Segeln als Ablenkung: Schiffe gucken

Gestern haben die Corona-Nachrichten unser Verständnis von lang-, mittel-, und sogar kurzfristiger Törnplanung ziemlich erschüttert. Klar war unsere Reiseplanung bisher auch unsicher, aber das war durch das positive Gefühl fast unendlicher Auswahl-Möglichkeiten geprägt, abgesehen von Wind und Wetter eigenbestimmt. Jetzt mischt sich das Gefühl hinein, die Corona-Reaktionen verschiedener Länder könnten eine ganz andere, fremdbestimmte Unsicherheit erzeugen, Türen zu vielen Reisezielen einfach zuschlagen, uns irgendwo feststecken lassen.

Anderseits: „If you’re gonna get stuck, get stuck somewhere nice!“, wie es Melanie (www.melonthego.com) als ein Langfahrtsegler-Mantra formuliert.

Und da sich die Ereignisse und Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 weiterhin überschlagen, etwa mit der gemeldeten Schließung der spanischen Häfen (nur für Kreuzfahrer?) und die Lage somit für uns ziemlich unübersichtlich ist, lenken wir uns doch erstmal ein bisschen ab.

Hier unmittelbar hinter unserem Ankerplatz English Harbor auf Antigua liegen derzeit diverse riesige Segelyachten am Steg bei Nelson‘s Dockyard, sie sind Teilnehmer der Antigua Superyacht Challenge. Heute findet nun das erste Rennen statt und der Kurs führt größtenteils in Landnähe an der Südküste Antiguas entlang. Praktischerweise gibt’s einen Wanderweg oben auf der Steilküste entlang und die Aussicht auf das Spektakel wollen wir uns nicht entgehen lassen.

Beim Hinaufsteigen auf die Klippen können wir noch hinunter in den Hafen schauen, wo die Crews die Schiffe auf das Rennen vorbereiten und zum Auslaufen klarmachen. Die kaum fassbare Dimension der Superyachten wird etwas deutlicher, wenn auf Vorschiff und Klüverbaum NEUN Besatzungsmitglieder das Vorsegel bereitmachen.

Wir klettern weiter die Klippe hinauf (an der steilsten Stelle ist dankenswerterweise ein Seil angebracht) und haben einen tollen Ausblick auf die herumwuselnden Schiffe in der Vorstartphase, die unter uns vorbeiziehen.

Der Start selbst ist dann eher unspektakulär und als solcher kaum zu erkennen, denn die Schiffe gehen mit einigem zeitlichen Abstand über die auch nur schwer als solche auszumachende Startlinie. Kurz danach versteckt eine durchziehende Regenfont die Schiffe vor unseren Blicken.

Darauf waren wir nicht eingestellt. Wir verstecken uns auch – vor dem Regen flüchten wir unter einen Felsüberhang und lassen den Schauer durchziehen.

Dann geht’s den Wanderweg entlang weiter in Richtung Falmouth Bay. Die Regattaflotte finden wir dabei wieder, mit bestem Blick auf die Wendemarke, an der das Spinnakermanöver gefahren wird.

Wobei, nicht jeder findet das so spannend wie wir 😉

Und für uns geht’s weiter zum Pigeon Beach hinunter, von wo wir allerdings nochmal einen tollen Blick haben

und dann zurück zur Flora. Kurz Baden und gleich wieder los, denn heute Abend ist wie jeden Donnerstag Reggae Night auf Shirley Heights, dem Aussichts- und Sundownerpunkt über English Harbor. Da können wir die Superyachten mit ihren roten Toplichtern und den illuminierten Masten und Salingen hinter unserem Ankerplatz um die Wette leuchten sehen.

7 Gedanken zu „Segeln als Ablenkung: Schiffe gucken

  1. Genießt trotz der schwierigen Zeit die traumhafte Landschaft. Es gibt auch hier derzeit keine Planungsmöglichkeit und wir werden sehen was der Sommer uns ermöglicht.
    Liebe Grüße

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  2. Mit Corona werden wir noch ein wenig zu kämpfen haben. Wir wollten ENDLICH Ende des Monats zurück auf die Saphir, die dann komplett repariert ist inkl. Umbau des oberen Wassertanks zum Dieselrank. Aber nun macht uns Corona einen Strich durch die Rechnung. Wir werden jetzt leider solange in DE/CH bleiben (müssen) bis sich die Lage wieder normalisiert hat und man ohne Einschränkung reisen kann. Je später es wird umso mehr wird es dann wohl Kanada mit der St Lawrence Bay und Nova Scotia, Montreal etc. Aber eigentlich haben wir uns wieder auf warmes Wasser gefreut.
    Liebe Grüße
    Klaus

    Von: Flora Sailing
    Antworten an: Flora Sailing
    Datum: Freitag, 13. März 2020 um 04:14
    An: „Klaus Nadler (Breaking Rules)“
    Betreff: [New post] Segeln als Ablenkung: Schiffe gucken

    Ralf SY Flora posted: “ Gestern haben die Corona-Nachrichten unser Verständnis von lang-, mittel-, und sogar kurzfristiger Törnplanung ziemlich erschüttert. Klar war unsere Reiseplanung bisher auch unsicher, aber das war durch das positive Gefühl fast unendlicher Auswahl-Möglic“

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  3. Danke für die wunderschönen Bilder ! Corona schränkt uns hier in Deutschland mehr und mehr ein; Ihr habt wenigstens schönes Wetter ;-). Macht das beste draus !

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  4. Hallo aus Ushuaia! Wir sind soooo froh weitab von aller Heineken-Panik zu sein. Auch wenn jetzt der erste Todesfall (eines 65-jährigen mit Vorerkrankungen) Lateinamerikas gerade in Argentinien gemeldet wurde, so ist das hier unten doch extrem entspannt. Wir hoffen, dass auch Eure Planungen nicht zu sehr beeinträchtigt werden… aber manchmal zahlt sich ein Umweg (über Südamerika) ja auch aus 😉
    Liebe Grüsse, Micha (SY Samai)

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  5. Moin Micha,
    Erstmal herzlichen Glückwunsch zu Eurer geglücktes Expedition in die Antarktis! Hinsichtlich der Situation in Argentinien hört es sich ähnlich an, wie es sich hier in der Karibik vor wenigen Tagen auch noch anfühlte.
    Die Hoffnung, dass die Planung auf der jeweiligen Reiseroute möglichst wenig beeinträchtigt wird, schwindet derzeit allerdings (fürchte ich) für die Segler weltweit mit nur kleinen zeitlichen Varianten. Sabine hat das auf https://atanga.de/?p=136629 gerade sehr eindringlich für die Südsee beschrieben. Bleibt allerdings die Frage, wie lange solche reisebeschränkenden Maßnahmen anhalten werden und ob das Pendel danach wieder zu einer weitgehenden Reisefreiheit zurückschlägt oder sich dauerhaftere Abschottungen und Erschwernisse ergeben werden.
    Ich drücke Euch die Daumen, dass Ihr weiterhin möglichst unbeeinträchtigt bleibt.
    Liebe Grüße von der Flora
    Ralf

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  6. Hallo Ralf,Nur kurz zur Kontrolle…hat dich meinen Kommentar zu Antigua  erreicht? Hatte über meine Teilnahme an der Antigua Raceweek geschrieben.Ich kann ihn immer noch nicht findenIch bin in Quarantäne daheim, da ich Freitag mit dem vorerst letzten Zug aus Zürich nach München gekommen bin und die Schweiz als Risokogebiet eingestuft ist.Zum Glück bin ich mit meiner lieben Frau zusammen und nicht irgendwo in einem kleinen hotelzimmer 14 tage gefangen wie ein Mitarbeiter von uns in Shanghai.Uns allen gute Gesundheit und viel Glück VolkmarVon Samsung-Tablet gesendet

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