Die Zeit vergeht. Nicht ereignislos, aber doch sehr unaufgeregt. Wir wechseln je nach Wind die Ankerplätze, sind in uns zumeist schon vertrauten schönen Buchten. Bauen auf dem Vorschiff die Hängematte auf und lassen die Seele baumeln. Schnorcheln ausgiebig, angeln, fahren mit unserem Kayak, machen Spaziergänge am Strand, genießen die spektakulären Sonnenuntergänge. Kurz, wir trödeln wunderbar herum.
Und ganz nebenbei umrunden wir die Isla Espiritu Santo und die Isla Partida erneut, dieses Mal im Uhrzeigersinn, sehen dabei wieder springende Rochen und dieses Mal auch viele Delfine.
Am Ende der Woche geht’s dann doch wieder Richtung La Paz, damit wir das eingetroffene Ersatzteil für die Windmessanlage im Masttop schon mal abholen können. Außerdem wollen wir gerne Jeanette und Jeroen (Fidelis) noch treffen, bevor sie zu den Marquesas aufbrechen.
Auf dem Weg durch das schmale betonnte Fahrwasser erleben wir an der Öl-Verladestation der PEMEX eine Überraschung. Ausnahmsweise liegt kein Öltanker an der Pier, stattdessen aber kommt uns im Tonnenstrich ein Buckelwal entgegen:
Eine zweite nette Überraschung: Die Fidelis-Crew will mit dem Aufbruch noch etwas warten. So können wir noch Zeit miteinander verbringen und vielleicht sogar gemeinsam den ersten Abschnitt Richtung Französisch Polynesien in Angriff nehmen, uns jedenfalls aber auch über die Wetterfenster und die beste Route intensiv austauschen.
Stadt bedeutet natürlich auch wieder Einkaufen, Trinkwasser kannisterweise vom Dinghysteg holen, aber auch einen schönen Restaurantbesuch und Spieleabende mit Jeanette und Jeroen.
Und sonst: beschäftigen wir uns zum Beispiel mit Nähen oder Bootsarbeiten wie der Kontrolle der elektrischen Verbindungen unserer Kühlkompressoren, die in den Tiefen unter den Bodenbrettern des Stauraums im Küchenblock eingebaut sind.
Manchmal kommen Nähen und Bootsarbeit auch gleich zusammen, wie bei der (klettbaren) Fensterabdeckung, die dafür sorgen soll, dass die flexibel einsetzbaren zusätzlichen Solarpanele auch bei einem Regenschauer hängen bleiben können.
Hier in Mexiko wäre das eigentlich nicht erforderlich, wir haben in der Sea of Cortez noch keinen einzigen kräftigen Regenschauer erlebt.
In Französisch Polynesien wird das aber ganz anders sein, da kann etwas Vorbereitung nicht schaden.
Fast schon vorauszusehen: die Lieferung des Ersatzteils für den Wassermacher verzögert sich. Ursprünglich sollte sie bis Freitag Abend in Los Angeles ankommen sein, dann wäre sie am nächsten Mittwoch in La Paz gewesen. Aktuell ist die Lieferung für Montag nach Los Angeles terminiert, was für Mexiko dann circa eine Woche Verspätung bedeuten würde. Wir wären immer noch sehr froh, wenn das so klappen würde.
Ein bisschen mehr Zeit hier in der Sea of Cortez Mexiko ist ganz sicher keine Strafe. Und trotzdem: es juckt, wir würden gerne Richtung Französisch Polynesien aufbrechen. Das lässt sich ganz leicht schon daran ablesen, dass wir unsere Sprachlern-Programme bei Duolingo von Spanisch auf Französisch umgestellt haben und schon wieder fleißig üben.
😚
Aber erst einmal wird noch Spanisch benötigt. Abseits der touristischen Läden wird in der Geschäften ausschließlich Spanisch gesprochen. So auch in dem großen Stoffladen, in dem sich Wiebke (mangels Wollnachschub 🤪) mit Grundmaterial für die nächsten Monate versorgt. Oder in dem Gewürzladen, über den wir eher zufällig stolpern, weil der Geruch uns im Vorbeigehen quasi einfängt. In den großen Supermärkten haben wir leider weder Anis noch Fenchel gefunden, beides hätten wir aber gern, insbesondere für unser selbst gemachtes Brotgewürz. Hier in dem urigen Laden ist beides vorrätig und wird aus großen Behältern in der gewünschten Menge abgefüllt.
Wir lassen uns noch ein bisschen durch die Stadt treiben, finden den englischen Buchladen und kaufen einen Fischführer für den Pazifik, bummeln herum.
Nach dem immer noch nachwirkenden imposanten Walhai-Erlebnis zieht es uns dann aber doch aus dem quirligen Ankerplatz an der Stadt heraus und wieder in die Natur der Inseln der Bahía de La Paz.
Was für ein Unterschied. Trotz Wochenende haben wir den traumhaften Ankerplatz der Caleta Lobos ganz für uns allein.
Wiebke macht Yoga am einsamen Sandstrand, ich bade derweil erfolglos Köder an der Angelleine.
Auch in der nächsten Bucht sind wir wieder der einzige Ankerlieger. Ausgiebig erkunden wir bei traumhaftem Wetter und spiegelglattem Wasser mit dem Kayak die Ensenada del Gallo, die Hahnenbucht.
Vorgelagert sind die beiden kleinen Felseninseln Gallina (Henne) und Gallo (Hahn). Der Hahnenkamm aus Kakteen hat allerdings eine weiße Färbung angenommen:
Wir vermuten die zahlreich über der Isla Gallo kreisenden Truthahngeier als Verursacher der weißgetünchten Kakteen, denn die ebenfalls zahlreichen Seevögel wie Möven, Seeschwalben oder Boobies haben wir noch nie auf den Kakteen sitzen sehen. Und die großen Braunpelikane kommen dafür wohl auch nicht in Frage.
Die wunderbare Landschaft und die traumhaften Farben des klaren Wassers vom tiefen Blau bis zum hellen Türkis vor den leeren Sandstränden, die unzähligen felsigen Einschnitte in die unbewohnten Inseln dieses Naturschutzgebietes, die Sea of Cortez präsentiert sich einmal mehr als faszinierendes Segelrevier.
Und das gilt selbst, wenn sich der Himmel ausnahmsweise mal ein bisschen mit Wolken schmückt und die Farben nur gelegentlich aufleuchten lässt, wie heute hier in der Ensenada Grande auf Isla Partida mit ihrer unverkennbaren Felsformation:
Zum Sonnenuntergang scheinen die Farben die tagsüber eingesparte Intensität dann nachholen zu wollen; der Himmel brennt.
Die Teile für die Reparatur des Watermakers und ein Ersatzteil für die Windmessanlage sind bestellt, aber es wird wohl einige Zeit dauern, bis sie hier in La Paz eintrudeln. Was machen wir in der Zwischenzeit?
Wir schwärmen ja ohnehin von der Natur über und unter Wasser hier in der Sea of Cortez. Die zauberhafte Landschaft, na klar, aber eben auch die Tierwelt, seien es nun die Blue Footed Boobies, die verspielten Seelöwen oder die springenden Mobula-Mantas oder, oder, oder. Und es gibt noch eine ganz besondere Tierart, die hier in der Sea of Cortez eines ihrer nördlichsten Verbreitungsgebiete hat, die wir aber bisher nicht zu Gesicht bekommen haben.
Walhaie.
Diese größte Haiart der Gegenwart ist regelmäßig ganz nahe bei La Paz anzutreffen. Allerdings kann das für sie eingerichtete Schutzgebiet nicht mit dem eigenen Boot oder Dinghy befahren werden, nur lizensierte Tourboote dürfen hinein.
Wir schwanken zwischen “Hm, ist das Touristen-Nepp?” und “Schutz ist gut und es unterstützt die lokale Wirtschaft”. Am Ende siegt die Neugier auf die sanften Riesen.
Die Preise für die Walhai-Touren sind bei den einzelnen Anbietern sehr unterschiedlich, wir sehen zwischen 125 US$ direkt an der Marina und sehr viel moderateren 75 US$ in einer kleinen Hütte direkt an der Uferpromenade Malecon. Außerdem bekommen die Tour-Veranstalter “Slots”, also Zeitfenster zugeteilt. An der Walhai-Staue vorbei schlendern wir über den Malecon und vergleichen.
Schlussendlich wählen wir den Guide, der uns zu einem vernünftigen Preis eine Tour früh am nächsten Morgen anbieten kann, denn da verspricht das Wetter (und die Wasseroberfläche) besonders ruhig zu sein. Gut für die Beobachtung der dicht unter der Oberfläche schwimmenden Tiburón Ballena / Whale Sharks.
Mit dem nur von einem Bimini überdeckten und ansonsten offenen Boot geht’s hinaus. Nicht sehr weit, nur direkt vor die etwa 10 km lange Halbinsel, hinter der unsere Flora vor Anker liegt. Auf dem Weg entdeckt das geschulte Auge unseres Guides schon einige Walhaie, die wir ohne seinen Hinweis trotz des fast glatten Wasser wahrscheinlich übersehen hätten. Na klar, es gibt keinen verräterischen Blas wie bei Walen. Und nur manchmal ragen die eher runde Rückenflosse oder die Spitze der Schwanzflosse aus dem Wasser. Oft sieht man nur ein Verwirbelung im Wasser, manchmal auch die Stirn ein wenig herauskommen. Nur dann oder bei sehr klarem Wasser bzw. aus unmittelbarer Nähe kann man auch vom Boot aus die charakteristische Zeichnung auf der dicken Haut des Fisches erkennen. Das wunderschöne Muster von in Streifen angeordneten hellen Punkten auf dunklem Grund erinnert ein bisschen an einen Sternenhimmel.
Und dann hält das Boot an, wir dürfen ins Wasser. Maximal fünf Personen gleichzeitig (plus Guide), wir wechseln uns in drei Gruppen a vier Leute ab, wobei jeder mehrfach ins Wasser darf und wir zwischendurch öfter eine kurze Strecke zu einem anderen Walhai gefahren werden. Jedesmal allerdings haben wir den Walhai “für uns”, kein anderes Tourboot ist in der Nähe. Wir haben von Freunden gehört, dass das bei ihrer Tour ganz anders war.
Walhaie werden bis zu 14 m lang und können über 12 Tonnen wiegen (das entspricht beides in etwa unserer Flora). Manche Quellen gehen von sogar noch größeren Walhaien bis zu 18 m Länge aus. Biologisch gehören sie zu den Haien, sind also Fische. Mit den Walen verbindet sie aber nicht nur die schiere Größe. Anders als viele andere Haiarten ernähren sie sich nämlich wie die großen Bartenwale durch Filtrieren des eingesaugten Wasser. Mehrere Hundert Kubikmeter Wasser seiht ein Walhai dabei pro Stunde durch. Mit geöffnetem Maul schwimmt er ganz langsam durch das Meer und lässt das Wasser durch die riesigen Kiemenschlitze wieder ausströmen. Vor allem Plankton, außerdem ganz kleine Fische oder Krebstiere und auch Algen wie etwa Sargassum stehen auf dem Speiseplan. Größere Lebewesen (und insbesondere Menschen) sind dagegen völlig ungefährdet, als Nahrung der Walhaie zu enden. Wir können den Schnorchelgang also genießen, Respekt insbesondere vor der riesigen kraftvollen Schwanzflosse ist aber geboten.
Wie elegant der Walhai bei seinem gemächlichen Schwimmen wirkt, zeigen die beiden Videos vielleicht am Besten (auch wenn ich sie für den Blog etwas komprimiert habe):
Das kleine Symbol unten links im zweiten Video zeigt übrigens, dass ich die Videos mit der kostenlosen App “Dive+” farblich korrigiert habe, um den Farbfehler de4 Unterwasseraufnahmen auszugleichen.
Und ja, das Wasser ist hier nicht super klar. Viele der Schwebstoffe sind aber ja gerade die Nahrung, die den Walhai hierher in die Sea of Cortez locken.
Das Auge ist ganz links vom Maul zu sehen, der helle Punkt weiter oben ist ein Nasenloch (mit Bartel) 😉.Fünf riesige Kiemenspalten auf jeder Seite des Kopfes.Remora Schiffshalterfisch auf dem gepunkteten Walhai-Rücken. Die Schnorchlerin zeigt, wie klein wir Menschen daneben wirken.Der obere Teil der Schwanzflosse schaut gelegentlich aus dem Wasser.
Langfahrtsegeln bedeutet, sein Boot an den schönsten Ankerplätzen der Welt zu reparieren. Oder auf Englisch noch knackiger formuliert: Cruising is boatwork in exotic places.
So geht’s uns jetzt hier in der malerisch Ensenada de la Partida. Gerade noch genießen wir die Gemeinschaft der Cruiser, die sich hier eingefunden haben. Potluck am Strand, am nächsten Abend auf der “Dos Peces” von Vicky und Kevin, am Tag darauf Sundowner auf der Talion, außerdem organisiert die unermüdliche Heidi von der “Sonho” Aktivitäten wie die Dinghyfahrt zu den Höhlen an der Westseite der Insel, es gibt morgendliche Yogatreffen am Strand und einiges mehr.
Außerdem erleben wir tolle Sonnenuntergänge …
… und die Sturzflug-Orgie der Pelikane und Boobies zur Dämmerung, wenn sie auf der Jagd nach den jetzt offenbar aufsteigenden Fischen in großer Zahl und immer wieder kopfüber ins Wasser stoßen. Was für ein Spektakel.
Na klar, zwischendurch steht auch Bootsarbeit an. Ich wühle unsere Tauchsachen hervor und schrubbe das Unterwasserschiff bis zum Kiel. Jetzt sehe ich auch, worauf die Pelikane und Boobies so scharf sind. Ein großer Schwarm von etwa 25 cm langen jungen Hornhechten (“Needlefish”) mit ihrem schnabelartig verlängerten spitzen Maul sucht Schutz im Schatten der Flora.
Nach der anstrengenden Putzaktion dann mit der Restluft der Tauchflasche noch kurz den Propeller der neben uns ankernden “Fidelis” gecheckt und ein bisschen poliert. Jeroen füllt mit seinem Kompressor meine Tauchflasche gleich wieder auf, klasse. Abends spielen wir auf der Fidelis “Mexican Train Domino”. Der Wassermacher auf der Fidelis mackelt und ihre Trinkwasservorräte werden knapper, also machen wir ein bisschen mehr Wasser und bringen es ihnen hinüber. Nur: dabei springt irgendwann unsere automatische Bilgepumpe an.
Hm, das ist kein gutes Zeichen. Kurzer Check: Salzwasser in der Bilge (dem tiefsten Bereich im Inneren des Bootes). Wir suchen nach der Ursache und – wenig überraschend bei dem zeitlichen Zusammenhang – es ist der Wassermacher. Der bereitet zwar weiterhin gutes Frischwasser aus dem Seewasser, flutet dabei aber auch unser Bootsinneres mit Salzbrühe. Die läuft dann vom Wassermacher unter unserer Koje an der Bordwand hinunter in die Bilge. Zu unserem Glück wird dabei nur die seit dem Mittelmeer dort eingelagerte Gangway nass, die anderen dort gestauten Sachen sind allerdings ohnehin überwiegend in Vakuumbeuteln geschützt. Außer unserem Ersatzvorsegel. Das ist zwar trocken geblieben, kommt aber jetzt trotzdem auf die Rollanlage. Der Grund dafür ist, dass wir auf der Passage nach Französisch Polynesien lieber wieder die alte Fock aufziehen möchten. Nicht um die neue Fock mit ihren 4 kurzen senkrechten Latten zu schonen, sondern weil die alte eben keine Latten hat. Am Wind sind die Latten gut, aber (jedenfalls bei uns) führen sie auf Vormwindkurs mit ausgebauter Fock zu einer blöden Falte am Ende der Latten. Kein guter Stand und wohl auch eine ziemliche Belastung für das Segel auf einer langen Strecke. Die Falte konnten wir bisher nicht vollständig weg trimmen, daher war der Wechsel auf die alte Fock für die Passage ohnehin vorgesehen. Und wo wir den Stauraum unter unserem Bett jetzt sowieso leer machen müssen…
Eigentlich wollten wir nach den schönen Tagen hier in der Bucht mal wieder weiter segeln, aber, na ja, eben nur eigentlich.
Statt dessen wird eben unser größter Stauraum an Bord leer gemacht und das Boot damit ins Chaos gestürzt. Der Wassermacher ausgebaut, die widerspenstige Endkappe der Membranhülle mit viel Überredungskunst (und einigen Flüchen) tatsächlich doch ausgebaut. Die Leitungen werden durchgeblasen, sie sind nicht verstopft.
Das Salzwasser leckt aus dieser Kappe, allerdings an der für uns nicht auf Anhieb erklärlichen Stelle, nämlich am Produktwasserauslass entlang. Laut Troubleshooting der Bedienungsanleitung ist die wahrscheinlichste Ursache dafür ein verschlissener O-Ring in der Abdichtung. Zum Glück haben wir das Dichtungs-Set des Wassermacherherstellers als Ersatz an Bord.
Der Produktwasserauslass hat keine O-Ringe, aber sicherheitshalber erneuern wir die Teflonband-Wicklungen auf dem eingeschraubten Gewinde. Vom Fitting sind die alten Reste leicht zu entfernen, aus dem Inneren des Endstopfens dafür um so schwieriger.
Der erste Tag ist um. Leckere Zitronen-Kokos-Küchlein aus dem Bordbackofen gegen den Frust.
Der nächste Morgen: der große O-Ring außen am Endstopfen wird ersetzt, erst ohne, dann mit Vaseline eingesetzt, zwischendurch der Wassermacher jedes Mal wieder zusammengesetzt, eingebaut und ausprobiert: leckt immer noch. Der innere O-Ring im Endstopfen ist eigentlich unverdächtig, schließlich müssten wir sonst Salzwasser im Produktwasser haben. Aber auch der wird getauscht. Neuer Einbau, gleiches Ergebnis.
Den Hochdruck-Auslass für den Auslass der Salzlake bekomme ich nicht ab, weil ich den Endstopfen auf der Flora nicht vernünftig (beschädigungsfrei) einspannen kann. Aber Alex von der “Chandelle” kann helfen, gemeinsam bekommen wir dieses Fitting gelöst. Auch hier wird der O-Ring getauscht. Neuer Einbau, gleiches Ergebnis.
Wieder raus. Vielleicht hat sich innen etwas versteckt, was wir bei der Reinigung übersehen haben. Nochmal checken. Nein. Aber da, im Durchfluss der Salzlake durch den Endstopfen, direkt am Gewinde des Hochdruck-Auslasses, entdecken wir zwei klitzekleine Haarrisse.
Grr. Die verhindern die Abdichtung, das Salzwasser der Lake läuft an dem Gewinde durch und sucht sich dann den Weg des geringsten Widerstands unter der Metall-Abschlussplatte hindurch zum Loch für den Produktwasserauslass. So jedenfalls reimen wir uns das zusammen. Gemein, denn das wohl bedeutet, dass wir einen neuen Endstopfen benötigen. Der wird hier in Mexiko vielleicht nicht ganz so leicht zu beschaffen sein. Teile werden meist über San Diego bestellt, das kann dauern. Na ja, mal sehen, immerhin gibt es in La Paz einen Wassermacher-Servicebetrieb. Es könnte allerdings sein, dass wir unsere Abfahrt Richtung Französisch Polynesien doch noch wieder auf etwas später verschieben müssen.
Egal, definitiv besser jetzt und hier einen solchen Schaden feststellen als unterwegs auf der Passage!
Wir verabschieden uns jedenfalls aus der (immer noch wunderschönen) Ensenada de la Partida und machen uns auf Richtung La Paz.
Unterwegs heitern uns springende Mobula-Mantas auf:
Und ohnehin: es ist herrliches Segeln in diesem wunderbaren Revier. Da kann man doch ruhig noch etwas länger bleiben …
Es ist noch nicht der Aufbruch nach Französisch Polynesien, aber wir müssen doch mal wieder raus aus La Paz, raus aus der Stadt. Irgendwo hin, wo das Wasser klar ist. Dann kann der Wassermacher wieder laufen und den Tank füllen. Außerdem braucht das Unterwasserschiff nochmal Zuwendung: das Schaufelrad der Logge dreht sich nicht mehr, ein ziemlich sicheres Zeichen dass sich da doch schon wieder einiges angesetzt hat.
Allerdings sind für die nächste Nacht relativ kräftige Coromuel-Winde angesagt. Das ist ein lokales Wetterphänomen in der Bahía de la Paz, das sich immer wieder zwischen die um diese Jahreszeit eigentlich vorherrschenden Norder schiebt. Frische, zumeist nächtliche Winde aus westlichen Richtungen blasen dann über die Bucht vor La Paz. Sie lassen die Bedingungen an vielen Ankerplätzen ungemütlich werden, weil die Buchten zumeist eben nach Westen offen sind.
Wir entscheiden uns deswegen für die Bahía Bonanza an der Ostseite der Isla Espíritu Santo. Zwar hält sich der Wind nicht ganz an die Vorhersage und bläst in der Nacht aus Süd-Südwest, aber die große Bucht bietet trotzdem einen einigermaßen akzeptablen Schutz. Nach einer ersten intensiven Schrupp-Aktion am Unterwasserschiff machen wir einen ausgiebigen Strandspaziergang. Bonanza bietet nämlich nicht nur Schutz vor Coromuel, sondern wartet auch mit dem formidablen “2-Mile-Beach” auf. Ein wunderbarer Sandstrand, der sich eben über fast 4 Kilometer an der weiten Bucht entlangzieht. Jeanette und Jeroen ankern mit ihrer Fidelis neben uns und holen uns mit dem Dinghy ab.
Es ist allerbestes Beachcombing: die Füße werden vom feinen Sandstrand verwöhnt, aber an der Hochwasserlinie haben sich in einem breiten Streifen Muscheln, See-Schnecken und Korallenreste abgelagert und laden zur Schatzsuche ein:
Aber auch im Sand finden wir Interessantes. Etwa dieses Kugelfisch-Skelett. Auch wenn es optisch an ein Glücksschweinchen erinnert, hatte der Fisch wahrscheinlich eher Pech und wurde von Brandung auf den Strand gespült.
Ebenfalls bedrückend, aber auch das ist Natur: die Überreste einer Lederschildkröte, der heute größten Schildkrötenart. Diese Tiere nutzen diesen abgelegenen Strand während der Saison zwischen Oktober und Februar auch zur Eiablage. Wir sehen ein eingezäuntes Gelege. Von November bis März können die Kleinen schlüpfen.
Zwischendurch beobachten wir die Braunpelikane in der Brandungszone, mal scheinbar mühelos gerade so eben über dem Wasser dahingleitend (wo ihre Flügel durch den Bodeneffekt eine deutlich höhere Tragkraft entfalten), mal wie ein Pfeil hinabtauchend, dann wieder friedlich ausruhend.
Sie beeindrucken durch ihre fliegerische Eleganz, aber auch durch ihre schiere Größe. Rund zwei Meter Flügelspannweite, aber auch die Fußspuren am Strand neben meinen machen ihre Dimension deutlich:
Also wir wieder bei Fidelis’ Dinghy ankommen, sind inzwischen auch die Nomad und die Joy in der Bahía Bonanza vor Anker gegangen, wir freuen uns über das Wiedersehen.
Trotzdem segeln wir am nächsten Tag gemeinsam mit der Fidelis weiter, diesmal an der Ostseite der Isla Espíritu Santo hinauf und um die Nordspitze der Isla Partida herum.
Es ist faszinierend, wie die von West nach Ost ansteigenden Inseln hier fast senkrecht zum Teil mehrere hundert Meter hoch ins Meer abfallen.
Nachdem für heute kein Coromuel-Wind, dafür aber zunehmender Nordwind angekündigt ist, gehen die Flora und die Fidelis an der Westseite von Partida vor Anker. Diese Idee hatten offenbar auch andere, einige Boote sind schon da und weitere kommen noch dazu. Aber die Ensenada de la Partida bietet viel Platz und auch hier treffen wir Bekannte: Lynn und Hugh von der Happy kommen gleich vorbei und laden uns zum Cruiser-Treffen am Strand ein:
Die Sea of Cortez ist für ihre reiche Unterwasserwelt bekannt. Neben der Erkundung der wunderbaren Landschaft über Wasser hatte ich deshalb die heimliche Hoffnung, wir könnten vielleicht Manta-Rochen zu Gesicht bekommen. Tatsächlich hatten wir schon ein paar Mal einzelne Rochen aus dem Wasser springen sehen, wenn auch in großer Entfernung. Jetzt aber haben wir richtig Glück: bei einer Dinghyrunde am Ankerplatz in der Caleta El Candelero springen nahe bei uns immer wieder Mantas meterhoch aus dem Wasser, schlagen mit ihren “Flügeln”, machen teilweise sogar Salti. Und dann klatschen sie bäuchlings wieder auf das Wasser. Was für ein Spektakel.
Dabei hatten auch die Hikes an unseren beiden letzten Ankerplätzen uns ganz wunderschöne Naturerlebnisse beschert.
In der Ensenada Grande auf Isla Partida beeindruckt schon die Uferformation (wir taufen sie die verschleierten Frauen).
An Land führt dann ein Hike ein weitgehend trockenes Bachbett hinauf. In einigen schattigen Senken finden sich auch noch feuchte Stellen und insgesamt zeigt sich viel Grün in diesem schmalen Tal. Das findet auch die Tierwelt klasse, wir entdecken ein endemisches Espíritu-Santo-Antilopenziesel, Queen-Schmetterlinge beim Hochzeitstanz und die wunderschönen Blue-Rock-Lizzards.
Auch die Wanderung selbst gefällt uns sehr, flachere Abschnitte wechseln sich mit Kletterpartien über die Steine und Felsbrocken im Bachbett ab.
Der Ankerplatz ist super. Morgens und Abends haben wir ihn fast für uns allein, tagsüber allerdings bringen Pangas viele Tagesgäste zu den drei Stränden der großen Bucht. Kein Wunder, denn auch schnorcheln lässt sich hier ganz gut. Neben Perlenkofferfischen, Falterfischen und vielen anderen fallen ganz besonders die knallgelben Zitronen-Kugelfische ins Auge.
An Silvester zieht es uns ein paar Buchten weiter südlich, wir verholen in die Caleta El Candelero auf Espiritu Santo. Diese Bucht wird durch eine markante Felseninsel in der Mitte geprägt.
Ebenfalls toll zum Schnorcheln, außerdem erfreuen uns hier eben die springenden Rochen. Und der (kurze) Hike führt an der kleinen Lagune vorbei durch eine seltsam ausgewaschene Sandstein-Landschaft mit vielen kleinen Überständen, Halbhöhlen und Höhlen.
Was für ein Tag. Und er ist ja noch nicht zu Ende, wir feiern zu viert an Bord der Flora Silvester, einschließlich Tanz auf dem Achterschiff und kleinem Feuerwerk auf einem der zahlreichen Motorboote, die wohl von La Paz für einen Silvesterausflug in die Bucht gekommen sind.
Am Neujahrsmorgen sind sie alle wieder verschwunden, dafür findet sich ein junger Seelöwe ein. Er spielt den ganzen Vormittag lang um die Flora herum, springt gelegentlich aus dem Wasser und scheint die kleinen Schwarmfische eher zusammenzutreiben wie ein Hütehund eine Herde. Es sieht mehr nach einem Spiel als nach einer echten Jagd aus, einzelne Fische treibt er wieder zum Schwarm zurück. Das wird besonders deutlich sichtbar, als wir schließlich zu ihm ins Wasser steigen. Irritieren lässt er sich von uns nicht, scheint eher mit uns zu tanzen, dreht Pirouetten und schraubt sich um uns herum.
Wir wünschen Euch allen einen wunderbaren Start in das Jahr 2024!
Es gibt eine Vielzahl wunderbarer Ankerplätze hier. Mit sehr unterschiedlichen Vorzügen. Von San Evaristo, dem kleinen Fischerdorf auf der Baja California, erhoffen wir uns eigentlich vor allem einen Besuch in dem nett beschriebenen Mini-Restaurant am Strand. Aber – Pech – das hat leider nicht geöffnet. Ob es an der Zeit “zwischen den Jahren” liegt oder am Feiertag “Día de los Santos Inocentes”? Wie auch immer, der ganze Ort wirkt fast wie ausgestorben, kaum ein Mensch ist zu sehen.
Der Strand ist leer, die Außenbordmotoren der meisten, hoch auf den Strand gezogenen Pangas sind abgedeckt. Die Kreuzung der beiden Sandstraßen, die zugleich Bolzplatz ist: vollkommen verwaist.
Ein bisschen seltsam wirkt, dass viele Grundstücke mit Stacheldrahtzäunen umgeben sind. Stacheldraht um die Kakteen – irgendwie skurril. Der sumpfige Brackwasserteich hinter der ersten Häuserreihe ist auch nicht dazu angetan, für eine heimelige Atmosphäre zu sorgen.
Unser Spaziergang durch den Ort bleibt dann doch eher kurz. Schade, denn der Ankerplatz selbst ist wieder richtig schön und bietet auch guten Schutz gegen den Nordwind. Wir kayaken bzw. nutzen das SUP und auch das Schnorcheln ist gut.
Es geht ein bisschen hin und her. Nach ein paar Tage mit Jan auf der Isla Partida fahren wir schon wieder nach La Paz. Noch mal ein Supermarkt-Großeinkauf. Und dann, fast schon um Mitternacht, holen wir Catalina am Dinghydock in der Marina ab. Damit ist die Crew der Flora für die Mexiko-Weihnachten komplett, es ist die gleiche wie vor zwei Jahren auf der Atlantikseite.
😊
Freudige Begrüßungsfeier, also lichten wir am nächsten Tag erst gegen Mittag den Anker. Es ist wenig Wind, aber mit dem Code0 können wir (wenn auch eher gemütlich) schön segeln.
So schaffen wir es bis zur Bahía El Empachado auf der Isla Espiritu Santo. Dort liegt schon die Wind River, wir laden mit Raffi und Kristen zu Fisch- und Hähnchen-Tacos auf die Flora ein. Es wird ein schöner Abend und die beiden Schwesterschiffe geben auch ein tolles Bild am Ankerplatz ab:
Und über dem Sandgrund im klaren Wasser scheint die Flora regelrecht zu schweben.
Wir möchten an Heiligabend dann noch ein Stückchen weiter nach Norden. Der Wind frischt zwar zunehmend bis über 20 kn auf, aber immerhin können wir die Isla San Francisco hoch am Wind fast anlegen. Nur das letzte Stück in die vor dem steifen Nord wunderbar geschützte halbmondförmige Ankerbucht motoren wir dann doch, denn durch den Canal de San José bläst es noch stärker hinunter. Ein AIS-Signal ist nicht zu entdecken, aber vier Boote liegen bereits in der Bucht, als wir einlaufen. Und wieder gibt’s ein unabgesprochenes Treffen mit befreundeten Crews: mit Doris und Wolf von der Nomad sowie Adriane und Michiel von der Joy treffen wir uns gleich zum Heiligabend-Sundowner am Strand.
Der Hike auf den Bergrücken im Osten der Bucht wird uns sehr nachdrücklich ans Herz gelegt.
Am ersten Weihnachtstag verziehen sich dann gegen Mittag die Wolken und wir machen uns auf. Am Strand entlang und dann durch die natürliche Salzpfanne der Landenge geht es auf einem Trampelpfad hinüber zu der Hügelkette.
Dann durch ein trockenes Bachbett etwas bergan bis zum hier noch recht niedrigen Grat. Und dann folgt unser kleines Weihnachtswunder: der Pfad folgt dem ansteigenden Grat, es wird die spektakulärste Wanderung, die wir bisher in Mexiko gemacht haben.
Es gibt tolle Ausblicke, aus dem Wandern auf dem Pfad wird Klettern, immer oben am Grat entlang, hoch über Floras Ankerplatz.
Kleiner Nebeneffekt: die Drohne hat eine um einiges erhöhte Starthöhe 😉.
Am Südende der Isla San Francisco können wir dann wieder zum Strand hinunter klettern.
Kneif mich mal. Die Baja California überrascht uns immer wieder. So auch an unserem ersten Stop in der Sea of Cortez.
Was ist das denn für ein Ankerplatz? Mit diesen Farben und einer Kulisse vom Feinsten. Klares Wasser, traumhafter Sandstrand, eine Lagune mit Mangroven und die Gebirgskette unmittelbar dahinter.
Nur zwei andere Segler sind da, einer davon läuft aber kurz nach unserer Ankunft aus. Wir nutzen das und verholen Flora noch näher zum Strand.
Die innere Bucht ist landseitig per Straße zugänglich und bietet einen Kayak-Verleih. Allzu viel ist um diese Jahreszeit aber offenbar nicht los. Einige Tourboote laufen die Bucht an, bleiben aber meist nicht lange. Wir warten mit unserem Strandausflug bis kurz vor Sonnenuntergang. Da sind alle wieder weg, wir haben die zum Strand gewordene Sandbank zwischen innerer und äußerer Bucht ganz für uns allein.
Am nächsten Morgen ist von dieser Sandbank nichts mehr zu sehen. Hochwasser. Wir blassen unser Kayak auf und erkunden die innere Bucht und auch die Mangroven an der Lagune. Auch dort sind wir erstaunlicherweise wieder allein unterwegs.
Selbst den Platz an der Selfie-Attraktion dieser Bucht, dem pilzförmigen Felsen “El Hongo”, macht uns niemand streitig.
Und da der andere Ankerlieger früher aufbricht als wir, bekommen wir als Abschiedsgeschenk noch die Illusion, das Kleinod der Bahía Balandra ganz exklusiv genießen zu dürfen.
Die Südspitze der Baja California kommt in Sicht. Seit San Diego sind wir über 700 Seemeilen (rund 1.300 km) an dieser gigantischen mexikanischen Halbinsel entlang nach Südosten gesegelt. Nennenswerte Streckenanteile wurden auch motort, um günstige Seegangsbedingungen auszunutzen oder exponiertere Ankerplätze bei ruhigem Wetter zu erreichen. Wir haben mexikanische Städte, Dörfer, Fischercamps und abgelegene Ankerplätze an der westlichen Pazifikküste besucht. Und jetzt wollen wir Floras Bug erst einmal wieder nach Norden richten, hinein in die Sea of Cortez, wie der durch die Baja California gebildete Golf von Kalifornien auch genannt wird.
Die Rundung der Südspitze der Baja California wollen wir nutzen, um im dortigen Touristenmekka Cabo San Lucas Floras Dieseltank wieder aufzufüllen.
Es wird ein echter Kulturschock. Na gut, etwas über 200.000 Einwohner hat der Ort. Aber anders als etwa in Ensenada wird bei der Anfahrt klar, wie intensiv der Tourismus diesen Ort prägt. Fallen beim Näherkommen zunächst neben einigen Hotelklötzen noch die auf die Klippen gebauten Luxusvillen ins Auge …
… wird dann doch mehr und mehr deutlich, dass die mehr als 3 Millionen Besucher pro Jahr ja schließlich auch irgendwo untergebracht werden müssen.
Sieht doch eigentlich noch ganz gut aus? Ja, aber. Die Einfahrt in den Hafen zum Fuel-Dock führt an markanten Felsformationen und eingestreuten Stränden vorbei. Der Verkehr an Ausflugsbooten, Sportfischer-Yachten, Schnorchel- oder Tauchbooten, Wassertaxis, Jet-Skis, Fähren und Hafenliegern in die enge Einfahrt ist chaotisch, das Wasser aufgewühlt, Vorfahrt-Regeln scheinbar nicht existent. Es hilft auch nicht, dass ein Kreuzfahrer direkt neben der Zufahrt ankert.
Wie auch immer, wir schaffen es hinein, tanken, und dann gleich wieder weiter. Den ursprünglichen Plan, vor dem zentralen Strand der Stadt zu ankern, geben wir schnell auf. Zu aufgewühlt das Wasser, zu viel dröhnende Musik von Booten und Strandlokalen.
Diese Entscheidung wird uns besonders leicht gemacht, weil für die nächsten zwei Tage der in der Sea of Cortez um diese Jahreszeit dominante Nordwind Pause macht. Wir können dadurch die weiteren rund 150 Seemeilen ums Eck und nach La Paz bei deutlich angenehmeren Bedingungen in Angriff nehmen. Also los, und: tschüss, Cabo.
Die Stadt zieht sich inzwischen einige Meilen weiter die Küste entlang, aber im Laufe der nächsten Nachtfahrt bleibt die dichte Bebauung achteraus und am nächsten Morgen präsentiert sich die Baja California auf ihrer Innenseite wieder als eher dünn besiedelte Landschaft. Und doch anders, als wir sie erwarten: hier im Süden grüner, gebirgiger, scharfkantiger. Ein faszinierendes Wechselspiel von Klippen und Stränden, dass langsam erneut karger wird, je weiter wir wir wieder nach Norden kommen.