Einklariert am anderen Ende der Welt

Das ist eine neue Gefühlsdimension für uns. Erstmals haben wir uns mehr Gedanken über das nachfolgende Einklarieren nach NZ als über die als manchmal durchaus knifflig bekannte Passage hierher gemacht. Und ja, auch die Passage hat uns sehr wohl beschäftigt. Aber alles in allem war sie dann (für uns) weniger problematisch als erwartet, einzig das aus den Erfahrungen der anderen Segler genährte „da könnte noch was kommen“ zehrte etwas an den Nerven. Insbesondere für die von Fiji herunter kommenden Boote, aber auch für einige gar nicht weit von uns entfernte Segler aus Tonga hatte das Wetterfenster ja tatsächlich einige unangenehme Überraschungen parat.

Und das Einklarieren?

Nach einer super ruhigen Nacht am Quarantänesteg der Marsden Cove Marina klingelt der Wecker. Statt im Bett gibt’s den Kaffee diesmal im Cockpit, wer weiß, wann die Offiziellen ankommen.

Das neuseeländische (Papier-)Formular „Masters-Declaration for full Biosecurity Clearance“ haben wir in Tonga beim Bootsausrüster kostenlos in die Hand gedrückt bekommen. Neben diversen anderen Angaben sind auf Seite 3 diverse möglicherweise problematischen Produkte aufgeführt und sollen eingekreist werden, weitere Ergänzungen sind in einer Extraspalte zu machen. Selbst Reis findet sich auf der Liste.

Wir füllen das Formular schon mal aus, es bleiben aber einige Fragen. Müssen wir wohl mit dem Officer klären.

Wiebke sortiert unsere Lebensmittelbestände nochmal komplett durch. Alles, was den Argwohn des MPI hinsichtlich der strengen Biosecurity-Vorschriften erwecken könnte, wird auf dem Salontisch aufgebaut. Die Gewürze der Pantry werden ebenfalls selektiert: gemahlene Gewürze bleiben im Schapp, alles was keimen könnte (Koreandersamen, Fenchelsamen, Nelken, Sesam, Senfkörner etc., selbst Nichtgewürze wie Popcorn-Maiskörner) werden herausgestellt.

Und ich stelle aus den Unterwasser-Videos und Fotos sowie den bereits eingereichten Formularen nochmal einen Präsentationsordner auf dem iPad bereit.

Tatsächlich kommt das MPI zuerst: ein Officer mit an einem Gestänge montierter GoPro und Unterwasserlampe kommt durch das Quarantänetor und direkt zu unserem Boot (insgesamt 11 Boote haben sich hier im Laufe der Nacht eingefunden). Er drückt uns die Masters Declaration in die Hand, aber die haben wir ja schon. Dann verschwindet er nochmal kurz. Inzwischen trifft auch der Zöllner ein. Ich beantworte Cockpit seine Fragen, Wiebke zeigt derweil dem MPI-Officer die (ja vorab elektronisch übermittelten, aber für ein Pre-Approval als nicht ausreichen klassifizierten) Unterwasserfotos auf dem iPad. Das genügt ihm, er hält nicht einmal mehr die GoPro ins Wasser. Kein Emergency-Haul-Out nötig, das sieht doch sehr gut aus. Da fällt uns schon mal ein Stein vom Herzen.

Wiebke und er wenden sich jetzt den Lebensmitteln zu.

Auch das läuft extrem entspannt ab, die ordentliche Vorbereitung findet er offenbar gut. Kein Durchstöbern aller Schapps, kein Anheben der Bodenbretter, nicht mal ein Blick in den Kühlschrank. Zudem wandert weit weniger als befürchtet in den Biosecurity-Abfallsack zur (kostenlosen) Entsorgung, die Gewürze z.B dürfen praktisch alle an Bord bleiben. Bei Dosen wird nur eine Linsensuppe mit Chorizo konfisziert. Und der Popcornmais muss auch weg.

Und auch der freundliche Zöllner hat seinen Fragenkatalog abgearbeitet, gibt mir inzwischen Reisetips für Neuseeland und für unser im nächsten Jahr folgendes Reiseziel Fiji.

Nach einer dreiviertel Stunde sind wir durch. Einklariert. Die gelbe Quarantäneflagge kann runter, die Gastlandsflagge für Neuseeland weht jetzt unter der Steuerbordsaling.

Ein weiterer Stein plumpst vom Herzen. Die müssen in Neuseeland doch echte Steinlager haben …

Haben sie tatsächlich!

Steinlager Bier, gebraut in einem Vorort von Auckland, ist international auch bekannt geworden durch das Whitbread Round the World Segelrennen 1989/90, das der legendäre Peter Blake auf der STEINLAGER II gewann. Zudem in der Folge als einer der Hauptsponsoren bei den erfolgreichen neuseeländischen Kampagnen im America‘s Cup. Der Rumpf der NZL 60, die im Jahr 2000 die „bodenlose Kanne“, diese wohl älteste Segeltrophäe für den Gewinn des America‘s Cup nach Neuseeland holen konnte, steht heute aufgebockt hier am Hafen. Perfekt im Blickfeld vom Grillponton aus.

Geschichten und Geschichte.

Wir chillen, kommen ganz langsam hier in Neuseeland an. Kneifen uns, es fühlt sich so unwirklich an. Entspannt. Stressfrei. So einfach. Mal eben im kleinen Supermarkt am Hafen grünen Spargel kaufen zum Grillen mit dem Fisch, den uns Iain und Brioni von der Indioko (red-seas.com) geschenkt haben.

Ziemlich schwer zu fassen ist auch, jetzt am anderen Ende der Welt angekommen zu sein. Vor gut sechs Jahren sind wir an Gibraltar vorbei aus dem Mittelmeer hinausgesegelt. Würde man hier im Norden Neuseelands ein Loch gerade durch den Erdmittelpunkt bohren, käme man in Gibraltar wieder heraus. Die beiden Orte sind Antipoden, mit gleicher geographischer Breite (nur eben einmal auf der Nord- und einmal auf der Südhalbkugel) und um 180 Grad versetzter geographischer Länge. Und wir sind wirklich hier her gesegelt.

Kneif mich noch mal.

Tonga: ausklariert und auf nach Minerva

Fast zwei Monate sind wir schon in Tonga. Offizieller Beginn der Zyklonsaison im Südpazifik ist der erste November, es wird also langsam Zeit, uns auf den Weg Richtung Neuseeland zu machen.

Ein Wunschziel liegt auf dem Weg: Minerva. Ein fast unwirklich erscheinender Ankerplatz mitten im offenen Ozean. Keine Insel, nur ein Unterwasser-Riff im ringsherum buchstäblich tausende Meter tiefen Pazifik. Kein Land in Sicht für Hunderte von Seemeilen. Das Minerva-Riff ist ein Atoll, nur eben knapp unter dem Meeresspiegel. Irgendwo im Nirgendwo zwischen Tonga, Fiji und Neuseeland. Auf der Navionics-Seekarte und auf Google Earth sieht das so aus:

Da wollen wir hin!

Formal gehören die beiden Riffe Minerva Nord und Minerva Süd zu Tonga und weiten damit Tongas Fischereirechte weit nach Süden aus, darüber gab es früher durchaus auch schon Streit mit Fiji.

Ausklarieren müssen wir trotzdem vorher. Und so führt uns unser Weg erst einmal wieder zurück ins Örtchen Pangai und dort zunächst zum “Ministry of Infrastructure”. Ganz leicht zu finden ist es nicht, denn das große weiße Schild würde zwar eigentlich das Ministeriumslogo und seine Bezeichnung tragen, nur ist es von der tropischen Sonne komplett ausgeblichen.

Aber es ist die auf Noforeignland angegebene Position, also klopfen wir und – siehe da – werden freundlich im Ministerium begrüßt. Aus der Tonnage unseres Bootes wird die zu entrichtende Gebühr von 9,80 TOP ermittelt, etwa 3,50 €.

Mit der Quittung laufen wir dann durch den Ort zum Zollbüro, wo wir ohne weitere Gebühr ausklarieren können. Auch hier ist das Hinweisschild ausgeblichen, aber von der Seite ist die ehemalige Aufschrift immerhin noch zu erahnen.

Zurück auf der Flora machen wir unser Boot klar für die Passage. Der Außenbordmotor wandert auf den Heckkorb, das Dinghy wird in den Davits mit “Bellybands” zusätzlich gesichert. Drinnen wird alles seefest verstaut, Flora ein letztes Mal gecheckt und dann kann es los gehen. Jetzt, unmittelbar vor der Abfahrt, können wir auch die nächsten Onlineformulare nach Neuseeland schicken. Das “ANA” (Advanced Notice of Arrival) mit diversen Anlagen und dann für jeden von uns jeweils eine “Traveller Declaration”. Also auch für das übernächste Ziel geht es voran.

Wir lichten den Anker morgens am 7:30 bei leichtem Nieselregen und aufgebauter Kuchenbude, weil der achterliche Wind den Regen von hinten ins Cockpit drückt.

Inzwischen aber scheint die Sonne, mit ausgebaumtem Vorsegel rauschen wir an den äußeren Inselchen der Ha’apai-Gruppe vorbei unserem Ziel entgegen. Etwa zweieinhalb Tage sollten wir bis Minerva unterwegs sein.

Tonga: Ha‘apai und weitere Vorbereitung auf Neuseeland

Das Einchecken in die Ha‘apai-Gruppe erledigen wir im Hauptort Pangai auf der Insel Lifuka. Noch ein kurzer Spaziergang durch den etwas gesichtslosen Ort: mehrere kleine chinesische Lebensmittelläden, ein Markt, auf dem allerdings kaum etwas angeboten wird, die für Tonga so typischen freilaufenden Schweine, eine verfallende Hafenmole.

Es sind für uns nicht so sehr die Ortschaften, die Tongas Charme ausmachen. Also holen wir nach den Formalitäten und dem Spaziergang gleich wieder den Anker auf. Nur eine Insel weiter geht’s, nach Uolefa, quasi einen Steinwurf entfernt und doch auch gleich in eine andere (Gefühls-)Welt.

Palmen erheben sich über einen ewig langen Sandstrand, an den Seiten säumen zwei Riffe die Bucht. Sie bieten zusätzlichen Schutz vor dem hier scheinbar dauernd präsenten Pazifik-Schwell, der immer einen Weg um die Inseln herum zu finden scheint. Und sie laden mit vielfältiger Korallenwelt zum Schnorcheln ein. Ganz besonders gefallen uns die Harlekin-Feilenfische mit ihren orangenen Flecken auf blauem Grund, die wir hier erstmals sehen.

Schnorcheln kann aber andererseits durchaus Arbeit sein. Wir kratzen weiter an Floras Unterwasserschiff herum, insbesondere auch die Nischen sollen frei von Bewuchs und Pocken sein. Das ist zum Beispiel an den Borddurchlässen und am Ruder sowie dessen Beschlägen nicht ganz einfach. Mit allen möglichen improvisierten Werkzeugen versuchen wir die Ritzen und Spalten zu reinigen. Und es fällt leider auf, dass unser CopperCoat-Antifouling in den über 6 Jahren und über 40.000 Seemeilen doch gelitten hat. Wenn man genau hinschaut kann man allerdings auf dem Bild vom letzten echten Anschliff (vor 4 Jahren in den USA) schon ein paar Macken und Unebenheiten erkennen. Angeschliffen sieht man übrigens die Kupferfarbe, die im Salzwasser dann zum grünen Kupferoxid wird. Na gut, die Überarbeitung ist jetzt umso dringender fällig und steht in Neuseeland an.

Wir beantworten den Fragebogens des neuseeländischen MPI-Ministeriums (dem auch für Biosecurity zuständigen Ministry for Primary Industries) mit Fragen wie z.B.:

  • When were the internal pipework/strainers last treated or cleaned? (Please provide a date or indicate if never treated).

Für die Fragen zur Reinigung des Unterwasserschiffes fordert uns das MPI auf, „Evidence of the last hull cleaning“ auf einen vom MPI bereitgestellten Share-file-Link hochzuladen. Wir senden aktuelle Videos vom jetzt sauberen Unterwasserschiff, dabei fallen uns die Macken aber natürlich besonders unangenehm auf.

Überhaupt nimmt uns die Vorbereitung für die Passage zum Minerva-Riff und weiter nach Neuseeland doch ein bisschen mit. Wir vergleichen die Wettermodelle mehr als ohnehin üblich, versuchen herauszufinden, ob und eventuell für wie lange ein Stop auf Minerva möglich und empfehlenswert wäre. Windy und das Departure-Planning-Tool auf PredictWind laufen heiß. Die Wettersituation ist nicht ganz einfach und die Auswahl des möglichen Abfahrtstermins bereitet uns (wie den meisten anderen Seglern hier) durchaus Kopfzerbrechen.

Schöner Ausgleich: Wingfoilen. Vielleicht sind ja die dabei anfallenden Nasenspülungen verantwortlich, aber jedenfalls wird der Kopf wieder frei.

😊

Tonga: Passage von Vava‘u nach Ha‘apai

Innerhalb von Tonga segeln wir eine Inselgruppe weiter nach Süden. Wir erledigen den erforderlichen Inter-Island-Checkout bei Zoll und Hafenbehörde in Neiafu und verholen uns für die Nacht wieder an Ankerplatz #7. Den können wir am nächsten Morgen unproblematisch noch vor Sonnenaufgang verlassen, um uns auf den Weg zur 70 Seemeilen entfernten Ha‘apai-Gruppe zu machen und dort sicher noch bei Tageslicht anzukommen.

Als wir den Schutz der Vava‘u-Gruppe hinter uns lassen, beginnt der Rock’n’Roll.

Wir werfen mal wieder die Angelleinen aus und haben tatsächlich auch einen Biss, aber es ist leider ein Barrakuda. Der darf zurück in den Pazifik, nachdem ich ihm den Haken aus dem Maul mit seinen beeindruckend spitzen langen Zähnen herausoperiert habe. Aber es ist eine in jeder Hinsicht spritzige Passage, wir sind schneller als erwartet nach gut 9 Stunden bereits in Ha‘apai.

Zur Begrüßung springen mehrere Buckelwale, schießen (in einiger Entfernung) hoch aus dem Wasser, drehen sich in der Luft und platschen auf der Seite zurück ins Wasser. Ein tolles Spektakel.

Den idyllischen und ruhigen Ankerplatz zwischen den Riffen vor der nördlichen Insel Ha‘ano haben wir ganz für uns allein. Mit Blick auf das pilzförmige Inselchen, hinter dem sich am Ufer Sandstrand und schroffe Felsküste abwechseln. Die Wale sehen wir leider nicht mehr, können sie im Schiff aber immerhin noch hören.

Tonga, Port Maurelle und Vorbereitung für Neuseeland

Da waren wir doch schon mal? Ja, die Bucht Port Maurelle ist nämlich Ankerplatz #7. Das ist der erste Ankerplatz, den wir mit Emma und Claas angelaufen hatten. Jetzt sind wir wieder dort, denn nach erfolgter Re-Proviatierung wurden uns die Bedingungen vor Neiafu in südlichen Winden doch etwas rollig. Also kurz um die Ecke verholen und: herrliche Ruhe.

Dieser schöne Platz hat zudem den Vorteil, dass ich nur ein paar Meter aus der geschützten Bucht hinaus muss, um relativ gute Bedingungen zum Wingfoilen zu haben.

Ganz allein liegen wir hier natürlich nicht, zwischenzeitlich liegen wir hier mit acht Schiffen. Platz ist aber genug und meist sind wir auch nur vier oder fünf.

Das Wetter ist ziemlich wechselhaft, zwischen schöne Abschnitte schieben sich auch graue und regnerische Tage. An denen kümmern wir uns um den bürokratischen Aufwand, den die geplante Weiterreise nach Neuseeland so mit sich bringt. Formulartechnisch und was die hohen Anforderungen der Biosecurity angeht ist Neuseeland mit Sicherheit der aufwändigste Staat auf unserer bisherigen Reise (ja, hatte ich im letzten Beitrag schon erwähnt, aber es beschäftigt uns derzeit wirklich sehr). Wir arbeiten uns langsam heran, immerhin haben wir inzwischen bereits eine Steuernummer für das temporäre Einführen der Flora zugeteilt bekommen. Und mit Hilfe eines von Mareike geborgten „Fleischerhandschuhs“ aus Edelstahl-Kettengliedern habe ich sogar den Raum zwischen den beiden Propellern unseres Bugstrahlruders und die Rückseiten der Propeller leidlich reinigen können. Das von der Biosecurity übermittelte „Schedule 3: Required locations for vessels biofouling inspections“ listet 89 (sic!) Stellen am Schiff auf, die besonders begutachtet werden sollten. Auch wenn nicht alle zum Tragen kommen (wir haben auf unserem Segelboot zum Beispiel keine Stabilisatoren und kein Heckstrahlruder) bleibt doch eine ganz Menge übrig. Ein Freund hat bei seinem Boot deshalb Unterwasservideos zum aktuellen Zustand von 31 dieser Stellen vor der Abfahrt auf den jedem Bootseigner individuell zugesandten Link hochgeladen und inzwischen die Freigabe erhalten.

Also sind auch wir weiter intensiv mit dem Putzen des Unterwasserschiffs und insbesondere der verborgeneren Stellen beschäftigt. Die Innenräume der Borddurchlässe, den Spalt vorm Ruder, die Seiten des Leinenschneiders am Propeller, all sowas. Dazwischen streuen wir normale Schnorchelgänge hier in der Bucht ein. Obwohl die Korallen wenig spektakulär sind, finden wir z.B einen schönen aber giftigen Dornkronenseestern, Feuerfische, Anemonenfische, Riesenmuscheln, Federsterne, uns bisher unbekannte Lippfische und sogar Lobster und Tintenfische.

Und einen Schwarm „Bienchenfische“ (kleine, schwarz-gelb gestreifte juvenile Sergeant Major Riffbarsche) an unserer Ankerkette.

Passage Samoa nach Tonga, Tag 2 und angekommen

Der zweite Tag der Passage beginnt wie der erste, ziemlich rau. Das fordert leider auch Tribut, eine besonders fiese Welle schüttelt die Flora durch und die halbkardanische Halterung bricht. Für die Nichtsegler: diese Halterung sorgt dafür, dass der Herd und damit die darauf befindlichen Pfannen und Töpfe in der Horizontalen bleiben, auch wenn das Boot von einer Seite zur anderen schaukelt.

Eigentlich wirkt der Herd nur etwas schief und er schwingt halt nicht mehr. Bei näherer Betrachtung müssen wir aber erkennen, dass die fest am Herd selbst verbaute linke Schwingachse gebrochen ist. Auf dieser Seite ist der Herd dadurch heruntergesackt und hat sich im Schacht verkantet.

Immerhin, dadurch laufen wir nicht Gefahr, dass uns der schwere Herd durch das Schiff fliegt.

Zum Glück wird der Seegang im Laufe des zweiten Tags auch langsam ruhiger, das Segeln angenehmer. Und nach nur etwa 52 Stunden sind wir auf Tonga angekommen, machen am Gouvernement Dock in Neiafu fest (in Tongas nördlicher Vava’u-Gruppe).

Das “Tonga Customs Advance Notice of Arrival“ hatten wir wie gewünscht schon vorab per Email übermittelt, trotzdem sind für Zoll, Health und Immigration nochmal 8 Seiten Papier auszufüllen. Aber das ganze Prozedere geht recht flott und die Officer sind freundlich.

Wir verholen uns ein kleines Stückchen weiter in die Bucht und finden auch noch eine freie Mooring. Auf dem Weg sehen wir schon einige bekannte Yachten. Ganz besonders freuen wir uns, am Abend noch mit Heather und Jim von der Kavenga unser Ankommensbier trinken zu können.

Die beiden hatten wir zuerst auf Vancouver Island in Kanada getroffen und danach noch mehrfach unterwegs in den USA und in Französisch-Polynesien.

Am nächsten Tag widmen wir uns dem Saubermachen und Aufräumen der Flora, der Wieder-Inbetriebnahme des Wassermachers und natürlich dem dringenden Projekt “Herd”.

Der Ersatzteilefinder beim maritimen Versandhandel SVB versorgt uns mit einer Oxplosionszeichnung, das kaputte Teil ist aber leider nicht bei SVB erhältlich. Kein Wunder, es ist fest mit der Seitenwand des Herdes vernietet. Also bauen wir den Herd aus und nehmen ihn auseinander. Wir können nur improvisieren. Die Seitenwand bringe ich mit dem Dinghy zu einem verfallenen Dock in der Nähe. Dort richtet der Funkenflug keine Schäden an, als ich mit der Akkuflex die Vernietung von der Edelstahlwand entferne. Wieder an Bord kann ich den restlichen Niet ausschlagen und das Loch auf die Größe einer 8ter Senkkopfschraube vergrößern, auf der Innenseite mit großer Unterlegscheibe und Muttern gekontert. Den Herd wieder zusammenbauen, dabei auch gleich die Mechanik der Frontklappe reparieren. Der Senkkopf kann dann von oben in die Halterung im Herdschacht rutschen, so die Theorie.

Wunder über Wunder, die Kardanik funktioniert wieder. Mal schauen wie lange, aber fürs erste sollte es gehen.

Von Tonga haben wir noch nicht viel gesehen, aber das kommt jetzt.

😊

Zurück in Apia, Samoa

Der Monat „Heimaturlaub“ ist so schnell vergangen, der Rückflug nach Apia steht an. Am allerletzten Tag kommt noch der Glaser und wechselt das obere Fenster im Bad aus. Die innere Scheibe der Dreifachverglasung war ohne äußere Einwirkung einfach gesprungen. Handwerker alten Schlages mit nettem Humor und mit einer klassischen Werkzeugkiste, wie ich sie schon lange nicht mehr gesehen habe.

Sehr schön, ist das zum Abschluss auch noch erledigt.

Am nächsten Morgen bringt uns Jan zum Flughafen, wir steigen ins erste von vier Flugzeugen auf dieser Rückreise zur Flora.

eher: Tschüss

Immerhin: auf dem mit etwa 12 Stunden Flug längsten Teilstück von Frankfurt nach Singapur haben wir richtig viel Beinfreiheit:

Sechs Stunden Aufenthalt in Singapur, wir nutzen die Zeit, um ein Juwel zu besuchen. Direkt am, eigentlich fast im Changi Airport, liegt nämlich zwischen den Terminals 1-3 das „Jewel“. Etwa 22.000 qm groß, erinnert das runde, in Fassade und Dach von über 9.000 Glasstücken eingefasste Gebäude tatsächlich an ein in Facetten geschliffenes Juwel. 💎

Auf fünf Ebenen bietet es Shopping und Food-Plazas, vor allem aber beinhaltet es in seiner Mitte einen großen Park rund um den weltgrößten Indoor-Wasserfall, der vom Dach aus rund 40 m in die Tiefe stürzt. Selbst die den Park durchquerende Flughafenbahn wirkt da klein. Und manche Gäste machen vor der Kulisse des Wasserfalls ziemlich imposante Dehnübungen zwischen den Flügen …

Für uns geht’s danach in einem 10stündigen Flug weiter nach Fiji. Nochmal ein paar Stunden Aufenthalt. Wie schon in Singapur 🇸🇬 grüßt auch in Fiji 🇫🇯 am Flughafen ein Schild mit unserem Nachnamen darauf …

😜

Endlich in Apia angekommen, haben wir bei der Einreise nach Samoa noch ein Einzelgespräch mit dem Zoll gewonnen. Das Aufgabegepäck wird nämlich bei der Einreise noch einmal durchleuchtet. Ist das eine Nähmaschine da in ihrem Gepäck? Bitte machen sie das doch mal auf. Und was ist das da? Kondensatoren für unseren Generator. Und das? Ersatzteile für unser WC.

Wir werden aufgeklärt, dass wir das eine Woche vorher beim Zoll hätten anmelden müssen. Wäre für Yachten in Transit zollfrei, nur eine Gebühr von 20 Tala (etwa 6,50 €) für die Bearbeitung würde anfallen.

Samoanisch freundlich: Sollen wir doch bitte beim nächsten Mal beachten. Das versprechen wir. Und gut ist.

Mit dem Taxi geht’s zur Marina und nach 43 Stunden Reise um die halbe Welt sind wir zurück auf der Flora. Besonders schön ist, dass die Gesundheit auf der Rückreise keine Zicken mehr gemacht hat.

Tja, und jetzt?

Irgendwofür haben wir die ganzen Ersatzteile ja mitgeschleppt. Beide WCs funktionieren inzwischen wieder, der Heißwasserboiler auch. Dort war übrigens nicht wie vermutet der Heizstab der Übeltäter, lediglich das Termostat musste ich tauschen. Und auch die neue Wasserpumpe im Generator ist eingebaut. Sieht goldig aus, ist aber trotz ihres Preises nur Messing.

Blut und Schweiß und Fluchen waren involviert, es ist also eine echte Bootsarbeit. So muss das wohl.

Angekommen und glücklich.

Passage nach Samoa, Tag 5: Ankunft in Apia

Tatsächlich ziemlich genau um Mitternacht passieren wir die Datumsgrenze zwischen American Samoa und Samoa. Der 14. Juni 2025 fällt also für uns aus. Meine vierstündige Hundewache dauert vom Freitag (13.6.) 23.00 Uhr bis Sonntag (15.6.) 03.00 Uhr.

Ansonsten ist es eine recht ruhige letzte Nacht auf See für diese Passage. Mit Dunkelwerden gehen wir mit dem Großsegel ins zweite Reff. Trotzdem sind wir noch zu schnell. Beim Wechsel zu meiner Wache (23.00 Uhr) rollen wir die Fock ein und gehen ins dritte Reff. Jetzt passt das ETA (die Estimated Time of Arrival, unsere voraussichtliche Ankunftszeit).

Am Morgen präsentieren sich Samoa und (nach per Funk vom Port Officer erhaltener Einfahrerlaubnis) die Ankerbucht von Apia dann so:

Es ist Sonntag, und so müssen wir auf die Offiziellen ein bisschen warten. Als erstes kommt mit eigenem Dinghychauffeur “Health”, der Officer klettert aber gar nicht in unser Mittelcockpit sondern wartet auf dem Seitendeck, bis wir die Formulare ausgefüllt haben. Die Damen von Customs und Immigration muss ich dann mit unserem Dinghy abholen. Ein bisschen Smalltalk im Cockpit bei bereitgestellten Saft und Keksen, einige Formulare, schnell erledigt. Ich bringe sie zurück an Land und checke dann aus, ob im Hafen noch Platz ist. Die Ankergebühr und die Marina Preise liegen nicht allzu weit auseinander.

Tatsächlich finden wir noch ein Plätzchen, wenn auch etwas eng zum Manövrieren. Aber die Nachbarn bieten Hilfe an, gut.

Wir verholen in die Marina, das klappt gut. Dort warten wir dann auf “Biosecurity”. Als wir schon unseren Sundowner trinken, kommt der Officer doch noch. Auch er bleibt im Cockpit, wir füllen die gleichen Formulare zum dritten Mal aus. Allerdings fragt er nach einem Geschenk, ist aber mit einer gebrauchten Sonnenbrille zufrieden. Auch wir sind zufrieden, denn damit ist der offizielle Einklarierungsvorgang beendet, “Samoa is all yours”. Das ging (insbesondere für einen Sonntag) besser als erwartet, wir haben auch von intensiven Schiffsinspektionen mit Öffnen aller Schapps gehört und gelesen. Wie auch immer, vielleicht war die Ankunft an einem Sonntag (damit vermutlich “Overtime-Gebühren) auch vorteilhaft.

Wir sind drin, morgen können wir die Pässe und Schiffspapiere in der Behörde wieder abholen.

Der Sundowner-Toast: “Samoa”. Cheers.

Passage nach Samoa, Tag 1

Bob ist am Montag wieder im Einsatz im kargen Übergangsbüro des Zolls, wir können also in Aitutaki ausklarieren. Interessanterweise sind dafür mehr Angaben zu machen als beim Einklarieren, so sollen wir zum Beispiel die Marke und das Fassungsvermögen der Rettungsinsel und die Seriennummer der EPIRB Seenotfunkbake im Formular eintragen.

Aber gut, letztlich klappt alles und kurz vor Mittag laufen wir aus.

Die Bedingungen sind gut, um sich in die Passage einzugewöhnen. Nicht allzu schaukelig, etwa 2 m seitliche Ozeanwelle. Erst Segeln wir auf Steuerbordbug mit Fock und Großsegel, seit heute früh ist die Fock an Backbord ausgebaumt. Schmetterlings-Segeln.

Ein schöner Sonnenuntergang und zudem fast Vollmond. Jeder von uns hat eine Nachtwache von vier Stunden, also 8 Stunden Freiwache. Das ist komfortabel, auch wenn der Schlaf in den ersten beiden Nächten einer Passage meist noch nicht so gut ist. Das Wetter ist etwas besser geworden. Bob hatte uns noch offenbart, dass auf Aitutaki um Vollmond und Neumond herum jeweils mit unstetem Wetter und Regen zu rechnen ist. Tatsächlich hat es bis kurz vor unserer Abfahrt genieselt.

Aber die Nacht bleibt trocken und es gibt auch einen schönen Sonnenaufgang.

Essen: Asiatische Glasnudelpfanne mit Pak Choy.

Etmal: 138 sm, noch etwa 632 sm bis Apia/Samoa.

Papeete, Tahiti.

Großstadtleben. Was für ein Kontrast zu den letzten Monaten. Ja, wir liegen vor Anker, sehr ruhig sogar. Und doch ist alles anders.

Jeden Morgen und jeden Abend wird die Flora umschwärmt von diversen Auslegerkanus. Die Tradition des Sports mit diesen typisch polynesischen Gefährten hatten wir zuerst in Hawai’i kennengelernt, auf den Inseln in Französisch Polynesien wird sie aber genauso intensiv weitergeführt, zumeist mit ultraleichten modernen Auskegerkanus, die aber eben doch mit ihren Auslegern traditionelle Technik weiterführen.

Ab und zu verirrt sich ein Jetski oder ein Wakebord hinter einem Motorboot in die Bucht, sonst sind nur die Optis des örtlichen Segelclubs unterwegs. Beschaulich.

Und doch: um uns herum ist Großstadt. An Land ist fußläufig ein großer Carrefour-Supermarkt, die Bushaltestelle ist nah und so kommen wir auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut in die Stadt. Trotzdem haben wir uns gemeinsam mit Andrea und Ingo für ein paar Tage ein Auto gemietet. Ein paar Ausflüge haben wir uns vorgenommen und einige Besorgungen sind auch zu machen. Lebensmittel, na klar, aber auch zum Beispiel notwendige Ersatzteile für unsere Tauchausrüstung, Bootszubehör, ein neuer Wasserkocher, und und und. Außerdem bringen wir Wäsche in die Laundry und Kleidung zum Waschen zu unserer Segelfreundin Barbara in ihr AirBNB mit Waschmaschine. Ganz lieben Dank für diese großzügige Möglichkeit.

Schnell noch einen Behördengang zwischendurch, endlich mal wieder ein Formular. Dafür können wir hier in Französisch Polynesien ab jetzt steuergünstiger unseren Bootsdiesel tanken.

Ein erster kleiner Hike, der „Chemin de la Croix“ führt uns hoch über die Stadt und bietet uns einen tollen Ausblick über Papeete mit seinem Hafen sowie hinüber zur Nachbarinsel Moorea.

Und als weitere sportliche Betätigung probieren Ingo und ich das von Ingo gerade gebraucht gekaufte Surfbord aus. 40 Jahre ist es wohl her, das ich das letzte Mal auf so einem Ding gestanden habe. Aller (Wieder-)Anfang ist schwer, aber: es macht Spaß!

In der Stadt genießen wir Brauerei und Restaurants, bummeln, shoppen. Treffen Segelfreunde.

Und besuchen gemeinsam mit Andrea , Ingo (Easy One), Barbara und Ralph (Lille Venn) ein kulturelles Highlight: das Heiva i Tahiti. Vom 4. bis zum 20. Juli findet es in diesem Jahr statt. Tänzer und Sänger aus ganz Polynesien messen sich in Vorauscheiden und treten dann zum Finale hier in Tahiti an, es ist ein Riesen-Event und eine großartige Veranstaltung. Klar, sie ist auch touristisch relevant. Aber vor allem ist das Heiva ein Fest, das die polynesische Kultur feiert und von den Polynesiern mit entsprechendem Stolz zelebriert wird.

Über fünf Stunden lang dauert die Veranstaltung, von 18:30 bis kurz vor Mitternacht. Bis zu hundert Tänzerinnen und Tänzer zählt eine einzelne Gruppe, dazu kommen Bands und Chöre. Während der Tanzdarbietungen ziehen sich die Teilnehmen zwischen den einzelnen Akten mehrfach um, jeweils mit aufwändigen, phantasievollen Kostümen. Leider sind Fotos bei dieser beeindruckenden Veranstaltung nicht gestattet, deshalb hier nur Screenshots der hier auch verlinkten offiziellen Facebookseite zum Heiva mit vielen weiteren Bildern.


Und Zack, sind schon 5 Tage Tahiti wie im Flug vergangen.