Von der Viani Bay nach Taveuni, Satellitennavigation und Datumslinie

Ein weiterer Ausflug steht auf dem Programm. Das hat verschiedene Gründe. Ein ganz profaner: unser Bargeldbestand an Fiji$ neigt sich dem Ende zu. Vor zwei Monaten konnten wir zuletzt an einem Geldautomaten Bargeld ziehen, das war in Savusavu. In der Lau-Gruppe war sowieso nur Bargeld gefragt, aber auch Restaurant, Ausflug und Tauchbasis hier in der Viani Bay bezahlt man besser in bar. Die Gebühren für den hier immerhin möglichen Einsatz der Kreditkarte liegen bei 3,5 bis 4 Prozent. Das ist ziemlich happig, in Fiji aber absolut üblich. Da wirkt die 1%-Gebühr am Geldautomaten dann schon wieder günstig. Außerdem locken auf Taveuni auch noch Sehenswürdigkeiten der Insel, die wir bei unserer Stipvisite bei Paradise im Süden der Insel nicht besucht haben.

Die Fahrt mit dem offenen Boot von Viani Bay führt etwa 6 Seemeilen über die Somosomo Strait nicht direkt zum Hauptort von Taveuni, sondern zum ein paar Kilometer südlich gelegenen Fähranleger Waiyevo. Obwohl das Wasser auf der Hinfahrt noch relativ glatt ist, wird es an Bord schnell feucht. Ralph und ich kauern uns auf dem Boden sitzend in den Schutz des hochgezogenen Bugs, Wiebke und Barbara schützen sich mit ihren Regenjacken und später mit einer zusätzlichen Plane.

Auf der nochmal deutlich „spritzigeren“ Rückfahrt wird die Plane zur Abdeckung von Roberts Einkäufen für sein Tauchresort benötigt, da werden die beiden dann komplett durchnässt. Als unser Gefährt nach der Hinfahrt friedlich und idyllisch neben dem Fähranleger ankert, wissen wir das natürlich noch nicht.

Robert hat uns ein Taxi für das Sightseeing organisiert und Fahrer Marc bringt uns zunächst zur Wairiki Catholic Church, einem Wahrzeichen von Taveuni. Eine weinende Maria, ein Splitter vom Kreuz Christi als Reliquie in einem Kreuz, ein kindlicher Jesus mit einer Weltkugel, auf der neben viel Wasser statt Kontinenten nur einige kleine Inseln zu sehen sind, die Kirche weist einige Besonderheiten auf. Nur eines der Seitenschiffe ist mit Bänken versehen, ansonsten zeichnet nur ein roter Läufer den Weg zum Altar über den blau wie das Meer glänzenden nackten Fußboden des Gotteshauses.

An die Kirche angeschlossen ist eine der insgesamt fünf weiterführenden Schulen der Insel. Mädchen und Jungen leben im Internat in den Räumen der ehemaligen Mission.

Die nächste Station unserer Taxitour führt uns zu einer Linie, die uns die Navigation zuletzt ein bisschen erschwert hat.

Wegen der zum Teil uralten Vermessung sind die Angaben in den Seekarten von Fiji ziemlich unzuverlässig. Wir nutzen deshalb gerne die Möglichkeit der Navigation mit Satellitenbildern. Ein Beispiel: das über die Seekarte gelegte georeferenzierte Satellitenbild zeigt, dass sich das Riff tatsächlich einen Kilometer neben der Position in der Seekarte befindet:

Aber auch die Navigation mit Satellitenbildern hat ihre Tücken, etwa wenn Wolken oder Reflektionen auf dem Satellitenfoto die Sicht teilweise verdecken. Oder wenn der „Blattschnitt“ der zusammengesetzten Einzelfotos für Irritationen sorgt. Oft lässt sich das aber vermeiden, indem wir einfach auf Satellitenfotos eines anderen Anbieters wechseln, etwa von GoogleEarth zu den Apple’s Bing oder zu den NASA-Karten auf Noforeignland. Hier auf Taveuni aber weisen alle eine mehr oder weniger breite Schnittkante auf:

Der Grund dafür (und für die Schwierigkeiten vieler Routenplanungsprogramme an diesem Ort) ist einfach. Von Nord nach Süd verläuft quer über Taveuni der 180ste Längengrad, die grundsätzliche Datumslinie. Hier könnte man eigentlich mit einem Schritt über diese Linie vom Heute ins Gestern (oder von der anderen Seite ins Morgen) springen. Taxifahrer Marc zeigt uns denn auf der Fahrt dorthin auch das „erste Kino der Erde“, das allerdings schon seit Jahren geschlossene „180th Meridian Cinema“.

Praktisch funktioniert das Hin- und Herspringen im Datum auf Taveuni allerdings ohnehin nicht, denn in ganz Fiji gilt als Normalzeit die Zeitzone UTC +12, wir sind also der Greenwich-Zeit des 0-Meridians um 12 Stunden voraus. Wäre ja auch unpraktisch, wenn östlich der Linie zum Beispiel noch Sonntagabend, westlich aber schon Montagabend wäre. Trotzdem gibt es auf dem 180sten Längengrad ein kleines Denkmal mit Schautafeln.

Ein paar hundert Meter weiter hält das Taxi erneut, diesmal wegen einer natürlichen Attraktion. Die Bäume am „Garden Island Resort“ hängen voller Flughunde. Wir dürfen aufs Gelände und die großen Fledertiere ganz aus der Nähe betrachten.

Sie lassen sich von uns überhaupt nicht stören, hängen einfach ab, kitzeln ihre Nachbarn, bohren in der Nase oder machen ein Nickerchen.

Und auch unsere nächste Station hat es tierisch in sich. Es geht zu Waitavala Natural Waterslide. Ein Bachlauf schießt hier zwischen rundgeschliffenen Felsen den Berg hinunter. Insbesondere nach stärkerem Regen kann man diese natürliche Rinne auf eigene Gefahr als Wasserrutsche benutzen, angesichts der Absätze mit ihren Wasserfällen in einigen Bereichen sicher kein ganz ungefährlicher Spaß.

Wir beschränken uns denn auch lieber auf eine Wanderung durch den Wald an der Rinne entlang.

Und wir bekommen noch eine Belohnung, im Geäst über uns zeigt sich eine nur auf Fiji und dort nur auf Vanua Levu und eben Taveuni vorkommende Papageienart, die etwa 40 cm großen Pompadursittiche.

Im diffusen Gegenlicht des Blätterdaches kommt ihr buntes Federkleid mit der rotbraunen Brust und den grünblauen Flügeln nicht voll zur Geltung (im Englischen heißen sie Red Shining Parrot), beeindruckend ist es aber auch so schon.

Als wäre das nicht genug, belohnen wir uns nach dem „Geld tanken“ im Hauptort Somosomo noch ein weiteres Mal. Ein deutscher Auswanderer betreibt mit seiner italienischen Frau eine Bio-Landwirtschaft auf Taveuni. Aus den selbst angebauten Früchten produzieren die beiden unter anderem auch eigenes Speiseeis bzw. Sorbet, für das sie in Somosomo einen kleinen Verkaufsstand unterhalten. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen.

Lecker!

Passage nach Samoa, Tag 4: die mysteriöse Datumsgrenze und die Herren von der Zeitsparkasse

Land Ho! Land in Sicht! Nach vier Tagen und Nächten auf hoher See taucht an Steuerbord voraus schemenhaft eine Insel auf. Ta’u Island ist noch nicht unser Ziel, gehört aber immerhin schon zu einem der beiden Samoas, nämlich zu American Samoa 🇦🇸.

Rund 70 Seemeilen weiter westlich liegt dann Tutuila, die größte Insel Amerikanisch Samoas, mit der Hauptstadt Pago Pago.

Unser Kurs führt zwischen diesen beiden Inseln hindurch und noch einmal 70 Seemeilen weiter nach Westen zur Insel Upulu mit Apia, der Hauptstadt von Samoa 🇼🇸.

Irgendwann heute Nacht werden wir also über die Grenze zwischen American Samoa und Samoa segeln. Wir erreichen schon wieder eine neue Zeitzone. Die Uhren brauchen wir dabei diesmal nicht umzustellen, dafür aber den Kalender. Fahren wir um Mitternacht über die Grenze, folgt für uns auf Freitag den 13. Juni 24.00 Uhr unmittelbar Sonntag der 15. Juni, 00.00 Uhr. Samstag, den 14. Juni 2025 hat es dann in unserem Leben schlicht nie gegeben!

Ein ganzer Tag einfach geklaut?! Haben die grauen Herren von der Zeitsparkasse aus Michael Endes Roman “Momo” mal wieder ganze Arbeit geleistet? Nein, die grauen Herren sind nicht schuld. Wir können uns diesen Tag deshalb auch nicht zurückholen, indem wir rückwärts gehend durch die Niemalsgasse Meister Hora im Nirgendhaus um Hilfe bitten. Der Tag ist wirklich unwiederbringlich für uns weg!

Wie kommt das?

Die Datumsgrenze folgt zwangsläufig aus der Einrichtung der Zeitzonen. Die sind ja einigermaßen eingängig. Vom Nullmeridian im englischen Greenwich aus grundsätzlich alle 15 Längengrade nach Westen ist es eine Stunde früher, alle 15 Längengrade nach Osten eine Stunde später. Damit fällt das Tageslicht (auf gleicher Breite) jeweils ungefähr auf den Tag und die Dunkelheit auf die Nachtstunden. Hätte man das nicht so festgelegt und würde stattdessen überall die Uhrzeit von Greenwich gelten, wäre es in Neuseeland und im Osten Russlands um 00.00 Uhr regelmäßig taghell, um 12.00 Uhr aber immer dunkel. So aber wandert die Zeit mit dem Sonnengang um die Erde. Das hat praktische und unpraktische Seiten. Sehr große Staaten haben sich deshalb unterschiedlich zu diesem Konzept entschieden. Die USA zum Beispiel wenden es auf ihrem kontinentalen Staatsgebiet im Prinzip an und haben deshalb zwischen der Ostküste und Alaska fünf verschiedene Zeitzonen. Die Zeitzonen folgen dabei allerdings nur ungefähr den 15-Grad-Abschnitten bei einer sehr freien Interpretation hinsichtlich Alaska und besonders der Aleuten. China dagegen erstreckt sich theoretisch ebenfalls über fünf Zeitzonen. Es hat sich aber dafür entschieden, dass in ganz China nur eine Zeit gilt, die der chinesischen Ostküste.

Bildquelle: Wikipedia.org

Global betrachtet wird aber das Konzept der Zeitzonen angewandt. Damit wandert allerdings auch der mitternächtliche Datumswechsel (die Mitternachtslinie) um die Erde. Dadurch wird eine zweite Datumswechsellinie erforderlich, um die Erde in einen Bereich mit dem alten Datum und einen mit dem neuen Datum aufteilen zu können. Und diese (zweite) Datumsgrenze wurde konzeptionell Greenwich genau gegenüber auf den 180 Längengrad gelegt, wo sich die Zeitzonen -12 und +12 treffen. Praktischerweise liegt diese Grenze zwischen den großen Kontinenten mitten im Pazifik. Den vergleichsweise wenigen dort lebenden Menschen wird zugemutet, dass die Nachbarn auf der anderen Seite der Datumsgrenze auch tagsüber ein anderes Datum haben (und damit einen anderen Wochentag).

Staaten, die genau auf dieser Datumsgrenze liegen, haben sich für ihr Staatsgebiet jeweils für die eine oder andere Seite entschieden. Aber nicht nur das. Auch manche Staaten in der Nähe der Datumsgrenze fanden es besser, auf die andere Seite zu rutschen. Unser Ziel Samoa zum Beispiel liegt auf etwa 171 Grad West. 1892 wechselte es auf die andere Seite der Datumsgrenze. Den 4. Juli 1892 gab es auf Samoa deshalb gleich zweimal. 2011 entschied man sich (vor allem wegen der Handelsbeziehungen zu Neuseeland) für den Wechsel zurück und strich dafür den 30. Dezember 2011 aus dem samoanischen Kalender.

Und unser gestohlener Tag? Ist genau genommen vielleicht doch kein ganzer Tag, denn bezogen auf unsere Abreise von Europa haben wir (einschließlich “Sommerzeit”) im Laufe der sechsjährigen Reise schon 13 mal die Uhr um eine Stunde zurück gestellt, 13 Stunden “geschenkt” bekommen. Oder vielleicht haben wir sie auch angespart (also doch Zeitsparkasse). Die anderen 11 geben wir als Kredit: wenn wir zurück in Deutschland sind, werden wir unterwegs 24 Tage mit 25 Stunden gehabt haben.

Nur eben keinen Samstag, den 14. Juni 2025!

Bitte auf das “Heute” bzw. “Morgen” achten

Essen: Auberginen/Kartoffel/Tomaten/Paprika-Auflauf mit Feta überbacken (wir dürfen kein Gemüse nach Samoa einführen).

Etmal: 150 sm, gesamt auf dieser Passage 589 sm, bis Apia noch ca. 136 sm.

Also: wenn alles glatt geht, Morgen Ankunft in Apia. Bloß das dort Morgen Übermorgen ist. 😊