Phänomenal.

Wir sind wieder auf der Flora. Der Weg dorthin: Montag morgen um 10.00 Uhr bringt uns Chief Jan zum Flughafen in Hamburg. Wir checken unser Gepäck ein, wider Erwarten gehen beide großen Taschen und auch die beiden großen Trecking-Rucksäcke als normales Gepäck (kein Sperrgepäck) durch. Um 12.15 Uhr der Flieger nach Paris, dort wie geplant relativ langer Aufenthalt, erst am Abend geht es weiter. Was für ein Phänomen: den ganzen Rest der Reise fliegen wir praktisch durch die Nacht. Sowohl die 11 Stunden nach Los Angeles als auch die nach zweieinhalb Stunden Aufenthalt weiteren 9 Stunden nach Papeete sind eine einzige, fast dreiundzwanzigstündige Nacht. Die Erddrehung und daraus folgend die zwölfstündige Zeitverschiebung machen es möglich. Wir schlafen dadurch recht viel auf diesen Flügen. Genau zum Sonnenaufgang kommen wir in Papeete an.

Bei der Einreise gibt’s zum Glück kein Problem mit dem Zoll und so sind wir kurz darauf mit unserem ganzen Kram schon an der Flora.

Nicht nur, dass sie unversehrt auf uns wartet (schon das eine große Erleichterung 😅). Obwohl wir quasi mit leeren Taschen nach Deutschland geflogen sind, bringen wir tatsächlich fast alles in den eigentlich schon vollen Schränken und Schapps unseres Bootes unter. Es erinnert ein bisschen an Hermine Grangers magische Handtasche, als wir Gegenstand um Gegenstand verstauen, obwohl doch eigentlich kein Platz mehr frei zu sein scheint. Lediglich das neue Wingfoil samt Board wandet erst einmal unausgepackt mit Tasche ins Vorschiff.

Sehr schön: die Persenning-Spezialisten von “Sellerie Marine” in Papeete haben in unserer Abwesenheit sowohl die neuen Cockpit-Poster als auch die Befestigung für zusätzliche Solarpanele auf dem Bimini fertiggestellt und am Tag vor unserer Ankunft aufs Boot gebracht. Kleinere Optimierungen erledigen sie dann direkt am nächsten Tag, wir sind begeistert.

Die Kabel muss ich noch anschließen, aber dafür erst eine neue Borddurchführung installieren.

Am Tag nach unserer Ankunft sollte sich am Himmel eigentlich ein Naturphänomen in Form einer ringförmigen Sonnenfinsternis zeigen. Frühmorgens versteckt sich die Sonne in der Taina Marina allerdings noch hinter den hohen Bergen von Tahiti, als sie über den Gipfeln auftaucht ist es bereits zu spät. Schade.

Das nächste Phänomen ist dann allerdings noch weniger erfreulich für uns. Wir füllen die Frischwassertanks auf, duschen. Und stellen dann leider fest, dass das Filtergehäuse des Carbonfilters im Frischwasserkreislauf undicht ist. Wieso geht das in Abwesenheit (und bei abgestelltem Frischwasserkreislauf) in einer definitiv frostfreien Umgebung kaputt? Nicht ärgern, nur wundern.

Der erste Trip aus der Marina Taina in die Stadt Papeete führt also zu den Bootsausrüstern. Tatsächlich finde ich ein fast identisches 10 Zoll Filtergehäuse, wie das alte “Made in Italy” und dunkelblau, optisch ziemlich identisch. Leider muss ich an Bord dann feststellen, dass es das wohl schon war mit den Gemeinsamkeiten. Die Halterung passt nicht, ich muss die (zum Glück enthaltene) neue montieren. Bootsyoga im Motorraum. Die Anschlussgewinde für die Wasserleitung haben ebenfalls eine andere Größe. Zurück in die Stadt, Adapter kaufen. Bei der Montage eines der Whale-Verbindungsstücke (Whale Stecksystem) zu fest angezogen: knack, nach fest kommt lose. Zum Glück Ersatz an Bord. Mit Adapter passen jetzt aber die festen alten Plastikrohre nicht mehr, sie sind jetzt gut einen Zentimeter zu kurz. Ersatz als Meterware und ein Spezialschneider dafür ist an Bord, allerdings in den Tiefen des Vorschiffs, das dafür komplett leer geräumt werden muss. Murphy’s Law. Aber am Ende wird alles gut. Ist es noch nicht gut, ist es halt noch nicht das Ende.

So ähnlich läuft es auch mit der Montage des von Lewmar reparierten und nach Hamburg geschickten Autopiloten. Dieser “Mamba-Drive” ist unser Zweit-Autopilot, auf den wir umschalten können. Der Antrieb im Motorraum ist schnell montiert, aber beim elektrischen Anschluss hakt es dann.

Die Kabel passen einfach nicht. Zwei der vier Kabel reichen nicht aus dem Motorraum hinaus, aber dort sind keine Anschlüsse. Das kann doch nicht sein! Beim Detailstudium der bei der Demontage gemachten Fotos kommt die Erleuchtung: Lewmar hat bei der Reparatur die beiden bei der Originalmontage offenbar verlängerten Kabel gekappt. Da muss man erst einmal drauf kommen. Kabel wieder verlängert, jetzt passt es wieder und besteht auch den ersten Funktionstest.

Langweilig wird es auch bei den nächsten kleineren Bootsarbeiten (neue Steckdosen, Endstücke Vorhangschienen austauschen, Knöpfe am Gasherd erneuern etc.) nicht, aber so ist das nunmal. Und noch mehr Kleinkram wartet, dafür haben wir ja schließlich die Ersatzteile mitgebracht.

Was liegt sonst noch an? Einkaufen. Papeete bietet in ganz Französisch Polynesien die besten Möglichkeiten zur Verproviantierung. Und da wir ja noch mehr als ein halbes Jahr vor allem die abgelegeneren Inseln besuchen wollen, ist einiges an Vorrat gefordert. Der Hyper U und auch der große Carrefour werden mehrfach besucht und erleichtern unsere Reisekasse. Dafür sinkt Floras Wasserpass tiefer ein. Besonders freut uns, dass wir im “Maxi”-Markt vergleichsweise preiswerte Großpackungen von Kirkland/Costco finden: Nüsse (sogar Paranüsse), Mandeln, Mandelmehl, Trockenfrüchte, Müsliriegel und einiges mehr können wir dort einkaufen.

Mit dem Einkaufen allein ist es allerdings nicht getan, Fleisch und Hack wollen auch noch eingekocht werden, um ohne Einfrieren haltbar zu sein:

Und das Wetter? Ziemlich viel Wind und Welle derzeit. Unser Liegeplatz im offenen Hafen der Taina Marina ist eigentlich nur durch das weiter draußen vorgelagerte Riff geschützt. An dem aber bricht sich die Brandung jetzt so hoch, wie wir es vorher noch nicht gesehen hatten. Insbesondere bei Flut schaukelt Flora deshalb auch hier im Hafen ganz ordentlich.

Aber am Montag könnte sich ein Wetterfenster ergeben, um nach Moorea zu segeln und dort hinter der Insel ein paar Tage Schutz zu finden. Und dann würden wir gerne erst einmal weitersegeln nach Huahine, bevor es dann von dort in die Tuamotus gehen soll.

Phänomenale Aussichten 😎.

Tschüss Hamburg, hallo Paris, Papeete, wir kommen.

So schnell vergehen 6 Wochen. Der Heimaturlaub ist schon wieder vorbei.

Inzwischen sind wir in Paris und warten auf den Flieger, der uns (mit Zwischenstopp in Los Angeles) nach Papeete bringen soll.

Vier große Taschen Gepäck haben wir dabei. Spielzeug (wie das Wingfoil-Equipment), Ersatzteile, auch ein paar neue Klamotten und (Sommer-)Wolle. Irre, was da zusammenkommt.

Aber man kann sich ja auch schon über den Wolken beschäftigen.

😊.

Urlaubsbeschäftigung Sicherheitsausrüstung?

In weniger als zwei Wochen geht’s zurück auf die Flora.

Einige Treffen mit Freunden hier in Hamburg stehen noch an, der Kalender ist gut gefüllt.

Haben wir alles besorgt, was mir mit nach Tahiti nehmen wollen?

Jedenfalls schweifen die Gedanken immer öfter auch zu unserem Boot. Das macht sich auch daran bemerkbar, dass ich unsere Blog-Webseite ein bisschen überarbeitet und ergänzt habe. Bei dem Menüpunkt „SY Flora“ ist z.B. ein neuer Unterpunkt zur Sicherheitsausrüstung dazu gekommen.

Zu dem Unterpunkt gelangt Ihr über diesen Link. Zugegeben ein bisschen technisch, das ist wahrscheinlich eher etwas für die Segler unter Euch.

Für die anderen: (falls länger nicht geschehen) schaut doch einfach mal durch die Menüpunkte, ob da etwas für Euch dabei ist. Wir haben zum Beispiel die Routen der einzelnen Jahre dargestellt. Und wir berichten, wie wir zum Boot und zur Langfahrt gekommen sind. Außerdem gibt’s natürlich auch ein paar Bilder von uns und der Flora.

Feiermarathon

Außer Besuchen von Freunden und Familie und den (zum Glück fast abgeschlossenen und bisher sehr zu unserer Zufriedenheit verlaufenden) Arztbesuchen ist überwiegend Chillen in Hamburg angesagt. Anders als bei unseren beiden vorherigen Heimatbesuchen während unserer Langfahrt wollen wir dieses Mal nämlich nicht wieder quer durch die Republik reisen, ein bisschen Druck rausnehmen.

Eine Ausnahme ist allerdings das Wochenende vom 6. bis zum 9. September. Da geht’s für uns an die Weser nach Hoya und Nienburg zum Feiermarathon.

Am 6. noch recht ruhig und gemütlich bei Wiebkes Mutter in Hoya, wo wir zu Wiebkes Geburtstag unser Basiscamp aufschlagen.

Am nächsten Tag habe ich 40jähriges Abi-Jubiläum. Die Schule in Nienburg hat zu einer offiziellen Zeremonie eingeladen und es wird wirklich schön. Besser noch: im Anschluss trifft sich unser Jahrgang zum gemeinsamen nachmittäglichen Picknick in den Wallanlagen und anschließender Feier in einem Restaurant direkt an der Weser. 60 von 102 Abiturienten unseres Jahrgangs sind dabei, keine schlechte Quote nach 40 Jahren. Es ist toll, die Mitschüler von damals wiederzusehen und zu schnacken. Um so mehr, als ich beim letzten Treffen vor 5 Jahren nicht dabei war, weil wir gerade unsere Langfahrt gestartet hatten. Viel zu erzählen, viel zu erfahren.

Am Sonntag wird aber ein für uns noch viel wichtigeres Jubiläum gefeiert. Kurz entschlossen haben wir nämlich einen engen Freundes- und Familienkreis zu ziemlich spontanen Nachfeier unserer Silberhochzeit eingeladen. Trotz nur gut zwei Wochen Vorlaufzeit können wir tatsächlich in „unsere“ Hochzeitskirche und in können auch in „unserem“ Hochzeitsrestaurant reservieren. Zu unserer Freude sagen sogar fast alle Gäste zu.

In der kleinen Dorfkirche von Hoyerhagen findet an diesem Sonntag kein Gottesdienst statt, wie so oft auf dem Land ist inzwischen ein Geistlicher für diverse Gemeinden zuständig. Aber der Kirchenvorstand schließt uns auf und wir dürfen die Räumlichkeit für eine private Andacht nutzen. Schon Wiebke Mutter wurde in dieser Kirche getauft, ihre Großeltern in der Kirche getraut.
Es wird unvergesslich schön, zumal mein Bruder mit Gitarre für die musikalische Begleitung sorgt, unsere liebe Freundin Katrin uns sehr berührend einsegnet und unsere Nichte Emma wunderbar Fürbitten und Vaterunser übernimmt.

Vor 25 Jahren …

… und heute (wie Frank es formuliert: „Die Zeit geht mit der Braut gnädiger um als mit dem Bräutigam“. Ist ganz ok so.):

Wir sind unendlich dankbar, uns im Familien-und Freundeskreis so aufgehoben zu wissen.

Das ist für uns um so wichtiger, weil unser Heimaturlaub das Bergfest seiner Dauer schon überschritten hat. In nicht einmal drei Wochen soll es für uns wieder Richtung Papeete gehen.

So schnell rennt die Zeit.

Zwischenstand im Heimaturlaub

Mal ein ganz kurzer Zwischenstand, was wir hier in Deutschland und fern von unserer Flora so treiben:

Wir genießen Hamburg, …
… bestellen jede Menge Ersatzteile für Flora und ein paar Spielzeuge für uns …
… machen Arzttermine für Vorsorgeuntersuchungen,
chillen auf unserer Dachterrasse …
besuchen die Familie …
fahren übers Land, pflücken Obst an den Straßenbäumen und organisieren eine (nachträgliche) Feier unserer silbernen Hochzeit …
… bekommen zurück in Hamburg Besuch von Segelfreunden aus Berlin …
… und besteigen mit ihnen den neu eröffneten begrünten Hochbunker auf dem Heiliggeistfeld …
… besuchen mal wieder die klassischen Hamburger Wahrzeichen und Orte, wie die Landungsbrücken …
… Hamburgs schwimmendes Wahrzeichen, die Rickmers Rickmers (auf der wir vor 25 Jahren standesamtlich getraut wurden) …
und die inzwischen neu gestalteten Flutschutzanlagen mit Blick auf dieses Museumsschiff …
den Michel …
die Speicherstadt …
… die Cap San Diego und dahinter ein paar der Musicals …

… die Hafenanlagen und natürlich die Elbphilharmonie.

Und wo wir schon bei der Elphi sind: ein Konzert in diesem wunderbaren Hamburger Kulturhaus darf natürlich auch nicht fehlen:

Aber von Hamburg zieht es uns zwischendurch auch noch etwas weiter in den Norden. Jan und Catalina nehmen uns mit zu sich auf die X-Ray nach Maasholm. In unserem alten Heimathafen treffen wir weitere Freunde, zumal dort an diesem Wochenende bei den GFK-Classics Hochbetrieb herrscht. Die alten Fischer sind aber auch noch in Maa.

Und ein bisschen Bootsarbeit ist auch zu tun. Diesmal kann ich Jan assistieren. Bloß nicht aus der Übung kommen …

Die Gefahr scheint zu bestehen, denn eine Mitteilung von Noforeignland mutet schon ein wenig provokant an:

Über 20 Seemeilen im ganzen Monat August. Hm. Das war jetzt wohl ein Negativrekord für uns. Aber im September – soviel ist schon klar – wird es noch weniger, denn da muss die Flora noch auf uns warten. Erst im Oktober geht’s wieder los.

😎

Heimaturlaub

Es klappt. Nach längerer Fehlersuche stellt sich heraus, dass der Elektrowurm gar keiner ist. Weder Kabel noch Schalter sind Schuld, dass der Watermaker nicht funktioniert. Wieso haben wir das nicht gleich gemerkt? Weil unser Multimeter einen Defekt hat. Es zeigt fälschlich an, dass keine Spannung am Watermaker anliegt. Tut sie aber doch, was ich erst herausfinde, nachdem ich von den Davits Stromkabel zum Watermaker lege, der aber trotzdem keinen Mucks tut. Misstrauisch geworden, messe ich mit einem anderen Multimeter. O.k., dann liegt das Problem im Watermaker selbst. Ich baue den Elektromotor aus, der die Hochdruckpumpe antreibt. Wir wechseln dessen Kohlebürsten und er schnurrt wieder. Problem gelöst.

Chaos in der Achterkoje. Der Watermaker ist im Stauraum unterm Bett eingebaut. Da muss erstmal alles raus.

Ausgebauter Elektromotor

… und dessen Kohlebürsten. Links die beiden Übeltäter, rechts die Ersatzteile.

Nachdem alles wieder eingebaut ist, können wir den Wassermacher konservieren. Unserer Abfahrt steht nichts mehr im Weg, wir können beruhigt nach Hamburg fliegen.

Ein vorerst letzter schöner Sonnenuntergang über Moorea:

Und früh am nächsten Morgen geht’s per Taxi zum Flughafen von Papeete.

Zur Info: das (ziemlich internationale) Wort Information hat 11 Buchstaben, seine tahitianische Übersetzung 16. Mehr als die Hälfte davon sind A. Es gehört schon einiges dazu, in einem Wort mit 16 Buchstaben neunmal den Buchstaben A unterzubringen:

Man muss Französisch Polynesien einfach lieben. Wir sagen trotzdem erstmal Tschüss 👋 (auf tahitianisch: nana),

… genießen in der Wartezeit noch einen Abschiedskaffee im Freiluft-Wartebereich am Terminal …

… und dann geht’s los.

Chief Jan holt uns in Hamburg vom Flughafen ab. Der nächste Freiluft-Kaffee ist dann schon auf unserer Dachterrasse in Winterhude nach knapp 30 Stunden Reisezeit. Hört sich lang an. Oder der aber vielleicht auch kurz, wenn man bedenkt, dass wir für die Reise NACH Papeete ja über fünf Jahre gebraucht haben.

Schön, mal wieder im anderen Zuhause zu sein.

😁

Das Gute und das Nicht-so-Gute.

Wir fangen mal mit den guten Nachrichten an. Wir haben tatsächlich kurzfristig einen Hafenplatz in der Taina Marina und auch einen Flug nach Deutschland bekommen (auch wenn der Preis für letzteren ziemlich unverschämt ist). Aber entschieden ist entschieden. Schon Freitag früh fliegen wir los, sollen Samstagabend in Hamburg ankommen.

Bevor wir die Cook’s Bay auf Moorea verlassen, präsentiert sie sich anders als am Vortag dann noch einmal von ihrer Sonnenseite:

Und nicht nur deshalb war es eine gute Entscheidung, hier einen Zwischenstopp einzulegen. Ballerten uns am Vortag der Wind und die Wellen noch genau auf die Nase, können wir jetzt wunderschön segeln. Auch wenn es nur 20 Seemeilen sind, wir genießen den Törn zurück nach Tahiti sehr. Beste Segelbedingungen, außerdem können wir noch mal den Code0 lüften und trocknen. In seiner Stautasche am Seezaun ist das Segel mit dem Flora-Logo in den letzten Tagen doch auch immer mal wieder nass geworden und für unsere geplante Abwesenheit wollen wir ihn lieber unter Deck stauen.

Zunächst mal geht es an den Ankerplatz am Flughafen, einen der wenigen offiziellen Ankerplätze Tahitis. Ist durchaus gut gefüllt, aber wir finden noch einen guten Platz gleich neben unseren Freunden Barbara und Ralph. Auf deren Lille Venn gibt es ein Fest- und Abschiedsessen.

Am nächsten Morgen wollen sie nach Moorea aufbrechen. Eigentlich. Ein Elektrowurm legt die Ankerwinsch der Lille Venn lahm. Bei der Suche kann ich (gemeinsam mit Jeroen von der My Motu) mehr oder weniger nur moralische Unterstützung und Handlangerdienste bieten, aber am Ende seiner systematischen Suche findet Ralph die versteckte Schwachstelle im Kabel.

Beim Dinghy-Cruisen durchs Ankerfeld begleitet und dann eine Weile ein Adler-Rochen, im klaren Wasser ist auch sein Schatten auf dem Sandgrund klar auszumachen.

Nachdem die Lille Venn mit Verspätung dann doch Richtung Moorea aufgebrochen ist, sagen Wiebke und ich “Hallo” bei der “Wasabi”, die mit deutscher Flagge ganz in unserer Nähe ankert. Sie laden uns zum Sundowner ein, wir haben einen schönen Abend mit Andrea und Hans-Jörg und nicht nur das. Hans-Jörg bietet uns an, am nächsten Tag mit ihm im Jeep den Dirt Track durch die Berge über die Inselmitte von Tahiti zu nehmen. Lassen wir uns natürlich nicht entgehen und es wird ein unvergessliches Erlebnis.

Mit diversen Fluss-Durchfahrten, einem „Tropfsteinhöhlen“-Tunnel, zum Teil an steilen Hängen entlang führt die zumeist einspurige, nur teilbefestigte Piste einmal durch das fast unbewohnte Zentrum der gebirgigen Insel. Schlaglöcher satt, aber ebenso Wasserfälle, Seen und atemberaubende Ausblicke im Gebirge. Das Wetter spielt ganz gut mit. Klar hängen Wolken in den Bergen, aber meist haben wir gute Sicht. Es regnet nur einmal kurz, zum Teil können wir sogar das Targa-Dach abnehmen.

Am Abend treffen wir uns dann zu sechst in einem der Restaurants an der Taina Marina. Zu Andrea, Hans-Jörg und uns beiden kommen noch Nora und Ralf von der Barbarella dazu, wieder ein schöner Abend.

Tja, und heute verlegen wir Flora dann in die Taina Marina. Wir melden uns wie gewünscht 10 Minuten vor der Einfahrt per Funk an. Das Anlegen muss dann aber erstmal warten, die Mitarbeiter der Marina klarieren von ihrem Motorboot aus und schnorchelnd erstmal einige Mooringleinen, eine Viertelstunde kreisen wir vor dem Hafen. Aber dann klappt das Manöver trotz ordentlich Wind ganz gut. Mit derzeit drei Heckmooringleinen und dem Bug zum halbhohen Schwimmsteg liegt Flora hoffentlich sicher.

Aufklarieren, Wäsche waschen in der Marina-Laundry, Hafenformalitäten und dann erste Vorbereitungen, um das Boot für einige Wochen allein zu lassen. Der Wassermacher muss für die Zeit der Nichtbenutzung „gepickelt“ werden, sonst leidet die Membran. Dazu wird ein Biozid (Metabisulfite) in 10 Litern Wasser aufgelöst, die dann von der Pumpe in die Membran gespült werden. Eigentlich. Nur leider springt die elektrische Hochdruckpumpe des Wachermachers nicht an. Gestern hatte sie noch einwandfrei funktioniert, heute: kein Mucks. Grrr. So wird aus der schnell zu erledigenden Routineaufgabe eine aufwändige Fehlersuche. Ist es der Schalter? Ein Kabel? Die Pumpe selbst? Müßig zu erwähnen, dass das Schaltpanel im Bad im Schrank, die Pumpe in der Ecke unter der Achterkoje und die Kabel quasi überall zwischen Batterie, Sicherungskasten, durch den Motorraum und die Badezimmerschränke hindurch verbaut sind. Machen wir vor der Abfahrt halt nochmal richtig Chaos im Boot. Der Fehler ist übrigens bisher noch nicht gefunden, morgen geht die Suche weiter. Immerhin konnten wir (mit etwas Fern-Hilfe durch Chief Jan) heute den Schalter als Übeltäter schon mal ausschließen.

Und nun?

Der Ankerplatz hinter dem Riff am Point Vaipahu ist belebt. “Vibrant”, wie unserer amerikanischer Nachbar es formuliert. Ausflugsboote, Tauchboote und Schnorchelboote sausen vom nahegelegenen Hilton-Resort mit seinen edlen Wasser-Bungalows durchs Ankerfeld zum Außenriff.

Wer wollte es ihnen verdenken. Dazu kommen je nach Wind die SUPs und Kayaks oder die Surf- und Kiteboards der Segler. Oder ihre Dinghys, wenn sie selbst zum Schnorcheln oder Tauchen an die Bojen außen am Riff fahren. Und – aus Seglersicht schon manchmal unangenehm – die Jet-Skis. Auch sie sausen täglich mehrmals im (geführten) Formationsflug vorbei und schaukeln uns mit ihren Wellen ziemlich durch.

Na klar, Moorea ist eben auch ein touristischer Hot Spot.

Ich muss aber zugeben, dass mir das weniger ausmacht, wenn ich mich selbst sportlich betätigen kann. Jetzt, mit meiner Beinverletzung, geht das auf absehbare Zeit nicht. Morgens kurz ins Wasser hüpfen, dabei vielleicht ein bisschen den Wasserpass schrubben? Wingkiten lernen? SUP? Kayak? Schnorcheln? Tauchen? Alles Tabu! Hiken fällt ebenfalls aus, selbst Wandern geht nicht. Und das, obwohl ringsum die traumhafte Umgebung dazu verlockt.

Bein hochlegen.

Es ist ein feiner Unterschied zwischen nichts tun müssen (oder es sich jedenfalls selbst einteilen zu können) und nicht machen DÜRFEN.

Hinsichtlich eines möglichen Deutschlandbesuchs sind wir weiter auf der Suche nach einem Liegeplatz für Flora. Gestaltet sich nicht ganz einfach, aber wir bleiben dran. Am Steg hier auf Moorea wird es nichts, da hätten wir wesentlich langfristiger buchen müssen.

Von der kleinen Werft in der Phaeton Bucht drüben in Tahiti bekommen wir ebenfalls eine Absage, weder an Land noch im Hafen sind Plätze verfügbar. In der Papeete Marina können wir nicht reservieren, müssten vor Ort sein und täglich fragen. Etwas südlicher in der Marina Taina könnte es vielleicht klappen, aber auch da wäre es besser, vor Ort zu sein.

Wir beschließen, zurück nach Tahiti zu segeln. Anker auf, los geht’s. Aber außerhalb des Riffs bläst uns der Wind kräftig genau auf die Nase, laut Wetterbericht soll er jetzt doch erst später drehen. Das Wetter ist auch eher durchwachsen mit vielen tiefhängenden Wolken. Kurzentschlossen laufen wir die nächste Bucht auf Moorea an und ankern in der Cook’s Bay vor dem Örtchen Paopao.

Klar, bei dem Wetter keine Reiseprospekt-Hochglanzschönheit. Und doch: was für eine beeindruckende Kulisse.

Und hier vor Anker bekommen wir dann doch eine ermutigende Email der Taina-Marina, dass sie uns wohl einen Platz anbieten können.

Dann werden wir jetzt mal nach Flügen suchen. 😎

Behandlung mit Panoramablick: Wandern, Ananas und Schonen vor Mooreas eindrucksvoller Kulisse

Die Landschaft auf Moorea lädt zum Wandern ein. Gleich mehrere Hikes bieten sich von unserem Ankerplatz aus an. Da wir noch ein bisschen angeschlagen sind, entscheiden wir uns gemeinsam mit Andrea und Ingo erst einmal für eine leichte Wanderung durch die Ananas-Felder.

Vor der phantastischen Kulisse der Steilen Berge Mooreas führt der sanft gewundene Weg nur leicht bergauf.

Ein Trimm-Dich-Pfad liegt an der Strecke, wir hangeln, hüpfen, machen Sit-ups.

Weiter geht es, jetzt rechts und links weite Felder, auf denen Ananas angebaut wird.

Ab und zu auch Kokospalmen, Sternfruchtbäume, kleine Waldstücke. Was für ein Panorama. Es ist ein wunderschöner Spaziergang.

Bis zu diesem letzten Bild. Denn dafür gehe ich ein Stückchen abseits des Weges. Im Unterholz versteckt sich eine kleine rostige Eisenstrebe und an der reiße ich mir den Unterschenkel auf. Die klaffende Wunde blutet ganz ordentlich, aber zum Glück haben wir im Rucksack einige Pflaster dabei.

Der Socken ist nach dem verkürzten Heimweg trotzdem mit Blut getränkt. Erst an Bord bekommen wir die Verletzung dann ordentlich desinfiziert und die Wunde mit Klammerpflastern aus unserer gut bestückten Bordapotheke besser geschlossen.

Auch ein medizinischer Tacker wäre vorhanden, aber wir schauen mal, ob es mit den Klammerpflastern geht.

Jedenfalls haben die Behandelnden (Ingo und Wiebke) erstmal Ruhe verordnet. Wiebke backt unten gerade Kuchen, gleich zieht der Duft wieder durch das Boot, vorher darf ich schon Teigreste schlecken. Also sitze ich faul mit hochgelegtem Bein im Cockpit und erfreue mich am Blick auf Moorea und lasse mich verwöhnen.

Wassersport wird wohl leider erstmal eine Zeit lang tabu sein.

Von Tahiti nach Moorea

Wir stecken ein bisschen fest. Wissen nicht so recht, wie wir am besten weitermachen. Nachdem wir lange überlegt und dann die Reservierung für Neuseeland gemacht hatten, schien erst einmal alles entschieden und das fühlte sich gut an.

Aber dann schleicht sich doch wieder die vorher schon erwogene Alternative in unsere Köpfe. Doch noch eine weitere Saison in Französisch Polynesien? Doch statt im Dezember jetzt schon Ende August mal wieder nach Hause fliegen? Zu Wiebkes Geburtstag und zu meinem Abi-Treffen zu Hause zu sein wäre klasse. Wir klären mit unserer Versicherung was geht (und zu welchen Bedingungen).

Dieses Jahr wird ein La Niña Jahr, tropische Stürme im Südpazifik sind deutlich unwahrscheinlicher. Gegen rund 40 % Aufschlag wären wir auch in der Zyklonsaison hier versichert, wenn wir auf See sind oder das Boot auf einem spezielle Anforderungen erfüllenden Lagerbock an Land steht. Letzteres ist allerdings praktisch nicht machbar, da solche „aus einem Stück gefertigten“ Lagerböcke hier nicht verwendet werden. Bliebe nur die einzelne Approbation des Lagerbocks durch die Versicherung, scheint ebenfalls nicht sehr praktikabel. Aber wenn wir jetzt schon nach Hause flögen, wären wir vor November wieder da und an Bord. Hm. Wir erkundigen uns nach Hafenplätzen, aber auch das erweist sich als schwierig. Also bleiben wir (planerisch) weiter in der Schwebe. Untypisch für uns, ungewohnt.

Egal. Nach zwei teuren Wochen in Papeete, diversen Erledigungen, mit wieder funktionierendem AIS und Watermaker verlassen wir den schön ruhigen Ankerplatz von Arue. Dort wurden wir zwar geduldet, im Büro des Yachtclubs wies man uns aber schon auf verschärfte Regeln und Kontrollen ab August hin. Der Bojenlieger direkt neben uns ist zurück, es wird also auch eng.

Wir holen den Anker auf, fahren Richtung Point Venus. Aber die drei Kats dort liegen bei dem Wind recht unruhig. Wir drehen ab und entschließen uns, direkt hinüber nach Moorea zu segeln. Das sind nur ungefähr 20 Seemeilen, allerdings derzeit hoch am mit 20 bis 25 kn blasenden Wind.

So wird es eine flotte, wenn auch etwas raue Überfahrt, drei Reffs im Groß und die Fock.

Abschied von Tahiti
aber da sieht man schon Moorea.

Beim Näherkommen zeigt sich dann, trotz anfänglich noch grauen Himmels, die landschaftliche Schönheit von Moorea.

Die tief in die Nordküste eingeschnittene Bucht von Opunohu ist schon aus der Entfernung gut auszumachen, mehrere riesige Superyachten (mit eigenen Hubschraubern an Bord) zeigen den Standort an.

Etwas näher sehen wir dann auch die Wellen über dem Saumriff brechen und dahinter gut geschützt den unseren anvisierten Ankerplatz.

Sieht voll aus, aber natürlich findet sich noch ein Plätzchen.

Interessant ist, dass wir auf der Überfahrt und auch hier am Ankerplatz größere Teppiche von piksigen Algen herumtreiben sehen. Sie ähneln Sargassum, allerdings sehen wir nicht die für diese in der Karibik verbreitete Alge typischen Blasen (edit: doch, wir haben jetzt auch die Blasen entdeckt, es scheint eine Sargassum-Art zu sein).

Am nächsten Tag ist der Wind fast weg, die Algen auch. Eine der Superyachten ist abgefahren, dafür liegt jetzt der kleine Kreuzfahrer „Paul Gaugin“ (318 Gäste) an seinem Platz.

Davor liegt die 86 Meter lange Segelyacht „Aquijo“, sie kann mit ihrer 17-köpfigen Crew nur bescheidene 12 Gäste aufnehmen und ist in der Nebensaison für eine halbe Million Euro pro Woche zu chartern.

Tja, und dann sind da die glücklichen Eigner aus aller Welt mit ihren kleineren Booten, die ihren Törnplan selbst bestimmen können (sich dafür aber auch wie Eingangs beschrieben ein bisschen mehr Gedanken machen müssen beziehungsweise dürfen).

Die Traumkulisse von Moorea ist für alle dieselbe ☺️.