Von Toau nach Toau

Wir verlassen den False Pass. Für das Wochenende ist kräftiger Wind aus Ost angekündigt, anfangs mit südöstlicher Komponente. Dagegen ist die Südostecke des Atolls besser geschützt.

Das Timing für den Ostpass von Toau stimmt leider wieder nicht ganz. Als wir dort ankommen, sehen wir eine stehende Welle, die sich über die Hälfte der Breite des Passes erstreckt. Ein Segelboot kämpft sich durch die verbleibende Lücke aus dem Atoll heraus, wird dabei kräftig durchgeschüttelt. Wir funken die Yacht an, nachdem sie den offenen Ozean erreicht hat. Der Skipper berichtet von 5 kn mitsetzendem Strom gegen die Windrichtung. Da warten wir lieber draußen noch etwas ab, obwohl die See auch hier ziemlich unruhig ist. Das Großsegel ist ohnehin schon gerefft, das Vorsegel rollen wir etwas ein. Dann drehen wir bei (machen also hoch am Wind einfach eine Wende, ohne das Vorsegel zu bedienen und legen sofort wieder Gegenruder). Der Effekt ist immer wieder frappierend: das Vorsegel steht back und sofort kehrt Ruhe ein, als ob jemand die Wellen abgestellt hätte. Mit etwa einem Knoten driften wir ganz langsam zur Seite.

So warten wir eine knappe Stunde vor dem Pass, dann hat sich die Strömung augenscheinlich erheblich beruhigt. Als wir durch den Pass ins Atoll einlaufen, sind es nur noch gut 2 kn Gegenstrom und auf der südlichen Seite des Fahrwassers auch keine wilden Wellen mehr.

Noch zwei Meilen hinunter in die Südostecke und wir schnappen uns eine der freien Moorings.

Die Gerty hat sich ebenfalls hierher verholt, legt sich aber ein Stückchen weiter an einer kahlen Stelle des Riffs vor Anker. Sie wollen möglichst wenig verwirbelten Wind um vom Boot aus zu Kiten und verzichten dafür eben auf den Windschutz der Palmenhaine.

Kaum sind wir an der Mooring fest, meldet sich Maggie. Scott und sie sind mit der Adiona noch in Fakarava, wollen aber morgen nach Toau kommen. In Fakarava ist gerade das Versorgungsschiff angekommen und hat frisches Obst und Gemüse geliefert. Ob sie uns etwas mitbringen sollen?

Wow, was für ein wunderbares Angebot. Die beiden wissen um die Schwierigkeit, sich auf den kleineren Atollen entsprechend zu versorgen. So geben wir eine Bestellung auf und bekommen wir am nächsten Tag ein äußerst willkommenes Care-Paket geliefert:

Dankeschön, Ihr Lieben!

So schön mit Frischem verproviantiert und mit befreundeten Booten in der Nähe lässt sich der bevorstehende “Blow” in dieser geschützten Ecke des schönen Atolls doch ganz in Ruhe aussitzen.

Vielleicht ist ja sogar guter Wind zum Wingfoilen dabei? Noch ist es eher ruhig:

Wir müssen auch noch ein bisschen unseren Online-Vortrag über Alaska vorbereiten. In der OCC (Ocean Cruising Club) Webinarreihe sollen wir am 12. Dezember über diesen Teil unseres Törns berichten. Wer mag, kann sich gerne kostenlos zu dem Zoom-Vortrag mit anschließender Fragestunde anmelden. Geht (auch für Nichtmitglieder des OCC) über deren Webseite oder über den folgenden Link:

Webinar-Anmeldung OCC

Falls Ihr bei dem (englischsprachigen) Webinar am 12. Dezember ab 21.00 Uhr deutscher Zeit dabei sein werdet (was uns natürlich sehr freuen würde), lasst es uns gerne wissen. Da wir nicht die eigentlichen Veranstalter des Seminars sind, würden wir das sonst bestenfalls im Nachhinein erfahren.

Im Garten Eden auf Tikehau

Ich hatte ja schon mal berichtet, dass wir dem inflationär gebrauchten Begriff “Paradies” eher kritisch begegnen, auch wenn es hier in der Südsee wirklich viele wunderschön anzuschauende Orte gibt. Schummeln wir also jetzt, wenn wir vom Garten Eden schreiben?

Nein, denn den Garten Eden gibt es auf Tikehau tatsächlich. Nur ist es (für uns) nicht das Paradies, sondern eben ein von Menschen gemachter Garten. Stellt sich die Frage, was eine taiwanesische (sic!) christliche Glaubensgemeinschaft dazu bewegt, einem Motu auf einem abgelegenen Atoll in Französisch Polynesien einen Obst- und Gemüsegarten abzutrotzen. Paradiesisch einfach ist das ganz sicher nicht, denn außer Palmen gedeiht normalerweise kaum etwas auf dem kargen Boden der flachen Korallenatolle.

Gemeinsam mit Barbara und Ralph von der Lille Venn landen wir mit unseren Dinghies am Garten Eden an. Ein Schild am Ufer zeigt den berühmten Namen des biblischen Paradiesgartens, ein weiteres weist darauf hin, dass wir hier Gemüse einkaufen können, eine echte Rarität in den Tuamotus. Die Perlenzucht dagegen scheint die Glaubensgemeinschaft nicht mehr sehr aktiv zu betreiben, die Häuser auf dem Steg werden inzwischen wohl als Wohnungen genutzt. Im Inselshop werden aber immer noch Perlen angeboten.

Am Strand begrüßt uns Jakob. Er hat anders als die meisten hier keine taiwanesischen Wurzeln, sondern stammt aus Tahiti. Jakob führt uns über die drei Hektar große Plantage auf der Insel, vorbei an Plakaten und Wandbildern.

Viel spannender für uns: Jakob erklärt uns, dass die Humusschicht des Gartens hier dadurch gewonnen wird, dass insbesondere geschredderte Kokosreste kompostiert werden. Als Dünger wird zudem der Kot der gehaltenen Hühner und Schweine untergemischt. Ohne den Import von fruchtbarer Muttererde ist das zweifellos ein mühsamer, arbeitsintensiver und langwieriger Prozess. Aber er lohnt sich:

Kräuter und Gemüse gedeihen, Wiebke sucht sich unter anderem einen riesigen Pak Choi aus.

Neben für Französisch Polynesien klassischem, auf den Tuamotus aber eben trotzdem selten wachsendem Obst wie Bananen und Papaya gibt es hier sogar Maulbeeren und Acerola-Kirschen.

Vanille wird ebenfalls in größerer Menge angebaut. Zur Bewässerung wird Regenwasser gesammelt. Und damit nicht genug der Arbeit: die Gemeinschaft betätigt sich auch als Imker, Bienenstöcke sind über das Gelände verteilt. Und selbst Salz wird selbst gewonnen, Jakob zeigt uns die verschiedenen Becken, in denen aus dem Meerwasser nach und nach konzentriertere Lake und am Ende eben kristallines Salz gewonnen wird.

Zur Selbstversorgung und eben auch für den Verkauf im Insel-Shop. Auch Perlen, Tücher und geschnitzter Schmuck werden dort angeboten. Wir begnügen uns neben Kräutern und Pak Choi aber mit Bananen, Honig und Eiern. Eine gute Ausbeute, für ein kleines Inselchen in den Tuamotus geradezu paradiesisch! Zurück zu den Booten …

… die Sporteinheit wartet 😉

Foto Credit: Rajesh, S/V My Motu. Dankeschön!

Wandern auf Moorea und Wassermacherarbeiten

Unsere letzte Wanderung auf Moorea (noch vor dem Heimaturlaub) hatten wir ja leider wegen meiner Beinverletzung vorzeitig abbrechen müssen.

Jetzt holen wir die große Runde dieses Spaziergangs nach. Das Wetter passt gut, durch die Wolken ist es nicht so heiß, aber von Regen bleiben wir auf der Wanderung verschont.

Der Weg führt am Rand der steilen Berge langsam hügelauf zunächst durch Wald und dann durch weite Ananasfelder.

Anderen Wanderern begegnen wir nicht, aber über die Feldwege holpern hin und wieder Trucks mit Arbeitern in die Felder. Mit der Machete kämpfen sie sich durch die Plantagen mit den harten stacheligen Ananaspflanzen. Wir sehen sie nicht bei der Ernte, vielmehr kappen sie dem Knöterich ähnelnde Pflanzen, die die Ananasfelder überwuchern.

Wunderschön ist, dass wir die farbenfrohe Entwicklung der Ananas in allen Stadien bestaunen können. Die zu den Bromeliengewächsen zählende Pflanze bildet zunächst Blütenstände aus, bei denen aus rötlichen Hochblättern mehrere blau-lilane Einzelblüten herausschauen.

Aus diesen Blütenständen entwickelt sich dann die eigentliche Ananas-Frucht.

Zunächst noch grün, zur Reife hin wechselt die Fruchtfarbe ins goldgelbe und die charakteristischen Schopfblätter am oberen Ende der Frucht prägen sich stärker aus.

Es ist faszinierend, durch diese Kulturlandschaft zu wandern, die sich am flacheren Saum der steilen Bergklippen entlangzieht.

Als wir langsam etwas höher hinauf kommen, wechseln auch die angebauten Pflanzen. Unser Weg führt uns durch eine Bio-Farm.

Neben natürlich Bananen, Limetten und Pampelmusen sehen wir am Wegesrand unter anderem

Kaffee
Kakao
Stachelannonen (Sauersack)
Noni
und Papaya.

Zwischendurch führt unser Weg aber auch immer wieder durch Waldstücke und lässt uns durch Bäche waten.

Eine herrliche Wanderung von gut 8 Kilometern.

Zurück am Boot wartet noch etwas Arbeit. Der Wassermacher soll nach der Pause wieder in Betrieb genommen werden. Das wäre eigentlich ganz einfach: die Konservierungsflüssigkeit ausspülen, noch etwas laufen lassen und es könnte wieder Trinkwasser produziert werden.

Eigentlich. Aber zunächst mal fördert die Zubringerpumpe deutlich zu wenig Wasser. Das ist vergleichsweise einfach zu lösen, der Filter am Seeventil (etwas unglücklich im Motorraum zwischen Motor und Generator versteckt) hat sich mit einer festen Kruste ziemlich zugesetzt. Wir bauen ihn aus, reinigen ihn in Essiglösung und Herausforderung 1 ist gelöst. Zeit für Problem 2: jetzt spritzt beim Einschalten ein Wasserstrahl hinter dem Bedienpanel des Wassermachers hervor. Also Panel ausbauen und die Quelle lokalisieren.

Die Rostspuren zeigen, dass dieses Problem wohl schon etwas länger bestand und nur jetzt schlimmer geworden und dadurch aufgefallen ist. Tatsächlich hat die Druckanzeige an der Schraubverbindung ein kleines Loch. Glück im Unglück: die Anzeige hat zudem auch langsam etwas von ihrer Glycerinfüllung verloren. Ich hatte deshalb in Papeete ein Ersatzteil gekauft. Das kann ich jetzt einbauen (natürlich nur, nachdem wir einmal mehr das Vorschiff leer geräumt haben, um a den Stauraum heranzukommen).

Aber fein, der Wassermacher funktioniert wieder.

😅

Phänomenal.

Wir sind wieder auf der Flora. Der Weg dorthin: Montag morgen um 10.00 Uhr bringt uns Chief Jan zum Flughafen in Hamburg. Wir checken unser Gepäck ein, wider Erwarten gehen beide großen Taschen und auch die beiden großen Trecking-Rucksäcke als normales Gepäck (kein Sperrgepäck) durch. Um 12.15 Uhr der Flieger nach Paris, dort wie geplant relativ langer Aufenthalt, erst am Abend geht es weiter. Was für ein Phänomen: den ganzen Rest der Reise fliegen wir praktisch durch die Nacht. Sowohl die 11 Stunden nach Los Angeles als auch die nach zweieinhalb Stunden Aufenthalt weiteren 9 Stunden nach Papeete sind eine einzige, fast dreiundzwanzigstündige Nacht. Die Erddrehung und daraus folgend die zwölfstündige Zeitverschiebung machen es möglich. Wir schlafen dadurch recht viel auf diesen Flügen. Genau zum Sonnenaufgang kommen wir in Papeete an.

Bei der Einreise gibt’s zum Glück kein Problem mit dem Zoll und so sind wir kurz darauf mit unserem ganzen Kram schon an der Flora.

Nicht nur, dass sie unversehrt auf uns wartet (schon das eine große Erleichterung 😅). Obwohl wir quasi mit leeren Taschen nach Deutschland geflogen sind, bringen wir tatsächlich fast alles in den eigentlich schon vollen Schränken und Schapps unseres Bootes unter. Es erinnert ein bisschen an Hermine Grangers magische Handtasche, als wir Gegenstand um Gegenstand verstauen, obwohl doch eigentlich kein Platz mehr frei zu sein scheint. Lediglich das neue Wingfoil samt Board wandet erst einmal unausgepackt mit Tasche ins Vorschiff.

Sehr schön: die Persenning-Spezialisten von “Sellerie Marine” in Papeete haben in unserer Abwesenheit sowohl die neuen Cockpit-Poster als auch die Befestigung für zusätzliche Solarpanele auf dem Bimini fertiggestellt und am Tag vor unserer Ankunft aufs Boot gebracht. Kleinere Optimierungen erledigen sie dann direkt am nächsten Tag, wir sind begeistert.

Die Kabel muss ich noch anschließen, aber dafür erst eine neue Borddurchführung installieren.

Am Tag nach unserer Ankunft sollte sich am Himmel eigentlich ein Naturphänomen in Form einer ringförmigen Sonnenfinsternis zeigen. Frühmorgens versteckt sich die Sonne in der Taina Marina allerdings noch hinter den hohen Bergen von Tahiti, als sie über den Gipfeln auftaucht ist es bereits zu spät. Schade.

Das nächste Phänomen ist dann allerdings noch weniger erfreulich für uns. Wir füllen die Frischwassertanks auf, duschen. Und stellen dann leider fest, dass das Filtergehäuse des Carbonfilters im Frischwasserkreislauf undicht ist. Wieso geht das in Abwesenheit (und bei abgestelltem Frischwasserkreislauf) in einer definitiv frostfreien Umgebung kaputt? Nicht ärgern, nur wundern.

Der erste Trip aus der Marina Taina in die Stadt Papeete führt also zu den Bootsausrüstern. Tatsächlich finde ich ein fast identisches 10 Zoll Filtergehäuse, wie das alte “Made in Italy” und dunkelblau, optisch ziemlich identisch. Leider muss ich an Bord dann feststellen, dass es das wohl schon war mit den Gemeinsamkeiten. Die Halterung passt nicht, ich muss die (zum Glück enthaltene) neue montieren. Bootsyoga im Motorraum. Die Anschlussgewinde für die Wasserleitung haben ebenfalls eine andere Größe. Zurück in die Stadt, Adapter kaufen. Bei der Montage eines der Whale-Verbindungsstücke (Whale Stecksystem) zu fest angezogen: knack, nach fest kommt lose. Zum Glück Ersatz an Bord. Mit Adapter passen jetzt aber die festen alten Plastikrohre nicht mehr, sie sind jetzt gut einen Zentimeter zu kurz. Ersatz als Meterware und ein Spezialschneider dafür ist an Bord, allerdings in den Tiefen des Vorschiffs, das dafür komplett leer geräumt werden muss. Murphy’s Law. Aber am Ende wird alles gut. Ist es noch nicht gut, ist es halt noch nicht das Ende.

So ähnlich läuft es auch mit der Montage des von Lewmar reparierten und nach Hamburg geschickten Autopiloten. Dieser “Mamba-Drive” ist unser Zweit-Autopilot, auf den wir umschalten können. Der Antrieb im Motorraum ist schnell montiert, aber beim elektrischen Anschluss hakt es dann.

Die Kabel passen einfach nicht. Zwei der vier Kabel reichen nicht aus dem Motorraum hinaus, aber dort sind keine Anschlüsse. Das kann doch nicht sein! Beim Detailstudium der bei der Demontage gemachten Fotos kommt die Erleuchtung: Lewmar hat bei der Reparatur die beiden bei der Originalmontage offenbar verlängerten Kabel gekappt. Da muss man erst einmal drauf kommen. Kabel wieder verlängert, jetzt passt es wieder und besteht auch den ersten Funktionstest.

Langweilig wird es auch bei den nächsten kleineren Bootsarbeiten (neue Steckdosen, Endstücke Vorhangschienen austauschen, Knöpfe am Gasherd erneuern etc.) nicht, aber so ist das nunmal. Und noch mehr Kleinkram wartet, dafür haben wir ja schließlich die Ersatzteile mitgebracht.

Was liegt sonst noch an? Einkaufen. Papeete bietet in ganz Französisch Polynesien die besten Möglichkeiten zur Verproviantierung. Und da wir ja noch mehr als ein halbes Jahr vor allem die abgelegeneren Inseln besuchen wollen, ist einiges an Vorrat gefordert. Der Hyper U und auch der große Carrefour werden mehrfach besucht und erleichtern unsere Reisekasse. Dafür sinkt Floras Wasserpass tiefer ein. Besonders freut uns, dass wir im “Maxi”-Markt vergleichsweise preiswerte Großpackungen von Kirkland/Costco finden: Nüsse (sogar Paranüsse), Mandeln, Mandelmehl, Trockenfrüchte, Müsliriegel und einiges mehr können wir dort einkaufen.

Mit dem Einkaufen allein ist es allerdings nicht getan, Fleisch und Hack wollen auch noch eingekocht werden, um ohne Einfrieren haltbar zu sein:

Und das Wetter? Ziemlich viel Wind und Welle derzeit. Unser Liegeplatz im offenen Hafen der Taina Marina ist eigentlich nur durch das weiter draußen vorgelagerte Riff geschützt. An dem aber bricht sich die Brandung jetzt so hoch, wie wir es vorher noch nicht gesehen hatten. Insbesondere bei Flut schaukelt Flora deshalb auch hier im Hafen ganz ordentlich.

Aber am Montag könnte sich ein Wetterfenster ergeben, um nach Moorea zu segeln und dort hinter der Insel ein paar Tage Schutz zu finden. Und dann würden wir gerne erst einmal weitersegeln nach Huahine, bevor es dann von dort in die Tuamotus gehen soll.

Phänomenale Aussichten 😎.

Papeete, Tahiti.

Großstadtleben. Was für ein Kontrast zu den letzten Monaten. Ja, wir liegen vor Anker, sehr ruhig sogar. Und doch ist alles anders.

Jeden Morgen und jeden Abend wird die Flora umschwärmt von diversen Auslegerkanus. Die Tradition des Sports mit diesen typisch polynesischen Gefährten hatten wir zuerst in Hawai’i kennengelernt, auf den Inseln in Französisch Polynesien wird sie aber genauso intensiv weitergeführt, zumeist mit ultraleichten modernen Auskegerkanus, die aber eben doch mit ihren Auslegern traditionelle Technik weiterführen.

Ab und zu verirrt sich ein Jetski oder ein Wakebord hinter einem Motorboot in die Bucht, sonst sind nur die Optis des örtlichen Segelclubs unterwegs. Beschaulich.

Und doch: um uns herum ist Großstadt. An Land ist fußläufig ein großer Carrefour-Supermarkt, die Bushaltestelle ist nah und so kommen wir auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut in die Stadt. Trotzdem haben wir uns gemeinsam mit Andrea und Ingo für ein paar Tage ein Auto gemietet. Ein paar Ausflüge haben wir uns vorgenommen und einige Besorgungen sind auch zu machen. Lebensmittel, na klar, aber auch zum Beispiel notwendige Ersatzteile für unsere Tauchausrüstung, Bootszubehör, ein neuer Wasserkocher, und und und. Außerdem bringen wir Wäsche in die Laundry und Kleidung zum Waschen zu unserer Segelfreundin Barbara in ihr AirBNB mit Waschmaschine. Ganz lieben Dank für diese großzügige Möglichkeit.

Schnell noch einen Behördengang zwischendurch, endlich mal wieder ein Formular. Dafür können wir hier in Französisch Polynesien ab jetzt steuergünstiger unseren Bootsdiesel tanken.

Ein erster kleiner Hike, der „Chemin de la Croix“ führt uns hoch über die Stadt und bietet uns einen tollen Ausblick über Papeete mit seinem Hafen sowie hinüber zur Nachbarinsel Moorea.

Und als weitere sportliche Betätigung probieren Ingo und ich das von Ingo gerade gebraucht gekaufte Surfbord aus. 40 Jahre ist es wohl her, das ich das letzte Mal auf so einem Ding gestanden habe. Aller (Wieder-)Anfang ist schwer, aber: es macht Spaß!

In der Stadt genießen wir Brauerei und Restaurants, bummeln, shoppen. Treffen Segelfreunde.

Und besuchen gemeinsam mit Andrea , Ingo (Easy One), Barbara und Ralph (Lille Venn) ein kulturelles Highlight: das Heiva i Tahiti. Vom 4. bis zum 20. Juli findet es in diesem Jahr statt. Tänzer und Sänger aus ganz Polynesien messen sich in Vorauscheiden und treten dann zum Finale hier in Tahiti an, es ist ein Riesen-Event und eine großartige Veranstaltung. Klar, sie ist auch touristisch relevant. Aber vor allem ist das Heiva ein Fest, das die polynesische Kultur feiert und von den Polynesiern mit entsprechendem Stolz zelebriert wird.

Über fünf Stunden lang dauert die Veranstaltung, von 18:30 bis kurz vor Mitternacht. Bis zu hundert Tänzerinnen und Tänzer zählt eine einzelne Gruppe, dazu kommen Bands und Chöre. Während der Tanzdarbietungen ziehen sich die Teilnehmen zwischen den einzelnen Akten mehrfach um, jeweils mit aufwändigen, phantasievollen Kostümen. Leider sind Fotos bei dieser beeindruckenden Veranstaltung nicht gestattet, deshalb hier nur Screenshots der hier auch verlinkten offiziellen Facebookseite zum Heiva mit vielen weiteren Bildern.


Und Zack, sind schon 5 Tage Tahiti wie im Flug vergangen.

Nuku Hiva: Anse Hakatea (Daniels Bay) und Kokosnuss-Schulung 🥥

Ein paar Stunden schönes Segeln, dann sind wir von Ua Pou zurück auf Nuku Hiva. Wir entscheiden uns für Hakatea, eine der geschütztesten Ankerbuchten des Reviers. Aber nicht nur das zeichnet sie aus.

Die Einfahrt in die Bucht offenbart eine atemberaubende Schönheit der wild zerklüfteten Landschaft.

Die eigentliche Ankerbucht ist dabei durch die Halbinsel so gechützt, das wir von Floras Ankerplatz aus rundherum Land sehen. Draußen bricht sich der Schwell, drinnen liegt unser Schiff ruhig wie seit den Gambier nicht mehr.

Das Dörfchen an der westlichen Bucht bietet ein kleines Restaurant und die Möglichkeit, Obst zu kaufen. Wie schon in der Baie de Controleur liegen die wenigen Häuser allerdings an einem kleinen Fluss, dessen Mündung eine Barre aufweist. Sie kann nur um Hochwasser herum mit dem Dinghy befahren werden und auch das nur am äußeren Rand, ganz nahe an den Felsen. Wir holen Ingo und Andrea von der Easy One ab und probieren es. Direkt neben uns bricht sich die Brandung auf der Barre, aber wir kommen durch. Im Flüsschen ist es dann sofort herrlich ruhig.

Wir fahren noch ein Stück weiter Richtung Ort, dann binden wir Florecita an einer Palme fest und gehen zu Fuß weiter. Es ist fast unwirklich malerisch.

Beim dritten Haus treffen wir auf Kua. Wir fragen sie nach dem Weg, sind aber schon am Ziel. Gemeinsam mit ihrem Mann Te’iki betreibt sie ein kleines Gartenrestaurant und verkauft auch Früchte.

Te’iki fragt uns, ob wir ihm helfen können, sein Boot aus dem Wasser zu ziehen. Na klar. Also gehen Jannik, Ingo und ich mit Te’iki rüber zum Fluss, während Wiebke und Andrea mit Kua Früchte aussuchen.

Te’iki watet zum kleinen Motorboot und schiebt es ans Ufer, dort ziehen wir es dann mit einer Seilwinde über zuvor platzierte Baumstammrollen in den Garten. Hört sich einfacher an als es ist, das Ausbalancieren und manuelle Bedienen der Seilwinde ist recht aufwändig. Am Ende wird das Boot dann mit den Seitenteilen eines alten Bettes verkeilt. Fertig.

Zurück am Haus haben Wiebke und Andrea inzwischen eine ganze Schubkarre mit frischen Früchten wie Bananen, Papaya, Mango, Sternfrucht und Pampelmusen gefüllt. Ein paar Kräuter (Basilikum) gibt’s obendrauf.

Dann bekommt Jannik von Te’iki eine Kokosnuss-Schulung, er erinnert ihn vielleicht an seinen ungefähr gleichaltrigen Sohn, der in Tahiti in der Schule ist.

Zunächst einmal: wie wählt man die Kokosnuss aus, welche sind besonders gut? Und dann das entscheidende: wie öffnet man die Nuss vernünftig, schnell und ohne große Sauerei?

Jannik wird ausführlich eingewiesen, danach muss er (den Te’iki jetzt “Le Professeur” nennt) es uns erklären und zeigen.

Aber damit nicht genug. Als nächstes zeigt uns der Hausherr, wie das Kokosfleisch richtig aus den Teilen der Nuss herausgeschabt wird. Jannik soll sich auf das Schab-Brett mit der angeschraubten Metallspitze setzen und los geht’s. Immer wieder wird korrigiert: Fußstellung, Handhaltung, Bewegungsablauf.

Dann schabt der “Professeur” fleißig, Te’iki zupft derweil die Kokosfasern aus den Resten der Nuss-Hülle. In sie hinein gibt er das geschabte Kokosfleisch, wringt das Ganze mit den Händen über einer halben Kokos-Schale aus und lässt uns die so gewonnene leckere konzentrierte Kokosmilch kosten.

Ingo darf auch ran beim Auswringen.

Wir melden uns auch zum Mittagessen an, aber dafür müssen wir zuerst das Dinghy zurück zum Schiff bringen, ansonsten würden wir damit wegen der fortgeschrittenen ablaufenden Tide nicht mehr aus dem Fluss kommen. Also zur Flora in Hakatea (auf die bei Cruisern geläufigere Bezeichnung Daniels Bay ist Te’iki nicht gut zu sprechen) und eine Zeitlang später dann auf einem anderen Weg wieder ins Dörfchen. Diesmal beachen wir Florecita am Strand unserer Ankerbucht, ein kurzer Hike führt von dort zurück ins Dorf. Dafür müssen wir aber erstmal den Einstieg entlang des felsigen Ufers finden und in einer Furt durch den Fluss waten. Und dann Mittagessen im Gartenrestaurant von Kua und Te’iki. Es gibt Thunfisch mit Basilikum-Knoblauch-Marinade, frittierte Brotfrucht-Spalten und grünen Papaya-Salat. Délicieuse.

😋

Und das kommt dabei raus, wenn Jannik Smileys auf die Pampelmusen malt:

😂

Nuku Hiva

Nach einer Legende sind die Inseln Marquesas alle als Teil eines gemeinsamen Hauses erschaffen worden. Jede Insel ist entsprechend als Element dieses Gebäudes benannt. Nuku Hiva, größtes und vielleicht wichtigstes Eiland der Gruppe, wird dabei als Dach des Hauses eingeordnet.

Auch uns bietet es Schutz. Nach dem sehr rolligen Ua Huka präsentiert sich die von uns angesteuerte Nordküste von Nuku Hiva optisch im Gegenlicht zunächst monochrom, rau und ziemlich abweisend. Sobald wir bei einer der spektakulärsten Ansteuerungen unserer bisherigen Reise aber in die tiefe Bucht von Anahō hineinsteuern, wandelt sich das Bild.

Die zuvor fast drohend aufragenden steilen Felsspitzen weichen ein Stück zurück. Einzelne Sandstrände, Palmenhaine und eher sanft ansteigendes Gelände liegt zwischen dem Ankerplatz und senkrechten Basaltwänden. Das lässt die Kulisse gleichzeitig monumental und doch ausgesprochen lieblich erscheinen.

Ein Südseetraum von einem Ankerplatz!

Das Grundeisen fällt einmal mehr nahe bei der Terikah und gräbt sich auf 11 m Tiefe sofort in den Sand.

Näher zum Ufer hin sollte man nicht ankern, denn hier geht der Grund in Korallen über.

Am nächsten Tag machen wir gemeinsam mit unseren Segelfreunden einen Hike, der über den niedrigen Sattel hinweg in die Baie Haatuatua an der Ostküste der Insel führt.

In der Anlandezone für die Dinghys, am Ende eines kleinen Kanals durch das Korallenriff, werden wir freudig wiehernd begrüßt. Ein Pferd wird von seinem Besitzer gebadet, ist dafür an einer der Bojen festgebunden.

Auf dem weiteren Weg sehen wir bei den verstreuten Häusern des kleinen Dorfes noch einige weitere Pferde. Der Grund dafür ist, dass die Ortschaft nicht über eine Straße erschlossen ist. Lediglich ein mit Pferden begehbarer steiler Trail führt zur ans Straßennetz angebundenen Nachbarortschaft.

Für uns geht’s zunächst durch das Dorf und dann mal am Strand, mal etwas oberhalb auf den Felsen an der großen Bucht entlang. Jannik und Calder eröffnen dabei die “Kokosnuss-Jagd”.

Auf der anderen Seite des Sattels liegt die Farm von Roger. Er baut dort Gemüse und Obst an. Selbst Wassermelonen und herrlich rote Tomaten lächeln uns an, aber obwohl wir ausgiebig durch das Gelände streifen, treffen wir Roger nicht an. Also setzen wir unseren Weg zur Ostküste fort, wobei der Trail auf diesem Stück nicht immer ganz leicht zu finden ist und uns die Kommot Wander-App ein bisschen in die Irre führt. Dafür lockt am Ziel aber ein breiter flacher Sandstrand fernab jeglicher Bebauung und mit herrlichem Blick.

Photo credit: Jen, S/V Terikah

Leider wird durch den Südostpassat aber auch einiges an Treibgut und Müll angeschwemmt. Calder findet darunter immerhin auch eine Perlfarmboje, die jetzt die Ausrüstung der Terikah für die nicht allzu ferne Weiterfahrt zu den Tuamotus ergänzt.

Auf dem Rückweg treffen wir im Dorf dann tatsächlich auch noch auf Roger. Neben dem Anbau auf seiner Farm zieht er auch in seinem Garten Gemüse, so können wir hier unsere Frische-Vorräte doch noch aufstocken. Salat, Gurken, eine Handvoll grüner Bohnen, Auberginen, Pampelmusen Zitronen, Papaya und – allerdings aus der Tiefkühltruhe – auch Taro wandert auf die Flora und die Terikah.

Schlau wie wir sind, haben wir den Hike von Mittag bis kurz vor Sonnenuntergang gemacht, damit uns die Hitze beim Workout mal wieder so richtig schlaucht.

Selbst Jannik ist ein bisschen geschafft. 😉

Fatu Hiva III: Tiki und hoch hinauf

Der wunderschöne Ankerplatz von Hanavave auf Fatu Hiva hat sich geleert, zwischenzeitlich sind wir nur noch fünf Boote hier. Unsere Nachbarn sind schon weiter gezogen, erkunden bereits andere Inseln der Marquesas, aber wir bleiben noch ein bisschen.

Einen ruhigen Tag verbringen wir einfach auf dem Schiff, genießen die einzigartige Szenerie und die verschiedenen Licht-Schatten-Spiele der Basaltmonoliten vor dem Hintergrund der steilen grünen Berghänge.

Am nächsten Tag machen wir wieder eine Wanderung. Es soll 9 km weit zu einem 450 m hohen Gipfel über der Bucht gehen, also brechen wir zeitig auf, um bei den ohnehin hohen Temperaturen nicht auch noch in die Mittagshitze zu kommen. Guter Plan, aber die Umsetzung klappt nicht so recht. Auf dem Weg durch das Dorf fällt uns ein eine mit luftigem Mesh eingehauste Plantage auf. Was mag das sein?

Der Nachbar kommt von seinem Grundstück herüber und klärt uns auf. Es ist eine von offizieller Seite angelegte Testanpflanzung von Vanille. Wird aber aus seiner Sicht nicht intensiv genug gepflegt. Und wo wir schon mal im Gespräch sind, lädt uns Henry gleich zu sich in seinen Garten ein. Wir werden der Familie vorgestellt, die auf der Terrassenwerkstatt gerade an Knochen- und Muschelschnitzereien arbeitet. Henry selbst ist eigentlich mit dem Anschleifen von Balsaltsteinen für mehrere Tiki beschäftigt.

Aber das kann jetzt ruhig warten, statt dessen werden wir mit Früchten aus dem Garten überhäuft. Neben Mango, Bananen, Papaya, Pampelmusen und Zitronen bekommen wir erstmals auch Ambarella (polynesische Goldpflaume). Henry erklärt uns, dass sie hier grün (unreif) gegessen wird, wobei die Schale nicht mitgegessen wird.

Im Gespräch erfahren wir, dass Henry eigentlich von den Gambier kommt. Hm, da waren wir ja gerade. Wen wir dort kennen? Wir berichten und es stellt sich heraus, dass Pakoi (von Aukena) sein Cousin ist. Als wir ihm die Fotos von Pakoi und uns zeigen, ist er ganz aus dem Häuschen und auch seine Frau muss sich die Bilder gleich noch einmal ansehen. Es ist eine kleine Welt.

Unsere ganzen Gartengeschenke sollen wir nicht mit auf die Wanderung nehmen, sondern erst mal da lassen und auf dem Rückweg abholen. Das Angebot nehmen wir gern an und übrigens – für die Skeptiker – auch beim Abholen wird uns kein Verkauf angeboten, sondern einfach der Fruchtberg in die Hände gedrückt.

Jetzt sind wir natürlich doch später unterwegs und es wird eine anstrengende Wanderung, obwohl der Weg auf der wenig befahrenen Straße entlang führt. Die Serpentinen ziehen sich so steil den Berg hinauf, dass wir nach einiger Zeit lieber auf der gesamten Straßenbreite im Zickzack gehen. So mindern wir die Steigung und damit das Gefühl, eine Treppe hinauf zu gehen.

Am Point de Vue ist nur Zwischenstation, es geht weiter steil bergan. Dafür werden wir aber mit herrlichen Ausblicken auf das Dorf, die Küste und die nördlich des Dorfes liegenden schroffen Felszacken belohnt.

Die Betonstraße (weiter oben Schotterstraße) schlängelt sich am Hang entlang, mehr als einmal können wir weit unter uns Flora am Ankerplatz liegen sehen.

Bei der Steigung gehen die 9 km dann aber doch ganz gut in die Beine (rauf) bzw. auf die Knie (runter), wieder an Bord sind wir rechtschaffen kaputt.

Trotzdem schafft es Wiebke noch, einen Zitronenkuchen zu backen. Heute suchen suchen wir dann noch einige aussortierte Kleidungsstücke heraus, packen ein Sortiment Stifte für Henrys Enkel und einige Stücke Zitronenkuchen dazu und gehen nochmal zu Henry, um uns mit Gegengeschenken für die polynesische Gastfreundschaft zu bedanken. Das kommt ausgesprochen gut an. Zwei von Henrys Söhnen sind gerade da, beide sprechen (wie Henry) gutes Englisch. Einer der Söhne ist Tätowierer und beide erklären uns die Bedeutung der verschiedenen klassischen Motive.

Und Henry zeigt uns, wie und mit welchen Werkzeugen er aus den Steinen Tiki herausarbeitet. Gemeinsam erläutern sie uns den religiösen und historischen Hintergrund der Tiki und welche Bedeutung Tiki für die Marquesas auch heute noch haben.

Und ohne ein weiteres Gastgeschenk – diesmal ist es selbstgefertigter Schmuck – lassen sie uns nicht gehen. Die polynesische Gastfreundschaft ist immer wieder überwältigend.

Im kleinen Dorfladen kaufen wir noch ein paar Lebensmittel, gönnen uns ein Eis. Als wir danach zurück an Bord kommen, fängt es gerade an zu tröpfeln. Dann wächst es sich zu einem fulminanten Tropenregen aus, der fast den ganzen Nachmittag anhält. Zeit für das Kochen einer asiatischen Teriyaki Gemüsepfanne mit von Henry mitgegebenen Maniok und außerdem auch noch das Backen einer wunderbaren Key Lime Pie (Wiebke).

Oder für den großen Service am Generator (Ralf). Danach zur Abkühlung eine Tropendusche auf dem Achterdeck.

Erst zum Abend klart es dann doch wieder auf.

Ist das schön hier auf Fatu Hiva!

Die kleinen und die großen Dinge

Wir schnorcheln vor Aukena. Einmal mehr beeindrucken der Fischreichtum und der gute Zustand der vielen Korallen.

Das Riff selbst ist vielleicht etwas weniger farbenfroh als in manchen Teilen der Karibik, die Details sind es aber nicht. Zum Beispiel die Tridacna, quasi Zwerge in der Familie den Riesenmuscheln. In unterschiedlichen leuchtenden Türkis- und Blautönen strahlen die etwa 10 bis 15 cm messenden Muscheln zu uns herauf und schließen sich, wenn wir näher heran schnorcheln.

Später, beim Strandspaziergang unter Palmen, springt uns eine andere “Kleinigkeit” förmlich an.

Die winzigen Jungferngeckos sitzen oft in den Kokospalmen und nun pflücken wir ausgerechnet “seine” Nuss. Schwupp – sitzt er auf meinem Finger, lässt sich ausgiebig bewundern und springt dann auf die Kamera und weiter auf Wiebkes Fuß.

Nachdem er vor allem Mücken und kleine Spinnen jagt, wäre er eigentlich ein perfektes Haustier auf Flora, aber wir setzen ihn trotzdem lieber zurück in “seine” Palme. Mach’s gut, Kleiner.

Was dagegen richtig groß ist: die Gastfreundschaft hier in den Gambier. Wie fast auf jeder der etwas größeren Inseln des Archipels gibt es auch auf Aukena eine Kirche, trotz der nur ungefähr 30 Einwohner. Sie liegt dicht an unserem Ankerplatz, die Anfahrt über das Riff gestaltet sich aber schwierig. Doch Hilfe naht: Pakoi läuft aus seinem Garten ans Ufer und weist uns den Weg. Er legt sogar einen Zwischensprint ein, als wir ihn nicht gleich richtig verstehen. Eine mini-kleine Rinne führt zur kurzen Steinmole, gerade breit und tief genug für den Außenbordmotor, um mit einer auflaufenden Welle in den tieferen Bereich direkt vorm Ufer zu gelangen. Zum Glück gelingt das Manöver.

Gemeinsam ziehen wir das Dinghy auf den Strand und Pakoi lädt uns ein, ihm hinter seine Hütte zu folgen. So gut es unsere Französisch-Kenntnisse zulassen, unterhalten wir uns über Gott und die Welt, unsere Reise und Pakois Heim auf Aukena. Wir erfahren, dass er der alten Königsfamilie von Mangareva entstammt und der Name in seinem Pass eigentlich Antoine Kanuto Teapiki lautet.

Seit 30 Jahren lebt er hier, kümmert sich um die Kirche und um seinen Garten. Beides zeigt er uns bereitwillig. Als eine Sau mit mehreren Ferkeln aus dem Wald kommt, freut sich Pakoi. “Die war jetzt einen Monat lang weg und nun kommt sie mit ihren Kindern wieder.” Direkt neben der Kirche sehen wir am Waldrand einige weitere Schweine. Sie leben hier halbwild, dienen aber auch der Fleischversorgung.

In seinem Garten säbelt uns Pakoi mittels einer langen Bambusstange und daran befestigter Sichel frische Brotfrucht vom Baum, schenkt uns außerdem Zitronen, Pampelmusen und Bananen.

Danke schön Pakoi.

Die Gastfreundschaft hier ist immer wieder schon fast beschämend großzügig. Polynesier fühlen sich ob ihrer Kultur fast schon verpflichtet, alles stehen und liegen zu lassen, sobald ein Gast auftaucht. Man sollte also vorsichtig sein, die Gastfreundschaft nicht zu überbeanspruchen. Das fällt aber gar nicht immer leicht, zumal etwa Pakoi die Abwechslung durch den Besuch wirklich zu genießen schien, ebenso unser (wenn auch manchmal radebrechendes) Gespräch.

Wir versuchen, an die Kultur von Geschenk und Gegengeschenk wenigstens etwas anzuknüpfen. Als kleine Geste kommen wir später mit dem Dinghy noch einmal zurück und bringen selbst gebackenen Mandelkuchen vorbei.

Verstecken zu Ostern

Fast drei Wochen sind wir nun schon auf den Gambier und fast die ganze Zeit hatten wir schönes und ruhiges Wetter. Pünktlich zum Osterfest zieht allerdings im Südosten von uns ein Tiefdruckgebiet auf, das auch unser Feiertagswetter beeinflusst. Für die nächsten Tage ist Wind aus Südost mit kräftigen Böen angekündigt.

Der Ankerplatz vor Rikitea auf Mangareva ist zwar durch die vorgelagerten Riffe geschützt, aber aus Südost können Wind und Welle doch einigen Anlauf nehmen. Für die Lagune bei Taravai gilt das Gleiche. Wir beschließen deswegen, uns auf der anderen Seite von Taravai in einer geschützten Nordwestbucht zu verstecken (blauer Punkt).

Die Nordwestseite von Mangareva bietet sich nur scheinbar ebenfalls an, sie ist aber ziemlich dicht an dicht mit Perlfarmen belegt.

Macht aber nichts: hier in der Baie Anganui liegen wir nicht nur wunderbar geschützt, sondern zudem auch ausnehmend schön.

Inzwischen hat sich noch die Adiona zu uns in diese schöne Bucht verholt. So können wir mit unseren kanadischen Segelfreunden Maggie und Scott Ostern feiern. Die beiden haben uns gleich schon mal bei der Kokosnuss-Ernte geholfen und dann zu Erdbeer-Margaritas auf ihren Kat eingeladen.

Für die vorbei gebrachten Bananen-Muffins können wir uns dann heute mit einem Guglhupf Elsässer Art revanchieren. Den hat Wiebke quasi als Testlauf für das Backen bei Tetu und Murielle ausprobiert.

😚

Sowieso schon SEHR lecker, aber mit der selbst gemachten Guaven-Marmelade – einfach ein Gedicht!

Wir wünschen Euch allen ein schönes Osterfest.