Hot Springs Cove

Es sind unsere fünften heißen Quellen hier oben in Pacific Northwest. Bisher jeweils zweimal in Alaska (White Sulphur Hot Springs und Baranof Warm Springs) und in British Columbia (Bishop Bay Hot Springs und Hotspring Island auf Haida Gwaii) hatten wir ein Bad in den natürlichen Thermalquellen genossen, alle hatten ihren ganz eigenen Charakter.

So auch jetzt wieder in der Hot Springs Cove an der Westküste von Vancouver Island. Wunderschön ist schon der etwa 2 Kilometer lange “Boardwalk” durch den Regenwald, der vom Dinghysteg am Ankerplatz zu den heißen Quellen führt.

Nur vier Boote ankern in der Bucht und die von Tofino und anderen Orten herüber kommenden Tourboote haben jetzt am späten Nachmittag alle schon wieder den Heimweg angetreten. Die Crew des einen Bootes kommt uns auf der Wanderung durch den “Old-Growth-Rainforrest” entgegen.

Wir müssen uns das Entspannungsbad ein bisschen erarbeiten, der liebevoll angelegte Bohlenweg geht oft treppauf und treppab. Aber er schlängelt sich eben auch um die zum Teil Jahrhunderte alten Zedern und Fichten herum, bietet Ausblicke auf die Bucht und führt oft auf Stelzen über die Unterholz- und Farnlandschaft mit mal felsigen, mal sumpfigen Abschnitten. Am Ende geht es auf einer Brücke über den dampfenden Bach, in dem das an der Quelle etwa 50 Grad heiße Wasser in Richtung Küste fließt und nur leicht schwefelig zu uns hinauf dampft.

Foto: Melanie, S/V SolarCoaster

Als wir ankommen, verlässt gerade der letzte Benutzer die Becken. Fein, so haben wir Crews von SolarCoaster und Flora dieses kleine Naturwunder ganz für uns.

Was die heißen Quellen hier in Hotspring Cove besonders macht: zum einen: die Quellen sind WIEDER heiß. Nach einem Erdbeben ohne größere berichtete Schäden (4,8 auf der Richterskala) am 7. Januar 2015 waren sie zwischenzeitlich erkaltet, wenn auch nur für ein paar Tage. Ähnliches gilt allerdings auch für die Quellen von Hot Spring Island auf Haida Gwaii, die nach dem heftigen Erdbeeren (7,7 auf der Richter-Skala) vom 27. Oktober 2012 sogar für mehrere Jahre kalt blieben und nur ganz langsam wieder dem Inselnamen Ehre machten.

Zum zweiten fächert sich der Bach auf und fließt auf einige Meter breiter Front über eine Klippe in eine Felsspalte hinab, bevor er dann über mehrere kleine Becken weiter in Kaskaden ins Meer fließt. Wir können also erst einmal unter der Felsenklippe heiß duschen und uns dann in einem der drei Becken bei Badewannentemperatur so richtig einweichen.

Ein dritter Punkt: auch die Becken sind natürlich, wurden nicht extra angelegt um das Wasser aufzustauen, sondern ergeben sich aus dem Verlauf der Felsspalte in Richtung Meer (welches noch dazu im Hintergrund an die unteren Felsen brandet).

Ein tolles Erlebnis. Wir bleiben so lange, dass die Sonne schon tief steht als wir in der rustikalen Umkleide wieder in unsere Klamotten schlüpfen.

Als wir am nächsten Morgen den Ankerplatz verlassen, liegen bereits zwei Tourboote am Steg. Timing ist alles.

😉

Ganz viel Landschaft

Es klappt mit dem Tankstop in Hartley Bay. Zwingend notwendig wäre es nicht, der Tank ist erst etwa halb leer. Aber vor uns liegt einiges an Strecke durch die wild verzweigten Fjorde um den nördlichen Teil der Inside Passage in British Columbia. Zwischen Hartley Bay und Port Hardy auf Vancouver Island liegen zwar noch zwei weitere Tankmöglichkeiten (Klemtu und New Bella Bella), aber bei beiden warnt der Törnführer, dass eine vorherige Anfrage hinsichtlich der tatsächlichen Verfügbarkeit angeraten sei. Zudem wissen wir nicht, wie viel wir in den zum Teil engen Fjorden segeln können bzw. motoren müssen.

Und außerdem wollen wir auch noch ein paar Umwege oder Abstecher machen, den ersten gleich im Anschluss. Statt Whale Channel und MC Kay Reach Richtung Südosten schwenken wir im Zickzack erst einmal in die Verney Passage 13 Seemeilen wieder nach Norden, dann den Ursula Channel (liebe Grüße, Uschi) wieder nach Süden und kurz darauf wieder nördlich in die Bishop Bay. Der Grund dafür: die Bishop Bay Hot Springs. Zweimal haben wir ja in Alaska bereits die heißen Quellen zum Baden benutzt (White Sulphur Springs und Warm Springs Baranof). An der Küste British Columbias sind neun Standorte zugänglicher heißer Quellen verzeichnet. Mal mit, mal ohne Badehaus und mit Temperaturen zwischen 39 und 59 Grad Celsius. Die Quelle in Hot Spring Island auf Haida Gwai erreichte sogar 60 Grad, war aber nach dem Erdbeben 2012 zeitweise versiegt und ist seitdem kühler.

In den Bishop Bay Hot Springs sind es angenehme 40 Grad. ☺️

Der Ankerplatz in Bishop Bay ist etwas tricky, der Fjord ist bis 400 m tief und steigt zum Ufer hin entsprechend sehr steil an. Ankern mit Heckleine zum Land ist angeraten, es gibt aber auch eine öffentliche Mooring und einen kleinen Schwimmsteg. Wir haben doppelt Glück, die Mooring ist frei und als wir näher kommen, verholt das kleine Motorboot am Steg ein Stück nach vorn, damit wir hinter ihm anlegen können.

Hier, irgendwo im nirgendwo, mit ein paar Hundert Quadratkilometern drumherum ohne menschliche Siedlung, steht ein Badehaus. Zu erreichen vom eigens angelegten Steg über einen kurzen Bohlenweg. Jippie!

Wir nutzen das Bad gleich zweimal. Einmal am ersten Abend und ein zweites Mal am nächsten Morgen, nachdem wir gelesen haben, dass im äußeren Becken Shampoo benutzt werden darf. Ganz nebenbei: während wir uns im warmen Wasser aalen, können wir nicht nur unser Boot am Steg sehen, sondern auch einige Buckelwalen in der Bucht beobachten.

Auch als wir später den Ankerplatz verlassen, sehen wir dicht am Ufer ihren Blas und ihre Fluken.

Unser nächstes Ziel ist Butedale, gut 20 sm den Fraser Reach hinunter. Die ehemalige Cannery soll einen Anlegesteg haben. Die Angaben im Törnführer und in den Community Edits auf Navionics sind nicht sehr vielversprechend, aber Michelle hatte uns in Hoonah den Stop hier empfohlen. Tatsächlich haben wir den Ponton, an dem mindestens vier Schiffe Platz fänden, ganz für uns allein.

Obwohl an Land alles völlig verfallen ist, zieht uns die Location sofort in ihren Bann. Schon bei der Anfahrt passieren wir einen beeindruckenden Wasserfall. Die Bucht mit ihrem sanft ansteigenden Gelände und den dahinter liegenden hohen bewaldeten Bergen sieht malerisch aus. Wir träumen uns zurecht, wie idyllisch Butedale aussehen würde, wenn jemand (mit allerdings gewaltigem Aufwand) die maroden Gebäude in Schuss bringen und den angehäuften Schrott beseitigen würde. Da sind wir sicher nicht die einzigen, aber der Investor, der das Ensemble vor einigen Jahren erwarb, hat bisher jedenfalls nicht allzu viel seiner ambitionierten Pläne umgesetzt und der zwischenzeitlich wohl dort lebende “Caretaker” scheint nicht mehr dort zu sein. Trotzdem, was für ein wundervolles Stückchen Erde.

Immerhin, vom Boot am Steg aus fange ich eine Scholle, eine weitere hatten wir schon unterwegs bei einem kurzen Angelstop an Bord gezogen. Es gibt Schollenfilets in Maismehlkruste mit Backofenkartoffeln und Orangen-Krautsalat.

Heute Morgen fahren wir zeitig weiter, gut 40 sm sind es bis nach Klemtu. Der zunächst noch bedeckte Himmel reißt auf und beschert uns einen traumhaften Segeltag. Ja, SEGEL-Tag. Der achterliche Wind variiert zwar in der Stärke, aber er bleibt uns den ganzen Tag treu und schiebt uns – durch die Fjorde kanalisiert – immer hübsch voran.

Und so gleiten wir heute ohne Motorengedröhn durch eine Landschaft, die vor Hunderten von Jahren wohl auch nicht anders ausgesehen hat. Steile Hänge, dicht bewaldet mit Tannen und Zedern, blanker grauer Granit oberhalb der Baumgrenze. Die gestaffelten Bergrücken changieren von einem satten dunklen Grün in der Nähe zu dunstig hellerem und immer bläulicherem Ton in der Ferne.

Immer wieder freuen wir uns an einem Blas, dem Rücken oder der Fluke von Walen. Fast den ganzen Tag sehen wir tatsächlich nicht ein einziges Haus, keine Stromleitungen, keine Straßen, keine Mobilfunknasten. Erst kurz vor Klemtu zwei Hütten, die auf Flößen montiert eine Lachsfarm markieren. Unsere erste überhaupt, denn in Alaska sind Lachsfarmen ja verboten, anders als hier in Kanada.

Das erste “echte” Haus dann kurz darauf, der 1907 eingeweihte und gut erhaltene Leuchtturm “Boat Bluff” an der Südspitze von Sarah Island mit seinen Nebengebäuden, der noch heute mit Leuchtturmwärter bemannt ist.

Das gibt’s noch, genauso wie die scheinbar unberührte Naturlandschaft auf den 40 sm davor!