Mar Menor, Cartagena und das „Was soll DAS denn?“

Von Alicante aus wollen wir nach eigentlich direkt nach Cartagena. Allerdings bekommen wir auf unsere Onlinebuchung keine Rückmeldung und außerdem sind wir wegen der Einstellung des LiMa-Reglers auch etwas spät losgekommen.

Wir legen deshalb einen Zwischenstop im Mar Menor ein.

Das Mar Menor ist der größte Salzwasserbinnensee Europas, quasi eine Lagune, eine rund 23 km lange Nehrung trennt sie fast vollständig vom Mittelmeer ab. Da die Lagune zwar flach, aber eben doch auch mit größeren Segelbooten gut befahrbar ist, bietet sich nach einem schönen Segeltag ein Ankerstop hinter gut gegen den Ostwind schützenden Nehrung an. Die Einfahrt erfolgt etwas nördlich der Isla Grosa. Ein schmaler Tonnenstrich führt durch die Flachstellen zu einer alle zwei Stunden öffnenden Klappbrücke. Wir haben es ganz gut abgepasst und müssen im engen Kanal vor der Brücke nicht lange warten.

In der Lagune ist die Salzkonzentration mit 42 – 47 g/l noch einmal deutlich höher als im Mittelmeer (36 – 37 g/l), es hat deshalb eine ganz eigene Flora und Fauna. Ein unberührtes Naturparadies sollte man aber dennoch nicht erwarten. Wer bei der Nehrung an den Ringkøbing Fjord in Dänemark, die deutschen Bodden oder gar die hohen Dünen der Kurischen Nehrung denkt, wird bei der Annäherung hier ziemlich überrascht. „La Manga“ (der Ärmel), wie hier die Nehrung genannt wird, ist sehr dicht bebaut, überwiegend mit Hochhäusern. Es sieht ein bisschen aus wie der verzweifelte Versuch, Miami Beach zu kopieren, entwickelt aber leider keineswegs den gleichen Charme.

Dieses noch recht schmeichelhafte Bild zeigt unseren Ankerplatz:

Und ja, wir ankern wirklich so weit weg, näher am Strand ist es zu flach. Trotzdem wird die Nacht ruhig, es gibt hier weniger Schwell als im Hafen von Alicante. Das eigentlich geplante Baden in der Salzlake fällt dennoch aus. Wir sind noch das wunderbare klare Wasser unserer letzten Ankerplätze gewohnt, hier aber kann man keinen halben Meter tief in die schlammige Brühe schauen.

Und deshalb geht’s am nächsten Morgen auch mit der ersten Brückenöffnung weiter, die E-Mail-Reservierung im Hafen Cartagena für die nächste Nacht hat geklappt. Es wird wieder ein schöner Segeltag (feines Geburtstagsgeschenk für Wiebke) und wir machen im gut geschützten Hafen fast direkt neben der Blue Monde fest, ebenfalls eine HR 43 MK II und somit Floras Zwillingsschwester. Noch bevor wir richtig eingecheckt haben, schnacken wir uns bei einem anderen Bootsnachbarn fest , Tom von der Swan 47 Kalteface. Nett. Wie auch Cartagena selbst, das wir uns mal wieder durch unstrukturiertes Draufloslaufen erschließen.

Vor allem überrascht uns dabei die Dichte der erhaltenen architektonischen Relikte der Vergangenheit dieser von den Karthagern gegründeten und von den Römern zu großer Blüte geführten Stadt.

Hier könnte man eigentlich noch etwas bleiben und dann Mitte nächster Woche weiter in Richtung Gibraltar fahren. EIGENTLICH! Aber was soll DAS denn?

Der Wetterbericht (jedenfalls das ECMWF-Modell und auch Wetterwelt, nicht ganz so stark das GFS-Modell) zeigen für das westliche Mittelmeer Mitte nächster Woche extreme Windverhältnisse. Zwischen Valencia und Mallorca werden für Mittwoch Mittag in Böen 58 kn vorhergesagt, Windstärke 11. Hier die Illustrationen von Windy für Dienstag Abend:

Keine gute Idee, dann Richtung Gibraltar unterwegs zu sein. Konsequenz ist für uns, dass wir schon heute wieder die Leinen losgeworfen haben und jetzt bei inzwischen allerdings auch schon 20 kn Wind (von achtern) unterwegs sind um etwas Strecke gutzumachen.

Wieder komplett

Dienstagabend haben uns Eike und seine Kollegin Lara besucht, wir hatten einen sehr schönen Abend bei uns an Bord.

Noch dazu hatte Eike unter anderem unsere neue Lichtmaschine im Gepäck hergeschleppt und deshalb wurde es auch ein sehr schöner Mittwochmorgen. Der Mechaniker erschien, hatte unseren Regler und nicht mehr reparable Lichtmaschine dabei, baute den Regler und die neue LiMa ein und siehe da: unser Bootsmotor kann wieder die Batterien laden. 😀

Wir waren glücklich und haben das am Abend ausgiebig auf einem Zug durch Alicantes Altstadt mit Tinto de Verano hier, Vermouth dort und abschließend einem weiteren Besuch in einer Arrocería (also einem Reis-Restaurant) mit Rotwein gefeiert. Wie der Name andeutet, gab es auch ein wenig Schinken 😊.

Heute morgen haben wir das gute Hafen-WLAN genutzt, um mit dem LiMa-Lieferanten per Computer-Fernwartung (TeamViewer) die Einstellungen des Mastervolt-Reglers für die LiMa anzupassen. Und das war gut so. Es stellte sich nämlich heraus, dass die LiMa doch noch nicht komplett angeschlossen war. Zwar lieferte sie Strom, aber noch nicht alle zur optimalen Steuerung nötigen Informationen. Also durfte ich ein weiteres Kabel aus den Tiefen des Kabelbaums pulen („ein weißes Kabel suchen“), auch das noch mit dem Regler verbinden und siehe da: jetzt wird nicht nur die Temperatur sondern auch die Drehzahl der LiMa an den Regler gemeldet und die entsprechenden Grenzen konnten eingestellt werden. Das sollte hoffentlich der neuen LiMa ein längeres Leben bescheren 🤞.

Im Augenblick darf sie sich aber noch ausruhen, wir haben bei schönen Segelwind das Cabo de Santa Pola schon passiert und laufen am Wind in Richtung Mar Menor.

Da fehlt doch was …

Irgendwas fehlt ja immer.

Hier zum Beispiel fehlt unserem Bootsmotor eindeutig die Lichtmaschine.

Heute Abend bringt Eike die neue mit. Wir hoffen sehr, dass sie morgen eingebaut werden kann. Heute allerdings war der Regler noch in Denía in der Werkstatt, in der die alte Lichtmaschine hätte repariert werden sollen (hätte, hätte, Fahrradkette).

Aber besser so, als wenn uns Zeit fehlen würde. Dazu haben wir gestern hier am Rande der Altstadt eine schöne Wandmalerei entdeckt, El tiempo vuela (frei übersetzt: die Zeit vergeht im Flug):

Und tatsächlich, über zwei Monate sind wir schon unterwegs, die Zeit vergeht so schnell. Dabei müssen wir uns nicht einmal – wie in dem Gedicht – einen weiteren achten Wochentag wünschen, um ihn zum Reisen zu nutzen.

Umgekehrt können wir die Wartezeit auf die neue Lichtmaschine zum Bleiben, zum Erkunden unserer Umgebung nutzen.

Wir haben die Stadt ausgiebig zu Fuß erkundet, dabei ein paar mal einen Abstecher zur bisher besten Eisdiele unserer Reise gemacht,

haben ein spezielles Reisrestaurant dieser für ihre Reisgerichte bekannten Stadt besucht (lecker!), haben Tapas-Bars und in Ihnen zu den Leckereien mal Bier, mal Tinto de Verano genossen. Letzteres ist gekühlter Rotwein mit Zitronenlimo und schmeckt bei der Wärme hier VIEL besser, als es sich anhört. Und klar haben wir auch die hoch über Alicante aufragende Festung Castillo de Santa Barbara besichtigt, mit tollen Ausblicken über die Stadt und hinüber über die Bucht bis nach Sant Joan, wobei uns ein Aufzug für nur 2,70 € vom Strand aus hinauf befördert hat, die Festung selbst kann frei betreten werden.

Und wir haben – na klar – das Ocean Race Museum auf der anderen Seite des Hafens auch nicht ausgelassen.

Schließlich wurde zuletzt alle drei Jahre hier in Alicante das Volvo Ocean Race gestartet. Die Stadt feiert das nicht nur mit dem Museum, mitten in der großen Avenida gleich hinter Strandpromenade findet sich folgende Verkehrsinsel:

Und „Turn the tide on plastic“, so hieß nicht nur die von Dee Caffari geskipperte Yacht im 2017er/2018er Rennen, sondern dieser Slogan wird hier ernst genommen. Anders als früher vielleicht aus Spanien gewohnt, wird jedenfalls auf Mülltrennung großer Wert gelegt.

Und für noch etwas fehlte uns nicht die Zeit, den doppelten Friseurbesuch:

War allerdings auch mal wieder Zeit!

Alicante, die Mancha und der Großeinkauf

Wir sind in Alicante, genauer gesagt im Real Club de Regatas de Alicante. Wir haben uns gleich für eine ganze Woche hier im Hafen eingebucht, für uns ziemlich ungewöhnlich. Der Grund dafür ist unsere Lichtmaschine, die leider den Geist aufgegeben hat. Nachdem sie schon eine Weile herumzickte, hatten wir eigentlich gehofft sie hier reparieren lassen zu können. Leider ist sie wohl vollständig hinüber.

Zum Glück trifft uns das aber nicht unvorbereitet: wir hatten schon eine eigentlich nur als Backup gedachte neue Lichtmaschine in Auftrag gegeben (sie musste ja für die Lithium-Batterien und damit an den externen AlphaPro-Regler angepasst werden). Die neue LiMa wurde nach Burgwedel geschickt, von wo sie unser Freund Eike Dienstag mitbringt. Eike arbeitet derzeit immer Dienstags bis Donnerstags in Valencia und wollte uns deshalb hier in Spanien besuchen. Passt natürlich prima, ein bisschen Flickzeug für unser leicht angeschlagenes Dinghy bringt er auch noch mit 😉.

Genießen wir also bis dahin Alicante und umzu.

Und Alicante ist wirklich schön. Nicht nur dass die Stadt reichlich Restaurants, Cafés, Cervezerias und Bars bietet und zudem einen sehr gepflegten und gleichzeitig lebendigen Eindruck macht, allein schon für die vielen Palmen und Ficus-Bäume im Stadtbild könnte man Alicante lieben. Palmen säumen viele der Boulevards bzw. Avenidas, so auch die marmorgepflasterte Promenade hier am Hafen.

Und wunderschöne Plätze wie diesen an der alten Post (scheint im Hintergrund durch):

Samstag am frühen Morgen noch mit wenig Leuten, wir wollten aber gerne zeitig in der Markthalle sein:

Schon von außen beeindruckend, aber noch mehr drinnen, zumal es eben keine Touristenpräsentation ist, sondern eine wirklich von der Bevölkerung genutzte Markthalle. Zwei Ebenen, unten hauptsächlich Fisch und Obst/Gemüse, oben überwiegend Fleisch/Wurst.

Zur Abwechslung mal kein Schwertfischbild vom Markt, sondern der Blick in einen Obst- und Gemüsewald:

Auch wir haben ein bisschen eingekauft, aber hier noch nicht nicht sehr viel. Das kam später.

Vielmehr haben wir uns fürs Wochenende günstig (Tip von Eike) ein Auto gemietet und sind erst mal raus aufs Land gefahren. Zunächst in den kleinen Ort Banyeres de Mariola, wo wir die Burg besichtigt und uns mit dem kleinen Auto durch die super engen Gassen gequetscht haben. Interessant zu sehen, dass hier in der Gegend viele Kirchen blaue Ziegeldachkuppeln haben, ich habe noch nicht herausgefunden, was es damit auf sich hat, jedenfalls ist es sehr auffällig.

Und dann weiter durchs Gebirge und einige Landschaftsschutzgebiets bis in die flachere und kargere Region Kastilien-La Mancha, die sich nördlich anschließt an die Region Valencia (zu der auch Alicante gehört).

Windmühlen, gegen die Cervantes Don Quichotte als vermeintliche Riesen mit ihren langen Armen ankämpfen könnte gibt es heute wieder reichlich und sie sind größer geworden. Moderne Windkraftanlagen finden sich zuhauf auf den etwas höheren Kämmen der Hügelketten der Mancha. Sonst gibt’s dort aber nicht ganz viel, weshalb wir das Auto auch noch für einen Großeinkauf genutzt haben, schließlich naht so langsam Gibraltar und damit der erste längere Törn im Atlantik, jetzt also doch ein paar Vorräte mehr 😉 (unser bisher größter Bon, hat die Bevorratungspanik uns jetzt doch noch erwischt?).

Ganz nebenbei: offensichtlich sind wir wirklich in Spanien, denn wir haben auf unserer Autofahrt auch den obligatorischen Osborne-Stier gesehen:

Die Geschichte dieser Werbe-Stiere und ihres Einzugs in die Spanien-Symbolik ist übrigens auch ein tolles Beispiel dafür, was Gesetzgebung bewirkt (und was eben nicht).

Message from: SY Flora

Fast. Gut für den Fisch, schade für uns. Eine herrliche Golddorade hatten wir an der Angel und auch bis auf 5 Meter am Boot, dann war sie doch weg. Also auch kein Bild.

Warum so ein kurzer Blogbeitrag: Ist zugleich ein Test, ob wir es schaffen, in den Blog über unser IridiumGo (nur mit Text) zu posten.

Regen. Gewitter.

Irgendwann musste es ja mal passieren. Gut zwei Monate hat es gedauert, aber jetzt haben wir unseren ersten richtigen REGENTAG. Mit ordentlich Gewitter obendrauf. Schon heute Nacht um eins hat uns das Gewitter aufgeweckt, obwohl der heftigste Teil südlich an uns vorbeigezogen ist.

Aber Regen und auch gelegentlich Blitz und Donner sind uns bisher (und nach Vorhersage wohl auch noch für den Rest des Tages) treu geblieben.

Was macht man da?

Sich freuen, dass das Boot mal wieder mit Süßwasser gespült und von der Salzkruste befreit wird. Das erledigen wir sonst nach Möglichkeit bei jedem Marinabesuch, aber vor Anker ist es schwierig, da spülen wir meist nur die Fenster mit etwas Frischwasser.

Scones zum Frühstück backen. Für ein Brot oder Brötchen haben unsere Zutaten nicht gereicht, da müssen wir beim nächsten größeren Einkauf unsere Vorräte nochmal aufstocken. Selbst bei den „Scones“ mussten wir improvisieren, Buttermilch hatten wir nämlich genauso wenig wie Clottet Cream für den Belag. Aber das Gebäck sollte ja auch zum Frühstück und nicht zur Tea Time verspeist werden 😉. Hat jedenfalls sehr gut geschmeckt.

Lesen. Musik hören. Herumlömern. 😀

Die weitere Reiseroute (und den Ersatzteilversand) planen.

Nach draußen schauen. Sieht mal so

und mal so aus:

Oh, und das Wetter taugt prima um das Erkennen von Gewitter- und Starkregenzellen mit dem Radar schon mal zu üben. Ich hoffe, das wird uns auf dem Atlantik für die Squalls nützlich sein.

Bilder von gestern sortieren. Aber heute im Gewitter steht uns der Sinn nicht so sehr nach Schwimmen und Schnorcheln.

Das macht die Erinnerung an gestern um so schöner! 😊

Buchtenbummeln an Ibizas Westküste

Buchtenbummeln. Die Entfernungen zwischen den Calas oder Ensenadas (=Buchten) sind an Ibizas Westküste so gering, dass wir uns manchmal überwinden müssen, überhaupt die Segel hochzunehmen und das kurze Stück bis zum nächsten Ankerplatz nicht einfach zu motoren.

Schon gestern hatten wir uns „nur“ fünf Meilen weiterbewegt, in die Cala Sa Caixota (Es Torrent).

Andererseits: so kann man auch wie heute einfach mal bei Flüsterwind ein paar Stunden mit 1 bis 2 kn dahindümpeln und sich von Kanuten überholen lassen, während man die schöne und abwechslungsreiche Felsenküste genießt. Und dann vor einer Steilküste am Punta des Llosar einen Badestop einlegen:

Wobei, das Baden fiel hier eher kurz aus, zu viele Quallen. Die hübschen aber leider brennenden Nesseltiere hatte Wiebke schon vorgestern etwas zu intensiv kennengelernt. Zum Glück waren wir vorbereitet und konnten mit Rasierschaum, Abschaben der Restnesseln und Neutralisieren mit Essig die Folgen gut in Grenzen halten. Also diesmal eher kein Bade- sondern ein Essens-Stop. Auch gut 😊.

Und dann sind wir noch mal EINE GANZE MEILE weiter gehüpft in die Cala Tarida. Auch hier habe ich natürlich wieder den Anker abgeschnorchelt (hat sich perfekt in den Sandgrund eingegraben) und dabei eine schöne Überraschung erlebt: ein Flughahn (Dactylopterus volitans) fand sich direkt neben ihm und zeigte mir die leuchtend blauen Ränder seiner übergroßen Brustflossen. Ich musste noch mal hoch und die GoPro-Kamera holen, aber ich hab ihn zum Glück wiedergefunden:

An der großen Bucht mit Sandstrand gibt es mehrere Restaurants und Beachbars, wo man das echte Ibiza-Feeling genießen kann, wir haben uns für das „Cotton“ entschieden (mal wieder ein dicker Dank an die XOXO-Crew für den Tip!).

Und den Sonnenuntergang haben wir dann wieder auf unserem Vorschiff genossen.

Sal de Ibiza

Mit Catalina haben wir nach dem Abschied von Jan etwas weiter nördlich auf Formentera in die Karibik Europas verholt, auf den Ankerplatz Platja de Ses Illettes. Na klar, wir waren nicht ganz alleine dort. Aber den Schutz des schmalen Sandstreifens vor dem immer noch steifen Ostwind und das traumhaft klare Wasser durften die anderen ruhig mit uns genießen, Platz hatten wir genug.

Da war es tatsächlich in unserer nächsten Ankerbucht enger, denn gestern haben wir zurück nach Ibiza verholt, ganz in den Süden in die Ensenada de la Canal. Das gab uns die Möglichkeit, mit dem Bus nach Ibiza Stadt (Eivissa) hineinzufahren und den letzten Abend mit Catalina in Eivissas schöner Altstadt und der innerhalb der Stadtfestung gelegenen Oberstadt zu feiern.

Ganz ungetrübt war der Genuss nicht. Unser Ankerplatz war schon mächtig voll, eine Boje war ohnehin nicht zu bekommen. Und laufend kamen weitere Boote hinzu, mehrfach ankerten sie zu eng bei uns, verholten dann aber etwas später doch weiter nach draußen, zumal der kräftige Schwell die Boote in ziemlich verschiedene Richtungen schwojen ließ. Es kostete mich einige Überwindung, Flora hier unbeaufsichtigt liegen zu lassen. Wie es Catalina so schön formulierte: ich habe jetzt vielleicht eine Ahnung davon wie es ist, das Kind seinen ersten eigenen Urlaub allein machen zu lassen 🥺.

Hilft ja nix.

Und wir haben Flora am Ende auch wohlbehalten wieder vorgefunden.😁

Heute ist dann Catalina vom Strand mit dem Taxi zum nahen Flughafen gefahren. Wir haben nur um die Ecke in die nächste Bucht verholt – was für ein Unterschied. Kaum Schiffe hier, eine beeindruckende Steilküste auf der einen Seite und nur eine Strandbar oberhalb des flachen Steinstrandes vor den Salinen im Scheitel der großen Bucht.

Es ist zwar nicht ganz einfach mit dem Dinghy an Land zu kommen, aber es lohnt sich. Ein Wanderpfad geht an der Steilküste entlang und dann (nur ab August erlaubt!) steil den Berg hinauf durch den Wald an die obere Steilküstenkante.

Es bieten sich tolle Ausblicke über unseren Ankerplatz, die Buchten unterhalb der Steilküste und die farbenprächtig türkisgrün und rosa schimmernden Salinen.

Und die Salinen machen nicht nur optisch viel her, sie haben es auch in sich. Noch immer wird hier auf einer Fläche von etwa 450 Hektar Salz gewonnen. Natürlich nicht nur (aber eben auch) das edle Speisesalz Sal de Ibiza. Der größte Teil des Salzes geht zu anderen Zwecken überwiegend nach Nordeuropa: wie in alten Zeiten zur Stockfischverarbeitung und – ja, tatsächlich auch ein hoher Anteil als Enteisungs-Salz. Die Preisdifferenz zwischen den verschiedenen Salzqualitäten ist hoch, wir konnten aber trotzdem nicht widerstehen uns ein schönes Sal de Ibiza für die Pantry zu kaufen 😊.

Arbeiten, spielen und genießen auf Ibiza und Formentera

In Can Pastilla ist Jan zugestiegen, der Chief (Chefingenieur) ist an Bord. Auftragsgemäß hat er neue Umlenkrollen für unseren Großsegelausholer im Gepäck. Die vordere Rolle (am Lümmelbeschlag) ist gebrochen, die hintere (an der Baumnock) eiert ziemlich. Der Austausch ist insofern etwas tricky, als die Aluminiumachse, auf der die Rollen jeweils sitzen, durch Plastikschraube gesichert werden, die mit einem viertelzölligen Imbusschlüssel geöffnet werden muss. Vielen Dank an Seldén dafür, wir haben ja ansonsten nur metrisches Werkzeug an Bord. Aber der Chief ist natürlich bestens vorbereitet und bringt den passenden Schlüssel mit 😀.

Und so geht’s schon am späten Samstag Abend los zu einem weiteren herrlichen Nachttörn, diesmal hinüber nach Ibiza. Zu dritt an Bord ist es natürlich noch entspannter hinsichtlich der nächtlichen Wachen.

Wir haben uns die Cala Blanca am Nordostende Ibizas als ersten Stop ausgesucht. Selbst in der Hochsaison findet man hier schöne Plätze über Sand, auch weiter draußen noch mit guter Wassertiefe, das Ankern ist kein Problem.

Tagsüber muss man damit leben, dass die vielen Wasserspielzeuge wie Jetskis und ähnliches natürlich auch genutzt werden wollen, aber abends herrscht dann sowieso wieder Ruhe. Wir schließen uns einfach an und frönen ebenfalls unserem Spieltrieb: ja, vom Dinghy gezogen kann man auf unserem SUP „Wasserski“ laufen:

An der Westküste Ibizas entlang fahren wir dann hinunter und genießen die wilden Steinformationen.

Ist das jetzt eigentlich ein bis zum Bauch im Wasser stehender Elefant oder ein kniender Gorilla, der mit dem linken Arm im Schlamm wühlt? Oder ganz was anderes?

Bei Sant Antoni ankern wir in der Cala Port des Torrent und Catalina steigt zu. Zu viert geht es weiter ums Eck in die Cala Comta mit ihren Strandbars und dem herrlichen Sonnenuntergangsblick, für den sich auf Ibiza so viele Orte rühmen. Das muss festgehalten werden 😉, gleich vierfach bei uns und ebenso auf allen Booten um uns herum:

Ist aber auch einfach schön.

Leider beutelt uns der Schwell in dieser Nacht doch ziemlich und so gehen wir früh ankerauf und segeln bei herrlichem Wind hinüber nach Formentera, Ibizas kleiner Schwesterinsel. Auch hier ist der Ankerplatz zwar gut gefüllt (wir haben uns wegen des für die Nacht vorhergesagten starken Ostwindes für die Cala Sahona entschieden), aber wir finden völlig unproblematisch einen guten Platz über Sandgrund (mit Rochen, wie ich beim Abschnorcheln des Ankers feststellen durfte) auf 8 m Wassertiefe.

Nach unserer abendlichen guten Tat (wir befreien schnorchelnd und mit Dinghy-Zugkraft den unter einem einsamen Felsen verkanteten Anker unseres Motorboot-Nachbarliegers) belohnen wir uns mit einem Drink in der Lounge des Hotels und einem Abendessen in einem der Strandrestaurants.

Leider ist das für Jan schon wieder das Abschiedsessen, heute morgen haben wir ihn zur Fähre nach Puerto de la Savina gebracht.

Der wilde wilde Westen …

… fängt natürlich gleich hinter Hamburg an. Hätten wir also nicht weit zu reisen brauchen. Aber Mallorcas wilder Westen war uns bisher ziemlich unbekannt. Den Süden der Insel hatten wir vor ewiger Zeit schon einmal auf einem Chartertörn besucht, landseitig waren wir auch schon bis in die südlicheren Teile der Serra de Tramuntana gekommen. Aber dass dieser wilde zerklüftete Gebirgszug praktisch die ganze Westküste Mallorcas vom Kap Formentor bis hinunter nach Dragonera nicht nur prägt, sondern mit seinen steilen Berghängen regelrecht durchgängig ins Wasser abfällt, das war uns nicht klar.

Auf dieser Strecke gibt es zwar elf Berge mit über 1000 m Höhe, aber nur wenige sichere Häfen und gegen diverse Windrichtungen geschützte Ankerplätze. Schon die Cala Figuera am Kap Formentor hatte uns ja zwar guten Windschutz geboten, uns aber trotzdem mit dem weit laufenden Schwell eines entfernten Starkwindes geschaukelt. Wir waren dann noch einmal ums Kap zurück bis zur Cala Formentor gefahren und hatten dort einen schönen Abend auf der XOXO. Dann nochmal um das wegen seiner Windsprünge berüchtigte Kap und … der Wind war weg. Der Schwell blieb leider die meiste Zeit.

Und so sind wir an der wilden Westküste ganz zahm entlang motort.

Landschaftlich war die Fahrt trotzdem ein Genuss. Natürlich haben wir auch dem berühmten Felsenschlucht-Ankerplatz Sa Calobra einen kurzen Besuch abgestattet, es war uns dort aber zu rummelig.

Wir sind weiter zur Sa Foradada und haben hinter der Felsnase (mit Nasenloch) einen zwar tiefen, aber sogar ein wenig gegen den Schwell geschützten Ankerplatz gefunden.

Und dann sind wir heute morgen um 7:30 aufgebrochen um weiter zu motoren ;-), denn wir wollen heute Nachmittag in Can Pastilla Chief Jan aufpicken.

Seit dem Cap de Cala Figuera können wir jetzt quer über die Bucht von Palma sogar segeln.