Passage Hawai’i nach Alaska, Tag 14

Zwei Wochen unterwegs, und seit heute ist es nicht nur zeitlich sondern auch von der Entfernung her unsere zweitlängste Passage insgesamt. Klar, die mit Abstand längste war der Törn von Galapagos nach Hawai’i, etwa 4.300 Seemeilen. Die Atlantiküberquerung mit 2.100 sm und knapp 12 Tagen rutscht heute auf Platz 3.

Segeln heute flott mit raumem bis achterlichem Wind. Nach einem wunderschönen und viel verprechenden Sonnenaufgang verzieht sich die wärmende Leuchtkugel leider gleich wieder hinter graue Wolken und es ist ziemlich kalt. Mützenwetter selbst in der Kuchenbude, die sich bei Sonne ja schnell aufwärmt.

Ausnahmsweise sehen wir heute mal mehrere Frachter auf dem AIS, sie ziehen aber alle in guter Entfernung durch. Und erstmals taucht sogar ein anderes Segelboot auf dem AIS auf. Es ist für den Wind auffällig langsam, sein AIS flackert mal auf und verschwindet wieder. Um sicher zu gehen, dass dort an Bord alles in Ordnung ist funke ich es an. Richard von der „Fire Water“ antwortet sofort und wir unterhalten uns eine ganze Weile. Der 80jährige ist einhand auf seinem 38Fuß-Boot unterwegs und bereits am 1. Mai in Mexiko gestartet. Eigentlich wollte er über Hawai’i, aber mangels Wind ist er dann auf direkten Kurs Richtung seines Heimathafens Ketchikan in Alaska gegangen. Seit 72 Tagen (!!!) ist er heute nonstop unterwegs. Seine Wettervorhersage über SSB (Kurzwellenfunk) zu bekommen klappt irgendwie nicht mehr, deshalb hat ihn auch das Tief voll erwischt, dem wir ausgewichen sind. Einmal hat es sein Schiff auf die Seite gelegt, aber sowohl er als auch das Schiff sind ok, nur s
eine Lieblingskaffeetasse ist hin. Ich frage ihn nach Proviant und Dieselvorräten, aber er ist noch gut ausgestattet. Ihn kann wohl so leicht nichts erschüttern, es ist seine 32. Pazifikpassage, das Schiff hat er seit 48 Jahren!

Nachdem wir sonst nichts für ihn tun können gebe ich ihm noch den aktuellen Wetterbericht durch und wir ziehen mit der Flora vorbei. Vielleicht treffen wir ihn ja in Alaska wieder, das wäre schön.

Essen: Rigatoni mit Basilikum-Pesto und den letzten frischen Tomaten.

Etmal: 165 sm, gesamt 2.181, noch zu segeln bis Sitka 392 sm.

Passage Hawai’i nach Alaska, Tag 13

Oh what a night!

Ein bisschen angespannt verfolgen wir die stetige Zunahme des Windes. Funktioniert unsere Taktik mit dem Ostschwenk, wird der in der Windvorhersage schwarzgrau eingefärbte Bereich mit den schweren Sturmböen nordwestlich an uns vorbeigehen?
Eigentlich sollten die stärksten Winde bereits um 20.00 Uhr bei uns sein, aber durch unseren Schlenker kann es auch etwas später werden.
Und so kommt es dann auch. Wir haben so um Mitternacht herum den meisten Wind, die Böen bleiben aber knapp unter 40 kn. Stürmische Winde, aber kein Sturm (der ab 41 kn definiert ist, 9 Bft), erst recht kein schwerer Sturm (ab 48 kn, 10 Bft). Und außerdem eben nur in den allerdings häufigen Böen. Der Grundwind liegt in dieser Zeit so um die 32-34 kn (7 bis 8 Bft).
Mit dem dreifach gerefften Groß und der etwas eingerefften und zur anderen Seite ausgebaumten Fock laufen wir vor dem Wind ab, Flora macht sich gut. Der Autopilot steuert durchgängig, macht allerdings mit gelegentlichem Alarmpiepen darauf aufmerksam, dass ihn mal wieder eine der Wellen aus dem Kurs gedrückt hat (auf den er uns aber gleich wieder zurück steuert).
Im weiteren Verlauf der Nacht schwächt sich der Wind dann langsam ab, jetzt am Vormittag haben wir Grundwind von um die 20 kn mit Böen um 28, also Windstärke 5 Bft bis untere 7. Die Wellen sind allerdings jetzt mit um die 4 m am höchsten, sie laufen dem Wind zeitlich etwas nach. Die Fock ist wieder ganz ausgerollt, das Groß im zweiten Reff. Kurs auf Sitka liegt an.

Fein, das hat doch wunderbar geklappt. Wir versuchen dann heute tagsüber, etwas Schlaf nachzuholen.

Essen: Linsensuppe 😉

Etmal: 171 sm, gesamt 2.016 sm, noch zu segeln auf direktem Kurs 555 sm.

Passage Hawai’i nach Alaska, Tag 12

Ganz so einfach macht es uns der Nordpazifik dann doch nicht. Auf unserem Weg entwickelt sich ein Sturmtief mit Böen bis 50 kn. Das wollen wir lieber umfahren, also ändern wir den Kurs und laufen nach Osten. Sieht zwar auf dem Noforeignland-Track wahrscheinlich so aus, als wollten wir nicht mehr nach Alaska sondern nach Seattle, aber für den Augenblick scheint das ein Kurs zu sein, welcher uns aus dem Gröbsten heraushält, der gerade abgerufene neue Wetterbericht bestätigt das.

Heute Nacht hatten wir relativ durchgängig 26 kn Wind, Böen bis 34. Etwas rollig durch die achterlichen Wellen, aber gut auszuhalten. Der Wind dreht zwar langsam, aber doch stetig hin und her. In den letzten 24 Stunden von 320 Grad über 220 Grad auf jetzt wieder 270 Grad. Entsprechend mussten wir zweimal halsen, haben das (dreifach gereffte) Groß jetzt wieder auf Steuerbord, die etwas eingedrehte Fock ist an Backbord ausgebaumt.

Heute besuchen uns beim Morgenkaffee zwei Albatrosse, und segeln einige Zeit um die Flora. Wir denken an Annemarie und Volker, deren Beerdigung am Freitag war und auf deren Trauerfeier wir in Gedanken dabei waren.

Der Himmel zeigt sich weiter überwiegend grau, die Wellen von etwa 2,5 m wirken dadurch mit ihren weißen Schaumkronen im ebenfalls grauen Wasser schon recht beeindruckend, werden aber heute und morgen aber sicher noch etwas höher werden.

Essen: Linsensuppe, eins meiner Lieblingsgerichte für Schmuddelwetter. Wiebke hat gleich so viele Linsen eingeweicht, dass es für zwei Tage reicht. Sehr lecker mit portugiesischer Wurst, Gemüse und schön viel Majoran.

Etmal: 167 sm, gesamt 1.845 sm, noch zu segeln bis Sitka etwa 750 sm.

Passage Hawai’i nach Alaska, Tag 11

Flottes und einigermaßen komfortables Segeln. Wir baumen die Fock an Backbord aus und laufen den Tag über vor dem Wind bei langsam auf 2 m zunehmender Welle. Grauer Himmel mit ganz gelegentlichen Sonnenstrahlen.

Am Abend mal wieder ein typischer „Bootsarbeit des Tages“-Einsatz: der Gasherd will nicht mehr. Die Gasflasche hatten wir ja schon zu Beginn der Passage getauscht, die müsste also noch voll sein. Kontrolle: ja, noch ziemlich voll. Beide Flammen wollen nicht, obwohl sie morgens noch funktioniert hatten, unwahrscheinlich, dass die Brenner beide gleichzeitig aussteigen. Kein Gasgeruch, die Leitungen sind ok. Rumspielen an dem Ventil der Gasflasche bringt auch nichts. Spricht einiges dafür, dass der Druckminderer verantwortlich ist. Aus einem Bauchgefühl heraus hatte ich dafür in Hilo auf Hawai’i einen Ersatz gekauft. Ein bisschen fummelig, den jetzt auf dem schwankenden Seitendeck einzubauen, aber: der Gasherd funktioniert wieder. Erfolgserlebnis.

Essen: Apfelsauerkraut mit Bratwürstchen und selbstgebackenem Roggenmischbrot

Etmal: 160 sm, gesamt 1.678 sm, noch verbleibend? Tja, wenn wir das wüssten. Etwa 840 sm, können aber noch ein paar Umweg-Meilen dazu kommen.

Passage Hawai’i nach Alaska, Tag 10

Ruhiges, recht stetiges Segeln. Der Himmel bleibt fast durchgehend grau, nur ab und zu lässt die Sonne ihre Anwesenheit etwas deutlicher erahnen.
Wir backen Brot, machen Crunchy-Müsli und backen einen Kürbis-Pekanuss-Kuchen mit Streuseln, sehr lecker mit Ahornsirup-Sahne.
Auch in der Nacht ruhiges Segeln, das Reff im Groß wäre wahrscheinlich nicht einmal nötig gewesen, aber so wird es jedenfalls eine sehr geruhsame Nacht.
Heute lässt sich die Sonne ein bisschen mehr blicken, der Wind raumt, kommt jetzt eher schräg von achtern. Er soll in den nächsten Tagen zunächst langsam, dann aber doch sehr kräftig zunehmen, ab dem Wochenende müssen wir mit ruppigen Bedingungen rechnen. Wir bereiten die Flora schon mal darauf vor, stauen möglichst vieles unter Deck, um an Deck so wenig Windangriffsfläche wie möglich zu bieten. Auch unter Deck versuchen wir, alles sicher zu verzurren oder in den Schapps unterzubringen.

Essen: Mahi blackend mit frischem Salat. „Blackend“ ist eine Kreolische Gewürzmischung, basierend auf Chili, Paprika und verschiedenen Pfeffer-Sorten, die in diversen Varianten besonders im Süden der USA und in der Karibik verbreitet ist und hauptsächlich für Fisch, Meeresfrüchte und Hühnchen genutzt wird.

Etmal: 151 sm, gesamt 1.518, noch etwa 1.000 sm zu segeln bis Sitka. Aktuell weisen die Routen ziemliche Abweichungen auf, je nach Wettervorhersagemodell. Aber jedenfalls scheint die Gesamtstrecke nun doch nur etwa 2.500 sm zu betragen, also haben wir das nochmal weniger pessimistisch angepasst.

Passage Hawai’i nach Alaska, Tag 9

Bergfest. Die Hälfte der Strecke vom tropischen Hawai’i zum Arktik-nahen Alaska haben wir zurückgelegt. Anders als ursprünglich gedacht war es bisher zumeist Segeln zwischen Halbwind und Amwind, bei allerdings überwiegend angenehmer Welle. Gleichwohl schräg. So auch gestern wieder, zudem gestern unter einem grauen Himmel und entsprechend auf grauem Meer, nicht im leuchtenden Blau wie wir es davor gesehen haben. Die Sonne lässt sich nur erahnen, ein fahler hellerer Fleck im konturlosen Himmel. Novembersegeln im July.

In unserem „Wintergarten“, dem aufgebauten Cockpitzelt ist es trotzdem kuschelig, auf den Nachtwachen unterstützt durch den dicken Schlafsack, den wir in Hawai’i für diesen Zweck noch erworben haben. Die Heizung mussten wir bisher noch nicht einschalten, aber das kommt sicher auch bald.

Zeit für einen Blick nach vorn.
Was erwartet uns eigentlich in Alaska? Oder besser: was erwarten wir eigentlich von Alaska? Zunächst einmal, schon der Name Alaska beschwört (jedenfalls bei uns) ein Bild legendärer Abgelegenheit, Einsamkeit, Unzugänglichkeit, fast mythischer Wildheit. Goldrausch, Jack Londons „Wolfsblut“, in meiner Jugend als Fernsehserie verfolgt, hat sich offenbar tief ins Gedächtnis eingebrannt. Rauhe Natur, Kälte, Berge, nordische Regenwälder, Fjorde, Gletscher, Eisberge. Wale, Bären, Otter, Adler und Lachse, Elche, mit Glück auch Papageitaucher.
Aber wird das Bild von der Einsamkeit in der Natur stimmen? Statistisch sicher ja. Kein US-Bundesstaat hat weniger Einwohner pro Fläche, selbst in Wyoming leben fünf mal mehr Einwohner je Quadratkilometer. Ein verbindendes Straßennetz für die Orte in Alaska gibt es nicht, die Wasserwege und der Luftverkehr müssen vielerorts dessen Funktion übernehmen und eine Anbindung an die „Außenwelt“ sichern.
Ein bisschen skeptisch ob dieses vielleicht überromantischen Bildes sind wir trotzdem. Unser erster Anlaufpunkt soll Sitka sein, die viertgrößte Stadt Alaskas. Mit fast 9.000 Einwohnern sicher überschaubar, aber wie wird sich das anfühlen? In der Regel sollen drei Kreuzfahrtschiffe dort liegen, zudem sind im Sommer hunderte von Charter-Angelbooten in den Häfen des Städtchens beheimatet. Einsam, unzugänglich, wild? Andererseits, mit bewusstem Verweis auf Kreuzfahrer und Sportfischer verspricht uns der über 400seitige Cruising Guide „Douglas“, dass ob der schieren Größe der verschachtelten Wasserflächen und der Vielfalt der Buchten und Seitenarme ein wirklich einsamer Ankerplatz praktisch überall zu finden sei, sobald man sich nur ein kleines bisschen von den Hauptrouten der geschützten „Inside Passage“ entferne. Wir sind sooo gespannt!

Essen: Goldmakrelenfilet mit Rigatoni in Zitronen-Sahnesoße.

Etmal: 130 sm, gesamt 1.367, noch zu segeln 1.283, vielleicht auch ein bisschen weniger, weil wir Sitka zuletzt doch recht direkt anlegen konnten.

Passage Hawai’i nach Alaska, Tag 8

Schönes Segeln bei recht gutem Wetter, zum Abend hin zieht es sich aber zu, keine Sterne in der Nacht, der Morgen begrüßt uns mit einheitlichem Grau, hochnebelartiger Bewölkung. Die beiden zur Nacht eingebundenen Reffs haben wir gerade wieder ausgeschüttelt, um die 12 kn wahrer Wind auf einem gemäßigten Amwind-Kurs bei nicht allzu hohen Wellen. Ganz langsam scheint sich die Sonne durch den Hochnebel zu kämpfen, für blaue Flecken am Himmel reicht es aber noch nicht. Ein Albatros segelt majestätisch ohne Flügelschlag knapp über den Wellen dicht an Flora vorbei.

Die Wettermodelle nähern sich an und das Routing ist bei allen Modellen für die nächsten Tage gleich: etwas südlich des direkten Kurses bleiben. Machen wir gerne, wenn sich damit die Starkwindfelder erst einmal weitestgehend vermeiden lassen.

Es wird weiterhin täglich frischer, lange Hosen sind inzwischen angesagt. Ist es richtig, was wir machen? Sonnen- und wärmeverwöhnt wie wir sind von Hawai’i aus direkt nach „da oben“ in die Kälte segeln? Wir sind uns einig: ja! Auch wenn der Respekt vor dem was uns im Norden erwartet groß ist, Alaska reizt uns ungemein. Und zum Frühstück gibts jetzt endlich wieder Porridge! Mit Datteln, Walnüssen, Ahornsirup und einer Prise Kardamon. Ansonsten lesen wir viel, bereiten uns auf Alaska vor. Der Respekt nimmt eher noch zu, die Vorfreude aber auch.

Essen: Mahi Mahi mit mediterranen Kräutern auf Zuccini-Tomaten-Kartoffelbett im Backofen gegart.

Etmal: 166 sm, gesamt damit 1.234 sm (nicht geschummelte Zahlenfolge), noch zu segeln 1.416 sm.

Passage Hawai’i nach Alaska, Tag 7

Schwupp, schon eine Woche unterwegs. Die letzten Tage zwar etwas langsamer, aber trotzdem haben wir heute die 1.000 sm geknackt, die bei uns als Richtschnur für eine Woche auf See in die Planung eingehen.
Ziemlich genau wie vorhergesagt erreichen wir den Rand des Hochdruck-Kernbereichs. Sonne und Null-Wind. Also doch noch einmal Gelegenheit für ein Bad im leuchtenden, 5.000 m tiefen Blau. Und danach: Motor an, Kurs Sitka. Zum Sonnenuntergang, der sich aber ganz unspektakulät hinter dichten Wolken versteckt, leisten uns Delfine Gesellschaft. Eine größere Schule Schlankdelfine spielt ausgiebig um Floras Bug.
Den größten Teil der Nacht hindurch läuft der Jockel, erst um 4.00 Uhr gibt es wieder genug Wind zum Segeln, jetzt auf dem Steuerbord-Bug.
Die Wettervorhersagen und damit unsere Routenplanung beschäftigt uns weiter ziemlich intensiv. Das hängt auch damit zusammen, dass sich die beiden großen Vorhersagemodelle (amerikanisches GFS und europäisches ECMWF) für den weiteren Verlauf der Woche ziemlich unterscheiden, was immer ein Indiz für noch nicht sehr zuverlässige Vorhersagen dieses Zeitraums ist. Hatte GFS gestern noch einen deutlich südlicheren und ECMWF in der Routenplanung einen nördlicheren Kurs als den direkten Weg nahegelegt, ist es heute genau anders herum. Die genaue Entwicklung eines wohl recht kräftigen Tiefdruckgebietes müssen wir weiter beobachten. Die Einstellungen für unser Routing auf PredictWind haben wir aber schon mal von „schnellste Route“ auf „Comfortroute“ geändert, das bietet die Option, für die Route „nach Möglichkeit“ kursbezogen maximale Wind- und Wellenbedingungen vorzugeben (also z.B. am Wind max 3 m Welle und 23 kn Wind, raumschots max 5 m Welle und 30 kn Wind).
Für die nächsten drei Tage sind die Wettervorhersagen aber einigermaßen gleich und lassen relativ gute Bedingungen erwarten.
Kälter wird es trotzdem, wolkiger auch. Wir haben die Kuchenbude aufgebaut und genießen deren Schutz.

Essen: Fisch-Thai-Curry mit Süßkartoffel und Ananas.

Etmal: 125 sm, gesamt 1.068, noch verbleibend 1.582 sm.

Passage Hawai’i nach Alaska, Tag 6

Weiterhin zumeist langsames Segeln auf glattem Wasser, mal mit Code0, mal mit der Fock. Der Wind tüselt ziemlich herum, unser Kielwasser gleicht einer Schlangenlinie. Zwischen 20 und 130 Grad wahrer Windrichtung, also Wind aus Nordnordost bis Südost hatten wir in den letzten 24 Stunden, bei Stärken zwischen 2 und 22 Knoten. Nicht schlimm, aber gerade in der Nachtwache ist dieser ständige Wechsel doch einigermaßen aufwändig.
Der Sonnenuntergang gestern zeigte ein deutliches Halo um die Sonne, der durch die Brechung an Eisteilchen in der Atmosphäre entsteht. Wetterechsel? In der Mitte der Nacht ändert sich der zuletzt sternenklare Himmel, zieht sich zu. Heute morgen schleicht die Flora unter einer niedrigen, relativ dichten grauen Wolkendecke dahin, keine Passatwölkchen mehr. Die Luft ist frischer, aber wir finden es gerade sehr angenehm. Das wird sich vielleicht ändern, wenn die Temperaturen wie angekündigt weiter fallen. Innerhalb von zweit Tagen soll es von warmen 22 Grad auf dann nur noch 12 Grad gehen. Die Wassertemperatur sinkt ebenfalls erstaunlich schnell.
Wir treffen Vorbereitungen. Das Bimini (unser Sonnenschutzdach über dem Cockpit) wird abgebaut, die vor Regen und Kälte schützende Kuchenbude bereit gelegt. Das gibt uns auch die Gelegenheit, Flora mal wieder ganz „aufgeräumt“ zu fotografieren.
Wir müssen die Arbeiten allerdings kurz unterbrechen, denn die gerade erst ausgebrachte Angel rauscht aus. Ein diesmal etwas kleinerer Mahi Mahi – perfekt.
Es ist ein bisschen tricky, den richtigen Zeitpunkt für eine Wende Richtung Sitka zu finden. Der Nordpazifik fordert doch einige segeltaktische Entscheidungen. Wer Spaß daran hat, mag ja mal die Entwicklung der nächsten 10 Tage bei Windy betrachten und verfolgen. Die Wetterlage ist wieder instabiler geworden, das Hochdruckgebiet konnte sich noch nicht festsetzen. Die Entfernungen sind zudem so groß, dass der Wetterbericht für einen Ort regelmäßig schon wieder völlig anders ist, wenn man ihn nach sagen wir mal 5 Tagen tatsächlich erreicht hat.
Aktuell werden wir wohl heute oder spätestens morgen umschwenken auf den Steuerbordbug.

Essen: Nennt uns langweilig, aber wir wollen das gerade entdeckte „Hawaiian Seasoning“ gleich noch einmal versuchen. Diesmal variert, der Fisch wird anders als gestern nicht vorher in Ei gewälzt, dazu gibt es heute karamelisierte frische Ananas und eine Quinoa-Wildreis-Mischung.

Etmal: 132 sm, gesamt somit 943 sm, noch zu segeln 1.707 sm (gestern Tippfehler: statt 1.639 hätte es 1.839 sm heißen müssen).

Passage Hawai’i nach Alaska, Tag 5

Wir sind im engeren Einfluss des Hochdruckgebietes. Nicht im praktisch windlosen Kern, aber doch so nah dran, dass wir weniger Wind haben, der außerdem ungefähr aus der Richtung kommt, in die wir fahren wollen, Nordost. Aber immerhin: wir können noch segeln. Ziemlich hoch am Wind, auf einem Kurs etwas westlicher als Nord, aber mit 4 bis 5 Knoten Fahrt. Im Schnitt, mit ziemlichen Ausreißern nach oben und unten. Das Sweet-Spot-Segeln unter Code0 war herrlich, aber gestern Nachmittag gefolgt von einer sehr schwachwindigen Phase, in der wir mit 2-4 Kn Fahrt eher gedümpelt sind.
Unser Freund Michael aus Washington pflegt zu sagen: „If life gives you lemons, make lemondade.“ Recht hat er. Also nutzen wir den Schwachwind, lassen die Drohne fliegen, backen Apfelkuchen und Brot, spielen mal wieder Karten im Cockpit, genießen die ruhige, schaukelfreie und erneut sternenklare Nacht.

Die kanadische „Vanille“ mit Dana und Jean-Pierre ist etwa 150 sm südöstlich von uns auf fast gleichem Kurs, hat aber noch etwas mehr Wind. Die holländische „Pitou“ mit Liselotte und Machiel dagegen etwa 450 sm nordöstlich, sie haben bereits wieder gut segelbaren Wind. Beide Crews kennen wir aus Hawai’i und wir sind in täglichem Email-Kontakt, tauschen unsere Positionen und Wetterbedingungen aus. Alle wollen wir nach Sitka. Es ist ein schönes und beruhigendes Gefühl, sich regelmäßig austauschen zu können. Gesehen haben wir bisher auf der ganzen Passage nur ein einziges Schiff, dass in 6 sm Abstand in Richtung China vorbei fuhr. Ansonsten: Wasser und Himmel, einfach rundum ungetrübter Blick bis zum Horizont.

Die Vanille, eine 46 Fuß Amel, ist am gleichen Tag wie wir gestartet, allerdings von O’ahu aus. Unsere Kurse und Wegepunkte liegen ziemlich eng beieinander. Die Pitou, ein 51 Fuß Stahlschiff nach einem Koopmans Riss, ist eine knappe Woche vor uns losgefahren. Von ihnen wissen wir z.B., dass wir ab etwa 40 Grad Nord mit deutlich kühlerem Wetter zu rechnen haben. Das sind von uns noch etwa 270 sm nach Norden, in zwei bis drei Tagen könnten wir dort sein.
Also jetzt erst einmal eine noch etwas wärmere Eimerdusche mit Nordpazifikwasser auf dem Achterdeck!
Erfrischend, aber schon noch angenehm, etwa 22 Grad. Das dürfte jetzt demnächst aber rapide abnehmen. Auch die Lufttemperatur, die im Moment absolut angenehm ist, während die Pitou-Crew bereits ihr verglastes Deckshaus genießen dürfte.

Essen: Inspiriert von einem klassisch hawaiianischen Gericht gibt es Mahi Mahi in Macadamia-Nuss-Kruste auf Kartoffelbrei und mit Tomaten-Paprika-Eisberg-Salat. Das „Macadamia Nut Hawaiian Seasoning“ haben wir in Honolulu gekauft, absolut empfehlenswert. Neben Macadamia Nüssen sind Kokosnussflakes, Sesam, Meersalz, Pfeffer, Zwiebel, Chili und weitere Gewürze drin. Durchaus scharf und herrlich würzig.

Etmal: 123 sm, gesamt gesegelt 811 sm, noch verbleibend 1.639 sm.