Ausklarieren in La Paz

In den verschiedenen Social-Media-Kanälen lesen wir derzeit wilde Geschichten über das Ausklarieren aus Mexiko. Auch unsere Segelfreunde von der Pitou hatten zum Abschied Besuch von Uniformierten mit Spürhund, die das Schiff unmittelbar vor der Ausreise inspizierten. Andere berichten sogar, dass sie Lebensmittelvorräte abgeben mussten, weil sie deren Einkauf in Mexiko nicht nachweisen konnten.

Mit entsprechend gemischten Gefühlen gehen wir das Ausklarierungsprozedere an. Wir könnten für 150 US$ einen Agenten beauftragen, aber wir probieren es selbst. Und so läuft es ab:

Um 8:45 mache ich mich auf den Weg zur “Capitania de Puerto”. Die liegt etwas abseits in einem Wohnviertel im Nordosten der Stadt, aber ich finde ein Taxi, das mich dorthin bringt.

Nach kurzer Wartezeit bin ich schon dran. Die freundlichen Damen sprechen allerdings nur Spanisch. Ich arbeite mich mit ihrer Hilfe radebrechend durch die auszufüllenden Formulare und bekomme abschließend eine Art Laufzettel an die Hand. Der sieht als nächste Station die API vor.

Die API ist im Stadtzentrum, direkt am Malecon. Ein Uber bringt mich hin. Hier ist bei der “Administrador Portuario“ die Nutzung der Infrastruktur zu bezahlen. Konkret heißt das, dass wir für die Nutzung des Ankerplatzes vor der Stadt eine Tagesgebühr zu entrichten haben, die nach der Tonnage des Bootes bemessen wird und bei unserem Boot umgerechnet etwa 1,50 € beträgt. Zu zahlen in bar oder per Kreditkarte.

Und auch die nächste Station ist in der Innenstadt, ich muss zu einer Bank. dort sind die Gebühren für die Capitania de Puerto zu zahlen, umgerechnet etwa 25,- €.

Dem freundlichen Herren am Eingang das Anliegen erläutern, von ihm eine Nummer ziehen, und nach kurzer Wartezeit ist auch das erledigt.

Dann wieder ein Uber bestellen und zurück zur Capitania in den Nordosten.

Dieses Mal sind ein paar andere Kunden vor mir dran, dann kann ich die von API und Bank abgestempelten Zahlungsbelege vorlegen, darf ein paar weitere Formulare unterschreiben und wieder Platz nehmen. Eine Viertelstunde später gibt’s dann die Papiere und auf geht’s zur nächsten Station, der Immigration.

Die ist sinnigerweise im Südwesten der Stadt (näher am Flughafen). Also ein weiteres Uber (das dieses Mal allerdings ziemlich lange auf sich warten lässt).

Hier gibts erstmal Irritationen. Wie – ich möchte ausreisen? Aber bei der Ausreise aus Mexiko werden die Pässe doch gar nicht gestempelt, klärt man mich auf. Aber mit dem eigenen Boot? Ein Kollege wird dazu geholt. Doch, dann wird gestempelt. Da muss aber der maritime Kollege gerufen werden, das dauert etwas. Ich könnte ja schon mal die Kopien der Pässe und der Bootspapiere vorlegen. Oder da drüben auf der anderen Straßenseite in einem Geschäft machen lassen. Oder man macht sie mir doch eben kostenlos hier. Na gut.

😌

Der maritime Kollege kommt, stempelt beide Pässe, Wiebke muss also nicht persönlich herkommen.

„Listo“. Fertig, das war’s, wir können los. Noch ein Uber zurück zum Hafen, ab ins Dinghy und zur Flora düsen.

Um 13.00 bin ich wieder an Bord. Alles in allem hat es gut vier Stunden gedauert, wobei gefühlt das Warten auf die Taxis/Uber einen Großteil der Zeit in Anspruch genommen hat. Die Offiziellen waren alle freundlich und hilfsbereit, mit Ausnahme der Capitanía de Puerto sprachen sie neben Spanisch auch etwas Englisch. Außerdem gab es hier in La Paz keinen zusätzlichen Besuch an Bord, alles recht entspannt.

Klar, mit einem Agenten könnte man sich die Sache noch etwas einfacher machen, aber Bürokratie gehört nun einmal zu Mexiko und das hier ist insofern eine sehr authentische Erfahrung. Die Taxifahrt kostet im Schnitt übrigens etwa 3 €, macht etwa 135 € Ersparnis durch das Selbst-Ausklarieren.

Heute noch den Dieseltank randvoll gefüllt und jetzt sind wir schon raus aus der Stadt. Wir ankern gemeinsam mit der Fidelis in der Caleta Lobos, säubern beide noch einmal das Unterwasserschiff. Morgen geht’s dann ums Eck an einen anderen Ankerplatz in der Sea of Cortez. Entweder wird das dann der Absprungort oder wir tasten uns noch ein bisschen weiter nach Süden, bevor wir dann zum langen Schlag nach Französisch Polynesien aufbrechen.

Es geht voran. Vorbereitungen und Abschiedsfeier.

Das Warten auf das Wassermacher-Ersatzteil geht weiter, die Lieferung verzögert sich nochmal. Aber wir haben gut zu tun. Immerhin ist das neue Anemometer für die Windanzeige angekommen, also kann ich es oben im Masttop austauschen und bei der Gelegenheit auch gleich das Rigg vor der Passage noch einmal ausgiebig kontrollieren.

Und wo ich das Sicherheitsgeschirr schon mal draußen habe, ziehen mich Jeroen und Jeanette zum Check auch gleich in den Mast ihrer Fidelis, die Amel 54 Ketch sieht von oben doch auch ganz gut aus:

Spieleabend auf der Fidelis.

Einkäufe in der Stadt um die ohnehin reichlichen Vorräte noch weiter aufzustocken. Und dann geht’s mit den Arbeiten auf der Flora weiter. Das etwas angegriffene Dyneema der Davits wird gekürzt und neu gespleißt, schließlich hängt unser Dinghy daran. Auf der Passage riggen wir zwar zusätzliche “Bellybands” in Form dicker Spanngurte unter dem Boden des Dingys für zusätzlichen Halt, aber die “Kran-Seile” aus Dynema tragen trotzdem die Hauptlast.

Na, das sollte vor der Pazifik-Passage wohl besser mal wieder überarbeitet werden

Wiebke näht sich nebenbei noch eine neue Bluse und ist auch fleißig am Stricken …

… ich schäle derweil mit dem “Mozart-Messer” die inzwischen etwas weit überstehende Fugenmasse des ja nun über 12 Jahre alten Teakdecks auf Normalmaß zurück. Bei dem hier noch nicht bearbeiteten Deckel des Propangaskastens sieht man ganz gut, dass es Zeit wird. Barfuß auf dem Deck spürt man den Unterschied von etwa einem Millimeter übrigens deutlich.

Die Cruiser-Gemeinschaft, allen voran Heidi von der Sonho sowie,Vicky und Kevin von der Dos Peces organisieren für die Fidelis und die Flora eine Abschiedsparty in Form eines großen Potlucks auf dem Steg in der Marina.

Ein Riesen-Dankeschön an Euch alle!

Und am Samstag kommt dann endlich auch das Ersatzteil für den Watermaker an. Die Endkappe des Membrangehäuses wird eingebaut, dann erhält das Ganze wieder an seinen Platz an der Bordwand unter unserer Koje, wir schließen alles wieder an und …

… das ausgetauschte Erdteil ist dicht. Kein sprudelndes Salzwasser mehr. Aber:

Bei dem längeren Probelauf kommt etwas Süßwasser aus dem anderen Endstopfen. Das kann doch jetzt wohl nicht wahr sein? “Zut alors!” (wir haben ja unser Sprachlernprogramm Duolingo bereits von Spanisch auf Französisch umgestellt). Also alles wieder raus, auch diesen Endstopfen ausbauen. O-Ring tauschen. Wieder einbauen. Im Betrieb immer noch ein Tropfen alle 8 Sekunden. Grrr. Aus. Erst mal das Bett richten und dann am nächsten Tag wieder frisch ans Werk.

Also heute noch mal Boot-Yoga für uns, wieder alles raus, mit einiger Mühe auch die festsitzenden Fittings im Endstopfen herausbekommen, neuer innerer O-Ring bzw. neues Teflonband für die Fittinge. Wieder anschließen, wieder testen: dicht! Hurra!

Nachdem das Chaos im Boot beseitigt ist haben wir Kaffee-Besuch von Doris und Wolf und Wiebke hat dazu sogar noch einen tollen Schoko-Kuchen gezaubert.

Damit nicht genug, auch zum Abendessen lassen wir uns gut gehen. Mal mit einem Meeresfrüchte-Turm im Claros-Fish-Jr, mal ebenso lecker auf der Flora:

Auch das ist ja irgendwie Vorbereitung auf die kommende lange Pazifik-Passage.

😊

Ruhige Tage in der Bahía de La Paz

Die Zeit vergeht. Nicht ereignislos, aber doch sehr unaufgeregt. Wir wechseln je nach Wind die Ankerplätze, sind in uns zumeist schon vertrauten schönen Buchten. Bauen auf dem Vorschiff die Hängematte auf und lassen die Seele baumeln. Schnorcheln ausgiebig, angeln, fahren mit unserem Kayak, machen Spaziergänge am Strand, genießen die spektakulären Sonnenuntergänge. Kurz, wir trödeln wunderbar herum.

Und ganz nebenbei umrunden wir die Isla Espiritu Santo und die Isla Partida erneut, dieses Mal im Uhrzeigersinn, sehen dabei wieder springende Rochen und dieses Mal auch viele Delfine.

Am Ende der Woche geht’s dann doch wieder Richtung La Paz, damit wir das eingetroffene Ersatzteil für die Windmessanlage im Masttop schon mal abholen können. Außerdem wollen wir gerne Jeanette und Jeroen (Fidelis) noch treffen, bevor sie zu den Marquesas aufbrechen.

Auf dem Weg durch das schmale betonnte Fahrwasser erleben wir an der Öl-Verladestation der PEMEX eine Überraschung. Ausnahmsweise liegt kein Öltanker an der Pier, stattdessen aber kommt uns im Tonnenstrich ein Buckelwal entgegen:

Eine zweite nette Überraschung: Die Fidelis-Crew will mit dem Aufbruch noch etwas warten. So können wir noch Zeit miteinander verbringen und vielleicht sogar gemeinsam den ersten Abschnitt Richtung Französisch Polynesien in Angriff nehmen, uns jedenfalls aber auch über die Wetterfenster und die beste Route intensiv austauschen.

Stadt bedeutet natürlich auch wieder Einkaufen, Trinkwasser kannisterweise vom Dinghysteg holen, aber auch einen schönen Restaurantbesuch und Spieleabende mit Jeanette und Jeroen.

Und sonst: beschäftigen wir uns zum Beispiel mit Nähen oder Bootsarbeiten wie der Kontrolle der elektrischen Verbindungen unserer Kühlkompressoren, die in den Tiefen unter den Bodenbrettern des Stauraums im Küchenblock eingebaut sind.

Manchmal kommen Nähen und Bootsarbeit auch gleich zusammen, wie bei der (klettbaren) Fensterabdeckung, die dafür sorgen soll, dass die flexibel einsetzbaren zusätzlichen Solarpanele auch bei einem Regenschauer hängen bleiben können.

Hier in Mexiko wäre das eigentlich nicht erforderlich, wir haben in der Sea of Cortez noch keinen einzigen kräftigen Regenschauer erlebt.

In Französisch Polynesien wird das aber ganz anders sein, da kann etwas Vorbereitung nicht schaden.

😊

Schwimmen mit dem größten Hai der Gegenwart: Walhaie in der Sea of Cortez

Die Teile für die Reparatur des Watermakers und ein Ersatzteil für die Windmessanlage sind bestellt, aber es wird wohl einige Zeit dauern, bis sie hier in La Paz eintrudeln. Was machen wir in der Zwischenzeit?

Wir schwärmen ja ohnehin von der Natur über und unter Wasser hier in der Sea of Cortez. Die zauberhafte Landschaft, na klar, aber eben auch die Tierwelt, seien es nun die Blue Footed Boobies, die verspielten Seelöwen oder die springenden Mobula-Mantas oder, oder, oder. Und es gibt noch eine ganz besondere Tierart, die hier in der Sea of Cortez eines ihrer nördlichsten Verbreitungsgebiete hat, die wir aber bisher nicht zu Gesicht bekommen haben.

Walhaie.

Diese größte Haiart der Gegenwart ist regelmäßig ganz nahe bei La Paz anzutreffen. Allerdings kann das für sie eingerichtete Schutzgebiet nicht mit dem eigenen Boot oder Dinghy befahren werden, nur lizensierte Tourboote dürfen hinein.

Wir schwanken zwischen “Hm, ist das Touristen-Nepp?” und “Schutz ist gut und es unterstützt die lokale Wirtschaft”. Am Ende siegt die Neugier auf die sanften Riesen.

Die Preise für die Walhai-Touren sind bei den einzelnen Anbietern sehr unterschiedlich, wir sehen zwischen 125 US$ direkt an der Marina und sehr viel moderateren 75 US$ in einer kleinen Hütte direkt an der Uferpromenade Malecon. Außerdem bekommen die Tour-Veranstalter “Slots”, also Zeitfenster zugeteilt. An der Walhai-Staue vorbei schlendern wir über den Malecon und vergleichen.

Schlussendlich wählen wir den Guide, der uns zu einem vernünftigen Preis eine Tour früh am nächsten Morgen anbieten kann, denn da verspricht das Wetter (und die Wasseroberfläche) besonders ruhig zu sein. Gut für die Beobachtung der dicht unter der Oberfläche schwimmenden Tiburón Ballena / Whale Sharks.

Mit dem nur von einem Bimini überdeckten und ansonsten offenen Boot geht’s hinaus. Nicht sehr weit, nur direkt vor die etwa 10 km lange Halbinsel, hinter der unsere Flora vor Anker liegt. Auf dem Weg entdeckt das geschulte Auge unseres Guides schon einige Walhaie, die wir ohne seinen Hinweis trotz des fast glatten Wasser wahrscheinlich übersehen hätten. Na klar, es gibt keinen verräterischen Blas wie bei Walen. Und nur manchmal ragen die eher runde Rückenflosse oder die Spitze der Schwanzflosse aus dem Wasser. Oft sieht man nur ein Verwirbelung im Wasser, manchmal auch die Stirn ein wenig herauskommen. Nur dann oder bei sehr klarem Wasser bzw. aus unmittelbarer Nähe kann man auch vom Boot aus die charakteristische Zeichnung auf der dicken Haut des Fisches erkennen. Das wunderschöne Muster von in Streifen angeordneten hellen Punkten auf dunklem Grund erinnert ein bisschen an einen Sternenhimmel.

Und dann hält das Boot an, wir dürfen ins Wasser. Maximal fünf Personen gleichzeitig (plus Guide), wir wechseln uns in drei Gruppen a vier Leute ab, wobei jeder mehrfach ins Wasser darf und wir zwischendurch öfter eine kurze Strecke zu einem anderen Walhai gefahren werden. Jedesmal allerdings haben wir den Walhai “für uns”, kein anderes Tourboot ist in der Nähe. Wir haben von Freunden gehört, dass das bei ihrer Tour ganz anders war.

Walhaie werden bis zu 14 m lang und können über 12 Tonnen wiegen (das entspricht beides in etwa unserer Flora). Manche Quellen gehen von sogar noch größeren Walhaien bis zu 18 m Länge aus. Biologisch gehören sie zu den Haien, sind also Fische. Mit den Walen verbindet sie aber nicht nur die schiere Größe. Anders als viele andere Haiarten ernähren sie sich nämlich wie die großen Bartenwale durch Filtrieren des eingesaugten Wasser. Mehrere Hundert Kubikmeter Wasser seiht ein Walhai dabei pro Stunde durch. Mit geöffnetem Maul schwimmt er ganz langsam durch das Meer und lässt das Wasser durch die riesigen Kiemenschlitze wieder ausströmen. Vor allem Plankton, außerdem ganz kleine Fische oder Krebstiere und auch Algen wie etwa Sargassum stehen auf dem Speiseplan. Größere Lebewesen (und insbesondere Menschen) sind dagegen völlig ungefährdet, als Nahrung der Walhaie zu enden. Wir können den Schnorchelgang also genießen, Respekt insbesondere vor der riesigen kraftvollen Schwanzflosse ist aber geboten.

Wie elegant der Walhai bei seinem gemächlichen Schwimmen wirkt, zeigen die beiden Videos vielleicht am Besten (auch wenn ich sie für den Blog etwas komprimiert habe):

Das kleine Symbol unten links im zweiten Video zeigt übrigens, dass ich die Videos mit der kostenlosen App “Dive+” farblich korrigiert habe, um den Farbfehler de4 Unterwasseraufnahmen auszugleichen.

Und ja, das Wasser ist hier nicht super klar. Viele der Schwebstoffe sind aber ja gerade die Nahrung, die den Walhai hierher in die Sea of Cortez locken.

Das Auge ist ganz links vom Maul zu sehen, der helle Punkt weiter oben ist ein Nasenloch (mit Bartel) 😉.
Fünf riesige Kiemenspalten auf jeder Seite des Kopfes.
Remora Schiffshalterfisch auf dem gepunkteten Walhai-Rücken. Die Schnorchlerin zeigt, wie klein wir Menschen daneben wirken.
Der obere Teil der Schwanzflosse schaut gelegentlich aus dem Wasser.

Was für ein begeisterndes Erlebnis.

Ausflug bei Coromuel-Wind

Es ist noch nicht der Aufbruch nach Französisch Polynesien, aber wir müssen doch mal wieder raus aus La Paz, raus aus der Stadt. Irgendwo hin, wo das Wasser klar ist. Dann kann der Wassermacher wieder laufen und den Tank füllen. Außerdem braucht das Unterwasserschiff nochmal Zuwendung: das Schaufelrad der Logge dreht sich nicht mehr, ein ziemlich sicheres Zeichen dass sich da doch schon wieder einiges angesetzt hat.

Allerdings sind für die nächste Nacht relativ kräftige Coromuel-Winde angesagt. Das ist ein lokales Wetterphänomen in der Bahía de la Paz, das sich immer wieder zwischen die um diese Jahreszeit eigentlich vorherrschenden Norder schiebt. Frische, zumeist nächtliche Winde aus westlichen Richtungen blasen dann über die Bucht vor La Paz. Sie lassen die Bedingungen an vielen Ankerplätzen ungemütlich werden, weil die Buchten zumeist eben nach Westen offen sind.

Wir entscheiden uns deswegen für die Bahía Bonanza an der Ostseite der Isla Espíritu Santo. Zwar hält sich der Wind nicht ganz an die Vorhersage und bläst in der Nacht aus Süd-Südwest, aber die große Bucht bietet trotzdem einen einigermaßen akzeptablen Schutz. Nach einer ersten intensiven Schrupp-Aktion am Unterwasserschiff machen wir einen ausgiebigen Strandspaziergang. Bonanza bietet nämlich nicht nur Schutz vor Coromuel, sondern wartet auch mit dem formidablen “2-Mile-Beach” auf. Ein wunderbarer Sandstrand, der sich eben über fast 4 Kilometer an der weiten Bucht entlangzieht. Jeanette und Jeroen ankern mit ihrer Fidelis neben uns und holen uns mit dem Dinghy ab.

Es ist allerbestes Beachcombing: die Füße werden vom feinen Sandstrand verwöhnt, aber an der Hochwasserlinie haben sich in einem breiten Streifen Muscheln, See-Schnecken und Korallenreste abgelagert und laden zur Schatzsuche ein:

Aber auch im Sand finden wir Interessantes. Etwa dieses Kugelfisch-Skelett. Auch wenn es optisch an ein Glücksschweinchen erinnert, hatte der Fisch wahrscheinlich eher Pech und wurde von Brandung auf den Strand gespült.

Ebenfalls bedrückend, aber auch das ist Natur: die Überreste einer Lederschildkröte, der heute größten Schildkrötenart. Diese Tiere nutzen diesen abgelegenen Strand während der Saison zwischen Oktober und Februar auch zur Eiablage. Wir sehen ein eingezäuntes Gelege. Von November bis März können die Kleinen schlüpfen.

Zwischendurch beobachten wir die Braunpelikane in der Brandungszone, mal scheinbar mühelos gerade so eben über dem Wasser dahingleitend (wo ihre Flügel durch den Bodeneffekt eine deutlich höhere Tragkraft entfalten), mal wie ein Pfeil hinabtauchend, dann wieder friedlich ausruhend.

Sie beeindrucken durch ihre fliegerische Eleganz, aber auch durch ihre schiere Größe. Rund zwei Meter Flügelspannweite, aber auch die Fußspuren am Strand neben meinen machen ihre Dimension deutlich:

Also wir wieder bei Fidelis’ Dinghy ankommen, sind inzwischen auch die Nomad und die Joy in der Bahía Bonanza vor Anker gegangen, wir freuen uns über das Wiedersehen.

Trotzdem segeln wir am nächsten Tag gemeinsam mit der Fidelis weiter, diesmal an der Ostseite der Isla Espíritu Santo hinauf und um die Nordspitze der Isla Partida herum.

Es ist faszinierend, wie die von West nach Ost ansteigenden Inseln hier fast senkrecht zum Teil mehrere hundert Meter hoch ins Meer abfallen.

Nachdem für heute kein Coromuel-Wind, dafür aber zunehmender Nordwind angekündigt ist, gehen die Flora und die Fidelis an der Westseite von Partida vor Anker. Diese Idee hatten offenbar auch andere, einige Boote sind schon da und weitere kommen noch dazu. Aber die Ensenada de la Partida bietet viel Platz und auch hier treffen wir Bekannte: Lynn und Hugh von der Happy kommen gleich vorbei und laden uns zum Cruiser-Treffen am Strand ein:

La Paz, Besuch und Naturerlebnisse auf der Isla Partida

In La Paz steigt unser “Chief” Jan zu. Wir bleiben aber nicht lange an dem gut gefüllten Ankerplatz vor der Großstadt, sondern nutzen den kurzen Aufenthalt nur zur Proviantierung im gut sortierten Supermarkt und zu einem Sundowner-Treffen mit den Seenomaden Doris und Wolf.

Foto Credit: Wolf

Und mit Jan an Bord geht’s dann gleich wieder los. Na ja, ein bisschen vorgezogene Bescherung gibt’s erst noch, schließlich bringt unser Besuch einiges an bestellten Ersatzteilen, eine neue Drohne und auch Weihnachtsgeschenke von Wiebkes Mama mit. Dankeschön!

Unser erster Stop ist Playa Pichilingue. Ganz unverhofft treffen wir an diesem Ankerplatz Raffi mit Floras Schwesterschiff “Wind River”. Wir freuen uns sehr über das Wiedersehen.

Chief Jan kann gleich wieder sein Mechanikertalent hervorkramen, nix mit Urlaub. Der 2-Takt-Außenborder von Raffis Dinghy mackelt, gemeinsam machen wir uns auf Fehlersuche.

Und auch Jan mit seiner BeAtitas kommt in die Bucht, sehr praktisch, denn auch für ihn hat “unser” Jan ein Ersatzteil mitgebracht, das wir gleich übergeben.

Während die anderen noch bleiben, segeln wir danach an der felsigen Küste mit ihren vielen Buchten nordwärts zu den Inseln Espiritu und Partida.

Nach gut 15 Seemeilen biegen wir in die Meerenge ein, die Espiritu und Partida teilt. Für Dinghies und Kayaks passierbar, ist der schmale gewundene Durchgang für Segelboote nicht befahrbar. Auch der Nordost-Schwell bleibt draußen, so dass die große Ankerbucht gut geschützt ist. Wir probieren gleich die neue Drohne mit dem Weitwinkelvorsatz aus, sieht gleich doppelt so hoch aus, verzerrt aber auch ein bisschen 😉:

Am nächsten Tag verholen wir für einen Kaffee-Stop um die Ecke in den schmalen Einschnitt “El Cordoncito”. Der Raum zu Herumschwingen ist begrenzt, aber für den kurzen Aufenthalt bei ruhigem Wetter ist der Platz wunderbar.

Für die Nacht Ankern wir dann aber in der deutlich größeren “Ensenada El Cordonal”, wiederum eine Bucht nördlicher auf der Isla Partida. Sehr schön: hier lässt es sich gut mit dem Dinghy anlanden und vom Scheitel der Bucht führt ein Pfad hinüber auf die Ostseite der Insel. Zunächst an den Mangroven entlang, wobei sich am Berghang zu unserer Linken bereits wieder viele beeindruckende Kakteen bewundern lassen.

Im Matsch zu unserer Rechten zieht etwas anderes unsere Blicke auf sich:

Krebse, genauer gesagt: Winkerkrabben (Fiddler-Crabs). Kaum so lang wie ein Fingerglied. Zuerst sehen wir nur einzelne von ihnen in kleine Löcher im lehmigen Untergrund schlüpfen. Mit ihrer einzelnen großen Zange (es gibt aber Rechtshänder und Linkshänder) verschließen sie dann ihr Versteck.

Also wir uns näher zum Wasser hin bewegen wird aus dem einzelnen Huschen dann aber schnell das große Krabbeln:

Nach der Wanderung gibt’s bei der Dinghy-Rückfahrt zu Boot ein weiteres tierisches Highlight. Wir entdecken die von uns so geliebten Blue Footed Boobies (Blaufußtölpel), die Wiebke und ich bisher nur auf Galapagos bewundern durften:

Was für ein wundervoller Ankerplatz.