Tag 10 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

Tölpel an der Angel.

Die Angel rauscht aus. Das charakteristische Rattern der Rolle lässt den Adrenalinspiegel nach oben schießen, der Jagdtrieb ist geweckt. Aber der Blick übers Heck wandelt das Ganze in einen Schrecken um: ein noch nicht ganz ausgewachsener Blue Footed Booby (Blaufußtölpel) hat sich auf den Köder gestürzt und wird jetzt an der Wasseroberfläche hinter Flora her gezogen. Ein zweiter Booby bleibt immer ganz in seiner Nähe.

Vorsichtig, um den gänsegroßen Vogel nicht zu ertränken, ziehe ich ihn heran. Wiebke hat mir derweil einen dicken Lederhandschuh herausgesucht, mit dem kräftigen Schnabel dieser Vögel ist nicht zu spaßen.

Und dann wird der Haken herausoperiert:

Dankenswerterweise hält der Booby dabei still, zappelt überhaupt nicht herum.

Als ich ihn freilasse, setzt er sich zunächst aufs Wasser, probiert die Flügel aus, sammelt sich. Und fliegt dann wieder los. Sieht gut aus.

Leider entschließt sich just in diesem Moment der zweite Booby, den Köder unserer anderen Leine auszuprobieren, mit dem gleichen Ergebnis. „Tölpel“. Das gibt’s doch wohl nicht, wir exerzieren das Ganze noch einmal durch und beide Leinen bleiben erstmal an Bord. Wir haben jetzt schon so lange dauernd Boobies und andere Seevögel um uns, an den Haken gegangen ist bisher noch keiner. In der ganzen Zeit hatten es allerdings zwei Vögel geschafft, sich in der Angelleine zu verheddern, ohne sich aber den Haken ins Fleisch zu rammen.

Früher hätten derartig gefangene Seevögel sicher meistens für Abwechslung auf dem Speiseplan gesorgt (sie sind essbar und sollen sogar schmecken). Aber abgesehen davon, dass wir keinen Blue Footed Booby schlachten könnten, wäre das heute auch nur in Notfällen anzuraten. Eine gute Beschreibung dazu gibt es (auf Englisch) hier.

Ebenfalls nicht auf unserer Menükarte: obwohl sich die Crew der Snark sich morgens zum Frühstück immer über die auf Deck eingesammelten Fliegenden Fische hermacht (und Jack London sich auch über deren Geschmack wohlwollend äußert) werfen wir auf der Flora allmorgendlich die stark riechenden und schleimig-schuppigen Unglücksflieger mit spitzen Fingern über Bord.

Statt dessen gibts Filet vom Skipjack Tuna mit Rigatoni und selbstgemachtem Pesto marokkanisch (mit Kardamon, Datteln, Walnüssen, getrockneten Tomaten und Feta).

Schon wieder Festessen und wir haben auch etwas zu feiern. Heute Nacht haben wir das Band unserer Nordpazifik-Runde zur Schleife komplettiert:

(Floras bisherige Reise in der Noforeignland-App)

Wahnsinn, fast zwei Jahre (seit April 2022) waren wir jetzt in diesem von europäischen Segelbooten eher selten besuchten nordpazifischen Ozean unterwegs. Hawai‘i, Alaska, ausgiebig das kanadische British Columbia, dann die US-Westküste mit San Francisco, Mexikos Baja California und Sea of Cortez. Nichts davon möchten wir missen. Und jetzt kreuzen wir auf dem Weg nach Französisch Polynesien unseren damaligen Kurs von Galapagos nach Hawai‘i.

Die Nacht war ziemlich ruppig (aber schnelles Segeln). Wir waren im zweiten Reff sehr hoch am Wind unterwegs. Heute Morgen sind wir dann 20 Grad abgefallen, jetzt also eher voll und bei mit 60° scheinbarem Windeinfall, Flora hat „einen Knochen im Maul“, weiße Gischt stiebt am Bug.

Etmal 157 sm, gesamt auf dieser Passage bisher 1.326 sm, rechnerisch verbleiben 1.974 sm bis Gambier.

Tag 9 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

Positive Überraschung: wir müssen nicht den ganzen Tag die eiserne Genua bemühen. Schon nach gut 12 Stunden, zum Beginn der ersten abendlichen Wache, schalten wir den Motor wieder aus. Unter Schmetterlingsbesegelung mit ausgebaumtem Code0 gleiten wir langsam in die Nacht.

Und es bleibt zunächst äußerst gemächliches Segeln. Eine dunkle Wolke bereitet dem aber gegen 2.00 Uhr nachts ein Ende. Erst bringt sie Regen, dann frischt der Wind auf, wenig später wechselt er um 80 Grad die Richtung und nachdem der Kurs mehrfach angepasst ist schläft der Wind komplett ein. Die Segel schlagen in der Dünung, das hat keinen Zweck. Also muss ich doch Wiebke wecken. Wir rollen die Segel ein, nehmen den Spi-Baum weg. Von 3.00 Uhr an läuft wieder der Volvo. Zwei Stunden später muss sich Wiebke in ihrer Wache revanchieren und mich wecken. Auch für mich ist es also nichts mit den 3 Stunden durchschlafen. Der Wind ist wieder da, jetzt aus 90 Grad, perfekt für den Code0. Diesmal ohne Baum, die Segel werden wieder ausgerollt und bescheren uns einen herrlichen Segeltag.

Das ist in dieser Gegend alles andere als selbstverständlich, ich hatte den Schwachwindkeil der ITCZ ja schon mehrfach beschrieben. Aber er ist eben kein stabiles Gebilde, sondern verändert permanent seine Form und Ausprägung. Den Wegepunkt, an dem wir von Norden in die derzeitige ITCZ eingefahren sind, hatten wir mit Bedacht gewählt. Hier sollte sich nach der Vorhersage kurzzeitig für ein paar Tage eine kleine „Brücke“ aus Wind bilden, die wollen wir nutzen. Und genau das scheint jetzt zu klappen:

Dabei lassen wir es uns auch kulinarisch gut gehen: der gefangene Skipjack Tuna wird mit karamellisiertem Rosenkohl, Pecannüssen und Orangenkartoffeln zu einem echten Festmahl.

Etmal 123 sm, gesamt auf der Passage damit 1.169 sm, verbleiben rechnerisch noch 2.131 sm bis Gambier.

Heute stellen wir die Bordzeit um eine Stunde zurück, sind also jetzt wieder in der Zeitzone der US-Westküste, 9 Stunden hinter der deutschen Zeit.

Tag 8 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

Das Gewitterband liegt hinter uns, die Flaute vor uns, wir sind schon mittendrin, haben die die Innertropische Konvergenzzone ITCZ erreicht. Dankeschön für Euer Daumendrücken, es hat scheinbar geholfen. Wir kommen ohne Blitzlichtstakkato richtig gut durch. Das Gewitterband hat sich abgeschwächt, wir kriegen nur ein paar kräftige Regenschauer ab. Ansonsten können wir den Weg perfekt durch die Lücke in den Wolkentürmen steuern. Und bekommen sogar noch einen Skipjack an den Haken, der erste Angelerfolg seit Mexiko.

Die Nacht hindurch haben wir dann auch noch etwas Wind, gerade ausreichend zum Segeln. Seit heute Morgen um 6:30 läuft der Motor. Flaute.

Zeit, mal wieder etwas klar Schiff zu machen. Vom Schräglagen/Kirmes-Schaukel-Modus in den “nur sanft gewiegt”-Modus zu wechseln, die vom dauernden Abstützen gestressten Muskeln zu entspannen. Frisches Granola zu machen, Kuchen zu backen.

Nach der Vorhersage werden wir wohl rund einen Tag motoren, bevor wir dann hoffentlich wieder Segelwind finden. Für etwa 5 Tage durchgängiger gemäßigter Motorfahrt ist unser Dieselvorrat ausgelegt, das sollte also kein Problem sein.

Etmal 113 sm, gesamt auf dieser Passage 1.046 sm (damit die ersten 1.000 geknackt), rechnerisch noch 2.254 sm bis Gambier.

Die Sprayhood weggeklappt, die Mittelscheibe aufgestellt, das Groß nur als Stützsegel, so motoren wir heute durch die tropische Flaute.

Tag 7 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

Leicht angespannt.

Unter gerefften Segeln geht es in die Nacht. Wind ist genug – noch -. Manchmal auch mehr als genug, die dunklen Wolken bringen teils kräftige Böen und Schauer mit sich. Das soll sich im Laufe des Freitags dann allerdings rapide ändern. Dieser Schwachwindkeil der Innertropischen Konvergenzzone (international: ITCZ) liegt vor uns.

Und direkt davor, am nördlichen Rand der ITCZ, befindet sich ein Gewitterband in ständiger Veränderung. Da müssen wir nächste Nacht den besten Weg hindurch finden.

So zeigt sich das auf dem Satellitenfoto bzw. der Gewittervorschau mit unserer geplanten Route.

Alles in allem sieht es gar nicht so schlecht aus, wenn unsere Routen-Knobelei denn so hinkommen sollte. Wir rufen Windy und PredictWind immer aufs Neue auf und wägen die verschiedenen Vorhersagemodelle gegeneinander ab. Drückt uns bitte vor allem für die Gewittervermeidung die Daumen.

Dahinter wartet dann allerdings gleich eine weitere Naturgewalt, der Südäquatorialstrom. Ein mächtiger, schnell von Ost nach West fließender Fluss mitten im Ozean, zusätzlich mit vielen kleinen Eddies links und rechts des Hauptstroms.

Wie mächtig?

Ganz spannend ist der vergleichende Blick auf den Golfstrom, oben rechts an der US-Ostküste. Der berüchtigte Golfstrom nimmt sich dagegen als ziemlich schmales Band aus. Vorteil im Pazifik: Wind und Hauptstrom gehen normalerweise in die gleiche Richtung. Der blaue Punkt unter der Strömungsangabe 0.8 ist übrigens unsere aktuelle Position.

Wir wollen den Südäquatorialstrom in Südwestrichtung queren, er wird uns dabei also beschleunigen und auch ein ganzes Stück in Richtung Westen versetzen. Zu weit sollte es aber möglichst nicht sein, weil sonst der Windwinkel für die weitere Fahrt nach Gambier immer spitzer wird (der Wind also ungünstig von vorn käme).

Tja, darum kreisen unsere Gedanken im Moment, wie segeln wir am besten mit und am wenigsten gegen die Elemente? Fein ist, dass wir uns dazu mit der Fidelis austauschen können, sie segeln immer noch ganz in unserer Nähe.

Und außerdem? Passen wir uns immer noch an die Tropen an. Obwohl die relative Luftfeuchtigkeit mit 60 Prozent noch im völlig normalen Bereich ist, bei Temperaturen von 32 Grad im Boot und 29 Grad im Cockpit fühlen wir uns ein bisschen wie Sauerteig: klebrig und stinkend. Na klar, bei uns hilft die Dusche … für ungefähr zweieinhalb Minuten …

😅😳🥵

Im Windzug des Cockpits lässt es sich aushalten, aber … Alaska war auch schön. 😚

Etmal 149 sm, gesamt 933 sm, rechnerisch noch bis Gambier 2.367 sm (was etwa einer Atlantiküberquerung entspricht).

Tag 6 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

Gestern hatten wir uns noch über die nur mäßig bewegte See gefreut, heute sieht das etwas anders aus. In die Nacht geht es mit zunehmendem Wind, vorsichtshalber schon mal mit 1. Reff im Großsegel.

Und das ist gut so, es frischt während der Nacht weiter auf und auch die See nimmt zu. Nichts dramatisches, der Wetterbericht spricht von 3 m Wellen, aber in 15 Sekunden Frequenz. Also eher lange, nicht sonderlich steile Wellen. Wir schätzen sie in der Höhe sogar eher niedriger, aber leider laufen sie mit der Windsee (also den vor Ort durch den hier herrschenden Wind aufgeworfenen Wellen) ein bisschen durcheinander. Das sorgt für ein eher chaotisches Wellenmuster mit reichlich Hin- und Her-Schwanken der Flora. Auch im Boot will jede Bewegung durch gutes Festhalten abgesichert sein. Es ist anstrengend, gerade weil die Bootsbewegungen so wenig vorhersagbar sind.

Decksdusche dieses Mal daher auf den Heckkorb-Sitzen.

Wir kommen flott voran, derzeit mit der Fock an Steuerbord (und nicht mehr Schmetterling), das Großsegel ist weiter im 1. Reff.

Immer wieder spritzen große Schwärme von fliegenden Fischen vor Floras Bug zur Seite davon. Oft segeln die Fische dabei 50, manchmal 100 m weit. Manchmal schlagen sie mit ihrem Schwanz auf eine Wellenkamm und holen so noch ein paar weitere Meter Gleitphase heraus. In den letzten Tagen mussten wir allerdings auch morgens zumeist getrocknete Fliegende Fische und getrocknete Squids einsammeln, die sich in der Nacht auf Floras Deck verirrt hatten.

Jetzt, zum Mittag, wird vor uns der Himmel grau, es bauen sich Regenwolken auf, erste Vorboten des Übergangs in den Kalmengürtel, den wir vermutlich zum Wochenende erreichen.

Etmal 157 sm, gesamt 784, rechnerisch 2.516 sm bis Gambier.

Tag 5 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

5 Tage sind wir unterwegs. Echt, fünf Tage schon? Eine ganze Arbeitswoche?

Herrliches Passage-Wetter. Wir laufen bei blauem Himmel durch eine nur mäßig bewegte See. Haben angefangen, uns “The Cruise of the Snark” von Jack London vorzulesen. Zum einen, weil Jack London so ein begnadeter Erzähler ist, zum zweiten, weil der autobiografisch geprägte Törnbericht seiner 1907 gestarteten Segelreise auf seinem eigens dafür gebauten Segelboot ohnehin spannend ist und zum dritten, weil der Törn dann auch noch von San Francisco (über Hawai’i) in die Südsee führt. Ist also Bildungs-Lektüre in mehrfacher Hinsicht und zugleich auch eine tolle Erinnerung an bereits besuchte Orte.

Thema Besuch: auch heute gibt’s wieder mehrfach Delfinvisite. Dieses Mal sind es die auffällig gefleckten Schlankdelfine, die besonders ausgiebig um Floras Bug spielen. Oft kommen sie rasend schnell von der Seite her angeschossen, um dann vor dem Bug abzubremsen und sich mit Bugströmung eher gemächlich treiben zu lassen.

Und wir? Akklimatisieren uns weiter an die steigenden Temperaturen, die im Boot inzwischen locker die 30 Grad übersteigen. Das Brotbacken habe ich deshalb schon auf die Nachtschicht verlegt, so gibt es heute morgen herrlich frisches Roggenvollkornbrot.

Schön ist auch, dass die Fidelis in ziemlich gleichem Tempo wie die Flora unterwegs ist, so bleiben wir in UKW-Funkreichweite. Das lässt sich auch auf Noforeignland gut verfolgen.

Etmal heute 139 sm, gesamt auf dieser Passage 627 sm, rechnerisch verbleiben bis Gambier 2.673 sm.

Tag 4 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

Es ist warm geworden. Man merkt deutlich, dass wir wieder in den Tropen sind. Von gut 23 Grad Celsius in Mexiko ist die Wassertemperatur in diesen vier Tagen auf jetzt 28 Grad angestiegen, die Lufttemperatur entsprechend auch.

Zeit für eine Eimerdusche auf dem Achterschiff 😁

Delfinbesuch gab es übrigens auch heute wieder.

Der Wind ist noch immer nicht sonderlich stark, aber mit einer kräftigeren Phase in der Nacht hat es für ein Etmal von 135 sm gereicht, gesamt gesegelt auf dieser Passage somit 488 sm, bis zu den Gambier sind es noch 2.812 sm.

Wir halten allerdings gegenüber der direkten Strecke ein ganzes Stück nach Osten vor, so dass die Strecke insgesamt länger als die kalkulierten 3.300 sm werden dürfte. Derzeit sieht es so aus, als könnte sich am Wochenende eine Durchsegelmöglichkeit durch den Kalmengürtel auftun, das wäre natürlich ideal. Es ist wohl noch zu früh, um das sicher vorhersagen zu können. Ein weit östlicher Startpunkt würde uns aber ermöglichen, zur Not nördlich parallel zu den Kalmen zu segeln und ein Stück weit auf ein passendes Fenster zu warten. Außerdem wird uns der Südäquatorialstrom später noch weiter nach Westen versetzen. Kommen wir zu weit nach Westen, wird es schwierig, die Gambier anzulegen, Plan B wäre dann ein Landfall auf den Marquesas.

So, Schluss für heute mit den taktischen Überlegungen, aus der Pantry weht der Geruch von warmem Senfkartoffeln mit Salat und (unserem letzten frischen) Fisch hoch. Die Angel ist draußen.

Tag 3 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

Blinde Passagiere und andere Begleiter.

Es ist weiter langsames, aber ausgesprochen angenehmes Segeln. Achterlicher Wind zwischen (meist) 8 kn und in Böen (gelegentlich) mal 14 kn, dazu eine nicht allzu hohe Dünung.

Gestern Mittag haben wir in einigem Abstand die Isla San Benedicto und die Isla Socorro passiert. Diese Felseneilande weit draußen im Meer gehören noch zu Mexiko und sollen echte Tauchparadise sein. Der Aufenthalt erfordert allerdings eine vorherige und mit über 100 Dollar am Tag ziemlich teure Genehmigung. Ein Notstop an den Inseln etwa wegen erforderlicher Reparaturen wäre zwar sicher möglich, aber an Bord ist alles klar und das Wetterfenster für die Weiterfahrt derzeit auch ganz vielversprechend. Jedenfalls holen wir jetzt die mexikanische Gastlandsflagge endgültig ein.

Im Versuch, dem wenigen Wind einigermaßen Bootsgeschwindigkeit zu entlocken, lüften wir die gesamte Segelgarderobe einmal durch. Vom Schmetterling mit ausgebaumtem Code0 wechseln wir auf den Gennaker und das Groß, dann den Gennaker alleine, wieder Schmetterling. Dann Passatbesegelung mit ausgebaumter Fock an Backbord und ausgebaumtem Code0 an Steuerbord. Das bedeutet, dass wir uns zugleich ein Sportprogramm verordnen, denn der Umbau der Bäume und das Einholen und Setzen der Segel sorgt eben auch für körperliche Anstrengung.

Interessanterweise haben wir dabei Zuschauer. Mehrere Boobies fliegen die Flora an und versuchen auf ihr ein Plätzchen zu ergattern. Nachdem uns kürzlich einige Vögel von der Saling aus das ganze Deck und das Bimini samt Solarpanelen zugekotet haben (im wahrsten Sinne des Wortes ätzend), sind wir darüber allerdings nur mäßig erfreut.

Einer landet auf dem Bimini . Äußerst unwillig lässt er sich von dort vertreiben und nimmt dann auf dem äußersten Ende des Dinghies hinten in den Davits Platz. Na gut, da dürfte der Großteil seiner Hinterlassenschaften über Bord gehen. Er bleibt dann auch die ganze Nacht dort sitzen.

Uneingeschränkt gern gesehen ist dagegen der Delfinbesuch an der Flora. Mehrere große Schulen lassen sich sehen, eine spielt eine ganze Zeit am Bug der Flora.

Einen riesengroßes Dankeschön möchten wir Euch aussprechen, wir haben uns über die vielen guten Wünsche zu dem Start unserer Passage sehr gefreut, die uns über die verschiedenen Social-Media-Kanäle erreicht haben. Es ist toll zu sehen, dass Familie, alte und neue Freunde, Kollegen und in alle Welt verstreute Segelfreunde in Gedanken bei uns sind.

Möglich wird das Kontakthalten derzeit auf hoher See über Starlink. Wir schalten das Satelliten-Internet auf dieser Passage bisher zwei- bis dreimal am Tag ein, rufen die neuesten Wetterberichte ab, machen unsere Französisch-Lektionen. Und bleiben eben auch über Email, Facebook, WhatsApp und Instagram mehr oder weniger verbunden. Bisher hat der Verbindungsaufbau zu Starlink auch auf See unproblematisch geklappt, wir hoffen mal, dass das so bleibt.

Etmal 107 sm, bisher auf dieser Passage somit 353 sm, verbleiben rechnerisch bis zu den Gambier noch 2.947 sm.

Tag 2 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

In der Aufbruchstimmung vergessen:

Am Ankerplatz der Bahía San José del Cabo gab es zum Abschied von Mexiko noch ein neues „erstes Mal“ für uns. Den ganzen Tag über hatten wir viele Buckelwale gesehen. Aber dann, am stillen Ankerplatz unter Deck, konnten wir sie SINGEN HÖREN. Was für ein Erlebnis.

Nicht minder schön: das Wetter hat sich deutlich gebessert, aus den kleinen blauen Flecken zwischen all dem Grau ist ein blauer Himmel mit weißen Tupfern geworden.

Die Stimmung an Bord ist gut, der vergleichsweise ruhige Start mit glatter See hat uns gute Gelegenheit gegeben uns langsam einzugewöhnen. Auch wenn die Wellen inzwischen etwas zunehmen, wir beide haben in der zweiten Nacht auf unseren jeweiligen Freiwachen schon viel besser geschlafen.

Die jeweilige Wache hatte dafür das Vergnügen, an Backbord voraus das Kreuz des Südens am Sternenhimmel bewundern zu können, denn der Halbmond sorgt jetzt in der Nacht für genug Licht zur Orientierung und lässt doch gleichzeitig den Himmel dunkel genug für die Sternenbeobachtung.

Etmal: 123 sm, also noch etwa 3.054 sm bis nach Rikitea (wir behalten also die Gambier als Wunschziel bei).

Tag 1 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

Es sieht ein bisschen so aus, als wolle Mexiko uns den Abschied leicht machen. Grauer Himmel, Nieselregen. Wir bauen noch die Kuchenbude auf, dann lichten wir den Anker und machen uns gemeinsam mit der Fidelis auf den Weg.

(Foto-Credit: Jeannette / Fidelis)

Wir versuchen, auf kürzestem Weg aus dem Schwachwindgebiet am Cabo San Lucas heraus zu motoren, deshalb geht es erst einmal nach Südosten. Tatsächlich können wir nach einer knappen Stunde dann segeln. Nach drei Stunden müssen wir noch einmal 90 Minuten durch eine kleine Flaute motoren und ab da bleibt es beim Segeln, auch die Nacht hindurch. Oft mit schwachen und wechselhaften Winden, aber immerhin. Unser Code0 leistet gute Dienste. Bei der glatten See ist es trotz wenig Wind überwiegend angenehmes Segeln.

In der Nacht nehmen die Wellen etwas zu, der Großbaum ruckelt und knatscht auf diesem für den Bullenstander etwas zu spitzen Kurs. Wir rollen das Groß ein und fahren nur unter Code0, jetzt ist es ruhiger und die Freiwache kann besser schlafen. Und morgens um fünf setzt sich dann wie vorhergesagt kräftigerer Wind durch. Wir ändern den Kurs auf jetzt 200 Grad und wechseln auf Schmetterlingsbesegelung.

Kurz darauf eine Schrecksekunde: der Code0 ist auf seinem Antitorsionskabel nach oben gerutscht und steht nicht mehr richtig.

Die ziemlich dünne Lasching, mit der der Segelhals an der Rolle verzurrt war, ist gerissen. So können wir das 80 Quadratmeter große Segel nicht einrollen und natürlich lassen ein paar dunkle Wolken punktgenau den Wind auffrischen.

Mit einer Leine sichere ich das Segel gegen weiteres Hochrutschen. Dann riggen wir eine Talje, ziehen das Segel auf dem Antitorsionskabel ein Stück wieder herunter und erneuern die Lasching provisorisch mit einem kräftigeren Stropp.

Jetzt lässt sich der Code0 einrollen, wir nehmen ihn herunter und erneuern nochmals die Lasching. So sollte es gehen.

Heute Mittag haben wir 123 sm zurückgelegt. Kein besonders hohes Etmal, aber in Anbetracht der Verhältnisse sind wir mehr als zufrieden.

Ein guter Start und jetzt zeigen sich auch erste Wolkenlücken.