Nix mit Marbella, dafür Bootstüdelkram

Dienstag haben wir uns in die lange Reihe derer eingefunden, die Probleme mit dem Wiederbefüllen von Gasflaschen in fremden Ländern haben. Bei uns wird es zusätzlich noch dadurch verkompliziert, dass wir in Griechenland 🇬🇷 die an Bord befindliche unbekannte Flasche (entweder schwedisch 🇸🇪 oder bulgarisch 🇧🇬 ) nicht befüllen lassen konnten und deshalb eine neue griechische 11 kg Gasflasche gekauft haben (und noch eine zweite als Reserve). Angeschlossen haben wir sie aber über einen deutschen 🇩🇪 Gasdruckminderer, weil ich für den internationale Adapteranschlussstücke bekommen konnte. Natürlich den griechischen (der auch in Italien 🇮🇹 funktionieren soll), aber auch einen spanischen 🇪🇸 und einen portugiesischen 🇵🇹 (der übrigens wiederum dem schwedischen, also vielleicht der Ausgangsflasche entspricht). Zum Verständnis: die Adapter sind nur ein Notbehelf, mit ihnen soll man eine in dem jeweiligen Land erworbene Gasflasche an den deutschen Gasdruckminderer anschließen können. Und als Not-Not-Lösung haben wir zudem noch einen Adapter für die kleinen sauteuren blauen CampingGaz-Flaschen. Wir fühlten uns gut gewappnet. Zumal andere Segler berichtet hatten, dass das Befüllen ausländischer Flaschen zwar in England 🏴󠁧󠁢󠁥󠁮󠁧󠁿 und Frankreich 🇫🇷 quasi unmöglich sei, in Spanien dagegen kein großes Problem. Na ja, in Fuengirola aber leider doch.

Ich habe den Dienstag damit verbracht, die Stadt abzuklappern mit unserer (fast) leeren griechischen 11 kg Flasche auf unserem „Hackenporsche“, einer kleinen zusammenklappbaren Sackkarre. Gut, die erste Runde hätte ich mir schenken können, sie war allein schon wegen meines Timings zur Erfolglosigkeit verdammt. Irgendwann sollte ich mir merken, dass man tagsüber (am frühen Nachmittag) in Spanien nichts erledigt bekommt, weil die relevanten Läden dann eben meistens geschlossen sind.

Auf meiner zweiten Runde (nach 16:30) war die mir vom Hafenmeister empfohlene Ferreteria (Eisenwarenhandlung, manchmal auch eher schon Baumarkt) entgegen der Angaben auf ihrem Öffnungszeitenschild trotzdem zu und wirkte so, als sei sie das endgültig (keineswegs, wie wir am Mittwoch auf der dritten Runde erfuhren, allerdings konnten sie unsere Flasche ohnehin nicht befüllen). Die Repsol-Tankstelle hatte zwar 11 kg Gasflaschen, wollte sie aber nur tauschen, nicht verkaufen. Das wiederum würde nur die Zentralniederlassung am anderen Ende der Stadt machen. Also da hin. Nur um dort mitgeteilt zu bekommen, die Flaschen würden für unser System nicht passen, das müsste von einem Fachmann umgerüstet werden. Der optische Vergleich schien das zu bestätigen, die spanischen Flaschen haben anders als unsere kein integriertes Absperrventil.

Na gut, wir haben kein aktuelles Problem, die Flasche hat die ganze letzte Saison und die beiden zurückliegenden Monate gehalten, etwas ist noch drin und wir haben noch eine ganze Flasche in Reserve. Und der zwischenzeitlich befragte Gasflaschenlieferant (LKW auf der Straße getroffen und Fahrer befragt) sagt uns, die Flasche könne weder in Fuengirola noch in Málaga oder Marbella befüllt werden, das ginge nur in Algeciras. Praktisch, der Nachbarort von Gibraltar ist ja ohnehin unser nächstes Ziel.

Ein bisschen Google bringt auch Licht in die Absperrventil-Problematik. Auf womo-iberico ist sehr schön beschrieben, wo die Unterschiede liegen und welche Lösung es für den Anschluss der spanischen Gasflaschen gibt: einen einfachen Clip-on für 10-15 Euro.

Lernkurve! 🤨

Das erste an Bord der Flora selbstgebackene Brot hebt die Stimmung am Abend.

Wie schon angedeutet, sind wir Mittwoch dann doch nicht nach Marbella gefahren, obwohl es eine gute Busverbindung gibt. Aber Wiebke schnüffelt etwas und Klimaanlagen (wie in den Bussen) sind dann nicht so angesagt. Das gibt uns die Gelegenheit, die Gasflaschenproblematik weiter zu verfolgen (siehe oben), etwas einzukaufen und bisher aufgeschobenen Bootstüdelkram anzugehen, etwa den Außenborder mit Frischwasser zu spülen, damit sich nicht zuviel Salz in den Kühlwasserkanälen festsetzt:

Oder das Dinghy vom gesammelten Sand (auch unter den Bodenbrettern) befreien, also Luft ablassen, spülen, wieder aufpumpen. Doof allerdings, wenn dabei die Pumpe den Geist aufgibt. Aber mit etwas Ducktape und der eigentlich unpassenden SUP-Pumpe lässt sich auch hier ein Workaround finden 😉.

Außerdem nutzt das gescholtene Fuengirola die Zeit um bei uns Punkte zu machen. Wie unsere Segelfreunde Doris und Christian auf ihrem schönen Blog Dancingpearl so treffend geschrieben haben, lohnt sich ein zweiter Blick.

Wir finden auch in Fuengirola ein paar nette Ecken und genießen außerdem in einem schönen Chiringuito (Urform des Beachclubs/Strandrestaurants) superleckere am offenen Holzfeuer gegrillte Sardinen.

Und jetzt geht’s auf nach Gibraltar 🇬🇮.

Fuengirola / Málaga

Der „lange“ Schlag von 190 sm, den wir wettervorhersagebedingt von Cartagena aus eingelegt haben, erweist sich als richtig gute Entscheidung. Der Wind ist kräftig, kommt aber ziemlich achterlich. Also quasi eine weitere Trainingseinheit für den Passat. Angesagt sind zunehmende Winde, die in den Böen abends 25 zunehmend auf 30 kn erreichen. Genauso kommt es auch. Wir segeln Schmetterling mit der Fock und Groß, gehen zwischenzeitlich mit dem Groß ins zweite Reff und haben trotz der Welle und in der Spitze 31,3 kn wahrem Wind auf der Windanzeige einen nicht allzu schaukeligen angenehmen Törn.

Bevor die Sonne ganz untergeht runden wir das Cabo de Gata, nehmen die Fock (und den Spibaum) weg, werden nach der erforderlichen Halse aber nur einen knappen Knoten langsamer und Flora liegt immer noch gut auf dem Ruder. Beim zweiten Wachwechsel in der Nacht ist der Wind plötzlich weg (auch das war vorhergesagt), wir motoren auch noch als die Sonne hinter uns aufgeht.

Dann kommt der Wind schwach und aus Süd zurück und hält uns damit die Gewitter auf Abstand, die wir über Land Wetterleuchten sehen. Ein Stückchen können wir sogar (jetzt wieder mit Vollzeug) segeln, wenn auch nicht ganz auf optimaler Kurslinie.

Wir haben uns den Hafen Fuengirola als Ziel ausgesucht und bekommen dort tatsächlich auch für vier Nächte einen günstigen Platz (38,- € pro Nacht). Fuengirola bietet den Riesenvorteil, dass man vom Hafen aus eine hervorragende S-Bahn-Verbindung nach Málaga (sogar mit Zwischenstop am Flughafen, wäre also auch für Crewwechsel perfekt) und eine gute Busverbindung nach Marbella hat.

Dafür muss man akzeptieren, dass Fuengirola ein wohl eher typischer Ferienort für weite Teile der Costa del Sol ist, voller Bettenburgen, Billigimbissen, Ramschläden, Kneipen und Bars. Wir sind ob der fast durchgängige Bettenburgenkette (jedenfalls da, wo es Strand gibt) entlang der spanischen Südküste bis hierher irgendetwas zwischen erstaunt 😮, erschreckt 😧 und erschüttert 😢, so massiv hatten wir es jedenfalls nicht erwartet.

Heute haben wir ausgeschlafen und dann gleich den Trip nach Málaga gemacht.

Die S-Bahn hat uns in 40 Minuten mitten ins Zentrum gebracht, wir konnten Málaga dadurch gut zu Fuß erkunden. Die schöne Altstadt beginnt gleich am Hafen, der aber mehr Handels- und Fährhafen ist, auch wenn es am östlichen Kai malerisch vor Palmen, Leuchtturm und Hafenkränen gelegene (schwellige und teure) Liegeplätze und weiter draußen auch einen (ebenfalls teuren) Yachthafen gibt.

Zunächst erklimmen wir den Burgberg, ein schöner Fußweg mit allerdings extrem glatten Platten führt hinauf (gibt ja nicht soviel Regen hier) und gewährt tolle Ausblicke über die Stadt und sogar hinein in die Stierkampfarena.

Wieder unten, diesmal im von Hochhäusern freien Kern der Altstadt, lassen wir uns durch die Gassen treiben bis hin zur „Einarmigen“. Die Kathedrale der Stadt wurde nur sehr langsam gebaut, vereint deshalb einige Baustile und hat nur einen Turm, der zweite ist seit dem 18. Jahrhundert Baustelle 🚧 ohne Fortgang. Im imposanten Inneren merkt man davon natürlich nichts und ein auch deutschsprachiger Audioguide ist praktischerweise im Eintritt von 6,50 € enthalten.

Spannend auch, wie in Málaga die auch hier üblichen Anti-Terror-Poller ausgestaltet sind, nämlich mal so:

und mal so:

Aber – obwohl uns Málaga wirklich gut gefällt – wir merken, dass wir etwas stadtmüde werden. Es ist zwar noch etwas hin, aber die Vorfreude auf den geplanten langen Schlag nach Madeira und hoffentlich die Wanderungen auf dem auch „Blumeninsel“ genannten Eiland steigt.

Wieder komplett

Dienstagabend haben uns Eike und seine Kollegin Lara besucht, wir hatten einen sehr schönen Abend bei uns an Bord.

Noch dazu hatte Eike unter anderem unsere neue Lichtmaschine im Gepäck hergeschleppt und deshalb wurde es auch ein sehr schöner Mittwochmorgen. Der Mechaniker erschien, hatte unseren Regler und nicht mehr reparable Lichtmaschine dabei, baute den Regler und die neue LiMa ein und siehe da: unser Bootsmotor kann wieder die Batterien laden. 😀

Wir waren glücklich und haben das am Abend ausgiebig auf einem Zug durch Alicantes Altstadt mit Tinto de Verano hier, Vermouth dort und abschließend einem weiteren Besuch in einer Arrocería (also einem Reis-Restaurant) mit Rotwein gefeiert. Wie der Name andeutet, gab es auch ein wenig Schinken 😊.

Heute morgen haben wir das gute Hafen-WLAN genutzt, um mit dem LiMa-Lieferanten per Computer-Fernwartung (TeamViewer) die Einstellungen des Mastervolt-Reglers für die LiMa anzupassen. Und das war gut so. Es stellte sich nämlich heraus, dass die LiMa doch noch nicht komplett angeschlossen war. Zwar lieferte sie Strom, aber noch nicht alle zur optimalen Steuerung nötigen Informationen. Also durfte ich ein weiteres Kabel aus den Tiefen des Kabelbaums pulen („ein weißes Kabel suchen“), auch das noch mit dem Regler verbinden und siehe da: jetzt wird nicht nur die Temperatur sondern auch die Drehzahl der LiMa an den Regler gemeldet und die entsprechenden Grenzen konnten eingestellt werden. Das sollte hoffentlich der neuen LiMa ein längeres Leben bescheren 🤞.

Im Augenblick darf sie sich aber noch ausruhen, wir haben bei schönen Segelwind das Cabo de Santa Pola schon passiert und laufen am Wind in Richtung Mar Menor.

Alicante, die Mancha und der Großeinkauf

Wir sind in Alicante, genauer gesagt im Real Club de Regatas de Alicante. Wir haben uns gleich für eine ganze Woche hier im Hafen eingebucht, für uns ziemlich ungewöhnlich. Der Grund dafür ist unsere Lichtmaschine, die leider den Geist aufgegeben hat. Nachdem sie schon eine Weile herumzickte, hatten wir eigentlich gehofft sie hier reparieren lassen zu können. Leider ist sie wohl vollständig hinüber.

Zum Glück trifft uns das aber nicht unvorbereitet: wir hatten schon eine eigentlich nur als Backup gedachte neue Lichtmaschine in Auftrag gegeben (sie musste ja für die Lithium-Batterien und damit an den externen AlphaPro-Regler angepasst werden). Die neue LiMa wurde nach Burgwedel geschickt, von wo sie unser Freund Eike Dienstag mitbringt. Eike arbeitet derzeit immer Dienstags bis Donnerstags in Valencia und wollte uns deshalb hier in Spanien besuchen. Passt natürlich prima, ein bisschen Flickzeug für unser leicht angeschlagenes Dinghy bringt er auch noch mit 😉.

Genießen wir also bis dahin Alicante und umzu.

Und Alicante ist wirklich schön. Nicht nur dass die Stadt reichlich Restaurants, Cafés, Cervezerias und Bars bietet und zudem einen sehr gepflegten und gleichzeitig lebendigen Eindruck macht, allein schon für die vielen Palmen und Ficus-Bäume im Stadtbild könnte man Alicante lieben. Palmen säumen viele der Boulevards bzw. Avenidas, so auch die marmorgepflasterte Promenade hier am Hafen.

Und wunderschöne Plätze wie diesen an der alten Post (scheint im Hintergrund durch):

Samstag am frühen Morgen noch mit wenig Leuten, wir wollten aber gerne zeitig in der Markthalle sein:

Schon von außen beeindruckend, aber noch mehr drinnen, zumal es eben keine Touristenpräsentation ist, sondern eine wirklich von der Bevölkerung genutzte Markthalle. Zwei Ebenen, unten hauptsächlich Fisch und Obst/Gemüse, oben überwiegend Fleisch/Wurst.

Zur Abwechslung mal kein Schwertfischbild vom Markt, sondern der Blick in einen Obst- und Gemüsewald:

Auch wir haben ein bisschen eingekauft, aber hier noch nicht nicht sehr viel. Das kam später.

Vielmehr haben wir uns fürs Wochenende günstig (Tip von Eike) ein Auto gemietet und sind erst mal raus aufs Land gefahren. Zunächst in den kleinen Ort Banyeres de Mariola, wo wir die Burg besichtigt und uns mit dem kleinen Auto durch die super engen Gassen gequetscht haben. Interessant zu sehen, dass hier in der Gegend viele Kirchen blaue Ziegeldachkuppeln haben, ich habe noch nicht herausgefunden, was es damit auf sich hat, jedenfalls ist es sehr auffällig.

Und dann weiter durchs Gebirge und einige Landschaftsschutzgebiets bis in die flachere und kargere Region Kastilien-La Mancha, die sich nördlich anschließt an die Region Valencia (zu der auch Alicante gehört).

Windmühlen, gegen die Cervantes Don Quichotte als vermeintliche Riesen mit ihren langen Armen ankämpfen könnte gibt es heute wieder reichlich und sie sind größer geworden. Moderne Windkraftanlagen finden sich zuhauf auf den etwas höheren Kämmen der Hügelketten der Mancha. Sonst gibt’s dort aber nicht ganz viel, weshalb wir das Auto auch noch für einen Großeinkauf genutzt haben, schließlich naht so langsam Gibraltar und damit der erste längere Törn im Atlantik, jetzt also doch ein paar Vorräte mehr 😉 (unser bisher größter Bon, hat die Bevorratungspanik uns jetzt doch noch erwischt?).

Ganz nebenbei: offensichtlich sind wir wirklich in Spanien, denn wir haben auf unserer Autofahrt auch den obligatorischen Osborne-Stier gesehen:

Die Geschichte dieser Werbe-Stiere und ihres Einzugs in die Spanien-Symbolik ist übrigens auch ein tolles Beispiel dafür, was Gesetzgebung bewirkt (und was eben nicht).

Buchtenbummeln an Ibizas Westküste

Buchtenbummeln. Die Entfernungen zwischen den Calas oder Ensenadas (=Buchten) sind an Ibizas Westküste so gering, dass wir uns manchmal überwinden müssen, überhaupt die Segel hochzunehmen und das kurze Stück bis zum nächsten Ankerplatz nicht einfach zu motoren.

Schon gestern hatten wir uns „nur“ fünf Meilen weiterbewegt, in die Cala Sa Caixota (Es Torrent).

Andererseits: so kann man auch wie heute einfach mal bei Flüsterwind ein paar Stunden mit 1 bis 2 kn dahindümpeln und sich von Kanuten überholen lassen, während man die schöne und abwechslungsreiche Felsenküste genießt. Und dann vor einer Steilküste am Punta des Llosar einen Badestop einlegen:

Wobei, das Baden fiel hier eher kurz aus, zu viele Quallen. Die hübschen aber leider brennenden Nesseltiere hatte Wiebke schon vorgestern etwas zu intensiv kennengelernt. Zum Glück waren wir vorbereitet und konnten mit Rasierschaum, Abschaben der Restnesseln und Neutralisieren mit Essig die Folgen gut in Grenzen halten. Also diesmal eher kein Bade- sondern ein Essens-Stop. Auch gut 😊.

Und dann sind wir noch mal EINE GANZE MEILE weiter gehüpft in die Cala Tarida. Auch hier habe ich natürlich wieder den Anker abgeschnorchelt (hat sich perfekt in den Sandgrund eingegraben) und dabei eine schöne Überraschung erlebt: ein Flughahn (Dactylopterus volitans) fand sich direkt neben ihm und zeigte mir die leuchtend blauen Ränder seiner übergroßen Brustflossen. Ich musste noch mal hoch und die GoPro-Kamera holen, aber ich hab ihn zum Glück wiedergefunden:

An der großen Bucht mit Sandstrand gibt es mehrere Restaurants und Beachbars, wo man das echte Ibiza-Feeling genießen kann, wir haben uns für das „Cotton“ entschieden (mal wieder ein dicker Dank an die XOXO-Crew für den Tip!).

Und den Sonnenuntergang haben wir dann wieder auf unserem Vorschiff genossen.

Sal de Ibiza

Mit Catalina haben wir nach dem Abschied von Jan etwas weiter nördlich auf Formentera in die Karibik Europas verholt, auf den Ankerplatz Platja de Ses Illettes. Na klar, wir waren nicht ganz alleine dort. Aber den Schutz des schmalen Sandstreifens vor dem immer noch steifen Ostwind und das traumhaft klare Wasser durften die anderen ruhig mit uns genießen, Platz hatten wir genug.

Da war es tatsächlich in unserer nächsten Ankerbucht enger, denn gestern haben wir zurück nach Ibiza verholt, ganz in den Süden in die Ensenada de la Canal. Das gab uns die Möglichkeit, mit dem Bus nach Ibiza Stadt (Eivissa) hineinzufahren und den letzten Abend mit Catalina in Eivissas schöner Altstadt und der innerhalb der Stadtfestung gelegenen Oberstadt zu feiern.

Ganz ungetrübt war der Genuss nicht. Unser Ankerplatz war schon mächtig voll, eine Boje war ohnehin nicht zu bekommen. Und laufend kamen weitere Boote hinzu, mehrfach ankerten sie zu eng bei uns, verholten dann aber etwas später doch weiter nach draußen, zumal der kräftige Schwell die Boote in ziemlich verschiedene Richtungen schwojen ließ. Es kostete mich einige Überwindung, Flora hier unbeaufsichtigt liegen zu lassen. Wie es Catalina so schön formulierte: ich habe jetzt vielleicht eine Ahnung davon wie es ist, das Kind seinen ersten eigenen Urlaub allein machen zu lassen 🥺.

Hilft ja nix.

Und wir haben Flora am Ende auch wohlbehalten wieder vorgefunden.😁

Heute ist dann Catalina vom Strand mit dem Taxi zum nahen Flughafen gefahren. Wir haben nur um die Ecke in die nächste Bucht verholt – was für ein Unterschied. Kaum Schiffe hier, eine beeindruckende Steilküste auf der einen Seite und nur eine Strandbar oberhalb des flachen Steinstrandes vor den Salinen im Scheitel der großen Bucht.

Es ist zwar nicht ganz einfach mit dem Dinghy an Land zu kommen, aber es lohnt sich. Ein Wanderpfad geht an der Steilküste entlang und dann (nur ab August erlaubt!) steil den Berg hinauf durch den Wald an die obere Steilküstenkante.

Es bieten sich tolle Ausblicke über unseren Ankerplatz, die Buchten unterhalb der Steilküste und die farbenprächtig türkisgrün und rosa schimmernden Salinen.

Und die Salinen machen nicht nur optisch viel her, sie haben es auch in sich. Noch immer wird hier auf einer Fläche von etwa 450 Hektar Salz gewonnen. Natürlich nicht nur (aber eben auch) das edle Speisesalz Sal de Ibiza. Der größte Teil des Salzes geht zu anderen Zwecken überwiegend nach Nordeuropa: wie in alten Zeiten zur Stockfischverarbeitung und – ja, tatsächlich auch ein hoher Anteil als Enteisungs-Salz. Die Preisdifferenz zwischen den verschiedenen Salzqualitäten ist hoch, wir konnten aber trotzdem nicht widerstehen uns ein schönes Sal de Ibiza für die Pantry zu kaufen 😊.

Arbeiten, spielen und genießen auf Ibiza und Formentera

In Can Pastilla ist Jan zugestiegen, der Chief (Chefingenieur) ist an Bord. Auftragsgemäß hat er neue Umlenkrollen für unseren Großsegelausholer im Gepäck. Die vordere Rolle (am Lümmelbeschlag) ist gebrochen, die hintere (an der Baumnock) eiert ziemlich. Der Austausch ist insofern etwas tricky, als die Aluminiumachse, auf der die Rollen jeweils sitzen, durch Plastikschraube gesichert werden, die mit einem viertelzölligen Imbusschlüssel geöffnet werden muss. Vielen Dank an Seldén dafür, wir haben ja ansonsten nur metrisches Werkzeug an Bord. Aber der Chief ist natürlich bestens vorbereitet und bringt den passenden Schlüssel mit 😀.

Und so geht’s schon am späten Samstag Abend los zu einem weiteren herrlichen Nachttörn, diesmal hinüber nach Ibiza. Zu dritt an Bord ist es natürlich noch entspannter hinsichtlich der nächtlichen Wachen.

Wir haben uns die Cala Blanca am Nordostende Ibizas als ersten Stop ausgesucht. Selbst in der Hochsaison findet man hier schöne Plätze über Sand, auch weiter draußen noch mit guter Wassertiefe, das Ankern ist kein Problem.

Tagsüber muss man damit leben, dass die vielen Wasserspielzeuge wie Jetskis und ähnliches natürlich auch genutzt werden wollen, aber abends herrscht dann sowieso wieder Ruhe. Wir schließen uns einfach an und frönen ebenfalls unserem Spieltrieb: ja, vom Dinghy gezogen kann man auf unserem SUP „Wasserski“ laufen:

An der Westküste Ibizas entlang fahren wir dann hinunter und genießen die wilden Steinformationen.

Ist das jetzt eigentlich ein bis zum Bauch im Wasser stehender Elefant oder ein kniender Gorilla, der mit dem linken Arm im Schlamm wühlt? Oder ganz was anderes?

Bei Sant Antoni ankern wir in der Cala Port des Torrent und Catalina steigt zu. Zu viert geht es weiter ums Eck in die Cala Comta mit ihren Strandbars und dem herrlichen Sonnenuntergangsblick, für den sich auf Ibiza so viele Orte rühmen. Das muss festgehalten werden 😉, gleich vierfach bei uns und ebenso auf allen Booten um uns herum:

Ist aber auch einfach schön.

Leider beutelt uns der Schwell in dieser Nacht doch ziemlich und so gehen wir früh ankerauf und segeln bei herrlichem Wind hinüber nach Formentera, Ibizas kleiner Schwesterinsel. Auch hier ist der Ankerplatz zwar gut gefüllt (wir haben uns wegen des für die Nacht vorhergesagten starken Ostwindes für die Cala Sahona entschieden), aber wir finden völlig unproblematisch einen guten Platz über Sandgrund (mit Rochen, wie ich beim Abschnorcheln des Ankers feststellen durfte) auf 8 m Wassertiefe.

Nach unserer abendlichen guten Tat (wir befreien schnorchelnd und mit Dinghy-Zugkraft den unter einem einsamen Felsen verkanteten Anker unseres Motorboot-Nachbarliegers) belohnen wir uns mit einem Drink in der Lounge des Hotels und einem Abendessen in einem der Strandrestaurants.

Leider ist das für Jan schon wieder das Abschiedsessen, heute morgen haben wir ihn zur Fähre nach Puerto de la Savina gebracht.

Alles ein bisschen intensiver

49 Tage sind wir jetzt unterwegs. Sieben mal sieben, ganz feiner Sand. Wir sind gefragt worden, ob uns langweilig wird. Nein! Alles andere als das.

Aber selbst in dieser ja eigentlich ja kurzen Zeit hat sich unser Empfinden für das, was wir so machen doch verändert. Alles fühlt sich ein bisschen intensiver an, so hat es Wiebke treffend formuliert. Fahrt-, Landschafts- und Natureindrücke, z.B. die wunderschönen Calas, die Wanderungen oder die Delfinbegegnungen jetzt wieder auf der Überfahrt von Menorca nach Mallorca:

Spannend ist auch die Veränderung im Zeitempfinden. Eine Uhr tragen wir schon seit einer ganzen Weile nicht mehr (Danke an Susanne für den Hinweis). Klar passiert es dann schon mal, dass man wie unlängst in Alcúdia etwas erledigen möchte, aber vor verschlossenen Geschäftstüren steht, aber das liegt mehr an unserem noch nicht an die spanische Siesta 😴 bis 16.00 angepasstem Rhythmus. Welcher Wochentag ist eigentlich, welches Datum ???

Das „Zeit miteinander haben“ ist sicher einer der Punkte, den wir am meisten genießen und das obwohl – oder gerade weil – auch die Höhen und (na sagen wir mal) Wellentäler im Zusammensein eben intensiver für uns sind.

Landausflüge wie vorgestern der Spaziergang in die schöne Altstadt des sonst nicht so attraktiven Alcúdia,

Fürstlich speisen (an Bord von Wiebke gezauberte Köstlichkeiten oder auswärts, wobei das im Tontopf gegarter Lobster ebenso sein kann wie eine herrliche Schinken- und Käseplatte eines kleinen Weinhändlers)

Wir lassen es uns gut gehen.

Und auch Mallorca verwöhnt uns, etwa mit der pittoresken Cala Figuera am nördlichen Ende (Cap Formentor), die wir heute Nacht komplett exclusiv für uns hatten. Gut, eine etwas rumpelte „Anreise“ unter Segeln mit bis zu 28 kn AWS am Wind und einiger Schwell in der Bucht war der Preis dafür, aber es hat sich sehr gelohnt:

36 Stunden

So auf etwa eineinhalb Tage Länge hatten wir die Überfahrt von Sardinien nach Menorca kalkuliert. Etwa 200 sm bei im Schnitt 5,5 Knoten (=sm/Std) Geschwindigkeit.

Aufbruch in die Nacht:

Da wir am Mittwoch Abend losgefahren sind, bedeutete das zwei Nachtfahrten und eben den Tag dazwischen. Nachtfahrten auf offener See sind schön, ganz besonders in warmen klaren Nächten. Meist gibt es hier nicht so viele Gemeinheiten zu beachten wie etwa Stellnetze, Fischerfähnchen und Flachs, Felsen oder schwach beleuchtete Angelboote, die Nachtfahrten in Küstennähe deutlich schwieriger machen. Die Lichter der Schiffe weit draußen kann man meist schon von weitem sehen. So sind die großen Pötte nachts oft aus größerer Entfernung auszumachen als am Tage. Außerdem haben praktisch alle AIS, sind also auf unserem Plotter zu erkennen. Und der sagt einem dann eine ganze Menge zu den Dampfern an: natürlich Kurs und Geschwindigkeit (kann man auch schon an den Pfeilen erkennen) , aber auch z.B. die größte Annäherung bei den bestehenden Kursen (CPA), also ob man sich zu nahe kommt. Man kann sogar automatische Annäherungswarnungen programmieren.

Letztlich heißt das, das man die Fahrt fast noch besser genießen kann. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hatten wir übrigens nur eine einzige Schiffsbegegnung und die in großem Abstand. Der Sternenhimmel auf See ist geradezu sprichwörtlich schön, klar, da keine „Lichtverschmutzung“ den Blick beeinträchtigt. es ist wunderbar ruhig, man kann seinen Gedanken nachhängen, lesen oder ein Hörbuch oder Podcasts hören. Und wenn man Glück hat, so wie wir in den letzten beiden Nächten, leuchtet in den vom Schiff aufgeworfenen Wellen fluoreszierendes Plankton.

Ein bisschen schwieriger als tagsüber ist der Segeltrimm, aber Kopflampen (umschaltbar auf das weniger beeinträchtigende Rotlicht) helfen. Nachtwachen zu zweit funktionieren bei uns so, dass der eine unter Deck schläft und der andere im Cockpit eben wacht. Zur Sicherheit stellt er sich auf dem Handy für alle 15 Minuten den Wecker, um spätestens dann Rundumblick und Plottercheck zu machen, aber fast immer stellt man den Wecker schon vor Ablauf der 15 Minuten neu. Es ist tabu, das Cockpit während dieser Zeit zu verlassen um zum Beispiel am Mast etwas zu erledigen oder das Vorsegel einzurollen. Für solche Fälle muss immer der unten Schlafende geweckt werden und ins Cockpit kommen. Für lange Passagen wie die Atlantiküberquerung haben wir uns feste Wachen vorgenommen. Auf kürzeren Törns wie jetzt sprechen wir uns einfach ab und entscheiden die Wachwechsel eher spontan.

Dass wir die Nachtfahrten mögen, war aber gar nicht der springende Punkt bei unserer Entscheidung, Mittwoch Abend loszufahren. Das Wetterfenster gefiel uns besser und – auch nicht ganz ohne – wir hatten mehr Puffer, um bei Tageslicht im für uns fremden Mahon anzukommen. Wir durften nur nicht zu SCHNELL sein (das lässt sich leicht machen), während wir bei Abfahrt am Morgen nicht zu LANGSAM hätten sein dürfen. Das ist manchmal schwieriger, besonders wenn der Wind anders eintritt als in der Wetterprognose.

Weil wir danach gefragt wurden: als Wetterbericht verwenden wir meist „Windy“ zur groben Orientierung und „Seaman“ für die Feinplanung. Unterwegs (ohne Internet) können wir per Satellitentelefon über „Saildocs“ Wetter-GRIBfiles abrufen und mit verschiedenen Programmen auswerten.

Unser Wetterfenster sah so aus (auf „Seaman“):

Letztlich mussten wir allerdings ein gutes Stück vor Menorca motoren und das auch länger, als wir es uns erhofft hatten, zumal uns ein Gewitter nachts um halb drei zwar nicht direkt erwischte, die Fahrt unter Motor aber angeraten schien. Dennoch, alles in allem waren wir trotzdem sehr zufrieden mit unserer Passage. Zumal uns während der Motorfahrt auch noch – endlich mal wieder nach langer Zeit und zwischenzeitlichem mehrmaligen Köderverlust – Angelglück mit hold war:

Ein bisschen Ceviche gab es gleich, drei große Portionen Thunfischfilet haben wir vakuumiert, sie sind in den Bordkühlschrank gewandert.

Und jetzt liegen wir hier auf dem zwar für drei Tage kostenlosen, aber deshalb auch ziemlich überfüllten Ankerplatz in der Cala Teulera vor Mahon.