Es ist ein fast unwirklich stillen Morgen. Kein Plätschern am Bootsrumpf. Kaum ein Windhauch kräuselt das Wasser. Flaute am Ankerplatz. Nur die dünnen Striche der Palmen-Motus am Rande des Atolls verhindern in der Ferne, dass die See und der Himmel am Horizont ansatzlos mit einander verschmelzen.
Das Wasser ist so kristallklar, dass wir in zwölf Meter Tiefe jede Muschel und jeden kleinen Fisch erkennen. Zeit für ein Bad. Wir lassen uns ins Türkis gleiten, Hineinzuspringen käme uns schon als Störung vor, schwimmen zur vor uns ankernden Lille Venn hinüber.
Mit Ralph besprechen wir, kurz nach Mittag im Pass tauchen zu gehen. Fein, dann können wir vorher noch mit dem Dinghy hinüber zu den Motus im wildromantischen Flachwasserbereich westlich des Passes fahren. Die Korallenriffe und die ausgreifenden Sandbänke dort machen den Besuch praktisch nur an stillen Tagen wie heute möglich.
Tatsächlich wären es Luftlinie vom Ankerplatz nur etwa anderthalb Meilen dorthin, durch die erforderlichen Umwege ist es allerdings fast die doppelte Strecke. Aber die lohnt sich, zumal uns die Slalomfahrt um die Bommies durch eine unerwartete tierische Begleitung versüßt wird.
Wir haben bisher in Französisch Polynesien erstaunlich wenige Delfine gesehen, hier aber begrüßt uns einer, kommt so nahe zu unserem Dinghy heran, dass wir im flachen Wasser seinen Schatten auf dem Sandgrund erkennen können.
Und das Beste: er bleibt bei uns, schwimmt mit etwas Abstand vor unserem Dinghy her, lässt sich zurück fallen, überholt wieder und schwimmt voraus, als wolle er uns durch das Labyrinth der Korallenbommies lotsen.
Erst kurz vor den Sandbänken der Motus verlässt er uns. Als es selbst mit schon angeklapptem Außenbordmotor zu flach wird, ankern wir Florecita und waten hinüber.
Ein tropischer Inseltraum empfängt uns und wir haben dieses abgelegene Idyll ganz für uns allein.
Der Wecker klingelt um kurz nach fünf. Früh raus, das passt gut mit der Tide im Pass von Tahanea und es gibt uns außerdem genügend Zeit, um bei Tageslicht in Fakarava anzukommen.
Tatsächlich können wir praktisch die gesamte Strecke von etwas über 50 Seemeilen wunderbar segeln, größtenteils unter Gennaker. Am Anfang klassisch, zwischendurch auch mal ohne Großsegel, am Ende dann Schmetterling mit Gennaker und Groß.
Ein traumhafter Segeltag. Einziger Wermutstropfen: wieder kein Fisch gefangen.
Das allerdings erweist sich als nicht so tragisch. Die parallel segelnde Freefall verkündet in unserer WhatsApp-Gruppe: Fisch für alle! Sie haben einen knapp unter 2.5 Meter langen Marlin an Bord gezogen.
Photo credit: Theresa, SV Freefall
Kein Wunder, dass sie plötzlich etwas langsamer geworden und als letzte beim Ankerplatz am Südpass ankommen. Allerdings hat sich Joe beim Ausnehmen an der Hand verletzt, Hilfe beim Filetieren wäre also gewünscht.
Das übernehme ich doch gerne und ich bekomme es auch gerade noch vor dem Dunkelwerden hin. Der schon kopflose Marlin auf dem Heck der Freefall:
Die Wall of Sharks muss also noch etwas warten. Allerdings versammeln sich einige Haie hinter der Freefall, obwohl wir die Abfälle natürlich extra in großer Entfernung vom Ankerplatz entsorgen. Allein das Sauberspülen des Hecks sorgt schon dafür, dass die nächsten beiden Tage niemand von Bord der Freefall aus ins Wasser gehen möchte. 20 Haie direkt am Schiff zählt Joe. Flora liegt nur 100 m weiter vor Anker, aufgeregte Haie zeigen sich bei uns aber zum Glück nicht.
Wir sind mal wieder auf dem Sprung. Aber bevor wir erneut nach Fakarava aufbrechen, segeln wir zunächst durch die Lagune von Tahanea zurück zum Ankerplatz am Pass.
Kaum ist der Anker gefallen, steht auch schon die nächste Verabredung. Gemeinsam mit den Crews der ebenfalls zum Pass gefahrenen Lille Venn, My Motu und Freefall wollen wir am Außenriff und im Pass Schnorcheln (Wiebke) bzw. Tauchen (Ralf). Also schnell die Tauchsachen raussuchen, zusammenbauen, und dann werden wir auch schon abgeholt. Was für ein Service.
Der Tauchgang am steil abfallenden Außenriff (Drop off) ist ruhiger als erwartet. Haie sehen wir erstaunlicherweise nur relativ wenige. Dafür begegnet mir zum ersten Mal ein Boomerang-Drückerfisch und auch den hier recht häufigen Flammen-Zwergkaiserfisch bekomme ich erstmals vernünftig vor die Linse der GoPro-Unterwasserkamera. Auch schön: in 12 Meter Tiefe am Außenriff finden sich See-Anemonen und konsequenterweise auch Clownfische. Nemo.
Das besondere Highlight dieses Tauchgangs allerdings wartet im Pass auf uns. Ein Manta mit etwa drei Meter Spannweite gleitet gegen die Strömung ganz gemächlich auf mich zu und nahe an mir vorbei.
Nicht die erste Begegnung mit solchen elegant unter Wasser fliegenden Riesen, aber auch dieses Mal wieder ein magischer Moment.
Morgen soll es dann früh losgehen Richtung Fakarava, Stillwasser im Pass von Tahanea ist kurz vor 06.00 Uhr. ⏰
Relaxen unter Palmen? Ja, das auch. Aber derzeit sind die Tage hier in Tahanea daneben mit ziemlich viel Sport gefüllt. Für Wiebke beginnt das mit der morgendlichen Schwimmgruppe. Um 9:30 Uhr wird sie mit dem Dinghy abgeholt. Dann geht’s rüber Richtung Strand, das Beiboot wird geankert und die Schwimmgruppe (meist zwischen drei und fünf Leute von den verschiedenen Ankerliegern) macht sich auf den Weg. Etwa 1.200 m werden es, Barbara von der Lille Venn hat das auf ihrer Sportuhr im Blick. Zur Halbzeit gibt’s Dehnübungen und Klönschnack.
Was für ein Pool 🏊♀️ …… und ganz schön groß 😍.
Parallel mache ich meist die erste Wingfoil-Session des Tages.
Photo credit: Rajesh, SV My Motu
Die Halsen klappen inzwischen ganz gut, an der Eleganz muss ich wohl noch ein bisschen arbeiten. Immerhin, den Wechsel vom 155 Liter Softboard (auf den Fotos) zum kleineren 95 Liter Hardboard habe ich inzwischen auch hingekriegt.
Das hat zudem den Vorteil, dass ich am Nachmittag eine weitere Session fahren kann, während Wiebke auf dem großen Softboard ebenfalls Wingfoilen übt. Ralph von der Lille Venn wird nicht müde, uns mit Engelsgeduld an diesen schönen Sport heranzuführen.
Die Bedingungen hier sind einfach traumhaft. Perfekter Wind, praktisch keine Welle.
Manchmal gibt’s auch noch eine Abschluss-Session zum Sonnenuntergang.
Manchmal müssen wir uns selbst kneifen. Kann das wirklich wahr sein? Echt? Seit einem Jahr sind wir mit der Flora jetzt in Französisch Polynesien. Was für ein unfassbares Privileg.
Wir haben mit Gambier, den Marquesas, den Tuamotus und den Gesellschaftsinseln vier der fünf Inselgruppen dieses Staates bereist (die abgelegenen und regulär nur für drei Tage besuchbaren Australinseln werden wir auslassen). Haben viel gesehen und dennoch auch noch so viel zu entdecken. Haben einige Inseln besonders ins Herz geschlossen, “Lieblingsinseln” entdeckt. So wie das unbewohnte Atoll Tahanea, dass wir jetzt bereits zum dritten Mal besuchen.
Barbara und Ralph von der Lille Venn holen uns vom Ankerplatz am Eingang zur Lagune mit ihrem Dinghy zum Schnorcheln im Nordpass ab. So schön, unsere Schweizer Freunde hier wieder zu treffen und gemeinsam so Herrliches unternehmen zu können. Ein weiterer Live-Besuch im Riesen-Aquarium (wie immer, für bessere Auflösung einfach auf die kleinen Bilder klicken).
Danach verholen wir unsere Boote in die Südostecke des Atolls. Die Passatwinde beginnen sich wieder stärker durchzusetzen. Tahanea bietet hier einen wahrlich traumhaften Ankerplatz dafür.
Guter Schutz durch Riff und Palmen-Motus, dabei aber auch offen genug, um selbst bei leichteren Winden gute Bedingungen zum Wingfoilen zu finden. Klares Wasser mit schönen Schnorchelbedingungen, Strand. Ein Südseetraum.
Mit Katrin von der Mister Fizz, Barbara und Ralph von der Lille Venn, Aagje, Jeroen und Rajesh von der My Motu sowie Theresa und Joe von der Freefall feiern wir das.
Und arbeiten das Festessen des Potlucks dann beim Sport wieder ab. In der morgendlichen (Langstrecken-)Schwimmgruppe, beim Schnorcheln, Surfen oder eben Wingfoilen. Wiebke und Theresa bekommen von Ralph dazu Übungseinheiten auf dem Board …
… und es gibt auch Trockenübungen mit dem Wing auf dem wunderschönen Strandhaken an “unserem” Motu:
Ich übe derweil weiter Halsen, es wird langsam besser.
Ein Traum, jetzt schon ein Jahr hier in der Südsee sein zu dürfen. Kneif mich mal.
Wir machen uns auf nach Tahanea. Schon wieder? 78 Atolle gibt es in den Tuamotus, aber nur weniger als 20 von ihnen haben gut befahrbare Pässe und werden häufiger von Segelbooten angelaufen. Mehrere stehen noch auf unserer Wunschliste, aber bisher haben wir tatsächlich erst 8 Atolle der Tuamotus besucht. Einige allerdings mehrfach. Fakarava, Toau und eben Tahanea. Das es uns jetzt schon wieder dorthin zieht hat mehrere Gründe. Zum einen gefällt uns dieses unbewohnte Atoll einfach ausnehmend gut. Das Wasser ist auch in der Lagune meistens herrlich klar, in den gleich drei Pässen lässt es sich wunderbar schnorcheln. Es finden sich markante Riffformationen (wie etwa die “7”) und die mit Palmen bestandenen Motus bieten guten Schutz gegen die vorherrschenden Winde, außerdem sind die Bedingungen zum Wingfoilen einfach Klasse. Tahanea ist also ganz sicher eines unserer Lieblingsatolle.
Das wir jetzt schon wieder nach Tahanea segeln (und dabei auf der Strecke auch noch Aratika und Kauehi links liegen lassen) hat aber vor allem einen Grund: wir wollen unsere Freunde von der Lille Venn unbedingt noch wieder treffen, bevor sie sich deutlich früher als wir auf den weiteren Weg nach Westen machen.
Einen Tag verschieben wir die Fahrt noch, zu viele Gewitter sind angesagt. Dann aber sieht die Vorhersage für den 84 Seemeilen langen Törn recht gut aus. Mit dem prognostizierten Ostnordost sollten wir ab der Nordspitze von Fakarava eigentlich direkten Weg nach Tahanea segeln können. EIGENTLICH.
Tatsächlich aber weigert sich der Wind, auf die ihm zugedachte Richtung zu drehen und bleibt auf Ostsüdost. Da unser Ziel in Richtung Südost liegt können wir eben nicht den geraden Weg segeln, sondern müssen gegen eine frische Brise und die entsprechenden Wellen aufkreuzen. Außerdem werden es so 112 Seemeilen, das morgendliche Stillwasser im Pass von Tahanea, nachdem wir unsere Abfahrtszeit ausgerichtet haben, können wir nicht erreichen.
Eine Nachtfahrt ist es ohnehin, wir versuchen also, dann eben zum Mittagshochwasser am Pass zu sein.
Immerhin: wir sehen zwar Wetterleuchten am Horizont, aber ein Gewitter erwischt uns nicht. Auch von Squalls werden wir weitgehend verschont. Nur einmal erwischt uns solch eine turbulente Wolke. Ziemlich genau zu Sonnenuntergang.
Sie scheint uns auch noch hämisch anzugrinsen. Dieser Lichteffekt ist um so erstaunlicher, als nicht das helle Licht durch die Wolke hindurch scheint. Ganz im Gegenteil, die Sonne geht gleichzeitig gerade auf der anderen Seite der Flora unter:
Wie auch immer, einen Augenblick später springt die Windstärke um 10 kn nach oben und Flora holt trotz vorsorglichem zweitem Reff ordentlich über.
Keineswegs der optimale Beginn für die Nacht und hoch am Wind durch Wellen bolzen ist halt auch nicht eben der Lieblingskurs für die Freiwache, aber abgesehen von dem erforderlichen Zickzack-Kurs kommen wir dann doch einigermaßen gut durch.
Unser Zickzack-Kurs von Fakarava nach Tahanea auf MarineTraffic
Tatsächlich schaffen wir es auch noch, nur wenig nach Stillwasser am Pass von Tahanea anzukommen und ohne Probleme in die Lagune einzulaufen. Barbara und Ralph heißen uns herzlich willkommen, bevor Wiebke und ich mit einem ausgedehnten Mittagsschlaf die etwas unruhigen Freiwachen der Nacht wieder ausgleichen.
Es fühlt sich richtig gut an, wieder in Tahanea zu sein!
Restaurantbesuche sind derzeit selten für uns. Kein allzu großes Wunder, schließlich sind wir auf den Tuamotus ja zumeist doch in ziemlich abgelegenen Ecken unterwegs und die Bordküche auf der Flora … mmmh.
Aber das Fakarava-Atoll ist eben ein bisschen touristischer. Das hat den Vorteil, dass zum Beispiel in der Havaiki Lodge auch dieser von uns fast schon vergessene Luxus angeboten wird, sich gegen (vertretbare) Bezahlung einfach an einen Tisch zu setzen und sich fertig zubereitete Speisen servieren zu lassen. Das Ganze auch noch mit herrlichem Ausblick. Und nicht mal den Abwasch müssen wir erledigen.
Das gönnen wir uns gleich zweimal, erst allein und dann noch einmal mit Jill und Michael von der Gerty. Schließlich müssen wir auf Fakarava die Wartezeit bis zur Ankunft des Versorgungsschiffs überbrücken. Dann aber sind die bordeigenen Vorräte auch wieder mit Frischwaren aufgefüllt, eine Bananenstaude baumelt am Achterstag, die Kühlschränke und Obstnetze sind gut gefüllt.
Noch ein letzter (vorerst) Spaziergang durch den Ort Rotoava und ein bisschen über die Insel. Schnuppern an üppig blühenden Bougainvillea, sich vom Flaschenbaum und bunten Perfarmbojen-Bäumen irritieren lassen …
…und mit der Schaukel schon mal auf die anstehende Amwind-Passage nach Tahanea vorbereiten.
Die Herstellung von Kopra ist uns auf unserer Reise schon mehrfach begegnet. Insbesondere auf den Marquesas fielen uns immer wieder flache überdachte Gestelle auf, die zum Trocknen von Kopra dienen. Die kleinen Inseln (Motus) in den Atollen der Tuamotus sind oft nicht dauerhaft bewohnt, trotzdem finden sich dort oft einfache Hütten, die nur als temporäre Unterkünfte für die Bewirtschaftung der Plamenhaine dienen – eben um Kopra zu machen.
Was ist das überhaupt- Kopra?
Das weiße innere Fleisch der Kokosnüsse ist frisch gegessen sehr nahr- und schmackhaft, kann auch zu Kokosmilch, Kokosraspeln, Snacks und Ähnlichem genutzt werden. Vor allem aber enthält es einen hohen Anteil von gesättigten Fettsäuren, weshalb es in großen Mengen zu Kokosöl und Kokosfett weiterverarbeitet wird. Für die Verwendung in Lebensmitteln, aber auch für pharmazeutische und kosmetische Zwecke. Das erfolgt aber typischerweise in einem industriellen Prozess, in Französisch Polynesien zentral auf Tahiti. Da es ziemlich unpraktisch wäre, die voluminösen Kokosnüsse dorthin zu verschiffen, gibt es direkt bei den Plantagen einen Vorprozess, in dem aus den Nüssen in aufwändiger Handarbeit das weiße Nährgewebe entnommen und getrocknet wird. Die so gewonnene Kopra wird dann in 25 kg Säcke verpackt und von den Versorgungsschiffen der Inseln als Rückfracht nach Tahiti gebracht.
Wie das genau funktioniert erklärt uns Jakob. Wir treffen ihn, als wir auf einem Spaziergang zufällig an dem Kokospalmenhain hinter seinem Haus vorbeikommen. Bereitwillig, geduldig und freundlich zeigt er uns den Prozess, nimmt sich viel Zeit für uns.
Verwendet werden die braunen, trockenen Kokosnüsse mit viel Fruchtfleisch, nicht die grünen Trinknüsse mit viel Kokoswasser und wenig Fleisch. Jakob bevorzugt die größeren, aber langsamer wachsenden klassischen Arten. Nach sieben Jahren tragen diese Palmen die ersten Nüsse. Neuere Hybridsorten tragen früher (etwa nach 5 Jahren) , dann allerdings kleinere Kokosnüsse.
Zunächst einmal müssen die Kokosnüsse an einem Platz zusammengesammelt werden. Statt sich zu bücken werden die Kokosnüsse dazu typischerweise mit einem Werkzeug aufgepickt, das einem Holzstab mit Enterhaken am Ende ähnelt. Dieser wird dann kräftig und doch kunstvoll gegen einen anderen Stock geschlagen, so dass die Kokosnuss in hohem Bogen zielgenau an den Sammelort fliegt.
Dort werden die Nüsse dann mit einem gezielten Axthieb halbiert.
Die halbierten Nüsse werden zunächst mit der Schale nach oben (vor Regen geschützt) zwischengelagert, aber zumeist noch am selben Tag weiterverarbeitet.
Mit einem an einen S-förmig gebogenen Stechbeitel erinnernden Werkzeug wird dann mit einer einzigen fließenden Bewegung das Kokosfleisch aus der Nusshälfte herausgetrennt.
Die so gewonnene Kopra wird dann – je nach Wetter – noch mindestens eine Woche sonnengetrocknet, luftig aufgeschichtet in den regengeschützten und aufgebockten Trockengestellen. Danach wird die Kopra in Säcke gepackt und mit dem nächsten Versorgungungsschiff nach Papeete geschickt. Die Bezahlung richtet sich nach der Qualität, wofür auch der Trocknungsgrad wichtig ist.
Reich werden kann man davon bei der erforderlichen Handarbeit nicht, eine wichtige Einnahmequelle auf den abgelegenen Inseln Französisch Polynesiens ist das Herstellen von Kopra aber noch immer.
Die Kokosfasern der trockenen Hülle werden andernorts manchmal noch wie früher als Füllmaterial für Matratzen verwendet. Jakob aber kompostiert sie, insbesondere für die Vanille, die er ebenfalls anbaut.
Natürlich: Trink-Kokosnüsse hat Jakob auch. Bei der Hitze tut das richtig gut.
Von uns etwas annehmen möchte er aber nicht. Er sei froh, uns seine Kultur näherbringen zu können und Gastfreundschaft gehöre elementar dazu. Wir sind einmal mehr zutiefst beeindruckt. Das ganze wohlgemerkt auf Fakarava, wo auch heute wieder wie schon in den vergangenen Tagen ein Kreuzfahrtschiff für eine Tagesvisite in der Bucht ankert.
Fakarava ist schon krass. Wir könnten eigentlich vom Ankerplatz vor dem Ort Rotoava auch direkt mit dem Dinghy die 1,8 Seemeilen hinüber zum Flughafen fahren. Aber der Südostwind sorgt für unruhiges Wasser. Mit drei Personen und Gepäck im Dinghy wird es dann vielleicht doch etwas nass. Also verholen wir die Flora zum Flughafen und ankern dort vielleicht 250 m vom Terminal mit der markanten polynesischen Dachform entfernt ganz in der Nähe des Dinghystegs. Bevor Katrin nach Tahiti fliegt ist immerhin noch Zeit für ein letztes Bad im Atoll von Fakarava.
Tja, und dann heißt es wirklich Abschied nehmen.
Warum werden Wiebke und Katrin eigentlich so oft für Schwestern gehalten? 😉
Wir verlegen Flora wieder zurück nach Rotoava. Geben unsere Wäsche ab und lassen vom Fakarava Yacht Service auch unsere fast leere Gasflasche wieder füllen. Die Abgabe können wir bequem am Dinghydock erledigen, denn der Yacht Service hat dort einen Fahradverleihstand für das angekommene Kreuzfahrtschiff aufgebaut. Das heißt aber auch, dass wir noch etwas in Fakarava bleiben müssen. Wegen der Mehrbelastung wird die Erledigung der Wäsche und das Flaschenfüllen ein paar Tage dauern.
Macht aber nichts, denn unsere Cruising-Freunde Rachael und Volker vom Trimaran „Tomorrow“ haben sich für Sonntag angekündigt, wir hatten sie zuletzt an der US-Westküste getroffen. So ist das mit dem Abschiednehmen und (Wieder-)Treffen. Katrin steigt da gleich ein. Im Aufzug ihres Hotels in Papeete trifft sie nämlich andere Cruising Freunde von uns. Andrea und Hans-Jörg („Wasabi“) sind auf dem Weg hinauf zur Dachterrasse. Die Cruising-Welt ist klein. Gegenseitig schicken wir uns Fotos von den dramatisch rot gefärbten Wolken.
Hier FakaravaDort Papeete mit Blick auf Moorea
Bis wir wieder in Papeete sind, wird es wohl noch eine Weile dauern, vielleicht bis Ende April. Bis dahin möchten wir weiter die Tuamotus erkunden.
Selbst hier in Rotoava gibt es für uns immer noch wieder Neues zu entdecken. Als ich bei Bananen-Steve Obst kaufen möchte („derzeit ist nichts reif, komm nächste Woche wieder“) lege ich Florecita bei der stillgelegten Perlfarm gegenüber von seinem Grundstück an. Wir haben schon viele Ansammlungen der bunten Perlfarmbojen gesehen, so aber bisher nicht:
Freuen, zurück zum Boot und dort das nächste Farbenspiel am Himmel genießen 😌.
Es ist mal wieder einer von diesen traurigen Abschieden, die zu den Cruiser-Freundschaften einfach dazugehören. Ingo und Andrea von der Easy-One bleiben (mit Heike und Jürgen von der Valentin und Silke von der Ocean Maiden) in Toau.
Wir aber verlassen dieses „deutsche Dorf“, segeln nach Fakarava. Schließlich wollen wir Katrin auch noch den Ort Rotoava, den herrlichen Südpass und die traumhafte Ankerbucht Hirifa zeigen, bevor sie uns Mitte nächster Woche schon wieder verlässt.
In Rotoava kaufen wir noch ein bisschen ein, schlendern durch den Ort, zeigen Katrin die Kirche mit ihrem Muschelkettenschmuck, den polynesischen Holzschnitzereien und den Auster-Perlmuttverzierungen.
Und natürlich darf auch der so typisch polynesische Blumenschmuck im Haar nicht fehlen. Vor der Kirche treffen wir auch Poline wieder. Sie erklärt uns hinsichtlich der Blumen, traditionell sei hier keine Aussage (verheiratet oder nicht) damit verbunden, hinter welchem Ohr die Blume getragen werde.
Von Rotoava aus segeln wir längs durch das Atoll hinunter zum Südpass.
Der Ankerplatz zeigt sich aber so rollig, dass wir gleich nach Hirifa weiterfahren und dort für die Nacht ankern. Zwar ist es am nächsten Tag etwas ruhiger, trotzdem fahren wir mit Flora nur für eine Stipvisite zum Südpass. Bei zwei Driftschnorchelgängen zeigt sich der Südpass von seiner besten Seite, Katrin ist ebenso angetan wie wir.
Nachdem ich die leicht verhakte Ankerkette freigeschnorchelt habe (auf 13m, wenn es noch tiefer gewesen wäre, hätte ich doch meine Tauchausrüstung rauskramen müssen) fahren wir für die Nacht dann aber wieder zurück an den gut geschützten Ankerplatz von Hirifa.
Dort kann ich ausgiebig wingfoilen, Wiebke und Katrin sind dafür mit den Paddelboards unterwegs …
…, schwimmen, und sie erkunden den Strand an der Südspitze von Hirifa.
Die Tage verfliegen, am Mittwoch ist Katrins Zeit an Bord der Flora schon wieder um. Immer diese Abschiede.