Tahuata: Überraschung in den Marquesas

Die Inseln der Marquesas zeigen sich von See kommend als steil aus dem Meer aufsteigende Felsformationen aus dunklem vulkanischen Stein, raue Steilklippen, tief eingeschnittene Täler, wild gebirgige, schwer zugängliche Inseln. Üppig grün an der Ostseite, wo die (Südost-)Passatwinde zum Aufsteigen gezwungen werden. In der kühleren Höhenluft an den Bergspitzen hängen deshalb fast immer Wolken und versorgen die Ostseiten mit üppigen Regenfällen. Die Küsten der windabgewandten Westseiten dagegen sind oft karger.

Und so präsentieren sich die Westseiten von Fatu Hiva (das wir hinter uns lassen) und Tahuata (zu der wir auf einem 40 sm Schlag segeln):

Und auch wenn es dem Klischee der Südsee entspricht: palmengesäumte weiße Sandstrände mögen für andere Inselgruppen typisch sein, für die Marquesas aber sind sie sie es gerade nicht. Hier ist (mangels Ringriff) eher eine Brandung zu erwarten, die sich an schwarzen Felsen bricht oder bestenfalls dunkle Steinstrände hinaufrollt.

Eigentlich.

Allerdings ist Tahuata eben eine Ausnahme von dieser Regel in den Marquesas. An der Südspitze noch komplett kahl, steil und fast schwarz, fällt die Westküste von Tahuata nach Norden hin immer sanfter zum Meer hin ab und bietet sogar ein paar der für die Marquesas so wenig typischen hellen Sandstrände.

Die Baie Hanamoenoa wird deshalb immer wieder mal als schönste Bucht der Marquesas bezeichnet. Schön ist sie unzweifelhaft. Aber dieser Superlativ scheint uns dann doch nicht gerechtfertigt, denn eigentlich ist es etwas anderes, was die Marquesas ausmacht. So wie zuletzt eben auf Fatu Hiva in der beeindruckenden und mit ihren speziellen Felsformationen eben auch sehr spektakulären Baie Hanavave. Einzigartig. Besonders. Und ganz klar Marquesas.

Trotzdem, im Kontrast genießen wir auch den Postkarten-Palmenstrand auf Tahuata:

Das Anlanden ist wegen der in die Bucht laufenden Dünung schwierig. Sie macht sich auf dem Boot nicht durch besonders intensives Rollen bemerkbar, Flora liegt eigentlich recht ruhig. Aber kurz vor dem Strand steilt sich die Welle stark auf und bricht auch immer mal wieder. Wir entscheiden uns, das Dinghy vor dem Strand zu Ankern und lieber an Land zu schwimmen. Dafür haben wir den Strand ganz für uns, obwohl die Ankerbucht mit bis zu 21 Booten ganz gut gefüllt ist.

Kaum zurück an Bord, beginnt wieder das tropische „Fenster auf – Fenster zu“-Spiel. Immer wieder schieben sich Wolken über den Bergrücken. Meist tröpfelt es nur kurz, aber insbesondere am späten Nachmittag erleben wir auch hier wieder ziemlich kräftige Tropenschauer. Mit allerdings schönen Begleiterscheinungen:

Doch, ja. Tahuata ist auch schön 🤩.

Fatu Hiva III: Tiki und hoch hinauf

Der wunderschöne Ankerplatz von Hanavave auf Fatu Hiva hat sich geleert, zwischenzeitlich sind wir nur noch fünf Boote hier. Unsere Nachbarn sind schon weiter gezogen, erkunden bereits andere Inseln der Marquesas, aber wir bleiben noch ein bisschen.

Einen ruhigen Tag verbringen wir einfach auf dem Schiff, genießen die einzigartige Szenerie und die verschiedenen Licht-Schatten-Spiele der Basaltmonoliten vor dem Hintergrund der steilen grünen Berghänge.

Am nächsten Tag machen wir wieder eine Wanderung. Es soll 9 km weit zu einem 450 m hohen Gipfel über der Bucht gehen, also brechen wir zeitig auf, um bei den ohnehin hohen Temperaturen nicht auch noch in die Mittagshitze zu kommen. Guter Plan, aber die Umsetzung klappt nicht so recht. Auf dem Weg durch das Dorf fällt uns ein eine mit luftigem Mesh eingehauste Plantage auf. Was mag das sein?

Der Nachbar kommt von seinem Grundstück herüber und klärt uns auf. Es ist eine von offizieller Seite angelegte Testanpflanzung von Vanille. Wird aber aus seiner Sicht nicht intensiv genug gepflegt. Und wo wir schon mal im Gespräch sind, lädt uns Henry gleich zu sich in seinen Garten ein. Wir werden der Familie vorgestellt, die auf der Terrassenwerkstatt gerade an Knochen- und Muschelschnitzereien arbeitet. Henry selbst ist eigentlich mit dem Anschleifen von Balsaltsteinen für mehrere Tiki beschäftigt.

Aber das kann jetzt ruhig warten, statt dessen werden wir mit Früchten aus dem Garten überhäuft. Neben Mango, Bananen, Papaya, Pampelmusen und Zitronen bekommen wir erstmals auch Ambarella (polynesische Goldpflaume). Henry erklärt uns, dass sie hier grün (unreif) gegessen wird, wobei die Schale nicht mitgegessen wird.

Im Gespräch erfahren wir, dass Henry eigentlich von den Gambier kommt. Hm, da waren wir ja gerade. Wen wir dort kennen? Wir berichten und es stellt sich heraus, dass Pakoi (von Aukena) sein Cousin ist. Als wir ihm die Fotos von Pakoi und uns zeigen, ist er ganz aus dem Häuschen und auch seine Frau muss sich die Bilder gleich noch einmal ansehen. Es ist eine kleine Welt.

Unsere ganzen Gartengeschenke sollen wir nicht mit auf die Wanderung nehmen, sondern erst mal da lassen und auf dem Rückweg abholen. Das Angebot nehmen wir gern an und übrigens – für die Skeptiker – auch beim Abholen wird uns kein Verkauf angeboten, sondern einfach der Fruchtberg in die Hände gedrückt.

Jetzt sind wir natürlich doch später unterwegs und es wird eine anstrengende Wanderung, obwohl der Weg auf der wenig befahrenen Straße entlang führt. Die Serpentinen ziehen sich so steil den Berg hinauf, dass wir nach einiger Zeit lieber auf der gesamten Straßenbreite im Zickzack gehen. So mindern wir die Steigung und damit das Gefühl, eine Treppe hinauf zu gehen.

Am Point de Vue ist nur Zwischenstation, es geht weiter steil bergan. Dafür werden wir aber mit herrlichen Ausblicken auf das Dorf, die Küste und die nördlich des Dorfes liegenden schroffen Felszacken belohnt.

Die Betonstraße (weiter oben Schotterstraße) schlängelt sich am Hang entlang, mehr als einmal können wir weit unter uns Flora am Ankerplatz liegen sehen.

Bei der Steigung gehen die 9 km dann aber doch ganz gut in die Beine (rauf) bzw. auf die Knie (runter), wieder an Bord sind wir rechtschaffen kaputt.

Trotzdem schafft es Wiebke noch, einen Zitronenkuchen zu backen. Heute suchen suchen wir dann noch einige aussortierte Kleidungsstücke heraus, packen ein Sortiment Stifte für Henrys Enkel und einige Stücke Zitronenkuchen dazu und gehen nochmal zu Henry, um uns mit Gegengeschenken für die polynesische Gastfreundschaft zu bedanken. Das kommt ausgesprochen gut an. Zwei von Henrys Söhnen sind gerade da, beide sprechen (wie Henry) gutes Englisch. Einer der Söhne ist Tätowierer und beide erklären uns die Bedeutung der verschiedenen klassischen Motive.

Und Henry zeigt uns, wie und mit welchen Werkzeugen er aus den Steinen Tiki herausarbeitet. Gemeinsam erläutern sie uns den religiösen und historischen Hintergrund der Tiki und welche Bedeutung Tiki für die Marquesas auch heute noch haben.

Und ohne ein weiteres Gastgeschenk – diesmal ist es selbstgefertigter Schmuck – lassen sie uns nicht gehen. Die polynesische Gastfreundschaft ist immer wieder überwältigend.

Im kleinen Dorfladen kaufen wir noch ein paar Lebensmittel, gönnen uns ein Eis. Als wir danach zurück an Bord kommen, fängt es gerade an zu tröpfeln. Dann wächst es sich zu einem fulminanten Tropenregen aus, der fast den ganzen Nachmittag anhält. Zeit für das Kochen einer asiatischen Teriyaki Gemüsepfanne mit von Henry mitgegebenen Maniok und außerdem auch noch das Backen einer wunderbaren Key Lime Pie (Wiebke).

Oder für den großen Service am Generator (Ralf). Danach zur Abkühlung eine Tropendusche auf dem Achterdeck.

Erst zum Abend klart es dann doch wieder auf.

Ist das schön hier auf Fatu Hiva!

Fatu Hiva II: Hanavave und Vaieenui-Wasserfall

Urzeitlich schroff. Jurassic Parc. So präsentiert sich die in fast senkrechten Ziehharmonika-Falten aus den Tiefen des Pazifiks empor springende Basaltküste nördlich der der Hanavave-Bucht.

Aber der Blick direkt in die Ankerbucht zeigt: in der Ebene und den niedrigeren Seitentälern um den Ort Hana Vave ist es üppig grün, hier bauen die Bewohner der Marquesas seit Jahrhunderten Kulturpflanzen wie Taro, Yams, Brotfrucht und Kokospalmen an, außerdem Papaya, Süßkartoffeln, Mangos, diverse Bananensorten und vieles mehr.

An Land empfängt uns gleich ein steinernes Tiki, typisch polynesische Kunst.

Durch den kleinen Ort wandern wir zunächst zum “Restaurant” von Desiree und Jacques. Genau genommen ist es ihr ziemlich einfaches Privathaus, aber auf Vorbestellung servieren sie auf der Terrasse typische Küche der Marquesas. Sally und Simon vom Nachbarboot “Shimshal II” haben dafür gesorgt, dass heute Abend der Ofen angeworfen wird und auf seine Frage hin schließen wir uns gerne an. Da macht es dann auch nichts, dass wir den eigentlich gewünschten Tag Vorlauf nicht einhalten. Super.

Nachdem das geklärt ist, machen wir uns auf den Hike zum Wasserfall Vaieenui. Erst mal auf der Straße weiter durch den Ort, vorbei an der Kirche und kleinen, wellblechgedeckten Häusern.

Überall freilaufende Hühner und ebenso freilaufende Zicklein. Die Mutterziege ist dann meist irgendwo in der Nähe angebunden, ebenso die Schweine im Hof oder am Straßenrand.

Dazu Kokospalmen, Bananen, überhaupt alles mögliche Obst in praktisch jedem Garten, klassische Subsistenzwirtschaft. Die meisten der etwa 600 Bewohner auf Fatu Hiva sind Selbstversorger.

Es gibt keine oder eben allenfalls improvisierte Infrastruktur für die wenigen Touristen (zumeist Segler, es gibt keinen Flughafen und keinen Hafen für größere Schiffe).

In geringem Maß werden als klassische Erzeugnisse wohl noch Tapa-Rindenbaststoffe und auch Tiki-Schnitzereien hergestellt, zumeist für den Handel auf anderen Inseln und auf Kreuzfahrtschiffen. Aber auch in unserem “Privat-Restaurant” könnten wir sie am Abend kaufen.

Tatsächlich immer noch hergestellt wird Kopra. Dieses getrocknete Fruchtfleisch der Kokosnüsse wird exportiert und unter anderem zu Kokosöl weiterverarbeitet. Wir sehen am Wegesrand mehrere einfache Schuppen für die Lufttrocknung der geöffneten Kokosnüsse.

Dann geht’s von der Straße ab auf einen matschigen Feldweg, in dessen Pfützen sich Braunbrustnonnen (eine Prachtfinkenart) vergnügen.

Dann ist auch der Feldweg zu Ende, ab jetzt führt ein Pfad weiter bergauf …

… durch Furten …

… vorbei an Petroglyphen …

… und kleinen Steinmännchen, die im Wald den Weg kennzeichnen …

… bis zum Vaieenui-Wasserfall.

Etwa dreieinhalb Kilometer einfache Strecke sind es bis dorthin, kaum anstrengende Kletterei, meist einfaches Wandern. Trotzdem ist es bei gut 30° im Schatten schweißtreibend, das angenehm erfrischende Bad im Pool unter dem Wasserfall ist eine Wohltat.

Nach dem Rückweg, ein bisschen Bootsarbeit und folgerichtig gleich wieder Ausruhen an Bord dann Abends unser erster “Restaurant”-Besuch seit Mexiko. Insgesamt 15 Segler von fünf Booten (🇬🇧🇸🇪🇩🇰🇳🇱🇩🇪) werden mit lokaler Küche bekocht, Getränke sind selbst mitzubringen.

Ein schönerAbend.

Angekommen in Fatu Hiva

Die Marquesas machen es uns nicht leicht. Schon die fünftägige Überfahrt von den Gambier ist wegen der Seegangsverhältnisse eher anstrengend. Kurz vor der Ankunft wird dann noch einmal alles aufgeboten: in der Nacht erst Squalls mit 25 kn Winden, die scheinbar beliebig in die entgegengesetzte Richtung springen. Da drehen wir einfach mal bei und lassen den Squall durchziehen, wir sind ohnehin noch etwas früh dran. Klappt gut, hat allerdings den Haken, dass danach der Wind erstmal für zwei Stunden komplett weg ist. Hm.

Die hohe, gebirgige Insel Fatu Hiva können wir nicht sehen, bis wir auf drei Meilen herangekommen sind. Sie liegt schlicht unter einer dicken Wolke verborgen. Erst als wir in der Morgendämmerung in den Regen hineinfahren, lupft die Wolke an einer Ecke kurz ihren Schleier. Einen Augenblick lang sehen wir, dass das Land wohl doch da ist, dann wird es von einem sintflutartigen Tropenregen gleich wieder verschluckt.

Das führt auch dazu, dass die erste anvisierte Ankerbucht, die Baie Omoa, nicht eben zum Verweilen einlädt. Durch den Starkregen verwandelt sich dieser Ankerplatz in eine intensiv nach Kompost riechende dunkelbraune Brühe, in der alles mögliche herum schwimmt. Zudem drückt der Schwell um das Kap herum und lässt die beiden Ankerlieger intensiv auf und nieder tanzen. Och nöh.

Bei der weiteren Fahrt an Fatu Hiva entlang zur Hanavave / Baie de Vierges wird das Wetter aber langsam besser, ab und zu blitzt die Sonne durch. Die schroffe, intensiv grüne Küste bietet viele Wasserfälle. Manche braun von der mitgeschwemmten Erde, manche klar.

Und dann öffnet sich die Einfahrt zur Hanavave (nach dem Ort Hana Vave im Scheitel der Bucht. Von den Franzosen wurde sie zunächst Baie de Verges genannt. Das könnte eigentlich ganz unverfänglich mit Rohrstock-Bucht übersetzt werden (und wie schon in den Gambier wächst auch hier an den steilen Hängen erstaunlich viel Schilfrohr). Allerdings war den französischen Missionaren die Verbindung des Namens zu den teilweise sehr Phallus-ähnlichen Felsformationen (Penis-Bucht) deutlich zu naheliegend.

Nach ihrem christlichen Verständnis war bei der Namensgebung ein Schreibfehler unterlaufen, den sie entsprechend korrigierten und ein i einfügten, so wurde daraus die Baie de Vierges, die Bucht der Jungfrauen.

Wie auch immer, der Ankerplatz vor dem schmalen Durchlass in der markanten Felsformation, mit seinen Palmen auf den steilen Hängen, im Hintergrund eingerahmt von einem steilen hohen Felsenkessel, über dessen Kamm oft die Wolken hängen, er gilt als einer der ikonischen Ankerplätze der Marquesas und überhaupt der Südsee.

Zu Recht, auch wir sind begeistert. Manche der Felsen wirken, als könnten sie auch Tikis sein. Die Szenerie ist atemberaubend.

Und natürlich haben wir ihn nicht für uns allein.

Auch hier zunächst noch klar abgegrenzt das braune Flusswasser, das als Süßwasser nur eine dünne Oberflächenschicht bildet. Zum Abend hin ist das Wasser (jedenfalls außen an unserem Ankerplatz) schon wieder klar.

Prost.

Angekommen in Fatu Hiva

Die Marquesas machen es uns nicht leicht. Schon die fünftägige Überfahrt von den Gambier ist wegen der Seegangsverhältnisse eher anstrengend. Kurz vor der Ankunft wird dann noch einmal alles aufgeboten: in der Nacht erst Squalls mit 25 kn Winden, die scheinbar beliebig in die entgegengesetzte Richtung springen. Da drehen wir einfach mal bei und lassen den Squall durchziehen, wir sind ohnehin noch etwas früh dran. Klappt gut, hat allerdings den Haken, dass danach der Wind erstmal für zwei Stunden komplett weg ist. Hm.

Die hohe, gebirgige Insel Fatu Hiva können wir nicht sehen, bis wir auf drei Meilen herangekommen sind. Sie liegt schlicht unter einer dicken Wolke verborgen. Erst als wir in der Morgendämmerung in den Regen hineinfahren, lupft die Wolke an einer Ecke kurz ihren Schleier. Einen Augenblick lang sehen wir, dass das Land wohl doch da ist, dann wird es von einem sintflutartigen Tropenregen gleich wieder verschluckt.

Das führt auch dazu, dass die erste anvisierte Ankerbucht, die Baie Omoa, nicht eben zum Verweilen einlädt. Durch den Starkregen verwandelt sich dieser Ankerplatz in eine intensiv nach Kompost riechende dunkelbraune Brühe, in der alles mögliche herum schwimmt. Zudem drückt der Schwell um das Kap herum und lässt die beiden Ankerlieger intensiv auf und nieder tanzen. Och nöh.

Bei der weiteren Fahrt an Fatu Hiva entlang zur Hanavave / Baie de Vierges wird das Wetter aber langsam besser, ab und zu blitzt die Sonne durch. Die schroffe, intensiv grüne Küste bietet viele Wasserfälle. Manche braun von der mitgeschwemmten Erde, manche klar.

Und dann öffnet sich die Einfahrt zur Hanavave (nach dem Ort Hana Vave im Scheitel der Bucht. Von den Franzosen wurde sie zunächst Baie de Verges genannt. Das könnte eigentlich ganz unverfänglich mit Rohrstock-Bucht übersetzt werden (und wie schon in den Gambier wächst auch hier an den steilen Hängen erstaunlich viel Schilfrohr). Allerdings war den französischen Missionaren die Verbindung des Namens zu den teilweise sehr Phallus-ähnlichen Felsformationen (Penis-Bucht) deutlich zu naheliegend.

Nach ihrem christlichen Verständnis war bei der Namensgebung ein Schreibfehler unterlaufen, den sie entsprechend korrigierten und ein i einfügten, so wurde daraus die Baie de Vierges, die Bucht der Jungfrauen.

Wie auch immer, der Ankerplatz vor dem schmalen Durchlass in der markanten Felsformation, mit seinen Palmen auf den steilen Hängen, im Hintergrund eingerahmt von einem steilen hohen Felsenkessel, über dessen Kamm oft die Wolken hängen, er gilt als einer der ikonischen Ankerplätze der Marquesas und überhaupt der Südsee.

Zu Recht, auch wir sind begeistert. Manche der Felsen wirken, als könnten sie auch Tikis sein. Die Szenerie ist atemberaubend.

Und natürlich haben wir ihn nicht für uns allein.

Auch hier zunächst noch klar abgegrenzt das braune Flusswasser, das als Süßwasser nur eine dünne Oberflächenschicht bildet. Zum Abend hin ist das Wasser (jedenfalls außen an unserem Ankerplatz) schon wieder klar.

Prost.

Passage Gambier – Marquesas, Tag 2

Der Sonnenschein hält sich nur bis zum Mittag, dann ziehen dunkle Wolken auf. Die chaotische See und der kräftige Wind aber bleiben und begleiten uns durch die Nacht.

Im Dunkel passieren wir auch das zweite Atoll auf unserer Route. Die etwa 12 Seemeilen lange Île Reao können wir aber ebensowenig ausmachen wie in der Nacht zuvor das Atoll Marutea. Beiden weichen wir allerdings auch jeweils mit einigem Respektabstand aus, denn sie liegen genau auf der direkten Route zwischen den Gambier und Fatu Hiva. Und noch etwas eint diese beiden Atolle: keines von ihnen bietet einen für uns befahrbaren Pass in die Lagune. Außen am Atoll zu Ankern kommt ebenfalls nicht in Frage. Viel zu steil fällt der Meeresgrund ab, quasi direkt am Riff geht es hinunter auf über 1.000 Meter Tiefe.

Nicht ohne Grund lautet ein Beiname der Tuamotus “Dangerous Islands”. Schon tagsüber sind die niedrigen Inseln nur schwer zu erkennen. Nachts und mit der ungenauen Positionsbestimmung vergangener Zeiten waren sie ein Albtraum für viele Seefahrer, zumal das Handlot noch keine Tiefe fand während das Schiff fast schon auf dem Riff strandete. Wenn die Besatzung die Brandung sah und (gegen den Wind) hörte, war es oft schon zu spät, zumal hier auch noch kräftige Strömungen setzen können.

Genaue Positionsbestimmung mit GPS hat dem Segeln durch die Tuamotus viel von seinem Schrecken genommen, aber es bleibt ein schwieriges Revier. Da, wo ein Pass eine Laguneneinfahrt ermöglicht, sind die kräftigen Strömungen zu beachten. Und leider halten die sich nicht unbedingt an den Tidenkalender. Bei starken Winden strömt über das Riff Wasser in die Lagune, die Ebbströmung ist deshalb häufig viel stärker als die Flut, es kommt nach solchen Wetterlagen im Pass sogar vor, dass auch zu “Flut”-Zeiten Ebbstrom herrscht.

In der Morgendämmerung dreht der Wind, kommt jetzt mehr von vorn, Flora läuft jetzt auf einem Amwindkurs. Damit fällt für uns auch die Entscheidung, keinen Zwischenstopp auf dem Atoll Amanu einzulegen. Der Besuch dort wäre zwar reizvoll, würde aber auch bedeuten, etwa 300 sm Ost zu verschenken. Wenn der Wind so bleibt, müssten wir die mühsam wieder aufkreuzen.

Trotzdem schade, zumal uns kurz vor unserer Abfahrt aus den Gambier noch wichtige Ausrüstung für die Tuamotus “zugeschwommen” ist. Im zuletzt starken Wind am Ankerplatz vor Rikitea trieben nämlich mehrere irgendwo losgerissene Perlfarm-Bojen durch das Ankerfeld. Eine konnte ich mit dem Bootshaken direkt von der Flora aufnehmen, drei andere mit dem Dinghy einsammeln.

Die bewachsenen Leinenreste schneiden wir ab, neue Leinen mit extra schon in Mexiko gekauften Karabiner kommen dran.

Das macht es einfacher und schneller, die Perlfarmbojen beim Ankern an der Kette zu befestigen und beim Ankeraufgehen wieder zu lösen. Beim Ankern in den Atollen des Tuamotus muss nämlich häufig ein Teil der Ankerkette angehoben werden (“Floating”), damit der Anker sich in einem Sandfleck eingraben kann, ohne dass die Kette die in der Nähe wachsenden Korallen beschädigt oder sich sogar um sie herumwickelt. Man kann das mit Fendern machen, aber die mögen weder den Dauerdruck unter Wasser noch den einher gehenden Bewuchs. Deshalb bieten sich die robusten Perlfarmbojen an.

Unser erstes “Floating”-Ankermanöver wird jetzt aber noch warten müssen, in den Marquesas ist diese Ankertechnik nicht nötig. Nach den Marquesas geht’s für uns aber in die Tuamotus, aufgeschoben ist also nicht aufgehoben.

Etmal 164 sm, gesamt auf dieser Passage 339 sm, verbleiben noch 441 sm bis Fatu Hiva auf dem Marquesas.

Essen: Nudeln mit Pesto und frischer Tomate (das Versorgungsschiff war kurz vor unser Abfahrt in Rikitea😊).

Die kleinen und die großen Dinge

Wir schnorcheln vor Aukena. Einmal mehr beeindrucken der Fischreichtum und der gute Zustand der vielen Korallen.

Das Riff selbst ist vielleicht etwas weniger farbenfroh als in manchen Teilen der Karibik, die Details sind es aber nicht. Zum Beispiel die Tridacna, quasi Zwerge in der Familie den Riesenmuscheln. In unterschiedlichen leuchtenden Türkis- und Blautönen strahlen die etwa 10 bis 15 cm messenden Muscheln zu uns herauf und schließen sich, wenn wir näher heran schnorcheln.

Später, beim Strandspaziergang unter Palmen, springt uns eine andere “Kleinigkeit” förmlich an.

Die winzigen Jungferngeckos sitzen oft in den Kokospalmen und nun pflücken wir ausgerechnet “seine” Nuss. Schwupp – sitzt er auf meinem Finger, lässt sich ausgiebig bewundern und springt dann auf die Kamera und weiter auf Wiebkes Fuß.

Nachdem er vor allem Mücken und kleine Spinnen jagt, wäre er eigentlich ein perfektes Haustier auf Flora, aber wir setzen ihn trotzdem lieber zurück in “seine” Palme. Mach’s gut, Kleiner.

Was dagegen richtig groß ist: die Gastfreundschaft hier in den Gambier. Wie fast auf jeder der etwas größeren Inseln des Archipels gibt es auch auf Aukena eine Kirche, trotz der nur ungefähr 30 Einwohner. Sie liegt dicht an unserem Ankerplatz, die Anfahrt über das Riff gestaltet sich aber schwierig. Doch Hilfe naht: Pakoi läuft aus seinem Garten ans Ufer und weist uns den Weg. Er legt sogar einen Zwischensprint ein, als wir ihn nicht gleich richtig verstehen. Eine mini-kleine Rinne führt zur kurzen Steinmole, gerade breit und tief genug für den Außenbordmotor, um mit einer auflaufenden Welle in den tieferen Bereich direkt vorm Ufer zu gelangen. Zum Glück gelingt das Manöver.

Gemeinsam ziehen wir das Dinghy auf den Strand und Pakoi lädt uns ein, ihm hinter seine Hütte zu folgen. So gut es unsere Französisch-Kenntnisse zulassen, unterhalten wir uns über Gott und die Welt, unsere Reise und Pakois Heim auf Aukena. Wir erfahren, dass er der alten Königsfamilie von Mangareva entstammt und der Name in seinem Pass eigentlich Antoine Kanuto Teapiki lautet.

Seit 30 Jahren lebt er hier, kümmert sich um die Kirche und um seinen Garten. Beides zeigt er uns bereitwillig. Als eine Sau mit mehreren Ferkeln aus dem Wald kommt, freut sich Pakoi. “Die war jetzt einen Monat lang weg und nun kommt sie mit ihren Kindern wieder.” Direkt neben der Kirche sehen wir am Waldrand einige weitere Schweine. Sie leben hier halbwild, dienen aber auch der Fleischversorgung.

In seinem Garten säbelt uns Pakoi mittels einer langen Bambusstange und daran befestigter Sichel frische Brotfrucht vom Baum, schenkt uns außerdem Zitronen, Pampelmusen und Bananen.

Danke schön Pakoi.

Die Gastfreundschaft hier ist immer wieder schon fast beschämend großzügig. Polynesier fühlen sich ob ihrer Kultur fast schon verpflichtet, alles stehen und liegen zu lassen, sobald ein Gast auftaucht. Man sollte also vorsichtig sein, die Gastfreundschaft nicht zu überbeanspruchen. Das fällt aber gar nicht immer leicht, zumal etwa Pakoi die Abwechslung durch den Besuch wirklich zu genießen schien, ebenso unser (wenn auch manchmal radebrechendes) Gespräch.

Wir versuchen, an die Kultur von Geschenk und Gegengeschenk wenigstens etwas anzuknüpfen. Als kleine Geste kommen wir später mit dem Dinghy noch einmal zurück und bringen selbst gebackenen Mandelkuchen vorbei.

Dunkle Wolken über dem Paradies?

Wir verbringen schöne Tage beim Tauna-Motu am Außenriff. Gemeinsam mit den Crews der Adiona und der Ohana gibt’s noch ein Beach-Potluck mit Lagerfeuer und Boccia spielen auf der Insel.

Dann ziehen die beiden anderen Boote weiter, wir bleiben noch einen Tag und genießen es, diese kleine Trauminsel ganz für uns allein zu haben.

Und dann wechseln auch wir mal wieder den Ankerplatz. Dieses Mal verholen wir hinter die Île Aukena, denn es sind südliche Winde und auch schlechteres Wetter vorhergesagt.

Auf Noforeignlandland sieht unsere Route durch das Gambier-Archipel nach einem Monat hier inzwischen so aus:

Als wir am Ankerplatz vor Aukena ankommen, ziehen von Süden über Akamaru bereits dunkle Wolken auf, während unsere Bucht noch durch die letzten Sonnenstrahlen in hellem Türkis leuchtet.

Also schnell das Dinghy zu Wasser lassen und ein bisschen Landgang.

Wir landen am alten Wachturm auf der Westspitze Aukenas an.

Hier könnte man sich jetzt auch in Schottland wähnen. Aber auf dem Pfad, der von hier aus durch den Wald führt, ändert sich dieser Eindruck gleich wieder. Ein wildes Gemisch aus Kokospalmen, Pandanus (Schraubenbaum) und Talipariti (Lindenblättriger Eibisch) im feuchteren Bereich, Kiefern auf den trockeneren steinigen Höhen. Mittendrin die Ruine des ersten Priesterkollegs Französisch Polynesiens aus dem zweiten Drittel des 19. Jahrhundert.

Und nebenan, im Wald fast überwuchert, der große Brennofen, in dem aus Korallengestein Kalk für den durch Zwangsarbeit der Bevölkerung gestemmten Bau der vielen überdimensionierten Missionskirchen gebrannt wurde.

Es tröpfelt schon, als wir wieder am Dinghy ankommen. Einen kurzen Schnorchelgang lassen wir uns dennoch nicht entgehen. Na klar, bei strahlendem Sonnenschein wäre das noch schöner, aber auch so sind wir von der intakten Korallenlandschaft und dem Fischreichtum begeistert.

Dann aber jetzt wirklich zurück zur Flora.

Sind das jetzt dunkle Wolken überm Paradies? Dramatisch genug mutet es jedenfalls an, oder?

Nein. Überhaupt sollten wir wohl dem von Cruisern so inflationär benutzten Begriff “Paradies“ mit einiger Skepsis begegnen. Auch die wunderschönen Gambier sind nicht das Paradies. Die durch die von den Priestern durchgesetzte Zwangsarbeit und durch eingeschleppte Seuchen fast ausgerotteten Insulaner sind da sicher eine Mahnung. Und aktueller: im Gespäch mit einem der Gendarmen war zu erfahren, dass auch auf den so idyllisch wirkenden Gambier weder häusliche Gewalt noch Drogen- oder Gewaltdelikte unbekannt sind.

Das Paradies ist jedenfalls für uns ganz sicher kein irdischer Ort, den es zu finden gilt, wenn man über die Weltmeere segelt oder durch die Kontinente streift. Wenn überhaupt, dann ist das Paradies in diesem Leben wohl eher ein Gefühl, ein Bewusstsein, eine Geisteshaltung, die Schönheit in dem zu erkennen, was um uns herum ist.

Mit oder ohne Wolken.

Kiefernzapfen und Bananenstauden – Hike auf Mangareva und Auslegerkanus mit Autoreifen

Wir legen mal wieder einen Zwischenstopp auf Gambiers Hauptinsel Mangareva ein. Hier können wir unseren angesammelten Müll entsorgen, ein bisschen einkaufen. Ooops, eine Packung Vanille-Eis. Mangels Gefriertruhe muss die zeitnah vernichtet werden. Riesenportionen Eis mit frischen Früchten (und ein wenig Triple Sec) helfen,

ein schöner Eiskaffee erledigt den Rest. Hm, da hatten wir jetzt mal so richtig Japp drauf.

Um gegen den Zuckerschock und die Kalorien anzukämpfen und auch, weil wir beim Abwettern des Sturms an Bord wenig Bewegung hatten, setzen wir für den nächsten Vormittag eine Wanderung an. Wir beginnen wieder am Traverse Kirimoro, biegen aber diesmal oben auf dem Bergrücken nach rechts ab. Dieser Trail wird scheinbar weniger genutzt oder wurde zumindest länger nicht freigeschnitten. Er ist aber gut markiert und lässt sich wunderbar wandern. Fast durchgängig führt der Pfad auf dem Grat entlang. Das eröffnet tolle Ausblicke zu beiden Seiten und sorgt außerdem für eine angenehme Kühlung durch den über diese Höhe streichenden Wind.

Blick nach Norden auf die Perlfarmbucht Baie de Kirimoro
Blick nach Süden auf die Ankerbucht vor dem Ort Rikitea
Flora am Ankerplatz

Suchbild

Auch hier gibt es wieder zwei kurze Seilpassagen, ansonsten ist es nur wenig klettern und statt dessen herrlich beschattetes Wandern im Wald.

Tief (meist um die 200 m) unter uns leuchtet das türkise Wasser durch die Bäume.

Während wir unten am Ufer Palmen sehen, finden sich a den Hängen zum Teil auch Flamboyant-Bäume, vor allem aber Kiefern. So hängt ein heimischer Sommergeruch in der Luft und unter unseren Füßen knacken Kiefernzapfen.

Manchmal sehen wir auch große Talipariti-Blüten auf dem Boden, auf den Bäumen entdecken wir sie allerdings nie. Sie scheinen sich erst ganz zu öffnen, wenn sie abfallen und sehen dann am Boden besonders schön aus.

Auf einer Lichtung direkt am Bergkamm und dann beim Abstieg auf dem Weg zur Uferstraße säumen unseren Trail aber auch klassische polynesischen Kulturpflanzen.

Bananenstauden und auch Taro-Pflanzen mit ihren großen Pfeil-Blättern.

Zurück am Ankerplatz gibt’s ebenfalls polynesische Kultur: Auslegerkanus sehen wir immer wieder.

Mal ganz entspannt zum Angeln genutzt …

… mal im harten Training für Wettbewerbe.

Wie ernst wird das hier genommen? SEHR ERNST! Da wird den extrem leichten Rennkanus dann zur Erschwernis sogar schon mal ein Autoreifen um den Bug gehängt:

Nach dem Sturm

Es ist eigentlich erstaunlich. Wir hatten schlicht überhaupt nichts auszustehen und trotzdem merken wir, dass jetzt ein Druck, eine Anspannung von uns abfällt.

Das Sturmtief hat sich in den letzten vier Tagen wie vorhergesagt weiter im Südosten bei Pitcairn ausgetobt. Wir haben in unserer geschützten Ankerbucht nur einige Böen von knapp über 40 Knoten abbekommen. Kein Problem, da eben fast überhaupt kein Schwell seinen Weg in die Bucht fand.

Auf den Wind hatten wir Flora vorbereitet, indem wir das Bimini abgebaut und auch sonst den Winddruck vermindert haben. So wanderte der sonst am Seezaun gelaschte Segelsack des Code0 ebenso ins Vorschiff wie der Rettungskragen, diverse Leinen und auch die meisten Solarpanel (allerdings nicht die auf den Davits). So abgespeckt sieht Flora dann natürlich wieder richtig schnieke aus.

Tja, und der Wind hat sich eben an die Vorhersage gehalten und uns – außer einer im Laufe der Vorhersagen um einen weiteren Tag verlängerten Dauer – keine zusätzlichen Überraschungen beschert.

Die kurze Dinghyfahrt hinüber zur Adiona zum Oster-Essen mit Maggie und Scott ist ein bisschen nass, weil die Böen selbst die kleinsten Wellen gleich aufwirbeln. Aber ansonsten lässt sich das Wetter in der wunderschönen Baie Anganui ganz angenehm aussitzen.

Wiebke kann in aller Ruhe ihren Cardigan fertig stricken.

Und ich kann wenigstens die Knöpfe aus Strandfunden dazu basteln:

Langweilig wird es uns auch sonst nicht. Trotzdem, ein bisschen Veränderung darf es dann nach dem Abzug des Starkwindes doch sein. Wir verholen zwei Buchten weiter hinter die Île Agakauitai.

Hier gehen wir auch wieder schnorcheln. Trotz eher mäßiger Sicht lohnt es:

Und der Ankerplatz hinter dem hell-türkis leuchtenden Flach zwischen Taravai und Agakauitai ist auch wieder traumhaft.

Gambier. ❤️