Springende Rochen, tanzende Seelöwen und einiges mehr: ein tierisch guter Start ins Jahr 2024

Die Sea of Cortez ist für ihre reiche Unterwasserwelt bekannt. Neben der Erkundung der wunderbaren Landschaft über Wasser hatte ich deshalb die heimliche Hoffnung, wir könnten vielleicht Manta-Rochen zu Gesicht bekommen. Tatsächlich hatten wir schon ein paar Mal einzelne Rochen aus dem Wasser springen sehen, wenn auch in großer Entfernung. Jetzt aber haben wir richtig Glück: bei einer Dinghyrunde am Ankerplatz in der Caleta El Candelero springen nahe bei uns immer wieder Mantas meterhoch aus dem Wasser, schlagen mit ihren “Flügeln”, machen teilweise sogar Salti. Und dann klatschen sie bäuchlings wieder auf das Wasser. Was für ein Spektakel.

Dabei hatten auch die Hikes an unseren beiden letzten Ankerplätzen uns ganz wunderschöne Naturerlebnisse beschert.

In der Ensenada Grande auf Isla Partida beeindruckt schon die Uferformation (wir taufen sie die verschleierten Frauen).

An Land führt dann ein Hike ein weitgehend trockenes Bachbett hinauf. In einigen schattigen Senken finden sich auch noch feuchte Stellen und insgesamt zeigt sich viel Grün in diesem schmalen Tal. Das findet auch die Tierwelt klasse, wir entdecken ein endemisches Espíritu-Santo-Antilopenziesel, Queen-Schmetterlinge beim Hochzeitstanz und die wunderschönen Blue-Rock-Lizzards.

Auch die Wanderung selbst gefällt uns sehr, flachere Abschnitte wechseln sich mit Kletterpartien über die Steine und Felsbrocken im Bachbett ab.

Der Ankerplatz ist super. Morgens und Abends haben wir ihn fast für uns allein, tagsüber allerdings bringen Pangas viele Tagesgäste zu den drei Stränden der großen Bucht. Kein Wunder, denn auch schnorcheln lässt sich hier ganz gut. Neben Perlenkofferfischen, Falterfischen und vielen anderen fallen ganz besonders die knallgelben Zitronen-Kugelfische ins Auge.

An Silvester zieht es uns ein paar Buchten weiter südlich, wir verholen in die Caleta El Candelero auf Espiritu Santo. Diese Bucht wird durch eine markante Felseninsel in der Mitte geprägt.

Ebenfalls toll zum Schnorcheln, außerdem erfreuen uns hier eben die springenden Rochen. Und der (kurze) Hike führt an der kleinen Lagune vorbei durch eine seltsam ausgewaschene Sandstein-Landschaft mit vielen kleinen Überständen, Halbhöhlen und Höhlen.

Was für ein Tag. Und er ist ja noch nicht zu Ende, wir feiern zu viert an Bord der Flora Silvester, einschließlich Tanz auf dem Achterschiff und kleinem Feuerwerk auf einem der zahlreichen Motorboote, die wohl von La Paz für einen Silvesterausflug in die Bucht gekommen sind.

Am Neujahrsmorgen sind sie alle wieder verschwunden, dafür findet sich ein junger Seelöwe ein. Er spielt den ganzen Vormittag lang um die Flora herum, springt gelegentlich aus dem Wasser und scheint die kleinen Schwarmfische eher zusammenzutreiben wie ein Hütehund eine Herde. Es sieht mehr nach einem Spiel als nach einer echten Jagd aus, einzelne Fische treibt er wieder zum Schwarm zurück. Das wird besonders deutlich sichtbar, als wir schließlich zu ihm ins Wasser steigen. Irritieren lässt er sich von uns nicht, scheint eher mit uns zu tanzen, dreht Pirouetten und schraubt sich um uns herum.

Wir wünschen Euch allen einen wunderbaren Start in das Jahr 2024!

Gratwanderung zu Weihnachten: Isla San Francisco

Es geht ein bisschen hin und her. Nach ein paar Tage mit Jan auf der Isla Partida fahren wir schon wieder nach La Paz. Noch mal ein Supermarkt-Großeinkauf. Und dann, fast schon um Mitternacht, holen wir Catalina am Dinghydock in der Marina ab. Damit ist die Crew der Flora für die Mexiko-Weihnachten komplett, es ist die gleiche wie vor zwei Jahren auf der Atlantikseite.

😊

Freudige Begrüßungsfeier, also lichten wir am nächsten Tag erst gegen Mittag den Anker. Es ist wenig Wind, aber mit dem Code0 können wir (wenn auch eher gemütlich) schön segeln.

So schaffen wir es bis zur Bahía El Empachado auf der Isla Espiritu Santo. Dort liegt schon die Wind River, wir laden mit Raffi und Kristen zu Fisch- und Hähnchen-Tacos auf die Flora ein. Es wird ein schöner Abend und die beiden Schwesterschiffe geben auch ein tolles Bild am Ankerplatz ab:

Und über dem Sandgrund im klaren Wasser scheint die Flora regelrecht zu schweben.

Wir möchten an Heiligabend dann noch ein Stückchen weiter nach Norden. Der Wind frischt zwar zunehmend bis über 20 kn auf, aber immerhin können wir die Isla San Francisco hoch am Wind fast anlegen. Nur das letzte Stück in die vor dem steifen Nord wunderbar geschützte halbmondförmige Ankerbucht motoren wir dann doch, denn durch den Canal de San José bläst es noch stärker hinunter. Ein AIS-Signal ist nicht zu entdecken, aber vier Boote liegen bereits in der Bucht, als wir einlaufen. Und wieder gibt’s ein unabgesprochenes Treffen mit befreundeten Crews: mit Doris und Wolf von der Nomad sowie Adriane und Michiel von der Joy treffen wir uns gleich zum Heiligabend-Sundowner am Strand.

Der Hike auf den Bergrücken im Osten der Bucht wird uns sehr nachdrücklich ans Herz gelegt.

Am ersten Weihnachtstag verziehen sich dann gegen Mittag die Wolken und wir machen uns auf. Am Strand entlang und dann durch die natürliche Salzpfanne der Landenge geht es auf einem Trampelpfad hinüber zu der Hügelkette.

Dann durch ein trockenes Bachbett etwas bergan bis zum hier noch recht niedrigen Grat. Und dann folgt unser kleines Weihnachtswunder: der Pfad folgt dem ansteigenden Grat, es wird die spektakulärste Wanderung, die wir bisher in Mexiko gemacht haben.

Es gibt tolle Ausblicke, aus dem Wandern auf dem Pfad wird Klettern, immer oben am Grat entlang, hoch über Floras Ankerplatz.

Kleiner Nebeneffekt: die Drohne hat eine um einiges erhöhte Starthöhe 😉.

Am Südende der Isla San Francisco können wir dann wieder zum Strand hinunter klettern.

Frohe Weihnachten 2023 von der Crew der Flora!

La Paz, Besuch und Naturerlebnisse auf der Isla Partida

In La Paz steigt unser “Chief” Jan zu. Wir bleiben aber nicht lange an dem gut gefüllten Ankerplatz vor der Großstadt, sondern nutzen den kurzen Aufenthalt nur zur Proviantierung im gut sortierten Supermarkt und zu einem Sundowner-Treffen mit den Seenomaden Doris und Wolf.

Foto Credit: Wolf

Und mit Jan an Bord geht’s dann gleich wieder los. Na ja, ein bisschen vorgezogene Bescherung gibt’s erst noch, schließlich bringt unser Besuch einiges an bestellten Ersatzteilen, eine neue Drohne und auch Weihnachtsgeschenke von Wiebkes Mama mit. Dankeschön!

Unser erster Stop ist Playa Pichilingue. Ganz unverhofft treffen wir an diesem Ankerplatz Raffi mit Floras Schwesterschiff “Wind River”. Wir freuen uns sehr über das Wiedersehen.

Chief Jan kann gleich wieder sein Mechanikertalent hervorkramen, nix mit Urlaub. Der 2-Takt-Außenborder von Raffis Dinghy mackelt, gemeinsam machen wir uns auf Fehlersuche.

Und auch Jan mit seiner BeAtitas kommt in die Bucht, sehr praktisch, denn auch für ihn hat “unser” Jan ein Ersatzteil mitgebracht, das wir gleich übergeben.

Während die anderen noch bleiben, segeln wir danach an der felsigen Küste mit ihren vielen Buchten nordwärts zu den Inseln Espiritu und Partida.

Nach gut 15 Seemeilen biegen wir in die Meerenge ein, die Espiritu und Partida teilt. Für Dinghies und Kayaks passierbar, ist der schmale gewundene Durchgang für Segelboote nicht befahrbar. Auch der Nordost-Schwell bleibt draußen, so dass die große Ankerbucht gut geschützt ist. Wir probieren gleich die neue Drohne mit dem Weitwinkelvorsatz aus, sieht gleich doppelt so hoch aus, verzerrt aber auch ein bisschen 😉:

Am nächsten Tag verholen wir für einen Kaffee-Stop um die Ecke in den schmalen Einschnitt “El Cordoncito”. Der Raum zu Herumschwingen ist begrenzt, aber für den kurzen Aufenthalt bei ruhigem Wetter ist der Platz wunderbar.

Für die Nacht Ankern wir dann aber in der deutlich größeren “Ensenada El Cordonal”, wiederum eine Bucht nördlicher auf der Isla Partida. Sehr schön: hier lässt es sich gut mit dem Dinghy anlanden und vom Scheitel der Bucht führt ein Pfad hinüber auf die Ostseite der Insel. Zunächst an den Mangroven entlang, wobei sich am Berghang zu unserer Linken bereits wieder viele beeindruckende Kakteen bewundern lassen.

Im Matsch zu unserer Rechten zieht etwas anderes unsere Blicke auf sich:

Krebse, genauer gesagt: Winkerkrabben (Fiddler-Crabs). Kaum so lang wie ein Fingerglied. Zuerst sehen wir nur einzelne von ihnen in kleine Löcher im lehmigen Untergrund schlüpfen. Mit ihrer einzelnen großen Zange (es gibt aber Rechtshänder und Linkshänder) verschließen sie dann ihr Versteck.

Also wir uns näher zum Wasser hin bewegen wird aus dem einzelnen Huschen dann aber schnell das große Krabbeln:

Nach der Wanderung gibt’s bei der Dinghy-Rückfahrt zu Boot ein weiteres tierisches Highlight. Wir entdecken die von uns so geliebten Blue Footed Boobies (Blaufußtölpel), die Wiebke und ich bisher nur auf Galapagos bewundern durften:

Was für ein wundervoller Ankerplatz.

Caleta Lobos

Als der Nordwind doch zunehmend Schwell in die Bahía Balandra drückt, verholen wir ein Stück weiter südlich. Durch die vorgelagerte Islote El Merito ist die Doppelbucht der Caleta Lobos deutlich besser geschützt.

Auch hier zeigt sich der innere Bereich der Bucht so flach, dass er zu großen Teilen bei Ebbe trocken fällt. Für den Landgang bietet sich daher wieder das Kayak an, mit dem wir gut über die Barre der Südbucht kommen. Am Ende müssen wir es trotzdem noch ein ganzes Stück tragen, bevor wir es an den Mangroven festbinden können.

Vom Sandstrand im Scheitel der Bucht aus führt ein Pfad den Hügel hinauf. Zwischen Gestrüpp und riesigen Cardon-Kakteen hindurch arbeiten wir uns nach oben. Die auch Elephant-Cactus genannten und fast nur auf der Baja California heimischen dornigen Gewächse sind die zweitgrößten Kakteen der Welt. Die Exemplare hier sind dabei noch nicht einmal Giganten: sehr langsam wachsen Cardon bei idealen Bedingungen über 12 m hoch. Noch größer werden nur die ähnlich aussehenden Saguaro-Kakteen, sie können bis zu 20 m erreichen.

Nach der Wanderung fahren wir mit dem Dinghy zur Islote El Merito und gehen endlich wieder einmal schnorcheln.

Und als wäre das noch nicht wunderbar genug, segeln am Nachmittag auch noch Doris und Wolf in “unsere“ Ankerbucht, lassen den Anker gleich neben der Flora fallen und laden uns zum Abendessen auf die Nomad ein.

😊

Bahía Santa Maria

Der 180 sm Übernacht-Törn von Bahía Asunción nach Bahía Santa Maria ist nicht der angenehmste. Es startet eigentlich recht gut, und die Vorhersage sieht achterlichen Wind vor.

Die Wellen werden zwar 2,5 m erreichen, sollen aber ebenfalls von Achtern auflaufen. Allerdings – hinsichtlich der Wellen bewahrheitet sich die Vorhersage nur bezüglich der Höhe. Die Richtung – na ja – gibts eigentlich nicht, die aufgeworfene See wird zunehmend konfus. Wir werden ordentlich hin und her gerollt, bekommen nur wenig Schlaf. Als wir am nächsten Tag in die Bahía Santa Maria einlaufen, brechen sich die Wellen an der Punta San Lázaro ziemlich spektakulär.

Aber nachdem wir dieses Kap der Baja California mit gehörigem Abstand gerundet haben, finden wir in Lee des Bergrückens und der Isla Magdalena eine wunderbar geschützte Bucht. Die Landschaft ist faszinierend vielseitig: der kahle, schroffe Hügelzug im Westen mit seiner Felsenküste geht nach Norden hin in eine flache, sandige Dünenlandschaft über. In diese wüstenähnliche Ebene ziehen sich aber einzelne Wasserarme mit Mangroven wie grünblaue Lebensadern hinein.

Und man merkt, dass wir uns langsam den Tropen nähern. Das Wasser in der Bucht ist herrlich. Bei 24 bis 25 Grad springen wir endlich wieder gerne vom Boot aus ins Meer.

Es gibt keinen richtigen Ort, nur zwei kleine Fischercamps in den Mangroven und ein etwas größeres an der Mündung. Die Barre vor dem Mangrovenflüsschen fällt bei Ebbe fast trocken, selbst die Fischer mit ihren offenen Pangas kommen dann kaum durch, müssen ihre Boote teils sogar über den Sand ziehen.

Tidenbedingt verhindert am Morgen der gegen die Dünung stehende Ebbstrom unsere geplante Dinghyfahrt in die Mangroven. Auf der Barre steilen sich die Wellen dramatisch auf. Ein Fischer mit seiner Panga kommt zwar durch, springt dabei aber spektakulär in den Wellen. Gemeinsam mit der Crew der Terikah disponieren um und machen statt dessen mit Jen, Chris, Calder und Cora lieber einen Hike über den Bergrücken.

Hinter einigen Felsen der rauhen Küste versteckt sich ein kleiner Sandstrand. Hier landen wir mit den Dinghies an und wandern dann einem kleinen Canyon den Berg hinauf. Manchmal führt der Weg im ausgetrockneten Bachbett entlang, meist aber gibt es einen Trampelpfad an seinen Seiten.

Auf der anderen Seite angelangt sehen wir, mit welcher Kraft die Wellen hier auch heute anrollen, obwohl der Ozean draußen viel weniger aufgewühlt wirkt.

Auf dem Rückweg wählen wir den Pfad auf einen der Hügel hinauf und können im Kontrast unsere Boote am ruhigen Ankerplatz liegen sehen.

Foto Courtesy: Jen, S/V Terikah

Auf der Flora schaffen wir es, die Einroll-Leine des Fock zumindest provisorisch wieder in der Furlex-Trommel zu befestigen und damit die Rollfock wieder nutzbar zu machen. Die Metallklemme im Inneren der Plastiktrommel war herausgebrochen und hatte sich gleich über Bord verabschiedet. Ein Ersatzteil ist bestellt und wahrscheinlich kann es Jan schon aus Hamburg mitbringen, wenn er uns über Weihnachten in Mexiko besucht.

Schön ist auch, dass wir in der Bahía Santa Maria einige Segelfreunde wieder treffen. Wir haben Doris und Wolf von der Nomad zu Kaffee und Kuchen auf der Flora, die beiden österreichischen Seenomaden hatten wir zuletzt in San Diego getroffen. Und beim Sundowner auf der Terikah sind auch Camille und Pat von der Pelican dabei.

Aber für’s erste trennen sich unsere Wege hier wieder. Wir hoffen, die anderen in La Paz wieder zu treffen, oder sonst vielleicht irgendwo anders auf dem Weg.

Seglerleben.

Ganz schön lecker und ganz schön kaputt: Kulinarik- und Leuchtturm-Special San Benito Oeste

Wir wandern noch einmal quer über die Insel. San Benito Oeste gefällt uns richtig gut. Wahrscheinlich hat das auch mit dem Regen von vor einer Woche zu tun, der für die unerwartete Pracht an kleinen Blüten auf diesem aus der Ferne so braun und fast unbewachsen scheinenden Eiland verantwortlich ist. So erklärt es uns Enrique, mit dem wir uns bei unseren Landgängen angefreundet haben. Er zeigt uns auch, dass der Nektar der Quiote-Agaven direkt aus den Blütenkelchen getrunken werden kann:

Und Enrique ermuntert uns auch, zum alten Leuchtturm auf der anderen Inselseite zu wandern. Den hatten wir gestern nur aus der Ferne vom höher liegenden neuen Leuchtturm in der Inselmitte gesehen.

Heute also wieder über 10.000 Schritte. Es lohnt sich. Ja, der Leuchtturm ist schon länger außer Betrieb, nur noch eine Ruine. Aber was für eine:

Die Scheiben des Leuchtturmwärterhauses sind zerschlagen, ebenso die aufgesetzte Laterne. Als wir näher kommen liegt viel Glas herum. Bei Sturm möchte ich nicht in der Nähe sein, weil es vermutlich weitere Glasteile regnen könnte.

Und auch das Gebäude selbst hat bessere Zeiten gesehen.

Der Turm kann aber trotzdem noch bestiegen werden, die Wendeltreppe aus Beton ist wahrscheinlich das Bauteil, das noch im besten Zustand ist. Und der Aufstieg bietet tolle Ausblicke durch die kreisrunden Turmfenster:

Der eigentliche Kracher aber ist das Lampenhaus mit der Optik, bzw. was davon noch übrig ist.

Tatsächlich können wir innen bis zu den Relikten der großen Fresnel-Linsen und den Überbleibseln der Drehmechanik hinaufsteigen.

Und was für eine Aussicht:

Zurück an Bord verarbeiten wir die Geschenke der Fischer: drei Lobsterschwänze wandern mit Limetten-Butter in den Backofen. Die ebenfalls geschenkte Abalone (auch Seeohr, Meerohr oder Haliotis genannt) macht uns mehr Kopfzerbrechen. Diese mehr als Handteller große Meeresschnecke haben wir noch nie zubereitet. Erstmal müssen wir sie aus ihrem wunderschönen Perlmutt-Gehäuse lösen, dabei leistet ein Holzlöffel gute Dienste. Nach der aufwändigen Säuberung und dem Wegschneiden der Lederhaut zerteilen wir sie in feine Scheiben. Danach werden die Scheiben mit einem Löffel zart geklopft. Ein Teil wird in Limettensaft, Salz und Pfeffer zu Ceviche verarbeitet, die übrigen Scheiben in Butter kurz angebraten. Beides ist super lecker, die Lobsterschwänze natürlich auch. Noch Salat dazu, fertig. Was für ein Festessen.

Muchas Gracias!

Islas San Benito

Wir segeln weiter an der Pazifikküste der Baja California hinunter. Derzeit mit eher leichten Winden, nachts und vormittags meist aus östlicher Richtung, nachmittags aus nordwestlicher. Wir wechseln auf dem Törn zur Isla San Benito viermal zwischen Code0 und Gennaker.

Mit dem blauen Gennaker geht’s dann auch in die Nacht, farblich passend zum aufgehenden Vollmond.

Herrlich, bei fast glatter See zieht uns das Segel auch bei Fast-Flaute voran, erst zum Wachwechsel um 3.00 Uhr werfen wir dann doch den Motor an.

Am Morgen erreichen wir die Islas San Benito, eine kleine Gruppe von kargen Felseninseln etwa 25 km westlich der größeren Isla Cedros. Die Anfahrt zum Ankerplatz ist etwas tricky, denn unsere aktuelle C-Map-Charts auf dem Plotter sind hier extrem ungenau: ihnen zufolge würden wir auf der Insel ankern:

Die Navionics-Charts auf dem iPad sind sind hier besser, gaukeln uns allerdings bei der Anfahrt große Bereiche mit 30 m Wassertiefe vor, obwohl wir noch deutlich über Hundert Meter unter dem Kiel haben. Wir tasten uns in die Ankerbucht und finden: es lohnt sich! Sehr!

Auf Isla San Benito Oeste werden wir herzlich begrüßt. Zuerst von einem Pulk verspielter junger Seelöwen, die unser Dinghy zum Strand begleiten. Und an Land dann von den freundlichen Fischern. Sie arbeiten für eine Gesellschaft, die hier und an anderen Orten einfache Fishing-Camps unterhält. Die Fischer werden dann für 14 Tage im Wechsel zu diesen Camps geschickt. Derzeit ist Lobster-Saison, eines der hoch motorisierten offenen Boote haben wir draußen auch Körbe ausbringen sehen. Als wir an Land gehen, sind die Jungs allerdings gerade dabei, das Dach einer der Hütten instand zu setzen.

Zeit für einen kurzen Schnack ist trotzdem. Sie zeigen uns den Beginn des Pfades zu den beiden Leuchttürmen der Insel.

Vorbei an der türlosen und geduckt wirkenden Mini-Inselkirche …

… und dann in Serpentinen den Geröllpfad hinauf. Die Vegetation ist eher spärlich und niedrig. Aber trotzdem zum Teil wunderschön. Neben flachen, eher bodendeckenden Kakteen …

… findet sich Eiskraut, das mit seinen Papillen aussieht, als würden Tautropfen oder gar Kristalle an den Pflanzen haften.

Wilde Malven setzen weitere Farbtupfer in die Landschaft.

Aber einzig die Agaven ragen etwas in die Höhe, weshalb die zahlreichen Raben sie gerne als Aussichtspunkt wählen, egal ob die Blütenstände schon abgestorben sind oder sich noch in gelbgrüner Pracht zeigen.

Der niedrige Leuchtturm auf dem 200 m hohen Hügel in der Inselmitte steht offen, über Alu-Leitern können wir bis zur Optik mit den Fresnel-Linsen hinaufsteigen.

Und der Ausblick vom umlaufenden Balkon über die Inselgruppe mit Flora am Ankerplatz und bis hinüber zur Isla Cedros ist phantastisch:

Die Drohne kann das noch toppen, indem sie auch noch die Brandung an der Westküste mit erfasst. Was für eine wilde, kraftvolle Landschaft:

An den Stränden der abgeschiedenen Inselgruppe finden sich neben Seelöwen auch mehrere Kolonien der deutlich selteneren Seeelefanten.

Von Kämpfen um seinen Harem gezeichneter Seeelefantenbulle
Ja, es riecht etwas …

Zurück im Camp rufen uns die Fischer zu ihrer Küchenhütte und schenken uns gleich einige Lobsterschwänze. Was für eine Gastfreundschaft! Bedanken können wir uns, als wir ihnen später über unser Starlink-WLAN aus der Abgeschiedenheit der Insel Kontakt zu ihren Familien ermöglichen.

Südliches Kalifornien

Wir segeln weiter an der kalifornischen Küste entlang nach Süden.

Der Wind steht leider nicht ganz durch, wir wechseln zwischen Motorfahrt und Gennakersegeln. Aber immerhin, einige Male zeigen sich Delfine. Einen Übernachtungsstop legen wir in Oceanside ein. Wir überlegen, im Vorhafen zu ankern, aber trotz des geringen Windes steht doch ein ziemlicher Schwell herein. Also fragen wir kurzentschlossen doch in der Marina nach einem Platz, mit einem Dollar pro Fuß ist sie für amerikanische Verhältnisse ohnehin sehr günstig. Praktisch: direkt neben uns legt die “Sari Timur” von Pauline und Mark an. Mit Pauline hatten wir uns in Sitka mehrfach unterhalten. Tatsächlich haben die beiden ihr Boot von Singapur über Japan und die Aleuten nach Alaska SE gesegelt und dann dort einige Jahre verbracht. Es ist wunderbar, sie jetzt hier unten wieder zu treffen.

Während die beiden noch im Hafen bleiben, geht’s für uns am nächsten Morgen weiter. Wieder ist es eine Mischung aus Segeln (diesmal Code0) und motoren und wieder sehen wir Delfine. Diesmal allerdings so viele wie nie zuvor. Deutlich über 100 von ihnen kommen uns entgegen und ziehen in einer akrobatischen Prozession mit etwas Abstand an der Flora vorbei. Es ist, als würden wir die Parade der Kunstspringer abnehmen.

Auch bei unserem nächsten Stop in Mission Bay können wir zwischen Marina und Ankerplatz wählen, diesmal entscheiden wir uns für das Ankern.

Ein Dinghyausflug in die Marina zeigt, dass zumindest die Dauerlieger an den Bojen dort ein Sch…-Problem mit Pelikanen und Kormoranen haben, zumal der lange Fischerdock in der Mitte des Hafens die Vögel geradezu magisch anzuziehen scheint.

Bei uns am Ankerplatz gibts ebenfalls Dauerlieger an Bojen, aber ganz so schlimme scheint es dort nicht zu sein. Vögel im Rigg gibts auch hier, aber der Belted Kingfischer (Gürtelfischer, ein gut 30 cm großer amerikanischer Eisvogel) macht dann doch nicht ganz so viel Dreck.

Dafür hat sich an Floras Unterwasserschiff ein bisschen was angesammelt. Wasserpass abschrubben lieber im Neoprenanzug, das Wasser hat hier nur knapp über 18 Grad. Und den Prop von aufgesammelten Algen und Seegras freimachen.

Zur Belohnung: was für ein Sonnenuntergang. California Dreaming!

Von Santa Catalina nach Newport Beach

Eine ganze Woche verbringen wir in Avalon auf Santa Catalina, so gut gefällt es uns in dem kleinen Urlaubsörtchen.

Wir haben Sundowner bei unseren Nachbarn Lynn und Hugh auf ihrer Moody 43 DS “Happy” und umgekehrt Nachmittagskaffee und Kuchen auf der Flora, wandern mit Heather und Jim von der “Kavenga” zum Botanischen Garten und machen auf dem Rückweg regen Gebrauch von der Happy Hour beim Mexikaner. Spielen Minigolf, nutzen die Laundry und die guten Einkaufsmöglichkeiten in Avalon.

Mit der Kavenga-Crew auf der Flora

Ein bisschen Arbeit streuen wir auch ein. Der komplette Stauraum im Vorschiff wird neu sortiert, außerdem die Lebensmittel durchgesehen. Während Wiebke Flora innen putzt, kümmere ich mich um Floras Bart. Über die Zeit hat sich auf dem weißen Rumpf mal wieder ein gelblich-brauner Film angesammelt, vor allem am Bug. Schon vor längerer Zeit hatte ich “On & Off – Hull & Bottom Cleaner” gekauft, jetzt probiere ich ihn erstmals aus. Wird mit einem Schwamm aufgetragen und verrieben, nach kurzer Einwirkung dann mit Wasser abgespült.

Heute lösen wir dann aber doch die Mooringleine und segeln bei herrlichem Wetter hinüber ans Festland.

Unser Ziel ist Newport Beach, zwischen Los Angeles und San Diego gelegen. Viel wissen wir nicht über die Stadt, nur, dass sie einen gut geschützten Ankerplatz bietet und man mit dem Dinghy gut die vielen Häuser mit Bootsstegen davor bewundern kann. Das machen wir dann auch. Und sind ziemlich beeindruckt. Ganze Stadtteile im Mündungsgebiet des San Diego Creek sind Inseln, etwa Balboa Island und Lido Isle, daneben gibt es eine Vielzahl weiterer kleiner Inseln und Halbinseln. Es ist unfassbar, wie viele Boote hier liegen. An den Stegen vor den Häusern und Villen, in mehreren Häfen und vor allem in riesigen Bojenfeldern. Und mittendrin: unser Ankerplatz.

Kleine Strände finden sich auch an der Innenseite, aber vor allem ist die Pazifikseite der Stadt ein einziger, beeindruckend breiter, wunderbarer Sandstrand.

Hier werden wir wohl ein paar Tage bleiben.

Santa Barbara: ein bisschen Bürokratie, eine wunderschöne Stadt, Ausflug nach L.A. und ein Kanu

Wir ankern vor Santa Barbara. Erstmal. Die Nacht ist dann etwas unruhig, die nächsten Tage soll die See noch bewegter sein, der nationale Wetterdienst hat sogar eine „Small Craft Advisory“ herausgegeben. Die Wind- und Wellenwarnung ist zwar nicht dramatisch, aber unangenehm würde es am Ankerplatz wohl schon werden. Deshalb möchten wir in den Hafen gleich nebenan verholen. Über Funk und Telefon bekommen wir allerdings jeweils Absagen: kein Platz, vielleicht später noch mal probieren. Also erkunden wir erst einmal zu Fuß die Stadt, sie gefällt uns auf Anhieb richtig gut.

Auf dem Rückweg gehen wir beim Hafenmeister vorbei, schildern die Situation. Die Antwort ist gleich: kein Platz. Aaaaber: als wir ins Spiel bringen, dass wir auch ins Päckchen gehen würden (was in Nordamerika nicht so üblich ist wie in Deutschland oder Dänemark) fällt dem Hafenmeister ein, dass ja die Small Kraft Advisory im Raum steht und der Hafen ein „Safe Harbor“ (also ein Schutzhafen) ist. Er weist uns einen Platz an einer (der vier!) Absaugstationen des Hafens zu. Zuerst sollen wir aber am Ankunftspier anlegen und mit unseren Papieren ins Büro kommen. Machen wir prompt. In der Zwischenzeit hat er dann doch eine Box für unser Schiff gefunden. Wir berichten Heather und Jim auf der draußen vor Anker liegenden „Kavenga“ davon, die darauf hin auch herein an die Ankunftspier kommen und für die der Hafenmeister nach Hinweis auf die Small Craft Advisory ebenfalls eine Box findet.

Mit dem Anlegen an der Ankunftspier hat es in Santa Barbara übrigens eine besondere Bewandtnis. Bei allen Booten mit WC an Bord kommt nämlich ein Offizieller an die Pier und platziert eine Färbe-Tablette im WC. So soll verhindert werden, dass heimlich (und illegal) die Fäkalien in das Hafenbecken entleert werden. Eigentlich gut, nur wären die Bemühungen zum Umweltschutz deutlich überzeugender, wenn die Bohrinseln vor der Küste nicht dafür sorgen würden, dass wir auf der Anfahrt zum Hafen mehrfach durch riesige, stinkende Ölteppiche fahren müssen. Beim ersten Mal haste ich ins Boot, reiße die Tür zum Motorraum auf. Aber nein, der Gestank kommt von draußen und wir fahren durch regenbogenfarbig schillernde Lachen auf dem Wasser. Ob die aktiven Bohrinseln wirklich die Verursacher sind, können wir nicht mit Sicherheit sagen, die Seekarte weist an diesen Stellen auch mehrere „Sub Surface Well ; Heads Covered“ aus, also abgedeckte ehemalige Quellen.

Die Stadt Santa Barbara allerdings nimmt uns sofort für sich ein. Palmenalleen am Strand entlang, dann wunderschöne Gebäude den gemächlich ansteigenden Hang hinauf bis die Berge dann mit Steilhängen in die Höhe zu schießen scheinen.

Sehr schön lässt das vom Uhrenturm des Gerichtsgebäudes aus anschauen, wobei man in der Ferne auch die Bohrinseln ausmachen kann:

Das Gerichtsgebäude ist aber auch sonst einen Besuch wert. Obwohl es in Betrieb ist (während unseres Besuchs fanden auch Verhandlungen statt, wenn auch nicht im Mural-Gerichtssaal) kann es kostenfrei besichtigt werden.

Und die Stadt: einfach WOW!!!

Vor allem in der zentralen Fußgängerzone, aber nicht nur dort, stehen bunt bemalte Klaviere. Sie werden genutzt. Manchmal klimpern Kinder, häufig aber setzt sich für kurze Zeit ein Passant ans Klavier und lässt die vorbei Spazierenden meist erfreut aufhorchen. Auch Wiebke gibt ein kurzes – längst verschollen geglaubtes – Musikstück aus ihrer Jugend-Klavierlern-Phase zum Besten. Klappt.

Im gesamten Innenstadtbereich finden sich alte Gebäude im Adobe-Stil, aber auch viele neuere Bauten, die Optik dieses Lehmziegelstiles aufnehmen, manchmal auch neu interpretieren.

Wir sind begeistert. Was wir aber leider nicht finden: der örtliche REI (Outdoor-Spezialist) hat leider das aufblasbare Doppelkanu nicht vorrätig, mit dem wir schon einige Zeit liebäugeln. Der Versand hierher würde zu lange dauern.

Wenn das Kanu nicht zu uns kommt, wie kommen wir zu ihm? Wiebke googelt, der REI in Burbank bei Los Angeles hat noch eins. Wir sichern es uns telefonisch und mieten ein Auto. Der nächste Landausflug steht also fest.

In Burbank holen wir das Kanu ab, und wo wir schon in der Nähe sind, reicht es auch für Hollywood und einen Blick auf L.A.

Die Rückfahrt über führt dann über Beverly Hills, das letzte Stück der Route 66 nach Santa Monica ans Meer und dann wieder auf dem Highway 1 am Pazifik entlang nach Santa Barbara. Eine Teilstrecke geht es auf dem “El Camino Real” (dem Königsweg), der die spanischen Missionsstationen zwischen Santa Bruno auf der Baja California und dann San Diego und San Francisco verbindet. 21 Missionen waren es ursprünglich, jeweils etwa 50 km bzw. einen Tagesritt voneinander entfernt. Mit diesen verleibten die Spanier ab 1684 nach und nach diese Region ihrem damaligen Weltreich ein. Geblieben sind die spanischen Namen der katholischen Heiligen, nach denen die Missionen benannt wurden. Oft sind es noch heute die Namen der Städte, deren Keimzelle die entsprechende Mission bildete. So wie in San Diego, in San Francisco und eben auch in Santa Barbara.

Heute machen wir – neben einem weiteren langen Gang durch die wunderschöne Stadt – auch gleich eine kleine Probefahrt mit unserem neuen Zweit-Dinghy, dass sich dann auch besser den Strand hinauf tragen lässt. Das Paddeln klappt ganz gut und macht uns richtig Spaß.