San Francisco VI: Alcatraz und Healdsburg

Wir freuen uns, einen Teil unserer “American Family” zu treffen. Denise (Schwester von Greg aus Washington D.C.) ist beruflich in San Francisco. Gemeinsam nehmen wir die Fähre und besichtigen die berühmt berüchtigte Gefängnisinsel Alcatraz.

Zur Tour gehört ein gut gemachter Audioguide, in dem sowohl Gefängnisinsassen als auch Aufseher über ihre Zeit auf “The Rock” berichten, jeweils passend zu dem gerade besichtigten Punkt. Außerdem sind Gimmicks wie das Geräusch der hinter uns ins Schloss fallenden Zellentür oder dem Scheppern der Metalltassen an den Gitterstäben integriert. Die Effekte verlieren allerdings durch den Besucherandrang manchmal etwas an Wirkung. Trotzdem: beeindruckend!

Ebenfalls zum Nachdenken anregend ist die Ausstellung über das amerikanische Gefängnissystem und dessen schier unfassbaren Umfang. Nach einem sprunghaften Anstieg ab den 70er Jahren gibt es in den USA inzwischen etwa 700 Gefängnisinsassen je 100.000 erwachsene Einwohner. Zum Vergleich: in Deutschland sind es 76. Auch auf den vergleichsweise geringen Anteil von Gewaltkriminalität als Grund für die Einweisung und auf die auffällig rassistische Verteilung sowie die immense Rückfallquote wird in der Ausstellung eingegangen.

Am nächsten Tag dann etwas ganz anderes: wir holen unseren Mietwagen ab und diesmal geht es zur Abwechslung mal ÜBER die Golden Gate Bridge.

Die Fahrt führt uns im Norden um die San Francisco Bay herum und durch einen Teil des “Delta”, des Feuchtgebietes im Einmündungsbereich der Flüsse Petaluma, Napa und vor allem Sacramento River. Am Napa River entlang fahren wir ins Napa Valley, nehmen darin nicht die Hauptstraße sondern den parallel verlaufenden durch die Weinberge führenden Silverado Trail.

Und so machen wir an unserem Tagesziel im schönen Healdsburg natürlich auch eine anständige Weinprobe 🍷 😊.

Gefällt uns gut. Wie auch unsere Unterkunft in einem viktorianischen Bed&Breakfast.

Eine gute Einstimmung, denn morgen soll der Roadtrip dann in das viktorianische Musterstädtchen Mendocino führen und das auch noch über eine der “Traumstraßen der Welt“, den kalifornischen Highway 1 direkt an der Pazifikküste entlang. Wir freuen uns darauf!

Ich seh´ schwarz

Neben dem Blau des Himmels und dem Weiß der Häuser ist schwarz hier auf Lanzarote die deutlich vorherrschende Farbe. Der Lavaboden der Insel zeigt sich häufig sehr dunkel. Streckenweise fahren wir mit unserem Mietwagen durch Landschaft, die wie Stein gewordene schorfig verbrannte Riesenhaut oder frisch umgebrochener, dann aber sofort versteinerter Marschboden wirkt.

Aber an anderer Stelle hat der schwarze Boden – jetzt feiner gemahlen – auch sein Gutes. Lanzarote verfügt kaum über nennenswerte Grundwasservorkommen und ist zudem extrem regenarm. Die Trinkwasserversorgung wird heute aufwendig über Meerwasserentsalzungsanlagen sichergestellt, die Landwirtschaft musste sich also früh etwas Besonderes einfallen lassen. Zum Beispiel den Trockenfeldanbau. Und der funktioniert z.B. im Weinbaugebiet La Geria so:

Feiner schwarzer Aschesand, sogenannter Lapili, bildet eine dicke Deckschicht über dem fruchtbaren aber eben trockenen Vulkanboden. Am Lapili kondensiert die Nachtfeuchtigkeit und sinkt nach unten. Der Weinstock wird in einer künstlichen tiefen Mulde des Lapili gepflanzt, die zusätzlich noch von einer halbrunden und ohne Mörtel aufgeschichteten Lavasteinmauer gegen den Wind und die dadurch bedingte Austrocknung geschützt wird. Hektarertrag: nicht der Rede wert. Wahnsinnig viel Handarbeit? Ja! Wird seit Generationen so gemacht.

Meine Cuisine Elke und ihr Freund Uli sind zu Besuch, mit ihnen erkunden wir Lanzarote. Wir besuchen das bekannte Weinbaugebiet, die Feuerberge des Timanfaya-Nationalparks, wo thermische Anomalien in Erdlöchern von wenigen Metern Tiefe schon Temperaturen von einigen hundert Grad Celsius entstehen lassen. Uns Besuchern wird das eindrucksvoll mit sich selbst entzündenden Dornlattichbüschen demonstriert, Moses und der brennende Dornbusch lassen grüßen, aber der Timanfaya-Nationalpark hat für die Montaña del Fuego stattdessen trotzdem ein Teufelchen als Logo gewählt.

Weiter geht es hinunter ans Meer, wo die See mal an steil empor springende schwarze Felsen schlägt, in die für uns extra Besucherbalkone eingelassen sind, mal aber auch Surfern herrliche Brandungswellen vor sandigen Stränden bietet.

Manchmal zaubert es sogar Farbspiele wie den grünen See hinter dem schwarzen Sandstrand bei El Golfo.

Schwarz war auch die Gummidichtung für unser Vorluk (also das Fenster über der Vorschiffskoje). Jedenfalls ursprünglich mal. Inzwischen war sie eher Undichtung und zudem vom eingedrungenen Salz ziemlich grau geworden. Elke und Uli hatten vom Spezialhändler SVB aus Bremen eine neue Dichtung mitgebracht. Zwischen den Ausflügen auf Lanzarote war also mal wieder Handwerken angesagt.

⚠️ Gäste werden übrigens gnadenlos eingebunden ⚠️.

Der Rahmen des Lewmar-Luks ist geteilt und mit ein paar kleinen technischen Gemeinheiten versehen, aber: wir haben das gemeinsam hingekriegt und das Luk ist wieder dicht! Wasserstrahltest bestanden.

Dann also wieder Inselerkundung. 😊 Und dabei kommt man auf Lanzarote an einem Künstler auf keinen Fall vorbei. Wir besuchen das César Manrique Museum der gleichnamigen Fundación, den von ihm gestalteten Kaktusgarten und den ebenfalls von Manrique umgesetzten Aussichtspunkt Mirador Del Rio ganz im Norden der Insel. Neben vielem anderen ist besonders beeindruckend, wie Manrique immer wieder eine Einheit zwischen Umgebung, Natur und seinem Werk schafft, sei es bei den in Lavablasen eingebetteten Räumen seines Hauses, bei dem zudem die Lavafelsen gleichsam durch das Fenster hineingelassen werden, dem amphitheatrisch anmutenden Kaktusgarten In einem ehemaligen Steinbruch oder dem in die Steilwandkuppe eingelassenen Restaurant und Aussichtspunkt mit Blick hinüber nach La Graciosa. Manrique selbst prägte dafür den Ausdruck „Kunst-Natur/Natur-Kunst“.

Und so schafft es Manrique nebenbei auch, dass Lanzarote künstlerisch bei all dem Schwarz dann manchmal eben doch recht bunt daherkommt.