Toau: zum False Pass von der “falschen” Seite

Wir bleiben im Toau-Atoll. Zur Feier des Valentinstags – bietet sich einfach an – laden Heike und Jürgen auf dem deutschen Katamaran “Valentin” ein.

Am nächsten Tag verlassen wir dann aber den Ankerplatz am Coral Garden und fahren gemeinsam mit der Easy-One innerhalb des Atolls nach Norden. Trotz der vielen Bommies gestaltet sich das zunächst erstaunlich einfach, denn ein Tonnenstrich schlängelt sich noch ein ganzes Stück in diese Richtung. Er führt zu einer bereits vor Jahren aufgegebenen Perlfarm. Bis zu 100 Menschen sollen hier einmal gearbeitet haben, obwohl nur ungefähr 20 auf Toau leben.

Die Hafenanlage der ehemaligen Perlfarm ist noch gut erkennbar, allerdings sind die Stege und auch Teile der Mole doch schon ziemlich rott.

Wir ankern vor der Anlage und statten ihr lieber mit dem Dinghy einen Besuch ab. Haie patrouillieren im flachen Hafenwasser, sonst ist niemand da. Materialien der Perlfarm, etwa die Gitter für die Austern, liegen in Stapeln herum. Manches mutet wildromantisch an, gespültes Geschirr auf einer rostigen Außenspüle, ab und zu kommt sicher noch jemand vorbei. Aber fast alle Gebäude sind stark verfallen. Es ist immer wieder spannend, solche “Lost Places” zu besuchen.

Nach dem Stop geht es aber für uns noch weiter gen Norden. Der Tonnenstrich endet allerdings, der Plotter zeigt nur gestrichelte Linien und den Vermerk “Uncharted“. Auf der weiteren Fahrt müssen wir uns den Weg per Satellitenbild-Navigation suchen.

Katrin am Ruder beim Slalom durch die Bommies.

Klappt aber gut und so erreichen wir bald unseren Ankerplatz in der Nordecke des Toau-Atolls. Er liegt dicht nordöstlich des False Pass, aber – wie der Name schon sagt – hinaus aus dem Atoll kommen wir dort mit der Flora nicht. Der Pass ist eine Sackgasse, das Ende zur Lagune hin ist mit einem sehr flachen Korallenriff versperrt.

Macht aber nichts. Zum einen waren wir ja schon von der anderen Seite im False Pass und haben dort an einer der Bojen gelegen. Zum anderen sind wir hier in die Nordspitze des Atolls auch gekommen, um vor einem vorhergesagten kräftigen Nordwestwind gut geschützt zu sein. Und so ist es auch. Am Sonntag und Montag bläst es meist mit über 20 kn, aber hier baut sich trotzdem keine fiese Welle auf.

So kann ich ein bisschen Wingfoilen üben …

… bis der Wing platzt. Grrr 😖.

Das ist nicht so ideal, denn neben der inneren Bladder hat auch die Nylonhülle des Wings einiges abbekommen.

Ein professioneller Reparatur-Service ist hier nicht zu haben, aber ob wir diesen Schaden beheben können? Mit unserer Haushalts-Nähmaschine kommen wir an einige Stellen nicht heran, obwohl wir natürlich die Hauptnaht des Schlauches aufgetrennt haben. Also erst mal schön mit der Hand flicken, dann Spinnaker-Repair-Tape drauf und dieses ebenfalls per Hand annähen. Zum Glück können wir für die längeren Nähte dann auch die Maschine einsetzen.

Die Kaschierung der Hauptnaht geht dann wieder nur per Hand, die Aufgabe habe ich morgen noch vor mir.

Daneben ist aber auch noch Zeit, Katrin und auch Wiebke hinterm Dinghy auf dem Foilboard kniend zu ziehen. Beide kommen tatsächlich “ins Fliegen “. Schnorcheln gehen wir auch.

Und wir statten Valentine und Gaston am False Pass einen Besuch ab. Die beiden haben ihr Heim zu einer Cruiser-Institution entwickelt. Sie bieten zum Beispiel Lobsteressen an, verkaufen in der offenen Koch-Hütte aber auch Perlen und Muschelketten. Gaston zeigt uns derweil, wie er Noni-Saft herstellt.

Waren wir auf dem Hinweg noch ausgestiegen, um das Dinghy mit hochgeklapptem Motor über besonders flache Stellen des Riffs zu ziehen, zeigt uns Gaston jetzt für den Rückweg eine verwinkelte und nicht betonte Dinghy-Passage, indem er mit seinem Boot vor unseren Dinghies herfährt. Wir lassen den Tracker mitlaufen, sonst könnten wir die Durchfahrt auch beim nächsten Besuch auf keinen Fall finden.

Erst einmal aber segeln wir zurück in den Süden des Atolls. Vorbei am Coral Garden und hinunter in die Südost-Ecke von Toau.

Sundowner am Strand mit unseren Freunden von der Easy-One und der Valentin: ein Dienstagabend im Atoll.

Besuch an Bord

Unsere liebe Freundin Katrin kommt mit dem Flugzeug in Fakarava an. Eine praktische Angelegenheit auf diesem Atoll: wir können Katrin einfach mit Florecita abholen, der Flughafen hat einen eigenen Dinghysteg.

Am nächsten morgen segeln wir nach Toau. 15 Seemeilen herrliches Code0-Segeln und auch der Pass in Toau ist dieses Mal absolut friedlich. Zwar haben wir dreieinhalb Knoten mitsetzende Strömung, aber bei dem leichten achterlichen Wind baut sich im Pass absolut keine Welle auf. Nur kurz um die Ecke und wir ankern am Coral Garden. Na klar, gleich mal Schnorcheln. 🤿

Kein schlechter Start.

Und es wird sogar noch besser. Am nächsten Tag hat Andrea Geburtstag. Sektfrühstück mit hausgemachtem Pastazie-Mandeleis an selbst gemachtem Schokolikör auf der Easy-One, so kann der Tag wohl beginnen.

Die eigentliche Feier verlegt das Geburtstagskind dann nachmittags an den Strand, zur Dämmerung hin verlagert es sich ins Wasser:

Geburtstagskind mit Geburtstagsgeschenken

Wow. Was für ein herrlicher Tag.

Und heute?

Katrin, Wiebke, Andrea und Ingo gehen Schnorcheln, Heike und Jürgen von der Valentin, und Bruna und Roberto von der Saude Eterna sowie ich tauchen. Gemeinsam fahren wir mit den Dinghies durch den großen Pass hinaus und dort ins Wasser. Dann geht’s an der Außenseiten der Insel zwischen den Pässen am steilen Dropoff entlang, bevor wir uns von der Tide wieder in den kleineren Pass hineinspülen lassen.

Auffällig ist das stellenweise extrem häufige Vorkommen des Dornenkronenseesterns an diesem Außenriff. Dornenkronenseesterne sind wunderschön anzuschauen, zumal ihre Form und Symmetrie fast an Schneeflocken erinnert:

Aber sie haben auch ihre Schattenseiten. Ihre Dornen sind giftig und können bei Menschen schmerzhaften und zu Komplikationen neigende Stichverletzungen hervorrufen. Also besser nicht anfassen! Vor allem aber schädigen sie die ohnehin schon geschwächten Korallenriffe, denn sie ernähren sich ausschließlich von Steinkorallen. Bei massenhaftem Auftreten hinterlassen sie deshalb praktisch tote Riffe, die sich nur extrem langsam wieder erholen können.

Mancherorts, etwa am australischen Great Barrier Reef, wurden sie daher mit Giftinjektionen in ihre Arme bekämpft. Das ist umstritten, immerhin kommen massenhafte Invasionen dieser Seesterne in natürlichen Zyklen vor. Allerdings haben sich die Abstände dieser Zyklen zuletzt erheblich verkürzt, sodass die Gefahr für einige Riffe deutlich größer geworden ist.

Aber neben den Dornenkronen sehen wir bei diesem Tauchgang dann doch noch einiges mehr. Eine kleine Auswahl:

Für Wiebke und Katrin war der einstündige Schnorchelgang offenbar noch nicht Sport genug für den Tag. Sie legen auch noch eine ausgiebige Tour auf den Paddelboards drauf, bietet sich bei den fast windstillen Bedingungen aber ja auch an.

Zur Erholung dann Hängematte auf dem Vorschiff.

Andrea kommt übrigens noch um einiges später von ihrer eigenen Paddeltour zurück. Immerhin aber noch, bevor die Venus mit dem Ankerlicht der Easy-One um die Wette strahlt:

Uns geht’s gut.

Zurück nach Fakarava

Wie verabredet gehen wir und auch die Easy-One bereits um 5.00 Uhr ankerauf. Der Pass lässt sich bei zwei bis drei Knoten einlaufendem Gegenstrom unproblematisch und ohne großes Geschaukel passieren. Danach wird es ein schöner Segeltag mit unserem blauen Gennaker. Allerdings macht uns das Großsegel Probleme. Grund ist – hoffentlich – das elektronische Sicherungspanel am Kartentisch. Das hat uns ja schon die Motorraumbelüftung und die Kühlschränke (inzwischen überbrückt) lahmgelegt, heute früh lässt sich nun auch der Schalter für die elektrische Rollanlage im Mast nicht mehr einschalten. Ärgerlich aber, wenn das Panel denn wirklich die Ursache ist, vorrübergehend. Ein neues Panel hatten wir bei Hallberg-Rassy bestellt, Katrin wird es nächste Woche mitbringen.

Es führt aber jedenfalls dazu, dass wir das Großsegel nur im Notbetrieb mittels der dafür vorgesehenen Handkurbel bewegen können. Die Mechanik im Seldén-Mast ist etwas tricky und die Kurbelei ziemlich aufwändig: zehn Umdrehungen an der Kurbel bringen eine halbe Umdrehung des Profils für das Großsegel im Mast. Beim Ausrollen kann man sich vom Wind helfen lassen, aber das Einrollen geht unfassbar langsam vonstatten. Anstrengend. Theoretisch würde ein 1/2-Zoll-Adapter auf dem Akkuschrauber helfen, aber bei diesem erstem Mal erledigen wir das Ganze sicherheitshalber komplett manuell. Ist allerdings beim Einrollen vor Fakarava wirklich schweißtreibend, aber immerhin, es funktioniert.

Gegen 15.00 haben wir den Ankerplatz hinter dem Südpass erreicht, auch hier war die Passdurchfahrt unproblematisch, diesmal mit 2 kn mitsetzendem Strom.

Während die Easy-One einige Tage hier bleiben möchte, wollen wir am nächsten Tag weiter zum Hauptort des Fakarava-Atolls, dem 30 Seemeilen weiter nördlich gelegenen Dorf Rotoava. Am dortigen Flughafen wird Katrin ankommen, bis dahin wollen wir noch Proviant einkaufen und die Wäsche waschen lassen. Für uns geht’s also nach nur einer Übernachtung weiter, allerdings nicht, ohne vorher noch einmal den Südpass zu besuchen. Driftschnorchelgang mit Andrea für Wiebke, Tauchgang mit Ingo für mich.

Obwohl es schon mein insgesamt siebter Tauchgang hier ist, begeistert der Südpass doch immer wieder aufs Neue. Dieses Mal ist besonders viel Fisch unterwegs, Großaugenbrassen und Langnasen-Doktorfische sehen wir zuhauf, auch ein Adlerrochen lässt sich blicken.

Auffällig sind auch die die ziemlich großen (bis 75 cm) Titan-Drückerfische. Sie bewegen sich meist ohne Einsatz der Schwanzflosse fort, sondern vielmehr durch wellenartiges Pulsieren der Rücken- und der Afterflosse. Bei ihnen muss man allerdings sehr achtsam sein, insbesondere die Weibchen können in der Brutzeit agressiv werden. In einem auf der Spitze stehenden Kegel um ihr Nest herum greifen sie dann andere Fische an und versuchen auch Taucher und Schnorchler zu verjagen. Bei ihrem ziemlich massigen Gebiss gelingt ihnen das recht eindrucksvoll. Am besten verzieht man sich dann nicht nach oben, sondern seitlich aus dem Kegel heraus.

Und natürlich dürfen an der Wall of Sharks auch die Haie nicht fehlen. Wir sehen viele Graue Riffhaie, diverse Weißspitzenhaie liegen malerisch auf dem Grund oder auf Sandflecken herum. Vereinzelt findet sich auch mal ein Silberspitzenhai und im Uferbereich sind natürlich Schwarzspitzenhaie unterwegs.

Ingo legt sich unten auf den Grund und beobachtet einen Weißspitzenhai, der sich gerade Gebiss und Kiemen putzen lässt…

… Andrea filmt schnorchelnd am Paddelboard:

Tja, und dann geht es für uns erst einmal hoch nach Rotoava. Morgen soll dort das Versorgungsschiff ankommen, das ist bei der geplanten Verproviantierung ein Termin, denn wir nicht verpassen wollen.

Über die Korallen fliegen – Driftschnorchelgänge an den Pässen von Tahanea

Tahanea weist gleich drei befahrbare Pässe in die Lagune auf. Der mittlere ist der breiteste und tiefste, für unsere bisherigen drei Passagen haben wir stets diesen Pass benutzt. Aber die anderen beiden haben auch ihre Vorteile, insbesondere für Driftschnorchelgänge. Wir ankern deshalb diesmal zunächst am östlichen Pass, dem schmalsten und flachsten.

Ein fast dreieckiges Flach aus Korallen teilt ihn in zwei enge Arme auf. Beide eignen sich hervorragend zum Schnorcheln. Bei einlaufender Tide fahren wir mit dem Dinghy gegen die Strömung hinaus, gleiten mit Flossen und Taucherbrillen ins Wasser und lassen uns mit dem Dinghy zurück in die Lagune treiben. Es ist ein Gefühl, als würden wir schwerelos über einen Teppich aus Korallen und Fischen fliegen. Unbeschreiblich schön.

Ein Video dazu hier.

Nach einer zwischenzeitlich etwas schaukeligen Nacht – die Strömung ist stärker als der Wind und dreht Floras Heck in die Wellen – ankern wir um und liegen jetzt zwischen Nordpass und mittlerem Pass. Inzwischen ist auch die Easy-One hierher gekommen, gemeinsam machen wir im Nordpass einige weitere Driftschnorchelgänge.

Wir haben mächtig Glück, denn hier treffen wir dieses Mal auf Manta-Rochen. Und auch sonst sind die Korallenlandschaft und der Fischreichtum eine wahre Freude.

Trotzdem: morgen früh um fünf Uhr soll es weitergehen. Wir wollen zurück nach Fakarava segeln. Die Lebensmittelbestände müssen mal wieder mit Frischwaren aufgestockt werden, zumal wir bald Besuch an Bord bekommen. Unsere Freundin Katrin wird in einer Woche in Fakarava zusteigen. Wir freuen uns schon.

Tahanea

Es wird ein wunderschöner Segeltag. Wir starten mit Schwachwind und Code0, …

… wechseln dann aber bei zunehmendem Wind irgendwann auf die Fock. Zwischenzeitig zwei Reffs ins Groß. Um uns herum tauchen immer mehr Schauerwolken auf, einige ziemlich so imposant, dass die hinter uns segelnde Easy-One kaum davor auszumachen ist:

Tatsächlich aber verschonen die Schauerwolken sowohl uns als auch die Easy-One, erst in der Ansteuerung auf den Pass von Tahanea bekommen wir ein paar wenige Tropfen ab, dürfen zum Ausgleich aber einen wunderschönen gleich doppelten Regenbogen bewundern, mit herrlich sichtbarem dunklerem Bereich zwischen Regenbogen und Nebenregenbogen (Alexanders dunkles Band):

Wir ankern hinter dem Motu direkt zwischen dem Nordpass und dem breiteren Hauptpass, durch den wir ins Atoll gefahren sind.

Wir schnorcheln am folgenden Tag in beiden Pässen, fahren mit dem Dinghy bei einlaufender Tide hinaus und lassen uns durch den Pass zurück in die Lagune treiben. Besonders gut gefällt uns die Nordseite des Nordpasses. Am äußeren Ende zeigen bockende Wellen starke Verwirbelungen an, aber danach ist die Strömung auf dieser Seite nicht so stark. Der dicht an dicht mit Korallen bestandene Nordrand bietet in 3 bis 5 Metern Tiefe eine vielfältige Korallenlandschaft, die es in sich hat. Der Fischreichtum ist immens und das klare einlaufende Wasser lässt die ganze Palette der Farben auch richtig zur Geltung kommen.

Ein gutes Beispiel sind die bis zu 80 cm groß werdenden Buckelkopf-Papageifische. Diese sind eigentlich an allen halbwegs gesunden Riffen im Südpazifik zu finden und in sofern ein bekannter Anblick. Aber selten strahlen die Farben so wie hier.

Eine Besonderheit bei den meisten Papageifischarten, so auch beim Buckelkopf-Papageifisch: es handelt sich um Hermaphroditen. Nach einer Jugendphase entwickeln sich zunächst fast alle zu Weibchen. Später im Lebenszyklus wandelt sich dann ein größerer Teil zu Männchen um. Und nicht nur das: in jeder der Phasen zeigen diese Fische auch ein völlig unterschiedliches Farbkleid.

Weiblicher Buckelkopf-Papageifisch
Männlicher Buckelkopf-Papageifisch

Die vorderen Zähne sind übrigens zu den Platten eines schnabelartigen und ständig nachwachsenden Beißwerkzeugs umgebildet, mit dem die Papageifische einen niedrigen Pflanzenbewuchs auf den Korallen regelrecht abgrasen. Dabei schaben sie auch erhebliche Mengen von Korallenkalk ab, den sie zügig wieder ausscheiden. Dann allerdings fein gemahlen – als den Sand, den wir an den Palmenstränden so lieben. Kein Scherz, ein ausgewachsener Buckelkopf-Papageifisch produziert so bis zu 90 kg feinsten Sand pro Jahr.

Wir sehen noch verschiedene andere Papageifische:

Aber natürlich nicht nur die.

Griesgrämig dreinschauender Lippfisch
Falterfisch
Camouflage-Zackenbarsch im Versteck
Imperator-Kaiserfisch

Jedenfalls ist der Drift-Schnorchelgang im Nordpass von Tahaneha für uns einer der insgesamt schönsten Schnorchelgänge bisher, und das will schon etwas heißen, denn da kommen mittlerweile doch so einige zusammen.

Eine etwas alberne Frage wird nebenbei auch beantwortet: wieso heißt die Farbe von Wiebkes Tauchmaske eigentlich „Coral“?

Schnorcheln im Pass von Faaite

Morgen wollen wir weitersegeln, der Abschied von Faaite steht also bevor. Die Zeit hier in diesem kleinen Atoll hat uns richtig gut gefallen, aber das unbewohnte Tahanea im Osten von Faaite lockt. Mit gut 45 Seemeilen sollte das ein schöner Ganztagestörn werden.

Vielleicht vorher noch ein bisschen einkaufen? Na ja, die Lebensmittelläden hier geben nicht allzu viel her, Frisches ist überhaupt nicht zu finden. Ist wohl schon eine Weile her, seit das letzte Versorgungsschiff hier war.

Ein paar Basissachen bekommen wir dann aber im letzten Laden doch noch.

Aber bevor wir den nächsten Törn angehen, möchten wir gerne noch im strömungsreichen Pass von Faaite schnorcheln.

Wir nehmen den flachen Dinghy-Pass über das Riff. Schon dort stellen wir fest, dass die Tide sich nicht an den Zeitplan hält und weiterhin auslaufend ist. Nicht gefährlich stark, aber doch ein bisschen schade, denn dadurch ist das Wasser im Pass nicht ganz so klar wie bei einlaufender Strömung. Vom tieferen Pass halten wir uns dann auch fern, dort ist die auslaufende Strömung noch deutlich kräftiger.

Macht aber nichts, für dieses kleine Manko entschädigt der Fischreichtum und die vielfältigen Korallen, die den gesamten Boden im Dinghypass bedecken.

Doktorfische wie der Achilles-Doktorfisch mit seinem auffälligen orangen Fleck um das “Skalpell” an der Schwanzwurzel oder die Weißwangen-Doktorfische mit dem schmalen gelben Streifen bilden quasi das Empfangskomitee, als wir uns ins Wasser gleiten lassen.

Auch Einhornfische und Bannerfische sehen wir wieder zuhauf.

Eine imposante, etwa oberschenkeldicke Muräne darf auch nicht fehlen.

Aber hier im Pass begegnen uns auch Meeresbewohner, die wir bisher noch überhaupt nicht gesehen haben, etwa dieser wunderschöne Pfauenaugen-Butt:

Wegen seiner blumigen Zeichnung wird er im Englischen auch “Flowery Flounder” genannt. Wie viele Plattfische kann er die Farbe seiner Körperoberseite verändern, das “Blumenmuster” wird dabei mal mehr, mal weniger auffällig.

Damit nicht genug, ein riesiger Schwarm von Großaugen-Heringsmakrelen (Big Eye Scad) kommt auf uns zugeschossen. Sie fliehen vor mehreren deutlich über einen Meter großen Trevally, die immer wieder durch den Schwarm jagen.

Tschüss Faaite, danke für alles, es war sehr schön bei Dir!

Fakarava Südpass mit Schwärmen 🤩 über und unter Wasser

Wir segeln zurück an den Südpass von Fakarava. Bei leichten südöstlichen Winden ist es dort einfach traumhaft.

Neben dem Farbenspiel von Wasser, Riff und Himmel begeistert uns einmal mehr auch die Tierwelt. Nein, diesmal nicht die Haie des Südpasses, denn wir machen dort statt eines weiteren Tauchganges dieses Mal wieder einen Driftschnorchelgang.

Die schiere Menge an Fischen ist beeindruckend, und oft genug scheinen sie in den Farben nicht hinter der Landschaft zurückbleiben zu wollen. Seien es Meerbarben, knallbunte Papageifische (mit ihrem charakteristischen Schnabel), Doktorfische, die riesigen Napoleonfische, Riffbarsche, Falterfische und noch so viele mehr (Gerne durchklicken für bessere Auflösung)!

Schwärme gibt’s aber auch auf dem Wasser bzw. in der Luft. Mehrere Hundert Noddy-Seeschwalben lassen sich direkt am Boot nieder.

Man kann hier so leicht ins Schwärmen geraten.

☺️

Fakarava: Wall of Sharks (und andere ganz besondere Fische)

Das Festtagsmenü am zweiten Weihnachtstag auf der Lille Venn setzt einen weiteren Glanzpunkt.

Für die nächsten Tage ist sehr ruhiges Wetter angesagt. Ideal zum Tauchen und Schnorcheln. Wir verlassen Hirifa im Südosten von Fakarava und verholen die Flora zum Ankerplatz in der Nähe des Südpasses der Lagune. Anders als im Juli wählen wir dieses Mal einen Platz, der zwar etwas weiter vom Pass entfernt liegt, dafür aber wunderschön hinter einem kleinen unbewohnten Motu.

Bei nur 5 Metern Wassertiefe können wir einen etwas größeren Sandfleck ausmachen und dort den Anker platzieren. Das Floaten der Kette ist aber unerlässlich, um die empfindlichen Korallen nicht mit der Ankerkette zu berühren. Wir ankern noch einmal etwas weiter am (tiefen) Rand des selben Sandfleck und hängen die Floats sogar ein paar Mal um, bis wir eine gute Lösung gefunden haben.

Dann aber ist die Flora von allen hoch reichenden Bommies gut frei und die Kette schwebt auch ohne Berührung über den niedrigeren Korallenköpfen.

Das Schnorcheln an den Bommies ist schon gut, noch besser aber ist der Driftschnorchelgang im Pass. Das kennen wir schon von unserem Besuch im Juli. Wie damals sehen wir zwar einige Haie unten am Grund des Passes und natürlich auch Schwarzspitzenriffhaie in den Uferbereichen, aber die eigentliche “Wall of Sharks” bleibt dem Tauchgang mit Flasche vorbehalten. Was bei diesem Driftschnorchelgang schon auffällt, ist die ungeheure Menge und Größe der Napoleonfische. Diese neben den Zackenbarschen größten Korallenfische können über 2 Meter lang und 190 kg schwer werden, ausgewachsene Exemplare haben einen auffälligen Kopfbuckel.

Da wollen natürlich die Einhornfische hinsichtlich extravaganter Kopfform nicht zurückstehen. Diese im Deutschen auch als “Langnasen-Doktorfische” bekannten Exoten sind hier ebenfalls sehr zahlreich.

Drückerfische, Doktorfische (so genannt wegen des skalpellscharfen hornartigen Defensivwaffen an der Schwarzwurzel) …

… und verschiedene Falterfische sehen wir ebenfalls.

Aber der eigentliche Kracher am Südpass von Fakarava ist nunmal die “Wall of Sharks” mit ihren Hunderten von Grauen Riffhaien.

Gemeinsam mit Jeroen und Rajesh (SY My Motu), Hannes (SY MariaNoa) und Ingo (SY Easy One) tauche ich ab. Die leicht erkältete Wiebke und Brigitta bleiben in den Dinghies und sammeln uns nach dem sehr strömungsintensiven Tauchgang wieder ein. Und auch dieser Tauchgang am Südpass wird wieder ein beeindruckendes Erlebnis:

Vielleicht im Video noch besser zu verstehen und eindrucksvoller, auch wenn die Video-Qualität hier im Blog etwas reduziert ist:

Die Bedingungen sind gerade besonders gut, also wollen wir morgen gleich noch einen Tauchgang versuchen. Dann ist Wiebke hoffentlich wieder fit und dabei.

Weiße Weihnacht unter Palmen bei den Pyramiden?

Es klingt ein bisschen unwahrscheinlich, schließlich sind wir ziemlich weit von Schnee und Eis entfernt, was die Temperatur angeht. Und doch: ausgerechnet schwarze Vögel bescheren uns so etwas wie weiße Weihnachten. Zumindest auf Flora‘s Vorschiff: zwischenzeitlich lassen sich über 20 Noddy-Seeschwalben dort nieder. Und sie sorgen dafür, das das Deck, wenn schon keine Schneeschicht, dann doch jedenfalls reichlich weiße Sprengsel erhält. Ganz viel näher kommen wir hier in den Tropen wohl nicht an Schneeflocken heran.

Mit Ralph von der Lille Venn sowie Rajesh und Jeroen von der My Motu machen wir einen Spaziergang vom Dinghydock am Flughafen zum alten Leuchtturm.

Gleich zwei dieser eigenartigen Pyramiden stehen auf dem Nordriff von Fakarava, beide dienten ehemals als Leuchttürme, sind jedoch schon länger nicht mehr in Betrieb.

An diesen ungewöhnlichen Seezeichen können wir nicht einfach so vorbei gehen. Nur zu gern würden wir sie näher erkunden. Die alte Außenleiter sieht allerdings wenig vertrauenerweckend aus. Unten reichen die rostigen Sprossen nicht mehr bis zum Boden, viel weiter oben ist sie irgendwo recht wackelig aufgehängt. Der ganz obere Teil ist bereits abgeknickt. Für mich reicht der Mut zum Faxenmachen denn auch nur zum Besteigen der ersten Pyramidenstufe.

(Photo courtesy: Ralph, SY Lille Venn)

Danach dann Strandspaziergang am Außenriff und auf der Uferstraße zurück.

Das vorhergesagte Schlechtwettergebiet macht zum Glück weitestgehend einen Bogen um Fakarava, nur der Sonntag ist verregnet, von Starkwind und Gewittern bleiben wir verschont.

Wiebke und ich gehen mehrfach schnorcheln, immer wieder gibt es Schönes zu bestaunen,

sei es der große Schwarm dunkler Doktorfische …
pfeilschnell jagende Queenfische (Königinnen-Umber) …
Sergeants und Falterfische …
… oder dieser uns bisher unbekannte schöne Stülpmaul-Lippfisch.

Geschenke der Natur. Nicht nur zu Weihnachten.

Wir wünschen Euch allen ein frohes Fest und schöne Weihnachtsfeiertage mit euren Lieben und Freunden, wo immer ihr gerade seid auf der Welt!

Die auf der Flora mitreisende klitzekleine Weihnachtskrippe, in diesem Jahr in der Schale einer Perl-Auster aufgebaut!

Im Korallengarten von Toau

Unser Achterstagspanner scheint in Fakarava angekommen zu sein. Aber jetzt ist Wochenende. Also verholen wir die Flora erst einmal aus dem Südosten von Toau in die Nähe des Passes. Die Gerty hat uns vom Ankerplatz “Coral Garden” eben nördlich des Passes vorgeschwärmt, das Schnorcheln dort soll phänomenal sein. Allerdings: die Einfahrt zum Ankerplatz ist ziemlich eng und schlängelt durch die Korallen. Die Gerty ist ein Katamaran mit wenig Tiefgang, sollen wir es wagen? Andererseits: der Ankerplatz ist gut geschützt, die Sicht gut und auf den Satellitenbildern sieht die Einfahrt durchaus machbar aus. Also los. Na klar, ein bisschen Nervenanspannung ist dabei und tatsächlich kommen wir einigen Bommies und Korallenbänken recht nahe, aber wir haben stets mehr als 5 m Wassertiefe.

Es lohnt sich. Als einziges Boot liegt die Flora dort in dem traumhaft türkisfarbenen Wasser vor Anker.

Wir hören den vom Ostwind aufgepeitschten Pazifikschwell mit Macht auf das Riff branden, aber wir liegen ein paar hundert Meter weiter im Schutz des Riffes auf Wasser, so glatt wie ein Ententeich.

Und das Schnorcheln im “Coral Garden”?

Wir machen zwei wunderbare Driftschnorchelgänge im Korallengarten. Wegen der Strömung ankern wir das Dinghy nicht, sondern halten beim Schnorcheln die Leine des Beiboots in der Hand, lassen uns mit ihm durch das Gewirr aus Canyons und Bommies treiben.

Dabei treffen wir unter anderem große Papageifische …

… schlanke, deutlich über einen Meter lange Flötenfische …

… die von mir so geschätzten Halfterfische (Moorish Idol), mit ihren langen, fast Banner-artigen Rückenflossen …

… ein buntes Gewirr von Riffbarschen …

… vor allem natürlich unzählige der kleinen Mönchsfische (bzw. Cromis, im Deutschen auch gerne als grüne und blaue Schwalbenschwänzchen bezeichnet) …

Außerdem natürlich manchmal aufgeregte Drückerfische (Abstand halten), auch hier wieder beeindruckend große Zackenbarsche, und natürlich auch immer mal wieder neugierige Vertreter wie hier die Schwarzspitzen-Fische (die wir neuerdings so nennen, um einer lieben Segelfreundin ein bisschen Kopfkino zu nehmen und das Schnorcheln zu erleichtern).

Zurück auf der Flora dann abends Vollmond-Aufgang mit Jupiter darüber …

… und ein so ruhiger Abend, dass ich den Vollmond von Bord aus ohne Stativ fotografieren kann:

Es fällt uns gar nicht leicht, uns von Toau erst einmal zu verabschieden. Aber das Päckchen in Fakarava wartet und wir hätten die Flora natürlich auch gerne wieder richtig fit!