Santa Cruz Island

Gut 20 Seemeilen südlich von Santa Barbara liegt die unbewohnte Insel Santa Cruz. Mit fast 40 km Länge ist sie die größte der Channel Islands. Wir fahren allerdings nicht auf kürzestem Weg hinüber, sondern segeln hoch am Wind zur etwas weiter entfernten Nordwestspitze von Santa Cruz Island. Das ist bei dem anfangs schwachen Wind ein ganz angenehmer Kurs, zumal uns wieder einmal Delfinbesuch vergönnt ist.

Der eigentliche Grund für unseren Abstecher zur Nordwestspitze ist aber die „Painted Cave“. Diese natürliche Höhle erscheint nicht nur durch Algenbewuchs und Ablagerungen besonders bunt, sie ist auch ausgesprochen groß. Es gibt sogar Bilder mit Segelbooten im Eingangsbereich der Höhle, deren weit ins Dunkel reichendes Inneres dann aber nur mit Dinghy (und Taschenlampe) zu befahren wäre. Wird aber leider nichts, den mit dem Wind nimmt auch der Schwell zu. So sehr, dass wir nicht einmal in die Nähe der Painted Cave kommen, sondern nur den Eingang erahnen können und dann nach Osten abdrehen. Immerhin, die Felsenbrücken von Arch Rock können wir vor der schroffen Steilküste ausmachen.

Am Frys Harbour fahren wir vorbei, …

… erst die etwas breitere und tiefer eingeschnittene Pelican Bay soll unser Ankerplatz für die Nacht werden. Tatsächlich bietet sie erstaunlich guten Schutz vor dem immer noch kräftigen Schwell.

Während der Nacht beruhigt sich die See noch weiter. Am nächsten Morgen zeigen uns dann die vielen Braunpelikane auf und vor den hohen Sandsteinfelsen unseres Ankerplatzes, dass die Pelican Bay ihren Namen durchaus zu Recht trägt.

An Land zu kommen wäre für uns in der Pelican Bay trotzdem nicht ganz einfach und würde außerdem eine vorherige Genehmigung erfordern, der Westteil von Santa Cruz Island ist nämlich „Nature Conservancy Property“. An unserem nächsten Ankerplatz sieht das schon anders aus, denn genau hier beginnt der US Nationalpark, der den Ostteil der Insel einnimmt. Außerdem macht uns ein Landungssteg mit Dinghydock den Landgang deutlich einfacher.

Und so machen wir von der Prisoners Bay aus einen wunderschönen, wenn auch durch das oft steile Gelände durchaus anstrengenden Hike.

Vom Dinghydock aus geht es zunächst auf einer Schotterstraße mit ordentlich Steigung ein gutes Stück in die Höhe, bevor wir auf einen kleinen Trail abbiegen können.

Entlang der tief eingeschnittenen Täler finden sich einige Bäume, ansonsten dominiert niedriges Buschwerk. Neben heimischen Planzen wie der weißen Kliff-Aster und der rotblühenden California-Fuchsie oder den auf dem kargen Boden wachsenden Kakteen fällt insbesondere die ungeheure Vielzahl von wild wachsendem Fenchel auf. Sein Geruch prägt den Duft der Insel.

Eigentlich ist Fenchel hier nicht heimisch. Die invasive Art wurde zu der Zeit auf Santa Cruz Island gebracht, als hier noch Farmen betrieben wurden. Einige Vögel finden das scheinbar trotzdem gut, so etwa dieses Rubingoldhähnchen …

… oder die Singammer, die genüsslich einen Fenchelsamen verspeist:

Ein paar Mal sehen wir sogar den endemischen, also nur hier auf der Insel vorkommenden Island Scrub Jay (Inselhäher) mit seinem prächtigen blauen Federkleid.

Viel kleiner, bei weitem häufiger, aber ebenso schillernd im Gefieder ist der Annakolibri:

Erst zu hören und dann – aufmerksam geworden – auch zu erspähen sind wie schon am Festland die kalifornischen Schopfwachteln:

Die Vogelsichtungen sind zugleich willkommene Erholungspausen, immer wieder geht der Pfad steil bergauf oder bergab, aber es ist eine wunderschöne Strecke mit tollen Ausblicken.

Am nächsten Morgen wird die Sonne zum Mond, jedenfalls scheinbar. Um kurz nach 9 Uhr erleben wir eine partielle Sonnenfinsternis. Richtig dunkel wird es nicht, dafür ist die Abdeckung zu gering, aber mein Foto muss ich so stark unterbelichten, dass es trotzdem so aussieht:

Und danach wechseln wir zu unserem dritten Ankerplatz auf Santa Cruz Island, dem im Osten der Insel gelegenen Skorpion Anchorage.

Die schroffe Felsenküste weist nicht nur wie Stachel emporsteigende Spitzen auf, sondern auch eine Vielzahl von ausgespülten Höhlen, Durchbrüchen und Tunneln. Besonders beliebt sind die bei Kanuten, die zumeist mit der kleinen Inselfähre für organisierte Touren herübergebracht werden.

Auch wir probieren unser neues aufblasbares Kanu aus und sind von den Fahreigenschaften und dem stabilen Gefühl ziemlich angetan.

Santa Barbara: ein bisschen Bürokratie, eine wunderschöne Stadt, Ausflug nach L.A. und ein Kanu

Wir ankern vor Santa Barbara. Erstmal. Die Nacht ist dann etwas unruhig, die nächsten Tage soll die See noch bewegter sein, der nationale Wetterdienst hat sogar eine „Small Craft Advisory“ herausgegeben. Die Wind- und Wellenwarnung ist zwar nicht dramatisch, aber unangenehm würde es am Ankerplatz wohl schon werden. Deshalb möchten wir in den Hafen gleich nebenan verholen. Über Funk und Telefon bekommen wir allerdings jeweils Absagen: kein Platz, vielleicht später noch mal probieren. Also erkunden wir erst einmal zu Fuß die Stadt, sie gefällt uns auf Anhieb richtig gut.

Auf dem Rückweg gehen wir beim Hafenmeister vorbei, schildern die Situation. Die Antwort ist gleich: kein Platz. Aaaaber: als wir ins Spiel bringen, dass wir auch ins Päckchen gehen würden (was in Nordamerika nicht so üblich ist wie in Deutschland oder Dänemark) fällt dem Hafenmeister ein, dass ja die Small Kraft Advisory im Raum steht und der Hafen ein „Safe Harbor“ (also ein Schutzhafen) ist. Er weist uns einen Platz an einer (der vier!) Absaugstationen des Hafens zu. Zuerst sollen wir aber am Ankunftspier anlegen und mit unseren Papieren ins Büro kommen. Machen wir prompt. In der Zwischenzeit hat er dann doch eine Box für unser Schiff gefunden. Wir berichten Heather und Jim auf der draußen vor Anker liegenden „Kavenga“ davon, die darauf hin auch herein an die Ankunftspier kommen und für die der Hafenmeister nach Hinweis auf die Small Craft Advisory ebenfalls eine Box findet.

Mit dem Anlegen an der Ankunftspier hat es in Santa Barbara übrigens eine besondere Bewandtnis. Bei allen Booten mit WC an Bord kommt nämlich ein Offizieller an die Pier und platziert eine Färbe-Tablette im WC. So soll verhindert werden, dass heimlich (und illegal) die Fäkalien in das Hafenbecken entleert werden. Eigentlich gut, nur wären die Bemühungen zum Umweltschutz deutlich überzeugender, wenn die Bohrinseln vor der Küste nicht dafür sorgen würden, dass wir auf der Anfahrt zum Hafen mehrfach durch riesige, stinkende Ölteppiche fahren müssen. Beim ersten Mal haste ich ins Boot, reiße die Tür zum Motorraum auf. Aber nein, der Gestank kommt von draußen und wir fahren durch regenbogenfarbig schillernde Lachen auf dem Wasser. Ob die aktiven Bohrinseln wirklich die Verursacher sind, können wir nicht mit Sicherheit sagen, die Seekarte weist an diesen Stellen auch mehrere „Sub Surface Well ; Heads Covered“ aus, also abgedeckte ehemalige Quellen.

Die Stadt Santa Barbara allerdings nimmt uns sofort für sich ein. Palmenalleen am Strand entlang, dann wunderschöne Gebäude den gemächlich ansteigenden Hang hinauf bis die Berge dann mit Steilhängen in die Höhe zu schießen scheinen.

Sehr schön lässt das vom Uhrenturm des Gerichtsgebäudes aus anschauen, wobei man in der Ferne auch die Bohrinseln ausmachen kann:

Das Gerichtsgebäude ist aber auch sonst einen Besuch wert. Obwohl es in Betrieb ist (während unseres Besuchs fanden auch Verhandlungen statt, wenn auch nicht im Mural-Gerichtssaal) kann es kostenfrei besichtigt werden.

Und die Stadt: einfach WOW!!!

Vor allem in der zentralen Fußgängerzone, aber nicht nur dort, stehen bunt bemalte Klaviere. Sie werden genutzt. Manchmal klimpern Kinder, häufig aber setzt sich für kurze Zeit ein Passant ans Klavier und lässt die vorbei Spazierenden meist erfreut aufhorchen. Auch Wiebke gibt ein kurzes – längst verschollen geglaubtes – Musikstück aus ihrer Jugend-Klavierlern-Phase zum Besten. Klappt.

Im gesamten Innenstadtbereich finden sich alte Gebäude im Adobe-Stil, aber auch viele neuere Bauten, die Optik dieses Lehmziegelstiles aufnehmen, manchmal auch neu interpretieren.

Wir sind begeistert. Was wir aber leider nicht finden: der örtliche REI (Outdoor-Spezialist) hat leider das aufblasbare Doppelkanu nicht vorrätig, mit dem wir schon einige Zeit liebäugeln. Der Versand hierher würde zu lange dauern.

Wenn das Kanu nicht zu uns kommt, wie kommen wir zu ihm? Wiebke googelt, der REI in Burbank bei Los Angeles hat noch eins. Wir sichern es uns telefonisch und mieten ein Auto. Der nächste Landausflug steht also fest.

In Burbank holen wir das Kanu ab, und wo wir schon in der Nähe sind, reicht es auch für Hollywood und einen Blick auf L.A.

Die Rückfahrt über führt dann über Beverly Hills, das letzte Stück der Route 66 nach Santa Monica ans Meer und dann wieder auf dem Highway 1 am Pazifik entlang nach Santa Barbara. Eine Teilstrecke geht es auf dem “El Camino Real” (dem Königsweg), der die spanischen Missionsstationen zwischen Santa Bruno auf der Baja California und dann San Diego und San Francisco verbindet. 21 Missionen waren es ursprünglich, jeweils etwa 50 km bzw. einen Tagesritt voneinander entfernt. Mit diesen verleibten die Spanier ab 1684 nach und nach diese Region ihrem damaligen Weltreich ein. Geblieben sind die spanischen Namen der katholischen Heiligen, nach denen die Missionen benannt wurden. Oft sind es noch heute die Namen der Städte, deren Keimzelle die entsprechende Mission bildete. So wie in San Diego, in San Francisco und eben auch in Santa Barbara.

Heute machen wir – neben einem weiteren langen Gang durch die wunderschöne Stadt – auch gleich eine kleine Probefahrt mit unserem neuen Zweit-Dinghy, dass sich dann auch besser den Strand hinauf tragen lässt. Das Paddeln klappt ganz gut und macht uns richtig Spaß.

Weiterhüpfen an Kaliforniens Küste

Von Morro Bay gehen wir nur einmal kurz um die Ecke. Aber trotzdem begleiten uns bei diesem kleinen Hüpfer Delfine, wenn auch in einiger Entfernung. Der Ankerplatz hinter Point San Luis am Avila Beach liegt zwischen zwei weit ins Meer hinaus gebauten Piers. Eine dritte Pier etwas weiter westlich hinter dem riesigen Mooringfeld ist die einzige, die derzeit betreten werden darf.

Landgang muss aber für uns hier gar nicht sein. Erstens ist nur ein Stop für die Nacht geplant, vor allem aber wird uns direkt am Ankerplatz eine Wal-Show geboten. Einige Buckelwale jagen unweit der östlichen Pier nach Nahrung und versetzen damit auch die örtliche Vogelwelt in Aufruhr.

Der nächste Tagestörn ist dann etwas länger, es soll an der Küste entlang weiter nach Süden und um das Cape Conception herum gehen.

Wie so viele Kaps genießt auch Conception einen eher zweifelhaften Ruf. insofern sind wir nicht böse, dass wenig Wind angesagt ist. Zunächst müssen wir auch tatsächlich motoren und haben bei dem glatten Wasser das Glück, abermals Delfine zu sichten. Wir schalten in den Leerlauf und beobachten, wie sie offenbar einen Fischschwarm zusammentreiben. Es folgt eine Festmal für sie und für die scheinbar aus dem Nichts herbei geeilten Vögel.

Und danach spritzen die Delfine mit Freudensprüngen weiter:

Kurz darauf setzt dann Wind ein, erstaunlicherweise aus Südwest, aber wir können segeln. Ein paar Kreuzschläge sind erforderlich, o.k.

Aber dass wir zwischenzeitlich weit vor dem Kap ins zweite Reff wechseln müssen, lässt dunkle Vorahnungen aufkommen. Unberechtigt, denn kurz nachdem wir die Rakentenabschussrampen der Vandenberg Space Force Base am etwas nördlicher gelegenen Point Arguello erreichen, flaut der Wind so weit ab, dass wir wieder Vollzeug setzen. Übrigens finden auch hier SpaceX-Starts statt, wir hatten ja in Cape Canaveral einen solchen Start beobachtet und nutzen jetzt mit unserem Starlink wahrscheinlich die damals in die Umlaufbahn gebrachten Satelliten.

Als die Ölbohrinseln vor dem Kap näher kommen, nimmt der Wind weiter ab und so ziehen wir an dem weiterhin gerefft parallel segelnden Kanadier flott vorbei.

Am Leuchtturm Point Conception ist der Wind dann ganz eingeschlafen, unter Motor runden wir das Kap. Ziemlich abwechslungsreiche Bedingungen heute.

Der Ankerplatz in der Cojo Bay ist relativ offen, das ruhigere Wetter kommt uns also sehr entgegen.

Licht und Wolken geben dann zum Sonnenuntergang noch einmal alles:

😊

Küstenhüpfen in Kalifornien: über Santa Cruz nach Morro Bay

Wir schaffen es, dem schönen San Francisco auf Wiedersehen zu sagen. Die lauten Nebelhörner der Golden Gate Bridge geben uns ein Abschiedskonzert, aber außerhalb der Bucht verzieht sich die undurchsichtige Suppe. Wir können das Radar wieder auf Stand By schalten und haben eine schönen Segeltag. Auch noch den Großteil der Nacht hindurch bleibt uns der achterliche Wind erhalten, erst um 5 Uhr rollen wir die Segel ein und starten den Motor. Da ist es schon gar nicht mehr weit bis zum Ankerplatz vor Santa Cruz.

Allerdings: der Kettenzähler unserer Ankerwinsch streikt. Er hat schon beim Aufholen in der Horseshoe Bay nicht angezeigt und sich auf der Strecke leider nicht selbst repariert. Ein wenig Recherche ergibt, dass in der ausgetauschten Kettennuss ein Magnet enthalten war, mit dem der Zähler arbeitet. Wir untersuchen die alte Kettennuss, finden den Magneten, aber der lässt sich nicht ausbauen. Egal, um die Länge der ausgebrachten Ankerkette einigermaßen abschätzbar zu machen, müssen wir die Kette im Abstand von 10 Metern markieren. Das wäre auch bei funktionierendem Kettenzähler ein gutes Backup. Am zweiten Tag gehen wir daher in den Hafen von Santa Cruz, tanken, und ziehen dann die Ankerkette auf den Steg.

Hm, zwei nicht so schöne Überraschungen warten.

Zum einen rauscht die Kette komplett aus. Das dürfte eigentlich nicht passieren, denn das Ende (the bitter end) der Kette ist mit einem Stück Leine im Ankerkasten befestigt. (Leine deswegen, damit man sie im Notfall einfacher kappen kann). Nur: der Edelstahlschäkel am Ende ist einfach durchgerostet. Hätten wir bei großer Wassertiefe versehentlich die Kette ganz ausgebracht, hätten wir jetzt Anker und Kette verloren.

😖

Mit etwas Überlegung ist die Ursache schnell klar. Im Ankerkasten steht oft ein Rest Salzwasser und der heizt sich auf. Normaler V4A-Edelstahl bildet in über 25 Grad warmem Salzwasser leicht Lochfraß, rostet also von innen her weg. Das ist ja auch der Grund, warum wir eine Cromox-Ankerkette haben.

Direkt anknoten möchten wir die Leine aber auch nicht, dafür ist der einlaminierte Beschlag im Ankerkasten zu scharfkantig. Bleibt nur, einen verzinkten Schäkel zu wählen oder den Schäkel öfter zu tauschen.

Die zweite unangenehme Überraschung ist das Aussehen des selten benutzten letzten Teils unserer 100 Meter Ankerkette. Zum Glück ist es kein Rost, sondern nur festsitzender brauner Algenschleim, aber das erfordert doch eine größere Aktion mit der Handbürste und viel Süßwasser.

Sehr nett dagegen: in Santa Cruz treffen wir Andreas, den Leiter des Trans-Ocean-Stützpunktes hier. Er versorgt uns mit guten Tips und wir verbringen einen schönen Abend zusammen.

Für uns folgt dann eine weitere Nachtfahrt: gut 120 sm sind es bis nach Morro Bay. Wieder wird es ein angenehmer Törn mit überwiegend gutem Wind, außerdem sehen wir mehrfach Wale und Delfine.

Morro Bay hat eine von Molen geschützte Einfahrt und bietet dann hinter der Nehrung ein großes Mooringfeld, wobei die meisten Anlegebojen privat sind. Es gibt dadurch nur wenig Platz zum Ankern in der Lagune; wo keine Moorings liegen ist es hier außerhalb des freizuhaltenden Fahrwassers meist zu flach.

Wir haben aber Glück und ergattern einen der nur drei bis vier Plätze am Steg des örtlichen Yachtclubs. Der ist – wie seine Mitglieder – ausgesprochen Cruiser-freundlich, wir fühlen uns sehr willkommen. Und wir lernen von den Clubmitgliedern, dass in den USA diverse Nebelhörner so installiert sind, dass wir sie bei Bedarf mit unserem UKW-Funkgerät einschalten können. Das Ganze nennt sich MRASS (Mariner Radio Activated Sound Signal). Drückt man auf dem Boot innerhalb von 10 Sekunden fünfmal auf Kanal 83A die Sendetaste, aktiviert zum Beispiel der nächstgelegene Leuchtturm für die nächsten 45 Minuten das Nebelhorn. Hört sich erst ein bisschen nach verspätetem Aprilscherz an, ist aber wahr. Und was das A hinter dem UKW-Kanal angeht: in den USA muss das Funkgerät auf die amerikanischen Kanäle umgestellt werden, was selbst beim Furuno-Menü ausnahmsweise mal ziemlich einfach geht. Die Küstenwache wickelt nach dem Anruf auf Kanal 16 den Funkverkehr (außer in Notfällen) regelmäßig auf Kanal 22A ab, der in der europäischen Standardeinstellung nicht erreichbar ist.

Wir leihen uns Fahrräder aus, radeln erst einmal an der Lagune entlang nach Süden. Im kleinen Museum of Natural History erfahren wir einiges über die Entstehung und Entwicklung der Lagune und der Nehrung. Wir lernen, dass der an einen Turban erinnernde Felsen namensgebenden für Morro Bay war. Inzwischen hat der Vulkanschlot aber längst nicht mehr seine ursprüngliche Kegelform und Größe, weil er (obwohl Heilge Stätte der First Nation) als Steinbruch für die Molen hier und in Nachbarhäfen benutzt wurde.

Auch über die Besonderheiten der Tierwelt erfahren wir einiges und können glücklicherweise manches davon gleich live erleben. Zwar finden wir in dem uns beschriebenen Eukalyptus-Hain noch nicht die erhofften Trauben von Monarchfaltern auf ihrer Wanderung nach Mexiko. Die Migration dieser Schmetterlinge scheint gerade erst hier anzukommen, nur vereinzelte Exemplare sehen wir hoch in den Bäumen.

Aber auf der Wanderung von der Straße hinauf zu den Eukalyptusbäumen macht uns die Vogelwelt viel Freude:

zuerst hüpft uns mit dem California Thrasher ein besonderer Sichelspötter über den Weg …

dann erspähen wir Schopfwachteln …

und schließlich noch einen Nuttal-Specht.

Allen diesen drei Arten ist gemeinsam, dass sie im Wesentlichen nur in Kalifornien vorkommen. Das gilt auch für die Nuttall Dachs-Ammer, die uns etwas später direkt am Moro Felsen begegnet:

Dachs-Ammer

Bis auf die Antarktis kommt dagegen der Wanderfalke sogar auf allen Kontinenten vor. Trotzdem schätzen wir uns glücklich, das zwischenzeitlich in Kalifornien fast ausgestorbene schnellste Lebewesen der Erde (er erreicht im Sturzflug bis zu 320 km/h) stillsitzend vor seinem Nistplatz hoch im Felsen betrachten zu können.

Hier (wie schon bei der Aufnahme des Monarchfalters) kommt das eingebaute optische 600er Teleobjektiv der in Kanada gebraucht gekauften Sony RX10 zum Einsatz, ich bin echt begeistert von meiner neuen spiegellosen Kamera.

Am langen Surfer-Strand nördlich des Felsens stelzt dann mit dem “Long Billed Curlew” auch noch die nordamerikanische Spielart des Brachvogels am Wellensaum entlang:

Überhaupt, es ist einfach wunderschön hier!

Der Ort Morro Bay ist suuuuper entspannt und entspannend. Und die Tierwelt setzt halt noch i-Tüpfelchen drauf.

Zum Beispiel mit dem Kalifornischen Ziesel, einem tagaktiven Erdhörnchen, näher mit dem Murmeltier verwandt als zum Beispiel mit dem Eichhörnchen.

Oder – für uns immer wieder toll – durch Begegnungen mit Seeottern. Ob einen Krebs mümmelnd direkt neben unserem Boot

oder in der Mutter-Kind-Gruppe im Seetang kurz vor der Dämmerung:

Da geht uns das Herz auf.

Bootsarbeit mit der Golden Gate Bridge im Blick

Die Golden Gate Bridge ist wahrscheinlich neben der Freiheitsstatue das bekannteste Wahrzeichen der USA. Haben wir doch schon reichlich fotografiert? Stimmt, aber sie fasziniert uns immer wieder. Außerdem sind es Abschiedsbilder, den morgen werden wir – wenn das Wetter mitspielt – aus der San Francisco Bay nach ziemlich genau einem Monat (echt, schon ein ganzer Monat !?!) wieder heraus segeln und uns weiter Richtung Süden aufmachen.

Aber heute ankern wir noch einmal ganz nah an der berühmten Brücke, dieses Mal in der Horseshoe Cove am Nordufer.

Ein bisschen Bootsarbeit steht an. Unsere Ankerwinsch hat uns vor einiger Zeit mit losen Teilen (eine Sperrklinke und eine Feder) auf dem Vorschiff überrascht. Auf Langfahrt ist die Ankerwinsch immens wichtig, zum Glück war aber nur eine Schraube abgebrochen, welche die Sperrklinke für manuelles Aufholen der Ankerkette (bei Ausfall des Elektromotors) hält. Die Winsch funktionierte also weiterhin, wir konnten erstmal aufatmen. Aber nachdem die Ersatzteile eingetroffen sind, veranstalten wir ein bisschen Chaos auf dem Vorschiff:

Die Ankerwinsch wird zerlegt und der abgebrochene Rest der Schraube mit etwas Überredungskunst aus dem Gewinde geholt. Bei der Gelegenheit tauschen wir auch gleich die Kettennuss der Ankerwinsch:

Die alte hat noch funktioniert, aber die vielen Ankermanöver unserer Langfahrt haben deutliche Spuren hinterlassen, die Mitnehmer für die Kette sind schon ziemlich angesägt. So sieht’s dann doch wieder besser aus.

😁

Und Abendstimmung:

San Francisco VIII: von Santa Cruz zu den (an)gemalten Damen

Nach dem Rückweg aus der schönen Sackgasse folgen wir weiter dem Highway 1, passieren Monterey diesmal und fahren um die große Monterey Bay herum bis nach Santa Cruz.

Santa Cruz entwickelte sich früh zu einem Surf Hotspot auf dem amerikanischen Festland, seit 1895 wird hier dem Wellenreiten gefrönt. Diverse internationale Surfwettbewerbe finden an Santa Cruz’ West Cliff Drive statt. Der Ort schmückt sich mit dem inoffiziellen Titel “Surf City USA”, wobei das auf Hawai’i sicher anders gesehen wird.

Eine weitere Attraktion ist der Beach Boardwalk. Direkt zwischen Stadt und Strand gelegen ist er der älteste kalifornische Vergnügungspark und bietet auch heute noch überwiegend historische Jahrmarktgeschäfte wie das Kettenkarussell, die Holzachterbahn “Big Dipper” von 1924 oder die Gondelfahrt über der Strandpromenade mit Blick auf die Ankerlieger.

Die Stadt selbst gefällt mit vielen viktorianischen Holzhäusern wie auch unser Bed & Breakfast eines ist:

Auf der Weiterfahrt sehen wir entlang der Straße noch einigen Obst- und vor allem Gemüseanbau. Nicht mehr so extrem flächengreifend wie entlang des Salinas River sondern eher in der Hand von familiengeführten Farmen. So kurz vor San Francisco können wir nicht widerstehen und decken uns in einem der Hofläden mit Frischwaren für die Flora ein. Erdbeeren, Feigen, Tomaten, Möhren, Nektarinen, Avocados, Zwiebeln, Zucchini und einiges mehr. Erstmals kaufen wir auch einen ganzen Stängel Rosenkohl.

Am Abend fahren wir von San Francisco aus (noch haben wir ja das Auto) nach Sausalito und greifen auf das Angebot von Kristen und Raffi zurück, bei ihnen Waschmaschine und Trockner zu nutzen.

Am nächsten Morgen geben wir den Mietwagen ab, machen ein bisschen Bootsarbeit und dann geht’s mit der U-Bahn in den Stadtteil Haight Ashbury. Hier war das Epizentrum der Hippy-Flower-Power-Bewegung. Hier prägten Janis Joplin, The Grateful Dead und Jefferson Airplane in den 1960ern die Musikszene.

Und hier finden sich auch die “Painted Ladies”. Ein wenig sind auch sie ein Ergebnis der 60er, auch wenn sie viel älter sind. Viktorianische Bauten (streng genommen also aus der Zeit von Queen Victoria bis 1901, aber die Edwardianischen bis 1915 werden meist einfach dazu gezählt) sind häufig in San Francisco. Auch, weil nach dem verheerenden Erdbeben und Brand von 1906 vieles in diesem Stil wieder aufgebaut wurde. Aber in Haight Asbury blieben tatsächlich auch viele viktorianische Gebäude von der Katastrophe verschont.

Ursprünglich waren die reich verzierten Gebäude in leuchtenden Farben bemalt. Eine Zeitung kritisierte 1885: “… red, yellow, chocolate, orange, everything that is loud is in fashion … if the upper stories are not of red or blue … they are painted up into uncouth panels of yellow and brown …”. Aber bis zu den 1960er Jahren hatte sich das offenbar geändert. Grau war der vorherrschende Anstrich. Manch ein Hausbesitzer ging auch dazu über, die Verzierungen zu entfernen oder jedenfalls nicht mehr zu reparieren. Das monochrome Grau passt nicht zu unserem Bild von der Hippy-Bewegung, oder? Und tatsächlich, schon 1963 begann der Künstler Butch Kardum, sein viktorianisches Haus in intensivem Blau und Grün neu zu bemalen. Er erntete zunächst heftige Kritik, dann aber begann man ihn nach und nach in der Nachbarschaft zu kopieren. Und so wurde es wieder bunt in Haight Ashbury, in San Francisco und in vielen anderen Gebieten mit viktorianischer Bebauung.

1978 fand erstmals der Begriff “Painted Ladies” für mehrfarbig bemalte viktorianische Häuser in San Francisco Verwendung. Seitdem hat sich der Ausdruck, jedenfalls in der amerikanischen Architektur, für diese Häuser auch außerhalb von San Francisco durchgesetzt.

Die vielleicht bekanntesten sind die “Seven Sisters” in der Steiner Street am Alamo Square, die auch “Postcard Row” genannt werden und in diversen Filmen, Fernseh- und Netflix-Serien vorkommen:

Klar, mit der Skyline von San Francisco im Hintergrund wirken sie um so mehr. Aber hey, es gibt so unglaublich viele “Painted Ladies” hier in Haight Ashbury:

Nur eine kleine Auswahl. Und nur aus Haight Ashbury. San Francisco ist wirklich eine wunderschöne Stadt.

❤️

Das Tal des Todes ist für uns gestorben, statt dessen Highway 1 zwischen Morro und Monterey

Für die Zeit mit dem Mietwagen haben wir uns verschiedene Optionen offen gehalten. Eine ist die Fahrt ins Death Valley. Yosemite liegt ja schon in der Sierra Nevada, das Death Valley liegt südöstlich davon. Nur: die Fahrt dorthin können wir uns sparen, der komplette Death Valley Nationalpark einschließlich aller Zufahrtsstraßen ist derzeit gesperrt. Immer noch. Schuld hat Hillary. Denn die Überbleibsel dieses pazifischen Hurrikans, der in Mexiko auf Land traf, haben im trockensten und heißesten Ort der USA vom 19. bis zum 21. August für Überflutungen (sic!) gesorgt. Allein am 20. August 2023 fiel im Death Valley mehr Regen als sonst in einem Jahr. Die Straßen wurden an manchen Stellen weggerissen, andere unterspült.

Plan B für uns: wir fahren nach Morro Bay an der Pazifikküste, fast mittig zwischen Los Angeles und San Francisco gelegen. Von dort können wir dann einen weiteren besonders schönen Teilabschnitt des Highway 1 an der Küste entlang nach Norden befahren. Guter Plan, zumal wir in Morro Bay unsere holländischen Segelfreunde von der Joy treffen können, die derzeit dort ankern. Es gibt ein fröhliches Widersehen, mit Stipvisite im maritimen Freiluftmuseum und sogar einem Shantychor-Kurzkonzert.

Von Adrianne und Michiel bekommen wir den Tip, an der 1 unbedingt am Point Piedras Blancas anzuhalten. Machen wir natürlich, denn dort gibt es eine Kolonie der selten in freier Natur zu sehenden Nördlichen See-Elefanten.

Jetzt im Herbst liegen diese riesigen Robben (sie werden über 4 Meter lang und bis zu 2.500 kg schwer) nur „faul“ am Strand herum und erholen sich vom anstrengenden Tauchen nach Nahrung in den höheren Breiten, bevor sie dann im Winter hier ihren Nachwuchs erwarten. Lediglich die jugendlichen Männchen üben in Scheinkämpfen schon dafür, später einmal ein Revier zu erringen und zu verteidigen.

Der Rüssel, der sich nur bei den Männchen entwickelt, ist bei ihnen zwar schon vorhanden, aber noch nicht sehr ausgeprägt. Anders bei diesem etwa 7jährigen Männchen:

Leider ist die Weiterfahrt nach Norden auf dem Highway 1 nicht möglich. Zwei massive Erdrutsche haben die Strecke südlich von Big Sur unterbrochen, eine Umleitung gibt es nicht. Wir müssen (oder dürfen?) auf dem Highway 1 zurück zur 46, auf dieser das Küstengebirge überqueren und dann im Tal des Salinas River auf der 101 bis Monterey fahren.

In Monterey übernachten wir. Und dann machen wir uns auf, den am Vortag verpassten Abschnitt des Highway 1 dann eben von Norden kommend zu erkunden. Der Weg dorthin führt uns über den „17 Mile Drive“, eine gebührenpflichtige Privatstraße auf der Monterey-Halbinsel. Sie erschließt die riesige „Gated Community Pebbel Beach“, die auch drei 18 Loch Golfplätze, darunter den weltberühmten Golfplatz Pebbel Beach beinhaltet.

Seit 1919 Symbol von Pebbel Beach: The Lone Cypress

Der Nachbarort Carmel mit seinem langen weißen Sandstrand, den schicken kleinen Geschäften und den eleganten Villen ist nicht weniger exklusiv, was durch ihren zwischenzeitlichen Bürgermeister Clint Eastwood wahrscheinlich nur noch weiter verstärkt wurde.

Danach geht’s dann aber wieder auf den Highway 1: meist hoch über dem Pazifik in die steil abfallenden Felshänge gebaut, manchmal aber auch hinunter zu den eingesprengselten Sandstränden führend, eine wahre Traumstraße auch in diesem Abschnitt.

Kurz hinter Big Sur machen wir noch einen Abstecher zum wunderschönen Pfeifer Beach. Bewundern die Felsdurchbrüche. Spazieren barfuß am Strand entlang, Baden aber nur die Füße im 16 Grad kalten Ozean. Nicht ohne Grund tragen die Surfer Neopren:

Und dann genießen wir noch einmal die Fahrt zurück auf der 1, ist ja derzeit die vielleicht schönste Sackgasse der USA.

😊

Yosemite Nationalpark

Der Wecker klingelt früh. Etwa drei Stunden sind es von San Francisco bis zum Eingang des Yosemite Nationalparks. Allerdings nur, wenn wir vor dem Berufsverkehr aus der Stadt heraus kommen.

Nach Osten, dem Sonnenaufgang entgegen.

Die Bergwelt im Yosemite auf den Westhängen der Sierra Nevada begrüßt uns nach etwa 300 km Fahrt mit traumhaftem Wetter und den markanten Granitformationen wie dem Kletter- (und Freiklettern-) Giganten „El Capitan“, der rund 1.000 Meter fast senkrecht ins Yosemite-Tal abfällt und dem weithin sichtbaren „Half Dome“ am Ende des Tals.

Unser erster Hike führt uns zu den Wasserfällen. Die berühmten Fälle führen jetzt im Sommer bei weitem nicht mehr so viel Wasser wie im Frühjahr zur Schneeschmelze. Beeindruckend sind sie dennoch.

Suchbild: erst die Menschen im Vordergrund machen die Dimension etwas deutlicher. Die Yosemite-Falls ergießen sich 739 Meter in die Tiefe.
Bridalveil Fall aus der Ferne
… und aus der Nähe.

Danach fahren wir auf der anderen Talseite hinauf zum Glacier Point, mit direktem Blick auf das Profil mit der abgebrochenen Steilwand des Half Dome.

Nur eine kurze Wanderung an dieser Stelle, denn ein weiteres Highlight lockt im südlichen Bereich des Nationalparks. In der Mariposa Grove mit ihren Giant Sequoias, den Riesen-Mammutbäumen machen wir nochmal einen weiter ausgedehnten Hike.

Spannend: die Samen aus den Zapfen dieser Bäume benötigen tatsächlich idealerweise Waldbrände für ein erfolgreiches Auskeimen. Nach Jahrzehnten der strikten Brand(Vermeidungs-)vorsorge werden inzwischen wieder kontrollierte Feuer in den Mammutbaumhainen gelegt. Die ansässigen First Nation hatten diese Technik zuvor bis zum Verbot durch die Naturschutzbehörde bereits traditionell angewandt. Aber selbstverständlich gab und gibt es auch natürlich entstehende Waldbrände, insbesondere durch die in der Sierra Nevada häufigen Sommergewitter. Jahrhundertealte, kräftige Mammutbäume überstehen die Brände normalerweise gut, wenn sie nicht zu häufig oder intensiv ausfallen. Junge Bäume mit dünnerer Borke sind nicht ganz so widerstandsfähig.

Neben den Baum-Giganten gibt es aber auch wesentlich kleineres Leben im Wald, das uns viel Freude bereitet:

Für das „Chipmunk“ bekommen wir auf einer Tafel sogar die Erklärung geliefert, wie das Streifenhörnchen seine namensgebenden Fellzeichnung erhielt:

😉

Schön finden wir auch den Diadem-Häher …

und die von ihren gleich zwei Kitzen etwas ausgezehrte Maultierhirsch-Ricke:

San Francisco VII: Muir Woods und die Golden Gate Bridge von oben

Von Mendocino aus wollen wir in den Yosemite Nationalpark fahren. Eigentlich. Aber einmal mehr haben die Waldbrände etwas dagegen, die direkte Route macht keinen Sinn. Also planen wir um. Noch ein kleines Stück weiter nach Norden, dann von Fort Bragg aus quer durch das Küstengebirge und damit durch den Jackson State Forest hinüber zum U.S. Highway 101.

Sieht hier noch fast eben und gerade aus, ist aber beides nicht. Vielmehr eine herrliche kleine Gebirgsstraße, die jegliche eckig gefahrene Motorradreifen ruckzuck wieder rund bekommen würde.

😊

Macht aber auch mit dem Auto Spaß. Die 101 ist dann eher praktisch zu nennen, sie bringt uns vergleichsweise schnell zurück nach Sausolito. Wobei, einen Zwischenstopp im „Diavola“ in Geyserville gönnen wir uns. Ein Tip von Raffi und wirklich sehr zu empfehlen. Salat und Pizza überaus lecker.

Von Sausolito aus machen wir uns wieder auf den Weg zu den Muir Woods. Hatten wir bei der Fahrt nach Mendocino schon als Abstecher versucht, dann aber abgebrochen. Denn in Muir Woods muss man zuvor einen Parkplatz online reservieren. Ja, ZUVOR! Denn unten im Tal gibts keinen Telefonempfang und damit kein Internet. Und die Serpentinen mehrfach runter und rauf zu fahren, war uns für den Abstecher etwas aufwändig und wir wollten ja noch weiter ins Nappa Valley. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Nun also. Parkplatz von Sausolito aus reserviert (es soll auf eine halbe Stunde genau angegeben werden). Der Eintritt ist dann für uns frei, wir haben seit Yellowstone eine Jahreskarte für die US-Nationalparks.

Muir Woods bietet verschiedene Hikes durch die wunderschönen Coastal Redwoods. Diese Küsten-Mammutbäume erreichen zwar nicht die gigantischen Stammdurchmesser der Riesen-Mammutbäume, wachsen dafür aber etwas höher und erreichen teilweise über 100 Meter. Und ihr Umfang kann auch so schon ganz beeindruckend sein:

Vor allem aber gefällt uns der Spaziergang hier im von Licht durchfluteten Wald, der sich am Fern Creek dann doch noch zu einem echten Hike mit reichlich Höhenmetern ausweitet.

Danach nehmen wir die Nebenstrecke zur Golden Gate Bridge, um die Aussichtspunkte im Nordosten der Brücke zu erreichen. Wir haben uns scheinbar an diesem Wahrzeichen noch immer nicht satt gesehen:

Auf der Straße … nach Mendocino

Die California State Route 1 (kurz CA1) wird oft auch Highway 1 genannt, führt über 1.000 Kilometer lang in Nord-Süd-Richtung durch Kalifornien. Auch die Großstädte San Francisco und Los Angeles liegen an der CA1. Vor allem aber führt die Strecke oft dicht am Pazifik entlang und bietet dabei spektakuläre Ausblicke auf den Ozean und die abwechslungsreiche Küstenlinie. Damit hat sie sich die Auszeichnung „National Scenic Byway“ verdient und wird auch immer wieder als eine der „Traumstraßen der Welt“ genannt.

Na, wenn wir schon mal wieder ein Auto haben und in der Nähe sind …

Von Healdsburg aus fahren wir noch ein ganzes Stück durch Weinanbaugebiete, dann aber durch den „Armstrong Redwood State National Reserve“ hinüber an die Küste. Bei Jenner biegen wir auf die CA1 ab und folgen ihrem Verlauf nach Norden. Wie so oft hängt Nebel über der Landschaft, scheint die Farben zu verschlucken.

Spektakulär ist es trotzdem.

Wir halten an und machen eine kleine Wanderung auf dem „Vista Trail“. Schon Albert Hammond verkündete ja: „It Never rains in (Southern) California“, aber ganz ohne Feuchtigkeit gebe es an der Küste nicht die berühmten Redwood Trees. Tatsächlich sind die Coastal Redwoods abhängig von der klimatischen Besonderheit der tiefhängenden, über die Küstengebirge ziehenden Wolken, sie beziehen die Hälfte ihres Feuchtigkeitsbedarfs aus dieser Quelle. Und nicht nur die Bäume, auch Sträucher und Blumen fangen die Tröpfchen aus der Luft und halten sich damit in dieser eigentlich so trockenen Gegend am Leben. Die Tautropfen fangen sich malerisch auf Ferkelkraut, oder besonders auffällig in Spinnennetzen …

Auch die eigentlich aus Südafrika stammende Belladonnalillie scheint sich daran zu laben, sie ist wildwachsend hier an der Küste weit verbreitet.

Schön auch der Kalifornische Mohn (mit Spottet Cucumber Beetle drauf):

Wie so oft beginnt sich auch heute der Nebel langsam aufzulösen,

die schroffen Felsformationen an der Küste werden immer besser sichtbar.

Als wir am Point Arena Leuchtturm ankommen, ist der Nebel weg, dafür aber Dunst in der Luft (neben der Gischt) schon deutlich zu riechen, die Waldbrände Landesinneren machen sich bemerkbar.

Spannend: wenn die Straße wegen einer Flussmündung einen kleinen Knick in ein Tal Richtung Landesinneres macht, ändert sich schlagartig die Vegetation. Mikroklima. Mal sehen wir Redwoods, dann fahren wir durch Kieferwälder oder die Straße ist gesäumt von Zypressen.

Aber was für eine Fahrt, was für eine wunderbare Straße, was für ein Erlebnis.

Mendocino liegt auf einer Halbinsel westlich der CA1. Hier also verlassen wir die Traumstraße und biegen ab in den Ort, der fast vollständig als „National Historic Preservation District“ unter Denkmalschutz steht. Und so hat sich das Ortsbild in den letzten gut hundert Jahren wohl tatsächlich kaum geändert. Eine Besonderheit fällt sofort ins Auge: Wassertürme und Windrad-Fördertürme für Brunnen.

Noch heute gibt es in Mendocino keine zentrale Wasserversorgung. Jedes Haus muss entweder einen Brunnen haben (aus dem das Wasser heute dann aber zumeist mit elektrischen Pumpen gefördert wird) oder Trinkwasser per Tankwagen beziehen.

Beim Frühstück auf der Terrasse im ersten Stock schauen wir denn auch auf Fuchsien, die bis hier hoch gewachsen sind und auf den dahinter stehenden historischen Wasserturm des Nachbarhauses.

Und der Ort Mendocino selbst? Schmuck und reich verziert.

Aber nicht nur die historischen Holzhäuser machen den Charme des Ortes aus, die Lage auf den Klippen der Halbinsel, das besondere Licht durch das umgebene Meer, die hohe Brandung und die in der Steilküste versteckten Sandstrände und Felsenbrücken, all das lockt Besucher auf die schönen und vielfältigen Klippen-Wanderwege und es inspiriert offenbar auch eine Vielzahl von Künstlern.

Malen können wir leider beide nicht, aber ein bisschen in Mendocino verliebt haben wir uns trotzdem.

Jedenfalls kommt „Mendocino“ auf die schon ziemlich lange Spotify-Playlist unserer Reise, allerdings nicht die deutsche Version des namensvergesslichen Michael Holm, der nach dem Liedtext ja die Straße nach Mendocino täglich fährt. Deutsche Schlager sind tatsächlich schon genug darauf, deshalb nehmen wir das (allerdings ebenso Hammond-Orgel-dominierte) Original des Sir Douglas Quintett.

😊