Besuch an Bord

Unsere liebe Freundin Katrin kommt mit dem Flugzeug in Fakarava an. Eine praktische Angelegenheit auf diesem Atoll: wir können Katrin einfach mit Florecita abholen, der Flughafen hat einen eigenen Dinghysteg.

Am nächsten morgen segeln wir nach Toau. 15 Seemeilen herrliches Code0-Segeln und auch der Pass in Toau ist dieses Mal absolut friedlich. Zwar haben wir dreieinhalb Knoten mitsetzende Strömung, aber bei dem leichten achterlichen Wind baut sich im Pass absolut keine Welle auf. Nur kurz um die Ecke und wir ankern am Coral Garden. Na klar, gleich mal Schnorcheln. 🤿

Kein schlechter Start.

Und es wird sogar noch besser. Am nächsten Tag hat Andrea Geburtstag. Sektfrühstück mit hausgemachtem Pastazie-Mandeleis an selbst gemachtem Schokolikör auf der Easy-One, so kann der Tag wohl beginnen.

Die eigentliche Feier verlegt das Geburtstagskind dann nachmittags an den Strand, zur Dämmerung hin verlagert es sich ins Wasser:

Geburtstagskind mit Geburtstagsgeschenken

Wow. Was für ein herrlicher Tag.

Und heute?

Katrin, Wiebke, Andrea und Ingo gehen Schnorcheln, Heike und Jürgen von der Valentin, und Bruna und Roberto von der Saude Eterna sowie ich tauchen. Gemeinsam fahren wir mit den Dinghies durch den großen Pass hinaus und dort ins Wasser. Dann geht’s an der Außenseiten der Insel zwischen den Pässen am steilen Dropoff entlang, bevor wir uns von der Tide wieder in den kleineren Pass hineinspülen lassen.

Auffällig ist das stellenweise extrem häufige Vorkommen des Dornenkronenseesterns an diesem Außenriff. Dornenkronenseesterne sind wunderschön anzuschauen, zumal ihre Form und Symmetrie fast an Schneeflocken erinnert:

Aber sie haben auch ihre Schattenseiten. Ihre Dornen sind giftig und können bei Menschen schmerzhaften und zu Komplikationen neigende Stichverletzungen hervorrufen. Also besser nicht anfassen! Vor allem aber schädigen sie die ohnehin schon geschwächten Korallenriffe, denn sie ernähren sich ausschließlich von Steinkorallen. Bei massenhaftem Auftreten hinterlassen sie deshalb praktisch tote Riffe, die sich nur extrem langsam wieder erholen können.

Mancherorts, etwa am australischen Great Barrier Reef, wurden sie daher mit Giftinjektionen in ihre Arme bekämpft. Das ist umstritten, immerhin kommen massenhafte Invasionen dieser Seesterne in natürlichen Zyklen vor. Allerdings haben sich die Abstände dieser Zyklen zuletzt erheblich verkürzt, sodass die Gefahr für einige Riffe deutlich größer geworden ist.

Aber neben den Dornenkronen sehen wir bei diesem Tauchgang dann doch noch einiges mehr. Eine kleine Auswahl:

Für Wiebke und Katrin war der einstündige Schnorchelgang offenbar noch nicht Sport genug für den Tag. Sie legen auch noch eine ausgiebige Tour auf den Paddelboards drauf, bietet sich bei den fast windstillen Bedingungen aber ja auch an.

Zur Erholung dann Hängematte auf dem Vorschiff.

Andrea kommt übrigens noch um einiges später von ihrer eigenen Paddeltour zurück. Immerhin aber noch, bevor die Venus mit dem Ankerlicht der Easy-One um die Wette strahlt:

Uns geht’s gut.

Über die Korallen fliegen – Driftschnorchelgänge an den Pässen von Tahanea

Tahanea weist gleich drei befahrbare Pässe in die Lagune auf. Der mittlere ist der breiteste und tiefste, für unsere bisherigen drei Passagen haben wir stets diesen Pass benutzt. Aber die anderen beiden haben auch ihre Vorteile, insbesondere für Driftschnorchelgänge. Wir ankern deshalb diesmal zunächst am östlichen Pass, dem schmalsten und flachsten.

Ein fast dreieckiges Flach aus Korallen teilt ihn in zwei enge Arme auf. Beide eignen sich hervorragend zum Schnorcheln. Bei einlaufender Tide fahren wir mit dem Dinghy gegen die Strömung hinaus, gleiten mit Flossen und Taucherbrillen ins Wasser und lassen uns mit dem Dinghy zurück in die Lagune treiben. Es ist ein Gefühl, als würden wir schwerelos über einen Teppich aus Korallen und Fischen fliegen. Unbeschreiblich schön.

Ein Video dazu hier.

Nach einer zwischenzeitlich etwas schaukeligen Nacht – die Strömung ist stärker als der Wind und dreht Floras Heck in die Wellen – ankern wir um und liegen jetzt zwischen Nordpass und mittlerem Pass. Inzwischen ist auch die Easy-One hierher gekommen, gemeinsam machen wir im Nordpass einige weitere Driftschnorchelgänge.

Wir haben mächtig Glück, denn hier treffen wir dieses Mal auf Manta-Rochen. Und auch sonst sind die Korallenlandschaft und der Fischreichtum eine wahre Freude.

Trotzdem: morgen früh um fünf Uhr soll es weitergehen. Wir wollen zurück nach Fakarava segeln. Die Lebensmittelbestände müssen mal wieder mit Frischwaren aufgestockt werden, zumal wir bald Besuch an Bord bekommen. Unsere Freundin Katrin wird in einer Woche in Fakarava zusteigen. Wir freuen uns schon.

Beach fun on Tahanea

Das Motu, hinter dem wir hier im unbewohnten Tahanea-Atoll ankern, bietet sich für einen Beach-Nachmittag geradezu an.

An der Südspitze des Motus gibt es eine Feuerstelle, eine Hängematte aus Netz ist an einem schattigen Platz daneben aufgehängt.

Wir bringen noch unsere eigene Hängematte mit, außerdem einige Strandspiele wie Boccia und Frisbee. Und auch für das leibliche Wohl ist gesorgt, alle bringen etwas mit. 5 Boote (Lille Venn, Easy-One, Freefall, Skylark und Flora) liegen in der Bucht, alle Crews sind dabei. Wie fast immer bei solchen Gelegenheiten wird es ein wunderbarer, entspannter Nachmittag.

Auch die mit Steinen und großen Seeschnecken-Gehäusen eingefassten Feuerstelle wird genutzt.

Nach Sonnenuntergang geht’s dann aber doch recht flott zu den Dinghies. Noch schnell das Feuer löschen und aufs Boot, um diese Zeit werden die stechenden oder beißenden Plagegeister dann so richtig aktiv, das Feuer scheint sie nicht wirklich abzuschrecken (oder vielleicht müssten wir uns selbst räuchern).

Wie auch immer, an Bord haben wir bisher erstaunlich wenig Probleme damit gehabt, selbst in Alaska (wir hatten anderes befürchtet) und eben auch hier in Französisch Polynesien. Das interne Mosquitonetz über dem Bett haben wir tatsächlich das letzte Mal in Italien aufgebaut.

Über fünfeinhalb Jahre ist das her. Unseretwegen kann das Netz gerne weiter ungenutzt im Schapp bleiben.

Tahanea

Es wird ein wunderschöner Segeltag. Wir starten mit Schwachwind und Code0, …

… wechseln dann aber bei zunehmendem Wind irgendwann auf die Fock. Zwischenzeitig zwei Reffs ins Groß. Um uns herum tauchen immer mehr Schauerwolken auf, einige ziemlich so imposant, dass die hinter uns segelnde Easy-One kaum davor auszumachen ist:

Tatsächlich aber verschonen die Schauerwolken sowohl uns als auch die Easy-One, erst in der Ansteuerung auf den Pass von Tahanea bekommen wir ein paar wenige Tropfen ab, dürfen zum Ausgleich aber einen wunderschönen gleich doppelten Regenbogen bewundern, mit herrlich sichtbarem dunklerem Bereich zwischen Regenbogen und Nebenregenbogen (Alexanders dunkles Band):

Wir ankern hinter dem Motu direkt zwischen dem Nordpass und dem breiteren Hauptpass, durch den wir ins Atoll gefahren sind.

Wir schnorcheln am folgenden Tag in beiden Pässen, fahren mit dem Dinghy bei einlaufender Tide hinaus und lassen uns durch den Pass zurück in die Lagune treiben. Besonders gut gefällt uns die Nordseite des Nordpasses. Am äußeren Ende zeigen bockende Wellen starke Verwirbelungen an, aber danach ist die Strömung auf dieser Seite nicht so stark. Der dicht an dicht mit Korallen bestandene Nordrand bietet in 3 bis 5 Metern Tiefe eine vielfältige Korallenlandschaft, die es in sich hat. Der Fischreichtum ist immens und das klare einlaufende Wasser lässt die ganze Palette der Farben auch richtig zur Geltung kommen.

Ein gutes Beispiel sind die bis zu 80 cm groß werdenden Buckelkopf-Papageifische. Diese sind eigentlich an allen halbwegs gesunden Riffen im Südpazifik zu finden und in sofern ein bekannter Anblick. Aber selten strahlen die Farben so wie hier.

Eine Besonderheit bei den meisten Papageifischarten, so auch beim Buckelkopf-Papageifisch: es handelt sich um Hermaphroditen. Nach einer Jugendphase entwickeln sich zunächst fast alle zu Weibchen. Später im Lebenszyklus wandelt sich dann ein größerer Teil zu Männchen um. Und nicht nur das: in jeder der Phasen zeigen diese Fische auch ein völlig unterschiedliches Farbkleid.

Weiblicher Buckelkopf-Papageifisch
Männlicher Buckelkopf-Papageifisch

Die vorderen Zähne sind übrigens zu den Platten eines schnabelartigen und ständig nachwachsenden Beißwerkzeugs umgebildet, mit dem die Papageifische einen niedrigen Pflanzenbewuchs auf den Korallen regelrecht abgrasen. Dabei schaben sie auch erhebliche Mengen von Korallenkalk ab, den sie zügig wieder ausscheiden. Dann allerdings fein gemahlen – als den Sand, den wir an den Palmenstränden so lieben. Kein Scherz, ein ausgewachsener Buckelkopf-Papageifisch produziert so bis zu 90 kg feinsten Sand pro Jahr.

Wir sehen noch verschiedene andere Papageifische:

Aber natürlich nicht nur die.

Griesgrämig dreinschauender Lippfisch
Falterfisch
Camouflage-Zackenbarsch im Versteck
Imperator-Kaiserfisch

Jedenfalls ist der Drift-Schnorchelgang im Nordpass von Tahaneha für uns einer der insgesamt schönsten Schnorchelgänge bisher, und das will schon etwas heißen, denn da kommen mittlerweile doch so einige zusammen.

Eine etwas alberne Frage wird nebenbei auch beantwortet: wieso heißt die Farbe von Wiebkes Tauchmaske eigentlich „Coral“?

Im Korallengarten von Toau

Unser Achterstagspanner scheint in Fakarava angekommen zu sein. Aber jetzt ist Wochenende. Also verholen wir die Flora erst einmal aus dem Südosten von Toau in die Nähe des Passes. Die Gerty hat uns vom Ankerplatz “Coral Garden” eben nördlich des Passes vorgeschwärmt, das Schnorcheln dort soll phänomenal sein. Allerdings: die Einfahrt zum Ankerplatz ist ziemlich eng und schlängelt durch die Korallen. Die Gerty ist ein Katamaran mit wenig Tiefgang, sollen wir es wagen? Andererseits: der Ankerplatz ist gut geschützt, die Sicht gut und auf den Satellitenbildern sieht die Einfahrt durchaus machbar aus. Also los. Na klar, ein bisschen Nervenanspannung ist dabei und tatsächlich kommen wir einigen Bommies und Korallenbänken recht nahe, aber wir haben stets mehr als 5 m Wassertiefe.

Es lohnt sich. Als einziges Boot liegt die Flora dort in dem traumhaft türkisfarbenen Wasser vor Anker.

Wir hören den vom Ostwind aufgepeitschten Pazifikschwell mit Macht auf das Riff branden, aber wir liegen ein paar hundert Meter weiter im Schutz des Riffes auf Wasser, so glatt wie ein Ententeich.

Und das Schnorcheln im “Coral Garden”?

Wir machen zwei wunderbare Driftschnorchelgänge im Korallengarten. Wegen der Strömung ankern wir das Dinghy nicht, sondern halten beim Schnorcheln die Leine des Beiboots in der Hand, lassen uns mit ihm durch das Gewirr aus Canyons und Bommies treiben.

Dabei treffen wir unter anderem große Papageifische …

… schlanke, deutlich über einen Meter lange Flötenfische …

… die von mir so geschätzten Halfterfische (Moorish Idol), mit ihren langen, fast Banner-artigen Rückenflossen …

… ein buntes Gewirr von Riffbarschen …

… vor allem natürlich unzählige der kleinen Mönchsfische (bzw. Cromis, im Deutschen auch gerne als grüne und blaue Schwalbenschwänzchen bezeichnet) …

Außerdem natürlich manchmal aufgeregte Drückerfische (Abstand halten), auch hier wieder beeindruckend große Zackenbarsche, und natürlich auch immer mal wieder neugierige Vertreter wie hier die Schwarzspitzen-Fische (die wir neuerdings so nennen, um einer lieben Segelfreundin ein bisschen Kopfkino zu nehmen und das Schnorcheln zu erleichtern).

Zurück auf der Flora dann abends Vollmond-Aufgang mit Jupiter darüber …

… und ein so ruhiger Abend, dass ich den Vollmond von Bord aus ohne Stativ fotografieren kann:

Es fällt uns gar nicht leicht, uns von Toau erst einmal zu verabschieden. Aber das Päckchen in Fakarava wartet und wir hätten die Flora natürlich auch gerne wieder richtig fit!

Wettertest für das Achterstag: von Tikehau nach Apataki

Leichte bis mittlere Winde vorhergesagt? Böen bis 28 kn hatten wir eigentlich nicht erwartet. Aber wenn man unterwegs ist, ist man unterwegs.

Bei schönen 14 kn hoch am Wind beginnt die Passage von Tikehau aus fast perfekt. Nur fast, denn der Windwinkel passt nicht ganz. Wir können unser eigentliches Ziel Fakarava nicht direkt anliegen, müssen also kreuzen.

Das verlängert natürlich auch die Strecke erheblich. Dazu kommt, dass sich wie vorausgesagt zum Abend hin relativ schnell zunehmender Südschwell bemerkbar macht. Im Zusammenspiel mit der Windsee aus Ostnordost entwickelt sich eine ziemlich kabbelige Welle.

Die kräftigen Böen tun ein übriges. Aber immerhin: unsere Dyneema-Taljen am defekten hydraulischen Achterstagspanner halten, auch wenn wir durch den etwas geringeren Zug mehr Durchhang im Vorstag haben und ein bisschen weniger Höhe laufen können. Etwas mehr Belastungstest als wir uns vorgestellt haben, aber so ist es nun mal. Das Großsegel im zweiten Reff sind wir trotzdem ganz flott unterwegs.

Photo courtesy: Barbara, SY Lille Venn

Um dem Schwell etwas auszuweichen, machen wir einen Schlag auf dem anderen Bug und kreuzen dann zwischen den Atollen Arutua und Kautua weiter auf. Diese beiden Atolle haben keinen mit der Flora befahrbaren Pass und können deshalb von uns nicht angelaufen werden. Erst Apataki bietet sich dafür an. Und so ändern wir den Plan, statt Fakarava heißt das Ziel jetzt Apataki. Lille Venn ist oben um Arutua herumgegangen und entscheidet sich für den Nordpass. Wir laufen dagegen in den Südpass von Apataki ein und ankern am weit und breit einzigen Inselchen. Auf einer Länge von fast 10 Seemeilen gibt es nur dieses eine Motu auf dem Südriff. Von See aus ist das Atoll aus dieser Richtung deshalb mit den Augen fast nur an der Brandung auszumachen. Dann ist man allerdings meist schon gefährlich nahe dran.

Die My Motu gesellt sich kurz danach zu uns. Die Brise flaut zum Abend hin ab und wir liegen recht ruhig, obwohl das Motu gegen Ost nur ein bisschen Schutz bietet. Am nächsten Morgen allerdings frischt der Wind deutlich auf und dreht nördlicher. Jetzt baut sich auch im Atoll schnell eine kräftige Welle auf. Unsere Boote zerren am Ankergeschirr und machen Bocksprünge.

Nur ein schnelles Frühstück, dann ist es Zeit für einen Wechsel des Ankerplatzes. Wir verholen in die Südostecke des Atolls. Von dort aus erstreckt sich ein längeres Motu nach Nordwesten, das sollte uns deutlich besseren Schutz gewähren.

Bei der Annäherung bietet sich dann ein etwas skurriler Anblick. Aus dem Palmenhain wächst ein Mastenwald:

Tatsächlich bietet Apataki die einzige uns bekannte Möglichkeit, in den Tuamotus ein Segelboot auf einen Landstellplatz herausnehmen zu lassen. Allerdings wohl mit der Einschränkung, dass der Tiefgang des Bootes nicht über 1,9 m liegen darf. So finden sich denn hier auf dem hinter Palmen versteckten Werftgelände auch fast nur Katamarane und kleinere Segelboote oder solche mit aufholbarem Kiel.

Wer sein Schiff hier (z.B. für einen Heimaturlaub) einlagert, muss übrigens mit dem Wassertaxi die 10 Seemeilen hinüber zum kleinen Ort am Südpass fahren und von dort den nahen Flughafen für die Weiterreise nutzen.

Der Ankerplatz bietet tatsächlich gegen den Ostnordostwind recht guten Schutz und wartet zudem noch mit einem schönen Sandstrand auf.

Ein paar Wetter-Querelen bekommen wir allerdings auch geboten. Vielleicht ist der Wettertest für das Achterstag ja doch noch nicht ganz abgeschlossen ?!?

Den Tagesabschluss bietet jedenfalls ein gemütlicher Abend mit Rajesh und Jeroen auf der My Motu mit Chili-Diner und Brändi-Dog-Spielen. Dankeschön!

Abschied von Tikehau

Vom Ankerplatz am Garten Eden geht’s zurück Manta-Putzerstation am Motu Mauu. Dieses Mal fahren wir nicht mit dem Dinghy hinüber, sondern mit der Flora.

Auf dem AIS sehen wir, dass dort bereits ein Boot ankert. Es ist die India, ein kanadisch geflaggter Stahlschoner. Das Boot und den französischen Eigner Olivier haben wir schon in Sausalito in der San Francisco Bay und dann nochmal wieder in La Paz in Mexiko getroffen. Wir ankern neben ihnen und es gibt ein großes Hallo!

Das klitzekleine Motu mit der aufgegebenen Perlfarm auf dem deutlich größeren Riff bietet guten Wellenschutz und eine wildromantische Kulisse.

Vielleicht auch ein bisschen morbide, aber auf alle Fälle mit tollen Farbkontrasten.

Die Manta-Putzerstation liegt dem Ankerplatz gegenüber hinter der schmalen Spitze des Motus und natürlich statten wir ihr auch diesmal einen Besuch ab. Die Sicht ist an diesem Morgen allerdings nicht ganz so gut, das Wasser etwas aufgewühlter, aber wir haben wieder Glück: mit einer Manta-Sichtung.

Jeroen und Rayes, die etwas später dort schnorcheln, können sogar gleich drei Mantas im Formationsflug an sich vorbeiziehen lassen. Aber wir sind auch so mehr als zufrieden, ein solch majestätisches Tier zu sehen ist immer wieder ein Gänsehaut-Erlebnis.

Bei hochstehender Sonne fahren wir dann weiter nach Westen zum Tonnenstrich, biegen ab ins Fahrwasser Richtung Pass. Raus soll es aber erst morgen früh gehen, eine Nacht bleiben wir noch in Tikehau.

Direkt nördöstlichlich des Passes Tuheiava gibt es einen Ankerplatz, der durch ein fast Omega-förmiges Riff auch gegen den sich in der Lagune aufbauenden Ost-Schwell recht guten Schutz bietet.

Zeit, nochmal die Spielzeuge zu nutzen, bevor sie für die anstehende Passage Richtung Fakarava unter Deck verstaut werden müssen. Ralph leiht mir sein größeres 6qm-Wing, aber leider reicht für mich der Wind trotzdem nicht ganz zum Foilen. Dann halt Stand- und Langsamfahrt-Training.

Mit Ralph fahren Wiebke und ich noch per Dinghy durch den Pass, parken das Beiboot draußen an einer Boje und schnorcheln ein wenig. Ein riesiger Schwarm von bestimmt über tausend durchaus nicht kleinen Fischen ist etwa 20 m unter uns am Grund zu sehen. Die Fische stehen so dicht, dass ich sie zuerst überhaupt nicht als einzelne Tiere erkenne. Nur an den Rändern und wenn Bewegung hineinkommt wird es deutlicher.

Auf der Rückfahrt schnorcheln wir noch an einer Fischfalle im Pass. Sie scheint nicht mehr in Betrieb zu sein. Dennoch dreht ein grauer Riffhai in der Falle seine Runden. Vermutlich freiwillig, denn die Öffnung ist riesig.

Zurück zum Boot und alles klar machen für die vermutlich etwa anderthalbtägige Passage. Ganz sicher sind wir noch nicht, vielleicht biegen wir auch vorher nach Rangiroa oder Toau ab. Nach der Vorhersage wird es ein Amwindkurs bei leichten bis mittleren Winden werden, vielleicht müssen wir auch kreuzen. Das würde dann allerdings einen Zwischenstopp auf einer der anderen Atolle vor Fakarava wahrscheinlicher machen.

Für Flora wird es auch ein Test, wie die Stützkonstruktion für den schwächelnden Achterstagspanner unter Segeln funktioniert. Neben der bisherigen Talje aus 8 mm Dyneema habe ich jetzt noch eine weitere Talje aus 10 mm Dyneema geriggt. Doppelt hält (hoffentlich) besser.

Motu Puarua (Bird Island), Tikehau

Wir verbringen ruhige Tage in Tikehau. Der Wind hat ein bisschen nachgelassen. Unter 15 Knoten reicht es für mich als Anfänger mit meinem Equipment und meinem Gewicht kaum zum Foilen, es ist also mehr Technik-Training für den richtigen Stand auf dem Board und den richtigen Umgang mit dem Wing, das macht es allerdings nicht weniger anstrengend. Aber das gleichen wir mit langen Pausen, gemütlichen Ausflügen mit dem Kayak und entspannten Besuchen bei und von unseren Nachbarliegern aus.

Außerdem nutzen wir das vergleichsweise glatte Wasser der Lagune für einen Ausflug zum etwa drei Seemeilen entfernten Motu Puarua. Dieses Inselchen liegt nicht wie die meisten Motus auf dem Außenriff, sondern weit innerhalb der Lagune. Zudem wachsen dort nur wenige Palmen, dafür bedecken niedrige, dicht stehende Bäume die aus Korallengestein bestehende Insel. In Verbindung mit der abgelegenen Lage macht das dieses Eiland zu einem Vogelparadies. Vor allem Seeschwalben brüten hier, insbesondere die dunklen Noddy-Seeschwalben und die weißen Feen-Seeschwalben.

Speziell im Uferbereich sind die Bäume voll von ihnen. Besonders die Noddys finden sich gern in großen Gruppen zusammen.

Es ist schon erstaunlich, wie sehr wir dazu neigen, diesen Vögeln auf Grund ihres Aussehens menschliche Charaktereigenschaften zuzuordnen. Es ist zwar absolut abstrus, aber wir jedenfalls können uns trotzdem kaum davon frei machen, die Noddys mit ihrer Körperhaltung und den “unterlaufenen” Augen eher als verschlagene “finstere Gesellen” zu sehen …

… und die blütenweißen Feen-Seeschwalben mit Knopfäuglein und königsblauem Schnabelansatz eher positiv zu besetzen.

Sagt natürlich nur etwas über uns und unsere Vorurteile aus und nichts über die Seeschwalben selbst. Und die kümmern sich auch überhaupt nicht um uns, schimpfen sogar erstaunlich zaghaft, wenn wir versehentlich zu nahe an ein Gelege kommen. Das passiert leicht, denn die Bäume sind voll von ihnen und die Brut ist manchmal schwer zu erkennen.

Aber das große Teleobjektiv der Kamera schafft es trotzdem, die flauschigen Küken ganz nah erscheinen zu lassen:

Zu den Seeschwalben gesellen sich gelegentlich ein paar der größeren Rotfußtölpel (Red Footed Booby).

Und sogar ein Brachvogel rastet auf dem kargen Korallengestein. Eigentlich bohrt er mit seinem langen, gebogenen Schnabel ja eher in sumpfigen Böden nach Nahrung.

Wir haben auch Schnorchelausrüstung mitgebracht und tatsächlich ist das Wasser hier in Lee der Insel etwas weniger trüb als an unserem Ankerplatz. Viele Korallen im Flachwasserbereich sind in gutem Zustand.

Vor allem aber sehen wir Weihnachtsbaumwürmer (die Spiralröhrenwürmer heißen im englischen wirklich Christmas tree worm) in großer Anzahl und Farbenvielfalt.

Die Würmer bauen Kalkröhren in den Korallen, die sie zeitlebens nicht mehr verlassen. Was wir von ihnen sehen, sind die nach außen gestülpten “tannenbaumförmigen” Kiemen. Bei Annäherung oder auch nur starker Wasserbewegung werden die Kiemen blitzartig nach innen gezogen, in so einer farbenfrohen Kolonie ist das ein ziemliches Spektakel.

Ruhige Tage sind also nicht notwendigerweise erlebnisarm 😎.

Wingfoil-Übungen in Tikehau

10 Tage sind wir schon im Atoll Tikehau und wir werden auch noch etwas länger hier bleiben. Es fühlt sich gut an, zurück in den Tuamotus zu sein. Abgeschiedener, mit freiem Blick über die niedrigen Motus auf dem Ringriff.

Zur Orientierung, das ist unsere bisherige Reiseroute durch Französisch Polynesien im Überblick (Track auf Noforeignland):

Im März haben wir von Mexiko kommend in den Gambier unseren ersten Landfall in Französisch Polynesien gemacht. Seitdem haben wir in der hiesigen Inselwelt über 2.700 Seemeilen zurückgelegt (zum Vergleich: unsere Atlantiküberquerung von den Kapverden in die Karibik war nur 2.200 Seemeilen lang). Von den Gambier aus sind wir Ende April in den Marquesas angekommen, Mitte Juni dann in den Tuamotus. Einen guten Monat später waren wir dann auf Tahiti erstmals in den Gesellschaftsinseln. Jetzt im November ging’s zurück in die Tuamotus, die wir diesen Winter noch näher erkunden wollen. Wir üben uns in Langsamkeit, fühlt sich fast wie Urlaub an.

Das heißt aber keinesfalls, dass es nicht anstrengend wäre. Ganz im Gegenteil, so viel sportliche Aktivität wie auf Tikehau habe ich schon ziemlich lange nicht mehr entfaltet. Die Verhältnisse hier sind derzeit ideal, um Wingfoilen zu trainieren. Der Wind bläst meist mit 15 bis 20 Knoten und die Wellen halten sich an unserem Ankerplatz hinter dem Riff in Grenzen. Ralph von der Lille Venn ist mit unglaublicher Geduld, großem zeitlichen Einsatz und ruhigen, analytischen Korrekturtips eine unschätzbare Hilfe. Fast immer können wir vormittags und nachmittags jeweils mehrstündige Trainingseinheiten machen (zwischendurch bin ich oft so fertig, dass ich einen Mittagsschlaf brauche). Aber ich will! Ingo hatte mir ja diesbezüglich eine Mischung aus Ungeduld und Ehrgeiz attestiert und damit hat er wohl nicht ganz Unrecht. Immerhin, es zeigen sich auch erste Erfolge.

Ralph mit grünem, Ralf mit blauem Wing, Foto courtesy Jill, S/V Gerty.

Einen Nachmittag machen wir “frei”. Mit den Dinghies fahren die Crews (Lille Venn, My Motu, Gerty und Flora) zunächst zum Lunch in ein kleines Ressort auf einem nahen Motu.

Danach geht’s noch ein Stückchen weiter bis in das Örtchen Tikehau in der Südwestecke des Atolls. Baguette beim Bäcker gibt’s leider nicht, das Versorgungsschiff hat diesmal kein Mehl gebracht. Auch das Angebot im kleinen Magasin (maximal 5 Personen gleichzeitig im Laden erlaubt) ist sehr übersichtlich. Immerhin gibt’s Eiscreme, nehmen wir bei den fast durchgängigen 28° natürlich gerne.

Wir bummeln die Dorfstraße herunter, biegen dann ab zur Außenseite des Riffes. Noch weiter bis zum Flughafen und schon geht’s wieder zurück zu den Dinghies im gut geschützten kleinen Hafen an der Lagune.

Am nächsten Mittag verholen wir unsere Boote dann im Konvoi weiter in den Osten des Atolls. Platz gibt es reichlich. So legt sich die Gerty (Jill und Michael sind Kiter) vor eine vergleichsweise kahle Stelle im Riff, wo wenig Bewuchs den Wind verwirbelt. Wir anderen drei Boote dagegen suchen uns ein Plätzchen hinter Palmen. Das ist auch für Wiebke zum Standup-Paddeln angenehmer.

Und schön ist es auch, selbst wenn die Spielzeuge noch auf Floras Laufdeck gestapelt sind.

😉

Nochmal Nemo, die blaue Rinne von Huahine und zurück nach Tahiti

Der Ankerplatz in der Baie d’ Avea ähnelt einer maritimen Sackgasse mit Wendehammer. So können wir mit Dinghy oder Paddelboard wunderbar zum Schnorcheln ins südliche Flachwassergebiet mit vielen Bommies fahren.

Allerdings sind die Korallen der Unterwasserlandschaft nicht eben berauschend, es gibt viele graue Bereiche mit eher grobem Korallenschutt, aus denen gelegentlich lebendige Bommies herausragen. Wo das so ist, findet sich dann aber gleich auch Fisch.

Was das Schnorcheln hier allerdings ganz besonders macht, ist die ungewöhnliche Dichte an Anemonen und damit auch an “Nemo”-Anemonenfischen. Haben wir so noch nirgends gesehen.

Das gilt insbesondere für den Bereich nahe unter Land vor der Südwestspitze von Huahine, wo der Schwell von einer besonders breiten Flachwasserzone hinter dem Riff abgehalten wird.

Das schützt natürlich auch unseren Ankerplatz, da nehmen wir die sieben Seemeilen Anfahrt in die Sackgasse gern in Kauf.

So geht’s denn natürlich die gleiche Strecke auch wieder zurück durch die blaue Rinne, bevor wir durch den Pass wieder in den offenen Ozean hinausfahren. Eine Übernachtfahrt nach Tahiti steht an. Zum einen kann ich dort meine neue Drohne in Empfang nehmen (Maggie und Scott habe die dankenswerterweise aus Kanada mitgebracht). Zum anderen sieht es so aus, als wenn das Wetterfenster für die Fahrt nach Tikehau in den Tuamutus durch diesen Zwischenschritt ein bisschen günstiger wird.

Zwar ist der Anfang des Törns etwas schwachwindiger als vorhergesagt, aber dann wird es doch noch wunderschönes Segeln durch die Nacht mit Sonnenaufgang über Moorea und Tahiti.