Tag 5 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

5 Tage sind wir unterwegs. Echt, fünf Tage schon? Eine ganze Arbeitswoche?

Herrliches Passage-Wetter. Wir laufen bei blauem Himmel durch eine nur mäßig bewegte See. Haben angefangen, uns “The Cruise of the Snark” von Jack London vorzulesen. Zum einen, weil Jack London so ein begnadeter Erzähler ist, zum zweiten, weil der autobiografisch geprägte Törnbericht seiner 1907 gestarteten Segelreise auf seinem eigens dafür gebauten Segelboot ohnehin spannend ist und zum dritten, weil der Törn dann auch noch von San Francisco (über Hawai’i) in die Südsee führt. Ist also Bildungs-Lektüre in mehrfacher Hinsicht und zugleich auch eine tolle Erinnerung an bereits besuchte Orte.

Thema Besuch: auch heute gibt’s wieder mehrfach Delfinvisite. Dieses Mal sind es die auffällig gefleckten Schlankdelfine, die besonders ausgiebig um Floras Bug spielen. Oft kommen sie rasend schnell von der Seite her angeschossen, um dann vor dem Bug abzubremsen und sich mit Bugströmung eher gemächlich treiben zu lassen.

Und wir? Akklimatisieren uns weiter an die steigenden Temperaturen, die im Boot inzwischen locker die 30 Grad übersteigen. Das Brotbacken habe ich deshalb schon auf die Nachtschicht verlegt, so gibt es heute morgen herrlich frisches Roggenvollkornbrot.

Schön ist auch, dass die Fidelis in ziemlich gleichem Tempo wie die Flora unterwegs ist, so bleiben wir in UKW-Funkreichweite. Das lässt sich auch auf Noforeignland gut verfolgen.

Etmal heute 139 sm, gesamt auf dieser Passage 627 sm, rechnerisch verbleiben bis Gambier 2.673 sm.

Tag 4 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

Es ist warm geworden. Man merkt deutlich, dass wir wieder in den Tropen sind. Von gut 23 Grad Celsius in Mexiko ist die Wassertemperatur in diesen vier Tagen auf jetzt 28 Grad angestiegen, die Lufttemperatur entsprechend auch.

Zeit für eine Eimerdusche auf dem Achterschiff 😁

Delfinbesuch gab es übrigens auch heute wieder.

Der Wind ist noch immer nicht sonderlich stark, aber mit einer kräftigeren Phase in der Nacht hat es für ein Etmal von 135 sm gereicht, gesamt gesegelt auf dieser Passage somit 488 sm, bis zu den Gambier sind es noch 2.812 sm.

Wir halten allerdings gegenüber der direkten Strecke ein ganzes Stück nach Osten vor, so dass die Strecke insgesamt länger als die kalkulierten 3.300 sm werden dürfte. Derzeit sieht es so aus, als könnte sich am Wochenende eine Durchsegelmöglichkeit durch den Kalmengürtel auftun, das wäre natürlich ideal. Es ist wohl noch zu früh, um das sicher vorhersagen zu können. Ein weit östlicher Startpunkt würde uns aber ermöglichen, zur Not nördlich parallel zu den Kalmen zu segeln und ein Stück weit auf ein passendes Fenster zu warten. Außerdem wird uns der Südäquatorialstrom später noch weiter nach Westen versetzen. Kommen wir zu weit nach Westen, wird es schwierig, die Gambier anzulegen, Plan B wäre dann ein Landfall auf den Marquesas.

So, Schluss für heute mit den taktischen Überlegungen, aus der Pantry weht der Geruch von warmem Senfkartoffeln mit Salat und (unserem letzten frischen) Fisch hoch. Die Angel ist draußen.

Tag 3 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

Blinde Passagiere und andere Begleiter.

Es ist weiter langsames, aber ausgesprochen angenehmes Segeln. Achterlicher Wind zwischen (meist) 8 kn und in Böen (gelegentlich) mal 14 kn, dazu eine nicht allzu hohe Dünung.

Gestern Mittag haben wir in einigem Abstand die Isla San Benedicto und die Isla Socorro passiert. Diese Felseneilande weit draußen im Meer gehören noch zu Mexiko und sollen echte Tauchparadise sein. Der Aufenthalt erfordert allerdings eine vorherige und mit über 100 Dollar am Tag ziemlich teure Genehmigung. Ein Notstop an den Inseln etwa wegen erforderlicher Reparaturen wäre zwar sicher möglich, aber an Bord ist alles klar und das Wetterfenster für die Weiterfahrt derzeit auch ganz vielversprechend. Jedenfalls holen wir jetzt die mexikanische Gastlandsflagge endgültig ein.

Im Versuch, dem wenigen Wind einigermaßen Bootsgeschwindigkeit zu entlocken, lüften wir die gesamte Segelgarderobe einmal durch. Vom Schmetterling mit ausgebaumtem Code0 wechseln wir auf den Gennaker und das Groß, dann den Gennaker alleine, wieder Schmetterling. Dann Passatbesegelung mit ausgebaumter Fock an Backbord und ausgebaumtem Code0 an Steuerbord. Das bedeutet, dass wir uns zugleich ein Sportprogramm verordnen, denn der Umbau der Bäume und das Einholen und Setzen der Segel sorgt eben auch für körperliche Anstrengung.

Interessanterweise haben wir dabei Zuschauer. Mehrere Boobies fliegen die Flora an und versuchen auf ihr ein Plätzchen zu ergattern. Nachdem uns kürzlich einige Vögel von der Saling aus das ganze Deck und das Bimini samt Solarpanelen zugekotet haben (im wahrsten Sinne des Wortes ätzend), sind wir darüber allerdings nur mäßig erfreut.

Einer landet auf dem Bimini . Äußerst unwillig lässt er sich von dort vertreiben und nimmt dann auf dem äußersten Ende des Dinghies hinten in den Davits Platz. Na gut, da dürfte der Großteil seiner Hinterlassenschaften über Bord gehen. Er bleibt dann auch die ganze Nacht dort sitzen.

Uneingeschränkt gern gesehen ist dagegen der Delfinbesuch an der Flora. Mehrere große Schulen lassen sich sehen, eine spielt eine ganze Zeit am Bug der Flora.

Einen riesengroßes Dankeschön möchten wir Euch aussprechen, wir haben uns über die vielen guten Wünsche zu dem Start unserer Passage sehr gefreut, die uns über die verschiedenen Social-Media-Kanäle erreicht haben. Es ist toll zu sehen, dass Familie, alte und neue Freunde, Kollegen und in alle Welt verstreute Segelfreunde in Gedanken bei uns sind.

Möglich wird das Kontakthalten derzeit auf hoher See über Starlink. Wir schalten das Satelliten-Internet auf dieser Passage bisher zwei- bis dreimal am Tag ein, rufen die neuesten Wetterberichte ab, machen unsere Französisch-Lektionen. Und bleiben eben auch über Email, Facebook, WhatsApp und Instagram mehr oder weniger verbunden. Bisher hat der Verbindungsaufbau zu Starlink auch auf See unproblematisch geklappt, wir hoffen mal, dass das so bleibt.

Etmal 107 sm, bisher auf dieser Passage somit 353 sm, verbleiben rechnerisch bis zu den Gambier noch 2.947 sm.

Tag 2 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

In der Aufbruchstimmung vergessen:

Am Ankerplatz der Bahía San José del Cabo gab es zum Abschied von Mexiko noch ein neues „erstes Mal“ für uns. Den ganzen Tag über hatten wir viele Buckelwale gesehen. Aber dann, am stillen Ankerplatz unter Deck, konnten wir sie SINGEN HÖREN. Was für ein Erlebnis.

Nicht minder schön: das Wetter hat sich deutlich gebessert, aus den kleinen blauen Flecken zwischen all dem Grau ist ein blauer Himmel mit weißen Tupfern geworden.

Die Stimmung an Bord ist gut, der vergleichsweise ruhige Start mit glatter See hat uns gute Gelegenheit gegeben uns langsam einzugewöhnen. Auch wenn die Wellen inzwischen etwas zunehmen, wir beide haben in der zweiten Nacht auf unseren jeweiligen Freiwachen schon viel besser geschlafen.

Die jeweilige Wache hatte dafür das Vergnügen, an Backbord voraus das Kreuz des Südens am Sternenhimmel bewundern zu können, denn der Halbmond sorgt jetzt in der Nacht für genug Licht zur Orientierung und lässt doch gleichzeitig den Himmel dunkel genug für die Sternenbeobachtung.

Etmal: 123 sm, also noch etwa 3.054 sm bis nach Rikitea (wir behalten also die Gambier als Wunschziel bei).

Tag 1 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

Es sieht ein bisschen so aus, als wolle Mexiko uns den Abschied leicht machen. Grauer Himmel, Nieselregen. Wir bauen noch die Kuchenbude auf, dann lichten wir den Anker und machen uns gemeinsam mit der Fidelis auf den Weg.

(Foto-Credit: Jeannette / Fidelis)

Wir versuchen, auf kürzestem Weg aus dem Schwachwindgebiet am Cabo San Lucas heraus zu motoren, deshalb geht es erst einmal nach Südosten. Tatsächlich können wir nach einer knappen Stunde dann segeln. Nach drei Stunden müssen wir noch einmal 90 Minuten durch eine kleine Flaute motoren und ab da bleibt es beim Segeln, auch die Nacht hindurch. Oft mit schwachen und wechselhaften Winden, aber immerhin. Unser Code0 leistet gute Dienste. Bei der glatten See ist es trotz wenig Wind überwiegend angenehmes Segeln.

In der Nacht nehmen die Wellen etwas zu, der Großbaum ruckelt und knatscht auf diesem für den Bullenstander etwas zu spitzen Kurs. Wir rollen das Groß ein und fahren nur unter Code0, jetzt ist es ruhiger und die Freiwache kann besser schlafen. Und morgens um fünf setzt sich dann wie vorhergesagt kräftigerer Wind durch. Wir ändern den Kurs auf jetzt 200 Grad und wechseln auf Schmetterlingsbesegelung.

Kurz darauf eine Schrecksekunde: der Code0 ist auf seinem Antitorsionskabel nach oben gerutscht und steht nicht mehr richtig.

Die ziemlich dünne Lasching, mit der der Segelhals an der Rolle verzurrt war, ist gerissen. So können wir das 80 Quadratmeter große Segel nicht einrollen und natürlich lassen ein paar dunkle Wolken punktgenau den Wind auffrischen.

Mit einer Leine sichere ich das Segel gegen weiteres Hochrutschen. Dann riggen wir eine Talje, ziehen das Segel auf dem Antitorsionskabel ein Stück wieder herunter und erneuern die Lasching provisorisch mit einem kräftigeren Stropp.

Jetzt lässt sich der Code0 einrollen, wir nehmen ihn herunter und erneuern nochmals die Lasching. So sollte es gehen.

Heute Mittag haben wir 123 sm zurückgelegt. Kein besonders hohes Etmal, aber in Anbetracht der Verhältnisse sind wir mehr als zufrieden.

Ein guter Start und jetzt zeigen sich auch erste Wolkenlücken.

Der Stimmungsmix vor dem Start zur Ozeanpassage

Es scheint sich nicht zu ändern. Vor einer längeren Passage stellt sich bei uns Unruhe ein. Eigentlich sind die Einkäufe längst erledigt, die Vorrats-Schapps sind prall gefüllt. Diesel- und Wassertank randvoll. Aber man könnte doch noch …

Das Boot nochmal durchgecheckt.

Die verschiedenen Wetterberichte werden ein ums andere Mal hin und her abgewogen. Für die Abfahrt sieht es gut aus, aber was kommt da in ein paar Tagen? Oder umgekehrt: erst durch das Schwachwindfeld hinter dem Kap hindurch motoren und dann aber den guten Wind haben? Das Beste aus beiden Welten scheint es jedenfalls in nächster Zeit nicht zu geben.

Es ist ja nun nicht unsere erste Ozeanpassage. Aber die Entfernung ist deutlich länger als auf der Atlantiküberquerung von den Kapverden in die Karibik (2.200 sm) oder auf der Passage von den USA zurück nach Antigua (1.700 sm, unserem bisher härtesten Törn). Auch die 1.000 Seemeilen von Panama nach Galapagos wird sie locker knacken, sogar die 2.600 Meilen von Hawai’i nach Alaska, unseren bislang zweitlängsten Törn. Die 4.300 Seemeilen von Galapagos nach Hawai‘i sollten allerdings mit etwa 1.000 sm Abstand unser Rekord bleiben.

Aber ganz schlicht: wir sind nervös. Zugleich voller Vorfreude und Erwartung, aber auch mit Schüben von Unsicherheit und Bedenken. Das Herz puckert.

Was kommt auf uns zu? Ozeansegeln. Tage und Nächte in der scheinbar unendlichen Weite. Mal so, mal so, mal noch ganz anders.

Traumhafte Sternenhimmel, demnächst auch wieder mit dem Kreuz des Südens. Aber auch: sicher drei bis vier Wochen auf der Dauerschaukel und im Drei-Stunden-Takt. Kein gemeinsames Einschlafen, kein gemeinsames Aufwachen. Die ersten Tage mit diesem Wache/Freiwache-Rhythmus sind immer ziemlich anstrengend, danach wird es besser. Und sonst? Es geht wieder über den Äquator, also durch die Kalmenzone mit ihren Flauten und Gewitterzellen. Und die Route quert den derzeit drei Knoten schnell fließenden und dabei zum Teil über 800 km breiten Süd-Äquatorialstrom. Flora wird also auf über 400 Meilen mit drei Knoten nach Westen versetzt. Aber es heißt auch wieder segeln durch den Nordostpassat und den Südostpassat in der anderen Hemisphäre, so uns denn trotz El Niño Passatwinde beschert sein sollten. Taktisch wird es jedenfalls unsere bisher anspruchsvollste Passage und die Anspannung dazu macht sich eben auch schon breit.

Aber es geht ja auch nicht irgendwo hin. Die SÜDSEE lockt und wir freuen uns darauf, ihrem Ruf zu folgen. Allein der Klang des Wortes sorgt doch für Entspannung der Gesichtsmuskeln und zaubert ein Lächeln aufs Gesicht.

Morgen geht’s los.

😊

Auf die Bremse getreten. Bootsprobleme in der wunderschönen Ensenada de la Partida.

Langfahrtsegeln bedeutet, sein Boot an den schönsten Ankerplätzen der Welt zu reparieren. Oder auf Englisch noch knackiger formuliert: Cruising is boatwork in exotic places.

So geht’s uns jetzt hier in der malerisch Ensenada de la Partida. Gerade noch genießen wir die Gemeinschaft der Cruiser, die sich hier eingefunden haben. Potluck am Strand, am nächsten Abend auf der “Dos Peces” von Vicky und Kevin, am Tag darauf Sundowner auf der Talion, außerdem organisiert die unermüdliche Heidi von der “Sonho” Aktivitäten wie die Dinghyfahrt zu den Höhlen an der Westseite der Insel, es gibt morgendliche Yogatreffen am Strand und einiges mehr.

Außerdem erleben wir tolle Sonnenuntergänge …

… und die Sturzflug-Orgie der Pelikane und Boobies zur Dämmerung, wenn sie auf der Jagd nach den jetzt offenbar aufsteigenden Fischen in großer Zahl und immer wieder kopfüber ins Wasser stoßen. Was für ein Spektakel.

Na klar, zwischendurch steht auch Bootsarbeit an. Ich wühle unsere Tauchsachen hervor und schrubbe das Unterwasserschiff bis zum Kiel. Jetzt sehe ich auch, worauf die Pelikane und Boobies so scharf sind. Ein großer Schwarm von etwa 25 cm langen jungen Hornhechten (“Needlefish”) mit ihrem schnabelartig verlängerten spitzen Maul sucht Schutz im Schatten der Flora.

Nach der anstrengenden Putzaktion dann mit der Restluft der Tauchflasche noch kurz den Propeller der neben uns ankernden “Fidelis” gecheckt und ein bisschen poliert. Jeroen füllt mit seinem Kompressor meine Tauchflasche gleich wieder auf, klasse. Abends spielen wir auf der Fidelis “Mexican Train Domino”. Der Wassermacher auf der Fidelis mackelt und ihre Trinkwasservorräte werden knapper, also machen wir ein bisschen mehr Wasser und bringen es ihnen hinüber. Nur: dabei springt irgendwann unsere automatische Bilgepumpe an.

Hm, das ist kein gutes Zeichen. Kurzer Check: Salzwasser in der Bilge (dem tiefsten Bereich im Inneren des Bootes). Wir suchen nach der Ursache und – wenig überraschend bei dem zeitlichen Zusammenhang – es ist der Wassermacher. Der bereitet zwar weiterhin gutes Frischwasser aus dem Seewasser, flutet dabei aber auch unser Bootsinneres mit Salzbrühe. Die läuft dann vom Wassermacher unter unserer Koje an der Bordwand hinunter in die Bilge. Zu unserem Glück wird dabei nur die seit dem Mittelmeer dort eingelagerte Gangway nass, die anderen dort gestauten Sachen sind allerdings ohnehin überwiegend in Vakuumbeuteln geschützt. Außer unserem Ersatzvorsegel. Das ist zwar trocken geblieben, kommt aber jetzt trotzdem auf die Rollanlage. Der Grund dafür ist, dass wir auf der Passage nach Französisch Polynesien lieber wieder die alte Fock aufziehen möchten. Nicht um die neue Fock mit ihren 4 kurzen senkrechten Latten zu schonen, sondern weil die alte eben keine Latten hat. Am Wind sind die Latten gut, aber (jedenfalls bei uns) führen sie auf Vormwindkurs mit ausgebauter Fock zu einer blöden Falte am Ende der Latten. Kein guter Stand und wohl auch eine ziemliche Belastung für das Segel auf einer langen Strecke. Die Falte konnten wir bisher nicht vollständig weg trimmen, daher war der Wechsel auf die alte Fock für die Passage ohnehin vorgesehen. Und wo wir den Stauraum unter unserem Bett jetzt sowieso leer machen müssen…

Eigentlich wollten wir nach den schönen Tagen hier in der Bucht mal wieder weiter segeln, aber, na ja, eben nur eigentlich.

Statt dessen wird eben unser größter Stauraum an Bord leer gemacht und das Boot damit ins Chaos gestürzt. Der Wassermacher ausgebaut, die widerspenstige Endkappe der Membranhülle mit viel Überredungskunst (und einigen Flüchen) tatsächlich doch ausgebaut. Die Leitungen werden durchgeblasen, sie sind nicht verstopft.

Das Salzwasser leckt aus dieser Kappe, allerdings an der für uns nicht auf Anhieb erklärlichen Stelle, nämlich am Produktwasserauslass entlang. Laut Troubleshooting der Bedienungsanleitung ist die wahrscheinlichste Ursache dafür ein verschlissener O-Ring in der Abdichtung. Zum Glück haben wir das Dichtungs-Set des Wassermacherherstellers als Ersatz an Bord.

Der Produktwasserauslass hat keine O-Ringe, aber sicherheitshalber erneuern wir die Teflonband-Wicklungen auf dem eingeschraubten Gewinde. Vom Fitting sind die alten Reste leicht zu entfernen, aus dem Inneren des Endstopfens dafür um so schwieriger.

Der erste Tag ist um. Leckere Zitronen-Kokos-Küchlein aus dem Bordbackofen gegen den Frust.

Der nächste Morgen: der große O-Ring außen am Endstopfen wird ersetzt, erst ohne, dann mit Vaseline eingesetzt, zwischendurch der Wassermacher jedes Mal wieder zusammengesetzt, eingebaut und ausprobiert: leckt immer noch. Der innere O-Ring im Endstopfen ist eigentlich unverdächtig, schließlich müssten wir sonst Salzwasser im Produktwasser haben. Aber auch der wird getauscht. Neuer Einbau, gleiches Ergebnis.

Den Hochdruck-Auslass für den Auslass der Salzlake bekomme ich nicht ab, weil ich den Endstopfen auf der Flora nicht vernünftig (beschädigungsfrei) einspannen kann. Aber Alex von der “Chandelle” kann helfen, gemeinsam bekommen wir dieses Fitting gelöst. Auch hier wird der O-Ring getauscht. Neuer Einbau, gleiches Ergebnis.

Wieder raus. Vielleicht hat sich innen etwas versteckt, was wir bei der Reinigung übersehen haben. Nochmal checken. Nein. Aber da, im Durchfluss der Salzlake durch den Endstopfen, direkt am Gewinde des Hochdruck-Auslasses, entdecken wir zwei klitzekleine Haarrisse.

Grr. Die verhindern die Abdichtung, das Salzwasser der Lake läuft an dem Gewinde durch und sucht sich dann den Weg des geringsten Widerstands unter der Metall-Abschlussplatte hindurch zum Loch für den Produktwasserauslass. So jedenfalls reimen wir uns das zusammen. Gemein, denn das wohl bedeutet, dass wir einen neuen Endstopfen benötigen. Der wird hier in Mexiko vielleicht nicht ganz so leicht zu beschaffen sein. Teile werden meist über San Diego bestellt, das kann dauern. Na ja, mal sehen, immerhin gibt es in La Paz einen Wassermacher-Servicebetrieb. Es könnte allerdings sein, dass wir unsere Abfahrt Richtung Französisch Polynesien doch noch wieder auf etwas später verschieben müssen.

Egal, definitiv besser jetzt und hier einen solchen Schaden feststellen als unterwegs auf der Passage!

Wir verabschieden uns jedenfalls aus der (immer noch wunderschönen) Ensenada de la Partida und machen uns auf Richtung La Paz.

Unterwegs heitern uns springende Mobula-Mantas auf:

Und ohnehin: es ist herrliches Segeln in diesem wunderbaren Revier. Da kann man doch ruhig noch etwas länger bleiben …

Gratwanderung zu Weihnachten: Isla San Francisco

Es geht ein bisschen hin und her. Nach ein paar Tage mit Jan auf der Isla Partida fahren wir schon wieder nach La Paz. Noch mal ein Supermarkt-Großeinkauf. Und dann, fast schon um Mitternacht, holen wir Catalina am Dinghydock in der Marina ab. Damit ist die Crew der Flora für die Mexiko-Weihnachten komplett, es ist die gleiche wie vor zwei Jahren auf der Atlantikseite.

😊

Freudige Begrüßungsfeier, also lichten wir am nächsten Tag erst gegen Mittag den Anker. Es ist wenig Wind, aber mit dem Code0 können wir (wenn auch eher gemütlich) schön segeln.

So schaffen wir es bis zur Bahía El Empachado auf der Isla Espiritu Santo. Dort liegt schon die Wind River, wir laden mit Raffi und Kristen zu Fisch- und Hähnchen-Tacos auf die Flora ein. Es wird ein schöner Abend und die beiden Schwesterschiffe geben auch ein tolles Bild am Ankerplatz ab:

Und über dem Sandgrund im klaren Wasser scheint die Flora regelrecht zu schweben.

Wir möchten an Heiligabend dann noch ein Stückchen weiter nach Norden. Der Wind frischt zwar zunehmend bis über 20 kn auf, aber immerhin können wir die Isla San Francisco hoch am Wind fast anlegen. Nur das letzte Stück in die vor dem steifen Nord wunderbar geschützte halbmondförmige Ankerbucht motoren wir dann doch, denn durch den Canal de San José bläst es noch stärker hinunter. Ein AIS-Signal ist nicht zu entdecken, aber vier Boote liegen bereits in der Bucht, als wir einlaufen. Und wieder gibt’s ein unabgesprochenes Treffen mit befreundeten Crews: mit Doris und Wolf von der Nomad sowie Adriane und Michiel von der Joy treffen wir uns gleich zum Heiligabend-Sundowner am Strand.

Der Hike auf den Bergrücken im Osten der Bucht wird uns sehr nachdrücklich ans Herz gelegt.

Am ersten Weihnachtstag verziehen sich dann gegen Mittag die Wolken und wir machen uns auf. Am Strand entlang und dann durch die natürliche Salzpfanne der Landenge geht es auf einem Trampelpfad hinüber zu der Hügelkette.

Dann durch ein trockenes Bachbett etwas bergan bis zum hier noch recht niedrigen Grat. Und dann folgt unser kleines Weihnachtswunder: der Pfad folgt dem ansteigenden Grat, es wird die spektakulärste Wanderung, die wir bisher in Mexiko gemacht haben.

Es gibt tolle Ausblicke, aus dem Wandern auf dem Pfad wird Klettern, immer oben am Grat entlang, hoch über Floras Ankerplatz.

Kleiner Nebeneffekt: die Drohne hat eine um einiges erhöhte Starthöhe 😉.

Am Südende der Isla San Francisco können wir dann wieder zum Strand hinunter klettern.

Frohe Weihnachten 2023 von der Crew der Flora!

Durch eine magische Nacht in die Tropen gesegelt

Was für ein Unterschied. War der vorige Über-Nacht-Törn noch ziemlich anstrengend (insbesondere wegen der kabbeligen und konfusen Wellen), ist der nächste, etwa gleich lange Törn das reine Vergnügen mit angenehm glatter See Es hinunter zur Südspitze der Baja California, nach Cabo San Lucas.

Zunächst einmal ist es unser wärmster Törn seit langem: wir riggen sogar unser Steuerbord-Shade am Bimini. Das Netzgewebe ist luftdurchlässig, spendet aber Schatten.

Unterwegs gebackener Kuchen auf dem Tisch, Shade zum Schutz vor der Sonne

Auch das Wasser wird wärmer, wir messen inzwischen schon mal über 27 Grad. Kein Wunder also, dass auch die Nachtwache im Cockpit nicht mehr friert: die Lufttemperatur bleibt bei 23 Grad.

Kurz vor Cabo San Lucas (auch einfach “Cabo” genannt) segeln wir wieder in die Tropen. Das sind die Breiten zwischen dem Wendekreis (Tropic) des Krebses (nördlich des Äquators) und des Steinbocks (südlich des Äquators). Zum Vergleich: der Wendekreis des Krebses verläuft gut 2.600 km nördlich des Äquators quer durch Mexiko, auf der anderen Seite des Atlantiks dann mitten durch die Sahara und weiter durch Saudi Arabien.

Den Fischen scheint das in der Tiefe noch kalte, hier aber warme Pazifikwasser zu gefallen, kurz hinter einander gehen uns ein schöner Bonito und eine etwa einen Meter lange Golddorade (Mahi Mahi) an unsere beiden mit unterschiedlichen Ködern ausgebrachten Angeln.

Und die Nachtfahrt ist nicht nur schön warm, sie bietet auch wundervolle Unterhaltung. Als wäre der klare Sternenhimmel nicht genug, wird er in dieser Nacht auch noch von einer Vielzahl von Sternschnuppen geschmückt. Es entstehen aus dem Meteorstrom der Geminiden und sollten auch in den nächsten Nächten noch zu sehen sein. Beim Blick in den Sternenhimmel scheinen sie dem jetzt hoch im Wintersechseck stehenden Sternbild Zwillinge (Gemini) zu entspringen, daher der Name.

Die mondlose Nacht führt zusätzlich dazu, dass die Fluoreszenz der Wellen unseres Kielwassers besonders gut zu sehen ist. Die durch die plötzliche Bewegung zum Leuchten angeregten Bakterien blitzen sternengleich auf, erhellen das am Boot entlang strömende Wasser.

Vollends magisch wird die Nacht aber für uns durch ein weiteres “allererstes Mal”. Der Besuch von Delfinen am Boot ist jedesmal wunderschön. Nachts hört man meist nur das Schnaufen ihres Atemholens. Jetzt aber sehen wir die Meeressäuger in der dunklen Nacht als fluoreszierende Spur auf Flora zu schwimmen, Kreise drehen und wieder verschwinden. Was für ein Erlebnis.

Und wie kann so eine Nacht emotional passend zu Ende gehen?

Sonnenaufgang über Cabo vor unserem Bug

Bahía Santa Maria

Der 180 sm Übernacht-Törn von Bahía Asunción nach Bahía Santa Maria ist nicht der angenehmste. Es startet eigentlich recht gut, und die Vorhersage sieht achterlichen Wind vor.

Die Wellen werden zwar 2,5 m erreichen, sollen aber ebenfalls von Achtern auflaufen. Allerdings – hinsichtlich der Wellen bewahrheitet sich die Vorhersage nur bezüglich der Höhe. Die Richtung – na ja – gibts eigentlich nicht, die aufgeworfene See wird zunehmend konfus. Wir werden ordentlich hin und her gerollt, bekommen nur wenig Schlaf. Als wir am nächsten Tag in die Bahía Santa Maria einlaufen, brechen sich die Wellen an der Punta San Lázaro ziemlich spektakulär.

Aber nachdem wir dieses Kap der Baja California mit gehörigem Abstand gerundet haben, finden wir in Lee des Bergrückens und der Isla Magdalena eine wunderbar geschützte Bucht. Die Landschaft ist faszinierend vielseitig: der kahle, schroffe Hügelzug im Westen mit seiner Felsenküste geht nach Norden hin in eine flache, sandige Dünenlandschaft über. In diese wüstenähnliche Ebene ziehen sich aber einzelne Wasserarme mit Mangroven wie grünblaue Lebensadern hinein.

Und man merkt, dass wir uns langsam den Tropen nähern. Das Wasser in der Bucht ist herrlich. Bei 24 bis 25 Grad springen wir endlich wieder gerne vom Boot aus ins Meer.

Es gibt keinen richtigen Ort, nur zwei kleine Fischercamps in den Mangroven und ein etwas größeres an der Mündung. Die Barre vor dem Mangrovenflüsschen fällt bei Ebbe fast trocken, selbst die Fischer mit ihren offenen Pangas kommen dann kaum durch, müssen ihre Boote teils sogar über den Sand ziehen.

Tidenbedingt verhindert am Morgen der gegen die Dünung stehende Ebbstrom unsere geplante Dinghyfahrt in die Mangroven. Auf der Barre steilen sich die Wellen dramatisch auf. Ein Fischer mit seiner Panga kommt zwar durch, springt dabei aber spektakulär in den Wellen. Gemeinsam mit der Crew der Terikah disponieren um und machen statt dessen mit Jen, Chris, Calder und Cora lieber einen Hike über den Bergrücken.

Hinter einigen Felsen der rauhen Küste versteckt sich ein kleiner Sandstrand. Hier landen wir mit den Dinghies an und wandern dann einem kleinen Canyon den Berg hinauf. Manchmal führt der Weg im ausgetrockneten Bachbett entlang, meist aber gibt es einen Trampelpfad an seinen Seiten.

Auf der anderen Seite angelangt sehen wir, mit welcher Kraft die Wellen hier auch heute anrollen, obwohl der Ozean draußen viel weniger aufgewühlt wirkt.

Auf dem Rückweg wählen wir den Pfad auf einen der Hügel hinauf und können im Kontrast unsere Boote am ruhigen Ankerplatz liegen sehen.

Foto Courtesy: Jen, S/V Terikah

Auf der Flora schaffen wir es, die Einroll-Leine des Fock zumindest provisorisch wieder in der Furlex-Trommel zu befestigen und damit die Rollfock wieder nutzbar zu machen. Die Metallklemme im Inneren der Plastiktrommel war herausgebrochen und hatte sich gleich über Bord verabschiedet. Ein Ersatzteil ist bestellt und wahrscheinlich kann es Jan schon aus Hamburg mitbringen, wenn er uns über Weihnachten in Mexiko besucht.

Schön ist auch, dass wir in der Bahía Santa Maria einige Segelfreunde wieder treffen. Wir haben Doris und Wolf von der Nomad zu Kaffee und Kuchen auf der Flora, die beiden österreichischen Seenomaden hatten wir zuletzt in San Diego getroffen. Und beim Sundowner auf der Terikah sind auch Camille und Pat von der Pelican dabei.

Aber für’s erste trennen sich unsere Wege hier wieder. Wir hoffen, die anderen in La Paz wieder zu treffen, oder sonst vielleicht irgendwo anders auf dem Weg.

Seglerleben.