Juneau, Alaskas Hauptstadt

Anna, eine unserer Gastgeberinnen in der Crab Bay, stammt aus Juneau. Ihr ambivalentes Verhältnis zu Alaska und ihrer Heimatstadt hat sie uns gegenüber so beschrieben: „For 18 years I tried hard to get out of Alaska and than another 18 years to get back!” damit steht sie nicht allein. Die kleinstädtische Enge der gut 30.000 Einwohner zählenden Hauptstadt Alaskas und noch mehr der sie umgebenden Fischerdörfer, die Abgeschiedenheit vom Rest der Welt wird wohl von vielen (insbesondere von Jugendlichen) eher als Bürde denn als Privileg empfunden. Und doch, die enge soziale Verbundenheit und die phantastische Natur fehlen umgekehrt in der Anonymität ferner Großstädte.

Sehr schön beschreibt das eine Freundin von Anna, die Musikerin Erin Heist, in ihrer Musik. Etwa im Song “Out of town” (Album: From the land of rusted dreams) mit der Textzeile “Ain’t no boat to take, ain’t no road for free, I gotta get out of town.” Kommt sofort auf unsere Reise-Playlist.

Aber warum eigentlich gibt es keine Straße nach Juneau? Na klar, Alaska ist abgelegen. Trotzdem haben die Amerikaner im zweiten Weltkrieg in nur zwei Jahren mit Genehmigung der Kanadier einen Highway quer durch Kanada gebaut, um die bisher abgelegenen Flugplätze und Orte, insbesondere Anchorage, zu erreichen. Die Hauptstadt Juneau wurde trotzdem nicht an das Straßennetz angeschlossen. Der Grund wird auf diesem Schaubild im Alaska State Museum deutlich:

Das Juneau Icefield, eine riesige, 3.900 Quadratkilometer messende zusammenhängende Fläche von Gletschern, zieht sich im Osten Juneaus auf der Grenze zwischen Kanada und Alaska entlang.

Teile dieser Eisfläche sehen wir schon bei der Anfahrt auf Juneau. Der Mendenhall Gletscher, quasi der Hausgletscher der Stadt, begrüßt uns mit leuchtendem Hellblau bereits aus der Ferne und bevor wir die Häuser der Stadt ausmachen können.

Aber selbst für uns präsentiert sich Juneau zwiespältig. Zum einen ist da der sehr geschützte Hafen und die pittoreske Lage unmittelbar vor den hohen Bergen.

Andererseits ist das alte Stadtzentrum schon ausgesprochen touristisch geprägt. Überteuert, mit vielen Schmuck und Souvenirshops. Kein Wunder bei den im Verhältnis zur Bevölkerungszahl überwältigenden Zahl der großen Kreuzfahrtschiffe und ihrer Passagiere.

Schlangen vor dem Imbissbuden am Hafen, wo man für nur 20 US$ lokales Fastfood erstehen kann, Wartezeiten von einer Dreiviertelstunde im Food-Truck-Dorf, wo es das Ganze bei schönerer Kulisse etwas teurer gibt. Geschiebe in den Läden um die Franklin Street, wo dann z.B. original Bärenzähne zu kaufen sind.

Wandbild in der Innenstadt

Toll aber das innenstadtnah gelegene Alaska State Museum.

Kajak einschließlich Jagdgerätschaften sehr anschaulich erläutert
Sonnen- bzw. Schneebrillen
Verzierte Heilbutt-Angelhaken

Die verschiedenen Nationen der in Alaska lebenden Ureinwohner, ihre besonderen Kulturen und Jagdtechniken, Alltags- und Kunstgegenstände werden ebenso dargestellt wie die Kolonialisierungsgeschichte mit russischer und US-amerikanischer Station und der industriellen Fischerei.

Die Natur Alaskas wird zwar behandelt, kommt aber vielleicht ein bisschen kurz. Wir kompensieren das am nächsten Tag durch einen ausgesprochen langen Hike vor den Toren der Stadt. Mit dem Bus gelangen wir zum Startpunkt in der Nähe des Mendenhall Gletschers. Das Bussystem funktioniert gut, jede Fahrt kostet (unabhängig von der Fahrtstrecke) 2 $, von unserem Hafen in der nördlich gelegenen Auke Bay aus sind so große Supermärkte und auch das Stadtzentrum gut erreichbar. Der Hike beginnt einfach durch eher flaches Regenwald-Gebiet ein bisschen abseits der Straße.

Aber dann wählen wir den „East Glacier Loop Trail“, der abseits des von von den Kreuzfahrtbussen angefahrenen Besucherzentrums durch die Berge oberhalb des am Ufer des Gletschersees entlang führenden gut ausgebauten Fußweges zu den imposanten Nugget Falls führt.

Unser Wanderweg ist da einsamer. Wir begegnen auf dem mehrere Stunden dauernden Weg nur ein paar Handvoll andere Wanderer.

Mal mit gut ausgebauten Stufen oder Treppen …
… mal rustikaler …
aber immer mit beeindruckender Natur.

Am Ende schließt dann wieder ein flacheres Stück durch moorige Seenlandschaft an.

Hier treffen wir auf Mary, die gerade „High Bush Cranberries“ pflückt, nicht Huckleberries (Johannisbeeren) , wie wir fälschlich annehmen. Die Biologin ist vor über 30 Jahren nach Alaska gekommen und hier geblieben. Sie erklärt uns anschaulich, wie wir die Sitka Spruce (piksig, gerade Spitze) von der Hemlock-Tanne (weiche, flache Nadeln, gebogene Hexenhut-Spitze) unterscheiden können. Unsere bisherigen Versuche über die Borke („Potato Chips bzw. Bacon“) waren nicht so recht eindeutig. Während wir uns unterhalten, fliegt eine große blaue Libelle zu uns und lässt sich abwechseln auf jedem von uns nieder. Von Wiebkes Rücken kann ich sie auf meinen Finger locken und an Mary weiterreichen. Ungewöhnlich, aber sehr schön.

Mary berichtet uns, dass über diese blauschwarzen Libellen gesagt wird, sie würden die Lippen von schlechte Dinge sagenden Menschen zusammennähen. 😜

Und noch eine andere tierische Begegnung haben wir auf dieser Wanderung: erstmals sehen wir Lachse in ihrer Laichfärbung ein stark strömendes Bachbett hinaufwandern. Für den Rotlachs (Sockeye) hat die Saison begonnen, sein dunkelblauer Rücken und die silbrigen Seiten haben sich leuchtend rot verfärbt, der Kopf grünlich. Das Maul macht eine Formveränderung durch, wird deutlich länger und bekommt in Ober- und Unterkiefer einen Haken. Die laichfähigen Tiere in diesem Stadium fressen nicht mehr, sondern kämpfen sich die Bäche hoch zu ihrem Geburtsort, laichen und sterben dann.

Jetzt beginnt die Festmahlzeit für die Bären. Wir sind gespannt, ob wir das noch zu sehen bekommen.

Zurück am Hafen treffen wir auf die gerade angekommenen Crews der Pitou und der (ebenfalls holländischen) Fidelis. Spontan drehen wir nochmal um und begleiten die anderen zur örtlichen Brauerei oberhalb der Marina.

Die Kombination aus großem Wagen und Nordstern ziert die Flagge Alaskas

Ach ja, der tägliche Seeadler. Heute mal „Marina-Style“. Hoffentlich verzeiht der B&G-Windmesser im Masttop des Nachbarbootes die funktionsfremde Nutzung.

Heute haben wir übrigens Ruhetag, die 13 km von gestern stecken uns noch in den Beinen. Passt aber, um es mit einem anderen Alaska-Song von Erin Heist auszudrücken: „Another rainy day“. Wir verwöhnen uns mit Selbstgebackenem: Apfel-Pekanuss-Kuchen und Hafer-Cashew-Karamell-Keksen.

😁

Was das Reisen ausmacht …

… sind vor allem anderen die Begegnungen.

Wir fahren bei mäßigem Wetter von Hoonah aus die Icy Strait hinauf und ein kleines Stück den Lynn Canal (der große Verbindungsfjord, der nach Skagway hinauf führt). Dann biegen wir aber gleich wieder ab in die Funter Bay.

Ein schöner, unspektakulärer Ankerplatz. Nicht völlig einsam, im Süden der Funter Bay ist vor den langsam verfallenden Ruinen der alten Fischkonsenvenfabrik ein öffentlicher Ponton verankert, an dem man kostenlos festmachen darf. So etwas gibt es hier häufiger mal. Wir entscheiden uns aber für den nordöstlichen Arm, die Crab Cove. Im Scheitel der Bucht stehen mehrere Häuser am Waldrand. Ein deutlich kleinerer Ponton ist außerhalb der trockenfallenden Zone verankert, er scheint privat zu sein, ein Aluboot mit Außenborder ist offenbar schon länger daran festgemacht. Wir ankern noch einmal um, nachdem wir unseren Schwoikreis kontrolliert haben. Bei gut 4 m Tidenhub kämen wir bei Ebbe doch sehr nah an den Flachwasserbereich, etwas mehr Abstand sorgt für besseren Schlaf. Ein paar Bojen von Krebsfallen sprenkeln die Wasseroberfläche, kein Wunder beim Namen der Bucht. Vielleicht haben wir hier ja mal Erfolg beim “Crabbing”, also bringen wir gleich unseren Krebskorb aus.

Am nächsten Morgen wundern wir uns über eine kleine Versammlung auf dem Ponton. 6 Leute stehen im Regen und unterhalten sich. Beim ersten flüchtigen Hinsehen halte ich sie für Fischer. Als ich nach dem Kaffee aus dem Fenster sehe, kommt gerade eine Frau mit einem Hund im Kajak dazu. Hm, doch keine Fischer. Drei Männer und drei Frauen stehen auf dem kleinen Floß, außerdem können wir jetzt auch Gepäckstücke erkennen.

Wir fragen doch mal nach, ob sie ein Shuttle brauchen, ich fahre mit dem Dinghy rüber und werde sehr freudig empfangen. Sie wollen zum Haus und der Cabin von Joan (der Frau mit dem Hund). Das Taxiboot aus Juneau konnte bei dem niedrigen Wasserstand nicht nahe genug an den Strand fahren und das Boot von Joan liegt noch für ein paar Stunden hoch und trocken. Also bringe ich sie mit ein paar Fuhren hinüber. Joan nimmt mir das Versprechen ab, dass wir auf jeden Fall noch vorbeikommen müssen.

Wiebke und ich frühstücken gemütlich und fahren dann beide hinüber. Kurz, wie wir denken, eigentlich wollen wir ja gleich Anker auf gehen. Aber es kommt anders. Das Haus ist super gemütlich. Wir bekommen eine Tasse Tee mit Blick auf unser Schiff und schnacken uns gleich fest.

Es ist nur mit dem Boot oder per Wasserflugzeug erreichbar, eine Straße führt nicht einmal in die Nähe. Stromanschluss gibts ebenfalls nicht, Solarpanels und ein Dieselgenerator versorgen die 12-Volt-Batterien, wie auf unserem Boot. Wasser wird aus dem oberhalb des Hauses angestauten Bach gezapft und von da per Fallrohr zum Haus geleitet. Gasflaschen, Diesel, Lebensmittel, das muss alles per Boot mitgebracht werden.

Als die Flut das Boot von Joan wieder flott gemacht hat, holen wir das Gepäck, Wiebke shuttelt die Koffer und Lebensmittel mit Joans Quad.

Dann wollen die Jungs aus Texas fischen gehen. Sie haben Angelruten und Krebskörbe mitgebracht, Greg macht auch mir gleich eine Angel fertig und erklärt, wie das Setup für Heilbuttfischen am besten funktioniert. Als Köder befestigt er mitgebrachte Heringe auf den Doppelhaken hinter dem Gewicht. Zwischen den vorgelagerten Inselchen lassen wir das Boot langsam driften, die Köder knapp über dem Grund werden durch Auf- und Abwippen mit der Angel immer wieder in die Höhe gezogen und heruntergelassen. Jig-Fischen (oder Pilken beim Dorschfischen in der Ostsee, danke an Michael von der Samai für den Hinweis).

Erfolgreich. Nach weniger als 5 Minuten habe ich den schönen Heilbutt im Boot. Auch die anderen haben Angelglück, innerhalb einer halben Stunde fangen wir vier Heilbutte (die Schollen und Rockfische gehen gleich wieder ins Wasser zurück).

Das wird ein Festessen, zumal wir aus Joans Krebsfallen auch noch fünf fette Dungeness-Krebse holen (unsere ist natürlich leer, war aber auch nicht so lange drin).

Die Krebse werden gekocht, die Heilbuttfilets zünftig über auf einem Bett aus Skunk-Cabbage-Blättern auf Zwiebeln und Knoblauch gegrillt.

Es wird ein wunderschöner, sehr langer Abend mit tollen Gesprächen. Danke an Joan, an Anna und Greg, Jennifer und Alex, Lissette und Pedro für Eure Gastfreundschaft.

Buckelwale, Zauberwald in Bartlett Cove und über die Icy Strait hinüber nach Hoonah

Bevor wir die Glacier Bay verlassen ankern wir noch einmal in der Bartlett Cove.

Mehrere Buckelwale haben sich diese mit rund 40 m und im Ankerbereich nur 17 m vergleichsweise flache Bucht als ihren heutigen Mittagstisch ausgesucht. Sie ziehen ihre Runden zumeist im Uferbereich und so können wir sie von Bord der Flora bei der gemächlichen Jagd beobachten. Dazu ausnahmsweise mal ein kurzes Video:

Wir beschließen, dass wir dann ja vielleicht drüben in der Lodge essen gehen könnten (klappt nicht, nur für Übernachtungsgäste). Macht aber nichts, dann können wir jedenfalls noch einen Spaziergang auf dem ausgeschilderten ”Forest Trail” unternehmen. Der wiederum entpuppt sich als Glücksgriff.

Unser Pflanzenführer “Plants of the Pacific Northwest Coast” enthält nur 20 Seiten über Bäume (genau so viele wie zu den Flechten), aber mehr als doppelt so viele Seiten zu Moos. Tatsächlich erkennen wir nur Sitka-Tanne, Hemlock-Tanne und Roterle, aber die verschiedenen Moose verwandeln diesen “Temperate Rainforest” in einen Zauberwald wie aus dem Märchen entsprungen. Am Eingang warnt ein Schild, wir müssen uns vor Elchen und Bären in Acht nehmen, aber auftauchende Elfen, Trolle oder Zwerge würden uns wahrscheinlich kaum mehr überraschen.

Der Wald ist zwar “Urwald”, wird hier also nicht bewirtschaftet, aber besonders alt ist er nicht. Vor 250 Jahren bedeckte Gletschereis diesen Bereich, das sich in der “Kleinen Eiszeit” bis etwa im Jahr 1750 schnell hierher ausgebreitet hatte. Die damals hier lebenden verschiedenen Clans der Tlingit wurden von dem vorrückenden Eis vertrieben und siedelten sich 1754 außerhalb der Glacier Bay in einem gegenüber liegenden Arm der Icy Strait an. Der Ort Hoonah (ursprünglich Xunijaa = geschützt vor dem Nordwind) ist heute mit 800 Einwohner die größte Gemeinde der Tlingit.

Und die ist unser nächstes Ziel. Auf dem Weg dorthin begrüßen uns an der Einfahrt zur Bucht Port Frederic schon mal Stellersche Seelöwen (benannt nach Georg Wilhelm Steller, der als Arzt und Wissenschaftler in russischen Diensten 1741 mit Kapitän Vitus Bering Alaska erreichte (und anders als Bering von dieser Reise auch nach Russland zurückkam).

Dass Hoonah durch einen Großbrand in den 1940er Jahren fast vollständig abgebrannt ist und mit zum Teil heute noch genutzten Not- oder Weltkriegs-Häusern vor dem Auseinanderbrechen der Gemeinde gerettet wurde zeigt sich auch heute noch im Ortsbild. Ebenso sichtbar ist aber das aktive Fördern von Klingit-Traditionen. So wird die Sprache in allen Schulformen unterrichtet und die typischen Totem-Schnitzereien und Bilder prägen ebenso das Ortsbild.

Vor allem aber ist die aktive Fischerei offensichtlich das Hauptgewerbe in und um Hoonah.

Unsere eigenen Angelkünste dagegen …

Naja. Aber in Hoonah treffen wir Michelle und Tom von der SY Paraiso, verbringen einen schönen gemeinsamen Abend auf der Flora und bekommen dabei viele Tips zum Revier und auch zum Fischen hier.

😁

Mite Cove, Seeotter und über die Icy Strait auf zur Glacier Bay

Die Mite Cove ist unser nächster Ankerplatz. Fast schon am Ausgang des Lisianski Inlets gelegen, wird er durch eine vorgelagerte kleine Insel geschützt und bietet uns zudem noch zwei schöne Überraschungen.

Wir teilen die Bucht nur mit einem kleinen traditionellen Fischerboot. Wie wir auch hat es einen Krebskorb ausgebracht. Ob sie mehr Erfolg haben wissen wir nicht, unserer ist jedenfalls weiterhin beim Aufholen leer. Trotzdem bleibt uns der Ankerplatz in dem fast schwarzen, durch gleich mehrere Waldboodenzuflüsse moorartig wirkenden Wasser in sehr guter Erinnerung. Die Anfahrt ist zwar so neblig, dass wir auf der einfachen Fahrt den Fjord hinunter ausgiebig verschiedene Einstellungen des Radars testen und ausprobieren können. Aber in der Bucht kommt kurz die Sonne heraus und der Himmel versöhnt uns sogar mit einem wunderschönen Regenbogen.

Vor allem aber besucht uns in der Mite Cove ein Seeotter (oder wir besuchen ihn und er zeigt sich gastfreundlich aufgeschlossen). Die Pelze der Seeotter waren einer der wesentlichen Gründe, warum Russland überhaupt erstmals Expeditionen nach Alaska unternahm, Handelsniederlassungen und Orte gründete und Alaska seinem Reich hinzufügte. Für die Tiere aber mit fatalen Auswirkungen. Als Alaska 1876 an Amerika verkauft wurde, war der Seeotter fast komplett ausgerottet. Einer der Gründe, warum das Land von Russland nicht mehr als wertvoll betrachtet wurde.

Seeotter werden bis zu 1,5 m lang (davon nur 30 cm Schwanz) und bis zu zu 40 kg schwer. Das Außergewöhnliche an ihnen ist nicht nur ihr besonders dichtes und weiches Fell (das die Pelzjäger auf den Plan rief) , sondern vor allem ihre Intelligenz. Die Tiere mit dem putzigen Schnauzbart benutzen sogar Werkzeuge. So klemmen sie mit den Bauchmuskeln einen Stein fest, auf dem sie dann rückenschwimmend Muscheln und erbeutete Krebse aufklopfen. Das können wir heute auch direkt an der Flora beobachten.

Heute gehen wir dann in der Mite Cove schon vor sechs Uhr Anker auf, die Tide für unsere Passage an der Engstelle bei den Inian Islands vorbei über die Icy Strait in die Glacier Bay will beachtet sein. Unser Zeitplan passt, mit zeitweise über 5 kn Strömung werden wir unserem Ziel entgegen geschoben.

Die Glacier Bay. Gleich 23 Gletscher münden in dieses verzweigte System aus Buchten und Inlets. Als Captain George Vancouver (der zuvor auf zwei von Cooks Weltumsegelungen dabei war) in den 1790er Jahren die Westküste Nordamerikas kartografierte, war die gesamte Glacier Bay noch bis in die Icy Strait hinein vereist, die meisten Gletscher sind seitdem aber kontinuierlich zurückgegangen.

Die gesamte Glacier Bay (und ein Gebiet noch etwas darüber hinaus) ist Nationalpark, insgesamt über 13.000 Quadratkilometer. Bis zu 60 sm weit ziehen sich die einzelnen Wasserarme in die mit Schnee und Eis bedeckten Gebirge hinein, die an der Glacier Bay bis über 4.000 m hoch aufragen (Mount Fairweather 4.669 m) ist Für das Befahren mit dem Boot ist in den Sommermonaten eine vorab einzuholende Genehmigung erforderlich. Nur 25 Boote gleichzeitig dürfen sich mit einer solchen Genehmigung in der Glacier Bay aufhalten, maximal eine Woche lang. Praktisch fahren also im Schnitt pro Tag drei bis vier Boote in die Glacier Bay bzw. raus. Zusätzlich täglich zwei Kreuzfahrtschiffe.

Wir haben unsere (kostenlose) Genehmigung bereits von Hawaii aus online beantragt, das geht frühestens 60 Tage vor dem Termin. So wird eine Hälfte der Slots vergeben. Die zweite Hälfte wird kurzfristig zwei Tage vorher zugeteilt. Für unseren ersten Ausweichtermin haben wir dann die Genehmigung erhalten: Eintritt 25.7.2022. Zuvor muss man versichern, mehrere Info-Videos angesehen zu haben, den Eintrittstermin zwei Tage vorher noch einmal bestätigen, sich per Funk anmelden und dann in der Ranger-Station einchecken, wo man noch einmal auf die diversen Beschränkungen hingewiesen wird, die innerhalb des Parks gelten.

Und da sind wir jetzt und sehr gespannt, was uns hier erwartet. Eins ist schon mal klar: die Natur ist der Hauptdarsteller (jedenfalls sobald sich der Theatervorhang aus Nebel lichtet, ansonsten ist es der Radarbildschirm 😉).

Pelican, Alaska

Von der wunderschönen Wasserfall-Bucht Porcupine lösen wir uns im zweiten Versuch dann doch. Die Seegangsverhältnisse draußen sind jetzt deutlich besser, die Sicht ist es nicht. Wir fahren durch die tiefhängende Wolke.

Nachdem wir uns durch das Labyrinth der Felsen hinein getastet haben, führt das in dem jetzt völlig glatten Wasser der Lisianski Strait zu einer regelrecht mystischen Stimmung.

Nach fast 10 sm, kurz bevor die Lisianski Strait auf den Lisianski Inlet trifft, gibt es “irgendwo im nirgendwo” einen massiven Schwimmsteg, an dem wir die Flora festmachen.

An Land gibt es eine Schutzhütte, Bohemia Shelter. An drei Seiten geschlossen, zum Wasser hin kann eine Plane als Regenschutz heruntergelassen werden. Drinnen Pritschen aus Holz, ein Ofen und Brennholz, natürlich auch eine Axt zum Spalten.

Von der Hütte aus soll es einen Trail in den Wald geben.

Wir suchen erst vergebens, finden dann aber doch einen Trampelpfad, der die Wahl der Gummistiefel als Schuhwerk mal wieder bestätigt. Bärenspray am Gürtel natürlich auch dabei.

Was die Marschverpflegung angeht, machen sich Himbeeren und Lachsbeeren diesmal rar, dafür finden wir aber Mengen von Blaubeeren. Pilze auch (auch größere als diese niedlich kleinen), aber die lassen wir stehen, damit kennen wir uns schlicht nicht genügend aus. Aber echte Pilzsammler hätten hier sicher ihre Freude.

Der Pfad endet an einem Fluss, jedenfalls für uns. Die Regenfälle machen ein Durchwaten derzeit nicht möglich, mindestens mal heute ist hier Feierabend. Wir wandern zurück zur Flora und motoren das letzte Stück durch den Fjord bis nach Pelican. Schneefelder finden sich links und rechts auf den hohen Bergen, Wasserfälle rauschen herunter. Dann taucht eine Stadt am Ostufer auf: Pelican.

Da wollen wir hin. “Stadt” ist zwar zutreffend, seit 1974 ist Pelican Alaskas kleinste “first class city”, aber bei nur 60 festen Einwohnern doch irgendwie auch etwas irreführend.

Es gibt eine “Hauptstraße”, den Boardwalk über dem Ufer des Fjords. Auf Stelzen gebaut und aus Holzbohlen. Die meisten Holzhäuser reihen sich bergseitig daran, einige Stelzenhäuser auch fjordseitig.

Eine Anbindung an ein Straßennetz gibt es nicht, aber das ist hier keine Besonderheit. Auch Sitka und selbst die Hauptstadt Alaskas, das 15.000-Einwohner-Städtchen Juneau, sind schließlich nicht an ein Straßennetz angebunden. Außer natürlich über den “maritime highway”, aka das Fährschiff. Die größte Stadt Alaskas, das weiter nördlich gelegene Anchorage, ist dagegen über das kanadische Straßennetz mit dem Auto erreichbar.

Der Boardwalk endet im “Stadtteil Tidal Flats”. Ziemlich deskriptiver Name.

Zurück zum Hafen.

Bleibt noch die Frage, wie der Ort zu seinem für Alaska ja doch eher ungewöhnlichen Namen gekommen ist. So ein Vogel bemoost hier ja doch recht schnell. Der Fischer Kalle “Charlie” Kaatainen (ob der wohl Finnischer Abstammung war?) gründete ihn 1938 und benannte ihn nach seinem Boot. 😁

Bildernachtrag Ankerkerplätze Magoun Bay, Kalinin Bay und Pocupine Bay und White Sulphur Hot Springs

Telefonempfang haben wir immer noch nicht, aber die örtliche Bibliothek in Pelican hat WLAN. Hier also die Bilder zu den drei vorherigen Ankerplätzen. Und was für herrliche Ankerplätze!

Magoun Bay:

Von da aus ging’s weiter in die Kalinin Bay.

Aber es gibt dort nicht allzu viel zu sehen für uns 😉

Erst auf der Weiterfahrt zur Porcupine Bay klart es auf. Erst nur über der See, dann wird es auch auch zum Land hin heller und Dall-Schweinswale zeigen sich.

Mit dem Dinghy anderthalb Meilen zurück zum einzigen Haus auf der ganzen 35 sm Strecke, dem Badehaus der White Sulphur Hot Springs. vom Ölzeug in den Bikini 😎

Wer sagt, das Wasser in Alaska sei zu kalt zum Baden?

😊

Teil III: Was man in Alaska vielleicht auch braucht 🤔😉

Bärenspray und Gummistiefel haben wir. Und was brauchen wir noch? ganz klar, wenn wir Lachs zu den Salmonberries wollen: eine Fishing Licence! Zu Alaska hat wohl fast jeder Bilder im Kopf, auf denen sich die Lachse dicht an dicht die Flüsse und Bäche hinaufdrängeln und den Grizzlybären wie im Schlaraffenland in die weit geöffneten Mäuler hüpfen. Bei dem sprichwörtlichen Fischreichtum hier in Alaska wäre es ja sträflich, wenn wir nicht angeln 🎣 dürften.

Zumal es auch nicht so einfach ist, hier Fisch zu kaufen. Dem Vernehmen nach ist es den Fischern verboten, direkt vom Kutter zu verkaufen. Große Fischereischiffe gibt es viele, was auch daran liegt dass Fischfarmen in Alaska verboten sind. Anders in British Columbia, dort gibt es dafür viel weniger Fischer. Wie auch immer, das einzige Fischgeschäft an Sitkas Hauptstraße bietet nur Konserven an, die die Touristen als Geschenk mitnehmen können. Und im Supermarkt kostet eine Scheibe abgepacktes Lachssteak 12 US$. Hier angelt offenbar jeder selbst, die Vielzahl der kleinen und mittelgroßen Angelboote in den Häfen spricht dafür. Also gut, die Fischereilizenz kann man online beantragen (www.adfg.alaska.gov/) oder in einer der vielen Verkaufsstellen bekommen, etwa Angelgeschäften. Ganz günstig ist das allerdings für „Non Residents“ wie uns nicht: für einen Tag kostet die Lizenz 15$, für eine Woche 45$, für ein Jahr 100$. Also gut, dann die Jahreslizenz. Schluck.

„Ja, aber wenn Ihr King Salmon fischen wollt, kostet das noch mal 100$.“ Wie jetzt?

Lachs ist nicht gleich Lachs. Es gibt hier fünf verschiedene Lachsarten. Der Königslachs (King Salmon oder Chinook) wird bis zu 1,5 m lang und 36 kg schwer. Viel zu groß für uns, zumal wir den zweiten Kühlschrank nicht als Kühltruhe eingestellt haben. Abgesehen davon ist die Saison für diesen Lachs fast schon zu Ende und er ist ohnehin recht selten geworden. Die Zusatzlizenz kaufen wir also nicht. Wir werden „Nicht für King Salmon“ auf den Haken schreiben. Spaß beiseite, die mit der Lizenz übergebene Broschüre enthält diverse weitere lokale Einschränkungen und genaue Anleitungen zum Freilassen „verbotener“ Arten. Die anderen Lachsarten sind Chum (Calico/Ketalachs, bis 100 cm und 15 kg), Coho (Silver Salmon/Silberlachs, bis 100 cm und 10 kg), Sockeye (Red Salmon/Rotlachs, bis 90 cm, 7 kg) und Pink Salmon (Humpy/Buckellachs, bis 65 cm und 6,5 kg). Außerdem Steelhead Trout, kein Lachs, sondern die Salzwasservariante der Regenbogenforelle, die dafür aber um einiges größer ist (bis 110 cm und 25 kg). Mal schauen, ob uns irgendetwas davon an den Haken geht.

Der geschäftstüchtige Verkäufer im Angelladen ist aber noch nicht glücklich mit der verkauften Lizenz und ein paar Ködern. „Wenn Ihr ankert, solltet Ihr auf alle Fälle einen Crab Pot (Krebskorb) aussetzen. Dafür braucht Ihr keine weitere Lizenz.“

Oh Mann. Aber Krebse sind hier wirklich ganz groß. Im Wortsinn und auch was die Verbreitung des Krebsfischens angeht. Wir sehen kaum ein Sportboot, dass nicht mindestens einen Crab Pot an Bord hat. Unser Bootsnachbar (2 Krebskörbe) erklärt uns, wie es geht. Am besten vor einer Flussmündung/einem Wasserfall/einem einfließenden Bach, wo wir ohnehin gerne ankern wollen. Krebskorb runter auf 10 bis 40 m und ein paar Stunden warten. Das war’s.

Hm. Und wie machen wir das mit den Krebsen? 🦀

Hier in Alaska sind es hauptsächlich Dungeness Crabs, also Taschenkrebse, die bis etwa 25 cm groß werden können (Körperbreite ohne Beine). Wir finden einen Fischer, der uns zwei Crabs verkauft, erklärt, wie man die freizulassenden Weibchen von den Männchen unterscheidet und uns zeigt, wie man sie schnell und einfach tötet (kräftiger Schlag auf die Brust) und filetiert.

Na dann, jetzt kaufen wir uns tatsächlich einen (zusammenfaltbaren) Crab Pot. Wir werden berichten, ob wir damit Erfolg haben.

Erst einmal bereiten wir aber die Taschenkrebse zu. Das Kochen riecht etwas kräftiger, am Besten macht man es draußen. Bei uns kommt dafür unser „Notfall-Backup-Gaskartuschenkocher“ zum Einsatz.

Und das Ergebnis (mit selbst gebackenem Baguette):

Lecker. Wird Zeit, dass wir den Hafen verlassen, ankern ⚓️ und den Crab Pot ausprobieren 😊.

Was man in Alaska braucht, Teil II 😉

Neben dem Bärenspray gibt es noch ein Accessoire, ohne das hier in Alaska kaum jemand unterwegs zu sein scheint. Um nicht sofort als Touristen erkannt zu werden, mussten wir es uns UNBEDINGT sofort anschaffen: Gummistiefel! Aber nicht etwa irgendwelche. Braun müssen sie offenbar sein, mit beigefarbener Sohlenkante. Xtra Tuf. Abgesehen davon sind alle Varianten erlaubt: kurz, halblang oder hoch geschnitten, gefüttert oder einfach, mit eingearbeiteter Stahlkappe als Arbeitsschuh, Neopreneinsatz oder buntem Innendruck, der beim Umkrempeln zu sehen ist. Bootsausrüster, Angelladen oder Schuhgeschäft, jeder führt sie. Wie auf unserer bisherigen Reise vom Dinghy aus barfuß auf den Strand oder ins knietiefe Wasser zu springen dürfte sich hier in Alaska wohl verbieten und unsere kurzen Seestiefel sind da auch nicht die erste Wahl, insofern fällt die Kaufentscheidung leicht.

Wie weit dieser Stiefel verbreitet, wie eng er mit Alaska verbunden ist, das zeigt sich zum Beispiel auch an den immer noch verbreiteten COVID-Abstandsanzeigern auf dem Fußboden etwa an der Museumskasse oder in der Brauereikneipe und Pizzeria:

Als wir mit Liselotte und Machiel in der von außen ziemlich unscheinbaren „Pioneer Bar“ auf ein Bier einkehren, finden wir den Tresen fast durchgängig von Leuten mit eben dieser Fußbekleidung besetzt. Mit John kommen wir gleich ins Gespräch, na klar, das muss so, ist Arbeitsbekleidung, jetzt nach der Arbeit ist der Stiefelschaft umgekrempelt, so geht es sich leichter. John ist Langleinenfischer mit eigenem Boot, macht den Job seit 23 Jahren, die Hälfte seines Lebens. Er erzählt uns viel über die Fischerei hier, die verschiedenen Fangmethoden, den unterschiedlich ausgerüsteten Fangschiffen, mit deren Bildern die Wände der Bar dicht an dicht bedeckt sind.

Er liebt seinen Beruf, die Landschaft, die Natur. Nur auf die Pottwale ist er nicht gut zu sprechen, sie klauen ihm die Fische von seinen Leinen. Er kann das auf dem Fischfinder-Echolot verfolgen, aber machen kann er nichts dagegen. Wenn die Pottwale kommen, kann er den gefangenen Heilbutt und Black Cod (Kohlenfisch) gleich wieder abschreiben.

Bei unserer heutigen Wanderung auf dem „Sitka Cross Trail“ kommen unsere neuen Gummistiefel dann auch gleich zum Einsatz und bewähren sich mit ihrem Fußbett und der festen Sohle richtig gut. Dazu passend trägt der Wanderer in Alaska heute Ölzeug, der nordische Regenwald hält, was der Name verspricht. Da sieht sogar der tägliche Weißkopfseeadler ziemlich bedröppelt aus:

Der Wald aber ist wieder einmal beeindruckend. Unser Wanderweg führt parallel zum Ort ein bisschen hügelauf und hügelab, ohne sich in größere Höhen zu winden. Das ist gut so, denn gleich über uns hängen die Wolken so dicht, dass es sonst eine Nebelwanderung würde.

So aber können wir bei leichtem Tröpfeln neben dem intensiven Waldgeruch auch die Schönheit des bemoosten Urwalds bewundern und sogar ein paar herrliche Ausblicke genießen.

An vielen Stellen ist der Weg von Himbeer- und Lachsbeerbüschen gesäumt und so wird es eine ziemlich langsame Schlemmerwanderung. Lachsbeeren (Salmonberry) sind eng mit den Himbeeren verwandt, aber farblich variantenreicher von Gelb über Orange bis Rot, etwas größer und wasserreicher, schmecken auch etwas anders. Wir finden sie lecker.

Sie sind an der ganzen Westküste von Südalaska bis Kalifornien verbreitet, ihren Namen haben sie übrigens davon, dass die Ureinwohner sie gerne mit Lachs essen.

Müssen wir dringend mal ausprobieren.

Sitka, Totems, Adler und Raben. Und: was man in Alaska braucht …

… aber bisher nicht auf unserer Ausrüstungsliste stand ist auf alle Fälle “Bärenspray”. Haben wir also ergänzt. Im Grunde ist der Helfer in Form eines kleinen Feuerlöschers 🧯 nichts anderes als Pfefferspray, das allerdings gut 10 m weit sprüht und selbst Grizzlybären in die Flucht schlagen soll. Das möchten wir natürlich gar nicht ausprobieren und die weitere Empfehlung, bei Wanderungen durch den Wald zu singen oder sich laut zu unterhalten (vor allen an nicht einsehbaren Ecken) ist sicherlich auch bärenfreundlicher. Eigentlich stehen wir nämlich nicht auf der Speisekarte der bis zu knapp 700 kg schweren Pelztiere, die dem Menschen gegenüber eher scheu sind. Trotzdem, wenn sie überrascht werden, Jungtiere bei sich haben oder sich beim Fressen gestört fühlen kann es schon zu Angriffen kommen. Sehen würden wir die Bären nur allzu gerne und wir haben gelesen, dass dies vom Wasser aus am besten möglich ist. Wasserseitig fürchten sie keine Gefahr und zeigen daher weniger Fluchtreflexe. Passt doch.

Das Spray ist ab jetzt bei Wanderungen dabei. Baranof Island, die Insel auf der Sitka liegt, hat nämlich mit die höchste Bärendichte weltweit. Auf eine Quadratmeile soll hier ein Bär kommen.

Da sehen die öffentlichen Mülltonnen dann schon mal so aus und haben einen tatzensicheren Verschluss:

Also ist das Spray am Gürtel, als wir unseren ersten längeren Spaziergang machen. Zunächst geht es durch den Ort Sitka hindurch. Das Zentrum ist erwartungsgemäß überschaubar, einige wenige Straßen vom Totem Square aus rund um die russisch-orthodoxe Kirche St. Michael.

Die Kirche wirkt wie eines der letzten Überbleibsel der russischen Zeit, vor der Verkauf Alaskas an die USA 1867. Allerdings: das Original der Kathedrale (denn Sitka ist Sitz der Diözese) brannte 1966 ab, der originalgetreue Nachbau wurde 1978 eingeweiht.

Ein paar hundert Meter weiter lockert die Bebauung schon wieder auf, zwei, drei weitere Kirchen folgen, dann schon wieder einzeln stehende (Holz-)Häuser. Im Eindruck beherrscht aber schon wieder die Landschaft, zumal die Ebbe bei dem hier bestehenden Tidenhub von heute 3,30 m nochmals besondere Akzente setzt.

Am Ufer entlang führt der Weg zum Sitka National Historic Parc. Im Grunde nicht viel anderes als der nordische Regenwald, der hier große Teile der Landschaft bedeckt, nur dass hier gepflegte Spazierwege durch diesen Wald führen, sodass wir ihn bequem für uns entdecken und bewundern können.

Und eine große Besonderheit weist der Weg auf: Historische Totempfähle.

Wobei ein Totem nicht ganz einfach zu lesen ist. Die stilisierten Symbole stehen nicht einfach wie Hieroglyphen für einen Buchstaben, ein Wort oder eine Begebenheit. Vielmehr haben sie eine Vielzahl an Bedeutungen, die sich in ihrer Komplexität des einzelnen Totems nur gemeinsam mit der Geschichte der Entstehung des Totems, seines Schnitzers und seines Eigners ergibt.

Selbstverständlich standen Totempfähle ursprünglich nicht einfach entlang eines Waldpfades. Sie wurden vielmehr oft in Dörfern nahe des Ozeans so aufgestellt, dass Reisende sie vergleichsweise einfach sehen konnten. Damit wurde das Prestige des Eigners gesteigert und zugleich an Personen, Ereignisse oder Legenden erinnert.

Und diese hier stammen eigentlich nicht einmal aus Sitka. Vielmehr hat der damalige Gouverneur von Alaska die Skulpturen gesammelt und sie auf zwei Weltausstellungen Anfang des 20. Jahrhundert präsentiert, um auf Alaska aufmerksam zu machen. Ab 1906 wurden sie dann hier am Weg aufgestellt. Allerdings: die meisten der Skulpturen sind inzwischen Replikas, Neuschnitzungen nach dem Vorbild der inzwischen verrotteten Originale. Zumeist werden diese vor Ort von einem der wenigen Tlingit oder Haida gefertigt, die diese Kunst noch beherrschen.

Die stilisierten Symbole auf den Totems – zumeist Tiere – sind mal einfach zu erkennen, mal für Nichtkenner kaum zu erraten. Einige werden im sehenswerten Sheldon Jackson Museum erläutert, dem wir auf dem Rückweg unserer 12 km Wanderung einen Besuch abstatten. Hier werden Alltags- und Kunstgegenstände der „First Nations“ Alaskas ausgestellt. Nicht nur der Tlingit und Haida, die hier um Sitka heimisch sind, sondern auch der übrigen Stämme Alaskas.

Adler und Rabe haben zudem noch die Bedeutung, dass sie jeweils für einen der beiden Clans (Moieties) stehen, in die sich sowohl Tlingit als auch Haida aufteilen. Ob man Adler oder Rabe ist, entscheidet sich dabei nach der mütterlichen Linie, man bleibt es ein Leben lang. Den Moities werden unterschiedliche Fähigkeiten und Charaktere zugeordnet, ein weiterer Aspekt auf den jeweiligen Totems. Eine religiöse Bedeutung im Sinne eines Heiligtums oder einer Anbetung hatten die Totems übrigens nicht, die abgebildeten Tiere dagegen teilweise schon.

Der majestätische Weißkopfseeadler und auch der intelligente, wunderschön schwarz-blau glänzende Rabe sind hier übrigens so häufig, dass wir Vertreter dieser beiden Vogelarten wirklich jeden Tag sehen.

Aber welchen Charaktereigenschaften das bei uns beiden entsprechen würde …

😚

Bildernachtrag zur Passage Hawai’i nach Alaska

Der Abschied von Hawai’i, die Dinghyfahrt auf dem Hanalei River, der flache Regenbogen und das Lossegeln von unserer Ankerbucht auf der Insel Kaua’i (die vielleicht schönste, wildeste der von uns besuchten Inseln in Hawai‘i, ein Stück entlang an der Nā Pali Küste:

Und dann: erst einmal klassisches Blauwassersegeln, wenn auch zumeist eher am Wind. Mit mal mehr, mal weniger Schräglage, Fock oder Code0, meist um die 60 Grad am Wind.

Segeln in der gefühlten Unendlichkeit.

Bis wir dann den Rand des Hochdruckgebiets erreichen, irgendwann Flaute, Eimerdusche, das Bad im tiefen Blau.

Der zweite Teil der Passage, ganz langsam grauer werdend, rauher. Schlafsack in der Plicht, Mützenwetter.

Man kann das auch ganz gut an unserer Kollektion der Sonnenuntergänge erkennen:

Inzwischen wird es taktisch etwas anspruchsvoller, aber durch unseren Schlenker nach Ost vermeiden wir das Gröbste und kommen gut durch.

Ein Schwarzfußalbatros stattet uns einen Besuch ab.

Und dann das. Die Magie des Augenblicks in dem sich die ersten Berge der Küste Alaskas aus dem Dunst schälen ist schwer zu beschreiben. Zumal auch noch eine Familie Pottwale vor uns durchzieht. Pottwale? Wir erwarten doch eher Buckelwale und Orcas! Aber die werden wir hoffentlich auch noch zu sehen bekommen.

Andere Giganten sind aber schon da, die „Eurodam“ kommt uns entgegen, die „Queen Elisabeth“ kündigt ihr Auslaufen auf der Funke an.

Im Ort oder Hafen ist davon aber nichts zu sehen. Die großen Kreuzfahrer ankern außerhalb, denn Sitka hat kein Kreuzfahrtterminal. Und so präsentieren sich Landschaft und Ort:

Angekommen in Sitka. 😁