Wale, heiße Quellen und nette Menschen. Über Cannery Cove nach Warm Springs

Es ist ein langes Stück die Stephens Passage hinunter, etwas über 50 Seemeilen bis zu unserer nächsten Ankerbucht in der Cannery Cove. Zur Unterscheidung kein sonderlich glücklich gewählter Name bei der Unzahl von Konservenfabriken, die noch zu Beginn des letzten Jahrhunderts in Alaska existierten und gefühlt jede zweite Bucht zu einer Cannery Cove machten. Inzwischen sind die Gebäude nach dem Niedergang der lokalen Eindosung von Lachs ganz überwiegend verfallen und verschwunden, so auch hier. Ziemlich neu scheint ein Luxusressort am Eingang der Bucht mit Anleger für Wasserflugzeuge und diversen Booten für Angelausflüge. Mit seinen einzeln stehenden Holzhäusern passt es sich gut in die Landschaft ein und wir bekommen sonst nicht viel von ihm mit, abgesehen vom gelegentlichen Landen eines Wasserflugzeuges und zwei Booten, die mit Gästen vorbeikommen und diese die Krebskörbe einholen lassen.

Der Hit der Cannery Cove ist die Landschaft. Der steil ansteigende Talkessel rahmt das Ende der Bucht mit schneebedeckten Bergen, während vor der Einfahrt eine Vielzahl kleinerer, dicht mit Tannen bestandener Inseln pittoreske dunkelgrüne Tupfer in das Blau des Wassers setzt. Oder – wie am nächsten Morgen – in das Weiß des sich schnell auflösenden Morgennebels.

Als wir aufwachen, sehen wir aus Floras Fenstern nur wabernde Schwaden in für unsere Blicke undurchdringlicher Suppe, nach dem Morgenkaffee ziehen sich eine halbe Stunde später bereits nur noch einzelne Nebelstreifen an den Hängen der Berge entlang.

Bei herrlichem Wetter lichten wir Anker und fahren den Frederic Sound um die Südspitze von Admirality Island herum, queren die Chatham Strait und laufen in die Warm Springs Bay ein. Den ganzen Tag über sehen wir immer wieder Wale. Mal noch weit entfernt vor dem Hintergrund der hohen weißen Spitzen von Baranof Island, mal zeigen die Buckelwale ihre Fluken dicht an der Flora. Haben wir doch schon gesehen? Ja, aber es fasziniert uns jedesmal aus Neue.

Warm Springs Bay weist gleich mehrere Besonderheiten auf. Zum einen rauscht ein Wasserfall weiß und schäumend gleich neben der Handvoll Häuser in den Scheitel der Bucht. Gespeist wird er von einem höher liegenden Bergsee. Zum Zweiten gibt es einen Anlegesteg. Der ist praktisch, muss aber wegen der von der Tide und den Wassermassen der nahen Kaskade verursachten Strömung vorsichtig angefahren werden, zumal auch noch ein Unterwasserfelsen vor seinem Ostende verborgen ist. Von Donna und Bill haben wir den Tip, den Steg mit einigem Abstand parallel anzufahren und uns von der Strömung heran drücken zu lassen. Klappt auf Anhieb wunderbar. Später können wir dann beobachten, wie Booten bei „normaler“ Anfahrt der Bug weggedrückt wird und sie das Manöver abbrechen müssen.
Die dritte Besonderheit dieses Ortes sind – na klar – die warmen Quellen. Direkt am Hafen gibt es ein kostenlos zu nutzendes Badehäuschen. In drei Kabinen findet sich jeweils eine King-Size-Badewanne mit Platz für eine vierköpfige Familie. Ein Schlauch führt (nur leicht schwefeliges) Heißwasser aus den Bergen heran, einer frisches Kaltwasser vom Wasserfall. Zum Wasserfall hin sind die Kabinen offen, wer mag, kann einen Vorhang zuziehen.
Wir lassen uns ordentlich einweichen. 😊

Der eigentliche Kracher aber erfordert eine kleine Wanderung den Berg hinauf und durch den Wald. Der Pfad ist teilweise ein bisschen schlammig, Holzbohlen machen ihn aber auch in den sumpfigen Abschnitten gangbar.

Der Trail führt hinauf bis zum Bergsee und mit einer Kletterpartie an den Felsen entlang auch auf ein kleines Plateau mit tollem Blick.

Eine Abzweigung mitten im Wald leitet uns zu den Stromschnellen zwischen Bergsee und Wasserfall. Hier, direkt am Ufer des reißenden Flusses, finden sich die eigentlichen Namensgeber der Bucht, die warm Springs. Eher heiße als warme Quellen, ergießen sie sich in drei gestaffelte Natursteinbecken nacheinander, wobei die Temperatur langsam abnimmt. Das erste ist einfach zu heiß, im dritten Becken finden wir immer noch gesteigerte Badewannentemperatur. Derart aufgeheizt, können wir in ein Kaltwasserbecken der Stromschnellen als Sauna-Tauchbecken nutzen und uns gleich danach wieder wohlig durchwärmen lassen.

Das i-Tüpfelchen auf diese wundervollen Highlights setzen einmal mehr die Menschen, deren Bekanntschaft wir hier machen dürfen.
Auf einem Dinghyausflug in eine Nebenbucht sehen wir neben einem Grizzly am Ufer auch viele Lachse im flachen Wasser. Ich hole meine Angel und kann tatsächlich erstmals einen Pink Salmon an den Haken bekommen. Zurück am Steg bietet mir der Fischer Jeff von seinem Kutter aus an, mir das korrekte Filetieren des Lachses zu zeigen. Nehme ich natürlich gerne in Anspruch und seine Technik unterscheidet sich auch deutlich von der, die ich bisher bei Thunfisch und Mahi Mahi erfolgreich angewendet habe. Gut zu wissen.

Auf der Flora klönen wir danach ausgiebig mit Jeff. Der Profi, der seine Fischerei-Leidenschaft allerdings erst vor einigen Jahren auch zu seinem Beruf machte, findet unsere Angelausrüstung allerdings nicht optimal. Kurzerhand finden wir nach einem späteren Ausflug „ordentliche“ Köder auf unserem Deck!

Auch der Stegschnack mit Jim, dem einzigen anderen Segler an unserem Ponton, entwickelt sich zu einem weiteren Beispiel amerikanischer Gastfreundschaft. Jim war deutlich erfolgreicher als wir beim Lachsangeln, kurzerhand bringt er uns selbst geräucherten Fisch vorbei. Seinen Bordgrill hat er zum Räuchern umgebaut. Nicht so gut wie zu Hause, wo er einen großen Räucherofen hat, findet er. Eine echte Delikatesse, finden wir! Jim erklärt uns, wie lange und bei welcher Temperatur die einzelnen Räucherabschnitte erfolgen sollten. Und er erläutert auch, wie wir aus den Lachsrogen am besten leckeren Lachs-Kaviar machen können. Nicht nur theoretisch natürlich, selbstgemachten Kaviar dürfen wir auch gleich probiere. Außerdem hat er viele Tips für unsere weitere Strecke parat, 22 mal ist er bereits von Seattle nach Alaska gesegelt, 13 mal hat er dabei Flottillen von Booten geführt, die die Eigner vorher bei ihm als Vertreter unter anderem von Janeaux, Nauticat und Nordic Tug gekauft hatten.

Ein kleines bisschen können wir uns revanchieren: mit selbst gebackenem Blaubeerkuchen, von uns in Rum eingelegte getrockneten Beeren im Teig und frisch gepflückte wilde Blaubeeren in einem leckeren Topping.

Nachtrag: Jeff, Dein Köder hat sofort gefangen. Ein Coho-Salmon an Bord und schon gemäß Deiner Anleitung filetiert. 😋

Ganz lieben Dank.

2 Gedanken zu „Wale, heiße Quellen und nette Menschen. Über Cannery Cove nach Warm Springs

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s