Das Gute und das Nicht-so-Gute.

Wir fangen mal mit den guten Nachrichten an. Wir haben tatsächlich kurzfristig einen Hafenplatz in der Taina Marina und auch einen Flug nach Deutschland bekommen (auch wenn der Preis für letzteren ziemlich unverschämt ist). Aber entschieden ist entschieden. Schon Freitag früh fliegen wir los, sollen Samstagabend in Hamburg ankommen.

Bevor wir die Cook’s Bay auf Moorea verlassen, präsentiert sie sich anders als am Vortag dann noch einmal von ihrer Sonnenseite:

Und nicht nur deshalb war es eine gute Entscheidung, hier einen Zwischenstopp einzulegen. Ballerten uns am Vortag der Wind und die Wellen noch genau auf die Nase, können wir jetzt wunderschön segeln. Auch wenn es nur 20 Seemeilen sind, wir genießen den Törn zurück nach Tahiti sehr. Beste Segelbedingungen, außerdem können wir noch mal den Code0 lüften und trocknen. In seiner Stautasche am Seezaun ist das Segel mit dem Flora-Logo in den letzten Tagen doch auch immer mal wieder nass geworden und für unsere geplante Abwesenheit wollen wir ihn lieber unter Deck stauen.

Zunächst mal geht es an den Ankerplatz am Flughafen, einen der wenigen offiziellen Ankerplätze Tahitis. Ist durchaus gut gefüllt, aber wir finden noch einen guten Platz gleich neben unseren Freunden Barbara und Ralph. Auf deren Lille Venn gibt es ein Fest- und Abschiedsessen.

Am nächsten Morgen wollen sie nach Moorea aufbrechen. Eigentlich. Ein Elektrowurm legt die Ankerwinsch der Lille Venn lahm. Bei der Suche kann ich (gemeinsam mit Jeroen von der My Motu) mehr oder weniger nur moralische Unterstützung und Handlangerdienste bieten, aber am Ende seiner systematischen Suche findet Ralph die versteckte Schwachstelle im Kabel.

Beim Dinghy-Cruisen durchs Ankerfeld begleitet und dann eine Weile ein Adler-Rochen, im klaren Wasser ist auch sein Schatten auf dem Sandgrund klar auszumachen.

Nachdem die Lille Venn mit Verspätung dann doch Richtung Moorea aufgebrochen ist, sagen Wiebke und ich “Hallo” bei der “Wasabi”, die mit deutscher Flagge ganz in unserer Nähe ankert. Sie laden uns zum Sundowner ein, wir haben einen schönen Abend mit Andrea und Hans-Jörg und nicht nur das. Hans-Jörg bietet uns an, am nächsten Tag mit ihm im Jeep den Dirt Track durch die Berge über die Inselmitte von Tahiti zu nehmen. Lassen wir uns natürlich nicht entgehen und es wird ein unvergessliches Erlebnis.

Mit diversen Fluss-Durchfahrten, einem „Tropfsteinhöhlen“-Tunnel, zum Teil an steilen Hängen entlang führt die zumeist einspurige, nur teilbefestigte Piste einmal durch das fast unbewohnte Zentrum der gebirgigen Insel. Schlaglöcher satt, aber ebenso Wasserfälle, Seen und atemberaubende Ausblicke im Gebirge. Das Wetter spielt ganz gut mit. Klar hängen Wolken in den Bergen, aber meist haben wir gute Sicht. Es regnet nur einmal kurz, zum Teil können wir sogar das Targa-Dach abnehmen.

Am Abend treffen wir uns dann zu sechst in einem der Restaurants an der Taina Marina. Zu Andrea, Hans-Jörg und uns beiden kommen noch Nora und Ralf von der Barbarella dazu, wieder ein schöner Abend.

Tja, und heute verlegen wir Flora dann in die Taina Marina. Wir melden uns wie gewünscht 10 Minuten vor der Einfahrt per Funk an. Das Anlegen muss dann aber erstmal warten, die Mitarbeiter der Marina klarieren von ihrem Motorboot aus und schnorchelnd erstmal einige Mooringleinen, eine Viertelstunde kreisen wir vor dem Hafen. Aber dann klappt das Manöver trotz ordentlich Wind ganz gut. Mit derzeit drei Heckmooringleinen und dem Bug zum halbhohen Schwimmsteg liegt Flora hoffentlich sicher.

Aufklarieren, Wäsche waschen in der Marina-Laundry, Hafenformalitäten und dann erste Vorbereitungen, um das Boot für einige Wochen allein zu lassen. Der Wassermacher muss für die Zeit der Nichtbenutzung „gepickelt“ werden, sonst leidet die Membran. Dazu wird ein Biozid (Metabisulfite) in 10 Litern Wasser aufgelöst, die dann von der Pumpe in die Membran gespült werden. Eigentlich. Nur leider springt die elektrische Hochdruckpumpe des Wachermachers nicht an. Gestern hatte sie noch einwandfrei funktioniert, heute: kein Mucks. Grrr. So wird aus der schnell zu erledigenden Routineaufgabe eine aufwändige Fehlersuche. Ist es der Schalter? Ein Kabel? Die Pumpe selbst? Müßig zu erwähnen, dass das Schaltpanel im Bad im Schrank, die Pumpe in der Ecke unter der Achterkoje und die Kabel quasi überall zwischen Batterie, Sicherungskasten, durch den Motorraum und die Badezimmerschränke hindurch verbaut sind. Machen wir vor der Abfahrt halt nochmal richtig Chaos im Boot. Der Fehler ist übrigens bisher noch nicht gefunden, morgen geht die Suche weiter. Immerhin konnten wir (mit etwas Fern-Hilfe durch Chief Jan) heute den Schalter als Übeltäter schon mal ausschließen.

Und nun?

Der Ankerplatz hinter dem Riff am Point Vaipahu ist belebt. “Vibrant”, wie unserer amerikanischer Nachbar es formuliert. Ausflugsboote, Tauchboote und Schnorchelboote sausen vom nahegelegenen Hilton-Resort mit seinen edlen Wasser-Bungalows durchs Ankerfeld zum Außenriff.

Wer wollte es ihnen verdenken. Dazu kommen je nach Wind die SUPs und Kayaks oder die Surf- und Kiteboards der Segler. Oder ihre Dinghys, wenn sie selbst zum Schnorcheln oder Tauchen an die Bojen außen am Riff fahren. Und – aus Seglersicht schon manchmal unangenehm – die Jet-Skis. Auch sie sausen täglich mehrmals im (geführten) Formationsflug vorbei und schaukeln uns mit ihren Wellen ziemlich durch.

Na klar, Moorea ist eben auch ein touristischer Hot Spot.

Ich muss aber zugeben, dass mir das weniger ausmacht, wenn ich mich selbst sportlich betätigen kann. Jetzt, mit meiner Beinverletzung, geht das auf absehbare Zeit nicht. Morgens kurz ins Wasser hüpfen, dabei vielleicht ein bisschen den Wasserpass schrubben? Wingkiten lernen? SUP? Kayak? Schnorcheln? Tauchen? Alles Tabu! Hiken fällt ebenfalls aus, selbst Wandern geht nicht. Und das, obwohl ringsum die traumhafte Umgebung dazu verlockt.

Bein hochlegen.

Es ist ein feiner Unterschied zwischen nichts tun müssen (oder es sich jedenfalls selbst einteilen zu können) und nicht machen DÜRFEN.

Hinsichtlich eines möglichen Deutschlandbesuchs sind wir weiter auf der Suche nach einem Liegeplatz für Flora. Gestaltet sich nicht ganz einfach, aber wir bleiben dran. Am Steg hier auf Moorea wird es nichts, da hätten wir wesentlich langfristiger buchen müssen.

Von der kleinen Werft in der Phaeton Bucht drüben in Tahiti bekommen wir ebenfalls eine Absage, weder an Land noch im Hafen sind Plätze verfügbar. In der Papeete Marina können wir nicht reservieren, müssten vor Ort sein und täglich fragen. Etwas südlicher in der Marina Taina könnte es vielleicht klappen, aber auch da wäre es besser, vor Ort zu sein.

Wir beschließen, zurück nach Tahiti zu segeln. Anker auf, los geht’s. Aber außerhalb des Riffs bläst uns der Wind kräftig genau auf die Nase, laut Wetterbericht soll er jetzt doch erst später drehen. Das Wetter ist auch eher durchwachsen mit vielen tiefhängenden Wolken. Kurzentschlossen laufen wir die nächste Bucht auf Moorea an und ankern in der Cook’s Bay vor dem Örtchen Paopao.

Klar, bei dem Wetter keine Reiseprospekt-Hochglanzschönheit. Und doch: was für eine beeindruckende Kulisse.

Und hier vor Anker bekommen wir dann doch eine ermutigende Email der Taina-Marina, dass sie uns wohl einen Platz anbieten können.

Dann werden wir jetzt mal nach Flügen suchen. 😎

Von Tahiti nach Moorea

Wir stecken ein bisschen fest. Wissen nicht so recht, wie wir am besten weitermachen. Nachdem wir lange überlegt und dann die Reservierung für Neuseeland gemacht hatten, schien erst einmal alles entschieden und das fühlte sich gut an.

Aber dann schleicht sich doch wieder die vorher schon erwogene Alternative in unsere Köpfe. Doch noch eine weitere Saison in Französisch Polynesien? Doch statt im Dezember jetzt schon Ende August mal wieder nach Hause fliegen? Zu Wiebkes Geburtstag und zu meinem Abi-Treffen zu Hause zu sein wäre klasse. Wir klären mit unserer Versicherung was geht (und zu welchen Bedingungen).

Dieses Jahr wird ein La Niña Jahr, tropische Stürme im Südpazifik sind deutlich unwahrscheinlicher. Gegen rund 40 % Aufschlag wären wir auch in der Zyklonsaison hier versichert, wenn wir auf See sind oder das Boot auf einem spezielle Anforderungen erfüllenden Lagerbock an Land steht. Letzteres ist allerdings praktisch nicht machbar, da solche „aus einem Stück gefertigten“ Lagerböcke hier nicht verwendet werden. Bliebe nur die einzelne Approbation des Lagerbocks durch die Versicherung, scheint ebenfalls nicht sehr praktikabel. Aber wenn wir jetzt schon nach Hause flögen, wären wir vor November wieder da und an Bord. Hm. Wir erkundigen uns nach Hafenplätzen, aber auch das erweist sich als schwierig. Also bleiben wir (planerisch) weiter in der Schwebe. Untypisch für uns, ungewohnt.

Egal. Nach zwei teuren Wochen in Papeete, diversen Erledigungen, mit wieder funktionierendem AIS und Watermaker verlassen wir den schön ruhigen Ankerplatz von Arue. Dort wurden wir zwar geduldet, im Büro des Yachtclubs wies man uns aber schon auf verschärfte Regeln und Kontrollen ab August hin. Der Bojenlieger direkt neben uns ist zurück, es wird also auch eng.

Wir holen den Anker auf, fahren Richtung Point Venus. Aber die drei Kats dort liegen bei dem Wind recht unruhig. Wir drehen ab und entschließen uns, direkt hinüber nach Moorea zu segeln. Das sind nur ungefähr 20 Seemeilen, allerdings derzeit hoch am mit 20 bis 25 kn blasenden Wind.

So wird es eine flotte, wenn auch etwas raue Überfahrt, drei Reffs im Groß und die Fock.

Abschied von Tahiti
aber da sieht man schon Moorea.

Beim Näherkommen zeigt sich dann, trotz anfänglich noch grauen Himmels, die landschaftliche Schönheit von Moorea.

Die tief in die Nordküste eingeschnittene Bucht von Opunohu ist schon aus der Entfernung gut auszumachen, mehrere riesige Superyachten (mit eigenen Hubschraubern an Bord) zeigen den Standort an.

Etwas näher sehen wir dann auch die Wellen über dem Saumriff brechen und dahinter gut geschützt den unseren anvisierten Ankerplatz.

Sieht voll aus, aber natürlich findet sich noch ein Plätzchen.

Interessant ist, dass wir auf der Überfahrt und auch hier am Ankerplatz größere Teppiche von piksigen Algen herumtreiben sehen. Sie ähneln Sargassum, allerdings sehen wir nicht die für diese in der Karibik verbreitete Alge typischen Blasen (edit: doch, wir haben jetzt auch die Blasen entdeckt, es scheint eine Sargassum-Art zu sein).

Am nächsten Tag ist der Wind fast weg, die Algen auch. Eine der Superyachten ist abgefahren, dafür liegt jetzt der kleine Kreuzfahrer „Paul Gaugin“ (318 Gäste) an seinem Platz.

Davor liegt die 86 Meter lange Segelyacht „Aquijo“, sie kann mit ihrer 17-köpfigen Crew nur bescheidene 12 Gäste aufnehmen und ist in der Nebensaison für eine halbe Million Euro pro Woche zu chartern.

Tja, und dann sind da die glücklichen Eigner aus aller Welt mit ihren kleineren Booten, die ihren Törnplan selbst bestimmen können (sich dafür aber auch wie Eingangs beschrieben ein bisschen mehr Gedanken machen müssen beziehungsweise dürfen).

Die Traumkulisse von Moorea ist für alle dieselbe ☺️.

Fakarava Nord und Passage nach Tahiti

Vom Südpass in den Norden des Atolls, das bedeutet einmal längs durch die etwa 60 km lange und 13 km breite Lagune zu fahren. Es gibt einen vergleichsweise breiten Korridor mit nur wenigen Bommies a den Rändern. Eigentlich könnten wir versucht sein, dieses Mal innerhalb des Atolls zu segeln. Aber: wieder motoren wir, denn der Wind steht uns genau entgegen. Macht nichts, in Rotoava, dem Hauptort, können wir bei ruhigem Wetter sehr gut an der Tankstelle anlegen und Flora wieder voll tanken. Wir könnten etwas sparen, wenn wir das bis Papeete auf Tahiti aufschieben würden, denn dort besteht mit ein wenig Aufwand die Möglichkeit, steuerfrei das Boot zu betanken. Aber bei den derzeit flauen Winden wollen wir lieber auf Nummer sicher gehen.

Am Ankerplatz vor Rotoava liegen bereits etwa 25 Yachten, aber wir finden trotzdem einen guten Platz. Die Beliebtheit hängt auch damit zusammen, dass es im Ort ein paar Restaurants, mehrere Tauchschulen, kleine Hotels, Perlenverkäufer, Stände mit Muschelketten und eben auch ein paar Supermärkte gibt. Deren Angebot ist allerdings stark abhängig davon, wann zuletzt das Versorgungsschiff angelegt hat. An frischen Lebensmitteln ergattern wir nur ein paar Äpfel und Birnen. Insgesamt ist es ziemlich beschaulich und weniger touristisch als wir es uns vorgestellt hatten.

Die Kirche im Ort zeigt, wie wichtig Muschelschmuck für die Bewohner der Tuamotus ist.

Alle Bildnisse und Statuen in ihrem Inneren sind mit Muschelketten behängt, die Weihwasserbecken sind Schalen von Riesenmuscheln, wie Kronleuchter hängen Muschel-Glocken von der Decke, kunstvolle Perlenschnüre aus verschiedenen Muscheln verbinden sie. Einige der Fensternischen sind mit dem Perlmutt von geöffneten Austernschalen verkleidet.

Noch opulenter werden die Muschelketten in der halboffenen Kapelle im Hof hinter der Kirche:

Der eigentlich geplante Tauchausflug zum Nordpass fällt leider aus. Die Tauchschule sagt, der Südschwell der letzten Tage habe so viel Wasser in die Lagune gespült, dass derzeit zu keiner Zeit die für den Tauchgang benötigte einlaufende Strömung im Pass entsteht. Schade.


Die Windstille verlockt uns dazu, den Ankerplatz vor Rotoava nach nur einer Nacht wieder zu verlassen und uns ganz in die Nähe des Nordpasses zu verholen. Der Platz dort ist nämlich wunderschön, allerdings bei den normalerweise vorherrschenden Winden nicht sehr geschützt. Und man muss sich um einige verstreute Riffe herum an den Strand herantasten, weshalb wir zunächst den Ankerplatz auch ganz für uns haben. Wir genießen die Ruhe, Schnorcheln ausgiebig an den Bommies um Flora herum. Bei diesen Bedingungen entfaltet der Ankerplatz im Flachwasser eine ganz eigene Magie:

Am nächsten Tag machen wir uns dann auf zur Passage nach Tahiti. Nach dem dem Morgenhochwasser laufen wir durch den Pass, trotzdem schieben uns etwa zwei Knoten Strom. Dafür erwartet uns draußen eine schöne Überraschung: segelbarer Wind.

Die Wetterberichte hatten für den Vormittag noch Flaute vorhergesagt, dann aber ein Band mit Südwind und über den zweiten Tag auf Nordwest drehenden Wind. 

Mit Codo0 an Backbord machen wir von Anfang an gute Fahrt. Das stabilisiert und ist auch ganz gut so, denn es steht eine unangenehme 3-m-Dünung aus Süd. Mit einem Windsprung auf 25 bis 28 Knoten aus Süd kommt dann kräftiger Regen. Gerade noch rechtzeitig bergen wir den Code0. Statt dessen setzen wir die Fock an Steuerbord und es kommen zwei, später sogar drei Reffs ins Groß.

Durch die flotte Fahrt brauchen wir statt der kalkulierten 2 Tage nur anderthalb. Das bedeutet allerdings auch, dass es eine Nachtansteuerung von Tahiti wird. Wollten wir eigentlich gerne vermeiden, aber nun ist es halt so. Und es hat auch etwas für sich. In der Abenddämmerung schält sich unter einer Wolkendecke ein Stück Küstenlinie von Tahiti heraus. „Land Ho!“

Während wir näher kommen wird es dunkel.

An Backbord leuchtet das Kreuz des Südens am Sternenhimmel, voraus blinkt das Leuchtfeuer von Point Venus. Hinter dem Leuchtturm ist im Wolkendunst über der Insel die Lichtglocke der Hauptstadt Papeete auszumachen. 

Wir liegen uns im Cockpit in den Armen, während Flora unter vollen Segeln mit 7 Knoten durch die Nacht darauf zu fährt. 

Ein weiterer Meilenstein unserer Reise, Papeete auf Tahiti, die Hauptstadt der Südsee. 

Der Ankerplatz am Point Venus wäre eigentlich unsere erste Wahl gewesen. Hier hat Captain James Cook 1769 den Venusdurchgang beobachtet, daher der Name. Dieser Ankerplatz wäre auch bei Nacht vergleichsweise einfach anzusteuern. Aber durch den ungewöhnlichen Nordwestwind und den daraus folgenden Schwell ist er jetzt sehr ungemütlich. Unsere Freunde von der Easy One haben sich deshalb ein Stück weiter westlich nach Arue verzogen, wo das vorgelagerte Riff deutlich besser vor diesen Bedingungen schützt.  Dafür müssen wir allerdings erst durch das Riff und dann im engen Tonnenstrich auf das Lichtermeer der Stadt zu. Aber das klappt gut und wir genießen sogar noch einen späten Willkommensschluck bei Andrea und Ingo auf der Easy One.

Dann erst mal Ausschlafen und am nächsten Morgen:

Herrlich ruhiger Ankerplatz von Arue hinter dem Riff und Blick von Tahiti bin hinüber zur Nachbarinsel Moorea.

Fakarava, Südpass. Driftschnorcheln und Wingsurfen.

Von Tahanea nach Fakarava segeln wir bei gutem achterlichen Wind in einem Tag. Die Tiden für die Pässe passen gut, um halb acht gehen wir kurz vor Niedrigwasser aus Tahanea raus, gegen 15.00 Uhr um Hochwasser herum in den Südpass von Fakarava hinein.

Wir ankern gleich um die Ecke vom Südpass. Der Ankerplatz ist bei den Bedingungen zwar nicht optimal, es steht ganz gut Welle und Flora schaukelt kräftig. Aber für eine Nacht ist das erstmal ok.

Am nächsten Morgen fahren wir dann bei Niedrigwasser mit dem Dinghy durch den Südpass hinaus, springen ins Wasser und lassen uns von der einsetzenden Flut schnorchelnd wieder in die Lagune treiben. Beim ersten Mal ganz langsam, beim zweiten schon etwas schneller und beim dritten Mal mit ordentlich Speed. Es ist wunderschön.

Quasi ohne eigene Bewegung werden wir im klaren Wasser über die Korallen am Rande des Passes geschoben, können im Vorbeigleiten die Vielfalt an Rifffischen bewundern.

Der Pass ist für seine vielen Haie bekannt. Im flacheren Wasser an der Seite des Passes zeigen sich allerdings bei unseren Driftschnorchelgängen nur Schwarzspitzenhaie.

Anders sieht es unten am Grund in der Mitte des Passes aus. Von hier oben sehen wir nur schemenhaft die Konturen, aber die große Anzahl der zumeist fast regungslos in der Strömung stehenden Haie beeindruckt schon beim Schnorcheln. Das macht richtig Lust auf den einen Tauchgang hier an der bekannten “Wall of Sharks”.

Das muss allerdings noch warten, denn nach dem Schnorcheln holen wir erst einmal den Anker auf und fahren weiter in die bei diesen immer noch starken SE-Winden deutlich besser geschützte Südostecke des Fakarava-Atolls.

Hier liegt Flora deutlich ruhiger. Außerdem gibt es hier, versteckt hinter den Palmen auf der Landspitze, die kleine Surf-Schule “Kite Tuamotu”. Adrien bietet auch Wing-Kiten an, und das möchte ich gerne ausprobieren.

Gemeinsam mit Pierre von der “Viva” mache ich die ersten zwei Schnupperstunden.

Photo Credit: Marie & Pierre, S/V Viva

Das Board, das am Strand (und perspektivisch vergrößert im Vordergrund) noch recht massiv aussieht, entpuppt sich im Wasser als extrem kippelig. Der in der Hand gehaltene dreieckige Flügel, am Strand bei Trockenübung noch leidlich bedienbar, scheint jetzt mit wildem Eigenleben ausgestattet. Der eigene Körper ist der Mast und die Arme sind die Schoten, die Beine und Hüfte gleichzeitig auch noch das Steuerruder, das möchte alles koordiniert werden. Da bleibt dem Anfänger (mir!) nicht mehr viel Kapazität für das Halten des Gleichgewichts. Entsprechend anstrengend ist es, immer wieder nach dem Sturz die Sicherungsleinen von Board und Kite zu sortieren und zurück auf das kippelige Board zu klettern. Fahre ich zwischendurch doch mal ein paar Meter im Stehen, wird es auch gleich ziemlich schnell. Beim nächsten Sturz weiß man dann Prallschutzweste und Helm sehr zu schätzen.

Nach den zwei Stunden bin ich völlig erledigt, habe aber auch ein breites Grinsen im Gesicht. Also am nächsten Tag gleich noch einmal. Geht schon etwas besser, ab und zu beginnt das Board sogar zu foilen, sich also von der Wasseroberfläche zu lösen und nur auf den Unterwasserflügeln zu gleiten. BEGINNT, denn eine Zehntelsekunde später liege ich wieder im Wasser. Den Übergang zum Foilen hinzukriegen, das schaffe ich in meiner zweiten Doppelstunde noch nicht. Ganz sicher bin ich kein Naturtalent. Aber mit etwas (bzw. sehr viel) Übung muss das Wingsurfen möglich sein. Egal, wieder bin ich platt – aber glücklich.

Da wird wohl ein neues Spielzeug fällig.

😊

Zwei oder Sieben im Tahanea-Atoll?

Seit einer Woche sind wir inzwischen im Atoll Tahanea. Um uns herum sausen die Kitesurfer und Wing-Foiler von einigen der anderen Boote, sie finden die meiste Zeit ziemlich gute Bedingungen. Ein bisschen bereue ich, das vor Jahren in Antigua nicht mit unseren Freunden zumindest ausprobiert zu haben. Allerdings war damals die Erinnerung an die lange Rekonvaleszenz nach dem Snowboard-Unfall mit Riss aller Bänder in meiner rechten Schulter noch ziemlich frisch. Aber jetzt wäre hier neben dem Schnorcheln und gelegentlichem Tauchen ein bisschen Wassersport zum Auspowern ganz willkommen.

Hm, im etwa 50 Seemeilen entfernten Atoll Fakarava könnte man das ja vielleicht mal testen. Fakarava ist das zweitgrößte und zudem eines der touristisch am meisten erschlossenen Atolle der Tuamotus.

Zunächst aber ist an eine Weiterfahrt nicht zu denken. Die Maramu-Winde haben den Ozean ziemlich aufgewühlt.

Wir warten noch etwas ab. Dann doch lieber im geschützten Wasser der Lagune schnorcheln, ganz in Ruhe die Fische und Korallen bewundern …

… und den Tag mit einem weiteren Lagerfeuer am Strand ausklingen lassen (auch wenn die anderen Segler dabei ihre Kite-Geschichten des Tages erzählen 😉).

Heute geht’s dann aber doch ein bisschen weiter für uns. Der Wind bläst zwar immer noch mit um die 20 kn, in den Böen etwas mehr. Aber eben nicht mehr mit über 30 kn wie vor ein paar Tagen. Am Ankerplatz im Schutz der Motus merken wir davon ohnehin nicht viel, das Wasser ist glatt. Aber mit etwas Entfernung zu den Palmeninselchen zeigen sich dann auch im Inneren des Atolls erste Schaumkronen. Allerdings ist das natürlich nichts im Vergleich zu den Brechern, die von draußen aufs Riff krachen.

Im Satellitenbild haben wir uns die Route zu einem anderen Ankerplatz hier im Tahanea-Atoll abgesteckt. Dort ist Flora zwar nicht von einem Motu geschützt, wohl aber von einem flachen Riff mit Sandbank, das auch die sich in der Lagune aufbauenden Wellen abhält.

Was für eine Location:

Nur für uns ZWEI und die Flora! 😉

Allerdings, der Ankerplatz ist eigentlich als „Seven“, also „Sieben“ bekannt. Wie so vieles im Leben: Ansichtssache!

Geburtstag und Maramu-Verstecken auf Tahanea

Erst mal ganz lieben Dank für die vielen Glückwünsche zum Geburtstag, die mich auf allen möglichen Kanälen erreicht haben. Das hat mich wirklich sehr gefreut.

Für die nächsten Tage sind hier in den Tuamotus böige Wind der Stärke 7 bis 8 Beaufort vorhergesagt. Wir blieben also erst einmal wo wir sind, relativ gut geschützt hinter den mit Palmen bestandenen Motus im Südosten von Tahanea. “Maramu” werden diese kräftigen und manchmal ganz schön lange anhaltenden Winde aus Süd oder (in unserem Fall) Südost genannt.

Da viele Atolle insbesondere auf der Südseite nur ein relativ flaches Riff aufweisen, führen die Maramu-Winde oft auch dazu, das extrem viel Wasser über das Riff hinweg in die Atolle gedrückt wird. Raus kann es nur durch die Pässe. Anhaltender Maramu sorgt dann dafür, dass im Pass stets ablaufendes Wasser mit starken Strömungen herrscht und ein Einlaufen von See sowie auch das Auslaufen aus dem Atoll gefährlich oder gar unmöglich macht.

Also erstmal Füße still halten.

Etwa 15 Boote haben sich hier versammelt und warten den Maramu ab.

In der “Ruhe vor dem Sturm” gibt’s noch ein Seglertreffen mit Lagerfeuer am Strand, für die nächsten Tage wird das wohl nichts mehr werden.

Aber schon an diesem Abend bleibt es nicht so beschaulich. Eines der Dinghies ist unbemerkt abgetrieben, Mikael kommt entsprechend aufgeregt zum Feuer zurück. Wiebke und ich springen mit ihm in unsere Florecita, auch einige andere Beiboote mache sich auf die Suche. Einfach wird es nicht, es ist inzwischen stockdunkel und eben weiter draußen in der Lagune auch ganz schön windig. Wir holen noch unsere große Maglite-Stabtaschenlampe von Bord der Flora und beginnen dann, Suchmuster zu fahren. Geschätzt 1 bis 2 Meilen könnte das Dinghy schon abgetrieben sein. In der Finsternis gleicht das ein wenig der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Von den Wellen sind wir inzwischen klatschnass und Mikael denkt mehrfach laut ans Aufhören, aber so schnell geben wir nicht auf. Das zahlt sich aus, nach einer halben Stunde Zickzackfahrt durch die Finsternis erscheint im Lichtkegel der Maglite tatsächlich ein grauer Fleck. Das muss es sein und es ist es. Wahnsinn. Glück gehabt.

Am nächsten Tag: die Kitesurfer haben sich mit ihren Booten zunächst noch vor die Lücken zwischen den Motus gelegt: hier gibt es ungestörte Winde zum Kiten. In den letzten Tagen hat das für sie ganz gut geklappt, inzwischen verholen manche ihre Boote aber doch in den Landschutz. Der Wind hat heute nochmal kräftig zugelegt, inzwischen bilden sich selbst hier am Ankerplatz manchmal erste Schaumkronen.

Die Drohnenfotos sind deswegen “vorher” 😉.

Doppelpass. Auf das Timing kommt es an.

Nicht bei der Fußball-Europameisterschaft, sondern in den Tuamotus. Wir segeln von Makemo zu unserem dritten Atoll, Tahanea.

Das liegt südwestlich von Makemo. Von unserem schönen Ankerplatz am Punaruku-Motu tasten uns deshalb erst einmal weiter nach Westen und ankern in der Nähe des Westpasses von Makemo.

Eigentlich würden wir gerne vor unserer Weiterfahrt noch einen Driftschnorchelgang durch den Pass machen. Allerdings hat der Wind inzwischen aufgefrischt, draußen hämmert inzwischen auch hier in Lee die Brandung auf das Riff. Die Bedingungen sind nicht mehr ideal und in der Stillwasserphase wollen wir ja schließlich mit Flora durch den Pass.

Während wir noch auf das Stillwasser warten, segeln unsere Freunde Judy und Todd mit ihrem Katamaran Galileo schon unter Vollzeug durch den Pass. Das gibt mir die Gelegenheit, ihre Passdurchfahrt mit der Drohne aufzunehmen.

Hier der Link zum Video.

Wir folgen ihnen etwas später, allerdings nehmen wir die Segel erst nach dem Pass hoch. Und überhaupt, was heißt hier DIE Segel: genau genommen ist es nur ein Fitzelchen der Fock, das wir ausrollen. Damit segeln wir dann mit knapp 3 kn durch den Nachmittag und die Nacht. Schließlich folgt auf den Pass von Makemo der Pass von Tahanea. Dazwischen liegen nur knapp 50 Seemeilen und – entscheidend für unser absichtlich langsames Segeln – in Tahanea können wir erst gegen 7:00 Uhr morgens einlaufen. Rund 17 Stunden nachdem wir Makemo verlassen haben. Der Doppelpass wird also ausnahmsweise nicht schnell gespielt, sondern gaaaaanz sutje.

Und das klappt ganz gut. Die Passage ist mit so wenig stabilisierender Fahrt im Schiff etwas rollig, aber das Timing passt perfekt und so laufen wir bei Stillwasser in Tahanea ein. Mit dem Track unserer Freunde von der Nomad (danke!) geht’s dann durch die Lagune in die Südostecke des Atolls. Hier, im Schutz der palmenbestandenen Motus, wollen wir die für die nächsten Tage angekündigten kräftigen Winde abwettern.

Also richten wir uns darauf ein, hier ein bisschen zu bleiben. Es ist ein toller Ankerplatz mit gutem Sandgrund und relativ wenigen Bommies. Die Ankerkette müssen wir aber trotzdem “floaten”.

Immerhin sind es aber genug schöne Korallenköpfe, um nahe beim Boot im klaren Wasser ausgiebig schnorcheln zu gehen. Auch hier gibt es wieder eine Vielzahl von eingewachsenen Riesenmuscheln mit ihren faszinierend unterschiedlichen Farben und Mustern.

Und es lohnt sich, länger hinzuschauen und auf die kleinen Dinge zu achten. Weihnachtsbaumwürmer (genau genommen nur deren herausgestülpte Kiemen) finden sich, …

… bewegt sich in ihrer Nähe das Wasser, ziehen sie sich blitzschnell in die Korallen zurück. Ähnlich halten es viele der kleinen Riffbarsche, wie zum Beispiel die schwarz-weißen Preußenfische oder die blau-grünen Chromis/Schwalbenschwänzchen:

Sogar eine wunderschöne Chromodoris entdecken wir, es istfür uns die erste dieser äußerst farbenfrohen Meeresschnecken.

Immer wieder etwas Neues. 😊

Von Raroia nach Makemo

Wir segeln weiter nach Westen zu unserem nächsten Atoll. 78 Atolle gibt es im Tuamotu-Archipel, wenigstens ein paar davon wollen wir erkunden. Auf der Karte sieht es aus, als wäre dieser Bereich des Pazifiks voller Inseln, als lägen die Atolle dicht an dicht. Aber das täuscht gewaltig. Die Tuamotus sind die Inselgruppe mit der weltweit größten Ausdehnung, das Archipel erstreckt sich über 15 Längengrade und 10 Breitengrade, mithin auf mehr als 2.000 Kilometer. Die Entfernungen zwischen den für Yachten anlaufbaren Atollen sind daher größer als (von uns) erwartet.

Von Raroia bis nach Makemo sind es etwa 80 sm. Für eine solche Distanz würden wir normalerweise sehr früh auslaufen und dann (hoffentlich) kurz vor dem Dunkelwerden ankommen. In vielen Revieren funktioniert das, hier in den Tuamotus aber eher nicht. Die Crux liegt in den Pässen, den Ein- und Ausfahrten zu den Atollen. Ein- und Ausfahrt sollen wegen der starken Tidenströme idealerweise um Stillwasser herum erfolgen. Das gilt jetzt kurz nach Vollmond wegen der damit einher gehenden Springtide um so mehr. Außerdem verbieten sich für uns Fahrten im Atoll während der Dunkelheit, wir möchten mit einigermaßen hoch stehender Sonne eine Chance haben, die Bommies zu erkennen. Allerdings sind die Tage hier in der Nähe des Äquators kurz. Jetzt im Spätherbst der Südhalbkugel liegen zwischen Sonnenaufgang (6.00) und Sonnenuntergang (17.11) nur gut 11 Stunden.

In Raroia schauen wir daher morgens erstmal Fußball-Europameisterschaft auf dem iPad (über Starlink und VPN, durch die 12 Stunden Zeitverschiebung laufen die Spiele bei uns morgens live) und frühstücken ausgiebig. Frische Waffeln im Cockpit; ein kleines Morgen-Fest.

Am Kon-Tiki Ankerplatz brechen wir gegen 11.00 Uhr auf, tasten uns um die Bommies herum durch die Lagune und fahren gegen 13.00 Uhr mit 1,5 kn Gegenstrom durch den Pass hinaus.

Draußen auf dem offenen Pazifik setzen wir bei zunächst sehr leichtem Wind Groß und unseren blauen Genacker, nehmen irgendwann das Groß weg und wechseln zum Sonnenuntergang auf den deutlich kleineren Code0.

Es ist super angenehmes Segeln. Trotzdem rollen wir um Mitternacht den Code0 ein und statt dessen die noch viel kleinere Fock aus, wir sind einfach zu schnell.

Später reffen wir auch noch die Fock und schleichen mit einem Handtuch-kleinen Rest Segel langsam über die zum Glück immer noch sehr ruhige See.

Um 6 Uhr morgens stehen wir 8 Meilen vor dem Pass ins Makemo-Atoll. Gegen 10 Uhr soll Stillwasser sein. Wir sind nicht allein, einige andere Yachten warten auf die Durchfahrt. Die erste probiert es um 7 Uhr. Sie kommt durch, aber wir sehen sie in der Einfahrt mehrmals seitlich “fahren”, das ist uns und den meisten anderen zu heikel. Um 8 hat es sich etwas beruhigt, zwei weitere Yachten fahren durch und berichten über Funk von anspruchsvollen, aber machbaren Strömungen. Wir warten noch, schauen über Starlink und VPN Fußball-Europameisterschaft und gehen erst gegen 9 Uhr durch, bei gut zwei Knoten Gegenstrom und keinem wesentlichen Versatz durch Querströmungen oder Whirlpools. Der Ankerplatz an der Mole vor dem Ort liegt gleich um die Ecke neben dem Pass, das ist bequem. Zumal der Ort recht gute Einkaufsmöglichkeiten bietet (wir ergattern sogar Tomaten, Gurken, Zucchini und Pak Choi).

Am Freitagabend gehen wir zur Fundraising-Veranstaltung auf dem Schulhof, selbstgemalte Plakate dafür hängen überall im Dorf. Die Grundschüler führen hier polynesische Tänze auf, die stolzen Eltern halten das auf ihren Handys fest. Der Eintritt ist frei, die Einnahmen aus den verkauften Getränken und Leckereien kommen der Schule zu Gute.

Es ist eine schöne Atmosphäre und ganz nebenbei ein Seglertreff, fast alle Segler vom Ankerplatz sind gekommen.

Sonntag in der Kirche – wieder mit polynesischen Gesängen, wenn auch für uns nicht ganz so stimmungsvoll wie zuletzt auf Tahuata in den Marquesas – treffen wir von den Seglern nur Judy und Todd von der “Galileo”. Und auch von den beiden verabschieden wir uns kurz danach, denn wir möchten im Makemo-Atoll noch andere Ankerplätze kennenlernen. Da aber ab nächsten Donnerstag sehr kräftige Ostwinde angesagt sind, die wir in einem besser geschützten Atoll abwettern wollen, bleibt uns dafür nicht mehr allzu viel Zeit.

Wir legen auf einem IPad auf dem Navionics-Satellitenbild eine Route um die vielen Korallenköpfe herum fest und kontrollieren sie mehrfach. Im Makemo-Atoll gibt es neben den großen, besser sichtbaren Bommies eine Vielzahl sehr kleiner und unauffälliger Korallenköpfe, die wir nur bei starkem Hereinzoomen erkennen. Die (TZ-)Karte auf dem Furuno-Plotter ist völlig nutzlos. Auf den 17 Meilen durch das Labyrinth zum nächsten Ankerplatz laufen daher auf dem anderen iPad die Satellitenbild-Navigation über SeaIQ und auf dem iPhone wird die Position im Bing-Satellitenbild kontrolliert. Hört sich nach technischem Overkill an, gibt uns aber zusätzliche Sicherheit. Zumal, wenn Wiebke im Ausguck am Bug wegen eines Squalls zwischendurch einfach gar nichts mehr erkennen kann:

Alles geht gut, aber es sind dann doch ein paar durchaus nervenaufreibende Stunden.

Am Ankerplatz angekommen kommt dann auch wieder die Sonne durch.

Wir Schnorcheln noch ein bisschen und genießen dann einen herrlich stillen Abend.

😊

Tahuna Maru: wo Thor Heyerdahl mit seiner Kon-Tiki strandete.

Manchmal ist nicht direkt ersichtlich, was einen Ankerplatz am Außenriff von den vielen möglichen anderen abzuhebt und fast jedes Boot anzieht, das dieses Atoll besucht. Auf dem Riff von Raroia gibt es eine Vielzahl kleiner Inselchen (Motus). Obwohl äußerlich völlig unspektakulär, hebt sich das Motu “Tahuna Maru” von seinen Schwesterinseln ab: hier ist historisches passiert. Ein kleines steinernes Denkmal mit einer Plakette darauf erinnert daran. Als wir danach schauen, schrecken wir auf dem im Durchmesser nur etwa 75 m großen Motu erst einmal einige Feenseeschwalben auf, die im Geäst der niedrigen Bäume nisten.

Und da ist sie, ungefähr in der Mitte des Inselchens. Eingewachsen und vom Ufer aus nicht zu erkennen. Die Plakette erinnert an die Strandung des Balsa-Floßes Kon-Tiki hier auf diesem Riff im Jahr 1947. Strandung, Schiffbruch, dass hört sich eigentlich nach einem dramatischen Scheitern für diese Expedition an. Tatsächlich ist es das Gegenteil, nämlich der erfolgreiche Abschuss eines abenteuerlichen und international Aufsehen erregenden archäologischen Experiments, das den Norweger Thor Heyerdahl berühmt machte.

Das stilisierte Gesicht auf dem Denkmal stellt den mythologischen Schöpfergott der Inka dar, der der Legende nach aus dem Osten kam, die Kultur der Inka gründete und dann nach Westen weitersegelte. Die Darstellung zierte das Segel des Balsafloßes, mit dem Heyerdahl die grundsätzliche Seetauglichkeit präkolumbianischer Boote und damit die Möglichkeit der Besiedelung Polynesiens von Südamerika aus bewies. Gestaltet wurde es vom Künstler Erik Hessenberg, der als Steuermann Teil der sechsköpfigen Besatzung der Kon-Tiki war. Mit den vorherrschenden Winden und Strömungen erreichte die Kon-Tiki von Chile aus nach 101 Tagen Raroia und strandete hier.

Wer mehr erfahren möchte über die Strandung des Floßes auf diesem Riff und darüber, wie die Inselbewohner auf der anderen Seite des Atolls darauf aufmerksam wurden, dem empfehlen wir das YouTube-Video unserer Segelfreunde Janna und Ilja von der “Thula”, die sogar ein Interview mit dem letzten noch lebenden Zeitzeugen hier auf Raroia gemacht haben. Absolut sehenswert.

Allerdings jagt uns die Vorstellung – mit welchem Boot oder Floß auch immer – hier von der Brandung auf das scharfkantige Riff geschleudert zu werden, einen Schauer nach dem anderen über den Rücken.

Dann doch lieber in der ruhigen Lagune auf der Innenseite des Riffs ankern und die Brecher nur aus der Ferne sehen.

Und in dem klaren, geschützten Wasser gehen wir ausgiebig schnorcheln.

Farbenfroh mit Wimpelfischen, eingewachsenen Riesenmuscheln und Pfauen-Zackenbarschen. Natürlich sehen wir dabei auch immer wieder Haie, wie diesen in einer Korallenhöhle ruhenden Ammenhai …

… oder (häufiger) einen der verbreiteten Schwarzspitzen-Riffhaie:

Beide Arten sind für Menschen ziemlich ungefährlich. Dieser Riffhai ist übrigens mit einem seiner typischen Begleiter unterwegs, ein Remora hat sich an seinem Bauch festgesaugt. Auf deutsch heißen diese maritimen Tramper “Schiffshalterfische”. Warum wohl?
Der Blick unter die Flora an diesem “Kon-Tiki” genannten Ankerplatz gibt da gewisse Anhaltspunkte:

Wenn sie doch bloß auch ordentlich das Unterwasserschiff putzen würden!