Ua Pou

Mit einem Zwischenschritt über die Baie de Controleur segeln wir zur nächsten Insel der Marquesas: Ua Pou. Unterwegs fangen wir endlich mal wieder einen Thunfisch. Perfekte Größe für uns, etwa 90 cm lang und damit beim Hereinholen noch vernünftig zu handhaben, gleichzeitig aber mit fast zwei Kilogramm Filet auch für drei Personen ausreichend für mehrere Hauptmahlzeiten und trotzdem noch im Kühlschrank unterzubringen.

Trotz der auffällig gelben Flossen ist das übrigens kein Gelbflossen-Thunfisch, sondern ein Großaugen-Thunfisch. Beim Gelbflossen-Thunfisch wären die gelbe Zweite Rückenflosse (Dorsal Fin) und die Afterflosse wesentlich länger, schmaler und sichelförmiger (ähnlich der Brustflossen, nur eben gelb).

So oder so, wir machen gleich am ersten Abend dreierlei vom Fisch daraus: Sushi, Sashimi und zart angebratenes Thunfischfilet.

Die Überfahrt nach Uta Pou ist dann durchaus sportlich, kräftige Böen bis 28 kn pfeifen durch die Meerenge zwischen Nuku Hiva und Ua Pou. Eine kleine Fähre geht nahe an uns vorbei. Die Gischt an ihrem Bug illustriert den Zustand der See recht gut:

Aber unser Kurs ist nur etwas vorlicher als Halbwind, in weniger als 4 Stunden haben wir die 28 Seemeilen der Passage bewältigt.

Im Windschatten von Ua Pou beruhigt sich auch der Seegang.

Allerdings ist der Ankerplatz von Hakahetau dafür bekannt, dass hier fast immer Schwell hinein steht. Die Easy One ist schon seit zwei Tagen da und Andreas Schilderungen sind ziemlich abschreckend: “Wiederlich und zermürbend” war die Beschreibung am ersten Tag, “Mies und echt räudig” am zweiten. Nach der Wetterlage müsste es inzwischen eigentlich besser sein, aber …

Die hohen Basaltkegel auf dieser Insel zeigen sich schon von weitem. Sie sind die Magma-Schlote längst erodierter Vulkane und geben Ua Pou ein unverwechselbares Gesicht. Bis über 1.200 m ragen sie empor, die höchste Erhebung der Marquesas. In der Legende, nach der alle Inseln der Marquesas Teile eines Hauses sind, stellt Ua Pou (= zwei Säulen) die geschnitzten Pfeiler dar, die das Dach tragen. Ein nahe liegendes Bild.

Wir schaffen es, noch rechtzeitig in der Ankerbucht von Hakahetau anzukommen um unsere Schweizer Freunde Barbara und Ralph mit ihrer “Lille Venn” zu erwischen. Die sind zwar schon auf dem Sprung zur Weiterreise im ihren Gästen, aber wir haben – gemeinsam mit Andrea und Ingo von der “Easy One” – noch einen wundervollen Abend, von Barbara aufs Leckerste bekocht. Es ist so schön, die beiden nach drei Jahren endlich wieder getroffen zu haben.

Photo credit: Ingo, SY Easy One

Früh am nächsten Morgen sind die Schweizer verschwunden. Mit Andrea und Ingo machen wir uns auf zu unserer ersten Wanderung auf Ua Pou. In der Noforeignland-App sehen wir, dass wir nahe am Dinghydock (gegen Gebühr von ca 5 $) unseren Müll abgeben können. Eine gute Gelegenheit, denn das ist auf den Marquesas nicht überall möglich. Beim Bezahlen kommen wir mit Eveline ins Gespräch. Es stellt sich heraus, dass sie (in 4. Generation) die Bürgermeisterin des Tals ist. Als wir nach den Pflanzen in ihrem Garten fragen, die über an Stangen aufgespießten Kokosnussschalen ranken, zeigt sie uns ihren Vanille-Anbau. Und damit nicht genug, sie erklärt uns auch, wie nach der Ernte mit den Schoten verfahren werden muss und schenkt uns zum Abschied sogar einige Vanilleschoten. Ein weiteres beeindruckendes Beispiel der polynesischen Gastfreundschaft.

Jetzt aber los auf die Wanderung, immerhin haben wir uns gleich zwei Ziele vorgenommen. Zuerst machen wir uns auf den Weg zu Schoko-Manfred.

Der an der Elbe bei Boitzenburg aufgewachsene Deutsche hat sich nach einem ziemlich bewegten Lebenslauf hier niedergelassen und eine kleine Schokoladenmanufaktur aufgebaut. Auch wenn er seine Rezeptur und die Konstruktion seiner selbstgebauten speziellen Kakaobohnenmühle inzwischen verkauft hat, ist ein Besuch bei ihm auf seinem abgelegenen Grundstück oben im Wald quasi ein Muss, sofern man sich vom bekanntermaßen zotigen Humor von Schoko-Manfred nicht abschrecken lässt.

Andrea und Ingo waren zwar schon da, kommen aber trotzdem wieder mit. Andrea hat sogar extra ihren selbst gemachten Schoko-Likör mitgebracht. Lecker!

“Schoko-Manfred” mit keimenden Kakaobohnen

So richtig Stimmung kommt aber trotzdem nicht auf. Manfred und seine Frau wirken müde. Wir ertragen die abgedroschenen (erwartet) derben Witze und kosten die leckere Manufaktur-Schokolade, von der dann auch einige Tafeln auf die Flora wandern.

Unser nächstes Ziel ist umso stimmungsvoller. Auf einem jetzt viel kleineren Pfad wandern wir zum Hakahetau- Wasserfall.

Ein erfrischendes Bad in dem wunderschönen Kessel, in den der Wasserfall hineistürzt ist ein zusätzlicher Lohn dieses Hikes.

Photo credit: Ingo, SY Easy One

Und dann zurück zum Ankerplatz. Ein bisschen Schwell ist schon noch da, o.k.

Aber inzwischen lassen sich die Bedingungen wirklich gut aushalten und mal ganz ehrlich, wie genial ist denn eigentlich dieser Blick?

Nuku Hiva

Nach einer Legende sind die Inseln Marquesas alle als Teil eines gemeinsamen Hauses erschaffen worden. Jede Insel ist entsprechend als Element dieses Gebäudes benannt. Nuku Hiva, größtes und vielleicht wichtigstes Eiland der Gruppe, wird dabei als Dach des Hauses eingeordnet.

Auch uns bietet es Schutz. Nach dem sehr rolligen Ua Huka präsentiert sich die von uns angesteuerte Nordküste von Nuku Hiva optisch im Gegenlicht zunächst monochrom, rau und ziemlich abweisend. Sobald wir bei einer der spektakulärsten Ansteuerungen unserer bisherigen Reise aber in die tiefe Bucht von Anahō hineinsteuern, wandelt sich das Bild.

Die zuvor fast drohend aufragenden steilen Felsspitzen weichen ein Stück zurück. Einzelne Sandstrände, Palmenhaine und eher sanft ansteigendes Gelände liegt zwischen dem Ankerplatz und senkrechten Basaltwänden. Das lässt die Kulisse gleichzeitig monumental und doch ausgesprochen lieblich erscheinen.

Ein Südseetraum von einem Ankerplatz!

Das Grundeisen fällt einmal mehr nahe bei der Terikah und gräbt sich auf 11 m Tiefe sofort in den Sand.

Näher zum Ufer hin sollte man nicht ankern, denn hier geht der Grund in Korallen über.

Am nächsten Tag machen wir gemeinsam mit unseren Segelfreunden einen Hike, der über den niedrigen Sattel hinweg in die Baie Haatuatua an der Ostküste der Insel führt.

In der Anlandezone für die Dinghys, am Ende eines kleinen Kanals durch das Korallenriff, werden wir freudig wiehernd begrüßt. Ein Pferd wird von seinem Besitzer gebadet, ist dafür an einer der Bojen festgebunden.

Auf dem weiteren Weg sehen wir bei den verstreuten Häusern des kleinen Dorfes noch einige weitere Pferde. Der Grund dafür ist, dass die Ortschaft nicht über eine Straße erschlossen ist. Lediglich ein mit Pferden begehbarer steiler Trail führt zur ans Straßennetz angebundenen Nachbarortschaft.

Für uns geht’s zunächst durch das Dorf und dann mal am Strand, mal etwas oberhalb auf den Felsen an der großen Bucht entlang. Jannik und Calder eröffnen dabei die “Kokosnuss-Jagd”.

Auf der anderen Seite des Sattels liegt die Farm von Roger. Er baut dort Gemüse und Obst an. Selbst Wassermelonen und herrlich rote Tomaten lächeln uns an, aber obwohl wir ausgiebig durch das Gelände streifen, treffen wir Roger nicht an. Also setzen wir unseren Weg zur Ostküste fort, wobei der Trail auf diesem Stück nicht immer ganz leicht zu finden ist und uns die Kommot Wander-App ein bisschen in die Irre führt. Dafür lockt am Ziel aber ein breiter flacher Sandstrand fernab jeglicher Bebauung und mit herrlichem Blick.

Photo credit: Jen, S/V Terikah

Leider wird durch den Südostpassat aber auch einiges an Treibgut und Müll angeschwemmt. Calder findet darunter immerhin auch eine Perlfarmboje, die jetzt die Ausrüstung der Terikah für die nicht allzu ferne Weiterfahrt zu den Tuamotus ergänzt.

Auf dem Rückweg treffen wir im Dorf dann tatsächlich auch noch auf Roger. Neben dem Anbau auf seiner Farm zieht er auch in seinem Garten Gemüse, so können wir hier unsere Frische-Vorräte doch noch aufstocken. Salat, Gurken, eine Handvoll grüner Bohnen, Auberginen, Pampelmusen Zitronen, Papaya und – allerdings aus der Tiefkühltruhe – auch Taro wandert auf die Flora und die Terikah.

Schlau wie wir sind, haben wir den Hike von Mittag bis kurz vor Sonnenuntergang gemacht, damit uns die Hitze beim Workout mal wieder so richtig schlaucht.

Selbst Jannik ist ein bisschen geschafft. 😉

Tahuatas wilder Norden: Wieder treffen und wieder verabschieden.

Nach den Mantas in Hapatoni wenden wir Floras Bug wieder nach Norden. Auch wenn es nicht eben typisch für die Marqueasas ist wollen wir Jannik doch auch den weißen Palmenstrand in der Baie Hanamoenoa zeigen. Zuerst aber noch ein Stop in Vaitahu. Bei moderaten Bedingungen sieht es dort am Dinghydock übrigens so aus:

Aber Ort und Landschaft sind den erneuten Stop allemal wert.

Dort ankern auch Doris und Wolf. Wir bekommen frischen Mangokuchen auf der “Nomad”, treffen die beiden Österreicher auch an Land bei “Chez Jimmy” und ein weiteres Mal in der nächsten Ankerbucht. Dann aber heißt es mal wieder Abschied nehmen, fürs erste trennen sich unsere Wege schon wieder.

So schön es auch ist, gute Segelfreunde immer mal in anderen Ecken der Welt wiederzutreffen, so schmerzlich ist das dauernde Abschiednehmen. Und auf Tahuata trifft uns das gleich mehrfach. Mit Mareike (Moana) und Andrea und Ingo (Easy One) haben wir schon so viel erlebt, unter anderem beim Lockdown in Antigua im März 2020.

Nach ganz unterschiedlichen Wegen und doch immer wieder Treffen zwischendurch gibt’s jetzt hier noch einen schönen Sundowner am Strand und dann brechen wir erstmal in unterschiedliche Richtungen auf. Bestimmt sehen wir uns aber noch in Französisch Polynesien wieder. Also jetzt nicht melancholisch werden.

Zum Treffen am Strand fahren wir dieses Mal übrigens mit den Paddelboads. Zuvor am Nachmittag hatten wir das Dinghy vor dem Strand geankert und waren an Land geschwommen. Der Schwell (siehe Eingangsbild) macht das Anlanden mit dem Dinghy hier nämlich riskant.

Ist man erst mal da, sieht es meist völlig harmlos aus:

Auch aus der Luft scheint die Bucht gut geschützt und ruhig, erst recht mit der gemütlichen Hängematte:

Und doch, das kleine Video macht vielleicht deutlich, wie schnell sich das Gefühl ändert:

Von dem Schwell ist auch das Wasser in der Baie Hanamoenoa etwas trüb. Jannik lässt sich aber nicht abhalten und ist eine große Hilfe beim Putzen des Rumpfes, auch ganz unten am Kiel.

Und wenn unser Gast das Schnorcheln schon so intensiv trainiert, suchen wir uns doch auch noch mal eine Bucht mit klarerem Wasser. Mit dem Dinghy (Beiboot-Fahren wird also auch geübt) brausen wir um den Pointe Matahoke in die Felsenbucht an der Nordwestspitze der Insel.

Hier kann der Schwell keinen Sand aufwirbeln, es gibt super Schnorchel-Bedingungen.

Tja, und dann heißt es Abschied nehmen von Tahuata. Diese Insel hat uns so viel geboten und uns richtig gut gefallen.

Nachdem uns ja der extrem rollige und ziemlich volle Ankerplatz von Atuona auf Hiva Oa einiges abverlangt hat (bis hin zur nächtlichen Ankerwache) soll unser nächster Stop dann in der Hoffnung auf etwas moderatere Bedingungen an der Nordküste von Hiva Oa sein.

Mal sehen.

Erdofen-Festmahl: Umu auf den Marquesas

Zurück in die “Stein-Zeit”. Traditionell wird zu Festen oder besonderen Anlässen das Essen auf den Marquesas (und anderen Teilen Polynesiens) in einem Erdofen mit heißen Steinen unter Luftabschluss ganz langsam gegart. Ohne Topf, vielmehr werden die Zutaten in aus Palmblättern geflochtene Körben auf die im Feuer erhitzten heißen Steine gelegt und mit Bananenblättern abgedeckt. Darüber kommt noch die zuvor aus dem zylindrischen Loch ausgehobene Erde. Und dann heißt es Warten. Rund 24 Stunden gart das Essen im hier “Umu” genannten Erdofen.

Wir haben das große Glück, an einem solchen Festmal teilnehmen zu können. Pierre von der Segelyacht “Viva“ hat es angestoßen, mindestens 20 Segler müssen zusammenkommen, dann würden Gilbert und seine Familie es in Hapatoni für uns auf traditionelle Weise durchführen. Als Festmahl, mit Wildschwein, Ziege und Tintenfisch, dazu die ebenfalls lokal typischen Beilagen wie verschieden zubereite Brotfrucht, Kokosnuss, Maniok und weiteres, zudem Poisson Cru.

Unter den Seglern spricht sich das schnell herum, am Ende melden sich 38 Erwachsene und fünf Kinder von insgesamt 16 Booten an. Da wird es natürlich ein bisschen kuschelig in der Ankerbucht.

Besonders schön ist, dass wir schon bei der Vorbereitung dabei sein können. Hier zeigt uns Gilberts Schwager Ani schon mal das Erdloch, in dem wenig später zunächst die Steine erhitzt werden:

Danach heißt es Materialien anfertigen und Zutaten jagen. Schwein und Ziege sind schon erlegt, hier wird gerade die Ziege gestückelt:

Die Körbe dafür werden aus Palmblättern geflochten, von der Familie und freiwilligen Segler-Auzubis:

Parallel dazu begleiten Jannik und ich gemeinsam mit zwei weiteren Seglern vier Männer aus der Familie bei ihrer Jagd nach Tintenfischen.

An diesem Abend kommen dann auch unsere Freunde von der Easy-One nach ihrer Pazifikpassage von Panama und dem Einklarieren in Hiva Oa bei uns in Hapatoni an. Großes Hallo und natürlich Willkommensabend auf ihrem Schiff.

Am nächsten Tag geht’s dann um 11.00 Uhr hinüber zum Öffnen des Erdofens:

Zuerst wird die Erde weg geschaufelt, …

… dann die darunter liegende Plane und das ebenfalls zur Abdeckung eingelegte Sackleinen entfernt. Darunter kommen dann schon die Bananenblätter zum Vorschein:

Und schließlich wird der Metallkorb herausgehoben, in den der einfacheren Handhabung wegen die Garkörbe mit den Zutaten gestellt wurden:

Aus den Körben wird das Buffet befüllt und – nach einem Dankgebet und Gesang – startet das Festmahl.

Das langsame Garen im Erdofen lässt das Fleisch besonders zart und geschmacksintensiv garen. Vor allem das Ziegenfleisch (mit Kokos-Sauce) finde ich wunderbar.

Gilbert hat auch für musikalische Untermalung gesorgt, es wird ein geselliger Nachmittag.

Ganz besonders freuen wir uns außerdem, dass wir bei dem Fest neben Andrea und Ingo

auch unsere österreichischen Segelfreunde Doris und Wolf von der “Nomad” wiedertreffen.

Einfach schön. und ein ganz besonderes Erlebnis.

Besuch. Chillen oder auf die Palme …und Entdecken.

Die Maschine von Air Tahiti schwebt auf der Landebahn von Hiva Oa ein und bringt unser Patenkind Jannik mit. Er hat gerade sein Abitur gemacht und wird jetzt einen Monat lang mit uns Französisch Polynesien erkunden.

“Chillen”. Sagt er. Aber ganz so ist es dann doch nicht. In dem 19jährigen steckt dann doch ordentlich Entdeckergeist und so vieles ist neu.

Zuletzt an Bord war Jannik vor sechs Jahren in Griechenland. Wahnsinn, schon so lange her, fast ein Drittel seines bisherigen Lebens.

Was deutlich besser klappt als befürchtet: die totale Nachteule Jannik (steht zu Hause gerne erst nachmittags auf) steht morgens als erster auf, geht schwimmen oder setzt sich einfach an Deck und beobachtet die vielen Delfine am Ankerplatz. Wiebke gesellt sich dazu, ich komme irgendwann mit dem Kaffee nach.

Die Zeitverschiebung zu Europa hilft da sicherlich, aber jedenfalls ist es sehr praktisch. Hier geht die Sonne um 5:30 auf und um 17:30 wieder unter.

Und so ist Jannik beim morgendlichen Hike zum Aussichtspunkt über unserer Bucht voll dabei. Den Kokospalmen unten am Wasser müsste doch eine Nuss abzutrotzen sein? Es ist die typische Lernkurve, oder jedenfalls entspricht sie unserer eigenen. Mit Steinen werfen?

Bringt nichts. Lange Stangen sind nicht greifbar. Also klettern!

Hinterlässt zwar ein paar Spuren am ungeübten Körper, aber dass wird für den Erfolg gern in Kauf genommen. Nach der pfadfinderischen Meisterleistung mit steilem Waldklettern abseits des Weges treffen wir zurück auf der Straße eine Local. Sie öffnet uns mit ihrer Machete freundlicherweise die Nuss.

Überhaupt, die Einheimischen. Die Gastfreundschaft hier ist einfach überwältigend. Auf dem weiteren Weg im Dorf Hapatoni kommen wir an einem riesigen Mangobaum vorbei. Wir fragen, ob wir Mangos kaufen können. Gil und Stella bitten uns auf ihre Terrasse und verneinen. Sie verkaufen kein Obst. Sie verschenken es nur, schließlich würde die Natur sie ja auch beschenken. Wow.

Gil mit seinem beeindruckenden polynesischen Gesichts-Tattoo streift mit uns durch den Garten und erntet. Stella schickt ihn hinterher trotzdem noch einmal los, um noch mehr Spezialitäten zum probieren zu bringen, etwa Zuckerrohr und Cœur Coco, die Baiser-artige Masse aus einer frisch gekeimten Kokosnuss.

Gill holt uns Papaya vom Baum.

Wir unterhalten uns lange. Über alles mögliche, etwa den Ukraine-Krieg. Der scheint hier in der Idylle weit weg zu sein, aber für Gil und Stella gilt das nicht. Ihr Sohn ist als Soldat in Frankreich bzw. dort, wo er als Fallschirmspringer eingesetzt wird. So war er in Mali und jetzt, wo Präsident Macron den Einsatz französischer Soldaten in der Ukraine ins Gespräch gebracht hat, ist dieser Krieg für sie ganz nahe gerückt. Jannik (mit seinem Französisch-Leistungskurs) ist aktiv in dem Gespräch dabei.

Und einmal mehr gehen wir mit vielen geschenkten Früchten im Gepäck. Eine komplette Bananenstaude müssen Jannik und ich gemeinsam tragen, sie kommt ans Achterstag und wir versorgen noch die umliegenden Boote damit. Inzwischen haben zufällig zwei weitere Hallberg-Rassy neben uns geankert, die schwedische 43 “Elin” und die amerikanische 53 “Sula”.

Als nächstes ist Schnorcheln angesagt, das bietet sich bei diesem wunderbaren Ankerplatz einfach an.

Und was die Kokosnüsse angeht, ist jetzt Janniks Ehrgeiz geweckt. Für die kleine Expedition rüsten wir uns besser aus. Per Paddelboard geht’s an Land, die SUP lassen sich über die Steine leichter vor dem Schwell in Sicherheit bringen. Im Rucksack: Machete, Seil, Gaff, Tupperdosen sowie Messer und Löffel für das Kokosfleisch und eine Weithalsflasche für das Kokoswasser. Auf geht’s.

Mit dem Paddel das Seil in Position zu bringen und dann mit der Leine die Nuss herunterzureißen erweist sich als effektive Erntemethode. Und dann geht’s ans Öffnen mit der Machete, Auffangen von Kokoswasser und herausoperieren des Kokosfleischs.

Für das Abendessen wird der frische Überfluss gleich verarbeitet: Poisson Cru vom Mahi Mahi, dazu gebratener Fisch mit Kokosnussstückchen, Auberginen und Möhren, dazu Brotfrucht-Fritter, Mango-Chutney und Papayasalat.

Janniks Jäger-und-Sammler-Ader ist offenbar aktiv: nachdem das Fischen vom Boot aus nicht erfolgreich war, möchte er zum Sonnenuntergang mit dem Dinghy ein Stück weiter rausfahren und dort angeln.

Wir fangen zwar nichts, aber dann ist es eben Chillen unter der gerade so eben sichtbaren dünnen Mondsichel.

Flora Fun Tours: verschiedene Spektakel in Vaitahu

Wir ankern vor Vaitahu, mit ein paar hundert Einwohnern der Hauptort der Île Tahuata. Faszinierend: jeden Morgen liefern uns in dieser Bucht Ostpazifische (Spinner-)Delfine eine kostenlose Akrobatik-Show am Ankerplatz. Im Cockpit sitzen wir auf den Logenplätzen dieses Freilufttheaters. Dicht bei den Booten finden sich mehrere Gruppen der Delfine ein und dann scheint ein Wettbewerb zu starten. Wer springt am höchsten? Wer am spektakulärsten? Salti, Schrauben, Rückenflugeinlagen.

Und nach der Wasser-Show geht’s an Land.

Interessant und für das heutige Neben- und Miteinander von katholischem Glauben und traditioneller Marquesanischer Religion: der Vorplatz der modernen Kirche in Vaitahu wird gesäumt von zahlreichen Tiki. In der polynesischen Kultur repräsentieren diese Figuren den ersten Mann, sind halb Mensch, halb Gott. Sie stehen zugleich für Macht, Weisheit und Wohlstand, haben aber je nach Ausgestaltung auch individuelle Fähigkeiten und Funktionen. Mit ihren übergroßen Augen sind zugleich Fenster in die Zeit nach dem irdischen Leben.

Steinmetzkunst: bei diesem hinaus zum Ankerplatz blickenden Tiki ist der Zopf wiederum aus vielen weiteren Tiki gebildet:

Von den ersten katholischen Missionaren wurden die Tikis als heidnische Götzenbilder verteufelt und auch zu großen Teilen zerstört. Heute aber erleben sie eine Renaissance, selbst hier unmittelbar an der Kirche.

Und auch die moderne Kirche von Vaitahu nimmt in Architektur und Symbolik Bezug auf die Marquesas und ihre Tradition. Das überstehende Dach bietet Schutz vor Regen und es gibt ein mit üppigen Schnitzereien versehenes Portal. Aber die Seitenwände sind oberhalb der brusthohen Balustrade offen, der Wind weht durch die Kirche hindurch.

Die überlebensgroße geschnitzte Figur der Polynesischen anmutenden Maria am Kirchturm trägt einen eben solchen Christus auf dem Schoß, dieser wiederum hält eine Brotfrucht, das traditionelle Grundnahrungsmittel der Marquesas.

So wichtig übrigens, dass es sich auch in der Schnitzerei der Kanzel wiederfindet, …

… neben dem Kreuz der Marquesas. Das wird zwar auch gerne christlich vereinnahmt. Es war vor der Christianisierung der Marquesas aber ursprünglich ein Fruchtbarkeitssymbol und ist in seinen vielen Varianten auch heute noch eines der typischen Tattoo-Motive der Marquesas. Es findet sich auch auf dem Sockel des Zopf-Tikis.

Auf dem Weg zurück zum Dinghy sehen wir, dass sich jetzt am (1. Mai) Nachmittag viel Leben auf der Pier abspielt. Sie ist zugleich Bade- und Angelplatz für Jung und Alt, vor allem aber sozialer Treffpunkt.

Einige der jüngeren Kinder fragen uns, ob wir mit ihnen eine kleine Tour mit dem Dinghy machen können.

O.K. Schwupp, sitzen sieben Kids mit uns in Florecita. Flora Fun Tours. Für uns bringt die kleine Runde um die ankernden Boote mindestens so viel Spaß wie für die singenden Kids. Beim Video unbedingt den Ton anmachen.

Anmerkung: die Videos laufen leider nicht in der Benachrichtigungs-Email zum Blogbeitrag. In dem Fall bitte direkt auf die Internetseite des Blog gehen, zum Beispiel einfach durch Klick auf die fettgedruckte Überschrift in der Email.

An den nächsten beiden Tagen ist das Anlanden mit dem Dinghy am Pier dann nicht mehr ganz so einfach. Die Pazifikdünung läuft in unsere Ankerbucht hinein, Wellen brechen über der Pier und auch an den Felsen der Bucht. Flora schaukelt nur ein bisschen, es ist bisher ganz gut erträglich. Allerdings sind diese Wellen vielleicht nur Vorboten, für die nächsten Tage sind kräftiger Wind und auch höhere Wellen angesagt. Dabei macht das jetzt eigentlich schon genug Spektakel:

Aber auch das sind eben die Marquesas.

Und noch ein Hinweis zur Webseite des Blogs: wir haben endlich unter dem Reiter „Route“ auch die in 2023 gefahrene Strecke ergänzt. Aber natürlich könnt Ihr Euch wie gewohnt über die Abschnitte der einzelnen Jahre hinaus auch die ganze bisher zurückgelegte Strecke unserer Langfahrt mit der Flora und unsere aktuelle Position auf Noforeignland anzeigen lassen.

Fatu Hiva III: Tiki und hoch hinauf

Der wunderschöne Ankerplatz von Hanavave auf Fatu Hiva hat sich geleert, zwischenzeitlich sind wir nur noch fünf Boote hier. Unsere Nachbarn sind schon weiter gezogen, erkunden bereits andere Inseln der Marquesas, aber wir bleiben noch ein bisschen.

Einen ruhigen Tag verbringen wir einfach auf dem Schiff, genießen die einzigartige Szenerie und die verschiedenen Licht-Schatten-Spiele der Basaltmonoliten vor dem Hintergrund der steilen grünen Berghänge.

Am nächsten Tag machen wir wieder eine Wanderung. Es soll 9 km weit zu einem 450 m hohen Gipfel über der Bucht gehen, also brechen wir zeitig auf, um bei den ohnehin hohen Temperaturen nicht auch noch in die Mittagshitze zu kommen. Guter Plan, aber die Umsetzung klappt nicht so recht. Auf dem Weg durch das Dorf fällt uns ein eine mit luftigem Mesh eingehauste Plantage auf. Was mag das sein?

Der Nachbar kommt von seinem Grundstück herüber und klärt uns auf. Es ist eine von offizieller Seite angelegte Testanpflanzung von Vanille. Wird aber aus seiner Sicht nicht intensiv genug gepflegt. Und wo wir schon mal im Gespräch sind, lädt uns Henry gleich zu sich in seinen Garten ein. Wir werden der Familie vorgestellt, die auf der Terrassenwerkstatt gerade an Knochen- und Muschelschnitzereien arbeitet. Henry selbst ist eigentlich mit dem Anschleifen von Balsaltsteinen für mehrere Tiki beschäftigt.

Aber das kann jetzt ruhig warten, statt dessen werden wir mit Früchten aus dem Garten überhäuft. Neben Mango, Bananen, Papaya, Pampelmusen und Zitronen bekommen wir erstmals auch Ambarella (polynesische Goldpflaume). Henry erklärt uns, dass sie hier grün (unreif) gegessen wird, wobei die Schale nicht mitgegessen wird.

Im Gespräch erfahren wir, dass Henry eigentlich von den Gambier kommt. Hm, da waren wir ja gerade. Wen wir dort kennen? Wir berichten und es stellt sich heraus, dass Pakoi (von Aukena) sein Cousin ist. Als wir ihm die Fotos von Pakoi und uns zeigen, ist er ganz aus dem Häuschen und auch seine Frau muss sich die Bilder gleich noch einmal ansehen. Es ist eine kleine Welt.

Unsere ganzen Gartengeschenke sollen wir nicht mit auf die Wanderung nehmen, sondern erst mal da lassen und auf dem Rückweg abholen. Das Angebot nehmen wir gern an und übrigens – für die Skeptiker – auch beim Abholen wird uns kein Verkauf angeboten, sondern einfach der Fruchtberg in die Hände gedrückt.

Jetzt sind wir natürlich doch später unterwegs und es wird eine anstrengende Wanderung, obwohl der Weg auf der wenig befahrenen Straße entlang führt. Die Serpentinen ziehen sich so steil den Berg hinauf, dass wir nach einiger Zeit lieber auf der gesamten Straßenbreite im Zickzack gehen. So mindern wir die Steigung und damit das Gefühl, eine Treppe hinauf zu gehen.

Am Point de Vue ist nur Zwischenstation, es geht weiter steil bergan. Dafür werden wir aber mit herrlichen Ausblicken auf das Dorf, die Küste und die nördlich des Dorfes liegenden schroffen Felszacken belohnt.

Die Betonstraße (weiter oben Schotterstraße) schlängelt sich am Hang entlang, mehr als einmal können wir weit unter uns Flora am Ankerplatz liegen sehen.

Bei der Steigung gehen die 9 km dann aber doch ganz gut in die Beine (rauf) bzw. auf die Knie (runter), wieder an Bord sind wir rechtschaffen kaputt.

Trotzdem schafft es Wiebke noch, einen Zitronenkuchen zu backen. Heute suchen suchen wir dann noch einige aussortierte Kleidungsstücke heraus, packen ein Sortiment Stifte für Henrys Enkel und einige Stücke Zitronenkuchen dazu und gehen nochmal zu Henry, um uns mit Gegengeschenken für die polynesische Gastfreundschaft zu bedanken. Das kommt ausgesprochen gut an. Zwei von Henrys Söhnen sind gerade da, beide sprechen (wie Henry) gutes Englisch. Einer der Söhne ist Tätowierer und beide erklären uns die Bedeutung der verschiedenen klassischen Motive.

Und Henry zeigt uns, wie und mit welchen Werkzeugen er aus den Steinen Tiki herausarbeitet. Gemeinsam erläutern sie uns den religiösen und historischen Hintergrund der Tiki und welche Bedeutung Tiki für die Marquesas auch heute noch haben.

Und ohne ein weiteres Gastgeschenk – diesmal ist es selbstgefertigter Schmuck – lassen sie uns nicht gehen. Die polynesische Gastfreundschaft ist immer wieder überwältigend.

Im kleinen Dorfladen kaufen wir noch ein paar Lebensmittel, gönnen uns ein Eis. Als wir danach zurück an Bord kommen, fängt es gerade an zu tröpfeln. Dann wächst es sich zu einem fulminanten Tropenregen aus, der fast den ganzen Nachmittag anhält. Zeit für das Kochen einer asiatischen Teriyaki Gemüsepfanne mit von Henry mitgegebenen Maniok und außerdem auch noch das Backen einer wunderbaren Key Lime Pie (Wiebke).

Oder für den großen Service am Generator (Ralf). Danach zur Abkühlung eine Tropendusche auf dem Achterdeck.

Erst zum Abend klart es dann doch wieder auf.

Ist das schön hier auf Fatu Hiva!

Fatu Hiva II: Hanavave und Vaieenui-Wasserfall

Urzeitlich schroff. Jurassic Parc. So präsentiert sich die in fast senkrechten Ziehharmonika-Falten aus den Tiefen des Pazifiks empor springende Basaltküste nördlich der der Hanavave-Bucht.

Aber der Blick direkt in die Ankerbucht zeigt: in der Ebene und den niedrigeren Seitentälern um den Ort Hana Vave ist es üppig grün, hier bauen die Bewohner der Marquesas seit Jahrhunderten Kulturpflanzen wie Taro, Yams, Brotfrucht und Kokospalmen an, außerdem Papaya, Süßkartoffeln, Mangos, diverse Bananensorten und vieles mehr.

An Land empfängt uns gleich ein steinernes Tiki, typisch polynesische Kunst.

Durch den kleinen Ort wandern wir zunächst zum “Restaurant” von Desiree und Jacques. Genau genommen ist es ihr ziemlich einfaches Privathaus, aber auf Vorbestellung servieren sie auf der Terrasse typische Küche der Marquesas. Sally und Simon vom Nachbarboot “Shimshal II” haben dafür gesorgt, dass heute Abend der Ofen angeworfen wird und auf seine Frage hin schließen wir uns gerne an. Da macht es dann auch nichts, dass wir den eigentlich gewünschten Tag Vorlauf nicht einhalten. Super.

Nachdem das geklärt ist, machen wir uns auf den Hike zum Wasserfall Vaieenui. Erst mal auf der Straße weiter durch den Ort, vorbei an der Kirche und kleinen, wellblechgedeckten Häusern.

Überall freilaufende Hühner und ebenso freilaufende Zicklein. Die Mutterziege ist dann meist irgendwo in der Nähe angebunden, ebenso die Schweine im Hof oder am Straßenrand.

Dazu Kokospalmen, Bananen, überhaupt alles mögliche Obst in praktisch jedem Garten, klassische Subsistenzwirtschaft. Die meisten der etwa 600 Bewohner auf Fatu Hiva sind Selbstversorger.

Es gibt keine oder eben allenfalls improvisierte Infrastruktur für die wenigen Touristen (zumeist Segler, es gibt keinen Flughafen und keinen Hafen für größere Schiffe).

In geringem Maß werden als klassische Erzeugnisse wohl noch Tapa-Rindenbaststoffe und auch Tiki-Schnitzereien hergestellt, zumeist für den Handel auf anderen Inseln und auf Kreuzfahrtschiffen. Aber auch in unserem “Privat-Restaurant” könnten wir sie am Abend kaufen.

Tatsächlich immer noch hergestellt wird Kopra. Dieses getrocknete Fruchtfleisch der Kokosnüsse wird exportiert und unter anderem zu Kokosöl weiterverarbeitet. Wir sehen am Wegesrand mehrere einfache Schuppen für die Lufttrocknung der geöffneten Kokosnüsse.

Dann geht’s von der Straße ab auf einen matschigen Feldweg, in dessen Pfützen sich Braunbrustnonnen (eine Prachtfinkenart) vergnügen.

Dann ist auch der Feldweg zu Ende, ab jetzt führt ein Pfad weiter bergauf …

… durch Furten …

… vorbei an Petroglyphen …

… und kleinen Steinmännchen, die im Wald den Weg kennzeichnen …

… bis zum Vaieenui-Wasserfall.

Etwa dreieinhalb Kilometer einfache Strecke sind es bis dorthin, kaum anstrengende Kletterei, meist einfaches Wandern. Trotzdem ist es bei gut 30° im Schatten schweißtreibend, das angenehm erfrischende Bad im Pool unter dem Wasserfall ist eine Wohltat.

Nach dem Rückweg, ein bisschen Bootsarbeit und folgerichtig gleich wieder Ausruhen an Bord dann Abends unser erster “Restaurant”-Besuch seit Mexiko. Insgesamt 15 Segler von fünf Booten (🇬🇧🇸🇪🇩🇰🇳🇱🇩🇪) werden mit lokaler Küche bekocht, Getränke sind selbst mitzubringen.

Ein schönerAbend.

Abschied von Gambier

Über einen Monat sind wir schon auf den Gambier, der Abschied naht.

Wir lösen unser Versprechen ein und backen mit Tetu und Murielle eine Elsässer Guglhupf-Variante. Rezept, Kuchenform (wenn auch nicht die perfekte Guglhupf-Form) und ein paar Zutaten bringen wir mit, die übrigen Standardzutaten haben die beiden in ihrer Küche schon bereitgelegt.

Der Elsässer Hefeteig-Guglhupf wird angerührt und muss dann erst einmal ruhen. Da geht es dann mit Tetu sofort wieder in seinen Garten. Ebenso, nachdem der Kuchen dann später im Ofen ist. Tetu zeigt uns nochmal, wie man richtig mit einer Kokosnuss umgeht, sie von der schützenden weichen, faserigen Schale befreit und die innere harte Nuss öffnet und wie man die grüne Trinknuss am besten öffnet.

Und er führt uns zu den verborgenen Schätzen in seinem Garten.

Was zum Beispiel ist das hier?

So sieht die unreife Frucht aus:

Stolz führt er uns die selbst gebaute Sonnentrocknung vor, die er zum Beispiel für Bananen und Litschi nutzt.

Man merkt Tetu einfach an, wie viel Freude sein Garten und der mit Hilfe der Natur produzierte Überfluss ihm bereitet.

Zurück in die Küche, der Kuchen ist fertig: gut geworden.

Und obwohl das Backen ja eigentlich unser Gegengeschenk war, wir werden wie aus einem Füllhorn erneut mit dem überhäuft, was der wunderbare Garten alles hergibt: frische Kräuter, für Salate verwendbare (uns bisher unbekannte) Blätter, Chili, getrocknete Bananen und Litschi, frische grüne Bohnen,

Sternfrucht, Drachenfrucht (die Auflösung des Pflanzenrätsels von eben), Auberginen, Bananen, Bittergurke, Pampelmusen:

Drachenfrucht und Bittergurke noch mal aufgeschnitten:

Wir können uns gar nicht genug für Eure unglaubliche Gastfreundschaft bedanken, Murielle und Tetu!

Was machen wir noch hier auf Mangareva? Eine Wanderung zu den Ruinen des alten Klosterkonvents von Rikitea unterhalb der Steilwand des Mont Duff.

Die mit Steinen eingefasste tiefe Kuhle auf dem Gelände ist übrigens kein Brunnen, sondern eine Lagerkuhle für “Uru”. Hier wurde früher Brotfrucht haltbar eingelagert.

Und dann übergeben wir quasi den Staffelstab:

Unsere Segelfreundin Mareike kommt mit ihrer Moana an, ankert neben uns hier in Rikitea. Wir freuen uns riesig, dass es mit dem Treffen noch klappt, denn mit den Schiffen waren wir uns zuletzt an der amerikanischen Ostküste in Charleston begegnet und hatten dort ihren Geburtstag gefeiert, danach hatten wir uns noch einmal auf Heimatbesuch in Hamburg getroffen.

Aber während sie und ihre Crew jetzt erst mal die verdiente Entspannung nach dem Törn von Galapagos nach Gambier genießen, soll es für uns morgen mal wieder weitergehen: wir wollen in die nächste Inselgruppe aufbrechen. Die Tuamotus liegen vor uns. Wir möchten aber erst einmal nur eines der seltener besuchten südlichen Atolle dieses Archipels als Sprungbrett auf unserem Weg hoch zu den Marquesas nutzen. Von dort wird es dann später zurück in die Tuamotus gehen, dann aber in den nördlichen Teil dieser weit aufgefächerten Inselgruppe.

Etwa 450 Seemeilen lang wird der Törn zum Atoll Amanu sein, etwa drei bis vier Tage sollte das dauern.

Tschüss Gambier, es war toll bei Dir.

Die kleinen und die großen Dinge

Wir schnorcheln vor Aukena. Einmal mehr beeindrucken der Fischreichtum und der gute Zustand der vielen Korallen.

Das Riff selbst ist vielleicht etwas weniger farbenfroh als in manchen Teilen der Karibik, die Details sind es aber nicht. Zum Beispiel die Tridacna, quasi Zwerge in der Familie den Riesenmuscheln. In unterschiedlichen leuchtenden Türkis- und Blautönen strahlen die etwa 10 bis 15 cm messenden Muscheln zu uns herauf und schließen sich, wenn wir näher heran schnorcheln.

Später, beim Strandspaziergang unter Palmen, springt uns eine andere “Kleinigkeit” förmlich an.

Die winzigen Jungferngeckos sitzen oft in den Kokospalmen und nun pflücken wir ausgerechnet “seine” Nuss. Schwupp – sitzt er auf meinem Finger, lässt sich ausgiebig bewundern und springt dann auf die Kamera und weiter auf Wiebkes Fuß.

Nachdem er vor allem Mücken und kleine Spinnen jagt, wäre er eigentlich ein perfektes Haustier auf Flora, aber wir setzen ihn trotzdem lieber zurück in “seine” Palme. Mach’s gut, Kleiner.

Was dagegen richtig groß ist: die Gastfreundschaft hier in den Gambier. Wie fast auf jeder der etwas größeren Inseln des Archipels gibt es auch auf Aukena eine Kirche, trotz der nur ungefähr 30 Einwohner. Sie liegt dicht an unserem Ankerplatz, die Anfahrt über das Riff gestaltet sich aber schwierig. Doch Hilfe naht: Pakoi läuft aus seinem Garten ans Ufer und weist uns den Weg. Er legt sogar einen Zwischensprint ein, als wir ihn nicht gleich richtig verstehen. Eine mini-kleine Rinne führt zur kurzen Steinmole, gerade breit und tief genug für den Außenbordmotor, um mit einer auflaufenden Welle in den tieferen Bereich direkt vorm Ufer zu gelangen. Zum Glück gelingt das Manöver.

Gemeinsam ziehen wir das Dinghy auf den Strand und Pakoi lädt uns ein, ihm hinter seine Hütte zu folgen. So gut es unsere Französisch-Kenntnisse zulassen, unterhalten wir uns über Gott und die Welt, unsere Reise und Pakois Heim auf Aukena. Wir erfahren, dass er der alten Königsfamilie von Mangareva entstammt und der Name in seinem Pass eigentlich Antoine Kanuto Teapiki lautet.

Seit 30 Jahren lebt er hier, kümmert sich um die Kirche und um seinen Garten. Beides zeigt er uns bereitwillig. Als eine Sau mit mehreren Ferkeln aus dem Wald kommt, freut sich Pakoi. “Die war jetzt einen Monat lang weg und nun kommt sie mit ihren Kindern wieder.” Direkt neben der Kirche sehen wir am Waldrand einige weitere Schweine. Sie leben hier halbwild, dienen aber auch der Fleischversorgung.

In seinem Garten säbelt uns Pakoi mittels einer langen Bambusstange und daran befestigter Sichel frische Brotfrucht vom Baum, schenkt uns außerdem Zitronen, Pampelmusen und Bananen.

Danke schön Pakoi.

Die Gastfreundschaft hier ist immer wieder schon fast beschämend großzügig. Polynesier fühlen sich ob ihrer Kultur fast schon verpflichtet, alles stehen und liegen zu lassen, sobald ein Gast auftaucht. Man sollte also vorsichtig sein, die Gastfreundschaft nicht zu überbeanspruchen. Das fällt aber gar nicht immer leicht, zumal etwa Pakoi die Abwechslung durch den Besuch wirklich zu genießen schien, ebenso unser (wenn auch manchmal radebrechendes) Gespräch.

Wir versuchen, an die Kultur von Geschenk und Gegengeschenk wenigstens etwas anzuknüpfen. Als kleine Geste kommen wir später mit dem Dinghy noch einmal zurück und bringen selbst gebackenen Mandelkuchen vorbei.