Um das zu verwirklichen, ist der nächste Schritt von Crescent City aus ein etwa zwei Tage (und zwei Nächte) dauernder Törn um Kap Mendocino herum zur Drakes Bay. Wir nehmen in Kauf, dass wir eventuell einen größeren Teil davon unter Motor zurücklegen müssen. Aber wir haben Glück mit dem für seine Starkwinde bekannten Kap Mendocino, doppeltes Glück sogar: zunächst einmal begleiten uns bei spiegelglattem Wasser Pazifische Weißstreifendelfine (mit Kussmund-Zeichnung) um das Kap …
… und dann setzt kurze Zeit später segelbarer Wind ein. Eine Zeitlang fahren wir den Gennaker, die “Joy” unserer Segelfreunde Arianne und Michiel lüftet sogar das Besanstagsegel ihrer Contest 38 und fährt damit gleich vier Segel gleichzeitig:
Der Wind wird uns für den Rest des Törns nicht mehr verlassen, sondern entgegen der ursprünglichen Vorhersage weiter zunehmen, die bunte Pracht weicht also schon bald gerefften weißen Tüchern.
In die Ankerbucht der Drakes Bay laufen wir nach dem rund 40 Stunden dauernden Törn fast zeitgleich ein. Ein paar Stunden später gesellt sich die “Fidelis” von Jeanette und Jeroen dazu. Witzig, alle drei Yachten haben zusammen in Campbell River überwintert.
Der Stop in Drakes Bay gibt uns Gelegenheit auszuschlafen und den nur knapp 30 sm langen verbleibenden Schlag nach San Francisco mit mitlaufender Tide zu gestalten. Jeder kalkuliert ein bisschen anders: als wir Anker auf gehen, ist die Joy schon 6 sm voraus. Die Fidelis wiederum lässt uns einen ähnlichen Vorsprung.
Wir können segeln, aber zunächst löst sich die tief hängende Wolkendecke nur sehr zögerlich auf.
Am Point Bonita Lighthouse vorbei, der erste Blick auf die Golden Gate Bridge. Die Spitzen der Pfeiler sind noch in den tiefhängenden Wolken (oder ist es Hochnebel) verborgen.
Aber dann reißt der Himmel immer mehr auf, Gänsehaut, wir passieren die Golden Gate Bridge:
Nach der ersten vorsichtigen Durchfahrt unter Motor drehen wir gleich wieder um, nehmen die Segel hoch. Bei dem Wetter, das können wir doch jetzt auch unter Segeln genießen. Wir kreuzen wieder zurück. Wiebke hat pünktlich für San Francisco ihren Sommer-Pullover fertig gestrickt (mit Blumenmuster, wenn wir schon keine Blumen im Haar tragen).
Passt doch!
Und jetzt kommt auch die Fidelis an, wie wir zunächst unter Motor. Sie machen Fotos von der ihnen entgegen segelnden Flora …
…, drehen dann um, nehmen die Tücher hoch und lassen sich von uns vor der Golden Gate Bridge fotografieren:
Nach der Fotosession geht’s gemeinsam zum Ankerplatz im Aquatic Parc, ganz nahe am historischen Zentrum von San Francisco gelegen und mit Blick auf die Gefängnisinsel Alcatraz. Eigentlich eine Badebucht mit Sandstrand und mehreren Schwimmclubs, aber nach Online-Reservierung unter http://www.recreation.gov können wir hier für fünf Nächte direkt in der Stadt ankern.
Nun also Großstadt. Nach gut einem Jahr Segeln durch die größtenteils nur spärlich besiedelten Gebiete von Alaska und British Columbia laufen wir mit der Flora in Victoria ein. Hauptstadt der kanadischen Provinz British Columbia, Sitz des Parlaments, internationaler Fährhafen und Kreuzfahrt-Terminal.
Und doch: Großstadt ist schon ein bisschen geschummelt. Victoria selbst hat nur rund 80.000 Einwohner im eigentlichen Stadtgebiet, die Metropolregion Greater Victoria kommt aber auf fast 400.000.
Für uns fast ein Kulturschock: mehr Einwohner als Seeotter! 😊
Die Einfahrt mit Flora erfordert denn auch eine andere Art von umsichtiger Navigation. Statt Kelpfeldern auszuweichen sind Fahrwassertonnen zu beachten, wie wir sie bisher noch überhaupt nicht hatten: gelbe Bojen markieren den Trennstreifen für ein- bzw. ausfahrende Yachten, sie sind eng an Backbord zu lassen. Dahinter ist zwar reichlich Platz, aber das ist die Start- und Landebahn für die vielen Wasserflugzeuge, die sich ihre Runway zudem mit den Fähren teilen müssen. Die “Coho” pendelt zwischen dem US-Amerikanischen Port Angeles und Victoria, sie macht im inneren Hafen jenseits der Engstelle fest und muss zu Ausfahrt in diesem Becken auch noch drehen. Als wäre das alles noch nicht genug, flitzen noch reichlich kleine Hafenfähren wie Busse zwischen den verschiedenen Anlegern hin und her, Whalewatchingschiffe und Whalewatching-Zodiacs, außerdem eine Vielzahl von knuffigen Wassertaxis.
Der Revierführer Waggoner warnt: “HEAVY TRAFFIC”, “USE CAUTION”.
Aber da müssen wir durch, denn wir haben einen Platz in der Causeway Marina, ganz drinnen im inneren Hafen.
Und was für ein Platz. In der ersten Reihe, direkt vor dem “Empress”, dem wie ein Loire-Schloss gestalteten Grand Hotel im Stadtzentrum.
Vom Cockpit aus beobachten wir die Menschen (gefühlt: -massen), die zwischen uns und dem Hotel auf der Promenade bummeln, sich von Gauklern, Predigern und Souvenirsverkäufern unterhalten lassen und dann am Ufer weiter zum um die Ecke liegenden Parlament schlendern.
Erstaunlich: vor dem Parlament der einzige von einem Loon gekrönte Totempfahl, den wir bisher gesehen haben. Loon, der Seetaucher, der auch die 1$-Münze (=Loonie) ziert. Loon bedeutet im englischen allerdings auch “Blödmann”. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Auch erstaunlich: das Parlament ist nachts so beleuchtet, dass wir das bei unserem landseitigen Besuch im Winter fälschlich für Weihnachtsillumination gehalten hatten.
Aus dem Bootsfenster. Nachts darf es regnen.
Die schöne Innenstadt erscheint englisch, gar “viktorianisch” (konnte nicht widerstehen). Downtown steht unter Denkmalschutz. Schon früh wurden die Geschäftsgebäude in Stein errichtet, Wohnhäuser dagegen in Holz. Aber was heißt früh? Das älteste noch am ursprünglichen Errichtungsort stehende Gebäude der Region ist das Wohnhaus des deutschstämmigen Arztes John Sebastian Helmcken, dessen ältester Teil 1853 errichtet wurde. Helmcken erlangte Bekanntheit vor allem dadurch, dass er die Bedingungen für den Beitritt British Columbias zu Kanada sehr geschickt verhandelte und dabei auch den Bau einer transkontinentalen Eisenbahnlinie zur Voraussetzung machte.
Sein Wohnhaus ist heute Teil des “Royal British Columbia Museum”. Von dem sind wir allerdings etwas enttäuscht. Naturkunde mit überwiegendem Dinosaurier-Anteil, der “Human”-Teil derzeit geschlossen. In einem Schaufenster diverse Totems. Draußen ein Langhans und weitere Totems verschiedener First Nations, leider ohne sinnvolle Beschriftungen oder Erläuterungen. Schade. Da war das sehr gute Museum in Campbell River deutlich aufschlussreicher.
Sprachlos.
Was wir in Helmckens Haus nicht erzählt bekommen, aber später nachlesen: der Mediziner hat einen wesentlichen Anteil daran, dass die verheerende Pocken-Epidemie von 1862 die in Victoria heimische Songhee-Nation weit weniger heimsuchte als andere Nationen. Mehrere hundert Songhee ließen sich von Helmcken impfen.
Teil des touristischen Pflichtprogramms in Victoria ist “Fisherman’s Warf”. Ein paar Fischerboote liegen tatsächlich noch an den Stegen, aber deshalb kommt kaum jemand hierher. Anziehungskraft haben eher die vielen bunten Hausboote und die – wie Food Trucks, nur eben zu Wasser – schwimmenden Imbissbuden am Rand. Einige der Hausboote sind auf Airbnb verfügbar, die Bewohner werden von den vielen Wassertaxis aber ordentlich durchgeschüttelt.
Wir bleiben noch in Victoria, verlegen uns aber in einen Außenbezirk und ankern außerhalb des Bojenfeldes in der von Villen gesäumten Cadboro Bay vor dem Royal Victoria Yachtclub. Auch belebt, aber ganz anders. Die Mittwochsregatta des Clubs findet draußen vor der Bucht statt und die Ausbildungsabteilung ist ebenfalls ziemlich aktiv: Optis, 420er, 470er und einige andere segeln um uns Ankerlieger herum, ein Feld der 2.4-Klasse ist mit ihren Foliensegeln unterwegs.
Verwöhn-Segeln, Flauten-Motoren, 2. Reff im Nebel. Die Küste mal schroff, mal lieblich, mal mit Sandstrand, mal mit skurriler Felsen-Landschaft. Grün und Grau. Inselwirrwarr, schnuckelige kleine Orte oder jetzt gerade die Großstadt Victoria.
Gemeinsam mit Floras Buddyboat, der SolarCoaster, machen wir die Runde um Vancouver Island komplett. Auf Noforeignland sieht unser (engerer) Track um die große Insel jetzt so aus:
Seit wir Ende April in Campbell River wieder losgefahren sind, haben wir 1.688 weitere Seemeilen in British Columbia geloggt. So langsam naht der Abschied aus Kanada, aber ein paar Wochen sind es noch. In der ersten Augustwoche ist noch ein kurzer Werftaufenthalt geplant. Ein paar Seeventile sollen getauscht und das Unterwasserschiff fit für die Fahrt nach Süden gemacht werden.
Aber noch ist es nicht ganz so weit.
Seit Hot Spring Cove haben wir noch einmal die ganze Vielfalt der wilden Westküste genießen können. Erst einmal zieht es uns wieder tief hinein in die Insel. Wir segeln in das Shelter Inlet. Dieser Fjord führt hinter Flores Island herum und versteckt ganz an seinem Nordende die schmale und erst aus der Nähe überhaupt erkennbare Einfahrt in die Bacchante Bay. Spektakulär mit ihren steilen Gebirgsflanken und den vom Logging verschonten Wälder (Strathcona Provincial Park).
Das ausgedehnte Flach im Scheitel der Bucht ist das Delta des Watta Creek. Wir erkunden ihn ein ganzes Stück mit dem Dinghy, bis das steinige Bachbett einfach zu flach wird.
Am nächsten Morgen gehts mal wieder früh raus. Wir wollen durch die Sulphur Passage östlich an Obstruction Island vorbei, das geht nur um Stillwasser herum. Wie so oft herrscht am frühen Morgen absolute Flaute. Landschaft und Wolken verdoppeln sich im Spiegel des Wassers.
Die Passage selbst ist tief, es macht also nichts aus, dass es Niedrigwasser-Still ist, sondern bietet eher den Vorteil, die sonst überspülten Felsen rechts und links des Fahrwassers erkennen zu können und durch das aufschwimmende Kelp die schmale Rinne gut sichtbar markiert zu finden.
Nachdem die Engstellen passiert sind, geht es 10 Meilen den Millar Channel hinunter, bevor wir uns bei Vargas Island um Flachstellen und Felseninseln herum in den offenen Pazifik manövrieren können. Hier wechseln sich schroffen Steinküste und ausgedehnte Sandstrände ab, während im Hintergrund schneebedeckte Berge das Panorama bilden.
Unter Gennaker segeln wir an der Küste hinunter – traumhaft der Blick auf den Gebirgszug.
Wir lassen Tofino, dass wir ja schon von Land aus besucht hatten, an Backbord liegen. Ebenso den berühmten Ganzjahres-Kaltwasser-Surferstrand Long Beach. Unser Ziel ist das etwas südlicher gelegene und weniger touristische Ucluelet.
Der tägliche Weißkopfseeadler. In Ucluelet einer von ziemlich vielen.
Genau richtig, um im Supermarkt mal wieder die Frisch-Vorräte aufzustocken und am nächsten Tag vor der Abfahrt noch einen schönen Hike auf einem Teil des West Pacific Trail zu unternehmen.
Fischotterweibchen mit Jungtier
Danach dann aber flott los: der Nebel hat sich aufgelöst. Wind ist allerdings fast keiner, unter Motor fahren wir in Richtung der Broken Island Group.
Die Broken Islands bieten reichlich geschützte Ankerplätze, allerdings auch ein Gewirr von einigen passierbaren und vielen nur für Kayaks geeigneten Passagen. Wirklich ein Labyrinth.
Am Ankerplatz treffen wir auf die „New Era“, Freunde von Melanie und Steve, die aus Port Alberni mit ihrem kleinen Motorboot hier her gekommen sind. Gemeinsam verbringen wir den Abend auf der SolarCoaster und verabreden uns für den nächsten Tag im nur wenige Meilen entfernten Bamfield. Sehr gut: bevor wir hineinkommen, angeln wir uns einmal mehr Lachs: zwei (allerdings etwas kleinere) Spring-Salmon gehen an den Haken. In Bamfield macht dann die Crew der New Era den Tourguide, Liz und Darren nehmen uns mit auf den Hike durch den schmucken Ort, weiter zum Brady Beach mit seinen imposanten Felsformationen und dem herrlichen Sandstränden. Danach ist ein Tisch im einzigen Restaurant am Ort reserviert und zum Abschluss gibts Cocktails und „Nanaimo-Bar“ Nachtisch bei Liz und Darren. Wir werden rundum verwöhnt.
Dann folgt wieder einmal Nebel-Segeln. Mal licht, mal dichter. Aber immerhin müssen wir auf dem Weg nach Port Renfrew die Maschine ganz überwiegend nicht einsetzen.
Port Renfrew ist hauptsächlich auf kleine Motorboote ausgerichtet, aber für uns Segler findet sich am äußeren Steg auch noch ein Plätzchen. Das Bild des leeren Hafens täuscht, als wir zu unserer Wanderung aufbrechen wollen, sind die Angelboote alle schon ausgelaufen.
Wir haben Glück, Hafenmeister Simon fährt uns mit seinem Auto die 4 km zum Juan de Fuca Park und holt uns sogar wieder ab. So können wir die geologischen Besonderheiten dort in aller Ruhe erwandern. Im Tidenbereich finden sich unzählige Pools, die wie Aquarien in der Felslandschaft wirken. Bei Abfahrt vom Hafen scheint die Sonne, hier aber sorgt Nebel für eine ganz besondere Stimmung.
Als wir gegen Mittag zurück im Hafen ankommen, hat auch hier der Nebel Einzug gehalten. Unter Radar segeln wir aus der Bucht heraus, denn trotz Nebel weht es ordentlich.
Ziel ist die Becher Bay an der Südspitze von Vancouver Island, rund 40 Meilen weiter im Westen, wir können also den Wind ganz gut gebrauchen, denn wegen der Tide in der Streit of Juan de Fuca können wir erst am frühen Nachmittag aufbrechen. Zum Glück lichtet sich der Nebel nach ein paar Stunden, vor dem Wind rauschen wir dahin.
Am Abend erwartet uns am Ankerplatz eine Überraschung: Melanie hat an unseren 24. Hochzeitstag gedacht und verwöhnt uns mit einer Apple Pie.
Bei der Weiterfahrt nach Victoria bleiben wir heute von dem hier so häufigen Nebel sogar ganz verschont. Nur drüben auf der amerikanischen Seite der Strait zeigt sich etwas Hochnebel.
Und jetzt: zur Abwechslung mal Großstadt. Wir sind gespannt auf Victoria.
So auch jetzt wieder in der Hot Springs Cove an der Westküste von Vancouver Island. Wunderschön ist schon der etwa 2 Kilometer lange “Boardwalk” durch den Regenwald, der vom Dinghysteg am Ankerplatz zu den heißen Quellen führt.
Nur vier Boote ankern in der Bucht und die von Tofino und anderen Orten herüber kommenden Tourboote haben jetzt am späten Nachmittag alle schon wieder den Heimweg angetreten. Die Crew des einen Bootes kommt uns auf der Wanderung durch den “Old-Growth-Rainforrest” entgegen.
Wir müssen uns das Entspannungsbad ein bisschen erarbeiten, der liebevoll angelegte Bohlenweg geht oft treppauf und treppab. Aber er schlängelt sich eben auch um die zum Teil Jahrhunderte alten Zedern und Fichten herum, bietet Ausblicke auf die Bucht und führt oft auf Stelzen über die Unterholz- und Farnlandschaft mit mal felsigen, mal sumpfigen Abschnitten. Am Ende geht es auf einer Brücke über den dampfenden Bach, in dem das an der Quelle etwa 50 Grad heiße Wasser in Richtung Küste fließt und nur leicht schwefelig zu uns hinauf dampft.
Foto: Melanie, S/V SolarCoaster
Als wir ankommen, verlässt gerade der letzte Benutzer die Becken. Fein, so haben wir Crews von SolarCoaster und Flora dieses kleine Naturwunder ganz für uns.
Was die heißen Quellen hier in Hotspring Cove besonders macht: zum einen: die Quellen sind WIEDER heiß. Nach einem Erdbeben ohne größere berichtete Schäden (4,8 auf der Richterskala) am 7. Januar 2015 waren sie zwischenzeitlich erkaltet, wenn auch nur für ein paar Tage. Ähnliches gilt allerdings auch für die Quellen von Hot Spring Island auf Haida Gwaii, die nach dem heftigen Erdbeeren (7,7 auf der Richter-Skala) vom 27. Oktober 2012 sogar für mehrere Jahre kalt blieben und nur ganz langsam wieder dem Inselnamen Ehre machten.
Zum zweiten fächert sich der Bach auf und fließt auf einige Meter breiter Front über eine Klippe in eine Felsspalte hinab, bevor er dann über mehrere kleine Becken weiter in Kaskaden ins Meer fließt. Wir können also erst einmal unter der Felsenklippe heiß duschen und uns dann in einem der drei Becken bei Badewannentemperatur so richtig einweichen.
Ein dritter Punkt: auch die Becken sind natürlich, wurden nicht extra angelegt um das Wasser aufzustauen, sondern ergeben sich aus dem Verlauf der Felsspalte in Richtung Meer (welches noch dazu im Hintergrund an die unteren Felsen brandet).
Ein tolles Erlebnis. Wir bleiben so lange, dass die Sonne schon tief steht als wir in der rustikalen Umkleide wieder in unsere Klamotten schlüpfen.
Als wir am nächsten Morgen den Ankerplatz verlassen, liegen bereits zwei Tourboote am Steg. Timing ist alles.
Es ist einfach zu verlockend. Kaum 7 sm sind wir von Walters Cove aus gefahren, da stoppen wir die Flora schon wieder. Der Anker fällt in der Nordbucht von Rugged Point vor zwei Sandstränden. Der Platz ist nicht sonderlich gut geschützt, aber bei dem ruhigen Wetter reicht es allemal für einen Zwischenstopp und einen ausgedehnten Hike über die Halbinsel zu den langen weißen Sandstränden der Südbuchten.
Das Anlanden klappt diesmal gut …
Chris kombiniert Schuhe anziehen mit Yoga
… und der Hike durch den Wald und die kleinen Trennstücke zwischen den Felsen ist zwar mitunter steil, dann aber mit Kletterhilfen versehen, denn der Trail liegt in einem “Provincial Park”
Der Spaziergang am Strand bietet dann sogar noch eine Ballettvorführung der Strandläufer 😉
Da müssen sich die Fotografen für die beste Perspektive allerdings ein bisschen ins Zeug legen …
Dann heißt es Weitersegeln, denn für die Nacht haben wir uns die deutlich besser geschützte Queen Cove als Ankerplatz ausgesucht.
Von dort aus geht’s am nächsten Morgen nördlich durch die schmalen aber unproblematischen Tahsis Narrows um Nootka Island herum. Ein Kaffee-Stop im Princess-Channel …
… und dann weiter zur Friendly Cove im Südwesten von Nootka Island.
Wer sich mit der Geschichte von British Columbia beschäftigt, wird auf jeden Fall über diesen ganz besonderen Ankerplatz stolpern. Denn dies ist der Schauplatz der “Nootka Sound Controversy”, bei der ab 1789 die konkurrierenden Ansprüche der Briten und der Spanier hinsichtlich des amerikanischen Nordwestens beinahe zu einem Krieg dieser damaligen Großmächte geführt hätten. Die Spanier hatten hier in der “Friendly Cove” unfreundlicherweise mehrere britische Handelsschiffe beschlagnahmt. Beide Seiten machten Ihre Flotten klar. Der Krieg wurde dann doch knapp vermieden.Vermutlich insbesondere weil Spaniens Verbündeter Frankreich nach ersten Zusagen deutlich machte, dass er Spanien doch nicht bei einem solchen Krieg unterstützen würde (wegen der französischen Revolution war man gerade anderweitig beschäftigt) willigten die Spanier dann allerdings in Verhandlungen ein.
Die anschließenden Verträge führen zwar formal nicht dazu, dass eine der Parteien auf ihre Gebietsansprüche verzichtet, faktisch aber setzen die Briten ihre wesentlichen wirtschaftlichen und politischen Interessen durch und ebneten damit den Weg für ihren weiteren Einfluss im heutigen westlichen Kanada.
Ebenfalls historisch: bereits in diesen frühen Zeiten des Kontakts zwischen den Europäern und den hier lebenden Nuu-chah-nulth First Nation kommt es sowohl zu intensiven Handelskontakten als auch zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit Massakern, Geiselnahmen und Versklavungen.
Am Yuquot Point auf der Südwestspitze von Nootka steht eine (in den 1990er Jahren entwidmete) ehemals katholische Kirche.
Zu Zeiten der Franco-Diktatur schenkten die Spanier der (indigenen) Gemeinde Glasfenster, die an die hier erfolgte Unterzeichnung der Nootka-Verträge (mit Nuu-chah-nulth als Zuschauern) und an die Bekehrung der Indigenen zum Christentum erinnern.
Interessant zu sehen, dass diese Fenster unversehrt erhalten geblieben sind, obwohl die ehemalige Kirche inzwischen mit kunstvoll geschnitztem Donnervogel, zweiköpfiger Schlange, Wal und Totempfählen für anderweitige Nutzung ausgestattet ist, was dem missionierenden Priester wohl kaum gefallen hätte. Umgekehrt lässt es sich scheinbar besser vereinbaren.
Noch etwas näher am Ankerplatz findet sich ein anderes interessantes Gebäude, der Nootka-Leuchtturm .
Er ist einer von 26 noch bemannten Leuchttürmen und so treffen wir auf den Leuchtturmwärter Doug und seine als “Assistent lighthouse keeper” ebenfalls fest angestellte Ehefrau Donna. Seit sechs Jahren betreuen die beiden das Nootka Lighthouse. Sie freuen sich über unseren Besuch und bestätigen, dass wir Segler gerne über Funk (Kanal 82a) beim Leuchtturm z.B. das tatsächliche Wetter vor Ort abfragen dürfen. Die Handfunke ist auch immer greifbar, während uns die beiden ihren Leuchtturm erklären, zeigen und geduldig unsere Fragen beantworten.
Unfassbar: die winzig kleine Glühbirne in seiner Hand ist tatsächlich das einzeln angefertigte Original-Leuchtmittel, dass für eine Erkennbarkeit des Leuchtturms aus 18sm Entfernung (Tragweite) sorgt.
Nachdem wir uns im Gästebuch eingetragen haben, sehen wir vom Leuchtturmgelände aus, wie unter uns in der Bucht ein Wasserflugzeug landet. Doug erklärt, das es Wanderer vom Endpunkt des Nootka-Trail abholt. Dieser Wanderweg führt 37 km an und in der Nähe der Westküste von Nootka entlang. Typischerweise wird dieser Hike in 4 bis 7 Tagen zurückgelegt, was dem nicht ganz einfachen Gelände an der Küste und im Regenwald geschuldet ist (manche Teilstrecken am Strand sind auch nur bei Niedrigwasser passierbar).
Tja, und dann saust das Wasserflugzeug wieder los, unmittelbar an der Flora vorbei:
Hm. Das ist dann (für unseren Geschmack) auch ganz schön knapp 😅.
Wir laufen das kleine Archipel der Bunsby Islands am Ausgang des Ououkinish Inlets an und ankern dort in der Scow Bay. Die Wolken haben sich komplett verzogen, jenseits der recht flachen Inselgruppe sind die weit höheren Berge von Vancouver Island sichtbar.
Bei dem Traumwetter erkunden wir mit unserem Dinghy ausführlich einige der zahlreichen geschützten aber zum Teil flachen Buchten und fahren auch ans Südende der Inselgruppe, wo ein Gewirr von Felsen vorgelagert ist.
Jetzt, bei eher niedrigem Wasserstand, kann man um die auftauchenden wie auch die überspült bleibenden Felsen herum jede Menge Kelp sehen. Zwischen dessen langen Stengeln und Blättern fahren wir Slalom.
Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn die Kelpwälder erholen sich immer noch, wachsen erst langsam wieder zu alter Größe heran. Dabei sind sie nicht nur eine praktische Segler-Warnung vor Unterwasserfelsen, sondern auch eine wichtige Kinderstube für viele Fischarten und sie tragen zum Küstenschutz bei.
Wir hatten gehofft, den Grund für ihre Rückkehr auf unserer Dinghytour zu sehen, aber nein, erst zurück am Ankerplatz zeigt sich uns der erste Seeotter. Der lässt sich dafür in aller Ruhe ganz in der Nähe auf dem Rücken treiben, taucht gelegentlich ab und kommt dann mit einer Muschel, einem Krebs oder einem Seeigel zurück an die Oberfläche, wo er sein Mahl – wieder auf dem Rücken treibend – verspeist. Auch Seeotter sind keine Selbstverständlichkeit hier, sie waren in Kanada jahrzehntelang ausgestorben. Ursprünglich zahlreich, wurden sie in der Folge von Vitus Berings Expedition nach Alaska ab 1741 wegen ihres dichten weichen Pelzes für die nächsten 150 Jahre gnadenlos bejagt und bis auf wenige Rückzugsgebiete fast vollständig ausgerottet. 1911 gab es weltweit geschätzt nur noch 1.000 bis 2.000 Exemplare – zum Vergleich: allein in Alaska sollen bis dahin über 800.000 dieser Tiere getötet worden sein. Dann aber unterzeichneten Russland, die USA und Großbritannien (als Kolonialmacht für Kanada) ein Schutzabkommen. In der Folge erholten sich die Bestände langsam.
In Kanada blieben die Otter jedoch praktisch ausgestorben, bis ab 1969 insgesamt 89 Seeotter in Alaska gefangen und hier auf den Bunsby Islands freigelassen wurden. Sie vermehrten sich prächtig und dezimierten dabei die völlig aus dem Ruder gelaufene Zahl der Seeigel, die wiederum zuvor die Kelpwälder fast kahl gefressen hatten. Die im Bunsby-Archipel freigesetzten Seeotter haben sich im weiteren Verlauf zur Keimzelle für die Erholung des Seeotterbestandes in ganz British Columbia entwickelt.
Und so können wir zum Glück wieder häufiger die putzigen und intelligenten Rückenschwimmer bewundern:
Der Ort Winter Harbour mit seinen 17 ganzjährigen Bewohnern bietet uns Gelegenheit, mal wieder den Dieseltank zu füllen, in der kleinen Hafen-Laundry Waschmaschine und Trockner zu nutzen und uns beim Spaziergang auf dem schönen Boardwalk am Ufer entlang die Beine zu vertreten.
Außer für die paar “verirrten“ Segler ist Winter Harbour aber vor allem ein Anlaufpunkt für viele Angler. Der Ort ist – wenn auch nur über Schotterstraßen und anschließende “Dirt-Tracks” mit dem ausgebauten Straßennetz an der Ostküste von Vancouver Island verbunden, Leidensfähige können ihr Angelboote also nach Winter Harbour trailern. Oder aber die Straßenanbindung von Port Alice und den tief ins Landesinnere einschneidenden Quatsino Sound nutzen, um rund dreißig Seemeilen mit dem Motorboot hier her zu flitzen. Oder einfach in einer der Angel-Lodges ein Boot mieten. Wie dem auch sei: Angeln wird hier sehr groß geschrieben, speziell jetzt zur Lachs-Saison.
Das motiviert uns in dieser Gegend ebenfalls “auf Lachs zu gehen”, also gaaaanz langsam mit nur 2 bis 3 kn Fahrt zu trollen und dabei die Leine mit Blei oder “sinker”auf Tiefe zu bringen.
Mit Erfolg: ein schöner Coho geht uns an den Haken, unser erster in Kanada:
Gemeinsam mit der Crew der SolarCoaster speisen wir also auf Flora fangfrischen Lachs (mit Zitronenrisotto und frisch gepflücktem Queller/Sea Asparagus). Die beiden überraschen uns dazu mit einer eigens gefertigten “Angeltrophäe”, noch dazu einer, die perfekt zum Lachs getrunken werden kann.
Und wir erkunden einige weitere schöne Ankerbuchten, machen einen wunderschönen Hike von der Columbia Cove hinüber zum langen Sandstrand, schlängeln uns mit unseren Booten durch die schmale Zufahrt mit steil aufragenden Klippen in das Klaskish Basin:
Foto courtesy Chris, S/V SolarCoaster
Hier treffen wir auch zum ersten Mal auf den Vogel, dessen Namen wir schon so oft gehört haben: den Loon. Sein Abbild ziert nämlich die kanadische 1$-Münze, die deshalb gemeinhin als “Loonie” bezeichnet wird (und die wir z.B. für die Wäscherei brauchen). Jetzt, zur Balzzeit, schwimmt der auf deutsch als Eistaucher bezeichnete Vogel uns im Prachtkleid vor die Linse:
Das freut uns, sehr sogar. Aber sogar noch mehr begeistert uns ein anderer Vogel. Als wir nämlich bei ungewöhnlich ruhigen Bedingungen das berüchtigte Cape Cook an der Spitze der Brooks Peninsula umfahren, können wir an der vorgelagerten Seelöwen- und Vogelinsel Solander Island erstmals Puffins bewundern. Unsere Hoffnung auf Puffin-Sichtungen auf Haida Gwaii hatte sich leider nicht erfüllt, jetzt aber fliegen einige dieser “Papageitaucher” um uns herum.
Und neben anderen Seevögeln sehen wir hier wieder Nashornalke und auch Trottellummen:
Papageitaucher, Nashornalke und Trottellummen gehören zu den (nur auf der Nordhalbkugel vorkommenden) Alkenvögeln. Anders als die (mit Ausnahme von Galápagos) nur auf der Südhalbkugel vorkommenden Pinguine sind alle heute noch vorkommenden Alkenvogelarten flugfähig (der von den Menschen ausgerottete Riesenalk war es nicht). Mit ihren kurzen schmalen Flügeln wirken sie nicht wie elegante Flieger. Dafür aber können sie ihre Flügel unter Wasser beim Tauchen nach Fischen ungemein effektiv einsetzen. Auch ansonsten verbindet sie eine Menge mit den Pinguinen, obwohl sie eigentlich nicht sehr nahe miteinander verwandt sind. Das zumeist schwarz-weiße Erscheinungsbild, vor allem aber das an Land sehr aufrechte Stehen durch die weit hinten ansetzenden Beine und damit zusammenhängend der clownesk watschelnd oder fast torkelnd wirkende Gang. “Pinguine des Nordens”.
Die großen Stellersche Seelöwen sind auf diesen exponierten Felsen auch zahlreich vertreten, der prächtige Bulle in der Bildmitte ist wohl um die drei Meter lang und rund eine Tonne (sic!) schwer.
Spider Island Group. Auch wenn die Namensgebung vielleicht anders erfolgte, es braucht nicht viel Phantasie, um das Spinnennetz von Wasserwegen dieser Inselgruppe mit der Benennung in Verbindung zu bringen.
Allerdings: vieles, was wie eine Durchfahrt aussieht, ist viel zu flach und mit Unterwasserfelsen gespickt. Die Seekarte warnt: “entire area bottom irregular- many rocks”. Gut für das Rockfish-Angeln. Dennoch, manchmal scheinbar Spinnweb-dünn ziehen sich auch ausreichend tiefe, befahrbare Rinnen zwischen der Vielzahl von Inseln hindurch. Mal fast schnurgerade wie der Spitfire-Channel, meist aber gewunden wie der Braydon-Channel, den wir für die Durchfahrt nutzen. Und einige schöne Ankerplätze verbergen sich in dem Gewirr. Gemeinsam mit der Solar Coaster wählen wir den Hurricane Anchorage im Süden von Hurricane Island. Für die Drohnenaufnahmen musste jetzt unsere kleine Magic Mini II ran, die wir sonst hauptsächlich für Bilder unter Segeln und auf Wanderungen verwendet haben. Bin ziemlich froh über dieses Backup.
Das Kelp in der “Durchfahrt” im Vordergrund zeigt an: zu flach!Flora unterm Sternenzelt. Foto courtesy: Chris, S/V SolarCoaster
Nach der klaren Nacht warten wir erst einmal ab, bis sich der Morgennebel etwas hebt. Dann gehts aus der Spider Island Group heraus und unsere beiden Boote segeln weiter Richtung Süden nach Calvert Island.
Foto: Melanie & Chris, S/V SolarCoaster
Der Ankerplatz vor dem Hakai-Institut ist mit 15 Booten recht gut gefüllt, letzten Herbst hatte die Flora hier noch alleine gelegen.
Auf den Wanderwegen, die durch den Wald und an den Seen vorbei zu den verschiedenen Stränden führen ist aber von Andrang nichts zu spüren. Den großen Nordstrand haben wir vier sogar ganz für uns allein.
Und auch hier gibt’s wieder tierische Überraschungen: erst zeigt sich ein Flussotter …
… ein Diademhäher …
… und dann, zurückgekehrt zum Dinghydock, wimmelt es im Wasser plötzlich nur so von Kalmaren. Die etwa 15 cm langen Kopffüßer wuseln direkt am Steg herum.
Foto: Chris, S/V SolarCoaster
Melanie ist geistesgegenwärtig genug, ihre GoPro ins Wasser zu halten. Das Ergebnis: magisch!
Video courtesy: Melanie, S/V SolarCoaster
Heute dann ein knackiger Kreuzkurs den Fitz Hugh Sound hinunter bis zum Secure Anchorage bei den Maze Islets (Labyrinth-Inselchen). Passend benannt.
Auf der Fahrt nach Bella Bella machen wir noch in der Strom Cove Station. Der Ankerplatz liegt nahe am breiten Seaforth Channel. Zweimal sind wir hier schon vorbei gesegelt, diesmal bleiben wir über Nacht. Wir verziehen uns in die hintere Ecke. Dort liegen wir gut geschützt und mit Blick auf mehrere kleine Wiesen am Waldrand. Solche Ankerplätze haben den Vorteil, dass wir dort oft Wildleben beobachten können. Hier sind es diesmal zwar keine Bären oder Hirsche, dafür zeigen sich zwei Kanada-Kraniche und starten dann mit durchdringenden und so charakteristischen Schreien genau in unsere Richtung.
Und auch auf der Weiterfahrt am nächsten Morgen dauert es nicht lange bis zum ersten Stop. Gleich vor der Bucht liegt im sonst meist über hundert Meter tiefen Seaforth Channel eine Flachstelle. Wir lassen Flora treiben und angeln auf etwa 25 m. Unfassbar, zwei mal werfen wir die Angel aus, beide Male ist ein Kelp-Greenling dran, sobald wir die Leine vom Grund wieder ein bisschen aufgeholt haben.
Dann kann’s ja jetzt in den Hafen gehen. Am Leuchtturm Dryad Point motoren wir vorbei, ein weiteres Beispiel für die selbst an ganz abgelegenen Orten mit Leuchtturmwärtern besetzten, wunderbar in Schuss gehaltenen Leuchttürme hier in BC.
Im kleinen Resort-Hafen Shearwater tanken wir Diesel, waschen in der Hafen-Münzwäscherei unsere Wäsche, kaufen im überschaubaren Supermarkt schon etwas ein. Aber dann nehmen wir doch das Wassertaxi hinüber nach Bella Bella. Nördlich von Port Hardy gibt es in der Küstenregion auf den nächsten etwa 400 Kilometern (Luftlinie) bis Prince Rupert nur ganz wenige kleine Ortschaften. Sieht man von Bella Coola ab, das etwa 100 km den Fjord hinauf auf dem Festland von BC liegt und als einziger der kleinen Orte Straßenanbindung hat, bleiben nennenswert eigentlich nur Hartley Bay (knapp 200 Einwohner), Klemtu (etwa 500 Einwohner) und eben Bella Bella mit etwa 1.000 Einwohnern.
Der Empfang dort ist allerdings wenig herzlich.
Das Schild ist zwar nicht mehr gültig, aber offenbar hat es niemand für nötig befunden, es von der Anlegebrücke des Taxibootes zu entfernen. Und der Ort selbst wirkt dann auch trotz einiger Totems, eines bemalten Langhauses (mit Schild “closed”) und einiger weniger kleiner Läden nicht wirklich wie das “buzzing center”, als das es der Törnführer beschreibt. Immerhin, der Supermarkt in diesem “Hauptort” ist ordentlich sortiert, wir freuen uns, unsere Frische-Vorräte aufstocken zu können.
Sogar Rhabarber bekommen wir, daraus zaubert mir Wiebke Rhabarber-Baiser-Kuchen. 😋
Zurück nach Shearwater brauchen wir nicht mit dem Taxi-Boot zu fahren, Irene und Cress nehmen uns auf ihrer ChitChat mit. Die beiden sind Bekannte von unseren Segelfreunden Melanie und Chris (die ja noch etwas länger auf Haida Gwaii geblieben sind). Eileen und Cris holen uns später auch noch zum Sundowner auf der “Go Halainn” von Sharon und Blair ab, es wird ein netter Abend. Der Gegenbesuch am nächsten Morgen auf der Flora führt dann dazu, dass ich doch tatsächlich ein vielstimmiges “Happy Birthday” gesungen bekomme.
Unser nächster Ankerplatz ist Discovery Cove, nur einen Katzensprung weiter nördlich. Und trotzdem: er vermittelt das Gefühl völliger Abgeschiedenheit. Hinter der schmalen Einfahrt öffnet sich die Bucht wie zu einem Binnensee mit einer Vielzahl idyllischer, gut geschützter Ankerplätze. Wir sind trotzdem allein dort. Obwohl so nah bei Bella Bella, es ist doch ein bisschen abseits der ausgetretenen Wege. Nördlich nehmen die meisten Boote entweder die (innere) Passage durch den Finlayson Channel oder den (etwas offeneren) Weg durch den Laredo Sound. Nur wenige erkunden die Sackgassen der diversen Fjorde östlich dieser beiden Routen. Und das Wetter mit Nieselregen trägt sicher zusätzlich dazu bei, dass derzeit der ein oder andere Umweg vermieden wird.
Uns gefällt es hier. Und auch der folgende, gleich hinter den Troop Narrows gelegene Ankerplatz ist trotz des eher grauen Wetters wieder richtig schön, …
… besonders wenn bei dramatisch wolkenverhangenem dunklem Himmel der weit und breit einzige Sonnenstrahl genau den Weg zur Flora findet:
Nebel. Als wir um 5 Uhr morgens den Anker hochnehmen, bescheint das morgenwarme Licht der Sonne die Spitzen der Berge um die Ikeda Cove. Aber kaum streckt Flora ihre Bugnase aus der Bucht, wird die Sicht auf die Sonne von Nebel fast verschluckt, durch diffuses Licht hindurch ist sie kaum mehr als zu erahnen. Na gut, „patches of fog“ hatte der kanadische Wetterbericht angesagt. Also Radar an und durch. Immerhin ist genügend Wind für den Gennaker und so setzen wir die blaue Blase.
Der Gennaker soll uns helfen, die gut 100 sm über die Hecate Strait einigermaßen flott zu bewältigen, obwohl der Wind zumindest für die erste Hälfte eher schwach vorhergesagt ist.
Zunächst scheint sich die Sonne doch langsam durch das schwammige Grau zu brennen …
… aber: zu früh gefreut. Die Nebelsuppe wird wieder dichter und bleibt uns leider auch den ganzen Tag erhalten. Klamme feuchtkalte Luft auf der ganzen Passage.
Wenigstens stimmt die Windvorhersage. Abgesehen von einer guten Stunde Motorfahrt am Nachmittag reicht es durchgehend zum Segeln, gegen Abend frischt die Brise dann sogar etwas auf. Trotzdem, unseren Ankerplatz erreichen wir erst nach Mitternacht. Dass wir uns im Dunkel hinein tasten spielt eigentlich keine Rolle, der Nebel ist nämlich auch jetzt noch ziemlich dick. Sicht null, das Radar ist gefragt. Aber die Einfahrt in den schmalen Day Island Ankerplatz ist schnurgerade und damit kein großes Problem.
Heute empfängt uns auch nach langem Ausschlafen erst mal gleich wieder dunstiges Grau:
Aber anders als gestern setzt sich die Sonne dann durch. Als wir aus der Ankerbucht fahren, liegen (außer der direkt hinter uns) nur weit voraus auf unserem Weg noch eine Nebelbank, die sich als wir auf sie zu segeln immer weiter zurück zieht und schließlich ganz auflöst.