Islas San Benito

Wir segeln weiter an der Pazifikküste der Baja California hinunter. Derzeit mit eher leichten Winden, nachts und vormittags meist aus östlicher Richtung, nachmittags aus nordwestlicher. Wir wechseln auf dem Törn zur Isla San Benito viermal zwischen Code0 und Gennaker.

Mit dem blauen Gennaker geht’s dann auch in die Nacht, farblich passend zum aufgehenden Vollmond.

Herrlich, bei fast glatter See zieht uns das Segel auch bei Fast-Flaute voran, erst zum Wachwechsel um 3.00 Uhr werfen wir dann doch den Motor an.

Am Morgen erreichen wir die Islas San Benito, eine kleine Gruppe von kargen Felseninseln etwa 25 km westlich der größeren Isla Cedros. Die Anfahrt zum Ankerplatz ist etwas tricky, denn unsere aktuelle C-Map-Charts auf dem Plotter sind hier extrem ungenau: ihnen zufolge würden wir auf der Insel ankern:

Die Navionics-Charts auf dem iPad sind sind hier besser, gaukeln uns allerdings bei der Anfahrt große Bereiche mit 30 m Wassertiefe vor, obwohl wir noch deutlich über Hundert Meter unter dem Kiel haben. Wir tasten uns in die Ankerbucht und finden: es lohnt sich! Sehr!

Auf Isla San Benito Oeste werden wir herzlich begrüßt. Zuerst von einem Pulk verspielter junger Seelöwen, die unser Dinghy zum Strand begleiten. Und an Land dann von den freundlichen Fischern. Sie arbeiten für eine Gesellschaft, die hier und an anderen Orten einfache Fishing-Camps unterhält. Die Fischer werden dann für 14 Tage im Wechsel zu diesen Camps geschickt. Derzeit ist Lobster-Saison, eines der hoch motorisierten offenen Boote haben wir draußen auch Körbe ausbringen sehen. Als wir an Land gehen, sind die Jungs allerdings gerade dabei, das Dach einer der Hütten instand zu setzen.

Zeit für einen kurzen Schnack ist trotzdem. Sie zeigen uns den Beginn des Pfades zu den beiden Leuchttürmen der Insel.

Vorbei an der türlosen und geduckt wirkenden Mini-Inselkirche …

… und dann in Serpentinen den Geröllpfad hinauf. Die Vegetation ist eher spärlich und niedrig. Aber trotzdem zum Teil wunderschön. Neben flachen, eher bodendeckenden Kakteen …

… findet sich Eiskraut, das mit seinen Papillen aussieht, als würden Tautropfen oder gar Kristalle an den Pflanzen haften.

Wilde Malven setzen weitere Farbtupfer in die Landschaft.

Aber einzig die Agaven ragen etwas in die Höhe, weshalb die zahlreichen Raben sie gerne als Aussichtspunkt wählen, egal ob die Blütenstände schon abgestorben sind oder sich noch in gelbgrüner Pracht zeigen.

Der niedrige Leuchtturm auf dem 200 m hohen Hügel in der Inselmitte steht offen, über Alu-Leitern können wir bis zur Optik mit den Fresnel-Linsen hinaufsteigen.

Und der Ausblick vom umlaufenden Balkon über die Inselgruppe mit Flora am Ankerplatz und bis hinüber zur Isla Cedros ist phantastisch:

Die Drohne kann das noch toppen, indem sie auch noch die Brandung an der Westküste mit erfasst. Was für eine wilde, kraftvolle Landschaft:

An den Stränden der abgeschiedenen Inselgruppe finden sich neben Seelöwen auch mehrere Kolonien der deutlich selteneren Seeelefanten.

Von Kämpfen um seinen Harem gezeichneter Seeelefantenbulle
Ja, es riecht etwas …

Zurück im Camp rufen uns die Fischer zu ihrer Küchenhütte und schenken uns gleich einige Lobsterschwänze. Was für eine Gastfreundschaft! Bedanken können wir uns, als wir ihnen später über unser Starlink-WLAN aus der Abgeschiedenheit der Insel Kontakt zu ihren Familien ermöglichen.

Einkaufen GEHEN in San Diego

Mal ein ganz anderer Aspekt unserer Reise, der hier in San Diego ganz besonders deutlich wird: wenn wir an Land sind, gehen wir ziemlich viel. Meilenweit. Wir lieben Hikes durch die Natur, klar. Und wir erwandern uns auch in Städten gern die Umgebung unseres Ankerplatzes oder Hafens. Aber das ist es nicht, was gerade im Moment ZUM TRAGEN kommt.

War das System der öffentlichen Verkehrsmittel in San Francisco noch wunderbar, ist unsere Anbindung hier in San Diego etwas weniger gelungen. Unser Hafen liegt am Ende einer etwa zwei Kilometer langen Halbinsel, auf der leider keine Busse fahren. Halb so wild, es ist eine schöne Strecke mit Fußweg auf der Uferpromenade. Allerdings: der Jensen’s Supermarkt ist noch weitere zwei Kilometer entfernt, außerdem steil den Berg hinauf. Immerhin, mit den Rucksäcken voller schwerer Lebensmittel (einer ist ein gut isolierter Kühlrucksack) geht’s dann ja immerhin wieder bergab.

Trotzdem: es sind halt 8 km hin und zurück. Keine Beschwerde, es hält uns ja fit.

Aber: müssen wir das eigentlich so oft machen? In den letzten 5 Tagen hab ich viermal über 8 km auf der Uhr (bzw. auf dem iPhone, eine Armbanduhr trage ich ja schon seit vier Jahren nicht mehr). So häufig müssen wir zwar keine Lebensmittel einkaufen, aber im Jensen’s ist zugleich auch die nächstgelegene Amazon-Pickup-Station. Und wir haben die Gelegenheit genutzt, noch einmal einige Bestellungen aufzugeben. Zum Beispiel für den kleinen Magneten, der unserer neuen Kettennuss in der Ankerwinsch das Kettenzählen ermöglicht. Oder für den kleinen digitalen Wassertester, der uns die ppm unseres Wassermacher-Wassers anzeigt (Salzgehalt in parts per million), also ein Indiz, wann wir unsere Membran tauschen müssen. Der alte hat leider letzte Woche den Geist aufgegeben. Und wenn wir schon mal beim Bestellen sind, fällt uns noch anderer Kleinkram ein ….

Das waren zwei der vier Märsche. Die anderen beiden hatten mit Restaurants, Eiscafés und Marine-Ausrüstern zu tun 😇.

Auch an Bord sind wir nicht untätig. Wiebke hat ihr Jahresprojekt abgeschlossen: ihren Kolding-Schal:

Vor ziemlich genau einem Jahr hat sie ihn zu stricken begonnen, aber er war oft nur ihr Zweit- oder gar Drittprojekt nebenher (“wenn ich mich nicht so konzentrieren möchte”). Vor ein paar Tagen kam auch das Projekt “Summer-Cardigan” zum Abschluss:

Und jetzt hat sie gleich ein neues Projekt angefangen, ein Sommer-Shirt aus Leinen-Seide.

Bei mir war es gestern eher ein bisschen Boots-Yoga im Mini-Projekt des Kampfes gegen den Impeller der Seewasserpumpe, der zwar raus musste …

… immerhin waren sieben von zwölf Flügeln angebrochen, aber sich gegen seinen Austausch doch ziemlich hartnäckig gewehrt hat und ähnlicher Technik-Kleinkram. Und außerdem haben wir eben auch viel Zeit für uns, lesen uns zum Beispiel das Buch “Die Kraft der Entscheidungen” vor, das unsere österreichischen Segelfreunde Doris und Christian über ihre einjährige Auszeit auf Ihrer Dacing Pearl geschrieben haben. Es spiegelt für uns – neben wunderbar aufmerksam beobachteten Veränderungen gegenüber dem Landleben – auch besonders schön den Zauber des Anfangs unserer Langfahrt wieder.

Uns geht’s gut. Wir genießen die letzten Tage in San Diego, bevor es wohl nächste Woche nach Mexiko geht. Mal schauen, was wir vorher noch von San Diego zu sehen bekommen.

Von Santa Catalina nach Newport Beach

Eine ganze Woche verbringen wir in Avalon auf Santa Catalina, so gut gefällt es uns in dem kleinen Urlaubsörtchen.

Wir haben Sundowner bei unseren Nachbarn Lynn und Hugh auf ihrer Moody 43 DS “Happy” und umgekehrt Nachmittagskaffee und Kuchen auf der Flora, wandern mit Heather und Jim von der “Kavenga” zum Botanischen Garten und machen auf dem Rückweg regen Gebrauch von der Happy Hour beim Mexikaner. Spielen Minigolf, nutzen die Laundry und die guten Einkaufsmöglichkeiten in Avalon.

Mit der Kavenga-Crew auf der Flora

Ein bisschen Arbeit streuen wir auch ein. Der komplette Stauraum im Vorschiff wird neu sortiert, außerdem die Lebensmittel durchgesehen. Während Wiebke Flora innen putzt, kümmere ich mich um Floras Bart. Über die Zeit hat sich auf dem weißen Rumpf mal wieder ein gelblich-brauner Film angesammelt, vor allem am Bug. Schon vor längerer Zeit hatte ich “On & Off – Hull & Bottom Cleaner” gekauft, jetzt probiere ich ihn erstmals aus. Wird mit einem Schwamm aufgetragen und verrieben, nach kurzer Einwirkung dann mit Wasser abgespült.

Heute lösen wir dann aber doch die Mooringleine und segeln bei herrlichem Wetter hinüber ans Festland.

Unser Ziel ist Newport Beach, zwischen Los Angeles und San Diego gelegen. Viel wissen wir nicht über die Stadt, nur, dass sie einen gut geschützten Ankerplatz bietet und man mit dem Dinghy gut die vielen Häuser mit Bootsstegen davor bewundern kann. Das machen wir dann auch. Und sind ziemlich beeindruckt. Ganze Stadtteile im Mündungsgebiet des San Diego Creek sind Inseln, etwa Balboa Island und Lido Isle, daneben gibt es eine Vielzahl weiterer kleiner Inseln und Halbinseln. Es ist unfassbar, wie viele Boote hier liegen. An den Stegen vor den Häusern und Villen, in mehreren Häfen und vor allem in riesigen Bojenfeldern. Und mittendrin: unser Ankerplatz.

Kleine Strände finden sich auch an der Innenseite, aber vor allem ist die Pazifikseite der Stadt ein einziger, beeindruckend breiter, wunderbarer Sandstrand.

Hier werden wir wohl ein paar Tage bleiben.

Scorpion in nass und Coches trocken

Wir erkunden weiter Santa Cruz Island. Erstmal gibt’s ein nasses Abenteuer. Der Scorpion-Ankerplatz ist zwar mit den dramatisch aufsteigenden Felsen schön und auch einigermaßen geschützt,

aber der Schwell findet eben doch hinein. Für die Nacht ist es leidlich ok mit dem Rollen des Bootes, aber zum Anlanden ist die Herausforderung doch ziemlich groß. Spätestens seit der Dinghy-Kenter-Erfahrung am Cape Scott sind wir gewarnt. Also probieren wir es hier mit unserem Kajak.

☺️

Und – nicht ganz unerwartet – auch ein Kajak kentert leicht in der Brandung. Um diese unnötige Erfahrung reicher holen wir die trockenen Wanderschuhe, für Wiebke noch eine trockene Hose, ein Tuch und für mich die Kamera aus dem wasserdichten Rucksack und beginnen unsere Inselwanderung ansonsten eben etwas feucht. Macht (bei dem herrlichen Wetter) nix.

Die Wanderung führt zunächst auf die Klippen oberhalb des Scorpion Anchorage, mit schönem Blick hinunter zur Flora.

Und dann geht’s erst einmal weiter auf dem Kliff entlang mit tollen Ausblicken über den Santa Barbara Channel und die hier im Ostteil noch einmal deutlich kargere und weniger bewachsene Insel Santa Cruz.

Als der Pfad irgendwann ins Inselinnere abbiegt, wird die Trockenheit noch deutlicher sichtbar.

Wir kommen an einem der sehr einfachen Insel-Zeltplätze vorbei. Anders als die anderen bietet dieser den Luxus eines (sic!) Wasserhahns mit Trinkwasser. Das finden nicht nur die menschlichen Besucher wunderbar:

Zu unserem Glück bleibt das nicht die einzige tierische Begegnung. Tatsächlich erfüllt sich unsere heimliche Hoffnung, wir sehen mehrere Kalifornische Insel-Graufüchse. Diese sehr kleine Fuchsart gibt’s nur hier auf den Channel Islands und auch hier war ihr Bestand um die Jahrtausendwende akut bedroht, auf Santa Cruz war der Bestand in nur 5 Jahren um 95 % eingebrochen. (Wer sich für eine Kurzfassung der ökologischen Zusammenhänge dazu interessiert: hier klicken, S.29.) Inzwischen erholt sich die Population dank erheblicher Anstrengungen der Naturschützer wieder. Erwachsene Tiere erreichen ungefähr die Größe einer Hauskatze, sind dabei mit unter 2 Kilogramm aber nicht mal halb so schwer, wobei die Unterart auf Santa Cruz auch die kleinste ist.

Nach der Wanderung sind die Klamotten zwar fast schon wieder trocken, aber eben auch sandig und salzig. Das Kajak an Bord vom Sand zu befreien erweist sich als ganz schön aufwändig, bei uns selbst geht das leichter. Im hier immerhin schon rund 20 Grad warmen Wasser nehmen wir nochmal ein Bad, danach folgt eine ausgiebige Süßwasserdusche auf der Badeplattform. Was für eine Wohltat.

Und dann wechseln wir den Ankerplatz, segeln auf der Südseite von Santa Cruz nach Coches Prietos. Es ist für die Nacht kräftiger Nordwestwind angesagt, da sollten wir hier besser geschützt sein. Sind wir auch tatsächlich, allerdings steht trotzdem ein spürbarer Südschwell in die landschaftlich wunderschön gelegene Bucht.

Also ein neuer Anlandeversuch mit dem Kajak. Dieses Mal gleich in Badekleidung, aber: Erfolgserlebnis, wir stellen uns zur Abwechslung geschickter an und schaffen es diesmal unfallfrei auf den Strand.

Sieht doch auch ganz ruhig aus? Na ja, je nachdem wie man es abpasst … 😚

😁

Santa Cruz Island

Gut 20 Seemeilen südlich von Santa Barbara liegt die unbewohnte Insel Santa Cruz. Mit fast 40 km Länge ist sie die größte der Channel Islands. Wir fahren allerdings nicht auf kürzestem Weg hinüber, sondern segeln hoch am Wind zur etwas weiter entfernten Nordwestspitze von Santa Cruz Island. Das ist bei dem anfangs schwachen Wind ein ganz angenehmer Kurs, zumal uns wieder einmal Delfinbesuch vergönnt ist.

Der eigentliche Grund für unseren Abstecher zur Nordwestspitze ist aber die „Painted Cave“. Diese natürliche Höhle erscheint nicht nur durch Algenbewuchs und Ablagerungen besonders bunt, sie ist auch ausgesprochen groß. Es gibt sogar Bilder mit Segelbooten im Eingangsbereich der Höhle, deren weit ins Dunkel reichendes Inneres dann aber nur mit Dinghy (und Taschenlampe) zu befahren wäre. Wird aber leider nichts, den mit dem Wind nimmt auch der Schwell zu. So sehr, dass wir nicht einmal in die Nähe der Painted Cave kommen, sondern nur den Eingang erahnen können und dann nach Osten abdrehen. Immerhin, die Felsenbrücken von Arch Rock können wir vor der schroffen Steilküste ausmachen.

Am Frys Harbour fahren wir vorbei, …

… erst die etwas breitere und tiefer eingeschnittene Pelican Bay soll unser Ankerplatz für die Nacht werden. Tatsächlich bietet sie erstaunlich guten Schutz vor dem immer noch kräftigen Schwell.

Während der Nacht beruhigt sich die See noch weiter. Am nächsten Morgen zeigen uns dann die vielen Braunpelikane auf und vor den hohen Sandsteinfelsen unseres Ankerplatzes, dass die Pelican Bay ihren Namen durchaus zu Recht trägt.

An Land zu kommen wäre für uns in der Pelican Bay trotzdem nicht ganz einfach und würde außerdem eine vorherige Genehmigung erfordern, der Westteil von Santa Cruz Island ist nämlich „Nature Conservancy Property“. An unserem nächsten Ankerplatz sieht das schon anders aus, denn genau hier beginnt der US Nationalpark, der den Ostteil der Insel einnimmt. Außerdem macht uns ein Landungssteg mit Dinghydock den Landgang deutlich einfacher.

Und so machen wir von der Prisoners Bay aus einen wunderschönen, wenn auch durch das oft steile Gelände durchaus anstrengenden Hike.

Vom Dinghydock aus geht es zunächst auf einer Schotterstraße mit ordentlich Steigung ein gutes Stück in die Höhe, bevor wir auf einen kleinen Trail abbiegen können.

Entlang der tief eingeschnittenen Täler finden sich einige Bäume, ansonsten dominiert niedriges Buschwerk. Neben heimischen Planzen wie der weißen Kliff-Aster und der rotblühenden California-Fuchsie oder den auf dem kargen Boden wachsenden Kakteen fällt insbesondere die ungeheure Vielzahl von wild wachsendem Fenchel auf. Sein Geruch prägt den Duft der Insel.

Eigentlich ist Fenchel hier nicht heimisch. Die invasive Art wurde zu der Zeit auf Santa Cruz Island gebracht, als hier noch Farmen betrieben wurden. Einige Vögel finden das scheinbar trotzdem gut, so etwa dieses Rubingoldhähnchen …

… oder die Singammer, die genüsslich einen Fenchelsamen verspeist:

Ein paar Mal sehen wir sogar den endemischen, also nur hier auf der Insel vorkommenden Island Scrub Jay (Inselhäher) mit seinem prächtigen blauen Federkleid.

Viel kleiner, bei weitem häufiger, aber ebenso schillernd im Gefieder ist der Annakolibri:

Erst zu hören und dann – aufmerksam geworden – auch zu erspähen sind wie schon am Festland die kalifornischen Schopfwachteln:

Die Vogelsichtungen sind zugleich willkommene Erholungspausen, immer wieder geht der Pfad steil bergauf oder bergab, aber es ist eine wunderschöne Strecke mit tollen Ausblicken.

Am nächsten Morgen wird die Sonne zum Mond, jedenfalls scheinbar. Um kurz nach 9 Uhr erleben wir eine partielle Sonnenfinsternis. Richtig dunkel wird es nicht, dafür ist die Abdeckung zu gering, aber mein Foto muss ich so stark unterbelichten, dass es trotzdem so aussieht:

Und danach wechseln wir zu unserem dritten Ankerplatz auf Santa Cruz Island, dem im Osten der Insel gelegenen Skorpion Anchorage.

Die schroffe Felsenküste weist nicht nur wie Stachel emporsteigende Spitzen auf, sondern auch eine Vielzahl von ausgespülten Höhlen, Durchbrüchen und Tunneln. Besonders beliebt sind die bei Kanuten, die zumeist mit der kleinen Inselfähre für organisierte Touren herübergebracht werden.

Auch wir probieren unser neues aufblasbares Kanu aus und sind von den Fahreigenschaften und dem stabilen Gefühl ziemlich angetan.

Yosemite Nationalpark

Der Wecker klingelt früh. Etwa drei Stunden sind es von San Francisco bis zum Eingang des Yosemite Nationalparks. Allerdings nur, wenn wir vor dem Berufsverkehr aus der Stadt heraus kommen.

Nach Osten, dem Sonnenaufgang entgegen.

Die Bergwelt im Yosemite auf den Westhängen der Sierra Nevada begrüßt uns nach etwa 300 km Fahrt mit traumhaftem Wetter und den markanten Granitformationen wie dem Kletter- (und Freiklettern-) Giganten „El Capitan“, der rund 1.000 Meter fast senkrecht ins Yosemite-Tal abfällt und dem weithin sichtbaren „Half Dome“ am Ende des Tals.

Unser erster Hike führt uns zu den Wasserfällen. Die berühmten Fälle führen jetzt im Sommer bei weitem nicht mehr so viel Wasser wie im Frühjahr zur Schneeschmelze. Beeindruckend sind sie dennoch.

Suchbild: erst die Menschen im Vordergrund machen die Dimension etwas deutlicher. Die Yosemite-Falls ergießen sich 739 Meter in die Tiefe.
Bridalveil Fall aus der Ferne …
… und aus der Nähe.

Danach fahren wir auf der anderen Talseite hinauf zum Glacier Point, mit direktem Blick auf das Profil mit der abgebrochenen Steilwand des Half Dome.

Nur eine kurze Wanderung an dieser Stelle, denn ein weiteres Highlight lockt im südlichen Bereich des Nationalparks. In der Mariposa Grove mit ihren Giant Sequoias, den Riesen-Mammutbäumen machen wir nochmal einen weiter ausgedehnten Hike.

Spannend: die Samen aus den Zapfen dieser Bäume benötigen tatsächlich idealerweise Waldbrände für ein erfolgreiches Auskeimen. Nach Jahrzehnten der strikten Brand(Vermeidungs-)vorsorge werden inzwischen wieder kontrollierte Feuer in den Mammutbaumhainen gelegt. Die ansässigen First Nation hatten diese Technik zuvor bis zum Verbot durch die Naturschutzbehörde bereits traditionell angewandt. Aber selbstverständlich gab und gibt es auch natürlich entstehende Waldbrände, insbesondere durch die in der Sierra Nevada häufigen Sommergewitter. Jahrhundertealte, kräftige Mammutbäume überstehen die Brände normalerweise gut, wenn sie nicht zu häufig oder intensiv ausfallen. Junge Bäume mit dünnerer Borke sind nicht ganz so widerstandsfähig.

Neben den Baum-Giganten gibt es aber auch wesentlich kleineres Leben im Wald, das uns viel Freude bereitet:

Für das „Chipmunk“ bekommen wir auf einer Tafel sogar die Erklärung geliefert, wie das Streifenhörnchen seine namensgebenden Fellzeichnung erhielt:

😉

Schön finden wir auch den Diadem-Häher …

und die von ihren gleich zwei Kitzen etwas ausgezehrte Maultierhirsch-Ricke:

San Francisco V: Sausalito

Diesmal also schnappen wir uns das “tiefe” Bojenpaar. Bei Zero-Tide reicht es gerade so eben, dass Floras Kiel nicht auf dem Grund herumkratzt. Die versprochenen 8 Fuß sind das sicher nicht, aber egal.

Jedenfalls können wir in aller Ruhe eine weitere wunderschönen Wanderung auf Angel Island unternehmen. Diesmal geht’s um die Ostseite der Insel herum, mit Blicken Richtung San Pablo Bay, Richmond und später Berkeley.

Auch wenn das Immigration-Museum auch an diesem Tag geschlossen ist, unser Weg führt daran vorbei und so werden wir an die lebensrettende Zuflucht für die einen (in diesem Fall Deutschen) und ebenso an die wirksame Ausgrenzung anderer (in diesem Fall von Asiaten) erinnert.

An der vormals miltärisch genutzten Südspitze der Insel sehen wir vor San Francisco Downtown als Kulisse ein wohl auf Grund gelaufenes Schiff. Ein Schlepper drückt es ganz langsam seitlich von der Untiefe und nach einer halben Stunde kommt es trotz ablaufender Tide frei.

Unsere Wanderung führt uns auf dem Northern Ridge Trail zum höchsten Punkt der Insel, dem Mount Livermore. Beim Abstieg auf der anderen Seite können wir dann unser nächstes Ziel sehen. Die Richardson Bay mit Sausalito. Typisch, über den hinter dem Ort liegenden Bergrücken wälzen sich die Wolken hinüber und lösen sich dabei langsam auf.

Sausalito ist ein nur 7.500 Einwohner zählender Ort, der aber mit seinem schmucken Ortskern und den Villen am Hang sowie seiner großen Hausbootsiedlung zahlreiche Touristen anlockt. Hilfreich dafür ist auch, dass man es gut mit dem (Leih-)Fahrrad von San Francisco aus erreichen kann. Dabei führt die Strecke über die Golden Gate Bridge, die die beiden Städte verbindet. Zurück kann die regelmäßig verkehrende Fähre genommen werden.

Fähre von Sausalito nach San Francisco, da klingelt doch was? Genau, Jack Londons “Der Seewolf” von 1904 beginnt damit, dass der Protagonist Humphrey Van Weyden diese Fähre nimmt (damals gabs die Golden Gate Bridge auch noch nicht). Im dichten Nebel wird die Fähre von einem Dampfer gerammt und versenkt. Van Weyden wird vom Robbenschoner “Ghost” gerettet. Dessen intelligenter und zugleich brutaler Kapitän Wolf Larsen (der Seewolf, in der deutschen Fersehfassung von 1972 gespielt vom Kartoffel-zerdrückenden Raimund Harmstorf) ist der sozialdarwinistische Gegenpol zum humanistischen Schöngeist Van Weyden.

Auch wenn wir vor zweifelhaften Charakteren auf teilweise ziemlich herunter gekommenen Ankerliegern im hinteren Teil der Bucht gewarnt werden, bei uns geht’s zum Glück weniger dramatisch zu und der Nebel hält sich auch in Grenzen.

Wir treffen uns mit Raffi und dessen Freundin Kristin, die uns ihren schönen Ort mit seinen vielen steilen Treppen zeigen.

Raffi holt uns ein weiteres Mal mit seinem Auto ab und fährt uns aus dem sonnigen Sausalito zur Rodeo Cove westlich der Golden Gate Bridge. Das Wetter dort ist – wie so oft am Nachmittag im Brückenbereich – eher abweisend grau in grau. Trotzdem lassen sich die Surfer nicht abschrecken.

Gemeinsam mit Raffi wandern wir auf der beeindruckend hohen und schroffen Steilküste weiter.

Ein klasse Ausflug, den wir noch mit einem Besuch in der Horseshoe Bay am Fuß der Golden Gate Bridge abschließen:

Unsere Flora haben wir inzwischen an eine Boje des Sausalito Yacht Club verholt. Dort können wir die Einrichtungen des Clubs nutzen, vor allem aber können wir dort einfach und zentral mit dem Dinghy anlegen.

Interessantes Detail: Weniger als die Hälfte der Clubmitglieder hat tatsächlich ein Boot. Der Club (mit Bar und Restaurant) wird eher als erweiterte Familie, als sozialer Treffpunkt mit schöner edler Wasserlage, denn als aktiver Sportverein gesehen. Selbst die (vorhandenen) Jollen werden augenscheinlich kaum genutzt.

😉

Gibt’s doch Boote im Yachtclub?

Das geht natürlich auch anders, die Sportsegler-Szene in der San Francisco Bay ist ziemlich aktiv. Als wir von Sausalito mal wieder an den Ankerplatz bei Treasure Island verholen, zeigt der Blick zurück auf Sausalito ein Regattafeld beim Kampf um die Tonnen. Die Rolex Big Boat Series sind im St. Francis Yacht Club zu Gast:

Und auch vor Downtown gehen jetzt am Wochenspende vermehrt die Segel hoch.

San Francisco IV: Treasure Island, Alameda und Angel Island

Der Ankerplatz bei Treasure Island hat es in sich. Die Zufahrt ist etwas knifflig, da eine flache Barre die nach Osten scheinbar so offene Bucht fast unzugänglich macht. Nur bei Hochwasser und nur ziemlich dicht an der Mole ganz im Nordosten der Bucht sollen wir uns mit unseren 2 m Tiefgang hinein tasten. Machen wir, und es klappt auch. Dafür liegen wir dann auch schön geschützt zwischen Yerba Buena und Treasure Island. Letztere ist eigentlich gar keine eigene Insel, sondern ein künstlich aufgeschütteter Inselteil, ein Damm verbindet sie mit Yerba Buena.

Der Legende nach geschaffen für die Weltausstellung 1939, auf der hier auch die gerade eröffnete Golden Gate Bridge gefeiert werden sollte. Nur – es war eigentlich keine echte Weltausstellung (die fand zeitgleich in New York statt), eher eine pazifisch-regional abgespeckte Variante unter dem offiziellen Namen “Golden Gate International Exposition“. Trotz allem, die (fast-)Insel Treasure Island wurde eigens dafür geschaffen. Ebenso wurden drei monumentale Gebäude, die als Nachnutzung einem Flughafen als Haupthalle bzw. als Hangar dienen sollten. Das hat nicht so recht geklappt, nur kurz nutzte Pan Am Treasure Island und das auch nur für die Flugboote, die in der Clipper Cove – unserem Ankerplatz – starteten und landeten. Danach nutzte die US Navy die Insel lange Jahre.

Das alles erfahren wir im “Gebäude #1”, dem halbrunden Kollossalbau, der heute auch ein kleines Museum beinhaltet.

Heute ist Treasure Island eher ein Schatz für Grundstücksspekulanten. Die Soldaten sind schon vor Jahrzehnten abgezogen, Sozialwohnungen hielten Einzug. Nachdem inzwischen allerdings die festgestellten Kontaminationen weitgehend beseitigt wurden, wird die zentrumsnahe Lage von Treasure Island wirklich zum Schätzchen: inzwischen ist ein Bauboom für exquisite Wohnungen ausgebrochen. Und die Benennung der neuen Straßen trägt sowohl den Träumen als auch der maritimen Lage Rechnung.

Und ein wahrer Schatz, wo wir ihn am wenigsten erwarten: irgendwo hinter dem Container-Wohnpark findet sich in einem Wohngebiet ein Restaurant, aber was für eines. Mit phantasievollen, frisch zubereiteten, modern internationalen Gerichten und wunderbarer Atmosphäre.

Superlecker. Wir lassen den Abend an Bord ausklingen, mit Blick auf die illuminierte Brücke, die von Yerba Buena nach Oakland hinüber führt.

Dahin fahren wir dann auch am nächsten Morgen. Die Containerterminals von Oakland bleiben an Backbord, einmal mehr werden wir an das heimatliche Hamburg erinnert.

Aber der Blick zurück zeigt dann doch eine ganz andere Skyline 😉.

Und während auf der Weiterfahrt zum Inner Harbour auch Oakland mit höherer Bebauung daher kommt, …

… zeigt uns das gegenüber liegende Alameda erst einmal bunte Hausboote und später eine schöne niedrig bebaute Innenstadt mit vielen viktorianischen Gebäuden.

Davon gibt’s leider ebenso wie von Raffi’s Besuch keine Bilder. Raffi’s Wind River ist ein Schwesterschiff der Flora, ebenfalls eine Hallberg-Rassy 43. Wir tauschen uns intensiv über die Boote aus und fahren gemeinsam zum “Candy Shop” – dem großen und gut ausgestatteten Schiffsausrüster “Svendsen” im Industriegebiet von Alameda. Einige Einkäufe erledigen wir dort. Da wir aber die speziellen Pumpen nicht bekommen, die wir gerne als Ersatzteile an Bord hätten, werden wir sie an Raffi’s Adresse liefern lassen. Wir werden ihn also sicher auch noch in Sausalito wieder treffen. Und hoffentlich auch auf dem Weg hinunter nach Mexiko, denn er möchte die Wind River ebenfalls in diesem Winter dorthin segeln.

Und am darauf folgenden Tag gibt’s gleich die nächsten HR-Community-Begegnung. Holly und Curt haben eine HR 42E, sie wohnen in Alameda und besuchen uns auf der Flora. Auch diesmal wird es ein schöner Nachmittag mit viel “Boat-Talk” und einem weiteren Ausflug durch Alamedas Innenstadt und in die Randgebiete, diesmal zu einer Brauerei auf dem ehemals von der Navy genutzten Gelände und zum jetzt musealen Flugzeugträger USS Hornet.

Aus dem Kanal zwischen Alameda und Oakland hinaus geht’s wieder an den Containerriesen vorbei, danach können wir schön segeln.

Kreuz und quer durch die San Francisco Bay führt uns der Kurs wieder unter der Bay Bridge hindurch, diesmal nach Angel Island. Auch hier waren früher US-Streitkräfte stationiert, haben sich aber längst von der Insel zurück gezogen. Die zweite Funktion von Angel Island war es, erst Quarantänestation und dann zentrale Anlaufstelle für die Immigration an der Westküste zu sein, quasi das Pendant zu Ellis Island in New York an der Ostküste. Auch das ist längst Geschichte, an die nur noch das in den Gebäuden untergebrachte Museum erinnert.

Heute ist Angel Island vor allem ein wunderbares Wanderrevier. Ein Netz von Wegen und Pfaden zieht sich über die vergleichsweise steil aufragende Insel, die dadurch wunderbare Ausblicke über die San Francisco Bay und hinüber zur Stadt und zur Golden Gate Bridge bietet.

Skyline von San Francisco mit der Gefängnisinsel Alcatraz davor
Blick hinüber nach Sausalito mit der Richardson Bay
Blick zur Golden Gate Bridge
Blick nach Tiburon und Belvedere
Wilde California Fuchsie
Schwarzwedelhirsch

Die meisten Besucher erreichen Angel Island mit der Fähre, einige auch per Kayak. Für Bootsbesucher wie uns gibt es zwei Möglichkeiten: wir können an den Steg der kleinen Hafenanlage gehen oder zwischen zweien der davor ausliegenden Mooringtonnen festmachen. Am Steg darf man nur tagsüber liegen, an den Bojen auch über Nacht. Fast alles ist jetzt in der Nachsaison frei. Nur leider ist das Bojenfeld in einem so flachen Bereich eingerichtet, dass nur ein einziges Tonnenpaar eine Solltiefe von 2,4 m bietet. Und genau das ist natürlich belegt.

Wir machen also für unsere erste Wanderung am Steg fest, fahren dann abends hinüber und ankern an der Halbinsel Tiburon in der Paradise Cove. Nur um am nächsten Morgen wieder zu kommen und uns das jetzt freie Bojenpaar im Tiefen zu schnappen.

😊

Orcas zum Abschied

Die Chance in British Columbia Orcas zu sehen, ist eigentlich ziemlich groß. Vier verschiedene Populationen gibt es hier. Erstaunlicherweise mischen sie sich nicht, obwohl sich ihre Verbreitungsgebiete überlagern. Sie haben unterschiedliche Verhaltens- und Ernährungsweisen, Forscher haben zudem für die jeweilige Population unterschiedliche Laute und Kommunikationsfolgen bei diesen intelligenten Tieren erkannt und gehen von regelrecht verschiedenen Sprachen aus.

Da sind zum einen die Offshore-Population am Kontinentalschelf vor der Westküste, die sich ausschließlich von Fisch ernährt (unter ihrer Beute finden sich selbst Haie). Die zweite Gruppe bilden die sogenannten „Transients“. Sie ziehen in Küstennähe herum und jagen ganz überwiegend maritime Säugetiere, vor allem Seehunde und Seelöwen, aber auch Delfine und sogar andere Walarten wie zum Beispiel Schweinswale (daher auch die oft reißerisch verwendete Bezeichnung „Killerwal“).

Die dritte und vierte Gruppe bilden die nördlichen und die südlichen „Residents“. Beide Gruppen ernähren sich fast ausschließlich von Lachs. Die beiden Gruppen lassen sich nicht nur geografisch sondern auch genetisch unterscheiden, scheinen sich gegenseitig zu meiden und paaren sich auch nicht miteinander.

Trotz der vier Gruppen: nur insgesamt drei Mal haben wir bisher Orcas gesehen, allerdings jeweils ziemlich kurz und aus großer Entfernung. Es waren vermutlich jeweils Northern Residents.

Jetzt in den Gulf Islands hatten wir ein bisschen auf Southern Residents gehofft, die sich hier häufiger aufhalten sollen. Aber bisher: Fehlanzeige.

Von Saturna Island aus segeln wir nach Portland Island. Als wir ankommen, ist der im Törnführer empfohlene aber ohnehin ziemlich flache Ankerplatz in der Princess Bay bereits gut belegt.

Ist aber kein Problem: nur 500 m weiter um die Ecke herum sieht es laut Seekarte ebenso geschützt aus, sogar etwas tiefer und weiter vom Schwell der vorbei fahrenden Fähren entfernt. Wir probieren es, der Ankergrund ist gut und hier sind wir ganz allein.

Das Beste: zum Dinghydock in der Princess Bay ist es nur ein kurzer Weg, so können wir trotzdem einen schönen Hike auf der unbewohnten Insel machen und uns an den dort wild wachsenden Brombeeren gütlich tun.

Am nächsten Tag motoren wir bei Windstille aus den Gulf Islands hinaus, passieren die kargen Chatham Islands bei mitsetzender Tide …

… und sind damit in der Strait of Juan de Fuca, quasi der südlichen Ausfahrt von BC. Abschiedstour. Hm. Als die Tide kentert biegen wir nach Victoria ab.

Sommer in der Stadt: zwei Tage genießen wir strahlenden Sonnenschein, blauen Himmel und warme 28 Grad. Verglichen mit der Westküste von Vancouver Island ist es hier tatsächlich regelmäßig um einige Grade wärmer.

Wir treffen noch einmal Eliza und Ben. Ben fährt „als Rentnerjob“ im Sommer eines der knuffigen und für Victoria so typischen Hafentaxis. Er macht uns ein wunderbares Abschiedsgeschenk: eine Privattour mit einer der elektrischen Hafenfähren.

Die Route führt vom Liegeplatz an der ikonischen Klappbrücke durch die „Gorge Waters“ mit ihrer bunten Mischung aus Industriehafen, neuem modernen Stadtviertel, Naturbadeanstalten und – weiter den eigentlich nicht wirklich einer Schlucht ähnelnden sondern eher lieblich gewundenen Wasserweg hinauf – auch mit elegant edlen Wassergrundstücken mit Einzelhäusern und Bootsstegen.

Es ist ein herrlicher Einblick in Teile von British Columbias Hauptstadt, die wir bisher noch überhaupt nicht kannten.

Und dann: ist das jetzt ein Wetterfenster? Jedenfalls nutzen wir vorsichtshalber am nächsten Morgen wieder die Tide und fahren die Juan de Fuca weiter hinaus. Mit bis zu 5,5 kn werden wir zwischenzeitlich (zusätzlich zur etwa gleichen Geschwindigkeit durchs Wasser) geschoben, die „Race Passage“ mit dem markanten Leuchtturm auf dem „Great Race Rock“ wird ihrem Namen gerecht.

Auch das ein Geschenk, und die Serie reißt noch nicht ab. Einige Meilen weiter – da hat die Strömung längst wieder auf „nur noch“ zwei Knoten nachgelassen, treffen wir auf einen Clan „Southern Residents“. In mehreren Gruppen ziehen uns die Orcas entgegen. Zunächst sehen wir eine Familie in Ufernähe auftauchen. Wir nehmen den Gang heraus und lassen uns von der Strömung vorbei treiben, aber da kommen uns bereits rechts und links von der Flora weitere Gruppen von Orcas entgegen geschwommen.

Wegen ihrer charakteristischen Rückenflossen, die bei den Männchen schmaler und gerader sind und bis zu 2 m lang werden können, werden sie auch als Schwertwale bezeichnet. In Europa können Segler die Begegnung mit den Orcas leider nicht mehr uneingeschränkt genießen, da es – zunächst vor Spanien, jetzt aber auch an anderen Orten – zu einer Vielzahl von zerstörerischen Angriffen der Orcas auf die Ruder von Segelyachten gekommen ist, mehrere Segelboote sind sogar gesunken. Hatten zunächst auch dort nur wenige Mitglieder einer einzelne Orcafamilie dieses Verhalten gezeigt, hat es sich inzwischen dort weiter verbreitet. Hier in BC und an anderen Orten der Welt (Orcas kommen in allen Weltmeeren vor) zeigen die Schwertwale dieses Verhalten aber (bisher) nicht. Es ist also um so schöner, hier jetzt ohne derartige Befürchtungen so viele dieser wunderschönen Tiere sehen zu können.

Wir sind total geflasht. Was für ein Erlebnis.

Zurück im Wasser, Saturna Island, Rettungsaktion und der Blick in die Sterne

Vor Anker mit Blick auf den 90 km entfernten Mount Baker

Flora schwimmt wieder. Der Wellness-Aufenthalt an Land hat ihr gut getan, das Coppercoat-Unterwasserschiff ist wieder sauber und glatt, der Propeller ist gereinigt und gefettet, die Anoden sind neu, das Ruderlager geschmiert und sogar das von uns selten genutzte Bugstrahlruder quirlt nicht mehr nur das Wasser, sondern schiebt Floras Bug bei Bedarf zur Seite, nachdem die Muschelzucht im Inneren des Tunnels entfernt wurde.

Mit dem “haul out self propelling trailer” wird Flora abgeholt und wieder in ihr eigentliches Bestimmungs-Element gesetzt.

Einen Tag später als ursprünglich geplant, weil zwar die ersetzten drei Borddurchlässe und Seeventile rechtzeitig drin waren, aber auch noch ein Seewasserfilter gewechselt werden musste. Das gestaltete sich tricky: die originalen (europäischen) Seewasserfilter sitzen direkt auf den Seeventilen. Das ist sehr kompakt, bewirkt aber auch einen relativ großen Hebel etwa beim Öffnen eines festsitzenden Deckels. Angeblich aus diesem Grund ist das nordamerikanische System anders: vom Seeventil führt ein Schlauch zu dem senkrecht an einer Wand montierten Seewasserfilter. Der Filter selbst ist zudem auch um einiges größer. Es wird deutlich mehr Platz benötigt. Ein europäischer Filter ist natürlich nicht vorrätig oder kurzfristig zu beschaffen. Den Vorschlag der Montage des großen amerikanischen Filters am Schott zwischen Motorraum und Salon muss ich ablehnen, dort würde er mich beim Wechsel des Impellers zu sehr behindern. Wir einigen uns auf eine Montage an einer Halterung auf einem Stringer, die muss aber erst gebaut werden.

Größenvergleich. Der nordamerikanische Filter steht hier noch verkehrt herum.
Eingebaut. Ganz schön eng, aber es geht.

Nach den Verprovierungseinkäufen (im Costco Großmarkt, frisch vom Feld an einem Straßenstand mit Geldeinwürfen wie in Dänemark und im normalen Supermarkt) sind wir startklar. Wir ziehen wieder aufs Boot. Von Melanie und Chris müssen wir uns trotzdem noch nicht gleich verabschieden, SolarCoaster und Flora laufen zu einem gemeinsamen Wochenende in den Gulf Islands aus. Wochenende zur Hauptsaison, da sind die meisten schönen Ankerbuchten der direkt an die US-amerikanischen San Juan Islands angrenzenden Inselgruppe gut besucht. Aber unsere Gastgeber wissen in ihrem Heimatrevier Abhilfe: der Anker fällt im äußersten Osten des Archipels, in der Narvaez Bay auf Saturna Island.

Den Ankerplatz mit Blick auf den von Gletschern bedeckten und weit drüben am Festland gelegenen Vulkanberg haben wir zunächst ganz für uns allein, erst kurz vor Sonnenuntergang kommen noch zwei kleine Motorboote dazu.

Es ist die Nacht mit dem Höhepunkt des Perseiden-Schauers. Chris als begeisterter Nacht-Fotograf kann sich das natürlich nicht entgehen lassen. Das ist klasse, denn so bekomme ich eine Einweisung in die Grundlagen und kann meine neue Kamera (eine Sony RX 10 IV) entsprechend voreinstellen, um unsere Ankerlieger und den Sternenhimmel abzulichten.

Melanie nimmt Chris und mich auf und fängt damit die Stimmung wunderbar ein:

Und hier ein Ergebnis von Chris:

Die Mehrzahl der Meteoriten zeigt sich aber erst am frühen Morgen. Dass Wiebke und ich auch zu dieser Zeit wieder einige Sternschnuppen zu sehen bekommen, liegt an unserem Motorboot-Nachbar. Kurz vor drei Uhr nachts frischt der Wind kräftig auf. Wiebke schaut nach, ob alles in Ordnung ist und ruft mich dann nach draußen. Unser Nachbar driftet in 20 m Entfernung an uns vorbei Richtung offenes Meer. Sein Anker hält nicht.

Wiebke gibt Schallsignale und ich springe ins Dinghy, fahre hinüber und klopfe am Rumpf, bis der Eigner aufwacht und ein neues Ankermanöver fährt.

Danach sind wir erstmal hellwach, außerdem wollen wir schauen, ob sein ziemlich kleiner Anker (mit kurzem Kettenvorlauf und dann Leine) jetzt besser hält. Also legen wir uns aufs Vorschiff und beobachten in der wunderbar lauen Sommernacht noch einmal den Sternenhimmel.

Die Milchstraße direkt über dem Masttop

Am nächsten Tag (Sonntag) machen wir einen größeren Hike. Saturna bietet mehrere schöne Trails, wir entscheiden uns für die Wanderung hoch auf den Bergrücken und am westlichen Cliff entlang zum rund 400 Meter hohen Mount Warburton Pike. Das sind zwar rund 15 km, aber die Ausblicke auf dieser Strecke sind fantastisch. Nachdem der Aufstieg geschafft ist geht’s hoch über dem Meer auf Ziegenpfaden mal durch den Wald, mal am steilen Abhang entlang. Gulf Islands und San Juan Islands liegen uns zu Füßen, der Blick geht hinüber bis Vancouver Island und Mount Olympia. Nebenbei können wir auch gut erkennen, wie lokal die Wind- und Strömungsfelder in der Inselgruppe sind, die das Segeln hier trotz der kurzen Entfernungen so spannend und anspruchsvoll machen.

Zurück bei den Booten (etwa 24.000 Schritte Training für die Seglerbeine) heißt es dann wirklich Abschied nehmen von unseren Freunden. Chris und Melanie segeln nach Hause, wir dagegen bleiben noch etwas in den Gulf Islands und bereiten uns auf den langen Schlag nach San Francisco vor.

Danke für alles, Ihr Lieben.