreich vertreten, der prächtige Bulle in der Bildmitte ist wohl um die drei Meter lang und rund eine Tonne (sic!) schwer.

Beeindruckend.

Buddyboating und der springende Buckelwal

Die Begegnungen, der Austausch mit anderen, das ist etwas, was wir am Langfahrtsegeln ganz besonders schätzen. Mit ganz viel Glück, wenn die Chemie stimmt und die Reiseroute auch, tun sich zwei Boote für eine Zeit zusammen: Buddyboating.

Es gibt viele nette Aspekte beim Buddyboating. Die gemeinsamen Sundowner, die Gespräche, na klar. Gemeinsam planen.

Gemeinsam lachen, gemeinsam genießen.

Gemeinsame Wanderungen.

Und durch das parallele Segeln eben auch gegenseitige Fotos, damit also auch Bilder von uns auf der Flora …

… , von der Flora unterwegs …

… und zwar auch in Situationen, die wir sonst nie und nimmer hätten einfangen können. Etwa im Morgennebel mit Seeotter am Schiff …

… oder bei der Fahrt von Sea Otter Cove nach Winter Harbour mit einem Buckelwal, der sich ganz in Floras Nähe hoch aus dem Wasser wuchtet und klatschend auf seinen Rücken fallen lässt:

Alle Bilder: Foto Courtesy Melanie und Chris, S/V SolarCoaster.

Ein riesengroßes Dankeschön an Euch beide. Und das nicht nur für die wunderbaren Fotos. Ihr seid klasse!

Spider und Kalmare

Spider Island Group. Auch wenn die Namensgebung vielleicht anders erfolgte, es braucht nicht viel Phantasie, um das Spinnennetz von Wasserwegen dieser Inselgruppe mit der Benennung in Verbindung zu bringen.

Allerdings: vieles, was wie eine Durchfahrt aussieht, ist viel zu flach und mit Unterwasserfelsen gespickt. Die Seekarte warnt: “entire area bottom irregular- many rocks”. Gut für das Rockfish-Angeln. Dennoch, manchmal scheinbar Spinnweb-dünn ziehen sich auch ausreichend tiefe, befahrbare Rinnen zwischen der Vielzahl von Inseln hindurch. Mal fast schnurgerade wie der Spitfire-Channel, meist aber gewunden wie der Braydon-Channel, den wir für die Durchfahrt nutzen. Und einige schöne Ankerplätze verbergen sich in dem Gewirr. Gemeinsam mit der Solar Coaster wählen wir den Hurricane Anchorage im Süden von Hurricane Island. Für die Drohnenaufnahmen musste jetzt unsere kleine Magic Mini II ran, die wir sonst hauptsächlich für Bilder unter Segeln und auf Wanderungen verwendet haben. Bin ziemlich froh über dieses Backup.

Das Kelp in der “Durchfahrt” im Vordergrund zeigt an: zu flach!
Flora unterm Sternenzelt. Foto courtesy: Chris, S/V SolarCoaster

Nach der klaren Nacht warten wir erst einmal ab, bis sich der Morgennebel etwas hebt. Dann gehts aus der Spider Island Group heraus und unsere beiden Boote segeln weiter Richtung Süden nach Calvert Island.

Foto: Melanie & Chris, S/V SolarCoaster

Der Ankerplatz vor dem Hakai-Institut ist mit 15 Booten recht gut gefüllt, letzten Herbst hatte die Flora hier noch alleine gelegen.

Auf den Wanderwegen, die durch den Wald und an den Seen vorbei zu den verschiedenen Stränden führen ist aber von Andrang nichts zu spüren. Den großen Nordstrand haben wir vier sogar ganz für uns allein.

Und auch hier gibt’s wieder tierische Überraschungen: erst zeigt sich ein Flussotter …

… ein Diademhäher …

… und dann, zurückgekehrt zum Dinghydock, wimmelt es im Wasser plötzlich nur so von Kalmaren. Die etwa 15 cm langen Kopffüßer wuseln direkt am Steg herum.

Foto: Chris, S/V SolarCoaster

Melanie ist geistesgegenwärtig genug, ihre GoPro ins Wasser zu halten. Das Ergebnis: magisch!

Video courtesy: Melanie, S/V SolarCoaster

Heute dann ein knackiger Kreuzkurs den Fitz Hugh Sound hinunter bis zum Secure Anchorage bei den Maze Islets (Labyrinth-Inselchen). Passend benannt.

Auch das ist BC

Bei zunächst noch weiter wechselhaftem Wetter erkunden wir mit dem Briggs Inlet einen weiteren Fjord. Fast 1.000 m hoch steigen die felsigen Wände vom Wasser auf, die Bergspitzen sind von Wolken umhüllt. Und es ist erstaunlich zu sehen, wie sich der Nadelwald in die steilen Hänge krallt.

Die Briggs Inlet Narrows nehmen wir bei Stillwasser, ein Stück dahinter liegt unser Tagesziel, Emily Bay.

Ausgesucht haben wir uns diesen Ankerplatz, weil hier laut Törnführer ein Hiking-Trail zum nahe gelegenen Süßwassersee Emily Lake lockt. Eine etwas abenteuerliche Brücke führt über das Flüsschen, dass vom See herunter in die Bucht rauscht. Wir können mehrere Wasserfälle hören, aber der Pfad verläuft in einiger Entfernung. Sehen können wir sie nur mit der Drohne, einen direkten Blick verhindert das dichte Unterholz. Das hat aber auch seine Vorteile, denn zum ersten Mal in diesem Jahr pflücken wir wilde Himbeeren, Salmonberries und auch Waldblaubeeren. Lecker!

Drohnenblick über den See hinunter zur Bucht

Dann aber wenden wir Floras Bug wirklich Richtung Süden. Zuerst einmal treffen wir uns mit Melanie und Chris in Shearwater zum Feiern: der erste Juli ist „Canada Day“, nationaler Geburtstag oder eben Nationalfeiertag. Entsprechend sollen wir uns möglichst in Weiß und Rot kleiden.

Spaßig, dass wir dazu im improvisierten „Biergarten“ deutsches Bier bekommen.

Für mich gibts noch eine sehr ausgiebige Schnorchelsession (im Neoprenanzug, trotz gut 18 Grad Wassertemperatur jedenfalls an der Oberfläche), bei der ich Floras Bewuchs zu Leibe rücke. Insbesondere das grasähnliche Zeug nahe der Wasserlinie scheint gegen Coppercoat immun zu sein. Außerdem hat sich im Spalt vor dem Ruder ein Miesmuschel-Riff gebildet, dass die Taucherin in Campbell River wohl auch nicht angegangen war.

Gemeinsam mit der SolarCoaster geht es dann weiter Richtung Süden. Unterwegs legen wir an einer viel versprechenden Stelle (20 Meter Plateau mit rundherum deutlich tieferen Wasser) einen Angelstop ein. Erst ein kleiner Rockfisch, den wir zurück setzen, dann ein deutlich kräftigerer Biss. Die Hoffnung auf einen Heilbutt keimt auf, aber – das hatten wir noch nie – es ist ein ziemlich großer Tintenfisch am Haken. Natürlich wäre der essbar und ein ziemlich guter Fang, aber einen Octopus könnte ich einfach nicht töten.

Wir manövrieren ihn zur Badeplattform und ich operiere ihm den Haken heraus. Zum Glück spritzt er mich nicht mit Tinte voll, sondern bleibt ganz ruhig und verschwindet dann wieder in der Tiefe. Und auch für uns gehts erst einmal weiter.

(Foto Credit: Chris & Melanie)

Unseren nächsten Zwischenstop legen wir dann gemeinsam mit der SolarCoaster bei der Mc Mullin Inselgruppe ein. Dicht gesprenkelt liegen hier am Südausgang der Raymond Passage kleine Felseninseln in einem Flachwassergebiet, wie ein Wellenbrecher noch vor den anderen Inseln. Der einzige einigermaßen vernünftige Ankerplatz hat eine felsige Grundbeschaffenheit, definitiv nichts für die Nacht, aber bei dem jetzt ruhigen Wetter für einen Tagesstop durchaus geeignet.

Mit dem Dinghy erkunden wir die flachen, kelpdurchsetzten Gewässer und legen dann mitten in der felsigen Inselgruppe an einem unerwarteten Sandstrand an. Auf einmal haben wir karibische Wasserfarben hier in BC oder ist das ein Vorgeschmack auf die Südsee?

Für die Nacht ankern wir dann bei den etwas größeren Goose Islands. Ein bisschen geschützter, obwohl der Schwell dann doch einen Weg um die Inseln herum findet. Und wieder etwas typischer für BC hinsichtlich der Wasserfarben und der Uferbeschaffenheit:

Diese Bilder von den kelpbesetzten Felsen bei Ebbe sind denn leider auch die letzten aus meiner Mavic Zoom Drohne, die nach einem kapitalen Schnitzer des Bedieners (also mir) bei absolut ruhigen Bedingungen am Ankerplatz ein nasses Grab gefunden hat. Schnief.