Der Ankerplatz in der Baie d’ Avea ähnelt einer maritimen Sackgasse mit Wendehammer. So können wir mit Dinghy oder Paddelboard wunderbar zum Schnorcheln ins südliche Flachwassergebiet mit vielen Bommies fahren.
Allerdings sind die Korallen der Unterwasserlandschaft nicht eben berauschend, es gibt viele graue Bereiche mit eher grobem Korallenschutt, aus denen gelegentlich lebendige Bommies herausragen. Wo das so ist, findet sich dann aber gleich auch Fisch.
Was das Schnorcheln hier allerdings ganz besonders macht, ist die ungewöhnliche Dichte an Anemonen und damit auch an “Nemo”-Anemonenfischen. Haben wir so noch nirgends gesehen.
Das gilt insbesondere für den Bereich nahe unter Land vor der Südwestspitze von Huahine, wo der Schwell von einer besonders breiten Flachwasserzone hinter dem Riff abgehalten wird.
Das schützt natürlich auch unseren Ankerplatz, da nehmen wir die sieben Seemeilen Anfahrt in die Sackgasse gern in Kauf.
So geht’s denn natürlich die gleiche Strecke auch wieder zurück durch die blaue Rinne, bevor wir durch den Pass wieder in den offenen Ozean hinausfahren. Eine Übernachtfahrt nach Tahiti steht an. Zum einen kann ich dort meine neue Drohne in Empfang nehmen (Maggie und Scott habe die dankenswerterweise aus Kanada mitgebracht). Zum anderen sieht es so aus, als wenn das Wetterfenster für die Fahrt nach Tikehau in den Tuamutus durch diesen Zwischenschritt ein bisschen günstiger wird.
Zwar ist der Anfang des Törns etwas schwachwindiger als vorhergesagt, aber dann wird es doch noch wunderschönes Segeln durch die Nacht mit Sonnenaufgang über Moorea und Tahiti.
Am Bojenplatz hinter dem Motu Aito Schnorcheln wir noch einmal beim Außenriff.
Es wird ein toller Schnorchelgang mit Fischen wie großer Grüner Moräne, Feuerfischen, großen gelben und kleinen, dafür unfassbar farbigen Kofferfischen:
Anschließend motoren wir von Taha’a nach Raiatea und tanken Flora dank des in Tahiti erworbenen Zertifikats unsere Flora umsatzsteuerfrei voll. Danach segeln wir hinüber nach Huahine.
Ja, tatsächlich, wir segeln. Der wenige Wind zwischen 4 und 7 in steht uns zwar genau auf die Nase, aber eine ganze Zeit lang kreuzen wir unter Code0 trotzdem tapfer dagegen an. Aber als dann die Bootsgeschwindigkeit bei weiter abnehmendem Wind doch dauerhaft unter 2 Knoten fällt, muss der Volvo ran und einen Teil des gerade erworbenen Diesels gleich wieder verbrennen.
Für die Fahrt in den Passe Avapehi auf Huahine allerdings kommt uns das ruhige Wetter sehr zu Gute. Obwohl nur einseitig betonnt, ist die Einfahrt völlig problemlos. Leider kann man das Gleiche nicht von unserem ersten Bojenplatz auf Huahine sagen. Kaum haben wir an der (öffentlichen) Boje festgemacht, kommt von Land aus ein selbst ernannter Blockwart im Auslegerkanu angepaddelt und ruft uns überaus barsch zu, Übernachten sei hier nicht möglich. Wir bleiben freundlich und er ändert seine Meinung: na gut, eine Nacht geht. Aber Morgen sollen wir weiter. Das wollen wir ohnehin.
Der nächste Morgen beginnt dann wundervoll: Völlige Windstille. Spiegelglatte See hinter dem Riff. Die Doppelinsel Huahine (Huahine Nui und Huahine Iti sind nur mit einer kleinen Brücke verbunden) präsentiert sich wie auf einer Glasplatte.
Am Ufer spiegeln sich die Palmen hinterm Sandstrand und die Morgensonne.
Der Blick in die andere Richtung lässt am Horizont noch Raiatea und Taha’a erkennen.
Was für eine Idylle. Aber nicht mehr lang. Denn als wir noch vor dem Frühstück an der nahen Insel Schnorcheln gehen kommt – na wer wohl – der Blockwart angepaddelt. Er brüllt sofort los: “Go! Five minutes! Go!” Als ich ihn auf Französisch nach dem Grund frage, droht er mir Prügel mit dem Paddel an, außerdem kündigt er an, die Flora von der Muring loszuschneiden. Ich halte die GoPro hoch und teile ihm (zugegeben auch nicht mehr ganz ruhig) mit dass er gefilmt wird und und wir das gerne gemeinsam mit der Gendarmerie diskutieren können. Er dampft ab in Richtung der Flora. Unterwegs trifft er Andrea von der Easy One auf dem Paddleboard. Auch die wird unhöflich zum sofortigen Verschwinden aufgefordert. Aber sie weiß ihn besser zu nehmen. Als sie ihn fragt, warum er so unhöflich ist, lenkt er ein und sagt, Schnorcheln sei schon noch ok. Aber danach sollten sie fahren.
Andrea bringt ihm nach dem Schnorcheln ein Stück Kuchen vorbei und siehe da: jetzt erklärt er, die Easy One könne auch noch eine weitere Nacht bleiben (was sie aber gar nicht wollen). Eine mehr als ärgerliche Mischung von Gutsherrenart und Chauvinismus, über die sich auf Noforeignland und bei Active Captain weitere Beispiele zu diesem Typen finden. Sicher kein Aushängeschild für Huahine. Aber eben leider auch kein Einzelfall, insbesondere auf den Gesellschaftsinseln.
Nach dem Frühstück wechseln wir den Bojenplatz und verholen etwa 3 Seemeilen weiter nach Süden. Meine Laune ist noch ziemlich getrübt. Aber sie bessert sich schlagartig bei meiner Sporteinheit, als das Foilen (gezogen vom Dinghy) diesmal endlich deutlich besser klappt.
Gemeinsam mit der Easy One und der Diamond Sea verholen wir nördlich um die Insel herum auf die Ostseite von Taha’a. Der Ankerplatz direkt am Pass Toahotu ist hinreißend schön.
Zwei kleine Motus (das namensgebende Toahotu und das kleinere Maharare) flankieren den tiefblauen Pass und dankenswerterweise schließt sich an den flachen, türkis leuchtenden Bereich um Maharare ein etwa fünf Meter tiefer Ankerbereich an. Ein paar Korallenbommies gibt’s, aber sie liegen tief genug und lassen nur das Floaten der Kette mal wieder sinnvoll erscheinen. Kein Problem, genau dafür haben wir ja noch immer die Perlfarmbojen an Bord.
Der Wellenschutz hinter dem Riff und der gleichzeitig fast ungehindert darüber streichende Wind bieten gute Bedingungen, ein paar weitere Basisübungen für das Wingfoilen zu absolvieren. Die Kernelemente muss ich leider erst noch einzeln trainieren. Und so ziehen mich mal Wiebke, mal Ingo auf dem Foilboard hinter unserem Dinghy, jederzeit bereit, sofort Gas weg und den Gang heraus zu nehmen, wenn ich auf dem kippeligen Board mal wieder nicht mehr das Gleichgewicht halten kann. Immerhin, das foilen (wenn also die Unterwasserflügel das Board von der Wasseroberfläche lösen und “schweben” lassen) klappt inzwischen besser. Das heißt, die Zeit zwischen meinen spektakulären Abstürzen schleicht sich sekundenweise nach oben.
Die zweite Kernübung ist der Umgang mit dem Wing, dem Flügel-Segel. Das kann ich sogar abwechselnd mit Ingo trainieren, denn daran hat auch er Spaß. Dazu nehmen wir Ingos relativ großes Surfbrett (natürlich ohne Mast), es ist wesentlich weniger kippelig als das viel kürzere Foilboard. So können wir besser den Umgang mit dem Wing üben:
Es ist trotzdem für uns Anfänger schwierig genug, die 5 Quadratmeter Segelfläche zu halten und durch Anstellwinkel und Positionierung auch den Kurs zum Wind mit einzustellen.
Anstrengend ist übrigens bei beiden Übungen auch das andauernd wieder erforderliche Klettern aufs Board. 😔
Aber immerhin, einige trockene Halsen sind inzwischen auch schon dabei.
Zwischen den eigenen Sporteinheiten ergibt sich aber für uns auch die Möglichkeit, anderen Sportlern bei einem Wettbewerb zuzuschauen.
Die zweite Etappe des Hawaiki Nui Va’a Auslegerkanu-Rennens verläuft nämlich innerhalb der Lagune zwischen Raiatea und Taha’a.
Und dieses Rennen ist ein echtes Spektakel, es ist eines der größten Sportevents für die polynesischen Kanuten mit Gastteilnehmern aus dem ganzen pazifischen Raum. Von Huahine nach Bora Bora führt der insgesamt 129 km lange Kurs in drei Etappen.
Wir segeln mit der Flora in die Enge zwischen Raiatea und Taha’a. Hier haben sich die meisten Zuschauerboote entlang des Kurses platziert, wir reihen uns auf der östlichen Seite hinter einer Untiefe ein.
Begleitboote und wohl auch einige weitere Zuschauerboote rasen an der Strecke entlang und sorgen für ziemlich aufgewühltes Wasser.
Das scheint den Besatzungen der 6-Sitzer-Auslegerkanus allerdings nicht viel auszumachen, schließlich müssen sie auch mit den teils ruppigen Meeresbedingungen bei den zudem viel längeren Etappen außerhalb der Lagune klar kommen.
Wie bei einem Uhrwerk stechen die Paddel im Gleichtakt in die Fluten und treiben die schmalen, zerbrechlich wirkenden Gefährte voran. Das geringe, von Sponsorenlogos bedeckte Freibord scheint die Wellen zum Einsteigen geradezu einzuladen. Und doch jagen die Auslegerkanus im Rennmodus über das offene Meer.
Und auch damit ist es noch nicht genug. Auf dem Rückweg von der Regattabahn zu unserem nächsten Ankerplatz am Riff jagen vor uns sieben Segelpiroggen durch, scheinbar auf einer kleinen Privatregatta.
Manche dieser mit einem Stechpaddel als Ruder gesteuerten Kreuzungen zwischen Segelboot und Auslegerkanu (mit Auslegern auf beiden Seiten) können auf Raiatea für exclusive Touristenausflüge auf einsame Motus gebucht werden, aber diese hier sind heute im sehr deutlich Rennmodus unterwegs.
Ingo hat am Sonntag Geburtstag und lädt zu 16.00 Uhr auf die Easy One ein. Tja, da müssen wir uns wohl noch Geschenke einfallen lassen.
Während Wiebke aus den Tiefen der Stauräume Schwarzkirschen für eine Schoko-Kirsch-Torte zaubert, übe ich mal wieder Diamantknoten und bastele Softschäkel aus Dynema.
Wiebkes Torte wird super lecker, aber wir müssen uns dafür ein bisschen gedulden. Denn Ingo hat für seinen Geburtstag bereits in Panama ein Fässchen Weißbier gebunkert und dieses Schätzchen wird zum Anstoßen aufgemacht. “O’zapft is”. Hier in Französisch Polynesien wissen wir alle diese Delikatesse um so mehr zu schätzen.
Dazu gibt’s lecker Fingerfood, Ofenkäse und Pizza-Muffins. Der Inhalt des Fässchens erlebt den Sonnenuntergang übrigens nicht mehr. Die Torte kommt dann als Nachtisch.
Und was machen wir am Montag Morgen?
Kaffee im Bett, wie eigentlich immer. Aber schon dabei fällt auf: es ist erstaunlich ruhig. Keine Geschaukel, kein Schwappen der Wellen am Rumpf. Windstille.
Das war zwar nicht vorhergesagt, gibt uns aber die Chance, bei besten Bedingungen im Korallengarten zu schnorcheln.
Der “Jardin Du Corail” liegt zwischen den Motus TauTau und Maharare und ist eine Attraktion, zu dem vom nahen Ressort und mit Tourbooten auch von der Insel Taha’a Touristen herüberkommen. Aber nicht so früh an einem Montagmorgen, wir haben den Korallengarten fast für uns allein. Das Dinghy parken wir am Motu Maharare. Es wird empfohlen, zu Fuß zur Riffseite hinüberzugehen und dann durch den flachen Pass in die Lagune zu driften. Aber noch ist die einlaufende Strömung nicht so stark und so schnorcheln wir zunächst Richtung Riff, hinter dem in der Ferne die Silhouette von Bora Bora schemenhaft zu erkennen ist.
Der Pass zwischen den mit Palmen bestandenen Motus ist so flach, dass wir im Zickzack schwimmen müssen, um nicht gegen die empfindlichen Korallen zu stoßen. Es ist wunderschön.
Verschiedene Riffische schwimmen uns vor die Schnorchelbrille oder verstecken sich zwischen den unterschiedlichen Korallenarten.
Korallentiere können aussehen wie Stein, wie Pilze, wie Äste oder Geweihe und noch so vieles mehr. Aber es gibt noch andere ungewöhnliche Tierarten hier. Blumentiere! So wiegen sich zum Beispiel Seeanemonen in der stärker werdenden Strömung. Sie sind mit ihren giftigen Tentakeln das perfekte Zuhause für Anemonenfische wie eben die Clownfische. Und da ist er dann auch: NEMO ! Der Trickfilm der diese Fischart bekannt gemacht hat, hat den Clownfischen nicht wirklich gut getan. Als Aquarienfische wurden sie noch populärer, obwohl der Film ja eigentlich das Gegenteil aussagt. Unzählige von ihnen wurden gefangen, obwohl sich ihre Lebenserwartung im Aquarium von 10 auf 5 Jahre halbiert . Uns sind sie lieber hier in der Natur …
… und wir sind um so glücklicher, ihnen hier zu begegnen.
Es bläst ganz ordentlich. Die letzten Tage meistens mit deutlich über 20 Knoten, also etwa Windstärke 6. Selbst am recht gut geschützten Zufluchtsort in der Baie Apu baut sich da eine unangenehme Welle auf. Zusätzlich ziehen kräftige Regenschauer durch.
Zwischendurch ist es auch mal trocken, wir machen einen Spaziergang am Ufer der Bucht. Am Wegesrand finden sich interessante Pflanzen wie etwa Buntnesseln …
… und Cat Whisker (Katzen-Barthaar):
Beide übrigens aus der gleichen Unterfamilie der Lippenblütler, zu der auch Salbei, Basilikum, Thymian, Bohnenkraut, Minze, Oregano, Lavendel und Zitronenmelisse gehören. Das googeln wir natürlich erst später. Vielleicht hätten wir zumindest mal an den Blättern reiben sollen?
Aber während die Crews von Easy One und Diamond Sea noch bis zum nächsten Ort (und Supermarkt) weiterwandern, kehren wir schon nach drei Kilometern um und machen uns im einsetzenden Regen auf den Rückweg.
Das ist schließlich genau das richtige Wetter, um mal wieder in den Motorraum zu krabbeln und einen kleinen Service am Volvo und am Generator zu machen. Bei der Gelegenheit wechsele ich auch die Opferanode im Kühlkreislauf, die wir in den USA zusätzlich hatten einbauen lassen. Im Original hat unser Volvo-Penta D2-75 zu unserem Erstaunen keine zu wechselnden Opferanoden im Motor. Das scheint uns schade zu sein, denn nach dem Erscheinungsbild der Anode macht sie sehr wohl ihre Arbeit und opfert sich eben für die edleren Metallteile im Seewasserkühlungsbereich des Motors auf:
Wie zur Belohnung lassen nach zwei etwas ruppigen Tagen der Wind und die Wellen soweit nach, dass wir von unserem Bojenplatz in der Baie Apu weiter an der Südwestküste von Taha’a nach Norden fahren können.
Wir segeln im etwa 40 Meter tiefen Wasser zwischen der Küste der von Tälern tief eingeschnitten grünen Hügellandschaft der Insel Taha’a und dem türkisen Sandstreifen am äußeren Riff.
An den meisten Stellen ist der türkisfarbene Sandbereich deutlich zu flach, als dass wir dort mit den 2m Tiefgang der Flora hineinfahren und ankern könnten. Erst am Motu TauTau finden wir einen etwa drei Meter tiefen Bereich. Sogar fast ohne Korallen-Bommies, perfekt zum Ankern. Und noch dazu mit wunderbarem Blick hinüber zu von hier nur etwa 10 Seemeilen (20 km) entfernten Bora Bora.
Mal sehen, vielleicht wird uns ja sogar ein Sonnenuntergang hinter dieser Postkarteninsel der Südsee beschert.
Unser nächster Ankerplatz liegt im Nordwesten von Raiatea. Um dorthin zu gelangen, fahren wir innerhalb des Riffes nach Norden. Wir passieren unter Segeln den Hauptort Utoroa und melden uns per Telefon bei der Flughafensicherheit. Boote mit einer Masthöhe über 20 m sind dazu verpflichtet, weil der an der Nordpitze der Insel liegende Flughafen von einem Sperrgebiet und einer weiteren Sicherheitszone umgeben ist. Aber wir bekommen freie Fahrt signalisiert und segeln durch die Tearearahi-Passage zwischen zwei innerhalb der Lagune liegenden Riffen hindurch zum Ankerplatz im Nordwesten von Raiatea.
Gegenüber liegen mehrere Marinas und – eine Seltenheit in Französisch Polynesien – es gibt sogar die Möglichkeit, selbst größere Boote an Land zu stellen. Und entsprechend gibt es auch maritime Infrastruktur wie einen Bootsausrüster. Für uns noch wichtiger: auch die Möglichkeit, gegen Gebühr unseren Müll loszuwerden und zudem eine Wäscherei.
Mit polynesischen Charme auf einer überdachten Terrasse eingerichtet, können wir hier unsere Bordwäsche vormittags abgeben und nachmittags gewaschen, getrocknet und gefaltet wieder abholen. Kein ganz billiger Service, für die zu 3/4 gefüllte Ikea-Tasche Wäsche sind umgerechnet etwa 36 Euro fällig.
Nach ein paar Nächten auf dem schönen, wenn auch grenzwertig flachen und bei Wind etwas unruhigen Ankerplatz verholen wir die Flora zum Ankerplatz am Motu Aito.
Dort liegen wir hinter dem Riff geschützt auf komfortablen 6 m Wassertiefe mitten im Türkis. Außerdem ist es von hier nur eine kurze Dinghyfahrt hinüber nach Utoroa. Wir versorgen uns mit frischen Lebensmitteln, finden selbst Mozzarella (unsere Basilikumpflanze aus Moorea gedeiht an Bord erstaunlich gut).
Nach einem zweiten Frühstück geht’s dann wieder Anker auf und das kurze Stück hinüber zu Raroias Zwillingsschwester Taha’a. Die beiden Inseln sind von einem gemeinsamen Außenriff umgeben, wir brauchen also auf der Überfahrt die Lagune nicht zu verlassen, müssen uns nur zwischen den inneren Riffen hindurchschlängeln.
Allerdings wird uns dieses Durchschlängeln durch die Tücken der Technik etwas erschwert. Als wir den Plotter hochfahren, hat der alle Detailkarten verloren und zeigt Floras Position nur noch in einem grob skizzierten Übersichtsbild statt der Seekarte. Keine Tiefenangaben und beim Hereinzoomen auch keine zusätzlichen Details.
Für die Nichtsegler: das ist so, als ob man sich im Auto vom Navi zu einer abgelegenen Ecke in einer unbekannten Stadt führen lassen hat und zu Beginn der geplanten Rückfahrt das Navi streikt.
Die praktische Lösung des Problems ist für Autofahrer und uns Segler übrigens ganz ähnlich: wir greifen zum Mobiltelefon/iPad und navigieren damit. Also erstmal kein großes Problem, aber doch ein überraschendes.
Die Überprüfung in den Tiefen des Menüs unseres Furuno-Plotters ergibt, dass die Seekarten zwar noch da sind, aber gesperrt. So, als hätten wir sie nicht gekauft. Hm. Die Email an unseren Händler in Kanada wird dann aber prompt beantwortet. Seine Recherche ergibt, das letzte Furuno-Update sei fehlerhaft. Er kann uns auch einen Workaround aufzeigen und wir können die Seekarten wieder auf den Bildschirm holen.
Hat sich der Schlingel von Plotter doch einfach ohne unser Wissen im Internet ein Update heruntergeladen. Den Internetzugang sperren wir ihm natürlich gleich, auch diese Einstellung findet sich in den Tiefen des Furuno-Menüs. Wir wissen ja schließlich nicht, ob er sonst auch heimlich mit einem befreundeten Plotter (oder einer Waschmaschine) irgendwo in Japan chattet.
Unser nächster Liegeplatz in der Baie Apu im Süden von Taha’a ist dann so ganz anders als unsere vorigen: wir liegen an einer Boje in dunklem, rund 40 m tiefem Wasser.
Neben uns die Easy One, vor uns die Diamond Sea. Mindestens ein Teil der kostenlosen Bojen des Bojenfeldes gehört wohl der örtlichen Perlfarm. Bei unserem Landgang statten wir dann dieser Perlfarm gemeinsam einen Besuch ab. Für keinen von uns ist es der erste Besuch einer Perlfarm, für uns ist es der Dritte, aber wir werden sehr positiv überrascht. Auch wenn der eigentliche Prozess der Perlenzucht natürlich der gleiche ist, erfahren wir auch diesmal wieder einiges Neues und auch die Präsentation ist wieder anders und sehr ansprechend.
So wird uns zum Beispiel erstmals an einer geöffneten Perl-Auster genau gezeigt, wo die Tasche für den Nukleus hineingeschnitten wird. Außerdem können wir an einer aufgeschnittenen Perle sehen welche Schichtdicke die Perle um den Nukleus aufgebaut hat.
Und auch der Klassifizierungsablauf und die Besonderheiten bei der Schmuckherstellung je nach Klassifizierung der Perlen wird uns anschaulich nahegebracht. Noch dazu in einer schönen Umgebung, quasi im Wohnzimmer des Hauses.
Nach der Präsentation wandern wir noch ein bisschen weiter die Straße entlang, haben immer wieder schöne Ausblicke.
Auf dem Rückweg lockt uns der intensive Duft von Vanille auf das Grundstück von Jeremy, der uns bereitwillig seine Vanilleproduktion erklärt.
Er überrascht uns damit, dass die Netze über den Vanillepflanzungen nicht etwa der Vogel- oder Insektenabwehr wegen aufgehängt werden, sondern lediglich die Licht- bzw. Schattenverhältnisse für die Vanillepflanzen verbessern. Und er zeigt uns, wie die einzelnen manuellen Befruchtungen der Vanilleblüten erfolgen.
Wieder was gelernt.
Apropos Lernen: auch beim nachmittäglichen Sporteinsatz auf dem Foilboard (gezogen hinter dem Dinghy) mache ich – wenn auch von eleganter Haltung weit entfernt, meine persönliche Technik hat auch Tücken – ganz langsam erste Fortschritte …
… und die vielen Nasenspülungen mit Salzwasser sind sicher sehr gesund!
Der Wind frischt auf. Vom Pool am Motu Oatara verholen wir die Flora zur tief in die Insel Raiatea einschneidende Baie Faaroa. Dort finden wir deutlich besseren Schutz vor den sich jetzt schnell aufbauenden Wellen. Auch die Easy One und die Moana gehen hier vor Anker. Denn die Bucht hat neben ihrer geschützten Lage noch mehr zu bieten: sie ist gleichzeitig die Mündung des einzigen schiffbaren Flusses in ganz Französisch Polynesien. Wobei: schiffbar ist vielleicht ein bisschen hoch gegriffen. Das Flüsschen Faaroa (manchmal auch Āpo’omā’ū bezeichnet) windet sich von der Bucht Faaroa aus etwa zwei Kilometer ins Landesinnere. Um über die vorgelagerte Barre in das Flüsschen zu gelangen, müssen wir den Außenbordmotor unserer Dinghies hochklappen. So machen es auch die flachgehenden Tourboote, die vereinzelt den Āpo’omā’ū hinauffahren. Ihr Ziel (und auch unseres) ist der kleine Bootsanleger am botanischen Garten.
Die Ausblicke auf der Fahrt dorthin sind malerisch.
Immer enger rücken die Ufer, teils müssen wir wegen überhängender Vegetation schon die Köpfe einziehen.
Der Botanische Garten ist gepflegt und hübsch angelegt mit Gewächsen aus verschiedenen Vegetationszonen der Insel.
Schade nur, dass lediglich einige wenige Schilder uns die einzelnen Bäume, Büsche und Blumen erläutern. So genießen wir im Wesentlichen die Blütenpracht der verschiedenen Helikonien (auch Hummerscheren oder Falsche Paradiesvogelblumen genannt) …
… und bewundern die Brettwurzeln der hoch wachsenden Kapokbäume. Mit den von Naturwachs überzogenen hohlen Fasern seiner Samenkapseln wurden früher Rettungsringe und Schwimmwesten gefüllt, auch heute noch gibt es auf vielen Booten Kapok-Kissen.
Aber der kleine Garten reicht uns noch nicht, um die Seglerbeine mal wieder ein bisschen im Landgang zu trainieren. Wir schließen gleich noch eine kleine Wanderung von etwa 5 Kilometern durch die Hügellandschaft am Fuß des über 1.000 m hohen Mont Toomarun an.
Ein paar Bäche wollen dabei durchwatet werden, zwischen den Steinen entdecken wir Aale und auch ca. 5 cm große Süßwassergarnelen.
Zurück an den Dinghys setzen wir vom Botanischen Garten aus nur einmal über das Flüsschen, denn am anderen Ufer liegt der Garten von André.
Der verkauft uns nicht nur ein bisschen Obst und Gemüse, unter anderem ziert mal wieder eine Bananenstaude das Achterstag der Flora. Sondern er zeigt uns auch mit großer Begeisterung, was er hier auf rund zwei Hektar Fläche so alles anbaut. Darunter ist natürlich Bekanntes wie etwa Ananas, Bananen, Papaya und so weiter, auch Kürbisse und Gurken und sogar Vanille.
Aber wir lernen auch einiges Neues dazu. So hat André verschiedene Taro-Pflanzen angebaut, darunter auch eine Sorte, bei der nicht nur die Wurzeln, sondern auch die (jungen) Blätter essbar sind.
Nebenbei öffnet uns André auch noch Trink-Kokosnüsse, macht uns Naturlöffel zum Ausschaben des weichen Kokosfleisches, und er zeigt uns seine Konstruktion einer Wildschwein-Falle, mit der er sich auf Jagdausflügen in die Berge mit Fleisch versorgt.
Besonders spannend sind für Wiebke und mich aber die Früchte des für uns neuen “Eiscreme-Baums”. Von dem hat André tatsächlich ebenfalls verschiedene Sorten angebaut.
Die Bäume sind auch als “Pacay” oder “Inga” bekannt, oder eben als Eiscreme-Bohnenbaum.
Die Fruchte ähneln einer überdimensionierten Bohne. Sie enthalten mehrere Samen, die jeweils einzeln von einem fluffig-faserigen Fruchtfleisch umhüllt sind, das in Geschmack und Textur tatsächlich an Softeis erinnert.
Es beginnt nicht so richtig gut. Die Zerhackerpumpe des achteren WCs gibt den Geist auf, es steht also mal wieder eine echte Sch…-Reparatur an.
Ich lenke mich erst einmal mit einem Drohnenflug ab und es kommt, wie es kommen muss. Bedienfehler, Absturz am dicht bewaldeten Bergrücken. Oh nein! Das ist meine gute Drohne. Der Fernbedienung kann ich immerhin noch die letzte Position der Drohne entnehmen, aber das war über ziemlich unwegsamen Gelände.
Gemeinsam mit Wiebke, Andrea und Ingo wird eine zünftige SAR-Mission (Search and Rescue) gestartet. Die Ausrüstung umfasst neben der Fernbedienung (die der Drohne ein Piepsen entlocken sollte) auch Taschenlampe, Machete (für dichtes Unterholz) und Fernglas (falls sie noch oben in einer Astgabel hängt). Außerdem festes Schuhwerk.
An der letzten GPS-Position orientiert, fragen wir in einem Haus nach, ob wir durch den Garten in den dahinter liegenden Berghang einsteigen dürfen. Das wird uns zum Glück erlaubt und so klettern wir zu viert mit jeweils etwas Abstand den steilen und ziemlich rutschigen Hang hinauf.
Kaum zu fassen: da liegt sie.
Allerdings ist sie beschädigt, zumindest die Aufhängung des Gimbals ist gebrochen.
Um es abzukürzen: die Reparatur des WC ist aufwändig, weil der Ersatzmotor des gleichen Herstellers andere Dimensionen hat und wir mit den Befestigungen ziemlich improvisieren müssen. Aber immerhin, am Ende funktioniert es. Die versuchte Notreparatur der Drohne misslingt allerdings, die müssen wir wohl zur Herstellerreparatur einschicken.
Müssen wir jetzt etwa jeden Berg hinaufklettern um ein Übersichtsfoto von unseren Booten am Ankerplatz zu bekommen?
Machen wir bei einem weiteren Dinghyausflug zu den Marae Taputapuatea mit einer Wanderung hoch zum Pointe Atiapiti und es ist schön. Aber zum Glück habe ich ja auch noch die Dji-Mini-III-Drohne als Backup.
Und mit der entstehen dann diese Aufnahmen von unserem nächsten Ankerplatz vor dem Motu Oatara (im Hintergrund liegt Huahine):
Wir ankern an der Kante zum tiefen Wasser, aber der Anker liegt bereits auf dem sandigen Flach. Hier ist es (vom Dinghy aus mit dem Handlot zuvor gemessen) nur wenig tiefer als unsere Flora mit ihren 2 m Tiefgang benötigt, insofern trauen wir uns nicht weiter auf die kilometerbreite Sandflächen herauf. Aber es ist ein Traum, bei diesem ruhigen Wetter hier zu liegen. In der Sonne zaubern die kleinen Wellen helle Swimmingpool-Muster auf den Sandgrund, ein leuchtend türkises Schwimm-Paradies. Bei Herumschwoien bleibt dann gerade so die berühmte Handbreit unterm Kiel der Flora. Wenn sie sich bei Niedrigwasser ganz sanft den Bewuchs unterm Kiel wegschubbert, auch nicht schlecht.
Kein Wind, keine Welle. Und diese unfassbaren Farben:
Zum Sundowner-Abendessen lädt uns die Easy One ein, es gibt super leckere Pizza vom Heckgrill mit Pizzastein. Mit Christina und Uwe findet sich dazu auch die Crew der Diamond Sea ein. Wir drei Crews kennen uns schon aus der gemeinsamen Corona-Zeit mit etwa zehn Booten in der kleinen Carlisle Bay auf Antigua.
Kaum zu glauben: Mareike mit ihrer Moana, die im März 2020 auch in der Carlisle Bay dabei war, kommt am nächsten Tag auf Raiatea an. Und mit der Wasabi von Andrea und Hans-Jörg liegt ein weitere deutsches Boot in der Nachbarbucht.
Nebenbei: so päsentiert sich der aufgehende Vollmond über dem Motu Oatara:
Wir segeln von Moorea nach Raiatea. 90 Seemeilen, also ein Übernacht-Törn. Um 15.00 gehen wir ankerauf in Vaipahu, am nächsten Morgen um 09.00 Uhr nehmen wir in der tiefen Bucht von Hotopuu eine Mooringboje direkt neben der Easy One.
Dicht hinter uns beginnt der Flachwasserbereich, aber wir liegen auf 29 m Wassertiefe, da sind wir für die (kostenlose) Boje durchaus dankbar, obwohl wir sonst lieber auf unseren eigenen Anker vertrauen.
Die Baie Hotopuu ist wunderschön, das Ufer von Palmen gesäumt, hinter denen sich – wie in den Gesellschaftsinseln typisch – spitz gezackte Berge gen Himmel strecken. An der Nordseite der Bucht gibt es einen steilen Felsabbruch. Es wirkt, als schaue jemand aus dem Berg auf die Bucht herunter und weiter durch den Pass Teavamoa hinaus in die Ferne des Ozeans.
Polynesischen Götter werden normalerweise als etwas angesehen, was in der Natur vorkommt, sich aber mit seinen Fähigkeiten weit über seinen Ursprung hinaus erhebt.
Das passt, denn auf der anderen Seite dieses Berges liegt die Baie Opoa mit dem als UNESCO Weltkulturerbe anerkannten Taputapuatea. Raiatea (RA’IĀTEA) gilt als das Zentrum des Polynesischen Dreiecks, manchmal auch als polynesischen Oktopus dargestellt, dessen Tentakel bis nach Neuseeland, Hawai’i und der Osterinsel ausgreifen.
Es galt einst als religiöses Zentrum Polynesiens. Die heiligen Orte dieser Insel waren Pilgerstätten. Hier wurden Häuptlinge geweiht, hier hielten die höchsten Priester Dialog mit den Göttern, versuchten sie mit Opfergaben günstig zu stimmen. Taputapuatea soll übersetzt “Opfer aus dem Ausland” bedeuten, wobei die freundlichere Interpretation des Namens aussagt, das Menschen von weit her kamen, um hier Opfer zu erbringen. Unzweifelhaft wurden den Göttern der einheimischen Polynesier (Maohi) hier aber auch zeremonielle Menschenopfer dargebracht.
Mit dem Dinghy fahren wir ums Eck und können an einem kleinen Steg direkt vor dem Heiligtum festmachen. Die klassischen zeremonielle Bauten der Maohi sind von niedrigen Mauern umgebene, mit Steinen eher grob gepflasterte rechteckige Plätze, Marae genannt. Die Marae dürfen nicht betreten werden, sie sind zeremoniellen Veranstaltungen (oder mancherorts auch touristischen Vorführungen) vorbehalten.
Die Lage der über 1.000 Jahre alten verschiedenen Marae in Taputapuatea ist traumhaft, mit Blick auf das Meer. Einige verwitterte Schautafeln geben Auskunft über die historische Bedeutung und die kultische Nutzung der einzelnen Flächen und in einem Häuschen am Parkplatz erhalten wir ein Lageplan-Faltblatt aber insgesamt bleibt es ohne eine inspirierende Führung doch eher schlicht für ein Weltkulturerbe und den wichtigsten religiösen Ort der polynesischen Kultur.
Der Funke springt auf uns jedenfalls nicht so recht über. Es ist schon ein wenig bezeichnend, dass der polynesische Oktopus mit seinem mythischen Zentrum Havai’i hier auf Raiatea ein bisschen lieblos auf die Wand eines Generatorhäuschens gemalt ist und die Straßenlaternen vor Ort ausnahmslos zersplitterte Glaskuppeln haben. Offenbar auch nicht erst seit kurzem:
Eine spannende Begegnung haben wir dann aber doch noch: am Ufer fällt uns ein Baum mit seltsam anmutenden Früchten auf.
Es ist eine Barringtonia, deren Besonderheit ihre Giftigkeit insbesondere für Fische ist. Die Maohi vermengten die zerkleinerte Frucht mit Muschelfleisch. Fische, die diese Köder fressen, treiben zeitweise bewegungsunfähig an der Oberfläche und können dort von den Fischern eingesammelt werden, ohne das ihr späterer Verzehr für die Menschen giftig wäre.
Der nächste Dinghyausflug führt uns zwischen Riffkante und Inselufer entlang um die Südostspitze von Raiatea herum. Am Steg des Cruiser-freundlichen Opoa Beach Hotel halten wir an, parken die Dinghies und reservieren einen Tisch am Strand für das Mittagessen. Eigentlich möchten wir von hier aus etwa 6 km zu einer Perlfarm wandern, aber davon wird uns abgeraten. Wir sollen doch lieber das Dinghy nehmen, dann könnten wir auch die Farm draußen in der Bucht und nicht nur den Shop besuchen. Vom Hotel aus wird unser Besuch gleich bei der Perlfarm angemeldet.
Tatsächlich erweist sich das als gute Idee. Die Fahrt in dem geschützten inneren Fahrwasser geht flott und die Landschaft ist über die Maßen beeindruckend.
An der auf Stelzen in die Lagune hineingebauten Hütte der Perlfarm werden wir von Landry, dem Eigentümer, sehr freundlich empfangen. Bei der (kostenlosen) Privat-Führung erklärt er uns, dass er die Perlfarm vor acht Jahren gegründet hat und die Hütte hier an der Grenze zwischen flachem und tiefem Wasser errichten durfte, weil sein Haus in der Bucht am Ufer steht.
Landry erklärt uns die Abläufe auf der Farm. Etwas überraschend ist, das hier in Raiatea nicht ausreichend Larven für Perl-Austern für eine eigene Zucht vorhanden sind. Die Perlfarmen hier beziehen deshalb junge “Baby-Muscheln” von den Tuamotus. Sie ziehen diese dann weiter auf, bis sie groß genug sind für die eigentliche Perlen-Produktion.
Auf der (kleinen) Farm mit nur fünf Angestellten wird hier draußen nur vom frühen Morgen bis etwa 11.00 Uhr gearbeitet, wenn die Temperaturen noch etwas niedriger sind, die Austern erleiden dadurch in ihrer Zeit außerhalb des Wassers weniger Stress.
Das Entnehmen der Perlen und das Einsetzen eines neuen Nukleus zeigt uns dann Landry’s japanischer Mitarbeiter:
Beide nehmen sich Zeit für uns und beantworten geduldig unsere Fragen. Nur auf unsere Nachfrage hin bringt uns Landry dann auch an Land zum kleinen Schmuckgeschäft der Perlfarm.
Tja, sowohl Wiebke als auch Andrea finden etwas 😉.
Danach geht’s mit den Dinghies zurück zum Opoa Beach Hotel für unser Mittagessen am Strand. Als wir ankommen, haben wir das Restaurant noch ganz für uns.
Das bleibt aber nicht lange so, die sehr gute Küche mit regionalen Zutaten (und das tolle Ambiente) spricht offenbar nicht nur uns an.
Barfuß wuselt der freundlichen Service über den Strand und tischt uns Köstlichkeiten auf.
So lässt es sich wohl aushalten an einem Montagmittag. Und auf dem Rückweg erkunden wir mit dem Dinghy (und dem Handlot) schon mal mögliche Ankerplätze auf den flachen türkisen Sandflächen hinterm Riff. Für die kommenden Tage, ist nämlich sehr ruhiges Wetter vorausgesagt, da könnte das klappen.
Eine schöne Überraschung gibt’s dann auch noch. Ingo hatte Landry gefragt, ob er auf der Perlfarm Verwendung für die aussortierte alte Ankerkette der Easy One hätte oder sonst jemanden wüsste, dem er sie überlassen kann. Nach etwas Überlegung kommt Landry bei uns am Ankerplatz vorbei. Typisch polynesisch: Geschenk und Gegengeschenk. 100 m Ankerkette wandern in Landrys Boot, dafür wechselt ein wunderschönes Armband auf die Easy One.
Unsere letzte Wanderung auf Moorea (noch vor dem Heimaturlaub) hatten wir ja leider wegen meiner Beinverletzung vorzeitig abbrechen müssen.
Jetzt holen wir die große Runde dieses Spaziergangs nach. Das Wetter passt gut, durch die Wolken ist es nicht so heiß, aber von Regen bleiben wir auf der Wanderung verschont.
Der Weg führt am Rand der steilen Berge langsam hügelauf zunächst durch Wald und dann durch weite Ananasfelder.
Anderen Wanderern begegnen wir nicht, aber über die Feldwege holpern hin und wieder Trucks mit Arbeitern in die Felder. Mit der Machete kämpfen sie sich durch die Plantagen mit den harten stacheligen Ananaspflanzen. Wir sehen sie nicht bei der Ernte, vielmehr kappen sie dem Knöterich ähnelnde Pflanzen, die die Ananasfelder überwuchern.
Wunderschön ist, dass wir die farbenfrohe Entwicklung der Ananas in allen Stadien bestaunen können. Die zu den Bromeliengewächsen zählende Pflanze bildet zunächst Blütenstände aus, bei denen aus rötlichen Hochblättern mehrere blau-lilane Einzelblüten herausschauen.
Aus diesen Blütenständen entwickelt sich dann die eigentliche Ananas-Frucht.
Zunächst noch grün, zur Reife hin wechselt die Fruchtfarbe ins goldgelbe und die charakteristischen Schopfblätter am oberen Ende der Frucht prägen sich stärker aus.
Es ist faszinierend, durch diese Kulturlandschaft zu wandern, die sich am flacheren Saum der steilen Bergklippen entlangzieht.
Als wir langsam etwas höher hinauf kommen, wechseln auch die angebauten Pflanzen. Unser Weg führt uns durch eine Bio-Farm.
Neben natürlich Bananen, Limetten und Pampelmusen sehen wir am Wegesrand unter anderem
KaffeeKakaoStachelannonen (Sauersack)Noni und Papaya.
Zwischendurch führt unser Weg aber auch immer wieder durch Waldstücke und lässt uns durch Bäche waten.
Eine herrliche Wanderung von gut 8 Kilometern.
Zurück am Boot wartet noch etwas Arbeit. Der Wassermacher soll nach der Pause wieder in Betrieb genommen werden. Das wäre eigentlich ganz einfach: die Konservierungsflüssigkeit ausspülen, noch etwas laufen lassen und es könnte wieder Trinkwasser produziert werden.
Eigentlich. Aber zunächst mal fördert die Zubringerpumpe deutlich zu wenig Wasser. Das ist vergleichsweise einfach zu lösen, der Filter am Seeventil (etwas unglücklich im Motorraum zwischen Motor und Generator versteckt) hat sich mit einer festen Kruste ziemlich zugesetzt. Wir bauen ihn aus, reinigen ihn in Essiglösung und Herausforderung 1 ist gelöst. Zeit für Problem 2: jetzt spritzt beim Einschalten ein Wasserstrahl hinter dem Bedienpanel des Wassermachers hervor. Also Panel ausbauen und die Quelle lokalisieren.
Die Rostspuren zeigen, dass dieses Problem wohl schon etwas länger bestand und nur jetzt schlimmer geworden und dadurch aufgefallen ist. Tatsächlich hat die Druckanzeige an der Schraubverbindung ein kleines Loch. Glück im Unglück: die Anzeige hat zudem auch langsam etwas von ihrer Glycerinfüllung verloren. Ich hatte deshalb in Papeete ein Ersatzteil gekauft. Das kann ich jetzt einbauen (natürlich nur, nachdem wir einmal mehr das Vorschiff leer geräumt haben, um a den Stauraum heranzukommen).