Historischer Boden

Flora hat ihren ersten Ankerplatz hier in den USA noch immer nicht verlassen, wir liegen weiter im Mill Creek bei Hampton in der Südwestecke der Chesapeake Bay. Direkt neben unserem Ankerplatz (auf der anderen Seite der lärmenden Brücke 😉) liegt die Mündung des James River. Und hier, genauer gesagt auf einer Halbinsel ein Stück flussaufwärts, liegt die Keimzelle der englischen Kolonialisierung Nordamerikas und – weil dies die erste britische Kolonie überhaupt war – des sich in der Folge entwickelnden britischen Weltreiches. Ab 1607 wurde hier James Fort (später Jamestown) gegründet, die erste dauerhafte englische Siedlung in Nordamerika nach einigen Fehlschlägen im letzten Viertel des vorangegangenen Jahrhunderts. Die Besiedlung und Gründung erfolgte nicht direkt durch die Krone, sondern durch eine eigens gegründete Aktiengesellschaft, die Virginia Company. Und – es gab sie wirklich – hier in Jamestown heiratete 1614 der Tabakfarmer John Rolfe seine Pocahontas, die Tochter des Powhatan-Häuptlings. Das verschaffte der Siedlung für einige Zeit Frieden (tatsächlich aber nur für weniger als 8 Jahre).


Blick Richtung James River

Auf der anderen Seite unseres Ankerplatzes liegt auf der durch den Mill Creek abgetrennten Halbinsel “Old Point Comfort” das Nationaldenkmal “Fort Monroe”. Schon 1609 wurde hier ein Fort errichtet, um die Kolonie zu schützen. Etwa 200 Jahre später wurde es nach dem britisch-amerikanischen Krieg von 1812 (also rund 30 Jahre nach der Unabhängigkeit der USA) in seiner jetzigen Form eines von einem Graben und Wällen umgebenen Fünfecks mit Bastionen ausgebaut. Als erstes und größtes Fort sollte es eine neue Art des Schutzes der Küste einleiten.

Schön ist, dass man in das Fort einfach hineinspazieren und oben auf den Befestigungswällen einen Rundgang machen kann. Mit dem Dinghy fahren wir in den flachen Teil des Mill Creek hinein, machen an einem verfallenen Steg in der Nähe der Festung fest und nutzen diese Gelegenheit.

Blick vom Fort Monroe auf den Mill Creek

Klar, es gibt militärisches zu sehen wie etwa die alten Geschützlafetten, aber im Wesentlichen lässt sich der Blick über den Strand der Chesapeake Bay bis hinüber nach Norfolk und die kleinen Häuser um den Leuchtturm Old Point Comfort genießen.

Und auch im Inneren des Fünfecks wirkt ein größerer Teil der Bebauung eher unmilitärisch, manchmal parkähnlich wie hier bei dem halb hinter einem riesigen Magnolienbaum mit fußballgroßen Blüten verborgenen Südstaatenhaus:

Und ja, Virginia gehörte ja auch zu den “Südstaaten” im amerikanischen Bürgerkrieg. Das Fort Monroe dagegen, obwohl in diesem Bundesstaat gelegen, wurde durchgängig von den Unionstruppen der USA gehalten und nicht von den Truppen der Konföderierten erobert. Es wurde auch “Fort Freedom” genannt, zumal sich der dort kommandierende Brigadegeneral Butler mit einem geschickten Schachzug über das auch im Bürgerkrieg geltende Gesetz hinwegsetzte, nachdem geflohene Sklaven auch in den Staaten, in denen die Sklaverei abgeschafft war an ihre dies verlangenden “Besitzer” herausgegeben werden mussten (Fugitive Slave Act): er erklärte alle in sein Befehlsgebiet gelangten Sklaven für nach Kriegsrecht beschlagnahmt zugunsten der Union. Freiheit durch Beschlagnahme!

Foto-Nachträge Passage USVI-Bahamas-USA

Die Blogposts der Passagen von den USVI zu den Bahamas und weiter in die Chesapeake Bay konnten wir von unterwegs ja nur als Text versenden. Ganz lieben Dank für Eure Kommentare!

Ich habe jetzt nachträglich die Bilder zu den entsprechenden Posts zugeordnet. Weil Ihr Euch sicher nicht nicht alle nochmal durch die Blogposts der letzten zwei Wochen arbeiten wollt, sind einige der Highlights hier unten angefügt. Durch Klick auf die jeweilige Bildunterschrift kommt Ihr zu dem entsprechenden Blogpost, wo sich dann meist auch noch weitere Bilder finden. Wer nicht hin und her springen möchte, kann natürlich auch in einem der Beiträge ganz herunterscrollen und dann auf „Vorheriger Beitrag“ oder „Weiter“ klicken.

Es fängt gut an. So wünscht man sich die Bedingungen auf Passage.

Die geplante Route und der Umweg zur virtuellen Stecknadel

Sehnsuchtsort Hogsty Reef

Schnorcheln am Hogsty Reef

Conception Island

Zähne

Abacos nach Dorian

Schwimmen im tiefen Blau

Genießerzeit

Viel Spaß beim Blättern.

Legalize it.

Jetzt sind wir offiziell in den USA. Auf die Anmeldung per CBP-ROAM-App gab es zunächst keine Rückmeldung. Eventuell auch deshalb nicht, weil ich (neben der Email-Adresse) als Kontakt meine deutsche Handynummer angegeben hatte. Solche ausländischen Nummern werden aber scheinbar nicht angerufen.

Mit einem eigenen Anruf bei der CBP (US Customs and Border Protection) und diversen internen Weiterleitungen dort ließ sich aber alles klären. Einklariert sind wir durch den auf den USVI erhaltenen Stempel im Pass, da wir ja auf den Bahamas nicht einklariert haben. Ich wurde auf meiner US (Virgin Islands) Handynummer zurückgerufen und die nette Dame machte mir gleich einen Termin mit einem Kollegen für das Cruising Permit. Also zusammen mit Steve von der Amalia fix ein Uber-Taxi bestellen und hinüber nach Norfolk. Und dort gibt es eine Fortsetzung des kleinen Kulturschocks. Wenn man die oft in Containern oder Baracken untergebrachten Customs der karibischen Inseln gewohnt ist, überrascht das Customs-Gebäude hier in Norfolk doch etwas:

Allerdings ist für unser Anliegen der auf dem Foto von der imposanten Freitreppe verdeckte kleine ebenerdige “Lieferanteneingang” vorgesehen. 😉

Und da bekommen wir unproblematisch unsere Cruising Permits, müssen uns jetzt also nicht mehr bei jedem einzelnen Liegeplatzwechsel (=Ankerplatzwechsel) bei den Behörden melden, sondern nur telefonisch darüber informieren wenn wir den Bundesstaat wechseln. 19 $ sind dafür zu zahlen, soweit kein Problem, aber bitte bar und genau passend. Hm. Steve geht uns einen Kaffee kaufen während sich der superfreundliche, aber auf dieser Position neue Officer mit Floras CP abmüht. Danach haben wir 38 $ klein. Geht aber nicht, es müssen zwei mal exakt 19 $ sein. Na gut, für mich reicht es schon und – vertauschte Rollen – während der Bearbeitung von Amalias CP gehe diesmal ich einen 5 $ Schein kleinmachen.

Danach gehen wir kurz einen Happen essen, in Virginia ist Phase 2 der Covid-Normalisierungsskala gültig und damit sind Restaurants eingeschränkt wieder geöffnet. Auf dem Weg laufen wir an dem Museumsschiff USS Wisconsin von 1944 vorbei:

Selbst wenn man wie ich für Militaria nicht viel übrig hat, ist das schlanke aber 270 m lange und zuletzt 1991 im Golfkrieg eingesetzte Schlachtschiff schon ein Hingucker und mit bis zu 2.800 Mann Besatzung ja eigentlich fast schon ein eigener Stadtteil. Das gilt aber vermutlich noch mehr für die beiden Flugzeugträger, die wir bei der Herfahrt im Hafen gesehen haben.

Noch SIM-Karten für die USA besorgt, was mit einiger Wartezeit verbunden ist und schon ist der Tag vorbei.

Mit Uber geht’s im Regen zurück, klatschnass werden wir aber bei der Fahrt vom Dinghydock zurück zu den Booten durch die fiesen Wellen, die über unseren Ankerplatz rollen. Der Sonnenuntergang versöhnt 😊

Und wir: wir können es immer noch nicht ganz fassen, dass wir wirklich auf eigenem Kiel hier in den USA 🇺🇸 angekommen sind. Aber so langsam sickert es eben doch in unser Bewusstsein. Fühlt sich gut an. Prost aus der Chesapeake Bay!

Tag 8 Passage Bahamas USA: Ankunft

Wir werden verwöhnt mit einem weiteren wunderbaren Segeltag. Und davor einer schönen Segelnacht. Der nicht mehr ganz volle Mond geht erst drei Stunden nach Sonnenuntergang auf, Zeit genug für einen beeindruckenden Sternenhimmel, zudem mit Jupiter und Saturn, denen dann an der Perlenschnur später der Mond und in seinem Gefolge auch noch Mars folgen.

Das gefürchtete Kap Hatteras zeigt sich von seiner besten Seite, mit mäßigem achterlichem Wind und Schiebestrom passieren wir nachts einigermaßen dicht unter Land in nur 14 bis 20 m tiefem Wasser, sehen aber trotzdem nur blinkende Lichter auf seiner schmalen Landzunge.

Morgens um 6.00 wird Wiebke dann aber auf ihrer Wache in eine Kiefernduftwolke gehüllt, ein Erlebnis, dass wir am Nachmittag oben bei Virginia Beach noch einmal gemeinsam haben werden. Dort, am Eingang zur Chesapeake Bay trifft uns ein warmer Landwind, der so intensiv und süßlich nach Kiefernnadel riecht, da werden Kindheitserinnerungen an Badewannenschaumbäder wach.

Auffällig ist, wie seit dem Passieren von Beaufort kurz vor Kap Hatteras der Schiffsverkehr zugenommen hat. Frachter, Fischer, Hochseesportfischer und, je näher wir der Chesapeake Bay kommen, auch viele Baggerschiffe und Schleppverbände mit Schuten. Außerdem nimmt auch der Luftverkehr massiv zu, vor allem diverse militärische Flugzeuge lassen sich sehen und hören.

Aber zur Begrüßung sichten wir erstmals seit langem auch wieder Delfine, wenn auch in einiger Entfernung. Dafür schwimmt eine wirklich große Schildkröte ganz dicht vorbei. Muss sie auch, sonst hätten wir sie nicht gesehen. Das Wasser ist hier deutlich trüber, weit kann man nicht hineinschauen.

Mittagsetmal 160 sm.

Kurz vor dem Ziel nimmt der Wind dann kräftig zu, gepaart mit dem Knoten Gegenstrom auf den letzten zwei Meilen wird es noch einmal ruppig. Und auch unser Ankerplatz im Mill Creek vor Hampton (über den gerade wieder eine 28 kn/Windstärke 7 Böe pfeift) ist bei diesen Bedingungen ziemlich choppy. Ist uns aber egal, selbst der inzwischen völlig ungewohnte Autolärm, der von der nahen Brücke herüber weht und die Windgeräusche übertönt, er stört uns jetzt nicht. Wir sind glücklich, hier zu sein. Und wir sind müde, ein Ankerbier, die Anmeldung unserer Ankunft bei den US-Behörden über die App CBP-ROAM (Antwort steht noch aus) und jetzt wollen wir erstmal schlafen.

Die Fotos des Törns werde ich dann in den nächsten Tagen nachreichen.

Tag 7 Passage Bahamas USA

Ein WUNDERSCHÖNER Segeltag.

Gestern Abend sind wir in den Schnellzug „Golfstrom“ eingestiegen. Bei Anfangs zudem noch kräftigem Wind sausten wir nur so dahin, der SOG (Speed over Ground) also die tatsächlich laut GPS zurückgelegte Strecke lag viele Stunden hintereinander bei über 8 bis knapp 9 Knoten. Wenn es mit 172 sm in 24 Stunden trotzdem kein Rekordetmal geworden ist, liegt das an den ganz flauen Winden seit heute kurz vor Sonnenaufgang und bis zum frühen Nachmittag. Aber auch in dieser Zeit hat uns Europas Fernwärmeversorgung mit mindestens 1 kn, in der Spitze sogar mit knapp 4 kn geschoben, wir sind also gut vorangekommen.


Wo wir schon beim Golfstrom sind: in Europa sollten wir ihm eigentlich jeden Tag auf Knien danken. Man macht sich das ja meist nicht so richtig klar, aber der Norden Deutschlands (Sylt) liegt auf rund 55 Grad nördlicher Breite. Spiegelt man das auf die Südhalbkugel, emtspricht diese Breite der Lage der südlichsten Stadt der Welt: Ushuaia in der Nähe von Kap Hoorn. Bleibt man auf der Nordhalbkugel, liegen auf dieser Breite z.B. Kamtschatka in Russlands Osten oder die zu Alaska gehörenden Aleuten. Wenn also auf Sylt nicht gerade der Gletschertourismus boomt und die Eisbären steppen, dann liegt es eben an dem Fernheizungssystem Golfstrom. Heute sind wir auf der Flora aber dankbarer für seine Beförderungs- als für seine Heizleistung.
Bei strahlend blauem Himmel werden wir vorangeschoben, ohne große Welle, wir können uns auf dem Vorschiff vorlesen, finden sogar die Muße unterwegs Sushi zu machen und natürlich zu verspeisen.


Dazu kommt die Vorfreude, morgen in der Chesapeake Bay und damit in den USA anzukommen.

Dieser Blogpost wurde ursprünglich per Iridium-Satellit übermittelt, somit nur Text ohne Bilder. Die Bilder sind nach der Passage nachträglich eingefügt.

Tag 6 Passage Bahamas USA

Seit gestern Abend 21.00 Uhr brummt überwiegend der Diesel. Der Wind hat sich komplett verkrümelt und haucht mit unter 4 kn abwechselnd aus allen Richtungen rund um die Kompassrose. Dafür hat der Regen aufgehört und wir motoren über eine fast glatte See mit ein wenig altem Schwell. Wir lassen das Großsegel dichtgeholt stehen, um die die Amplitude unserer Schaukelbewegungen etwas zu dämpfen.
Unser Buddyboat Amalia hat zusätzlich noch mit anderen Schwingungen zu kämpfen: ihre Propellerwelle vibriert stark und sie können deshalb nur ziemlich langsam motoren. Als sie uns das heute morgen per Satelliten-SMS mitteilen, nehmen wir weiter Gas weg, um die Lücke von jetzt schon 24 sm nicht noch weiter zu vergrößern.
Die Batterien sind durch die Lichtmaschine gut gefüllt, wir lassen den Wassermacher laufen und laden die Elektrogeräte. Gleich nach Ausbringen der Angel können wir einen herrlichen Yellowfin-Tuna hereinziehen, das Essen ist also auch gesichert ;-).


Unterbrochen wird die Gleichförmigkeit des Dahinmotorens, als wir eine kleine Schule Wale sichten, allerdings in zu großer Entfernung, um sie sicher bestimmen zu können. Ich meine, zumindest einmal die lange, charakteristische Finne eines Orcas erkannt zu haben, aber wirklich sicher bin ich nicht. Jedenfalls haben sie keine Notiz von unserem Boot genommen.
Irgendwann stellen wir den Motor mal ab und nehmen ein Bad in dem dunklen Blau des hier wohl etwa 2.000 m tiefen Wasser. Schon ein komisches Gefühl, aber auch wunderschön, insbesondere weil kurz mal die Sonne durchblitzt und dem kräftigen Blau ein ganz besonderes Strahlen verleiht.


Gegen Mittag (Etmal 130 sm) stellt sich ein Lüftchen ein, gerade soeben segelbar, allerdings nur auf einem etwas westlicheren Kurs. Machen wir trotzdem, weil wir ja ohnehin auf Steve und Helena warten wollen. Und so dümpeln wir jetzt mit kaum 3 kn unter Groß und Code0, damit die beiden mit der Amalia weiter aufholen können.
Etwa um 18.00 hiesiger Zeit sollten wir den Wegepunkt erreichen, an dem wir mit dem Eintritt in den Golfstrom rechnen können. Unser Kurs knickt dann etwas nach Osten ab.
Derweil lassen wir es uns gut gehen: eine hawaiianische Bowl mit frisch gefangenem Thunfisch zu Mittag und jetzt ein (oder zwei,drei) Stück des von Wiebke gerade gebackenen Zitronen-Kokos-Kuchen.

Dieser Blogpost wurde ursprünglich per Iridium-Satellit übermittelt, somit nur Text ohne Bilder. Die Bilder sind nach der Passage nachträglich eingefügt.

Tag 5 Passage Bahamas USA

Im Morgengrauen fängt es leicht an zu tröpfeln. Wir bauen die Kuchenbude auf (quasi ein Zelt über dem Cockpit mit großen Folienfenstern). Es regnet sich ein, kein Schauer, sondern ein schwaches aber konstantes Pieseln aus bleigrauem Himmel bei Schiebewelle und schwachem aber doch segelbarem achterlichen Wind. Wir machen Musik an. Zu den Klängen von Norah Jones schweben wir in unserer leicht beschlagenen Glocke sanft geschaukelt über den scheinbar unendlichen Ozean.


Ganz so beschaulich bleibt es leider nicht. Der Wind wechselt mehrfach von achterlich steuerbord auf achterlich backbord und zurück, was wir durch einen Schlingerkurs weitgehend ausgleichen können und ansonsten die Fock auf die andere Seite nehmen, dort nicht ausgebaumt. Mittagsetmal 160 sm.
Als der Wind schwächer wird und aus 90 Grad kommt wollen wir wie gestern Abend auf den Code0 wechseln, aber die Fock lässt sich wieder nicht einrollen. Ganz offensichtlich ist es mit der neuen Leine nicht getan. Wir probieren noch verschiedene Fall- und Achterstagspannungen aus, aber es hilft nichts. Selbst mit dem Fernglas lässt sich auch kein eventuell falsch laufendes Fall oben am Mast als Ursache ausmachen. Wir nehmen die Fock also wieder ganz herunter. Die Trommel dreht sich danach einwandfrei. Wir nehmen die Fock wieder hoch, sie lässt sich – wenngleich schwer – aufrollen. Also bleibt sie aufgerollt, statt dessen baumen wir den Code0 aus. Vielleicht ist es das Lager? Können wir erst in den USA klären. Aber bis dahin ist ja noch viel Zeit. Und die verbringen wir heute mit Musik und Vorlesen im Cockpit unter der Kuchenbude, der Regen plätschert den ganzen Tag vor sich hin und lässt erst zum Abend nach. Was für ein Luxus, im Mittelcockpit so regengeschützt segeln zu können.
Wir haben die Tropen verlassen, der Wendekreis des Krebses führt quer durch die Bahamas. Merkt man eigentlich nicht, Andererseits: abgesehen von der Temperatur erzeugt das Wetter heute Ostsee-Feeling, einschließlich „ich glaube, dahinten wird’s schon etwas heller“ und dem gemeinsamen ungläubigen Lachen, das jetzt wirklich auch hier gesagt zu haben.

Dieser Blogpost wurde ursprünglich per Iridium-Satellit übermittelt, somit nur Text ohne Bilder. Das Bild wurde nach der Passage nachträglich eingefügt.

Tag 4 Passage Bahamas USA

Um 10.00 Uhr gehen wir ankerauf, der bedeckte Himmel und die trotz des Windes leicht klebrige Luft machen uns den schnellen Abschied von den Abacos leichter als ursprünglich gedacht. Kaum sind wir durch den Pass hindurch auf freier See reißt der Himmel auf und wir rauschen mit Schmetterlingsbesegelung vor achterlichem bis raumen Wind nach Norden. Das ist nicht der direkte Weg zur Chesapeake Bay, der würde etwas nordöstlicher führen. Aber so sollten wir etwas weniger Schwachwind auf der Strecke haben und zudem in etwa zwei Tagen den Golfstrom zu fassen bekommen, der uns dann etwas zusätzlichen Schub in die richtige Richtung bringt und den leichten Umweg mehr als ausgleicht.

Am späten Nachmittag lässt der Wind vorhersagegemäß ein kleines bisschen nach und kommt vorlicher. Wir rollen die bisher an Steuerbord ausgebaumte Fock weg (klappt problemlos, vielleicht dank der neuen Leine) und rollen dafür an Backbord den Code0 aus. So können wir weiterhin Kurs und gute Geschwindigkeit halten.


Leider gerät die Amalia nach schönem Buddyboating inzwischen aus unserem Blickfeld. Trotz ausgebaumter Genua waren sie etwas langsamer und sind auch einen westlicheren Kurs gefahren. Wir bleiben über Funk in Verbindung, wenn wir im Schwachwind motoren müssen werden sie etwas mehr Gas geben und wieder aufschließen.
Gegen Abend zieht etwas Bewölkung auf, die Sonne geht unspektakulär über der inzwischen recht ruhigen See unter und wir bereiten uns vor auf die erste von vermutlich fünf Nachtfahrten am Stück.

Tag 2 Passage Bahamas USA

Wir sind uns mit der Crew der Amalia einig: das Wetterfenster sieht derzeit nicht nach einer Nonstop-Passage in die USA aus, die verschiedenen Wettermodelle ergeben ziemlich unterschiedliche Vorhersagen. Aber es sieht erstmal nach einer guten Passage vorbei an den langgestreckten Inseln Cat Island und Eleuthera hinauf in die Abacos aus. Das ist die Inselgruppe im Nordosten der Bahamas. Sie bietet zum einen den Vorteil, dass sich von da aus die kürzeste Strecke für den Törn hoch zur Chesapeake Bay ergibt. Zum zweiten kennen Wiebke und ich die Inselgruppe von einem Charterurlaub 2007 her, damals hat sie uns absolut begeistert. Allerdings ist sie vor nicht allzu langer Zeit von einem Hurrikan schwer getroffen worden, es ist kaum abzuschätzen wieviel bereits wiederaufgebaut wurde und wieviel noch immer in Mitleidenschaft gezogen ist. Jedenfalls sind wir sehr gespannt.

Spannend gestaltet sich auch die Besuchsfahrt hinüber zur Amalia, wo wir ja zum Mahi-Mahi eingeladen sind. Helena hat den unterwegs gefangenen Fisch am Abend in der Pantry noch mal abgespült. Das reicht um Steve schnell von seiner Reinigungsarbeit am Propeller wieder ins Cockpit zu scheuchen, denn sogleich leisten ihm drei Zitronenhaie unter dem Schiff Gesellschaft (und sie wirken ein bisschen aufgeregt). Auch unser Bad fällt dadurch ziemlich kurz aus. Aber: eine gute Stunde später scheinen die nun schon wieder sehr ruhigen Haie gemeinsam unter der Flora nachzuschauen, ob hier nicht auch Fischabfälle entsorgt werden. Verständlich, sehen die beiden Schiffe doch von unten identisch aus 😉

Diesmal möchte ich die Haie lieber nicht (wie beim letzten Mal den einzelnen) schnorchelnd fotografiern, lieber halte ich die GoPro ins Wasser und kriege dadurch ein paar tolle Aufnahmen der drei. Ganz gemütlich ziehen sie ihre Runden. Allerdings haben sie sich noch nicht verzogen, als wir zu zweit auf dem SUP zum Essen hinüber zur Amalia paddeln – das Dinghy ist für die Überfahrt fest verzurrt in den Davits mit Bellybands, festgebändselten Fendern drin und Persenning drüber. Wir geben uns besondere Mühe nicht reinzufallen ;-).

Ein Video dazu findet Ihr HIER.

Heute brechen wir erst gegen 9.00 Uhr auf. Der Wind sollte eigentlich passen und uns stehen etwa 200 sm bevor. Mit 6 bis 7 kn Geschwindigkeit gerechnet also ein Törn, der uns mit einer durchsegelten Nacht im Laufe des nächsten Tages ankommen lassen sollte.
Zweimal rauscht heute bei uns die Angel aus, beide Male ziehen wir aber einen großen Barrakuda an Bord, fummeln den Haken aus seinem mit beeindruckenden Zähnen bewehrten Maul und werfen ihn (wegen der Ciguateragefahr) wieder ins Meer.

Steve auf der im Buddyboating parallel zu uns segelnden Amalia hat mehr Glück und fängt einen schönen Thunfisch. Jetzt am Abend ist unsere Angel eingeholt, falls wir morgen nicht mehr Glück haben dürfen wir einmal mehr die Gastfreundschaft auf der Amalia of London genießen. Dann wohl schon in den Abacos.

Dieser Blogpost wurde ursprünglich per Iridium-Satellit übermittelt, somit nur Text ohne Bilder. Die Bilder sind nach der Passage nachträglich eingefügt.