Falsch im richtigen und richtig im falschen Pass

Wir bleiben noch einen weiteren Tag in Apataki. Rajesh und Jeroen holen uns zum Schnorcheln ab, danach wandern wir am Strand entlang zum Werftgelände.

Was vom Boot aus wie strahlend heller Sandstrand aussieht, entpuppt sich allerdings größtenteils als grober Korallenschutt. Gut dass wir vorsorglich Schuhe eingepackt haben. Wunderschön ist es aber trotzdem, unter den Palmen leuchtet das Wasser in Türkis- und Blautönen, dazwischen sind bräunlich die Korallenbommies zu erkennen.

Diverse junge Schwarzspitzenhaie patrollieren im Flachwasser und sogar ein Ammenhai zeigt sich ganz nah am Strand.

Das ist schon unmittelbar neben der Slipbahn, auf der die Boote mit einem Hydraulischen Trailer aus dem Wasser gezogen werden. Es ist flach hier! Eine vertiefte Rinne können wir nicht erkennen, sie würde wohl auch schnell wieder versanden. Kein Wunder, dass für das Herausnehmen eine Tiefgangsbeschränkung von 1,9 m gilt. Dafür muss der Trailer schon ein ganzes Stück in die Lagune hineinfahren.

Jetzt am Sonntag herrscht aber ohnehin Ruhe auf dem Werftgelände.

Ein weiterer Brändi-Dog-Abend, diesmal auf der Flora. Rajesh und Jeroen bringen das Spiel mit und so langsam nehmen auch Wiebke und ich die eine oder andere taktische Finesse auf.

Für die Crew der Flora heißt es aber am nächsten Morgen: früh aufstehen. Etwa zwei Stunden brauchen wir für den Weg über die Lagune und gegen 9:00 Uhr wollen wir am Pass sein. Wir finden keine Daten zu den Strömungszeiten. Mit der Einfahrt hatte es ja wunderbar zu Stillwasser gepasst. Dabei waren wir etwas später als zur (immerhin abrufbaren) Hochwasserzeit des Nachbaratolls Arutua. Niedrigwasser in Arutua ist heute um 9:11 Uhr. Um 8:50 kommen wir am Pass an. Das sollte doch passen, oder?

Leider nein, FALSCH gedacht, so einfach ist es denn doch nicht. Zum einen sind wir etwas früh, der halbe Knoten Strom über die Lagune hat uns geschoben. Zum anderen läuft die Tide hier in Apataki bei ablaufendem Wasser offenbar kräftig nach (Niedrigwasser ist also keineswegs Stillwasser), der seit Tagen kräftige Nordostwind verstärkt das wahrscheinlich noch. Bei der Einfahrt sieht das Wasser im Pass noch glatt aus, doch im Knick zwischen der roten und grünen Tonne brodelt es, während das Wasser direkt daneben flach bleibt. Zwischenzeitig verdoppelt die Strömung Floras Fahrt auf über 10 kn, aber es gibt keine größeren Strudel oder Whirlpools, die unser Boot herumdrücken würden. Nach einem kurzen Stück Fahrt “wie auf Eiern” sind wir durch, werden nur noch mit 2 kn geschoben.

Nicht wie geplant, aber auch nicht dramatisch.

Wie auch immer, jetzt sind wir jedenfalls früh unterwegs und haben (wieder am Wind aber mit bedeutend angenehmerer Welle als vorgestern) einen richtig schönen Segeltörn. Nur gut 30 Seemeilen sollen es heute werden, es geht hinüber zum südlichen Nachbaratoll Toau.

Toau hat einen Pass im weiter entfernten Südosten der Insel. Wir entscheiden uns aber für die “Anse Amyot” im Norden der Insel. Auch die Anse Amyot wird durch eine Lücke im Riff angesteuert, nur ist es eine Sackgasse. Eine Weiterfahrt in die Lagune wird durch eine ausgedehnte Korallenbank verhindert. Unter den englischsprachigen Seglern ist die Anse Amyot deshalb als “False Pass” (Falscher Pass) von Toau bekannt.

Mehrere kostenlose Mooringbojen sind hier ausgelegt. Derzeit sind allerdings einige davon zwecks Wartung eingezogen. Auf Noforeignland sehen wir, dass die Indioko bereits dort ist. Wir schreiben sie über die Chat-Funktion an und prompt kommt die Antwort. Derzeit liegen sie als einziges Boot dort, vier Bojen sind noch frei. Super.

Kurz nach Mittag laufen wir in die Anse Amyot ein. Durchs Riff führt ein schmales, etwa 8 m tiefes Fahrwasser, dass schräg zur Küste verläuft. Richtbaken zeigen den Weg an, auch wenn die innere mal wieder gerichtet werden müsste.

Die Bucht selbst ist dann wieder über 20 Meter tief.

Für uns erweist sich “False Pass” sich als genau richtig. Es gefällt uns, zur Abwechslung mal wieder einen kurzen Schlag von nur ein paar Stunden zwischen den Inseln zu segeln. Gegen Wind und Wellen liegen wir hier gut geschützt und zudem haben wir einen herrlichen Blick sowohl in die Lagune und auch hinaus auf den offenen Pazifik.

False Pass / Anse Amyot: Blick nach innen
False Pass / Anse Amyot: Blick über die Korallenbank nach außen

Und auch das Schnorcheln an der Korallenbank begeistert uns.

Wettertest für das Achterstag: von Tikehau nach Apataki

Leichte bis mittlere Winde vorhergesagt? Böen bis 28 kn hatten wir eigentlich nicht erwartet. Aber wenn man unterwegs ist, ist man unterwegs.

Bei schönen 14 kn hoch am Wind beginnt die Passage von Tikehau aus fast perfekt. Nur fast, denn der Windwinkel passt nicht ganz. Wir können unser eigentliches Ziel Fakarava nicht direkt anliegen, müssen also kreuzen.

Das verlängert natürlich auch die Strecke erheblich. Dazu kommt, dass sich wie vorausgesagt zum Abend hin relativ schnell zunehmender Südschwell bemerkbar macht. Im Zusammenspiel mit der Windsee aus Ostnordost entwickelt sich eine ziemlich kabbelige Welle.

Die kräftigen Böen tun ein übriges. Aber immerhin: unsere Dyneema-Taljen am defekten hydraulischen Achterstagspanner halten, auch wenn wir durch den etwas geringeren Zug mehr Durchhang im Vorstag haben und ein bisschen weniger Höhe laufen können. Etwas mehr Belastungstest als wir uns vorgestellt haben, aber so ist es nun mal. Das Großsegel im zweiten Reff sind wir trotzdem ganz flott unterwegs.

Photo courtesy: Barbara, SY Lille Venn

Um dem Schwell etwas auszuweichen, machen wir einen Schlag auf dem anderen Bug und kreuzen dann zwischen den Atollen Arutua und Kautua weiter auf. Diese beiden Atolle haben keinen mit der Flora befahrbaren Pass und können deshalb von uns nicht angelaufen werden. Erst Apataki bietet sich dafür an. Und so ändern wir den Plan, statt Fakarava heißt das Ziel jetzt Apataki. Lille Venn ist oben um Arutua herumgegangen und entscheidet sich für den Nordpass. Wir laufen dagegen in den Südpass von Apataki ein und ankern am weit und breit einzigen Inselchen. Auf einer Länge von fast 10 Seemeilen gibt es nur dieses eine Motu auf dem Südriff. Von See aus ist das Atoll aus dieser Richtung deshalb mit den Augen fast nur an der Brandung auszumachen. Dann ist man allerdings meist schon gefährlich nahe dran.

Die My Motu gesellt sich kurz danach zu uns. Die Brise flaut zum Abend hin ab und wir liegen recht ruhig, obwohl das Motu gegen Ost nur ein bisschen Schutz bietet. Am nächsten Morgen allerdings frischt der Wind deutlich auf und dreht nördlicher. Jetzt baut sich auch im Atoll schnell eine kräftige Welle auf. Unsere Boote zerren am Ankergeschirr und machen Bocksprünge.

Nur ein schnelles Frühstück, dann ist es Zeit für einen Wechsel des Ankerplatzes. Wir verholen in die Südostecke des Atolls. Von dort aus erstreckt sich ein längeres Motu nach Nordwesten, das sollte uns deutlich besseren Schutz gewähren.

Bei der Annäherung bietet sich dann ein etwas skurriler Anblick. Aus dem Palmenhain wächst ein Mastenwald:

Tatsächlich bietet Apataki die einzige uns bekannte Möglichkeit, in den Tuamotus ein Segelboot auf einen Landstellplatz herausnehmen zu lassen. Allerdings wohl mit der Einschränkung, dass der Tiefgang des Bootes nicht über 1,9 m liegen darf. So finden sich denn hier auf dem hinter Palmen versteckten Werftgelände auch fast nur Katamarane und kleinere Segelboote oder solche mit aufholbarem Kiel.

Wer sein Schiff hier (z.B. für einen Heimaturlaub) einlagert, muss übrigens mit dem Wassertaxi die 10 Seemeilen hinüber zum kleinen Ort am Südpass fahren und von dort den nahen Flughafen für die Weiterreise nutzen.

Der Ankerplatz bietet tatsächlich gegen den Ostnordostwind recht guten Schutz und wartet zudem noch mit einem schönen Sandstrand auf.

Ein paar Wetter-Querelen bekommen wir allerdings auch geboten. Vielleicht ist der Wettertest für das Achterstag ja doch noch nicht ganz abgeschlossen ?!?

Den Tagesabschluss bietet jedenfalls ein gemütlicher Abend mit Rajesh und Jeroen auf der My Motu mit Chili-Diner und Brändi-Dog-Spielen. Dankeschön!

Tikehau: Schnorcheln mit Mantas

Der Schreck des wild schlackernden Mastes ist erstmal weggesteckt, ein Dichtungsset für den defekten Achterstagspanner liegt schon in Hamburg bereit (ganz lieben Dank an Uwe und Jan). Jetzt müssen die Teile “nur” noch einmal um die halbe Erde und dann montiert werden. Es gibt also noch ein bisschen was zu organisieren.

Aber das sind ja schon mal entspannende Nachrichten, die Stimmung an Bord hier im gut geschützten Atoll Tikehau ist gut.

Am Ankerplatz gesellt sich die Gerty zu uns, das freut uns auch. Sundowner auf der Gerty mit den Crews der My Motu und der Lille Venn. Ralph von der Lille Venn kümmert sich außerdem unermüdlich darum, mir das Wingfoilen näher zu bringen. Geduldig und motivierend begleitet er meine Abstürze mit dem Dinghy und gibt wichtige Tips. Es ist ein langer Weg, aber es wird kontinuierlich besser. Bei Windstille wird hinter dem Dinghy gezogen gefoilt (ja, auch mit dem schwachen Fuß vorne), bei Wind mit dem Wing nach Trockenübungen am Strand Umsatzungsversuche auf dem Board. Auch hier erste kleine Erfolge.

Heute früh: Windstille. Aber ausnahmsweise mal keine Foil-Lektion für mich und kein Paddelboard für Wiebke, statt dessen schwingen wir uns gleich nach dem Morgenkaffee ins Dinghy. Ziel ist das kleine Motu Mauu mitten in der Lagune. Dort soll es eine Putzerstation geben. Bestimmte Fische, aber auch Schildkröten und anderenorts sogar Flusspferde kommen zu solchen Putzerstationen, um Parasiten loszuwerden, die dort z.B. von bestimmten Garnelen oder kleineren Fischen gefressen werden.

Die Putzerstation hier auf Tikehau ist bekannt dafür, dass sie gerne von Mantarochen genutzt wird. Frühmorgens ist die beste Chance sie anzutreffen, auch wenn es natürlich keine Garantie gibt. Aber wir haben Glück: gleich am ersten Bommie auf der Südostseite des Riffes kommt ein großer Manta angeschwommen und umkreist uns dann langsam und in aller Ruhe. Majestätisch “fliegt” das Tier seine Runden, wir schätzen die Spannweite zwischen den Flügelspitzen auf etwa drei Meter.

Die Flecken auf der Brust der Mantas sind so individuell wie menschliche Fingerabdrücke. Das “French Polynesia Manta Project” hat deshalb seit 2015 eine Photo-ID-Datenbank entwickelt. Die Segelyacht Blown Away (die wir schon aus Beaufort, North Carolina, kennen, haben hier über zwei Wochen vor Anker gelegen und sich mit den Wissenschaftlern über die (teils auch erstmals) angetroffen Mantas ausgetauscht. Und deshalb wissen wir, dass dieser weibliche Manta “Tuheiava” heißt.

Als mit dem Dingy einer in der Nähe ankernden Yacht weitere Schnorchler eintreffen, verlassen wir diesen Bommie und schnorcheln am Riff entlang einfach ein Stückchen weiter. Das wird belohnt, gleich zwei Mantas lassen sich hier im gemächlichen Gleitflug putzen.

Nur einer dieser Mantas (ebenfalls ein Weibchen) zeigt sich allerdings so, dass sie anhand der Brustzeichnung als “Atae” zu identifizieren ist.

Wir halten durchaus Abstand und versuchen uns möglichst ruhig zu verhalten. Atae aber scheint zwischendurch einfach mal auschecken zu wollen, wer denn da noch im Wasser ist. Sie schwimmt direkt auf mich, dreht erst direkt vor mir ab und kommt nach einer weiteren Runde nochmal vorbei. Das wirkt kein bisschen aggressiv, eher neugierig.

Hier ein Videoausschnitt davon:

Wir sind komplett verzückt.

Von Tahiti nach Moorea

Wir stecken ein bisschen fest. Wissen nicht so recht, wie wir am besten weitermachen. Nachdem wir lange überlegt und dann die Reservierung für Neuseeland gemacht hatten, schien erst einmal alles entschieden und das fühlte sich gut an.

Aber dann schleicht sich doch wieder die vorher schon erwogene Alternative in unsere Köpfe. Doch noch eine weitere Saison in Französisch Polynesien? Doch statt im Dezember jetzt schon Ende August mal wieder nach Hause fliegen? Zu Wiebkes Geburtstag und zu meinem Abi-Treffen zu Hause zu sein wäre klasse. Wir klären mit unserer Versicherung was geht (und zu welchen Bedingungen).

Dieses Jahr wird ein La Niña Jahr, tropische Stürme im Südpazifik sind deutlich unwahrscheinlicher. Gegen rund 40 % Aufschlag wären wir auch in der Zyklonsaison hier versichert, wenn wir auf See sind oder das Boot auf einem spezielle Anforderungen erfüllenden Lagerbock an Land steht. Letzteres ist allerdings praktisch nicht machbar, da solche „aus einem Stück gefertigten“ Lagerböcke hier nicht verwendet werden. Bliebe nur die einzelne Approbation des Lagerbocks durch die Versicherung, scheint ebenfalls nicht sehr praktikabel. Aber wenn wir jetzt schon nach Hause flögen, wären wir vor November wieder da und an Bord. Hm. Wir erkundigen uns nach Hafenplätzen, aber auch das erweist sich als schwierig. Also bleiben wir (planerisch) weiter in der Schwebe. Untypisch für uns, ungewohnt.

Egal. Nach zwei teuren Wochen in Papeete, diversen Erledigungen, mit wieder funktionierendem AIS und Watermaker verlassen wir den schön ruhigen Ankerplatz von Arue. Dort wurden wir zwar geduldet, im Büro des Yachtclubs wies man uns aber schon auf verschärfte Regeln und Kontrollen ab August hin. Der Bojenlieger direkt neben uns ist zurück, es wird also auch eng.

Wir holen den Anker auf, fahren Richtung Point Venus. Aber die drei Kats dort liegen bei dem Wind recht unruhig. Wir drehen ab und entschließen uns, direkt hinüber nach Moorea zu segeln. Das sind nur ungefähr 20 Seemeilen, allerdings derzeit hoch am mit 20 bis 25 kn blasenden Wind.

So wird es eine flotte, wenn auch etwas raue Überfahrt, drei Reffs im Groß und die Fock.

Abschied von Tahiti
aber da sieht man schon Moorea.

Beim Näherkommen zeigt sich dann, trotz anfänglich noch grauen Himmels, die landschaftliche Schönheit von Moorea.

Die tief in die Nordküste eingeschnittene Bucht von Opunohu ist schon aus der Entfernung gut auszumachen, mehrere riesige Superyachten (mit eigenen Hubschraubern an Bord) zeigen den Standort an.

Etwas näher sehen wir dann auch die Wellen über dem Saumriff brechen und dahinter gut geschützt den unseren anvisierten Ankerplatz.

Sieht voll aus, aber natürlich findet sich noch ein Plätzchen.

Interessant ist, dass wir auf der Überfahrt und auch hier am Ankerplatz größere Teppiche von piksigen Algen herumtreiben sehen. Sie ähneln Sargassum, allerdings sehen wir nicht die für diese in der Karibik verbreitete Alge typischen Blasen (edit: doch, wir haben jetzt auch die Blasen entdeckt, es scheint eine Sargassum-Art zu sein).

Am nächsten Tag ist der Wind fast weg, die Algen auch. Eine der Superyachten ist abgefahren, dafür liegt jetzt der kleine Kreuzfahrer „Paul Gaugin“ (318 Gäste) an seinem Platz.

Davor liegt die 86 Meter lange Segelyacht „Aquijo“, sie kann mit ihrer 17-köpfigen Crew nur bescheidene 12 Gäste aufnehmen und ist in der Nebensaison für eine halbe Million Euro pro Woche zu chartern.

Tja, und dann sind da die glücklichen Eigner aus aller Welt mit ihren kleineren Booten, die ihren Törnplan selbst bestimmen können (sich dafür aber auch wie Eingangs beschrieben ein bisschen mehr Gedanken machen müssen beziehungsweise dürfen).

Die Traumkulisse von Moorea ist für alle dieselbe ☺️.

Covergirl Flora

Im Transocean Magazin ist wieder einmal ein Artikel von uns erschienen, volle sieben Seiten. Unser Thema in dieser Ausgabe: San Francisco.

Besonders erfreulich ist natürlich auch, dass unsere Flora gleichzeitig auch noch Cover-Girl ist.

Sehr schön. Und was machen wir sonst so?

Erstmal Schnorcheln am Bommie nahe bei Flora.

Geimeinsam mit Alex von der „No Stress“ und Ralf von der „Barbarella“ fahren wir dann am Nachmittag mit unserem Dinghy aber auch nochmal in den Südpass von Fakarava. Wiebke macht die Begleitung und bleibt im Dinghy, wir anderen drei tauchen noch einmal mit den Haien. Zur besseren Einordnung, weil Graue Riffhaie vielleicht nicht ganz so geläufig sind: in der Größe liegen sie nur leicht über den Schwarzspitzen-Riffhaien. Männchen werden maximal 2,50 m lang, Weibchen sind etwas kleiner.

Das Tauchen mit ihnen ist (auch) wegen ihrer großen Anzahl aufregend, aber nicht stressig. Die Haie bewegen sich zumeist ganz ruhig, scheinen uns kaum zur Kenntnis zu nehmen. Wir unsererseits sehen zu, dass wir am Rand der Wall of Sharks bleiben und sie möglichst wenig stören. So treiben wir mit der Strömung seitlich an ihnen vorbei.

Beim Ausklingen des Tauchgangs im flacheren (und damit lichtdurchflutetem) Wasser kommen dann auch die Farben wieder besser durch. Da strahlen die Falterfische und der Pfauen-Kaiserfisch …

… und auch der skurril geformte Trompetenfisch und die Ananas-Seewalze kommen selbst ohne auffällige Farben gut zur Geltung.

Nur der Camouflage-Zackenbarsch vertraut weiter auf seine Tarnung und hält sich versteckt. Kein Wunder, er ist eine Lieblingsspeise der Haie.

Das Deko-Bier nach dem Tauchen und der Sundowner auf dem Vordeck gehen ineinander über. Und was für ein Sundowner. Zuerst scheint sich die Sonne hinter den Wolken zu verstecken, dann bricht sich doch noch einmal durch und beleuchtet nach ihrem Untergang die flauschigen Wolken noch von unten.

Red sky at night, sailor‘s delight.

☺️

Fakarava. Wall of Sharks.

Die Südostecke von Fakarava ist klasse. Der Starkwind flaut langsam ab, jetzt können wir auch beruhigt die Sandbänke auf dem Riff erkunden.

Ein Video dazu habe ich bei Facebook eingestellt.

Aber das ruhige Wetter lädt auch dazu ein, noch einmal am Südpass zu ankern und jetzt auch dort zu tauchen.

Die WALL OF SHARKS. Na gut, man könnte meinen, dass es die Tourismus-Manager in Fakarava es mit der Vermarktung einfach nur besser hinkriegen als anderswo. Schließlich gibt es in praktisch allen Pässen der Tuamotus hohe Hai-Konzentrationen. Das schnell fließende Wasser ist für diese Raubfische einfach ideal. Sie brauchen durchströmte Kiemen für die Sauerstoffzufuhr. Hier können sich die vornehmlich nachtaktiven Jäger tagsüber ausruhen, quasi auf der Stelle stehen. Dazu kommt, dass die abgelegene Lage der Tuamotus mitten in der Weite des Pazifiks zwischen Südamerika und Australien und abseits der großen Touristenströme offenbar den Korallenriffen sehr zu Gute kommt. Diese Ökosysteme können sich hier noch immer weitgehend ungestört entwickeln. Auch das bietet beste Voraussetzungen für die Haie.

Das ist natürlich nicht nur in Fakarava so. Aber hier sind die Haie seit 2008 zudem auch noch umfänglich geschützt. Seit 2016 ist Fakarava auch als Unesco Biosphärenreservat Reservat anerkannt. Eine Weitere Besonderheit ist, dass jeweils zum Vollmond im Juni und Juli Unmengen von Zackenbarschen der Art Camouflage Grouper (Epinephelus Polyphekadion) hier zur Paarung einfinden. Gleichzeitig bilden sie ein Festessen für die Haie. Am Südpass von Fakarava findet sich aus all diesen Gründen die weltweit höchste Konzentration von Grauen Riffhaien. Mehrere Hundert sind es wohl immer, in der Saison sollen es laut einer wissenschaftlichen Studie über 700 (sic!) sein.

Das wiederum macht den Südpass von Fakarava zu einer Berühmtheit unter den Tauchplätzen dieser Erde. Wo wir schon mal hier sind, wollen wir uns das natürlich nicht entgehen lassen.

Den ersten Tauchgang machen wir mit einer der beiden örtlichen Tauchschulen des kleinen Dörfchens am Pass. Schon im Flachwasser unter dem Steg der Tauchschule tummeln sich Haie (hier aber die kleineren Schwarzspitzen-Riffhaie, meist unter 2 Meter) und imposante Napoleon-Lippfische.

Und auch auf dem weiteren Tauchgang gibt es viel zu sehen. Bekannte Rifffische wie die Papageifische mit ihren kräftigen Kiefern, mit denen sie an den Korallen herumknuspern (und letztlich zum feinen Sand an den Stränden beitragen). Falterfische mit langem Schnabel und – putzig anzusehen – Einhornfische. Eine Doktorfisch-Art, die auch als Pinocchio-Fisch durchgehen würde.

Ok, aber was ist denn nun mit den Haien? Einzelne Exemplare sehen wir gleich zu Beginn. Weißspitzenhaie liegen auf kleinen Sandstellen, Schwarzspitzenhaie ziehen oben am Riff entlang. Zur Mitte des Passes aber, wo es tiefer wird, bewegt sich eine Vielzahl von Schatten.

In etwa 20 Metern Tiefe suchen wir uns einen strömungsgeschützten Platz hinter einigen abgestorbenen Korallen. Es ist kaum zu fassen. Auf diesem Tauchgang und auch auf dem nächsten, den wir ohne Tauchschule machen, wird der Tauchplatz im Südpass seinem Spitznamen “Wall of Sharks” jedenfalls absolut gerecht.

Hier ein kleines Video dazu, diesmal auf Instagram.

Das Weitwinkel der GoPro-Kamera fängt die Nähe und Dichte optisch nicht optimal ein, aber sie leistet uns gute Dienste.
Sicher mit die spektakulärsten Tauchgänge, die wir bisher gemacht haben.

Zwei oder Sieben im Tahanea-Atoll?

Seit einer Woche sind wir inzwischen im Atoll Tahanea. Um uns herum sausen die Kitesurfer und Wing-Foiler von einigen der anderen Boote, sie finden die meiste Zeit ziemlich gute Bedingungen. Ein bisschen bereue ich, das vor Jahren in Antigua nicht mit unseren Freunden zumindest ausprobiert zu haben. Allerdings war damals die Erinnerung an die lange Rekonvaleszenz nach dem Snowboard-Unfall mit Riss aller Bänder in meiner rechten Schulter noch ziemlich frisch. Aber jetzt wäre hier neben dem Schnorcheln und gelegentlichem Tauchen ein bisschen Wassersport zum Auspowern ganz willkommen.

Hm, im etwa 50 Seemeilen entfernten Atoll Fakarava könnte man das ja vielleicht mal testen. Fakarava ist das zweitgrößte und zudem eines der touristisch am meisten erschlossenen Atolle der Tuamotus.

Zunächst aber ist an eine Weiterfahrt nicht zu denken. Die Maramu-Winde haben den Ozean ziemlich aufgewühlt.

Wir warten noch etwas ab. Dann doch lieber im geschützten Wasser der Lagune schnorcheln, ganz in Ruhe die Fische und Korallen bewundern …

… und den Tag mit einem weiteren Lagerfeuer am Strand ausklingen lassen (auch wenn die anderen Segler dabei ihre Kite-Geschichten des Tages erzählen 😉).

Heute geht’s dann aber doch ein bisschen weiter für uns. Der Wind bläst zwar immer noch mit um die 20 kn, in den Böen etwas mehr. Aber eben nicht mehr mit über 30 kn wie vor ein paar Tagen. Am Ankerplatz im Schutz der Motus merken wir davon ohnehin nicht viel, das Wasser ist glatt. Aber mit etwas Entfernung zu den Palmeninselchen zeigen sich dann auch im Inneren des Atolls erste Schaumkronen. Allerdings ist das natürlich nichts im Vergleich zu den Brechern, die von draußen aufs Riff krachen.

Im Satellitenbild haben wir uns die Route zu einem anderen Ankerplatz hier im Tahanea-Atoll abgesteckt. Dort ist Flora zwar nicht von einem Motu geschützt, wohl aber von einem flachen Riff mit Sandbank, das auch die sich in der Lagune aufbauenden Wellen abhält.

Was für eine Location:

Nur für uns ZWEI und die Flora! 😉

Allerdings, der Ankerplatz ist eigentlich als „Seven“, also „Sieben“ bekannt. Wie so vieles im Leben: Ansichtssache!

Tahuna Maru: wo Thor Heyerdahl mit seiner Kon-Tiki strandete.

Manchmal ist nicht direkt ersichtlich, was einen Ankerplatz am Außenriff von den vielen möglichen anderen abzuhebt und fast jedes Boot anzieht, das dieses Atoll besucht. Auf dem Riff von Raroia gibt es eine Vielzahl kleiner Inselchen (Motus). Obwohl äußerlich völlig unspektakulär, hebt sich das Motu “Tahuna Maru” von seinen Schwesterinseln ab: hier ist historisches passiert. Ein kleines steinernes Denkmal mit einer Plakette darauf erinnert daran. Als wir danach schauen, schrecken wir auf dem im Durchmesser nur etwa 75 m großen Motu erst einmal einige Feenseeschwalben auf, die im Geäst der niedrigen Bäume nisten.

Und da ist sie, ungefähr in der Mitte des Inselchens. Eingewachsen und vom Ufer aus nicht zu erkennen. Die Plakette erinnert an die Strandung des Balsa-Floßes Kon-Tiki hier auf diesem Riff im Jahr 1947. Strandung, Schiffbruch, dass hört sich eigentlich nach einem dramatischen Scheitern für diese Expedition an. Tatsächlich ist es das Gegenteil, nämlich der erfolgreiche Abschuss eines abenteuerlichen und international Aufsehen erregenden archäologischen Experiments, das den Norweger Thor Heyerdahl berühmt machte.

Das stilisierte Gesicht auf dem Denkmal stellt den mythologischen Schöpfergott der Inka dar, der der Legende nach aus dem Osten kam, die Kultur der Inka gründete und dann nach Westen weitersegelte. Die Darstellung zierte das Segel des Balsafloßes, mit dem Heyerdahl die grundsätzliche Seetauglichkeit präkolumbianischer Boote und damit die Möglichkeit der Besiedelung Polynesiens von Südamerika aus bewies. Gestaltet wurde es vom Künstler Erik Hessenberg, der als Steuermann Teil der sechsköpfigen Besatzung der Kon-Tiki war. Mit den vorherrschenden Winden und Strömungen erreichte die Kon-Tiki von Chile aus nach 101 Tagen Raroia und strandete hier.

Wer mehr erfahren möchte über die Strandung des Floßes auf diesem Riff und darüber, wie die Inselbewohner auf der anderen Seite des Atolls darauf aufmerksam wurden, dem empfehlen wir das YouTube-Video unserer Segelfreunde Janna und Ilja von der “Thula”, die sogar ein Interview mit dem letzten noch lebenden Zeitzeugen hier auf Raroia gemacht haben. Absolut sehenswert.

Allerdings jagt uns die Vorstellung – mit welchem Boot oder Floß auch immer – hier von der Brandung auf das scharfkantige Riff geschleudert zu werden, einen Schauer nach dem anderen über den Rücken.

Dann doch lieber in der ruhigen Lagune auf der Innenseite des Riffs ankern und die Brecher nur aus der Ferne sehen.

Und in dem klaren, geschützten Wasser gehen wir ausgiebig schnorcheln.

Farbenfroh mit Wimpelfischen, eingewachsenen Riesenmuscheln und Pfauen-Zackenbarschen. Natürlich sehen wir dabei auch immer wieder Haie, wie diesen in einer Korallenhöhle ruhenden Ammenhai …

… oder (häufiger) einen der verbreiteten Schwarzspitzen-Riffhaie:

Beide Arten sind für Menschen ziemlich ungefährlich. Dieser Riffhai ist übrigens mit einem seiner typischen Begleiter unterwegs, ein Remora hat sich an seinem Bauch festgesaugt. Auf deutsch heißen diese maritimen Tramper “Schiffshalterfische”. Warum wohl?
Der Blick unter die Flora an diesem “Kon-Tiki” genannten Ankerplatz gibt da gewisse Anhaltspunkte:

Wenn sie doch bloß auch ordentlich das Unterwasserschiff putzen würden!

Windstille. Wenn die Schönheit des Atolls so richtig gespiegelt wird.

Es ist ein seltenes Geschenk. Meistens streicht ein kräftiger Passatwind über die Atolle der Tuamotus, kaum gebremst von den flachen Inselchen auf den Ringriffen.

Heute aber zeigt sich das Wasser der Lagune von Raroia spiegelglatt, nur ab und zu deuten kleine Katzenpfötchen auf der Oberfläche mit sanften Kräuselungen einen ganz leichten Windhauch an.

Draußen brandet gleichwohl die Dünung gegen das Riff, drinnen in der Lagune ist es so still, als habe die Natur kurz den Atem angehalten.

Wir wechseln den Ankerplatz. Etwa 22 Seemeilen misst die Lagune Raroia in der Länge von Nordost nach Südwest. Es gibt (gerade bei Schwachwind) unzählige Möglichkeiten, irgendwo an einem kleinen Motu zu ankern.

Anders als von uns gedacht, lassen sich die unter der Wasseroberfläche verborgenen Korallenköpfe von Deck aus bei diesen extrem ruhigen Bedingungen aber nicht etwa besser, sondern im Gegenteil fast überhaupt nicht erkennen. Das glatte Wasser spiegelt den Himmel. Obwohl wir mit der Sonne im Rücken und mit polarisierender Brille unterwegs sind, bleiben die Korallen praktisch unsichtbar.

Trotz Sonne im Rücken schwer oder gar nicht zu sehen: die Korallenköpfe zwischen uns und dem Motu auf dem Riff

Ein Ausguck auf der Saling hoch im Mast wäre jetzt hilfreich, aber das ist für uns ebenso wenig praktikabel wie eine dauernde Kontrolle mit der Drohne. Wir schlängeln uns deshalb mit langsamer Fahrt und stetem Blick auf das Satellitenbild um die Bommies herum südwärts. Das ist durchaus nervenaufreibend und so lassen wir uns gern von einem kleinen Sandfleck mit nur einer ausgewachsenen Palme darauf näher ans Riff locken, gehen an diesem malerischen Motu für eine Kaffeepause vor Anker.

Bestaunen die Brecher auf dem Riffdach und können es kaum fassen, das alles hier ganz für uns allein zu haben.

Hier speichern wir uns auf Basis des Satellitenbildes eine eigene Route, etwas anders als der von einem anderen Boot erhaltene Track, dem wir bisher gefolgt sind.

Ausgeruht, beruhigt und frisch gestärkt geht es dann weiter in Richtung Ankerplatz “Kon Tiki”, benannt nach dem Balsa-Floß, mit dem Thor Heyerdahl 1947 hier strandete.

Schon von weitem können wir dort Segelboote vor Anker erkennen, wenngleich durch die über dem Wasser flirrende Luft seltsam verzerrt und zugleich gespiegelt, ein fast surrealer Anblick.

In der Abendsonne vor Ort wirkt das naturgemäß wieder ganz anders, aber nicht weniger faszinierend schön.

Danke für dieses kostbare Intermezzo. Wir wissen es sehr zu schätzen. Schon am Abend kommt Wind auf, der in der Nacht dreht und kräftig auffrischt.

Verstecken zu Ostern

Fast drei Wochen sind wir nun schon auf den Gambier und fast die ganze Zeit hatten wir schönes und ruhiges Wetter. Pünktlich zum Osterfest zieht allerdings im Südosten von uns ein Tiefdruckgebiet auf, das auch unser Feiertagswetter beeinflusst. Für die nächsten Tage ist Wind aus Südost mit kräftigen Böen angekündigt.

Der Ankerplatz vor Rikitea auf Mangareva ist zwar durch die vorgelagerten Riffe geschützt, aber aus Südost können Wind und Welle doch einigen Anlauf nehmen. Für die Lagune bei Taravai gilt das Gleiche. Wir beschließen deswegen, uns auf der anderen Seite von Taravai in einer geschützten Nordwestbucht zu verstecken (blauer Punkt).

Die Nordwestseite von Mangareva bietet sich nur scheinbar ebenfalls an, sie ist aber ziemlich dicht an dicht mit Perlfarmen belegt.

Macht aber nichts: hier in der Baie Anganui liegen wir nicht nur wunderbar geschützt, sondern zudem auch ausnehmend schön.

Inzwischen hat sich noch die Adiona zu uns in diese schöne Bucht verholt. So können wir mit unseren kanadischen Segelfreunden Maggie und Scott Ostern feiern. Die beiden haben uns gleich schon mal bei der Kokosnuss-Ernte geholfen und dann zu Erdbeer-Margaritas auf ihren Kat eingeladen.

Für die vorbei gebrachten Bananen-Muffins können wir uns dann heute mit einem Guglhupf Elsässer Art revanchieren. Den hat Wiebke quasi als Testlauf für das Backen bei Tetu und Murielle ausprobiert.

😚

Sowieso schon SEHR lecker, aber mit der selbst gemachten Guaven-Marmelade – einfach ein Gedicht!

Wir wünschen Euch allen ein schönes Osterfest.