Rock zum 60. Geburtstag

Echt jetzt? Na ja, so richtig überraschend kommt der 60. Geburtstag natürlich nicht, das Datum steht ja fest und rechnen kann ich einigermaßen. Trotzdem, war nicht früher mal jeder über dreißig schon ein alter Zausel? Aber die Feier meines 30. Geburtstags in Siedenburg habe ich noch gut in Erinnerung und schon da war es so, dass ich nicht nur das Feiern, sondern auch das Älterwerden begrüßt habe. Das fortschreitende Lebensalter abzulehnen hieße in der Konsequenz ja, Stillstand statt Weiterentwicklung zu erhoffen. Wer nicht mehr älter wird ist tot. Und auch rückblickend bin ich für die weitere Entwicklung meines Lebens von 30 bis jetzt 60 ausgesprochen dankbar.

Ein Zehntel dieser 60 Jahre sind wir jetzt schon auf Langfahrt unterwegs, seit wir am 25.06.2019 in Griechenland Floras Leinen losgeworfen haben. Meinen 60. Geburtstag feiern wir also in Samoa. Wie?

Im Rock.

Und mit viel Freude. Darauf stoßen wir an bei leckeren Lunch im „Feast“, dem Restaurant im Sheraton-Hotel.

Abends dann ist Steg-Party mit den anderen Seglern hier in der beschaulich kleinen Marina von Apia.

Zwei verlassene Boote liegen fest zwischen den Pollern vertäut, die einmal den zweiten Steg gehalten haben. Der wurde aber von Stürmen immer wieder beschädigt oder eben ganz weggerissen. Er soll derzeit nicht wieder aufgebaut werden, jedenfalls nicht bevor die Mole am Industriehafen erheblich verlängert wurde und dann mehr Schutz vor Schwell bieten würde.

Neun Segelboote liegen an dem intakten Steg. 8 Einrümpfer und ein Katamaran, was nach der hohen Katamarandichte in Französisch Polynesien schon bemerkenswert ist. Dazu kommen noch ein paar lokale Angelboote und – am Kopfende des Stegs – das Polizeiboot von Apia. Auslaufen sehen haben wir es noch nicht, nur einmal für zehn Minuten zum Warmlaufen der Motoren. Danach folgte eine intensive ganztägige Putzaktion und am nächsten Tag die Besichtigung durch zwei Japaner. Japan sponsert derzeit viel in Samoa, auch die neue Brücke am Hafen wurde mit japanischer Unterstützung errichtet. Jedenfalls liegt das Polizeiboot jetzt schön geputzt aber ziemlich unbewegt am Steg.

Genutzt wird es trotzdem 😉.

Die Crews der meisten Boote unseres Stegs finden sich nach und nach zum Potluck ein.

Die Musikbeschallung liefert, darauf ist am Wochenende Verlass, die direkt an der Marina gelegene Bar.

Chris von der „Hathor“, Einhandsegler aus Schweden, kredenzt zu meinem Geburtstag zudem ein umfangreiches Rum-Tasting mit wirklich edlen Rumsorten der verschiedensten Provenienzen von der Karibik über den Pazifik bis nach Asien. Es wird ein langer, schöner Abend. Dankeschön, ein tolles Geburtstagsgeschenk.

Und 60 ist übrigens wie 30, nur doppelt so schön!

Kleine Sachen, die glücklich machen: Kanu-Hilfe

Wir erleben die Menschen hier in Samoa als ausgesprochen freundlich. Es fällt auf, dass der noch in den Kinderschuhen steckende Tourismus als Chance für das Land gesehen wird. Mehrfach werden wir aufgefordert, doch anderen vom schönen Samoa zu berichten, damit mehr Besucher kommen. Das gilt auch für die Segler. Als wir beim Einklarieren dem Biosecurity-Officer erklären, unser ganzes Obst und Gemüse aufgegessen zu haben, weil wir gehört und gelesen haben, keines nach Samoa einführen dürfen, ist er erschüttert. Nein, so sei das nicht. Den Eigenbedarf dürften wir an Bord haben. Wir sollten das unbedingt auch anderen Seglern berichten, damit sie nicht von einem Samoabesuch abgeschreckt werden. Von unterschwelliger Ablehnung angesichts der immensen Touristenzahlen, die uns in Französisch Polynesien ja auch nur ganz vereinzelt begegnet ist, haben wir hier im etwas abseits der Hauptreiserouten gelegenen Samoa bisher nirgends etwas gespürt. Stattdessen freundliche, hilfsbereite und zuvorkommende Menschen.

Da tut es ganz gut, einmal etwas zurückgeben zu können.

Wir sitzen im Cockpit der Flora hier in der kleinen „Marina“ (ein Steg) von Apia, als wir vom Ufer hinter uns aufgeregte Rufe hören. Ein Mann winkt und ruft uns zu, dass sein Kanu abgetrieben sei.

Ich lasse das Dinghy ins Wasser und hole den Mann am Ufer ab. Dann flitzen wir hinaus in die Bucht von Apia. Koto, so stellt er sich vor, hat am Malecon zwischen Marina und Stadt gefischt, als sein Kanu abtrieb. Er schwamm hinterher, aber das Kanu trieb bei dem starken Wind zu schnell weg und für ihn wurde es langsam gefährlich. Also kam er zurück ans Ufer, lief zur Marina.

Tatsächlich finden wir sein Boot weit draußen in der Bucht, wo der heute sehr frische Wind die See schon ziemlich aufgewühlt hat. Nur ein Frachter und Zweimaster-Katamaran ankern hier draußen.

Mit dem Dinghy ziehen wir das Kanu zurück zum Ufer. Dabei erzählt Koto, dass er das Auslegerkanu selbst gebaut hat. Einen Treibholz-Stamm hat er mit einem Stechbeitel ausgehöhlt, mit Bauholz-Latten dann ein weiteres zurecht gezimmertes Treibholz als Ausleger angebracht. Das Ganze im Wesentlichen nicht geschraubt, sondern mit Laschings flexibel verbunden. Einfach und klein, aber effektiv.

Jedenfalls ist Koto sichtbar erleichtert und glücklich, sein Kanu zurück zu haben. Er besteht darauf, mir einen Fisch zu schenken, ohne die leckere Spanische Makrele (Scomberomorus) lässt er mich nicht davon.

Aber das eigentliche Geschenk hat er mir schon vorher gemacht. Die spontane Gelegenheit, die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Samoaner erwidern zu können, etwas zurück zu geben, uns nützlich zu machen. Dankeschön.

Passage nach Samoa, Tag 4: die mysteriöse Datumsgrenze und die Herren von der Zeitsparkasse

Land Ho! Land in Sicht! Nach vier Tagen und Nächten auf hoher See taucht an Steuerbord voraus schemenhaft eine Insel auf. Ta’u Island ist noch nicht unser Ziel, gehört aber immerhin schon zu einem der beiden Samoas, nämlich zu American Samoa 🇦🇸.

Rund 70 Seemeilen weiter westlich liegt dann Tutuila, die größte Insel Amerikanisch Samoas, mit der Hauptstadt Pago Pago.

Unser Kurs führt zwischen diesen beiden Inseln hindurch und noch einmal 70 Seemeilen weiter nach Westen zur Insel Upulu mit Apia, der Hauptstadt von Samoa 🇼🇸.

Irgendwann heute Nacht werden wir also über die Grenze zwischen American Samoa und Samoa segeln. Wir erreichen schon wieder eine neue Zeitzone. Die Uhren brauchen wir dabei diesmal nicht umzustellen, dafür aber den Kalender. Fahren wir um Mitternacht über die Grenze, folgt für uns auf Freitag den 13. Juni 24.00 Uhr unmittelbar Sonntag der 15. Juni, 00.00 Uhr. Samstag, den 14. Juni 2025 hat es dann in unserem Leben schlicht nie gegeben!

Ein ganzer Tag einfach geklaut?! Haben die grauen Herren von der Zeitsparkasse aus Michael Endes Roman “Momo” mal wieder ganze Arbeit geleistet? Nein, die grauen Herren sind nicht schuld. Wir können uns diesen Tag deshalb auch nicht zurückholen, indem wir rückwärts gehend durch die Niemalsgasse Meister Hora im Nirgendhaus um Hilfe bitten. Der Tag ist wirklich unwiederbringlich für uns weg!

Wie kommt das?

Die Datumsgrenze folgt zwangsläufig aus der Einrichtung der Zeitzonen. Die sind ja einigermaßen eingängig. Vom Nullmeridian im englischen Greenwich aus grundsätzlich alle 15 Längengrade nach Westen ist es eine Stunde früher, alle 15 Längengrade nach Osten eine Stunde später. Damit fällt das Tageslicht (auf gleicher Breite) jeweils ungefähr auf den Tag und die Dunkelheit auf die Nachtstunden. Hätte man das nicht so festgelegt und würde stattdessen überall die Uhrzeit von Greenwich gelten, wäre es in Neuseeland und im Osten Russlands um 00.00 Uhr regelmäßig taghell, um 12.00 Uhr aber immer dunkel. So aber wandert die Zeit mit dem Sonnengang um die Erde. Das hat praktische und unpraktische Seiten. Sehr große Staaten haben sich deshalb unterschiedlich zu diesem Konzept entschieden. Die USA zum Beispiel wenden es auf ihrem kontinentalen Staatsgebiet im Prinzip an und haben deshalb zwischen der Ostküste und Alaska fünf verschiedene Zeitzonen. Die Zeitzonen folgen dabei allerdings nur ungefähr den 15-Grad-Abschnitten bei einer sehr freien Interpretation hinsichtlich Alaska und besonders der Aleuten. China dagegen erstreckt sich theoretisch ebenfalls über fünf Zeitzonen. Es hat sich aber dafür entschieden, dass in ganz China nur eine Zeit gilt, die der chinesischen Ostküste.

Bildquelle: Wikipedia.org

Global betrachtet wird aber das Konzept der Zeitzonen angewandt. Damit wandert allerdings auch der mitternächtliche Datumswechsel (die Mitternachtslinie) um die Erde. Dadurch wird eine zweite Datumswechsellinie erforderlich, um die Erde in einen Bereich mit dem alten Datum und einen mit dem neuen Datum aufteilen zu können. Und diese (zweite) Datumsgrenze wurde konzeptionell Greenwich genau gegenüber auf den 180 Längengrad gelegt, wo sich die Zeitzonen -12 und +12 treffen. Praktischerweise liegt diese Grenze zwischen den großen Kontinenten mitten im Pazifik. Den vergleichsweise wenigen dort lebenden Menschen wird zugemutet, dass die Nachbarn auf der anderen Seite der Datumsgrenze auch tagsüber ein anderes Datum haben (und damit einen anderen Wochentag).

Staaten, die genau auf dieser Datumsgrenze liegen, haben sich für ihr Staatsgebiet jeweils für die eine oder andere Seite entschieden. Aber nicht nur das. Auch manche Staaten in der Nähe der Datumsgrenze fanden es besser, auf die andere Seite zu rutschen. Unser Ziel Samoa zum Beispiel liegt auf etwa 171 Grad West. 1892 wechselte es auf die andere Seite der Datumsgrenze. Den 4. Juli 1892 gab es auf Samoa deshalb gleich zweimal. 2011 entschied man sich (vor allem wegen der Handelsbeziehungen zu Neuseeland) für den Wechsel zurück und strich dafür den 30. Dezember 2011 aus dem samoanischen Kalender.

Und unser gestohlener Tag? Ist genau genommen vielleicht doch kein ganzer Tag, denn bezogen auf unsere Abreise von Europa haben wir (einschließlich “Sommerzeit”) im Laufe der sechsjährigen Reise schon 13 mal die Uhr um eine Stunde zurück gestellt, 13 Stunden “geschenkt” bekommen. Oder vielleicht haben wir sie auch angespart (also doch Zeitsparkasse). Die anderen 11 geben wir als Kredit: wenn wir zurück in Deutschland sind, werden wir unterwegs 24 Tage mit 25 Stunden gehabt haben.

Nur eben keinen Samstag, den 14. Juni 2025!

Bitte auf das “Heute” bzw. “Morgen” achten

Essen: Auberginen/Kartoffel/Tomaten/Paprika-Auflauf mit Feta überbacken (wir dürfen kein Gemüse nach Samoa einführen).

Etmal: 150 sm, gesamt auf dieser Passage 589 sm, bis Apia noch ca. 136 sm.

Also: wenn alles glatt geht, Morgen Ankunft in Apia. Bloß das dort Morgen Übermorgen ist. 😊

Passage nach Samoa, Tag 3

Die Wellen halten sich an die Vorhersage und legen nochmal ein bisschen an Höhe zu. Etwa 3 m Seegang schaukelt uns durch.

Ansonsten ein Schauer in der Nacht und einer am Tag, meist aber schönes Wetter.

In Anbetracht der Zeiten von Sonnenauf- und Untergang stellen wir unsere Uhren um. Auf den Cook Islands galt noch Tahiti-Zeit (deutsche Sommerzeit minus 12 Stunden, also 8 Uhr morgens wenn es in Deutschland 20.00 Uhr ist). Jetzt sind wir schon mehr als 15 Grad weiter westlich und haben in die Zeitzone von Amerikanisch Samoa gewechselt. Wie beim Wechsel von Sommer- auf Winterzeit dürfen wir die Uhr eine Stunde zurückdrehen, bekommen quasi eine Stunde geschenkt.

Einen kleinen Nachtrag haben wir noch zu den Cookinseln: Beim Aussortieren des Geldes aus dem Portemonnaie ist uns aufgefallen, dass wir dort doch nicht nur Neuseelanddollar bekommen haben. Ausschließlich die kamen zwar aus dem Geldautomaten, aber das Wechselgeld beim Einkaufen war dann eine Mischung aus neuseeländischen Münzen und solchen der Cook Islands. Beide haben zwar identische Formen und Größen sowie zeigen auf einer Seite Queen Elizabeth II, auf der anderen Seite unterscheiden sie sich aber:

Ihr seht: Geldsortieren auf der Schiffsschaukel 😉. Aber auf so einer Passage hat man eben Zeit.

Essen: Thailändisch Bowl mit angebratenem Thunfisch auf Reis, Paprika, Möhren und Weißkohl mit Pad Thai Sauce.

Etmal (wegen der zusätzlichen Stunde geschummelt über 25 Stunden ermittelt): 151 sm, gesamt auf dieser Passage bisher 439 sm, bis Apia auf dem jetzt durch die Inseln von American Samoa hindurch gesteckten direkteren Kurs noch 286 sm.

Passage nach Samoa, Tag 2

Bewegte See, Seegang um 2,5 m. Schönwettersegeln mit leichtem Achterbahneffekt.

Nach zwei Nächten auf See haben wir uns an die Schiffsbewegungen aber inzwischen ganz gut gewöhnt, die zweite Nacht auch mit gutem Schlaf.

Skipjack Thuna gefangen. Elisa hilft beim Filetieren. Eine neue Erfahrung für sie.

Essen: Elisa zaubert Thunfisch-Sashimi in Kartoffelcreme-Gurkenrolle mit Cashew.

Etmal: 150 sm, gesamt bisher 288 sm, noch etwa 482 sm bis Apia, Samoa.

Aitutaki, einfach anders.

Hier auf Aitutaki geht es gemächlich zu. Selbst der Himmel scheint irgendwie uns zu gehören 😉.

Aber es gilt ja: erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Also wird der Salon unserer Flora kurzerhand in ein Studio für das (wegen der Zeitverschiebung) nächtliche Bewerbungsgespräch unseres Patenkindes eingerichtet.

Für mich gibt’s am nächsten Morgen erst einmal Arbeit auf dem Nachbarboot. Der französischen „Arantelle“ ist auf der Passage das Spi-Fall gebrochen und sie sind leider von Höhenangst geplagt. Ich lasse mich in den Mast ihrer Amel ziehen. Zwar ist das Ende des Falls komplett im Mast verschwunden und lässt sich nicht oben herausziehen, aber von oben neu eingefädelt, kann es am Mastfuß herausgefischt werden. Mission erfolgreich.

Jetzt, wo das Klettergeschirr schon mal herausgesucht ist, können wir gleich auch auf unserem Boot noch einmal das Rigg überprüfen. Elisa möchte gerne hoch, also übernimmt sie diese Aufgabe.

Von oben sieht man besonders gut das Zickzack-Gewirr von Heckleinen, die von den geankerten Booten quer über die Pier zu den Felsen auf der Lagunenseite laufen.

Für den Landgang hangeln wir uns im Dinghy an den Leinen hinüber und machen mit Rollern eine weitere Tour über die Insel.

Die sanft gewellte Landschaft bietet immer wieder tolle Ausblicke auf die Lagune und …

… Moment, Ziegen sehen wir häufiger, aber steht da gerade eine Kuh in der Wiese?

Ja, tatsächlich. Schwarzbunte unter Palmen. Aitutaki ist einfach anders.

Gemüsefeld

Wie schon in Französisch Polynesien finden sich auch hier oftmals Gräber auf Privatgrundstücken am Straßenrand, allerdings sind diese auf Aitutaki häufig sehr aufwändig gestaltet. Zum Beispiel überdacht, als Pavillon gestaltet, …

… oder mit einem Hain von Betelnusspalmen umgeben:

Fruchtstand der Betelnuss-Palme

Nebenbei klappern wir auf unserer Tour auch die verschiedenen Supermärkte der Insel ab. Bei Baxter in der Inselmitte finden wir nicht nur ein neues Gaff als Ersatz für den Abgang beim Anbordbringen des letzten Mahi Mahi. Es gibt auch wieder einen (für Elisa) neuen Exoten: wir ergattern einige Drachenfrüchte.

Die schmecken schon pur super 🤩 , und Elisa inspirieren sie außerdem zu unserem Sundowner-Cocktail.

Am nöchsten Tag fahren wir mit dem Dinghy wieder raus ans Außenriff, wo wir an einer kleinen Boje festmachen können. Die Sicht ist dieses Mal besser als bei unserem letzten Versuch und entsprechend bekommen wir auch deutlich mehr von der Unterwasserwelt zu sehen. Endlich entdecken wir auch mehrere der großen Karettschildkröten, für die dieser Platz bekannt ist …

… staunen über die leuchtend blauen Seesterne …

… und können diverse gefleckte Adlerrochen beim Formationsflug durch die vom Riff in die Tiefe des Ozeans führenden Canyons beobachten:

Auch zurück an der Pier des Hafens zeigen sich spannende Tiere. Zwei Riffreiher haben sich auf der Mole niedergelassen. Abhängig von der Population zeigt sich diese Vogelart entweder überwiegend im Hellen oder im dunklen Federkleid (in Neuseeland zum Beispiel fast ausschließlich im dunklen). Hier auf den Cook Islands halten sich beide Farbvarianten ziemlich die Waage. Spannend auch, wie sehr aus dem geduckten Pirschgang heraus der Hals bei scheinbarer Bedrohung gereckt wird.

Überhaupt: die Pier des Hafens. An einem Anschlag sehen wir, dass hier heute ein Angelwettbewerb für die Grundschulklassen stattfindet. Ein Zelt ist auf der Mole aufgebaut und eng bestuhlt. Die Kids werden dort auf den Wettbewerb eingestimmt und schwärmen dann aus. Manche mit modernen Angelrouten und Rolle, andere mit Bambusstock und etwas Leine. Aber alle mit viel Einsatz und Begeisterung.

Und auch mit Angelerfolg:

Grundschule. Einfach mal anders.

Aitutaki – Impressionen

Hier einfach nur ein paar erste Eindrücke von Aitutaki.

Wie immer: auf die kleinen Bilder klicken für bessere Auflösung, sie lassen sich dann auch durchblättern).

Es ist erstaunlich, wie sehr sich die Insel in ihrem „Vibe“ von Französischen Polynesien unterscheidet. Jedenfalls für uns. Gut möglich, dass die Sprache dabei eine Rolle spielt. Es wird Englisch gesprochen – mit klar neuseeländischem Akzent. Unser Englisch ist deutlich besser als unser Französisch, kann natürlich sein, dass uns das entspannt.

Jedenfalls gefällt uns Aitutaki ausnehmend gut. Selbst der Straßenverkehr ist – trotz der Challenge, dass Links gefahren wird – ausgesprochen relaxt. Wir haben heute erstmal mit einem der hier sehr günstig zu mietenden Scooter 🛵 ein wenig die Insel erkundet und außerdem im Supermarkt unsere Obst- und Gemüsevorräte wieder aufgefüllt. Beides darf nämlich beim Einklarieren nicht an Bord sein. Wir hatten das ganz gut hinbekommen und tatsächlich praktisch alles vorher aufgebraucht.

Baden und Schnorcheln waren wir auch noch. 🏊‍♀️ 🤿

Passage zu den Cook Islands, Tag 4

Herrliches Segeln. Allerdings sind wir zu schnell, zugegebenermaßen ein Luxusproblem. Also segeln wir trotz 15 kn Wind im zweiten Reff, während der Nacht sogar im dritten. Tagsüber bei langsam abnehmendem Wind wieder im zweiten Reff. Angenehme Bedingungen, Sonnenschein, tefblaues Meer. Offshore-Segeln vom Feinsten.

Um das Blauwassererlebnis wirklich perfekt zu machen gehört dann auch noch Angelerfolg dazu. Der kleine fliegende Fisch, der sich während Elisas Wache ins Cockpit verirrt, zählt nicht als solcher. Dann aber am Nachmittag: beide Angelleinen rauschen aus. Es wird ein ordentlicher Kampf mit Bauchgurt im Drill. Auch Elisa versucht sich zwischenzeitlich, aber die Kräfte sind doch ein bisschen groß. (Für bessere Auflösung auf Foto klicken)

Wir bekommen beide Fische tatsächlich an Bord, es sind jeweils kapitale Mahi Mahi. Allerdings schaffen wir das nicht ganz ohne Schwund: die vorsorglich herausgestellte altbewährte Plastikwanne (zum Ausbluten und Filetieren) ist viel zu klein und gleich der erste Mahi Mahi zertrümmert sie schon vor dem Hineinlegen mit einem Schwanzschlag. Beim zweiten Mahi Mahi bricht dann unser altes Gaff (ein Haken an einem Stiel, mit dem große Fische an Bordgehievt werden). Zum Glück erst, nachdem der Mahi Mahi schon auf dem Achterdeck zappelt.

Nach dem Filetieren sind die Kühlschränke übervoll und ich bin erstmal völlig fertig, Nachmittagsschlaf ist angesagt.

Vorher müssen allerdings noch die Spuren des Gemetzels auf dem Achterdeck beseitiget werden, gefolgt von ausgiebigen gegenseitig verabreichten Eimerduschen.

Essen: Kartoffel-Lauch-Eintopf. Der Fisch muss im Kühlschrank noch ein bisschen warten.

Noch rund 200 Seemeilen bis Aitutaki.

Weiter geht’s auf Ra’iātea: Perlfarm und Regenwaldfluss

Von unserem Ankerplatz im Südosten der Insel besuchen wir per Dinghy die Ra‘iātea Perlfarm.

Auch unser vierter (Elisas erster) Perlfarmbesuch ist wieder spannend. Wir bekommen einfach nicht genug von den faszinierenden dunklen „Tahiti-Perlen“. Wieder anders präsentiert, wieder Neues gelernt. Und entspannend ist dann der Stop im Restaurant des Opua Beach Hotel auf dem Rückweg zum Boot. Wir lassen es uns gut gehen.

Kontrastprogramm: vom Türkis am Riff im Südosten verholen wir dann ein ganzes Stück nach Norden in die dunkle, tief in die Berge Ra‘iāteas eingeschnittene Baie Faaroa. Das Wasser ist hier bei weitem nicht so klar, aber: das liegt an dem in die Bucht mündenden Fluß Āpo‘omā‘ū. Und diesen immer noch in seinem natürlichen Bett durch das Regenwaldtal mäandernden Wasserlauf wollen wir schließlich befahren.

Mit Flora ist das nicht möglich, sogar für unser Dinghy ist die braun-schlammige Barre an der Mündung nur mit Schwierigkeiten zu passieren. Dann aber schlängelt sich das schmale und manchmal von Baumkronen fast überdachte, jetzt jedoch wieder etwas tiefere Flüsschen malerisch durch das Grün des Waldes.

Neben Palmen säumen vor allem die imposanten Māpė das Wasser, mit ihren Brettwurzeln halten diese „Polynesischen Maronenbäume“ (auch Tahiti-Kastanien genannt) den wenigen Humus fest und wirken manchmal wie eine feste Uferböschung.

Das und einiges mehr bekommen wir im kleinen botanischen Garten erklärt, der uns am Ende unserer Tour den Fluss hinauf erwartet. Darüber hinaus blüht dort eine Vielzahl unterschiedlicher Helikonien / Strelizien in diversen Farben vom schlichten Gelb zur Orange-Pink-grünen Kombination.

Aber eigentlich gilt einmal mehr: der Weg ist das Ziel. Der kleine botanische Garten ist nett, aber die gemächliche Flussfahrt zu ihm und zurück zur Flora ist der eigentliche Kracher.

Aberglaube an Bord von Segelbooten

Do or don’t? Als Segler wird man immer wieder dem Aberglauben an Bord begegnen.

Das Beiboot eines französischen Seglerpaares kommt am Ankerplatz auf die Flora zu, die beiden grüßen schon von weitem freundlich. Dann sehen sie unsere Bananenstaude am Achterstag, sie deutet sichtlich erschreckt darauf, das Dinghy dreht ab und braust davon. Schnell weg von uns, diesen Banausen, die offenbar keine Ahnung von den simpelsten Gepflogenheiten der Seefahrt haben.

Den Namen eines Bootes ändern? Auf keinen Fall. Oder wenn überhaupt, dann nur mit spezieller Zeremonie, um Poseidon und die anderen die Götter der See zu besänftigen.

Natürlich darf man unter keinen Umständen das Schiff mit dem linken Fuß zuerst betreten.

Der Start in die Saison oder zu einer Reise: erstmal ein Schluck aus der Flasche über Bord gekippt „für Rasmus“. Und der Start ist selbstverständlich nicht an einem Freitag, erst Recht nicht, wenn der auf einen dreizehnten fällt. In der christlichen Seefahrt außerdem nicht am ersten Montag im April, denn da hat Kain seinen Bruder Abel erschlagen!

Haare oder Nägel dürfen an Bord nicht geschnitten werden, das würde Neptun verärgern, weil es ein Opfer an die Unterweltgöttin Proserpina (die römische Entsprechung der griechischen Persephone) sein könnte.

Die Taschen des Seglers (oder der Seesack) dürfen nicht schwarz sein.

Eine Münze unter den Mast für allzeit gute Fahrt.

Kein Wind: leicht am Mast kratzen, dann setzt die Brise wieder ein. Um ganz sicher zu gehen, muss das eine Jungfrau erledigen. Obwohl: …

… bringen Frauen an Bord Unglück? Die weitaus meisten Fahrtenseglercrews sind Paare und so hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass dies finsterster, längst überkommener Aberglaube und vielmehr das Gegenteil der Fall ist.

Allerdings: auf dem Boot zu pfeifen? Da fühlt sich Windgott Aeolus herausgefordert und schickt Sturm.

Blumen an Bord gehen ebenfalls nicht, nicht mal einige Kräuter im Blumentopf. Blumen erinnern an Beerdigungen.

Und unsere Franzosen? Wären wahrscheinlich noch schneller geflüchtet, wenn wir auf dem Boot das Wort Hase (oder in ihrer Landessprache „Lapin“) benutzt hätten, unter gallischen Seglern quasi die Todsünde schlechthin. Auch ein Pferd zu erwähnen wäre übel. Aber an die Hasen kommen nur Bananen an Bord in ihrer Verwerflichkeit nahe an heran.

Woher kommt eigentlich diese Ablehnung von Bananen?

Einige Gedanken dazu:

In den Tagen der Frachtsegler und auch noch auf Motorfrachtern mit unzureichender Kühlmöglichkeit gehörten Bananen zu den am schnellsten verderblichen Waren. Entsprechend risikoreich mussten die Kapitäne unterwegs sein, selbst bei Schlechtwetter grenzwertig viele Segel stehen lassen, gefährliche aber kurze Routen wählen. Und wenn‘s mal schief ging, schwammen zwischen den Wrackteilen die vermaledeiten Bananen, während Mann und Maus untergegangen waren.

Bananen bieten zudem Verstecke für ungebetene Gäste. Im Großen Schlangen und Giftspinnen, im Kleinen immerhin noch Insekten und andere Ungeziefer.

Außerdem gasen Bananen bei ihrem Reifeprozess viel Ethylen aus. Das tun allerdings zum Beispiel auch Äpfel, Avocados oder Kiwis. Ethylen sorgt dafür, dass in der Nähe gelagertes anderes Obst und Gemüse schneller nachreift und verdirbt.

Und letztlich: der Geruch (und Geschmack) von überreifen Bananen fördert die Symptome der Seekrankheit.

Wir begegnen den drei letztgenannten Erklärungsansätzen, indem wir Bananen (wie auch anderes Obst) vor dem Anbordbringen ausgiebig in Salzwasser baden und anschließend mit Frischwasser abspülen. Bananenstauden lassen wir tatsächlich an den Davits mindestens eine halbe Stunde im Salzwasser baden. Danach hängen wir die Bananenstaude ans Achterstag draußen am Schiffsheck. Das verhindert die vorzeitige Reifung der übrigen Lebensmittel und schont auch die empfindliche Nase.

Einen Nachteil hat es allerdings auch: mit zunehmender Reife werden die Bananen am Heck auch für andere attraktiv. In der Karibik konnten wir schon Fledermäuse beobachten, die sich daran gütlich taten. Hier in Französisch Polynesien sind es Vögel. Genauer: mehrere Rotsteißbülbül.

Die picken allerdings nur an einer schon aufgesprungenen Banane herum.

Also schnell die restlichen verarbeiten (ein Teil auch in den Kühlschrank für die Smoothies morgen). Und die ohnehin aufgesprungene und angepickte dann wieder ans Achterstag, um die hübschen buntspechtgroßen Bülbüls bei ihrem Frühstück zu beobachten:

Wir sind ja zum Glück nicht abergläubisch, oder?

Bisher jedenfalls haben die Bananen an Bord (Bootsname endet auf „A“!) scheinbar keinen Fluch auf die Flora gelegt, nicht einmal auf unser Angelglück.

Dreimal auf Holz geklopft!