Fakarava Nord und Passage nach Tahiti

Vom Südpass in den Norden des Atolls, das bedeutet einmal längs durch die etwa 60 km lange und 13 km breite Lagune zu fahren. Es gibt einen vergleichsweise breiten Korridor mit nur wenigen Bommies a den Rändern. Eigentlich könnten wir versucht sein, dieses Mal innerhalb des Atolls zu segeln. Aber: wieder motoren wir, denn der Wind steht uns genau entgegen. Macht nichts, in Rotoava, dem Hauptort, können wir bei ruhigem Wetter sehr gut an der Tankstelle anlegen und Flora wieder voll tanken. Wir könnten etwas sparen, wenn wir das bis Papeete auf Tahiti aufschieben würden, denn dort besteht mit ein wenig Aufwand die Möglichkeit, steuerfrei das Boot zu betanken. Aber bei den derzeit flauen Winden wollen wir lieber auf Nummer sicher gehen.

Am Ankerplatz vor Rotoava liegen bereits etwa 25 Yachten, aber wir finden trotzdem einen guten Platz. Die Beliebtheit hängt auch damit zusammen, dass es im Ort ein paar Restaurants, mehrere Tauchschulen, kleine Hotels, Perlenverkäufer, Stände mit Muschelketten und eben auch ein paar Supermärkte gibt. Deren Angebot ist allerdings stark abhängig davon, wann zuletzt das Versorgungsschiff angelegt hat. An frischen Lebensmitteln ergattern wir nur ein paar Äpfel und Birnen. Insgesamt ist es ziemlich beschaulich und weniger touristisch als wir es uns vorgestellt hatten.

Die Kirche im Ort zeigt, wie wichtig Muschelschmuck für die Bewohner der Tuamotus ist.

Alle Bildnisse und Statuen in ihrem Inneren sind mit Muschelketten behängt, die Weihwasserbecken sind Schalen von Riesenmuscheln, wie Kronleuchter hängen Muschel-Glocken von der Decke, kunstvolle Perlenschnüre aus verschiedenen Muscheln verbinden sie. Einige der Fensternischen sind mit dem Perlmutt von geöffneten Austernschalen verkleidet.

Noch opulenter werden die Muschelketten in der halboffenen Kapelle im Hof hinter der Kirche:

Der eigentlich geplante Tauchausflug zum Nordpass fällt leider aus. Die Tauchschule sagt, der Südschwell der letzten Tage habe so viel Wasser in die Lagune gespült, dass derzeit zu keiner Zeit die für den Tauchgang benötigte einlaufende Strömung im Pass entsteht. Schade.


Die Windstille verlockt uns dazu, den Ankerplatz vor Rotoava nach nur einer Nacht wieder zu verlassen und uns ganz in die Nähe des Nordpasses zu verholen. Der Platz dort ist nämlich wunderschön, allerdings bei den normalerweise vorherrschenden Winden nicht sehr geschützt. Und man muss sich um einige verstreute Riffe herum an den Strand herantasten, weshalb wir zunächst den Ankerplatz auch ganz für uns haben. Wir genießen die Ruhe, Schnorcheln ausgiebig an den Bommies um Flora herum. Bei diesen Bedingungen entfaltet der Ankerplatz im Flachwasser eine ganz eigene Magie:

Am nächsten Tag machen wir uns dann auf zur Passage nach Tahiti. Nach dem dem Morgenhochwasser laufen wir durch den Pass, trotzdem schieben uns etwa zwei Knoten Strom. Dafür erwartet uns draußen eine schöne Überraschung: segelbarer Wind.

Die Wetterberichte hatten für den Vormittag noch Flaute vorhergesagt, dann aber ein Band mit Südwind und über den zweiten Tag auf Nordwest drehenden Wind. 

Mit Codo0 an Backbord machen wir von Anfang an gute Fahrt. Das stabilisiert und ist auch ganz gut so, denn es steht eine unangenehme 3-m-Dünung aus Süd. Mit einem Windsprung auf 25 bis 28 Knoten aus Süd kommt dann kräftiger Regen. Gerade noch rechtzeitig bergen wir den Code0. Statt dessen setzen wir die Fock an Steuerbord und es kommen zwei, später sogar drei Reffs ins Groß.

Durch die flotte Fahrt brauchen wir statt der kalkulierten 2 Tage nur anderthalb. Das bedeutet allerdings auch, dass es eine Nachtansteuerung von Tahiti wird. Wollten wir eigentlich gerne vermeiden, aber nun ist es halt so. Und es hat auch etwas für sich. In der Abenddämmerung schält sich unter einer Wolkendecke ein Stück Küstenlinie von Tahiti heraus. „Land Ho!“

Während wir näher kommen wird es dunkel.

An Backbord leuchtet das Kreuz des Südens am Sternenhimmel, voraus blinkt das Leuchtfeuer von Point Venus. Hinter dem Leuchtturm ist im Wolkendunst über der Insel die Lichtglocke der Hauptstadt Papeete auszumachen. 

Wir liegen uns im Cockpit in den Armen, während Flora unter vollen Segeln mit 7 Knoten durch die Nacht darauf zu fährt. 

Ein weiterer Meilenstein unserer Reise, Papeete auf Tahiti, die Hauptstadt der Südsee. 

Der Ankerplatz am Point Venus wäre eigentlich unsere erste Wahl gewesen. Hier hat Captain James Cook 1769 den Venusdurchgang beobachtet, daher der Name. Dieser Ankerplatz wäre auch bei Nacht vergleichsweise einfach anzusteuern. Aber durch den ungewöhnlichen Nordwestwind und den daraus folgenden Schwell ist er jetzt sehr ungemütlich. Unsere Freunde von der Easy One haben sich deshalb ein Stück weiter westlich nach Arue verzogen, wo das vorgelagerte Riff deutlich besser vor diesen Bedingungen schützt.  Dafür müssen wir allerdings erst durch das Riff und dann im engen Tonnenstrich auf das Lichtermeer der Stadt zu. Aber das klappt gut und wir genießen sogar noch einen späten Willkommensschluck bei Andrea und Ingo auf der Easy One.

Dann erst mal Ausschlafen und am nächsten Morgen:

Herrlich ruhiger Ankerplatz von Arue hinter dem Riff und Blick von Tahiti bin hinüber zur Nachbarinsel Moorea.

Covergirl Flora

Im Transocean Magazin ist wieder einmal ein Artikel von uns erschienen, volle sieben Seiten. Unser Thema in dieser Ausgabe: San Francisco.

Besonders erfreulich ist natürlich auch, dass unsere Flora gleichzeitig auch noch Cover-Girl ist.

Sehr schön. Und was machen wir sonst so?

Erstmal Schnorcheln am Bommie nahe bei Flora.

Geimeinsam mit Alex von der „No Stress“ und Ralf von der „Barbarella“ fahren wir dann am Nachmittag mit unserem Dinghy aber auch nochmal in den Südpass von Fakarava. Wiebke macht die Begleitung und bleibt im Dinghy, wir anderen drei tauchen noch einmal mit den Haien. Zur besseren Einordnung, weil Graue Riffhaie vielleicht nicht ganz so geläufig sind: in der Größe liegen sie nur leicht über den Schwarzspitzen-Riffhaien. Männchen werden maximal 2,50 m lang, Weibchen sind etwas kleiner.

Das Tauchen mit ihnen ist (auch) wegen ihrer großen Anzahl aufregend, aber nicht stressig. Die Haie bewegen sich zumeist ganz ruhig, scheinen uns kaum zur Kenntnis zu nehmen. Wir unsererseits sehen zu, dass wir am Rand der Wall of Sharks bleiben und sie möglichst wenig stören. So treiben wir mit der Strömung seitlich an ihnen vorbei.

Beim Ausklingen des Tauchgangs im flacheren (und damit lichtdurchflutetem) Wasser kommen dann auch die Farben wieder besser durch. Da strahlen die Falterfische und der Pfauen-Kaiserfisch …

… und auch der skurril geformte Trompetenfisch und die Ananas-Seewalze kommen selbst ohne auffällige Farben gut zur Geltung.

Nur der Camouflage-Zackenbarsch vertraut weiter auf seine Tarnung und hält sich versteckt. Kein Wunder, er ist eine Lieblingsspeise der Haie.

Das Deko-Bier nach dem Tauchen und der Sundowner auf dem Vordeck gehen ineinander über. Und was für ein Sundowner. Zuerst scheint sich die Sonne hinter den Wolken zu verstecken, dann bricht sich doch noch einmal durch und beleuchtet nach ihrem Untergang die flauschigen Wolken noch von unten.

Red sky at night, sailor‘s delight.

☺️

Fakarava, Südpass. Driftschnorcheln und Wingsurfen.

Von Tahanea nach Fakarava segeln wir bei gutem achterlichen Wind in einem Tag. Die Tiden für die Pässe passen gut, um halb acht gehen wir kurz vor Niedrigwasser aus Tahanea raus, gegen 15.00 Uhr um Hochwasser herum in den Südpass von Fakarava hinein.

Wir ankern gleich um die Ecke vom Südpass. Der Ankerplatz ist bei den Bedingungen zwar nicht optimal, es steht ganz gut Welle und Flora schaukelt kräftig. Aber für eine Nacht ist das erstmal ok.

Am nächsten Morgen fahren wir dann bei Niedrigwasser mit dem Dinghy durch den Südpass hinaus, springen ins Wasser und lassen uns von der einsetzenden Flut schnorchelnd wieder in die Lagune treiben. Beim ersten Mal ganz langsam, beim zweiten schon etwas schneller und beim dritten Mal mit ordentlich Speed. Es ist wunderschön.

Quasi ohne eigene Bewegung werden wir im klaren Wasser über die Korallen am Rande des Passes geschoben, können im Vorbeigleiten die Vielfalt an Rifffischen bewundern.

Der Pass ist für seine vielen Haie bekannt. Im flacheren Wasser an der Seite des Passes zeigen sich allerdings bei unseren Driftschnorchelgängen nur Schwarzspitzenhaie.

Anders sieht es unten am Grund in der Mitte des Passes aus. Von hier oben sehen wir nur schemenhaft die Konturen, aber die große Anzahl der zumeist fast regungslos in der Strömung stehenden Haie beeindruckt schon beim Schnorcheln. Das macht richtig Lust auf den einen Tauchgang hier an der bekannten “Wall of Sharks”.

Das muss allerdings noch warten, denn nach dem Schnorcheln holen wir erst einmal den Anker auf und fahren weiter in die bei diesen immer noch starken SE-Winden deutlich besser geschützte Südostecke des Fakarava-Atolls.

Hier liegt Flora deutlich ruhiger. Außerdem gibt es hier, versteckt hinter den Palmen auf der Landspitze, die kleine Surf-Schule “Kite Tuamotu”. Adrien bietet auch Wing-Kiten an, und das möchte ich gerne ausprobieren.

Gemeinsam mit Pierre von der “Viva” mache ich die ersten zwei Schnupperstunden.

Photo Credit: Marie & Pierre, S/V Viva

Das Board, das am Strand (und perspektivisch vergrößert im Vordergrund) noch recht massiv aussieht, entpuppt sich im Wasser als extrem kippelig. Der in der Hand gehaltene dreieckige Flügel, am Strand bei Trockenübung noch leidlich bedienbar, scheint jetzt mit wildem Eigenleben ausgestattet. Der eigene Körper ist der Mast und die Arme sind die Schoten, die Beine und Hüfte gleichzeitig auch noch das Steuerruder, das möchte alles koordiniert werden. Da bleibt dem Anfänger (mir!) nicht mehr viel Kapazität für das Halten des Gleichgewichts. Entsprechend anstrengend ist es, immer wieder nach dem Sturz die Sicherungsleinen von Board und Kite zu sortieren und zurück auf das kippelige Board zu klettern. Fahre ich zwischendurch doch mal ein paar Meter im Stehen, wird es auch gleich ziemlich schnell. Beim nächsten Sturz weiß man dann Prallschutzweste und Helm sehr zu schätzen.

Nach den zwei Stunden bin ich völlig erledigt, habe aber auch ein breites Grinsen im Gesicht. Also am nächsten Tag gleich noch einmal. Geht schon etwas besser, ab und zu beginnt das Board sogar zu foilen, sich also von der Wasseroberfläche zu lösen und nur auf den Unterwasserflügeln zu gleiten. BEGINNT, denn eine Zehntelsekunde später liege ich wieder im Wasser. Den Übergang zum Foilen hinzukriegen, das schaffe ich in meiner zweiten Doppelstunde noch nicht. Ganz sicher bin ich kein Naturtalent. Aber mit etwas (bzw. sehr viel) Übung muss das Wingsurfen möglich sein. Egal, wieder bin ich platt – aber glücklich.

Da wird wohl ein neues Spielzeug fällig.

😊

Zwei oder Sieben im Tahanea-Atoll?

Seit einer Woche sind wir inzwischen im Atoll Tahanea. Um uns herum sausen die Kitesurfer und Wing-Foiler von einigen der anderen Boote, sie finden die meiste Zeit ziemlich gute Bedingungen. Ein bisschen bereue ich, das vor Jahren in Antigua nicht mit unseren Freunden zumindest ausprobiert zu haben. Allerdings war damals die Erinnerung an die lange Rekonvaleszenz nach dem Snowboard-Unfall mit Riss aller Bänder in meiner rechten Schulter noch ziemlich frisch. Aber jetzt wäre hier neben dem Schnorcheln und gelegentlichem Tauchen ein bisschen Wassersport zum Auspowern ganz willkommen.

Hm, im etwa 50 Seemeilen entfernten Atoll Fakarava könnte man das ja vielleicht mal testen. Fakarava ist das zweitgrößte und zudem eines der touristisch am meisten erschlossenen Atolle der Tuamotus.

Zunächst aber ist an eine Weiterfahrt nicht zu denken. Die Maramu-Winde haben den Ozean ziemlich aufgewühlt.

Wir warten noch etwas ab. Dann doch lieber im geschützten Wasser der Lagune schnorcheln, ganz in Ruhe die Fische und Korallen bewundern …

… und den Tag mit einem weiteren Lagerfeuer am Strand ausklingen lassen (auch wenn die anderen Segler dabei ihre Kite-Geschichten des Tages erzählen 😉).

Heute geht’s dann aber doch ein bisschen weiter für uns. Der Wind bläst zwar immer noch mit um die 20 kn, in den Böen etwas mehr. Aber eben nicht mehr mit über 30 kn wie vor ein paar Tagen. Am Ankerplatz im Schutz der Motus merken wir davon ohnehin nicht viel, das Wasser ist glatt. Aber mit etwas Entfernung zu den Palmeninselchen zeigen sich dann auch im Inneren des Atolls erste Schaumkronen. Allerdings ist das natürlich nichts im Vergleich zu den Brechern, die von draußen aufs Riff krachen.

Im Satellitenbild haben wir uns die Route zu einem anderen Ankerplatz hier im Tahanea-Atoll abgesteckt. Dort ist Flora zwar nicht von einem Motu geschützt, wohl aber von einem flachen Riff mit Sandbank, das auch die sich in der Lagune aufbauenden Wellen abhält.

Was für eine Location:

Nur für uns ZWEI und die Flora! 😉

Allerdings, der Ankerplatz ist eigentlich als „Seven“, also „Sieben“ bekannt. Wie so vieles im Leben: Ansichtssache!

Tahuna Maru: wo Thor Heyerdahl mit seiner Kon-Tiki strandete.

Manchmal ist nicht direkt ersichtlich, was einen Ankerplatz am Außenriff von den vielen möglichen anderen abzuhebt und fast jedes Boot anzieht, das dieses Atoll besucht. Auf dem Riff von Raroia gibt es eine Vielzahl kleiner Inselchen (Motus). Obwohl äußerlich völlig unspektakulär, hebt sich das Motu “Tahuna Maru” von seinen Schwesterinseln ab: hier ist historisches passiert. Ein kleines steinernes Denkmal mit einer Plakette darauf erinnert daran. Als wir danach schauen, schrecken wir auf dem im Durchmesser nur etwa 75 m großen Motu erst einmal einige Feenseeschwalben auf, die im Geäst der niedrigen Bäume nisten.

Und da ist sie, ungefähr in der Mitte des Inselchens. Eingewachsen und vom Ufer aus nicht zu erkennen. Die Plakette erinnert an die Strandung des Balsa-Floßes Kon-Tiki hier auf diesem Riff im Jahr 1947. Strandung, Schiffbruch, dass hört sich eigentlich nach einem dramatischen Scheitern für diese Expedition an. Tatsächlich ist es das Gegenteil, nämlich der erfolgreiche Abschuss eines abenteuerlichen und international Aufsehen erregenden archäologischen Experiments, das den Norweger Thor Heyerdahl berühmt machte.

Das stilisierte Gesicht auf dem Denkmal stellt den mythologischen Schöpfergott der Inka dar, der der Legende nach aus dem Osten kam, die Kultur der Inka gründete und dann nach Westen weitersegelte. Die Darstellung zierte das Segel des Balsafloßes, mit dem Heyerdahl die grundsätzliche Seetauglichkeit präkolumbianischer Boote und damit die Möglichkeit der Besiedelung Polynesiens von Südamerika aus bewies. Gestaltet wurde es vom Künstler Erik Hessenberg, der als Steuermann Teil der sechsköpfigen Besatzung der Kon-Tiki war. Mit den vorherrschenden Winden und Strömungen erreichte die Kon-Tiki von Chile aus nach 101 Tagen Raroia und strandete hier.

Wer mehr erfahren möchte über die Strandung des Floßes auf diesem Riff und darüber, wie die Inselbewohner auf der anderen Seite des Atolls darauf aufmerksam wurden, dem empfehlen wir das YouTube-Video unserer Segelfreunde Janna und Ilja von der “Thula”, die sogar ein Interview mit dem letzten noch lebenden Zeitzeugen hier auf Raroia gemacht haben. Absolut sehenswert.

Allerdings jagt uns die Vorstellung – mit welchem Boot oder Floß auch immer – hier von der Brandung auf das scharfkantige Riff geschleudert zu werden, einen Schauer nach dem anderen über den Rücken.

Dann doch lieber in der ruhigen Lagune auf der Innenseite des Riffs ankern und die Brecher nur aus der Ferne sehen.

Und in dem klaren, geschützten Wasser gehen wir ausgiebig schnorcheln.

Farbenfroh mit Wimpelfischen, eingewachsenen Riesenmuscheln und Pfauen-Zackenbarschen. Natürlich sehen wir dabei auch immer wieder Haie, wie diesen in einer Korallenhöhle ruhenden Ammenhai …

… oder (häufiger) einen der verbreiteten Schwarzspitzen-Riffhaie:

Beide Arten sind für Menschen ziemlich ungefährlich. Dieser Riffhai ist übrigens mit einem seiner typischen Begleiter unterwegs, ein Remora hat sich an seinem Bauch festgesaugt. Auf deutsch heißen diese maritimen Tramper “Schiffshalterfische”. Warum wohl?
Der Blick unter die Flora an diesem “Kon-Tiki” genannten Ankerplatz gibt da gewisse Anhaltspunkte:

Wenn sie doch bloß auch ordentlich das Unterwasserschiff putzen würden!

Legendäre Pitons von Ua Pou: Wanderung zum Poumaka

Bei Pitons denkt man unmittelbar an die Wahrzeichen von Saint Lucia, Gros Piton und Petit Piton. Über vier Jahre ist es jetzt her, dass wir mit Flora unterhalb dieser beiden “Zuckerhüte der Karibik” an einer Boje gelegen haben. Und doch, ihr so spezieller Anblick hat einen unvergesslichen Eindruck bei uns hinterlassen.

Auch hier auf Ua Pou gibt es solche auffällig geformten Berge, hier wie dort sind es geologisch Stopfen aus erkalteter Lava, ehemalige Kerne von alten Vulkanen. Allerdings weist Ua Pou gleich zwölf dieser gigantischen Basaltstopfen auf. Unterschiedlich geformt, mal Zuckerhut, mal wie eine Stehle; mehrere von ihnen reichen deutlich höher hinauf als der knapp 800 m hohe Gros Piton.

Auch sie werden auf Französisch als “Piton” bezeichnet, was im Grunde nichts anderes als “Bergspitze” meint. In der polynesischen Sprache der Ureinwohner allerdings sind nicht nur die Bezeichnungen dieser von ihnen als “Säulen” verstandenen Berge weniger prosaisch. In den Legenden der Marquesas sind die Säulen lebendig, haben menschliche Züge und eigene Charaktere. So wird der Poumaka geboren, nachdem zuvor die kriegerische Säule Matafenua von der Nachbarinsel Hiva Oa sämtliche Säulen auf Ua Pou getötet und umgeworfen hat (die liegenden Körper dieser Säulen bilden die Bergrücken auf Ua Pou). Er sinnt auf Rache, wird zum Krieger und besiegt letztendlich Matafenua, dessen Kopf heute zu Füßen des 979 m hohen Poumaka ruht. In der Folge können auf Ua Pou wieder Säulen wachsen.

Zu diesem legendären Poumaka gibt es von unserem Ankerplatz bei Hakahetau aus einen Wander-Trail. Der hat es in sich. Bis auf 680 m Höhe reicht der über 11 km lange Pfad. Weite Teile des Weges führen auf dem schmalen Grat eines Bergrückens entlang, oft geht es links und rechts steil hinunter. Die Hänge sind aber dicht bewachsen, Pandanus-Palmen und Eisenholzbäume (an den roten Puschelblüten gut zu erkennen) bieten sich uns als Handgriffe beim Balancieren auf den besonders schmalen Passagen an.

Es ist ein Rundweg, der um die beiden kegelförmigen Pitons Poutemoka und Totamahiti herum führt. Wir wählen den Aufstieg über die östliche Route. Das hat den Vorteil, in zwei besonders steilen Passagen Seile zum Hinaufklettern nutzen zu können.

Unterwegs bieten sich grandiose Ausblicke auf andere Pitons, landseitig auf den Poutetainui und den praktisch immer in Wolken gehüllten über 1.200 m hohen Pou Oave:

Und in Richtung Meer auf die beiden vom Wanderweg eingekreisten Pitons Poutemoka und Totamahiti:

Besonders schön: entlang des Weges und selbst am höchsten Punkt unserer Wanderung finden sich immer wieder wilde Lila Orchideen (Spathoglottis):

Am Fuß des wie ein Arm mit ausgestrecktem Zeigefinger gen Himmel ragenden Poumaka biegen wir an einer Gabelung des Pfades rechts ab, zurück Richtung Küste. Wie nicht anders zu erwarten, landen wir auf dem kaum weniger steilen ersten Teil des Rückwegs mehr als einmal auf unserem Hosenboden, insbesondere auf nur farnbewachsenen offeneren Steilstücken mit lehmigem Untergrund.

Aber alles geht gut, nach ziemlich genau 5 Stunden (reine Wanderzeit 3 Stunden 47 Minuten) sind wir wieder an der Flora. Ziemlich geschafft, aber glücklich. Ab ins Wasser!

Dazu nur ein paar Bilder vom Vortag, als ich mit Jannik und Ingo schnorcheln war:

Tahuatas wilder Norden: Wieder treffen und wieder verabschieden.

Nach den Mantas in Hapatoni wenden wir Floras Bug wieder nach Norden. Auch wenn es nicht eben typisch für die Marqueasas ist wollen wir Jannik doch auch den weißen Palmenstrand in der Baie Hanamoenoa zeigen. Zuerst aber noch ein Stop in Vaitahu. Bei moderaten Bedingungen sieht es dort am Dinghydock übrigens so aus:

Aber Ort und Landschaft sind den erneuten Stop allemal wert.

Dort ankern auch Doris und Wolf. Wir bekommen frischen Mangokuchen auf der “Nomad”, treffen die beiden Österreicher auch an Land bei “Chez Jimmy” und ein weiteres Mal in der nächsten Ankerbucht. Dann aber heißt es mal wieder Abschied nehmen, fürs erste trennen sich unsere Wege schon wieder.

So schön es auch ist, gute Segelfreunde immer mal in anderen Ecken der Welt wiederzutreffen, so schmerzlich ist das dauernde Abschiednehmen. Und auf Tahuata trifft uns das gleich mehrfach. Mit Mareike (Moana) und Andrea und Ingo (Easy One) haben wir schon so viel erlebt, unter anderem beim Lockdown in Antigua im März 2020.

Nach ganz unterschiedlichen Wegen und doch immer wieder Treffen zwischendurch gibt’s jetzt hier noch einen schönen Sundowner am Strand und dann brechen wir erstmal in unterschiedliche Richtungen auf. Bestimmt sehen wir uns aber noch in Französisch Polynesien wieder. Also jetzt nicht melancholisch werden.

Zum Treffen am Strand fahren wir dieses Mal übrigens mit den Paddelboads. Zuvor am Nachmittag hatten wir das Dinghy vor dem Strand geankert und waren an Land geschwommen. Der Schwell (siehe Eingangsbild) macht das Anlanden mit dem Dinghy hier nämlich riskant.

Ist man erst mal da, sieht es meist völlig harmlos aus:

Auch aus der Luft scheint die Bucht gut geschützt und ruhig, erst recht mit der gemütlichen Hängematte:

Und doch, das kleine Video macht vielleicht deutlich, wie schnell sich das Gefühl ändert:

Von dem Schwell ist auch das Wasser in der Baie Hanamoenoa etwas trüb. Jannik lässt sich aber nicht abhalten und ist eine große Hilfe beim Putzen des Rumpfes, auch ganz unten am Kiel.

Und wenn unser Gast das Schnorcheln schon so intensiv trainiert, suchen wir uns doch auch noch mal eine Bucht mit klarerem Wasser. Mit dem Dinghy (Beiboot-Fahren wird also auch geübt) brausen wir um den Pointe Matahoke in die Felsenbucht an der Nordwestspitze der Insel.

Hier kann der Schwell keinen Sand aufwirbeln, es gibt super Schnorchel-Bedingungen.

Tja, und dann heißt es Abschied nehmen von Tahuata. Diese Insel hat uns so viel geboten und uns richtig gut gefallen.

Nachdem uns ja der extrem rollige und ziemlich volle Ankerplatz von Atuona auf Hiva Oa einiges abverlangt hat (bis hin zur nächtlichen Ankerwache) soll unser nächster Stop dann in der Hoffnung auf etwas moderatere Bedingungen an der Nordküste von Hiva Oa sein.

Mal sehen.

Manta in Hapatoni

Sehr schön ist, dass unser Besuch nicht dauernd bespaßt werden muss, sondern eigenständige Aktivitäten entwickelt, zum Beispiel auch allein Schnorcheln geht.

Noch besser: er kommt zum Boot zurück und sagt, dass da ein großer Rochen unterwegs ist. Also Flossen an, Maske auf und rein. Tatsächlich zieht dicht am Boot ein Riffmanta seine Kreise. Die Art von Teufelsrochen kann eine Spannweite von fast 5 Metern erreichen, typischerweise sind erwachsene Tiere aber etwa 3 bis 3 1/2 m groß. So schätzen wir auch diesen hier ein. Majestätisch zieht er in etwa 10 Metern Tiefe über das Riff. Eine Tiefe, in der ich ihm schnorchelnd leider immer nur recht kurz Gesellschaft leisten kann. Da muss ich noch an meinen Freediving-Fähigkeiten arbeiten. Trotzdem ist es ein wunderbares Erlebnis.

Danke, Jannik.

Besuch. Chillen oder auf die Palme …und Entdecken.

Die Maschine von Air Tahiti schwebt auf der Landebahn von Hiva Oa ein und bringt unser Patenkind Jannik mit. Er hat gerade sein Abitur gemacht und wird jetzt einen Monat lang mit uns Französisch Polynesien erkunden.

“Chillen”. Sagt er. Aber ganz so ist es dann doch nicht. In dem 19jährigen steckt dann doch ordentlich Entdeckergeist und so vieles ist neu.

Zuletzt an Bord war Jannik vor sechs Jahren in Griechenland. Wahnsinn, schon so lange her, fast ein Drittel seines bisherigen Lebens.

Was deutlich besser klappt als befürchtet: die totale Nachteule Jannik (steht zu Hause gerne erst nachmittags auf) steht morgens als erster auf, geht schwimmen oder setzt sich einfach an Deck und beobachtet die vielen Delfine am Ankerplatz. Wiebke gesellt sich dazu, ich komme irgendwann mit dem Kaffee nach.

Die Zeitverschiebung zu Europa hilft da sicherlich, aber jedenfalls ist es sehr praktisch. Hier geht die Sonne um 5:30 auf und um 17:30 wieder unter.

Und so ist Jannik beim morgendlichen Hike zum Aussichtspunkt über unserer Bucht voll dabei. Den Kokospalmen unten am Wasser müsste doch eine Nuss abzutrotzen sein? Es ist die typische Lernkurve, oder jedenfalls entspricht sie unserer eigenen. Mit Steinen werfen?

Bringt nichts. Lange Stangen sind nicht greifbar. Also klettern!

Hinterlässt zwar ein paar Spuren am ungeübten Körper, aber dass wird für den Erfolg gern in Kauf genommen. Nach der pfadfinderischen Meisterleistung mit steilem Waldklettern abseits des Weges treffen wir zurück auf der Straße eine Local. Sie öffnet uns mit ihrer Machete freundlicherweise die Nuss.

Überhaupt, die Einheimischen. Die Gastfreundschaft hier ist einfach überwältigend. Auf dem weiteren Weg im Dorf Hapatoni kommen wir an einem riesigen Mangobaum vorbei. Wir fragen, ob wir Mangos kaufen können. Gil und Stella bitten uns auf ihre Terrasse und verneinen. Sie verkaufen kein Obst. Sie verschenken es nur, schließlich würde die Natur sie ja auch beschenken. Wow.

Gil mit seinem beeindruckenden polynesischen Gesichts-Tattoo streift mit uns durch den Garten und erntet. Stella schickt ihn hinterher trotzdem noch einmal los, um noch mehr Spezialitäten zum probieren zu bringen, etwa Zuckerrohr und Cœur Coco, die Baiser-artige Masse aus einer frisch gekeimten Kokosnuss.

Gill holt uns Papaya vom Baum.

Wir unterhalten uns lange. Über alles mögliche, etwa den Ukraine-Krieg. Der scheint hier in der Idylle weit weg zu sein, aber für Gil und Stella gilt das nicht. Ihr Sohn ist als Soldat in Frankreich bzw. dort, wo er als Fallschirmspringer eingesetzt wird. So war er in Mali und jetzt, wo Präsident Macron den Einsatz französischer Soldaten in der Ukraine ins Gespräch gebracht hat, ist dieser Krieg für sie ganz nahe gerückt. Jannik (mit seinem Französisch-Leistungskurs) ist aktiv in dem Gespräch dabei.

Und einmal mehr gehen wir mit vielen geschenkten Früchten im Gepäck. Eine komplette Bananenstaude müssen Jannik und ich gemeinsam tragen, sie kommt ans Achterstag und wir versorgen noch die umliegenden Boote damit. Inzwischen haben zufällig zwei weitere Hallberg-Rassy neben uns geankert, die schwedische 43 “Elin” und die amerikanische 53 “Sula”.

Als nächstes ist Schnorcheln angesagt, das bietet sich bei diesem wunderbaren Ankerplatz einfach an.

Und was die Kokosnüsse angeht, ist jetzt Janniks Ehrgeiz geweckt. Für die kleine Expedition rüsten wir uns besser aus. Per Paddelboard geht’s an Land, die SUP lassen sich über die Steine leichter vor dem Schwell in Sicherheit bringen. Im Rucksack: Machete, Seil, Gaff, Tupperdosen sowie Messer und Löffel für das Kokosfleisch und eine Weithalsflasche für das Kokoswasser. Auf geht’s.

Mit dem Paddel das Seil in Position zu bringen und dann mit der Leine die Nuss herunterzureißen erweist sich als effektive Erntemethode. Und dann geht’s ans Öffnen mit der Machete, Auffangen von Kokoswasser und herausoperieren des Kokosfleischs.

Für das Abendessen wird der frische Überfluss gleich verarbeitet: Poisson Cru vom Mahi Mahi, dazu gebratener Fisch mit Kokosnussstückchen, Auberginen und Möhren, dazu Brotfrucht-Fritter, Mango-Chutney und Papayasalat.

Janniks Jäger-und-Sammler-Ader ist offenbar aktiv: nachdem das Fischen vom Boot aus nicht erfolgreich war, möchte er zum Sonnenuntergang mit dem Dinghy ein Stück weiter rausfahren und dort angeln.

Wir fangen zwar nichts, aber dann ist es eben Chillen unter der gerade so eben sichtbaren dünnen Mondsichel.

Tahuata II: Anse Ivaivaiti

Um die 20 andere Boote ankern mit uns in der Baie Hanamoenoa. Keineswegs so enge Ankerverhältnisse, wie wir es zum Beispiel in den Balearen erlebt haben, aber eben für hiesige Verhältnisse doch recht gut gefüllt. Stört uns eigentlich nicht, aber zum Schnorcheln sind uns weniger herumsausende Beiboote doch lieber. Unser Freund Michael aus Washington pflegt zu sagen: “If you can’t stand the heat, stay out of the kitchen!” Kein Problem, wir verholen die Flora einfach um Pointe Touatahi herum in die südlich unmittelbar angrenzende Bucht. Auch die Anse Ivaivaiti bietet einen Sandstrand mit Palmen. Trotzdem ankert nur ein Katamaran etwas außerhalb, in der Bucht liegt neben Flora nur ein kleines Angelboot an einer Boje.

Das klare Wasser mit den zur sandigen Mitte steil abfallenden Felsen an der Seite bietet sich zum Schnorcheln geradezu an. Freunde von uns hatten berichtet, dass in den Buchten hier häufig Mantas beobachtet werden können. Die haben sich uns hier zwar bisher noch nicht gezeigt, obwohl wir extra schon morgens zum Sonnenaufgang Ausschau gehalten haben, aber auch sonst hat die Unterwasserwelt einiges zu bieten. Schildkröten und (Schwarzspitzen-)Haie sehen wir nur aus einiger Entfernung, aber die Riff-Fische sind dafür weniger scheu.

Nebenbei, außer den exotisch bunten Fischen sorgen auch die tropischen Temperaturen dafür, dass wir uns gleich mehrere Male schnorchelnd durch die Bucht bewegen und die Ufer dieser malerischen Bucht erkunden.

☺️