Nachtwanderung und Palmendiebe

Nachtwanderung. Mit Taschenlampen bewaffnet durch die Dunkelheit streifen. Schatten von Bäumen, die sich zu bewegen scheinen, die gespitzten Ohren lauschen auf das Geraschel huschender Kreaturen im Unterholz.

Wann haben wir so etwas zuletzt gemacht? Auf Klassenfahrt? Ist jedenfalls Ewigkeiten her. Die von einem Guide geführte Tour im nächtlichen Dschungel von Costa Rica kommt in den Sinn, die leuchtenden Augen von Spinnen (weiß), Baumfröschen (rot) und – von uns nicht gesehen – Katzen wie dem Ozelot oder gar Jauguar (grün). Aber das Gefühl dort war anders. Auch ein Abenteuer, aber eben mit Guide.

Hier auf Tahanea ist es eher der Klassenfahrt-Modus. Wir verabreden uns, brechen bei Neumond in stockdunkler Nacht um 9:00 abends (Sailor’s Midnight) mit zwei Dinghies auf zum übernächsten Motu.

Am mondlosen Himmel leuchten nur die Sterne, die Milchstraße bildet ein grandioses Panorama, davor lassen sich die Konturen der Palmen erahnen.

Schon die Anfahrt in der Finsternis ist eine Herausforderung, denn auch im Schein der starken Taschenlampe sind die Bommies in Ufernähe erst sehr spät zu erkennen. Wir schleichen in Slalomfahrt zum Strand. Große Löcher im Korallenschutt deuten darauf hin, dass wir dort eine gute Chance auf Palmendiebe habe.

Und deshalb sind wir hier. Palmendiebe, auch Kokoskrabben genannt, gehören wie Garnelen, Hummer und Langusten zu den Zehnfußkrebsen. Sie werden allerdings deutlich größer, die Spannweite der Beine kann einen Meter betragen. Sie sind die größten landlebenden Krabben. Aber wieso Palmendieb? Sie klettern tatsächlich auf Bäume. Ihre Scheren sind so kräftig, dass sie damit die hier so reichlich vorhandenen Kokosnüsse öffnen können und dann das weiße Fruchtfleisch fressen. Wer sich schon einmal mit Machete oder Messer an einer Kokosnuss versucht hat, weiß, dass er sich vor der Kneifkraft dieser Scheren (über 3.000 N pro cm2, etwa viermal soviel wie die Beißkraft eines Wolfes!) in Acht nehmen sollte.

Tagsüber halten sie sich verborgen, erst Nachts kommen sie zum Fressen aus Felsspalten und Sandlöchern heraus.

Neben ihrer immensen Größe beeindrucken sie auch mit ihren farbenprächtigen Panzern. Die Körperfarbe variiert stark, blau, violett, türkis, orange, braun und helles Ocker sind in unterschiedlichen Kombinationen vertreten.

Wenn man wie wir das Glück hat, dass während der Beobachtung ein Regenschauer niedergeht, leuchten die Farben ihrer Panzer im Schein der Taschenlampen umso mehr.

Auch das Klettern auf Bäume können wir beobachten:

Die Palmen müssen dabei nicht schräg stehen, auch senkrechte oder gar überhängende Passagen sind für Palmendiebe kein Problem.

Aber auch auf dem Boden sind diese wie aus der Zeit gefallenen Geschöpfe beeindruckend. So sehr, dass wir die erst mit 5 bis 6 Jahren geschlechtsreifen Tiere nicht für den Kochtopf einsammeln, sondern einfach nur bestaunen.

Weibchen mit Paket befruchteter Eier am Hinterleib

Neben den Palmendieben sind am Strand natürlich noch weitere Krabben unterwegs. So sehen wir “Yellow Nipper” (Blasse Strandkrabben), Abolineatus und natürlich eine Vielzahl von Einsiedlerkrebsen. In einer frühen Wachstumsphase schützen übrigens auch Kokoskrabben ihren (später zumeist unter den Körper geklappten) Hinterleib durch Schneckengehäuse, im jugendlichen Alter manchmal auch durch Kokosnussschalen.

Über zwei Stunden sind wir unterwegs. Erlebnis Nachtwanderung.

Ingo und Andrea (Easy-One), Teresa (Freefall), Wiebke und Ralf (Flora), Jeroen (My Motu), Ralph (Lille Venn), Rajesh (My Motu)

Beach fun on Tahanea

Das Motu, hinter dem wir hier im unbewohnten Tahanea-Atoll ankern, bietet sich für einen Beach-Nachmittag geradezu an.

An der Südspitze des Motus gibt es eine Feuerstelle, eine Hängematte aus Netz ist an einem schattigen Platz daneben aufgehängt.

Wir bringen noch unsere eigene Hängematte mit, außerdem einige Strandspiele wie Boccia und Frisbee. Und auch für das leibliche Wohl ist gesorgt, alle bringen etwas mit. 5 Boote (Lille Venn, Easy-One, Freefall, Skylark und Flora) liegen in der Bucht, alle Crews sind dabei. Wie fast immer bei solchen Gelegenheiten wird es ein wunderbarer, entspannter Nachmittag.

Auch die mit Steinen und großen Seeschnecken-Gehäusen eingefassten Feuerstelle wird genutzt.

Nach Sonnenuntergang geht’s dann aber doch recht flott zu den Dinghies. Noch schnell das Feuer löschen und aufs Boot, um diese Zeit werden die stechenden oder beißenden Plagegeister dann so richtig aktiv, das Feuer scheint sie nicht wirklich abzuschrecken (oder vielleicht müssten wir uns selbst räuchern).

Wie auch immer, an Bord haben wir bisher erstaunlich wenig Probleme damit gehabt, selbst in Alaska (wir hatten anderes befürchtet) und eben auch hier in Französisch Polynesien. Das interne Mosquitonetz über dem Bett haben wir tatsächlich das letzte Mal in Italien aufgebaut.

Über fünfeinhalb Jahre ist das her. Unseretwegen kann das Netz gerne weiter ungenutzt im Schapp bleiben.

Update Tahanea

Nicht zu fassen, wir sind schon seit einer Woche im Tahanea-Atoll. Vom ersten Ankerplatz am Pass haben wir die Flora nach zwei Tagen in den Südosten des Atolls verholt, denn inzwischen hat sich relativ konstant östlicher Wind eingestellt.

Fast unnötig zu erwähnen, auch dieser Ankerplatz ist schlichtweg traumhaft:

Wir verbringen ruhige Tage mit Schnorcheln, SUP, Wingfoilen …

… und einigen Arbeiten dazu. Leider ist der Schlauch (=Bladder) im Strut geplatzt. Das ist der mittlere Teil des Wingfoils, an dem auch die Griffe befestigt sind. Unsere Freundin Katrin wird in gut zwei Wochen zu Besuch kommen, sie bringt Ersatz mit. Bis dahin allerdings möchte ich nicht warten. Zum Glück lässt mich Ralph von der Lille Venn nicht nur seinen Wing benutzen, sondern zeigt mir auch, wie ein Bladder repariert werden kann. Bei einem kleinen Loch wäre das vergleichsweise einfach. Bei der an einer Schweißnaht geplatzten Bladder allerdings zeigen sich unsere gemeinsamen Reparaturversuche zunächst von eingeschränktem Erfolg. Ich kann den Wing wieder benutzen, muss ihn aber alle zehn Minuten wieder aufpumpen. Nicht sehr praktikabel. Erst nach dem fünften Reparaturversuch (zweimal Schweißen mit dem Vakuumierer, dreimal Flicken aufkleben und eine Nacht trocknen lassen) ist – oh Wunder – die Bladder tatsächlich wieder dicht.

Zwei andere Reparaturen beschäftigen uns ebenfalls einige Zeit. Beide betreffen die Elektrik auf Flora, nicht eben unsere Spezialität.

Zum Einen verweigert unser AIS mal wieder die Sendefunktion. Es zeigt uns zwar die Positionen der anderen Boote um uns herum (so sie mit AIS ausgerüstet sind) wunderbar an, wir selbst senden aber nicht, obwohl wir den Sendemodus eingeschaltet haben. Die Fehlersuche fördert eine im Plus-Kabel zusätzlich verbaute Sicherung zu Tage, bei der zwar der Sicherungsfaden noch intakt ist, das Gehäuse jedoch ziemlich angeschmolzen.

Austausch des Kabels nebst Sicherungshalterung und Sicherung: unser AIS sendet wieder.

Nicht ganz so einfach lässt sich das zweite Problem beheben, das zudem auch schwerwiegender ist: nachdem unsere beiden Kühlschränke zuletzt immer mal wieder zickten (die unter dem Bodenfach in einem Schrank in der Pantry eingebauten Kompressoren sprangen kurz an, gingen aber binnen weniger Sekunden wieder aus).

Nach einiger Zeit funktionierten sie dann aber wieder. Jetzt jedoch quittieren zeitgleich beide Kühlschränke komplett ihren Dienst. Gar nicht gut. Wir vermuten einen Zusammenhang mit einem Fehler im elektronischen Schaltpanel des EmpirBus-Systems, denn das lässt uns derzeit die Motorraumentlüfting nicht einschalten und die Kühlschränke nicht ausschalten, diese beiden Schalter sind in ihrer Funktion „eingefroren“, alle übrigen Schalter funktionieren zum Glück noch.

Auch hier warten wir auf Katrin, sie wird ein Ersatzpanel im Gepäck haben. Aber auf die Kühlschränke können wir bis dahin nicht verzichten.

Probehalber verlegen wir direkt von der Batterie eine Stromleitung zu den Kompressoren. Die Plus-Leitung bringt keine Besserung, aber als wir die Minusleitung verlegen (und damit den Schalter am Panel überbrücken) laufen beide Kühlschränke wieder normal, auch die Thermostate funktionieren. So weit, so gut. Aber bei der „fliegend“ durch das Schiff verlegten provisorischen Leitung kann es natürlich nicht bleiben, das Kabel muss ordentlich durch Kabelschächte unter den Bodenbrettern verlegt werden. Also Bodenbretter von der Küche durch den Salon, am Kartentisch vorbei und in der Achterkajüte los schrauben, drunter sauber machen, Kabel durchfummeln und befestigen, alles wieder verschrauben.

Immerhin, wir haben wieder kühle Getränke und die empfindlichen Lebensmittel bleiben haltbar. Puh.

😅

Ein Pizzaabend auf der Easy-One mit den Crews auch von der Lille Venn und der Free Fall hebt die Laune ebenfalls.

Und ein kleines bisschen kann ich mich revanchieren, als ich im Mast der Easy-One das stehende Gut kontrolliere.

Zur Belohnung für die kleinen Arbeitseinheiten im sonst wirklich entspannten Atoll-Leben:

Mit einem kühlen Sundowner aus dem jetzt wieder funktionierenden Kühlschrank lassen sich die abendlichen Wolkenformationen und die Farbenspiele am Himmel doch einfach noch besser genießen!

Tahanea

Es wird ein wunderschöner Segeltag. Wir starten mit Schwachwind und Code0, …

… wechseln dann aber bei zunehmendem Wind irgendwann auf die Fock. Zwischenzeitig zwei Reffs ins Groß. Um uns herum tauchen immer mehr Schauerwolken auf, einige ziemlich so imposant, dass die hinter uns segelnde Easy-One kaum davor auszumachen ist:

Tatsächlich aber verschonen die Schauerwolken sowohl uns als auch die Easy-One, erst in der Ansteuerung auf den Pass von Tahanea bekommen wir ein paar wenige Tropfen ab, dürfen zum Ausgleich aber einen wunderschönen gleich doppelten Regenbogen bewundern, mit herrlich sichtbarem dunklerem Bereich zwischen Regenbogen und Nebenregenbogen (Alexanders dunkles Band):

Wir ankern hinter dem Motu direkt zwischen dem Nordpass und dem breiteren Hauptpass, durch den wir ins Atoll gefahren sind.

Wir schnorcheln am folgenden Tag in beiden Pässen, fahren mit dem Dinghy bei einlaufender Tide hinaus und lassen uns durch den Pass zurück in die Lagune treiben. Besonders gut gefällt uns die Nordseite des Nordpasses. Am äußeren Ende zeigen bockende Wellen starke Verwirbelungen an, aber danach ist die Strömung auf dieser Seite nicht so stark. Der dicht an dicht mit Korallen bestandene Nordrand bietet in 3 bis 5 Metern Tiefe eine vielfältige Korallenlandschaft, die es in sich hat. Der Fischreichtum ist immens und das klare einlaufende Wasser lässt die ganze Palette der Farben auch richtig zur Geltung kommen.

Ein gutes Beispiel sind die bis zu 80 cm groß werdenden Buckelkopf-Papageifische. Diese sind eigentlich an allen halbwegs gesunden Riffen im Südpazifik zu finden und in sofern ein bekannter Anblick. Aber selten strahlen die Farben so wie hier.

Eine Besonderheit bei den meisten Papageifischarten, so auch beim Buckelkopf-Papageifisch: es handelt sich um Hermaphroditen. Nach einer Jugendphase entwickeln sich zunächst fast alle zu Weibchen. Später im Lebenszyklus wandelt sich dann ein größerer Teil zu Männchen um. Und nicht nur das: in jeder der Phasen zeigen diese Fische auch ein völlig unterschiedliches Farbkleid.

Weiblicher Buckelkopf-Papageifisch
Männlicher Buckelkopf-Papageifisch

Die vorderen Zähne sind übrigens zu den Platten eines schnabelartigen und ständig nachwachsenden Beißwerkzeugs umgebildet, mit dem die Papageifische einen niedrigen Pflanzenbewuchs auf den Korallen regelrecht abgrasen. Dabei schaben sie auch erhebliche Mengen von Korallenkalk ab, den sie zügig wieder ausscheiden. Dann allerdings fein gemahlen – als den Sand, den wir an den Palmenstränden so lieben. Kein Scherz, ein ausgewachsener Buckelkopf-Papageifisch produziert so bis zu 90 kg feinsten Sand pro Jahr.

Wir sehen noch verschiedene andere Papageifische:

Aber natürlich nicht nur die.

Griesgrämig dreinschauender Lippfisch
Falterfisch
Camouflage-Zackenbarsch im Versteck
Imperator-Kaiserfisch

Jedenfalls ist der Drift-Schnorchelgang im Nordpass von Tahaneha für uns einer der insgesamt schönsten Schnorchelgänge bisher, und das will schon etwas heißen, denn da kommen mittlerweile doch so einige zusammen.

Eine etwas alberne Frage wird nebenbei auch beantwortet: wieso heißt die Farbe von Wiebkes Tauchmaske eigentlich „Coral“?

Schnorcheln im Pass von Faaite

Morgen wollen wir weitersegeln, der Abschied von Faaite steht also bevor. Die Zeit hier in diesem kleinen Atoll hat uns richtig gut gefallen, aber das unbewohnte Tahanea im Osten von Faaite lockt. Mit gut 45 Seemeilen sollte das ein schöner Ganztagestörn werden.

Vielleicht vorher noch ein bisschen einkaufen? Na ja, die Lebensmittelläden hier geben nicht allzu viel her, Frisches ist überhaupt nicht zu finden. Ist wohl schon eine Weile her, seit das letzte Versorgungsschiff hier war.

Ein paar Basissachen bekommen wir dann aber im letzten Laden doch noch.

Aber bevor wir den nächsten Törn angehen, möchten wir gerne noch im strömungsreichen Pass von Faaite schnorcheln.

Wir nehmen den flachen Dinghy-Pass über das Riff. Schon dort stellen wir fest, dass die Tide sich nicht an den Zeitplan hält und weiterhin auslaufend ist. Nicht gefährlich stark, aber doch ein bisschen schade, denn dadurch ist das Wasser im Pass nicht ganz so klar wie bei einlaufender Strömung. Vom tieferen Pass halten wir uns dann auch fern, dort ist die auslaufende Strömung noch deutlich kräftiger.

Macht aber nichts, für dieses kleine Manko entschädigt der Fischreichtum und die vielfältigen Korallen, die den gesamten Boden im Dinghypass bedecken.

Doktorfische wie der Achilles-Doktorfisch mit seinem auffälligen orangen Fleck um das “Skalpell” an der Schwanzwurzel oder die Weißwangen-Doktorfische mit dem schmalen gelben Streifen bilden quasi das Empfangskomitee, als wir uns ins Wasser gleiten lassen.

Auch Einhornfische und Bannerfische sehen wir wieder zuhauf.

Eine imposante, etwa oberschenkeldicke Muräne darf auch nicht fehlen.

Aber hier im Pass begegnen uns auch Meeresbewohner, die wir bisher noch überhaupt nicht gesehen haben, etwa dieser wunderschöne Pfauenaugen-Butt:

Wegen seiner blumigen Zeichnung wird er im Englischen auch “Flowery Flounder” genannt. Wie viele Plattfische kann er die Farbe seiner Körperoberseite verändern, das “Blumenmuster” wird dabei mal mehr, mal weniger auffällig.

Damit nicht genug, ein riesiger Schwarm von Großaugen-Heringsmakrelen (Big Eye Scad) kommt auf uns zugeschossen. Sie fliehen vor mehreren deutlich über einen Meter großen Trevally, die immer wieder durch den Schwarm jagen.

Tschüss Faaite, danke für alles, es war sehr schön bei Dir!

Faaite 2

Der Schutz vor dem vorhergesagten unangenehmen Wetter ist gut hier in Faaite. Tatsächlich soll sich ein Starkwind- und Regenband praktisch über die gesamten Tuamotus erstrecken.

Erstmal aber bekommen wir es nur mit zunehmendem Wind zu tun. Soweit gut, da können wir wingfoilen (Ralph und Ralf) bzw. surfen (Ingo) oder machen ausgedehnte Strandwanderungen (Andrea und Wiebke). Und wieder einmal gibt es ein leckeres Abendessen mit anschließendem Spiel auf der Lille Venn.

Abgesehen von ein paar kräftigen Schauern ist das Wetter noch gut. Wir spazieren durch den Ort Hitianau, mit seinen etwa 300 Einwohnern die einzige Siedlung auf dem Atoll Faaite und direkt am Pass in die Lagune gelegen.

Trotz des vielleicht insgesamt nur etwa einen Kilometer langen Straßennetzes in Form von zwei parallelen Wegen mit ein paar Querverbindungen gibt es auffällig viele E-Bikes. Dieses Phänomen haben wir aber auch schon auf anderen Atollen beobachtet. Immerhin – keine knatternden Mopeds und von den wenigen vorhandenen Autos sehen wir auch keines unterwegs. Es gibt vier kleine Lebensmittelläden, wovon einer allerdings nur die Größe von zwei Telefonzellen hat und mit Kiosk eigentlich schon schmeichelhaft beschrieben wäre. Aber die Grundversorgung ist jedenfalls gesichert und außerdem gibt es auch noch eine Bäckerei für frische Baguettes. 🥖

Gut, etwas anderes wird dort tatsächlich nicht gebacken, aber wenn man zwischen 7.00 und 8.00 Uhr bestellt, trägt Joana das handschriftlich in ihr großes Buch ein und man kann zwischen 14.00 und 15.00 Uhr die noch warmen Baguettes bei ihr abholen.

Zweimal gelingt uns das im Trockenen, beim dritten Mal allerdings muss ich das Brot im wasserdichten Rucksack durch den Tropenregen zurück zum Boot bringen.

Bei Sonnenschein aber präsentiert sich Faaite verträumt freundlich. Ausnahmslos jeder Bewohner grüßt uns lächelnd im Vorbeigehen oder von der schattigen Veranda aus. Wäsche baumelt auf der Leine, …

… die Meeresfarben finden sich selbst auf dem Friedhof wieder …

… Bootsbauprojekte werden im Garten unter einer Wellblechkonstruktion angegangen …

… und die wieder einmal etwas übergroße Kirche ist in fröhlich bunten Farben gestrichen.

Vielleicht soll das auch ein dunkles Kapitel in der Inselgeschichte vergessen machen: 1985 wurden hier mehrere Menschen Opfer einer kollektiven religiösen Psychose. In Abwesenheit des Pfarrers überzeugten Durchreisende die Gemeindemitglieder, der Teufel sei auf der Insel und müsse ausgetrieben werden. Sie verursachten eine Hysterie, bei der in vermeintlichem Exorzismus sechs Menschen zum Teil lebendig verbrannt wurden.

Trotz dieses schrecklichen Vorkommnisses vor rund 40 Jahren und obwohl sich das Wetter inzwischen deutlich verschlechtert hat, besuchen wir am Sonntag den Gottesdienst. Hin kommen wir immerhin noch einigermaßen trocken.

Fast durchgängig auf tahitianisch mit nur wenigen französischen Einsprengseln abgehalten, verstehen wir zwar nicht viel. Aber wie bisher immer in Französisch Polynesien ist auch hier der Gottesdienst von beeindruckendem, mehrstimmigen Gesang geprägt.

Innen ist die Kirche ähnlich farbenfroh wie von außen. Neben geschnitzten Kreuzgangsmotiven finden sich farbenfrohe naive Malereien und eine mit bunt blinkenden Lichtern verzierte Krippe. Muschelkronleuchter hängen von der Decke. Blickfang aber sind vor allem der mit einem kunstvollen Muschelmosaik überzogene Altar und das mit aus Perlmutt gebildeten Strahlen ausgeformte zentrale Kreuz (auf das Bild klicken für bessere Auflösung):

Da nimmt es kaum Wunder, dass der uns freundlich einbeziehende Pfarrer zum weißen Talar türkisfarbene FlipFlops trägt.

Französisch Polynesien halt. Dazu gehört dann wohl auch Tropenregen. Schon während des Gottesdienstes trommelt der Regen auf das Kirchendach, der aufbrausende Wind bläst ihn durch die zunächst noch weit geöffnete Tür und die Fenster herein.

Trocken zurück kommen wir jedenfalls nicht, inzwischen hat uns das Schlechtwetterband erreicht:

(Video courtesy: Ingo, Easy-One)

😳

Faaite. Ein weniger besuchtes Atoll.

Der Wind hier in den Tuamotus präsentiert sich aktuell ziemlich wechselhaft. Eigentlich liegen die Tuamotus im Passatwindgürtel mit seinen östlichen Winden. Jahreszeitlich bedingt schwankt der vorherrschende Wind etwas, ist von Februar bis April östlich, kommt von Mai bis November mehr aus Südost (wobei er um August herum am stärksten bläst, im Südsommer dafür schwächer), im Dezember und Januar ist typischerweise eher Nordost zu erwarten. Nur: derzeit sind über Nord auf West drehende Winde angekündigt, für das nächste Wochenende gar mit einer kräftigen WSW-Komponente. Alles andere als ideal am Südpass von Fakarava. Etwas besseren Schutz würde es im Norden von Fakarava geben, aber nicht bei WSW.

Wir entscheiden uns dafür, statt dessen zum kleineren und seltener besuchten Atoll Faaite zu segeln. Wir schaffen es, die Passage durch den Südpass und auch die Einfahrt nach Faaite mit nur geringer Strömung zu timen, dazwischen liegen ein paar Stunden herrlichstes Segeln bei wenig Welle und perfektem Segelwind.

Über die Passeinfahrt in Faaite hatten wir uns einige Gedanken gemacht, die Durchfahrt ist recht schmal und kann bis über 7 kn Strömung aufweisen. Teilweise wird geraten, notfalls in der Sackgasse links von der Durchfahrt zu ankern. Zum Glück geht alles glatt, denn als wir später mit dem Dinghy den “Notankerplatz” checken, finden wir ihn zwar tief genug, aber dicht an dicht mit Korallen bestanden.

Pass ins Faaite-Atoll
Blick auf den Pass aus umgekehrter Richtung

Auf der Innenseite des Passes gibt es eine vergleichsweise flache Barre (wir messen 3,7 m), aber bei diesen Bedingungen ist das unproblematisch. Und so schleichen wir an den allerdings zahlreichen Bommies vorbei in die Nordwestecke des Atolls und ankern im Schutz von gleich drei palmenbestandenen Motus.

Die Easy-One ist bei uns, Lille Venn und Free Fall kommen am nächsten Tag dazu.

Ich denke, hier werden wir es eine Zeitlang ganz gut aushalten können.

Die Nachtluft ist mild und der Wind bisher noch lau. So bleiben wir lange in der Hängematte auf dem Vorschiff, löschen irgendwann das Licht, beobachten den halb vollen Mond und den Sternenhimmel. Orion steht hoch über der Flora, Mars spielt mit Castor und Pollux im Zwilling, Jupiter gesellt sich zu Aldebaran im Stier. Am Südosthimmel ist zunächst nur das “Falsche Kreuz” auszumachen, etwas in der Nacht klettert auch das Kreuz des Südens höher über den Horizont und wird damit deutlicher sichtbar.

Fakarava Südpass mit Schwärmen 🤩 über und unter Wasser

Wir segeln zurück an den Südpass von Fakarava. Bei leichten südöstlichen Winden ist es dort einfach traumhaft.

Neben dem Farbenspiel von Wasser, Riff und Himmel begeistert uns einmal mehr auch die Tierwelt. Nein, diesmal nicht die Haie des Südpasses, denn wir machen dort statt eines weiteren Tauchganges dieses Mal wieder einen Driftschnorchelgang.

Die schiere Menge an Fischen ist beeindruckend, und oft genug scheinen sie in den Farben nicht hinter der Landschaft zurückbleiben zu wollen. Seien es Meerbarben, knallbunte Papageifische (mit ihrem charakteristischen Schnabel), Doktorfische, die riesigen Napoleonfische, Riffbarsche, Falterfische und noch so viele mehr (Gerne durchklicken für bessere Auflösung)!

Schwärme gibt’s aber auch auf dem Wasser bzw. in der Luft. Mehrere Hundert Noddy-Seeschwalben lassen sich direkt am Boot nieder.

Man kann hier so leicht ins Schwärmen geraten.

☺️

Glück im Unglück

Das neue Jahr startet für die Flora mit einem intensiven Rigg-Check. Hier am Ankerplatz in Hirifa im Südosten von Fakarava ist es inzwischen schön ruhig geworden. Der Wind hat auf Nordost gedreht und abgenommen, also bauen sich hier auch keine Wellen mehr auf. Perfekt, um sich für eine Überprüfung des stehenden Gutes mal wieder in den Mast ziehen zu lassen. Selbst bei nur mäßiger Welle schaukelt es dort oben in 20 Meter Höhe doch ziemlich.

Jetzt bei glattem Wasser aber ist es einfacher. Und das muss es auch sein, denn ärgerlicherweise gibt es mal wieder einen Schaden im Rigg. Eines der Wanten weist gebrochene bzw. aus der Pressung gerissene Kardeele auf.

Hm, nicht gut. Reparieren kann man das Want nicht, es muss mitsamt der auf den Draht aufgepressten Beschläge gewechselt werden. Da kommen Erinnerungen an Hawai’i auf. Damals hatte unser Check in Honolulu einen ähnlichen Schaden im Hauptwant ergeben. Wegen der speziellen “Ballcup and Stemball”-Verbindungen musste dazu der Mast gelegt werden. Diesmal allerdings sind wir nicht in einer Metropole, sondern fernab von jeglichen Riggern und Schiffsausrüstern vor Anker in einem Südseeatoll.

Betroffen ist das D3, ein kleineres Diagonalwant zwischen der zweiten Saling und dem Mast unterhalb der dritten Saling, also ziemlich weit oben im Mast.

Und das ist zugleich auch großes Glück im Unglück, denn exakt dieses Want haben wir als Ersatzteil dabei. Was total unwahrscheinlich klingt, hat einen ganz einfachen Grund. In Hawai’i wollten wir nicht nur das betroffene Hauptwant, sondern gleich alle Wanten (Drähte, die den Mast seitlich fixieren) und Stagen (Drähte, die den Mast nach vorne und hinten halten) erneuern, zumal ja ohnehin der Mast heruntergenommen werden musste. Der Rigger war zugleich Vertragshändler unseres Mast- und Wantenherstellers Seldén, er konnte fast alle Wanten und Stagen vor Ort mit Originalteilen herstellen. Für uns ein Riesenglück, denn dadurch verzögerte sich unsere Abreise von Hawai’i nur um etwa zwei Wochen und wir konnten die ja ohnehin kurze Saison in Alaska doch noch genießen.

Fast alle hieß damals, dass wir nur die D3-Wanten nicht ersetzen konnten. Es sind die dünnsten in unserem Rigg (nur 7 mm, die V1-Hauptwanten z.B. sind 12 mm) und die entsprechenden Beschläge wären frühestens einen Monat später eingetroffen, zusätzlich gab es laut dem Rigger wohl auch NachCovid-Lieferkettenprobleme.

Was uns heute gerettet hat: wir haben sie damals trotzdem bestellt, der Rigger hatte sie uns ein halbes Jahr später nach Kanada nachgeschickt. Seitdem lagen sie im Vorschiff, bei den regelmäßigen Rigg-Kontrollen sahen die D3-Wanten unauffällig aus – bis auf heute! Zusätzliches Glück: für den Tausch der D3 muss der Mast nicht gelegt werden.

Also tauschen wir sie hier am Ankerplatz. Andrea von der Easy-One übernimmt die Sicherungsleine (Spifall), Wiebke winscht mich mit der Dirk in den Mast.

Das D3 wird erst an der Saling losgeschraubt (die Werkzeuge sind zusätzlich mit Leinen gesichert) und dann am Mast ausgehakt. Danach lasse ich es an einem Tampen herunter, ziehe das neue hoch und baue es ein. Gleich noch das zweite D3 auf der Backbordseite und: Fertig ✔️.

Wir nehmen das auch als Bestätigung dafür, dass es richtig war, in Honolulu nicht nur das V1 zu tauschen, sondern das gesamte Stehende Gut anzugehen. Flora hat inzwischen auf unserer Langfahrt seit Juni 2019 über 39.000 Seemeilen im Kielwasser und damit wurde dem Rigg doch auch schon einige Belastungen aufgebürdet. Gut zu wissen, dass jetzt wirklich das gesamte Stehende Gut erneuert wurde.

Frohes Neues Jahr!