Mayaruinen Ek Balam und Cenote X‘Canche

Als Ziel unseres nächsten Landausflugs haben wir uns Ek Balam ausgesucht. das liegt zwar ungefähr auf der gleichen Breite wie unser Hafenort Puerto Morelos, erfordert aber doch eine etwa zweieinhalbstündige Autofahrt. Und die unterschätzen wir etwas, sie erweist sich als eine der langweiligsten Fahrten überhaupt, es zieht sich. Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass die Landschaft flach und weitgehend unbebaut ist. Bis dicht an die zumeist schnurgerade verlaufende Straße zieht sich scheinbar undurchdringlicher Bewuchs aus niedrigen Bäumen und hohen Büschen, keine Abwechslung für die Augen, kein Überblick. Trotz Licht und Grün fühlt es sich nach einer stundenlangen Tunnelfahrt an.

Die von uns per Email angeschriebenen Hotels haben beide bisher nicht geantwortet, das werden wir unterwegs nachher noch mal checken.

Aber: die langweilige Fahrt lohnt sich für uns ohne Zweifel! Die Ruinen der Mayastadt Ek Balam begeistern uns. Nur ein Teil der Anlage ist bisher ausgegraben. Guide Francisco erklärt uns, dass sich unter allen in der Umgebung sichtbaren Hügeln weitere Ruinen verbergen. Und nicht alle ausgegrabenen Gebäude sind restauriert. Zumal nicht nur die wuchernde Natur den Maya-Städten (im wahren Wortsinn) zusetzt, sondern die Steine in den vergangenen Jahrhunderten seit dem Untergang der Maya-Hochkultur teilweise auch entfernt und für Privatbauten verwendet wurden.

Eine Besonderheit für den Besucher ist, dass die Ruinen überwiegend begehbar sind, anders als etwa die berühmtere Anlage in Chichén Itzá, zugleich aber weniger touristische Aufmerksamkeit erhält und damit auch deutlich weniger „Rummel“-Charakter entfaltet. Unsere Segelfreunde Martina und Daniel von der Vairea hatten uns mit ihren Facebookberichten und dem Blogbeitrag über ihren Mexiko-Aufenthalt schon darauf vorbereitet und auch ein bisschen hierhin gelockt, ganz lieben Dank dafür.

Das Eingangsportal sieht noch recht bescheiden aus, zeigt aber schon sehr gut die Maya-Bauweise mit konstruktiv eher schmalen Räumen, die Maya kannten keine Rundbögen oder Gewölbe mit tragenden Schlusssteinen, vielmehr mussten die Seitenwände selbst tragend sein.

Durch enge Gänge geht es weiter in die Anlage hinein, aber dann weiter es sich.

Besonders beeindruckend ist die steile Treppe hinauf auf das „Akropolis“-Gebäude. Tip bei diesen Treppen: diagonal benutzen. 😉 Von oben lassen sich im Grün dann auch einige der anderen Gebäude ausmachen und die Dimension der Gesamtanlage erahnen.

An der Fassade der Akropolis findet sich auch eine restaurierte Stuckatur. Sie zeigt das stilisierte Gesicht des „Erdmonsters“ (in der mittleren der drei Mayawelten zwischen Unterwelt und Himmel). Mit aufgerissenem Mund und Augen, wobei dieses Tor später als Zugang zum Grab des Maya-Fürsten und Halbgottes Ukit Kan Le’k Tok verschlossen wurde. Auch das eine Besonderheit, denn anders als die ägyptischen Pyramiden waren die Maya Tempel nicht als Grabanlagen konzipiert.

Zurück geht es über das Ballspielfeld. Auf den Schrägen spielte nur der jeweilige Kapitän, die übrigen Spieler auf dem Rasen dazwischen. Ob auch hier nach dem Spiel eine der Mannschaften geopfert wurde ist nicht bekannt, wie überhaupt die Opfertradition der Mayastämme regional und wohl auch im Ablauf der Jahrhunderte unterschiedlich war.

Angenehm für uns zu wissen: in der zugehörigen Cenote X’Canche fanden sich keine Relikte von Menschenopfern, was andernorts durchaus der Fall ist. Wir fahren mit den im Eintrittspreis enthaltenen Leihfahrrädern die anderthalb Kilometer dorthin.

Unsere nächste Cenote, diesmal bietet sich ein völlig anderes Bild. Hier in Ek Balam gleicht die Cenote noch mehr einem Blue Hole, fast kreisrund, oben vollständig offen und tief eingeschnitten in die umgebende Landschaft. Baden (diesmal auch ohne obligatorische Schwimmweste) im erfrischenden Süßwasser ist erlaubt, Sprünge aus zwei, zehn und zwölf Meter Höhe auch.

Der „Dachüberstand“ und die am Rand fast wie ein Vorhang herunter hängenden Baumwurzeln sowie das intensive Spiel des Lichts lassen diesen Ort ganz besonders erscheinen.

Die Hotels haben sich immer noch nicht gemeldet, statt uns vor Ort ein anderes zu suchen beschließen wir, wieder zurück auf die Flora zu fahren.

Die aus Leinen gebildeten Wildbrücken (u.a. für Affen und Faultiere) sind eine der wenigen optischen Abwechslungen

Noch mal zweieinhalb Stunden Langweil-Fahrt, aber mit den frischen Eindrücken des Erlebten im Kopf (und ein paar „8 Milliarden“-Podcasts) vergeht die Fahrt diesmal gefühlt viel schneller.

Pura Vida.

2 Gedanken zu „Mayaruinen Ek Balam und Cenote X‘Canche

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