Kreuz nach Tahanea

Wir machen uns auf nach Tahanea. Schon wieder? 78 Atolle gibt es in den Tuamotus, aber nur weniger als 20 von ihnen haben gut befahrbare Pässe und werden häufiger von Segelbooten angelaufen. Mehrere stehen noch auf unserer Wunschliste, aber bisher haben wir tatsächlich erst 8 Atolle der Tuamotus besucht. Einige allerdings mehrfach. Fakarava, Toau und eben Tahanea. Das es uns jetzt schon wieder dorthin zieht hat mehrere Gründe. Zum einen gefällt uns dieses unbewohnte Atoll einfach ausnehmend gut. Das Wasser ist auch in der Lagune meistens herrlich klar, in den gleich drei Pässen lässt es sich wunderbar schnorcheln. Es finden sich markante Riffformationen (wie etwa die “7”) und die mit Palmen bestandenen Motus bieten guten Schutz gegen die vorherrschenden Winde, außerdem sind die Bedingungen zum Wingfoilen einfach Klasse. Tahanea ist also ganz sicher eines unserer Lieblingsatolle.

Das wir jetzt schon wieder nach Tahanea segeln (und dabei auf der Strecke auch noch Aratika und Kauehi links liegen lassen) hat aber vor allem einen Grund: wir wollen unsere Freunde von der Lille Venn unbedingt noch wieder treffen, bevor sie sich deutlich früher als wir auf den weiteren Weg nach Westen machen.

Einen Tag verschieben wir die Fahrt noch, zu viele Gewitter sind angesagt. Dann aber sieht die Vorhersage für den 84 Seemeilen langen Törn recht gut aus. Mit dem prognostizierten Ostnordost sollten wir ab der Nordspitze von Fakarava eigentlich direkten Weg nach Tahanea segeln können. EIGENTLICH.

Tatsächlich aber weigert sich der Wind, auf die ihm zugedachte Richtung zu drehen und bleibt auf Ostsüdost. Da unser Ziel in Richtung Südost liegt können wir eben nicht den geraden Weg segeln, sondern müssen gegen eine frische Brise und die entsprechenden Wellen aufkreuzen. Außerdem werden es so 112 Seemeilen, das morgendliche Stillwasser im Pass von Tahanea, nachdem wir unsere Abfahrtszeit ausgerichtet haben, können wir nicht erreichen.

Eine Nachtfahrt ist es ohnehin, wir versuchen also, dann eben zum Mittagshochwasser am Pass zu sein.

Immerhin: wir sehen zwar Wetterleuchten am Horizont, aber ein Gewitter erwischt uns nicht. Auch von Squalls werden wir weitgehend verschont. Nur einmal erwischt uns solch eine turbulente Wolke. Ziemlich genau zu Sonnenuntergang.

Sie scheint uns auch noch hämisch anzugrinsen. Dieser Lichteffekt ist um so erstaunlicher, als nicht das helle Licht durch die Wolke hindurch scheint. Ganz im Gegenteil, die Sonne geht gleichzeitig gerade auf der anderen Seite der Flora unter:

Wie auch immer, einen Augenblick später springt die Windstärke um 10 kn nach oben und Flora holt trotz vorsorglichem zweitem Reff ordentlich über.

Keineswegs der optimale Beginn für die Nacht und hoch am Wind durch Wellen bolzen ist halt auch nicht eben der Lieblingskurs für die Freiwache, aber abgesehen von dem erforderlichen Zickzack-Kurs kommen wir dann doch einigermaßen gut durch.

Unser Zickzack-Kurs von Fakarava nach Tahanea auf MarineTraffic

Tatsächlich schaffen wir es auch noch, nur wenig nach Stillwasser am Pass von Tahanea anzukommen und ohne Probleme in die Lagune einzulaufen. Barbara und Ralph heißen uns herzlich willkommen, bevor Wiebke und ich mit einem ausgedehnten Mittagsschlaf die etwas unruhigen Freiwachen der Nacht wieder ausgleichen.

Es fühlt sich richtig gut an, wieder in Tahanea zu sein!

Verwöhnprogramm auf Fakarava

Restaurantbesuche sind derzeit selten für uns. Kein allzu großes Wunder, schließlich sind wir auf den Tuamotus ja zumeist doch in ziemlich abgelegenen Ecken unterwegs und die Bordküche auf der Flora … mmmh.

Aber das Fakarava-Atoll ist eben ein bisschen touristischer. Das hat den Vorteil, dass zum Beispiel in der Havaiki Lodge auch dieser von uns fast schon vergessene Luxus angeboten wird, sich gegen (vertretbare) Bezahlung einfach an einen Tisch zu setzen und sich fertig zubereitete Speisen servieren zu lassen. Das Ganze auch noch mit herrlichem Ausblick. Und nicht mal den Abwasch müssen wir erledigen.

Das gönnen wir uns gleich zweimal, erst allein und dann noch einmal mit Jill und Michael von der Gerty. Schließlich müssen wir auf Fakarava die Wartezeit bis zur Ankunft des Versorgungsschiffs überbrücken. Dann aber sind die bordeigenen Vorräte auch wieder mit Frischwaren aufgefüllt, eine Bananenstaude baumelt am Achterstag, die Kühlschränke und Obstnetze sind gut gefüllt.

Noch ein letzter (vorerst) Spaziergang durch den Ort Rotoava und ein bisschen über die Insel. Schnuppern an üppig blühenden Bougainvillea, sich vom Flaschenbaum und bunten Perfarmbojen-Bäumen irritieren lassen …

…und mit der Schaukel schon mal auf die anstehende Amwind-Passage nach Tahanea vorbereiten.

Tschüss, Fakarava.

Ein letztes Bad direkt vor dem Abflug

Fakarava ist schon krass. Wir könnten eigentlich vom Ankerplatz vor dem Ort Rotoava auch direkt mit dem Dinghy die 1,8 Seemeilen hinüber zum Flughafen fahren. Aber der Südostwind sorgt für unruhiges Wasser. Mit drei Personen und Gepäck im Dinghy wird es dann vielleicht doch etwas nass. Also verholen wir die Flora zum Flughafen und ankern dort vielleicht 250 m vom Terminal mit der markanten polynesischen Dachform entfernt ganz in der Nähe des Dinghystegs. Bevor Katrin nach Tahiti fliegt ist immerhin noch Zeit für ein letztes Bad im Atoll von Fakarava.

Tja, und dann heißt es wirklich Abschied nehmen.

Warum werden Wiebke und Katrin eigentlich so oft für Schwestern gehalten? 😉

Wir verlegen Flora wieder zurück nach Rotoava. Geben unsere Wäsche ab und lassen vom Fakarava Yacht Service auch unsere fast leere Gasflasche wieder füllen. Die Abgabe können wir bequem am Dinghydock erledigen, denn der Yacht Service hat dort einen Fahradverleihstand für das angekommene Kreuzfahrtschiff aufgebaut. Das heißt aber auch, dass wir noch etwas in Fakarava bleiben müssen. Wegen der Mehrbelastung wird die Erledigung der Wäsche und das Flaschenfüllen ein paar Tage dauern.

Macht aber nichts, denn unsere Cruising-Freunde Rachael und Volker vom Trimaran „Tomorrow“ haben sich für Sonntag angekündigt, wir hatten sie zuletzt an der US-Westküste getroffen. So ist das mit dem Abschiednehmen und (Wieder-)Treffen. Katrin steigt da gleich ein. Im Aufzug ihres Hotels in Papeete trifft sie nämlich andere Cruising Freunde von uns. Andrea und Hans-Jörg („Wasabi“) sind auf dem Weg hinauf zur Dachterrasse. Die Cruising-Welt ist klein. Gegenseitig schicken wir uns Fotos von den dramatisch rot gefärbten Wolken.

Bis wir wieder in Papeete sind, wird es wohl noch eine Weile dauern, vielleicht bis Ende April. Bis dahin möchten wir weiter die Tuamotus erkunden.

Selbst hier in Rotoava gibt es für uns immer noch wieder Neues zu entdecken. Als ich bei Bananen-Steve Obst kaufen möchte („derzeit ist nichts reif, komm nächste Woche wieder“) lege ich Florecita bei der stillgelegten Perlfarm gegenüber von seinem Grundstück an. Wir haben schon viele Ansammlungen der bunten Perlfarmbojen gesehen, so aber bisher nicht:

Freuen, zurück zum Boot und dort das nächste Farbenspiel am Himmel genießen 😌.

Besuch an Bord

Unsere liebe Freundin Katrin kommt mit dem Flugzeug in Fakarava an. Eine praktische Angelegenheit auf diesem Atoll: wir können Katrin einfach mit Florecita abholen, der Flughafen hat einen eigenen Dinghysteg.

Am nächsten morgen segeln wir nach Toau. 15 Seemeilen herrliches Code0-Segeln und auch der Pass in Toau ist dieses Mal absolut friedlich. Zwar haben wir dreieinhalb Knoten mitsetzende Strömung, aber bei dem leichten achterlichen Wind baut sich im Pass absolut keine Welle auf. Nur kurz um die Ecke und wir ankern am Coral Garden. Na klar, gleich mal Schnorcheln. 🤿

Kein schlechter Start.

Und es wird sogar noch besser. Am nächsten Tag hat Andrea Geburtstag. Sektfrühstück mit hausgemachtem Pastazie-Mandeleis an selbst gemachtem Schokolikör auf der Easy-One, so kann der Tag wohl beginnen.

Die eigentliche Feier verlegt das Geburtstagskind dann nachmittags an den Strand, zur Dämmerung hin verlagert es sich ins Wasser:

Geburtstagskind mit Geburtstagsgeschenken

Wow. Was für ein herrlicher Tag.

Und heute?

Katrin, Wiebke, Andrea und Ingo gehen Schnorcheln, Heike und Jürgen von der Valentin, und Bruna und Roberto von der Saude Eterna sowie ich tauchen. Gemeinsam fahren wir mit den Dinghies durch den großen Pass hinaus und dort ins Wasser. Dann geht’s an der Außenseiten der Insel zwischen den Pässen am steilen Dropoff entlang, bevor wir uns von der Tide wieder in den kleineren Pass hineinspülen lassen.

Auffällig ist das stellenweise extrem häufige Vorkommen des Dornenkronenseesterns an diesem Außenriff. Dornenkronenseesterne sind wunderschön anzuschauen, zumal ihre Form und Symmetrie fast an Schneeflocken erinnert:

Aber sie haben auch ihre Schattenseiten. Ihre Dornen sind giftig und können bei Menschen schmerzhaften und zu Komplikationen neigende Stichverletzungen hervorrufen. Also besser nicht anfassen! Vor allem aber schädigen sie die ohnehin schon geschwächten Korallenriffe, denn sie ernähren sich ausschließlich von Steinkorallen. Bei massenhaftem Auftreten hinterlassen sie deshalb praktisch tote Riffe, die sich nur extrem langsam wieder erholen können.

Mancherorts, etwa am australischen Great Barrier Reef, wurden sie daher mit Giftinjektionen in ihre Arme bekämpft. Das ist umstritten, immerhin kommen massenhafte Invasionen dieser Seesterne in natürlichen Zyklen vor. Allerdings haben sich die Abstände dieser Zyklen zuletzt erheblich verkürzt, sodass die Gefahr für einige Riffe deutlich größer geworden ist.

Aber neben den Dornenkronen sehen wir bei diesem Tauchgang dann doch noch einiges mehr. Eine kleine Auswahl:

Für Wiebke und Katrin war der einstündige Schnorchelgang offenbar noch nicht Sport genug für den Tag. Sie legen auch noch eine ausgiebige Tour auf den Paddelboards drauf, bietet sich bei den fast windstillen Bedingungen aber ja auch an.

Zur Erholung dann Hängematte auf dem Vorschiff.

Andrea kommt übrigens noch um einiges später von ihrer eigenen Paddeltour zurück. Immerhin aber noch, bevor die Venus mit dem Ankerlicht der Easy-One um die Wette strahlt:

Uns geht’s gut.

Poline – Faszination tahitianischen Gesangs

Zugegeben, vor allem wegen der wunderbaren Gesänge zieht es uns immer mal wieder in die Kirchen hier in Französisch Polynesien. Wie zuletzt auf Faaite besuchen wir deshalb auch hier auf Fakarava den Gottesdienst am Sonntagmorgen. Das Einsingen vor dem eigentlichen Beginn gefällt uns besonders gut. Leider haben wir dieses Mal aber nicht so viel Glück mit dem eigentlichen Gottesdienst. Die Predigt ist auf Französisch, wir verstehen also immerhin ab und zu einiges davon. Aber statt der bisher erlebten Pfarrer, die in freundlich melodischem Polynesisch ihre Gemeinde mitzunehmen wussten, erwischen wir dieses Mal einen wütenden, aggressiven Prediger mit drohendem Tonfall. „Es gibt nur diese eine, richtige Kirche“ verstehen wir. Na ja, möglicherweise wäre es für uns richtiger in der anderen Kirche ein paar Häuser zurück, an der wir unterwegs vorbeigekommen sind. Wie auch immer, ich möchte mir den Sonntag nicht verderben lassen und gehe hinaus.

Das erweist sich als Glücksfall, denn direkt gegenüber der Kirche, unter einem Baum am Ufer der Lagune und mit Blick auf die Flora, treffe ich auf Poline.

Die ältere Dame mit den blitzenden Augen spricht mich auf französisch an, wechselt nach meiner Antwort aber gleich ins Englische. Nicht nur ihr fließendes Englisch ist beeindruckend. Sie strahlt Lebenslust aus, Freude, Eleganz, vor allem aber eine Anmut, die ihrem doch gehobenen Alter zu spotten scheint. Wirklich, sie ist 84 Jahre alt? geboren 1940. Wow.

Poline fragt mich nach unserer Reise und kommt dann selbst ins Erzählen. Mit 15 Jahren hat sie Fakarava verlassen, um fortan als Sängerin und Botschafterin polynesischen Musik um die Welt zu reisen. Ein Ausschnitt ihrer Musik ist auf ihrem Album Tahiti Matamua Poline zum Beispiel auf Spotify zu finden:

„Tahiti, Goldene Zeiten“

Ganz offenbar ist sie viel herumgekommen, sie erzählt begeisternd, mit viel Verve und einem ansteckenden Lachen. Ja, man spürt die Spuren des Alters, manches wiederholt sich, gelegentlich lässt ihre Erinnerung sie im Stich. Dann aber wieder blitzen ihre Augen auf, die zarte, zerbrechlich wirkende Gestalt streckt sich, unterstreicht ihre Geschichten mit grazilen Bewegungen. Zugleich natürlich und elegant.

Wiebke und Andrea sind dazugekommen, setzen sich zu uns unter den Baum.

Mehr noch als von ihren Reisen erzählt Poline über Fakarava. Ob wir es auch so wunderbar finden? So schön ist es hier, dass sie am Ende einfach zurückkommen musste. Hierher, wo es nicht viel gibt und doch mehr, als man wirklich braucht. Hierher, auf ihr Land, das schon das Land ihrer Mutter und Großmutter war.

Ich frage Poline, was ihr an der polynesischen Musik besonders gefällt. Sie überlegt kurz und fängt dann als Antwort einfach an zu singen.

Ohne Zweifel ein weiterer magischer Moment unserer Reise.

Māuruuru. Von Herzen Danke, Poline.

Zurück nach Fakarava

Wie verabredet gehen wir und auch die Easy-One bereits um 5.00 Uhr ankerauf. Der Pass lässt sich bei zwei bis drei Knoten einlaufendem Gegenstrom unproblematisch und ohne großes Geschaukel passieren. Danach wird es ein schöner Segeltag mit unserem blauen Gennaker. Allerdings macht uns das Großsegel Probleme. Grund ist – hoffentlich – das elektronische Sicherungspanel am Kartentisch. Das hat uns ja schon die Motorraumbelüftung und die Kühlschränke (inzwischen überbrückt) lahmgelegt, heute früh lässt sich nun auch der Schalter für die elektrische Rollanlage im Mast nicht mehr einschalten. Ärgerlich aber, wenn das Panel denn wirklich die Ursache ist, vorrübergehend. Ein neues Panel hatten wir bei Hallberg-Rassy bestellt, Katrin wird es nächste Woche mitbringen.

Es führt aber jedenfalls dazu, dass wir das Großsegel nur im Notbetrieb mittels der dafür vorgesehenen Handkurbel bewegen können. Die Mechanik im Seldén-Mast ist etwas tricky und die Kurbelei ziemlich aufwändig: zehn Umdrehungen an der Kurbel bringen eine halbe Umdrehung des Profils für das Großsegel im Mast. Beim Ausrollen kann man sich vom Wind helfen lassen, aber das Einrollen geht unfassbar langsam vonstatten. Anstrengend. Theoretisch würde ein 1/2-Zoll-Adapter auf dem Akkuschrauber helfen, aber bei diesem erstem Mal erledigen wir das Ganze sicherheitshalber komplett manuell. Ist allerdings beim Einrollen vor Fakarava wirklich schweißtreibend, aber immerhin, es funktioniert.

Gegen 15.00 haben wir den Ankerplatz hinter dem Südpass erreicht, auch hier war die Passdurchfahrt unproblematisch, diesmal mit 2 kn mitsetzendem Strom.

Während die Easy-One einige Tage hier bleiben möchte, wollen wir am nächsten Tag weiter zum Hauptort des Fakarava-Atolls, dem 30 Seemeilen weiter nördlich gelegenen Dorf Rotoava. Am dortigen Flughafen wird Katrin ankommen, bis dahin wollen wir noch Proviant einkaufen und die Wäsche waschen lassen. Für uns geht’s also nach nur einer Übernachtung weiter, allerdings nicht, ohne vorher noch einmal den Südpass zu besuchen. Driftschnorchelgang mit Andrea für Wiebke, Tauchgang mit Ingo für mich.

Obwohl es schon mein insgesamt siebter Tauchgang hier ist, begeistert der Südpass doch immer wieder aufs Neue. Dieses Mal ist besonders viel Fisch unterwegs, Großaugenbrassen und Langnasen-Doktorfische sehen wir zuhauf, auch ein Adlerrochen lässt sich blicken.

Auffällig sind auch die die ziemlich großen (bis 75 cm) Titan-Drückerfische. Sie bewegen sich meist ohne Einsatz der Schwanzflosse fort, sondern vielmehr durch wellenartiges Pulsieren der Rücken- und der Afterflosse. Bei ihnen muss man allerdings sehr achtsam sein, insbesondere die Weibchen können in der Brutzeit agressiv werden. In einem auf der Spitze stehenden Kegel um ihr Nest herum greifen sie dann andere Fische an und versuchen auch Taucher und Schnorchler zu verjagen. Bei ihrem ziemlich massigen Gebiss gelingt ihnen das recht eindrucksvoll. Am besten verzieht man sich dann nicht nach oben, sondern seitlich aus dem Kegel heraus.

Und natürlich dürfen an der Wall of Sharks auch die Haie nicht fehlen. Wir sehen viele Graue Riffhaie, diverse Weißspitzenhaie liegen malerisch auf dem Grund oder auf Sandflecken herum. Vereinzelt findet sich auch mal ein Silberspitzenhai und im Uferbereich sind natürlich Schwarzspitzenhaie unterwegs.

Ingo legt sich unten auf den Grund und beobachtet einen Weißspitzenhai, der sich gerade Gebiss und Kiemen putzen lässt…

… Andrea filmt schnorchelnd am Paddelboard:

Tja, und dann geht es für uns erst einmal hoch nach Rotoava. Morgen soll dort das Versorgungsschiff ankommen, das ist bei der geplanten Verproviantierung ein Termin, denn wir nicht verpassen wollen.

Fakarava: Wall of Sharks (und andere ganz besondere Fische)

Das Festtagsmenü am zweiten Weihnachtstag auf der Lille Venn setzt einen weiteren Glanzpunkt.

Für die nächsten Tage ist sehr ruhiges Wetter angesagt. Ideal zum Tauchen und Schnorcheln. Wir verlassen Hirifa im Südosten von Fakarava und verholen die Flora zum Ankerplatz in der Nähe des Südpasses der Lagune. Anders als im Juli wählen wir dieses Mal einen Platz, der zwar etwas weiter vom Pass entfernt liegt, dafür aber wunderschön hinter einem kleinen unbewohnten Motu.

Bei nur 5 Metern Wassertiefe können wir einen etwas größeren Sandfleck ausmachen und dort den Anker platzieren. Das Floaten der Kette ist aber unerlässlich, um die empfindlichen Korallen nicht mit der Ankerkette zu berühren. Wir ankern noch einmal etwas weiter am (tiefen) Rand des selben Sandfleck und hängen die Floats sogar ein paar Mal um, bis wir eine gute Lösung gefunden haben.

Dann aber ist die Flora von allen hoch reichenden Bommies gut frei und die Kette schwebt auch ohne Berührung über den niedrigeren Korallenköpfen.

Das Schnorcheln an den Bommies ist schon gut, noch besser aber ist der Driftschnorchelgang im Pass. Das kennen wir schon von unserem Besuch im Juli. Wie damals sehen wir zwar einige Haie unten am Grund des Passes und natürlich auch Schwarzspitzenriffhaie in den Uferbereichen, aber die eigentliche “Wall of Sharks” bleibt dem Tauchgang mit Flasche vorbehalten. Was bei diesem Driftschnorchelgang schon auffällt, ist die ungeheure Menge und Größe der Napoleonfische. Diese neben den Zackenbarschen größten Korallenfische können über 2 Meter lang und 190 kg schwer werden, ausgewachsene Exemplare haben einen auffälligen Kopfbuckel.

Da wollen natürlich die Einhornfische hinsichtlich extravaganter Kopfform nicht zurückstehen. Diese im Deutschen auch als “Langnasen-Doktorfische” bekannten Exoten sind hier ebenfalls sehr zahlreich.

Drückerfische, Doktorfische (so genannt wegen des skalpellscharfen hornartigen Defensivwaffen an der Schwarzwurzel) …

… und verschiedene Falterfische sehen wir ebenfalls.

Aber der eigentliche Kracher am Südpass von Fakarava ist nunmal die “Wall of Sharks” mit ihren Hunderten von Grauen Riffhaien.

Gemeinsam mit Jeroen und Rajesh (SY My Motu), Hannes (SY MariaNoa) und Ingo (SY Easy One) tauche ich ab. Die leicht erkältete Wiebke und Brigitta bleiben in den Dinghies und sammeln uns nach dem sehr strömungsintensiven Tauchgang wieder ein. Und auch dieser Tauchgang am Südpass wird wieder ein beeindruckendes Erlebnis:

Vielleicht im Video noch besser zu verstehen und eindrucksvoller, auch wenn die Video-Qualität hier im Blog etwas reduziert ist:

Die Bedingungen sind gerade besonders gut, also wollen wir morgen gleich noch einen Tauchgang versuchen. Dann ist Wiebke hoffentlich wieder fit und dabei.

Im Südosten von Toau

Hier lässt es sich aushalten. Gegen die derzeit vorherrschenden östlichen Winde bietet das Motu Otuhorau mit seinem dichten Palmenbestand hervorragenden Schutz und es baut sich kaum eine Welle auf. Das ist um so bemerkenswerter (und beruhigender), als in den letzten beiden Nächten ziemlich kräftige Squalls mit Starkregen und kurzfristige Winde in Sturmstärke von an die 40 Knoten in Petto hatten.

Tagsüber ist meist ruhiger, aber selbst das gemütliche abendliche Seglertreffen mit den Dinghies im Flachwasser am Strand …

(hier mit den Crews der Gerty und der Adiona)
Photo credit: Jill, S/V Gerty

… bekommt in einem Squall dann doch einen etwas anderen Charakter:

Jill und Michael von der S/V Gerty

Aber hey, kein Grund, sich die gute Laune verderben zu lassen, Segeln ist schließlich Wassersport!

A propos Sport: der meist kräftige Wind und das dafür ziemlich glatte Wasser helfen mir beim Wingfoil-Training. Gelegentlich schaffe ich es jetzt auch auf meiner schwächeren Seite (mit meinem linken Fuß vorn) zumindest kurzfristig ins Foilen zu kommen.

Photo courtesy: Jill, S/V Gerty

Aber es bleibt erstmal bei ziemlich viel Kletterei zurück aufs Board nach den Abflügen, da fordert der böige Wind dann doch Tribut.

Was noch?

Schnorcheln,

Strandspaziergänge,

Spielenachmittag auf der Adiona bei Maggie und Scott, Sundowner auf der Gerty bei Jill und Michael, Organisieren der Ersatzteillieferung unseres hydraulischen Achterstagspanners von Deutschland (Riesendank an Uwe von Nordyacht!) nach Papeete und weiter nach Fakarava (bei aktuellem Streik der Flughafenfeuerwehr), nicht zuletzt auch ein bisschen Vorbereitung auf unser Webinar über Alaska am Donnerstag,

Uns wird nicht langweilig.

Von Toau nach Toau

Wir verlassen den False Pass. Für das Wochenende ist kräftiger Wind aus Ost angekündigt, anfangs mit südöstlicher Komponente. Dagegen ist die Südostecke des Atolls besser geschützt.

Das Timing für den Ostpass von Toau stimmt leider wieder nicht ganz. Als wir dort ankommen, sehen wir eine stehende Welle, die sich über die Hälfte der Breite des Passes erstreckt. Ein Segelboot kämpft sich durch die verbleibende Lücke aus dem Atoll heraus, wird dabei kräftig durchgeschüttelt. Wir funken die Yacht an, nachdem sie den offenen Ozean erreicht hat. Der Skipper berichtet von 5 kn mitsetzendem Strom gegen die Windrichtung. Da warten wir lieber draußen noch etwas ab, obwohl die See auch hier ziemlich unruhig ist. Das Großsegel ist ohnehin schon gerefft, das Vorsegel rollen wir etwas ein. Dann drehen wir bei (machen also hoch am Wind einfach eine Wende, ohne das Vorsegel zu bedienen und legen sofort wieder Gegenruder). Der Effekt ist immer wieder frappierend: das Vorsegel steht back und sofort kehrt Ruhe ein, als ob jemand die Wellen abgestellt hätte. Mit etwa einem Knoten driften wir ganz langsam zur Seite.

So warten wir eine knappe Stunde vor dem Pass, dann hat sich die Strömung augenscheinlich erheblich beruhigt. Als wir durch den Pass ins Atoll einlaufen, sind es nur noch gut 2 kn Gegenstrom und auf der südlichen Seite des Fahrwassers auch keine wilden Wellen mehr.

Noch zwei Meilen hinunter in die Südostecke und wir schnappen uns eine der freien Moorings.

Die Gerty hat sich ebenfalls hierher verholt, legt sich aber ein Stückchen weiter an einer kahlen Stelle des Riffs vor Anker. Sie wollen möglichst wenig verwirbelten Wind um vom Boot aus zu Kiten und verzichten dafür eben auf den Windschutz der Palmenhaine.

Kaum sind wir an der Mooring fest, meldet sich Maggie. Scott und sie sind mit der Adiona noch in Fakarava, wollen aber morgen nach Toau kommen. In Fakarava ist gerade das Versorgungsschiff angekommen und hat frisches Obst und Gemüse geliefert. Ob sie uns etwas mitbringen sollen?

Wow, was für ein wunderbares Angebot. Die beiden wissen um die Schwierigkeit, sich auf den kleineren Atollen entsprechend zu versorgen. So geben wir eine Bestellung auf und bekommen wir am nächsten Tag ein äußerst willkommenes Care-Paket geliefert:

Dankeschön, Ihr Lieben!

So schön mit Frischem verproviantiert und mit befreundeten Booten in der Nähe lässt sich der bevorstehende “Blow” in dieser geschützten Ecke des schönen Atolls doch ganz in Ruhe aussitzen.

Vielleicht ist ja sogar guter Wind zum Wingfoilen dabei? Noch ist es eher ruhig:

Wir müssen auch noch ein bisschen unseren Online-Vortrag über Alaska vorbereiten. In der OCC (Ocean Cruising Club) Webinarreihe sollen wir am 12. Dezember über diesen Teil unseres Törns berichten. Wer mag, kann sich gerne kostenlos zu dem Zoom-Vortrag mit anschließender Fragestunde anmelden. Geht (auch für Nichtmitglieder des OCC) über deren Webseite oder über den folgenden Link:

Webinar-Anmeldung OCC

Falls Ihr bei dem (englischsprachigen) Webinar am 12. Dezember ab 21.00 Uhr deutscher Zeit dabei sein werdet (was uns natürlich sehr freuen würde), lasst es uns gerne wissen. Da wir nicht die eigentlichen Veranstalter des Seminars sind, würden wir das sonst bestenfalls im Nachhinein erfahren.

Abschied von Tikehau

Vom Ankerplatz am Garten Eden geht’s zurück Manta-Putzerstation am Motu Mauu. Dieses Mal fahren wir nicht mit dem Dinghy hinüber, sondern mit der Flora.

Auf dem AIS sehen wir, dass dort bereits ein Boot ankert. Es ist die India, ein kanadisch geflaggter Stahlschoner. Das Boot und den französischen Eigner Olivier haben wir schon in Sausalito in der San Francisco Bay und dann nochmal wieder in La Paz in Mexiko getroffen. Wir ankern neben ihnen und es gibt ein großes Hallo!

Das klitzekleine Motu mit der aufgegebenen Perlfarm auf dem deutlich größeren Riff bietet guten Wellenschutz und eine wildromantische Kulisse.

Vielleicht auch ein bisschen morbide, aber auf alle Fälle mit tollen Farbkontrasten.

Die Manta-Putzerstation liegt dem Ankerplatz gegenüber hinter der schmalen Spitze des Motus und natürlich statten wir ihr auch diesmal einen Besuch ab. Die Sicht ist an diesem Morgen allerdings nicht ganz so gut, das Wasser etwas aufgewühlter, aber wir haben wieder Glück: mit einer Manta-Sichtung.

Jeroen und Rayes, die etwas später dort schnorcheln, können sogar gleich drei Mantas im Formationsflug an sich vorbeiziehen lassen. Aber wir sind auch so mehr als zufrieden, ein solch majestätisches Tier zu sehen ist immer wieder ein Gänsehaut-Erlebnis.

Bei hochstehender Sonne fahren wir dann weiter nach Westen zum Tonnenstrich, biegen ab ins Fahrwasser Richtung Pass. Raus soll es aber erst morgen früh gehen, eine Nacht bleiben wir noch in Tikehau.

Direkt nördöstlichlich des Passes Tuheiava gibt es einen Ankerplatz, der durch ein fast Omega-förmiges Riff auch gegen den sich in der Lagune aufbauenden Ost-Schwell recht guten Schutz bietet.

Zeit, nochmal die Spielzeuge zu nutzen, bevor sie für die anstehende Passage Richtung Fakarava unter Deck verstaut werden müssen. Ralph leiht mir sein größeres 6qm-Wing, aber leider reicht für mich der Wind trotzdem nicht ganz zum Foilen. Dann halt Stand- und Langsamfahrt-Training.

Mit Ralph fahren Wiebke und ich noch per Dinghy durch den Pass, parken das Beiboot draußen an einer Boje und schnorcheln ein wenig. Ein riesiger Schwarm von bestimmt über tausend durchaus nicht kleinen Fischen ist etwa 20 m unter uns am Grund zu sehen. Die Fische stehen so dicht, dass ich sie zuerst überhaupt nicht als einzelne Tiere erkenne. Nur an den Rändern und wenn Bewegung hineinkommt wird es deutlicher.

Auf der Rückfahrt schnorcheln wir noch an einer Fischfalle im Pass. Sie scheint nicht mehr in Betrieb zu sein. Dennoch dreht ein grauer Riffhai in der Falle seine Runden. Vermutlich freiwillig, denn die Öffnung ist riesig.

Zurück zum Boot und alles klar machen für die vermutlich etwa anderthalbtägige Passage. Ganz sicher sind wir noch nicht, vielleicht biegen wir auch vorher nach Rangiroa oder Toau ab. Nach der Vorhersage wird es ein Amwindkurs bei leichten bis mittleren Winden werden, vielleicht müssen wir auch kreuzen. Das würde dann allerdings einen Zwischenstopp auf einer der anderen Atolle vor Fakarava wahrscheinlicher machen.

Für Flora wird es auch ein Test, wie die Stützkonstruktion für den schwächelnden Achterstagspanner unter Segeln funktioniert. Neben der bisherigen Talje aus 8 mm Dyneema habe ich jetzt noch eine weitere Talje aus 10 mm Dyneema geriggt. Doppelt hält (hoffentlich) besser.