Passage nach Hawai’i, Tag 22

Hat sich doch der Titel geändert: Hawai’i statt Hawaii. Warum das? Weils eigentlich richtiger ist. Wir würden ja auch nicht wollen, dass Düsseldorf Dusseldorf geschrieben würde, nur weil es in einer anderen Sprache genau so ausgesprochen wird, oder (die Kölner vielleicht schon, aber die hätten ja selbst mit einem Umlaut zu kämpfen)?
Das Alphabet in Hawai’i hat nicht wie unseres 26 Buchstaben (ohne Umlaute), sondern nur die Hälfte, nämlich 13. Die Vokale A, E, I, O und U sind aber gleich, nur bei den Konsonanten hakts: in der lokalen Sprache werden nur H, K, L, M, N, P und W verwendet.
Kein Wunder, dass die Sprache so weich und melodisch klingt und dass die Worte uns oft so ähnlich erscheinen. Und ebenso logisch ist, dass zum Teil sehr lange Wörter gebildet werden müssen, wenn man halt weniger Buchstaben zur Auswahl hat.
Aber 13? Da fehlt doch ein Buchstabe, und das ist der „Glottal-Laut“ bzw. Glottal-Stop. Das Zeichen zwischen den beiden i von Hawai’i. Es ist quasi eine gesprochene Pause. Hört sich etwas abstrus an, gibts aber im Deutschen aus, nur ohne extra Zeichen. Wenn man zum Beispiel nach Grönland fährt um zu „Verreisen“ und „Vereisen“, hört man den Glottal in Vereisen sehr deutlich. Und in der Sprache der Ureinwohner auf Hawai’i wird er viel verwendet, drei der vier großen Inseln führen ihn im Namen. Maui nicht, aber Kaua’i, O’Ahu und eben Hawai’i Island, das zur besseren Unterscheidung von dem Gesamtarchipel auch oft „Big Island“ genannt wird.
Und da fahren wir als erstes hin, denn Big Island liegt als jüngste Insel der Kette ganz im Südosten des Archipels und ist damit für uns am besten zu erreichen.
Die Inseln sind alle vulkanischen Ursprungs. Wie Galapagos und auch die Kanaren gibt es hier einen „Hotspot“, quasi einen Schneidbrenner unter der Erdkruste, der ein Loch in die über dem Magma liegende feste Erdplatte brennt und einen Vulkan entstehen lässt. Weil sich aber die Platten verschieben, reißt irgendwann die Verbindung ab und über dem Hotspot entsteht der nächste Vulkan. Die Pazifische Platte ist zwar riesig, bewegt sich aber trotzdem recht schnell. Am Mariannengraben z.B. schiebt sie sich mit etwa 11 cm pro Jahr unter die Phillipinische Platte, mit 8 cm pro Jahr bewegt sie sich auf die Kurilen zu. Durch diese Bewegung sind über dem Hotspot nach und nach die zum Hawai’i-Archipel gehörenden Inseln entstanden. Einige im Nordwesten sind in den Millionen Jahren ihrer Geschichte schon wieder versunken, die jüngeren sind die jetzt bevölkerten. Big Island als jüngste mit seinen aktiven Vulkanen, dem über 4.200 m hohen Mauna Kea und dem nur wenige Meter niedriger
en Mauna Loa stellt zugleich die höchsten Berge der Inselgruppe. Wenn man bedenkt, dass die Lava die Berge ja auf dem hier 5.000 m tiefer liegenden Meeresboden formen musste, steigen sie sogar über 9.000 m in die Höhe.
Es wird aber trotzdem noch ein paar Tage dauern, bis wir hoffentlich die Berge Hawai’is vor uns erkennen können.

Heute ist die Sicht nicht sehr klar, der Himmel wolkenverhangen, manchmal Regen, nur ab und zu kommt die Sonne durch. Wir hoppeln über eine Wasser gewordene Buckelpiste, zu dem hohen Schwell des starken Passatwindes gesellt sich eine weiter aus nördlicher Richtung kommende Welle eines entfernten Windsystems, die uns ordentlich durchschüttelt. Ungenehm, anstrengend und ermüdend. Heute Nacht hatten wir in der dritten Wache durchziehende Wolkensysteme, die den Wind zwischen 25 kn und 3 kn hin und her springen ließen, danach wieder stetigen Passat.

Bootsarbeit des Tages: „Neustart und Hoffen“. Der Autopilot steigt plötzlich aus, ohne dass ihn gerade eine besonders hohe , Seiten-Welle aus dem Konzept gebracht hätte. Display-Anzeige: „Position Source are changed“. Auf dem Plotter erscheint eine gezackte Kurslinie (die wir nicht gefahren sind) und die Vorauslinie des Schiffes weicht 90 Grad von unserer wahren Vorauslinie ab. Grrr.
Wir starten den Autopilot neu. Keine Änderung. Den Plotter neu. Keine Änderung. Fahren die Geräte noch einmal herunter, schalten die Sicherungen des gesamten NMEA2000 Netzwerks aus und wieder ein, fahren die Geräte wieder hoch. „Neustart und Hoffen“ hat funktioniert, die systemischen Selbstheilungskräfte einmal mehr obsiegt. Aber wir denken verstärkt über ein Backup für die bisher vom Plotter gelieferte System-GPS-Position nach. Kommt auf die Liste.

Essen: Curry-Bratreis mit frischen Möhren und frischem Weißkohl, Ketjap Manis und Steak Strips (luftgetrocknete Rindfleischstreifen). Zum Nachtisch Cheesecake-Pfirsich-Muffins, die Wiebke trotz der Schaukelei gezaubert hat.

Etmal: 187 sm, gesamt gesegelt bisher 3.657 sm, noch geschätzte 643 sm nach Hawai’i.

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