Von Santa Catalina nach Newport Beach

Eine ganze Woche verbringen wir in Avalon auf Santa Catalina, so gut gefällt es uns in dem kleinen Urlaubsörtchen.

Wir haben Sundowner bei unseren Nachbarn Lynn und Hugh auf ihrer Moody 43 DS “Happy” und umgekehrt Nachmittagskaffee und Kuchen auf der Flora, wandern mit Heather und Jim von der “Kavenga” zum Botanischen Garten und machen auf dem Rückweg regen Gebrauch von der Happy Hour beim Mexikaner. Spielen Minigolf, nutzen die Laundry und die guten Einkaufsmöglichkeiten in Avalon.

Mit der Kavenga-Crew auf der Flora

Ein bisschen Arbeit streuen wir auch ein. Der komplette Stauraum im Vorschiff wird neu sortiert, außerdem die Lebensmittel durchgesehen. Während Wiebke Flora innen putzt, kümmere ich mich um Floras Bart. Über die Zeit hat sich auf dem weißen Rumpf mal wieder ein gelblich-brauner Film angesammelt, vor allem am Bug. Schon vor längerer Zeit hatte ich “On & Off – Hull & Bottom Cleaner” gekauft, jetzt probiere ich ihn erstmals aus. Wird mit einem Schwamm aufgetragen und verrieben, nach kurzer Einwirkung dann mit Wasser abgespült.

Heute lösen wir dann aber doch die Mooringleine und segeln bei herrlichem Wetter hinüber ans Festland.

Unser Ziel ist Newport Beach, zwischen Los Angeles und San Diego gelegen. Viel wissen wir nicht über die Stadt, nur, dass sie einen gut geschützten Ankerplatz bietet und man mit dem Dinghy gut die vielen Häuser mit Bootsstegen davor bewundern kann. Das machen wir dann auch. Und sind ziemlich beeindruckt. Ganze Stadtteile im Mündungsgebiet des San Diego Creek sind Inseln, etwa Balboa Island und Lido Isle, daneben gibt es eine Vielzahl weiterer kleiner Inseln und Halbinseln. Es ist unfassbar, wie viele Boote hier liegen. An den Stegen vor den Häusern und Villen, in mehreren Häfen und vor allem in riesigen Bojenfeldern. Und mittendrin: unser Ankerplatz.

Kleine Strände finden sich auch an der Innenseite, aber vor allem ist die Pazifikseite der Stadt ein einziger, beeindruckend breiter, wunderbarer Sandstrand.

Hier werden wir wohl ein paar Tage bleiben.

Santa Cruz Island

Gut 20 Seemeilen südlich von Santa Barbara liegt die unbewohnte Insel Santa Cruz. Mit fast 40 km Länge ist sie die größte der Channel Islands. Wir fahren allerdings nicht auf kürzestem Weg hinüber, sondern segeln hoch am Wind zur etwas weiter entfernten Nordwestspitze von Santa Cruz Island. Das ist bei dem anfangs schwachen Wind ein ganz angenehmer Kurs, zumal uns wieder einmal Delfinbesuch vergönnt ist.

Der eigentliche Grund für unseren Abstecher zur Nordwestspitze ist aber die „Painted Cave“. Diese natürliche Höhle erscheint nicht nur durch Algenbewuchs und Ablagerungen besonders bunt, sie ist auch ausgesprochen groß. Es gibt sogar Bilder mit Segelbooten im Eingangsbereich der Höhle, deren weit ins Dunkel reichendes Inneres dann aber nur mit Dinghy (und Taschenlampe) zu befahren wäre. Wird aber leider nichts, den mit dem Wind nimmt auch der Schwell zu. So sehr, dass wir nicht einmal in die Nähe der Painted Cave kommen, sondern nur den Eingang erahnen können und dann nach Osten abdrehen. Immerhin, die Felsenbrücken von Arch Rock können wir vor der schroffen Steilküste ausmachen.

Am Frys Harbour fahren wir vorbei, …

… erst die etwas breitere und tiefer eingeschnittene Pelican Bay soll unser Ankerplatz für die Nacht werden. Tatsächlich bietet sie erstaunlich guten Schutz vor dem immer noch kräftigen Schwell.

Während der Nacht beruhigt sich die See noch weiter. Am nächsten Morgen zeigen uns dann die vielen Braunpelikane auf und vor den hohen Sandsteinfelsen unseres Ankerplatzes, dass die Pelican Bay ihren Namen durchaus zu Recht trägt.

An Land zu kommen wäre für uns in der Pelican Bay trotzdem nicht ganz einfach und würde außerdem eine vorherige Genehmigung erfordern, der Westteil von Santa Cruz Island ist nämlich „Nature Conservancy Property“. An unserem nächsten Ankerplatz sieht das schon anders aus, denn genau hier beginnt der US Nationalpark, der den Ostteil der Insel einnimmt. Außerdem macht uns ein Landungssteg mit Dinghydock den Landgang deutlich einfacher.

Und so machen wir von der Prisoners Bay aus einen wunderschönen, wenn auch durch das oft steile Gelände durchaus anstrengenden Hike.

Vom Dinghydock aus geht es zunächst auf einer Schotterstraße mit ordentlich Steigung ein gutes Stück in die Höhe, bevor wir auf einen kleinen Trail abbiegen können.

Entlang der tief eingeschnittenen Täler finden sich einige Bäume, ansonsten dominiert niedriges Buschwerk. Neben heimischen Planzen wie der weißen Kliff-Aster und der rotblühenden California-Fuchsie oder den auf dem kargen Boden wachsenden Kakteen fällt insbesondere die ungeheure Vielzahl von wild wachsendem Fenchel auf. Sein Geruch prägt den Duft der Insel.

Eigentlich ist Fenchel hier nicht heimisch. Die invasive Art wurde zu der Zeit auf Santa Cruz Island gebracht, als hier noch Farmen betrieben wurden. Einige Vögel finden das scheinbar trotzdem gut, so etwa dieses Rubingoldhähnchen …

… oder die Singammer, die genüsslich einen Fenchelsamen verspeist:

Ein paar Mal sehen wir sogar den endemischen, also nur hier auf der Insel vorkommenden Island Scrub Jay (Inselhäher) mit seinem prächtigen blauen Federkleid.

Viel kleiner, bei weitem häufiger, aber ebenso schillernd im Gefieder ist der Annakolibri:

Erst zu hören und dann – aufmerksam geworden – auch zu erspähen sind wie schon am Festland die kalifornischen Schopfwachteln:

Die Vogelsichtungen sind zugleich willkommene Erholungspausen, immer wieder geht der Pfad steil bergauf oder bergab, aber es ist eine wunderschöne Strecke mit tollen Ausblicken.

Am nächsten Morgen wird die Sonne zum Mond, jedenfalls scheinbar. Um kurz nach 9 Uhr erleben wir eine partielle Sonnenfinsternis. Richtig dunkel wird es nicht, dafür ist die Abdeckung zu gering, aber mein Foto muss ich so stark unterbelichten, dass es trotzdem so aussieht:

Und danach wechseln wir zu unserem dritten Ankerplatz auf Santa Cruz Island, dem im Osten der Insel gelegenen Skorpion Anchorage.

Die schroffe Felsenküste weist nicht nur wie Stachel emporsteigende Spitzen auf, sondern auch eine Vielzahl von ausgespülten Höhlen, Durchbrüchen und Tunneln. Besonders beliebt sind die bei Kanuten, die zumeist mit der kleinen Inselfähre für organisierte Touren herübergebracht werden.

Auch wir probieren unser neues aufblasbares Kanu aus und sind von den Fahreigenschaften und dem stabilen Gefühl ziemlich angetan.

Santa Barbara: ein bisschen Bürokratie, eine wunderschöne Stadt, Ausflug nach L.A. und ein Kanu

Wir ankern vor Santa Barbara. Erstmal. Die Nacht ist dann etwas unruhig, die nächsten Tage soll die See noch bewegter sein, der nationale Wetterdienst hat sogar eine „Small Craft Advisory“ herausgegeben. Die Wind- und Wellenwarnung ist zwar nicht dramatisch, aber unangenehm würde es am Ankerplatz wohl schon werden. Deshalb möchten wir in den Hafen gleich nebenan verholen. Über Funk und Telefon bekommen wir allerdings jeweils Absagen: kein Platz, vielleicht später noch mal probieren. Also erkunden wir erst einmal zu Fuß die Stadt, sie gefällt uns auf Anhieb richtig gut.

Auf dem Rückweg gehen wir beim Hafenmeister vorbei, schildern die Situation. Die Antwort ist gleich: kein Platz. Aaaaber: als wir ins Spiel bringen, dass wir auch ins Päckchen gehen würden (was in Nordamerika nicht so üblich ist wie in Deutschland oder Dänemark) fällt dem Hafenmeister ein, dass ja die Small Kraft Advisory im Raum steht und der Hafen ein „Safe Harbor“ (also ein Schutzhafen) ist. Er weist uns einen Platz an einer (der vier!) Absaugstationen des Hafens zu. Zuerst sollen wir aber am Ankunftspier anlegen und mit unseren Papieren ins Büro kommen. Machen wir prompt. In der Zwischenzeit hat er dann doch eine Box für unser Schiff gefunden. Wir berichten Heather und Jim auf der draußen vor Anker liegenden „Kavenga“ davon, die darauf hin auch herein an die Ankunftspier kommen und für die der Hafenmeister nach Hinweis auf die Small Craft Advisory ebenfalls eine Box findet.

Mit dem Anlegen an der Ankunftspier hat es in Santa Barbara übrigens eine besondere Bewandtnis. Bei allen Booten mit WC an Bord kommt nämlich ein Offizieller an die Pier und platziert eine Färbe-Tablette im WC. So soll verhindert werden, dass heimlich (und illegal) die Fäkalien in das Hafenbecken entleert werden. Eigentlich gut, nur wären die Bemühungen zum Umweltschutz deutlich überzeugender, wenn die Bohrinseln vor der Küste nicht dafür sorgen würden, dass wir auf der Anfahrt zum Hafen mehrfach durch riesige, stinkende Ölteppiche fahren müssen. Beim ersten Mal haste ich ins Boot, reiße die Tür zum Motorraum auf. Aber nein, der Gestank kommt von draußen und wir fahren durch regenbogenfarbig schillernde Lachen auf dem Wasser. Ob die aktiven Bohrinseln wirklich die Verursacher sind, können wir nicht mit Sicherheit sagen, die Seekarte weist an diesen Stellen auch mehrere „Sub Surface Well ; Heads Covered“ aus, also abgedeckte ehemalige Quellen.

Die Stadt Santa Barbara allerdings nimmt uns sofort für sich ein. Palmenalleen am Strand entlang, dann wunderschöne Gebäude den gemächlich ansteigenden Hang hinauf bis die Berge dann mit Steilhängen in die Höhe zu schießen scheinen.

Sehr schön lässt das vom Uhrenturm des Gerichtsgebäudes aus anschauen, wobei man in der Ferne auch die Bohrinseln ausmachen kann:

Das Gerichtsgebäude ist aber auch sonst einen Besuch wert. Obwohl es in Betrieb ist (während unseres Besuchs fanden auch Verhandlungen statt, wenn auch nicht im Mural-Gerichtssaal) kann es kostenfrei besichtigt werden.

Und die Stadt: einfach WOW!!!

Vor allem in der zentralen Fußgängerzone, aber nicht nur dort, stehen bunt bemalte Klaviere. Sie werden genutzt. Manchmal klimpern Kinder, häufig aber setzt sich für kurze Zeit ein Passant ans Klavier und lässt die vorbei Spazierenden meist erfreut aufhorchen. Auch Wiebke gibt ein kurzes – längst verschollen geglaubtes – Musikstück aus ihrer Jugend-Klavierlern-Phase zum Besten. Klappt.

Im gesamten Innenstadtbereich finden sich alte Gebäude im Adobe-Stil, aber auch viele neuere Bauten, die Optik dieses Lehmziegelstiles aufnehmen, manchmal auch neu interpretieren.

Wir sind begeistert. Was wir aber leider nicht finden: der örtliche REI (Outdoor-Spezialist) hat leider das aufblasbare Doppelkanu nicht vorrätig, mit dem wir schon einige Zeit liebäugeln. Der Versand hierher würde zu lange dauern.

Wenn das Kanu nicht zu uns kommt, wie kommen wir zu ihm? Wiebke googelt, der REI in Burbank bei Los Angeles hat noch eins. Wir sichern es uns telefonisch und mieten ein Auto. Der nächste Landausflug steht also fest.

In Burbank holen wir das Kanu ab, und wo wir schon in der Nähe sind, reicht es auch für Hollywood und einen Blick auf L.A.

Die Rückfahrt über führt dann über Beverly Hills, das letzte Stück der Route 66 nach Santa Monica ans Meer und dann wieder auf dem Highway 1 am Pazifik entlang nach Santa Barbara. Eine Teilstrecke geht es auf dem “El Camino Real” (dem Königsweg), der die spanischen Missionsstationen zwischen Santa Bruno auf der Baja California und dann San Diego und San Francisco verbindet. 21 Missionen waren es ursprünglich, jeweils etwa 50 km bzw. einen Tagesritt voneinander entfernt. Mit diesen verleibten die Spanier ab 1684 nach und nach diese Region ihrem damaligen Weltreich ein. Geblieben sind die spanischen Namen der katholischen Heiligen, nach denen die Missionen benannt wurden. Oft sind es noch heute die Namen der Städte, deren Keimzelle die entsprechende Mission bildete. So wie in San Diego, in San Francisco und eben auch in Santa Barbara.

Heute machen wir – neben einem weiteren langen Gang durch die wunderschöne Stadt – auch gleich eine kleine Probefahrt mit unserem neuen Zweit-Dinghy, dass sich dann auch besser den Strand hinauf tragen lässt. Das Paddeln klappt ganz gut und macht uns richtig Spaß.

Weiterhüpfen an Kaliforniens Küste

Von Morro Bay gehen wir nur einmal kurz um die Ecke. Aber trotzdem begleiten uns bei diesem kleinen Hüpfer Delfine, wenn auch in einiger Entfernung. Der Ankerplatz hinter Point San Luis am Avila Beach liegt zwischen zwei weit ins Meer hinaus gebauten Piers. Eine dritte Pier etwas weiter westlich hinter dem riesigen Mooringfeld ist die einzige, die derzeit betreten werden darf.

Landgang muss aber für uns hier gar nicht sein. Erstens ist nur ein Stop für die Nacht geplant, vor allem aber wird uns direkt am Ankerplatz eine Wal-Show geboten. Einige Buckelwale jagen unweit der östlichen Pier nach Nahrung und versetzen damit auch die örtliche Vogelwelt in Aufruhr.

Der nächste Tagestörn ist dann etwas länger, es soll an der Küste entlang weiter nach Süden und um das Cape Conception herum gehen.

Wie so viele Kaps genießt auch Conception einen eher zweifelhaften Ruf. insofern sind wir nicht böse, dass wenig Wind angesagt ist. Zunächst müssen wir auch tatsächlich motoren und haben bei dem glatten Wasser das Glück, abermals Delfine zu sichten. Wir schalten in den Leerlauf und beobachten, wie sie offenbar einen Fischschwarm zusammentreiben. Es folgt eine Festmal für sie und für die scheinbar aus dem Nichts herbei geeilten Vögel.

Und danach spritzen die Delfine mit Freudensprüngen weiter:

Kurz darauf setzt dann Wind ein, erstaunlicherweise aus Südwest, aber wir können segeln. Ein paar Kreuzschläge sind erforderlich, o.k.

Aber dass wir zwischenzeitlich weit vor dem Kap ins zweite Reff wechseln müssen, lässt dunkle Vorahnungen aufkommen. Unberechtigt, denn kurz nachdem wir die Rakentenabschussrampen der Vandenberg Space Force Base am etwas nördlicher gelegenen Point Arguello erreichen, flaut der Wind so weit ab, dass wir wieder Vollzeug setzen. Übrigens finden auch hier SpaceX-Starts statt, wir hatten ja in Cape Canaveral einen solchen Start beobachtet und nutzen jetzt mit unserem Starlink wahrscheinlich die damals in die Umlaufbahn gebrachten Satelliten.

Als die Ölbohrinseln vor dem Kap näher kommen, nimmt der Wind weiter ab und so ziehen wir an dem weiterhin gerefft parallel segelnden Kanadier flott vorbei.

Am Leuchtturm Point Conception ist der Wind dann ganz eingeschlafen, unter Motor runden wir das Kap. Ziemlich abwechslungsreiche Bedingungen heute.

Der Ankerplatz in der Cojo Bay ist relativ offen, das ruhigere Wetter kommt uns also sehr entgegen.

Licht und Wolken geben dann zum Sonnenuntergang noch einmal alles:

😊

Bootsarbeit mit der Golden Gate Bridge im Blick

Die Golden Gate Bridge ist wahrscheinlich neben der Freiheitsstatue das bekannteste Wahrzeichen der USA. Haben wir doch schon reichlich fotografiert? Stimmt, aber sie fasziniert uns immer wieder. Außerdem sind es Abschiedsbilder, den morgen werden wir – wenn das Wetter mitspielt – aus der San Francisco Bay nach ziemlich genau einem Monat (echt, schon ein ganzer Monat !?!) wieder heraus segeln und uns weiter Richtung Süden aufmachen.

Aber heute ankern wir noch einmal ganz nah an der berühmten Brücke, dieses Mal in der Horseshoe Cove am Nordufer.

Ein bisschen Bootsarbeit steht an. Unsere Ankerwinsch hat uns vor einiger Zeit mit losen Teilen (eine Sperrklinke und eine Feder) auf dem Vorschiff überrascht. Auf Langfahrt ist die Ankerwinsch immens wichtig, zum Glück war aber nur eine Schraube abgebrochen, welche die Sperrklinke für manuelles Aufholen der Ankerkette (bei Ausfall des Elektromotors) hält. Die Winsch funktionierte also weiterhin, wir konnten erstmal aufatmen. Aber nachdem die Ersatzteile eingetroffen sind, veranstalten wir ein bisschen Chaos auf dem Vorschiff:

Die Ankerwinsch wird zerlegt und der abgebrochene Rest der Schraube mit etwas Überredungskunst aus dem Gewinde geholt. Bei der Gelegenheit tauschen wir auch gleich die Kettennuss der Ankerwinsch:

Die alte hat noch funktioniert, aber die vielen Ankermanöver unserer Langfahrt haben deutliche Spuren hinterlassen, die Mitnehmer für die Kette sind schon ziemlich angesägt. So sieht’s dann doch wieder besser aus.

😁

Und Abendstimmung:

San Francisco V: Sausalito

Diesmal also schnappen wir uns das “tiefe” Bojenpaar. Bei Zero-Tide reicht es gerade so eben, dass Floras Kiel nicht auf dem Grund herumkratzt. Die versprochenen 8 Fuß sind das sicher nicht, aber egal.

Jedenfalls können wir in aller Ruhe eine weitere wunderschönen Wanderung auf Angel Island unternehmen. Diesmal geht’s um die Ostseite der Insel herum, mit Blicken Richtung San Pablo Bay, Richmond und später Berkeley.

Auch wenn das Immigration-Museum auch an diesem Tag geschlossen ist, unser Weg führt daran vorbei und so werden wir an die lebensrettende Zuflucht für die einen (in diesem Fall Deutschen) und ebenso an die wirksame Ausgrenzung anderer (in diesem Fall von Asiaten) erinnert.

An der vormals miltärisch genutzten Südspitze der Insel sehen wir vor San Francisco Downtown als Kulisse ein wohl auf Grund gelaufenes Schiff. Ein Schlepper drückt es ganz langsam seitlich von der Untiefe und nach einer halben Stunde kommt es trotz ablaufender Tide frei.

Unsere Wanderung führt uns auf dem Northern Ridge Trail zum höchsten Punkt der Insel, dem Mount Livermore. Beim Abstieg auf der anderen Seite können wir dann unser nächstes Ziel sehen. Die Richardson Bay mit Sausalito. Typisch, über den hinter dem Ort liegenden Bergrücken wälzen sich die Wolken hinüber und lösen sich dabei langsam auf.

Sausalito ist ein nur 7.500 Einwohner zählender Ort, der aber mit seinem schmucken Ortskern und den Villen am Hang sowie seiner großen Hausbootsiedlung zahlreiche Touristen anlockt. Hilfreich dafür ist auch, dass man es gut mit dem (Leih-)Fahrrad von San Francisco aus erreichen kann. Dabei führt die Strecke über die Golden Gate Bridge, die die beiden Städte verbindet. Zurück kann die regelmäßig verkehrende Fähre genommen werden.

Fähre von Sausalito nach San Francisco, da klingelt doch was? Genau, Jack Londons “Der Seewolf” von 1904 beginnt damit, dass der Protagonist Humphrey Van Weyden diese Fähre nimmt (damals gabs die Golden Gate Bridge auch noch nicht). Im dichten Nebel wird die Fähre von einem Dampfer gerammt und versenkt. Van Weyden wird vom Robbenschoner “Ghost” gerettet. Dessen intelligenter und zugleich brutaler Kapitän Wolf Larsen (der Seewolf, in der deutschen Fersehfassung von 1972 gespielt vom Kartoffel-zerdrückenden Raimund Harmstorf) ist der sozialdarwinistische Gegenpol zum humanistischen Schöngeist Van Weyden.

Auch wenn wir vor zweifelhaften Charakteren auf teilweise ziemlich herunter gekommenen Ankerliegern im hinteren Teil der Bucht gewarnt werden, bei uns geht’s zum Glück weniger dramatisch zu und der Nebel hält sich auch in Grenzen.

Wir treffen uns mit Raffi und dessen Freundin Kristin, die uns ihren schönen Ort mit seinen vielen steilen Treppen zeigen.

Raffi holt uns ein weiteres Mal mit seinem Auto ab und fährt uns aus dem sonnigen Sausalito zur Rodeo Cove westlich der Golden Gate Bridge. Das Wetter dort ist – wie so oft am Nachmittag im Brückenbereich – eher abweisend grau in grau. Trotzdem lassen sich die Surfer nicht abschrecken.

Gemeinsam mit Raffi wandern wir auf der beeindruckend hohen und schroffen Steilküste weiter.

Ein klasse Ausflug, den wir noch mit einem Besuch in der Horseshoe Bay am Fuß der Golden Gate Bridge abschließen:

Unsere Flora haben wir inzwischen an eine Boje des Sausalito Yacht Club verholt. Dort können wir die Einrichtungen des Clubs nutzen, vor allem aber können wir dort einfach und zentral mit dem Dinghy anlegen.

Interessantes Detail: Weniger als die Hälfte der Clubmitglieder hat tatsächlich ein Boot. Der Club (mit Bar und Restaurant) wird eher als erweiterte Familie, als sozialer Treffpunkt mit schöner edler Wasserlage, denn als aktiver Sportverein gesehen. Selbst die (vorhandenen) Jollen werden augenscheinlich kaum genutzt.

😉

Gibt’s doch Boote im Yachtclub?

Das geht natürlich auch anders, die Sportsegler-Szene in der San Francisco Bay ist ziemlich aktiv. Als wir von Sausalito mal wieder an den Ankerplatz bei Treasure Island verholen, zeigt der Blick zurück auf Sausalito ein Regattafeld beim Kampf um die Tonnen. Die Rolex Big Boat Series sind im St. Francis Yacht Club zu Gast:

Und auch vor Downtown gehen jetzt am Wochenspende vermehrt die Segel hoch.

San Francisco IV: Treasure Island, Alameda und Angel Island

Der Ankerplatz bei Treasure Island hat es in sich. Die Zufahrt ist etwas knifflig, da eine flache Barre die nach Osten scheinbar so offene Bucht fast unzugänglich macht. Nur bei Hochwasser und nur ziemlich dicht an der Mole ganz im Nordosten der Bucht sollen wir uns mit unseren 2 m Tiefgang hinein tasten. Machen wir, und es klappt auch. Dafür liegen wir dann auch schön geschützt zwischen Yerba Buena und Treasure Island. Letztere ist eigentlich gar keine eigene Insel, sondern ein künstlich aufgeschütteter Inselteil, ein Damm verbindet sie mit Yerba Buena.

Der Legende nach geschaffen für die Weltausstellung 1939, auf der hier auch die gerade eröffnete Golden Gate Bridge gefeiert werden sollte. Nur – es war eigentlich keine echte Weltausstellung (die fand zeitgleich in New York statt), eher eine pazifisch-regional abgespeckte Variante unter dem offiziellen Namen “Golden Gate International Exposition“. Trotz allem, die (fast-)Insel Treasure Island wurde eigens dafür geschaffen. Ebenso wurden drei monumentale Gebäude, die als Nachnutzung einem Flughafen als Haupthalle bzw. als Hangar dienen sollten. Das hat nicht so recht geklappt, nur kurz nutzte Pan Am Treasure Island und das auch nur für die Flugboote, die in der Clipper Cove – unserem Ankerplatz – starteten und landeten. Danach nutzte die US Navy die Insel lange Jahre.

Das alles erfahren wir im “Gebäude #1”, dem halbrunden Kollossalbau, der heute auch ein kleines Museum beinhaltet.

Heute ist Treasure Island eher ein Schatz für Grundstücksspekulanten. Die Soldaten sind schon vor Jahrzehnten abgezogen, Sozialwohnungen hielten Einzug. Nachdem inzwischen allerdings die festgestellten Kontaminationen weitgehend beseitigt wurden, wird die zentrumsnahe Lage von Treasure Island wirklich zum Schätzchen: inzwischen ist ein Bauboom für exquisite Wohnungen ausgebrochen. Und die Benennung der neuen Straßen trägt sowohl den Träumen als auch der maritimen Lage Rechnung.

Und ein wahrer Schatz, wo wir ihn am wenigsten erwarten: irgendwo hinter dem Container-Wohnpark findet sich in einem Wohngebiet ein Restaurant, aber was für eines. Mit phantasievollen, frisch zubereiteten, modern internationalen Gerichten und wunderbarer Atmosphäre.

Superlecker. Wir lassen den Abend an Bord ausklingen, mit Blick auf die illuminierte Brücke, die von Yerba Buena nach Oakland hinüber führt.

Dahin fahren wir dann auch am nächsten Morgen. Die Containerterminals von Oakland bleiben an Backbord, einmal mehr werden wir an das heimatliche Hamburg erinnert.

Aber der Blick zurück zeigt dann doch eine ganz andere Skyline 😉.

Und während auf der Weiterfahrt zum Inner Harbour auch Oakland mit höherer Bebauung daher kommt, …

… zeigt uns das gegenüber liegende Alameda erst einmal bunte Hausboote und später eine schöne niedrig bebaute Innenstadt mit vielen viktorianischen Gebäuden.

Davon gibt’s leider ebenso wie von Raffi’s Besuch keine Bilder. Raffi’s Wind River ist ein Schwesterschiff der Flora, ebenfalls eine Hallberg-Rassy 43. Wir tauschen uns intensiv über die Boote aus und fahren gemeinsam zum “Candy Shop” – dem großen und gut ausgestatteten Schiffsausrüster “Svendsen” im Industriegebiet von Alameda. Einige Einkäufe erledigen wir dort. Da wir aber die speziellen Pumpen nicht bekommen, die wir gerne als Ersatzteile an Bord hätten, werden wir sie an Raffi’s Adresse liefern lassen. Wir werden ihn also sicher auch noch in Sausalito wieder treffen. Und hoffentlich auch auf dem Weg hinunter nach Mexiko, denn er möchte die Wind River ebenfalls in diesem Winter dorthin segeln.

Und am darauf folgenden Tag gibt’s gleich die nächsten HR-Community-Begegnung. Holly und Curt haben eine HR 42E, sie wohnen in Alameda und besuchen uns auf der Flora. Auch diesmal wird es ein schöner Nachmittag mit viel “Boat-Talk” und einem weiteren Ausflug durch Alamedas Innenstadt und in die Randgebiete, diesmal zu einer Brauerei auf dem ehemals von der Navy genutzten Gelände und zum jetzt musealen Flugzeugträger USS Hornet.

Aus dem Kanal zwischen Alameda und Oakland hinaus geht’s wieder an den Containerriesen vorbei, danach können wir schön segeln.

Kreuz und quer durch die San Francisco Bay führt uns der Kurs wieder unter der Bay Bridge hindurch, diesmal nach Angel Island. Auch hier waren früher US-Streitkräfte stationiert, haben sich aber längst von der Insel zurück gezogen. Die zweite Funktion von Angel Island war es, erst Quarantänestation und dann zentrale Anlaufstelle für die Immigration an der Westküste zu sein, quasi das Pendant zu Ellis Island in New York an der Ostküste. Auch das ist längst Geschichte, an die nur noch das in den Gebäuden untergebrachte Museum erinnert.

Heute ist Angel Island vor allem ein wunderbares Wanderrevier. Ein Netz von Wegen und Pfaden zieht sich über die vergleichsweise steil aufragende Insel, die dadurch wunderbare Ausblicke über die San Francisco Bay und hinüber zur Stadt und zur Golden Gate Bridge bietet.

Skyline von San Francisco mit der Gefängnisinsel Alcatraz davor
Blick hinüber nach Sausalito mit der Richardson Bay
Blick zur Golden Gate Bridge
Blick nach Tiburon und Belvedere
Wilde California Fuchsie
Schwarzwedelhirsch

Die meisten Besucher erreichen Angel Island mit der Fähre, einige auch per Kayak. Für Bootsbesucher wie uns gibt es zwei Möglichkeiten: wir können an den Steg der kleinen Hafenanlage gehen oder zwischen zweien der davor ausliegenden Mooringtonnen festmachen. Am Steg darf man nur tagsüber liegen, an den Bojen auch über Nacht. Fast alles ist jetzt in der Nachsaison frei. Nur leider ist das Bojenfeld in einem so flachen Bereich eingerichtet, dass nur ein einziges Tonnenpaar eine Solltiefe von 2,4 m bietet. Und genau das ist natürlich belegt.

Wir machen also für unsere erste Wanderung am Steg fest, fahren dann abends hinüber und ankern an der Halbinsel Tiburon in der Paradise Cove. Nur um am nächsten Morgen wieder zu kommen und uns das jetzt freie Bojenpaar im Tiefen zu schnappen.

😊

San Francisco III: Von Schiffen im Land und einer Vielzahl von Regenbögen und Brücken

Ein Magen-Darm-Infekt hat mich einige Zeit aus dem Verkehr gezogen, aber jetzt bin ich wieder ok. Zum Glück haben wir ja reichlich Zeit, das wunderschöne San Francisco zu erkunden, da können wir uns auch solche ungeplanten Ruhezeiten nehmen.

Direkt am Ankerplatz im Aquatic Park liegt das Maritime Museum. Das beinhaltet zum einen den Hyde Street Pier. Mehrere historische Schiffe am Steg im Osten der Bucht, neben Segelschiffen auch Raritäten wie einem Dampf- und einem Schaufelrad-Schlepper sowie einer Schaufelrad-Fähre. Das heben wir uns aber für unseren nächsten Besuch an diesem Ankerplatz auf. Zum anderen ist da das Aquatic Park Bathhouse Building, auch bekannt als “Palace for the Public”. 1939 erbaut, war es konzipiert als öffentliches Badehaus mit Umkleiden und Schließfächern für Hunderte von Schwimmern sowie öffentlichen Duschen, die durch Lichtschranken aktiviert wurden, aber auch einem Restaurant und sogar einem Notfall-Krankenhausbereich.

Tatsächlich waren es die auch heute noch zahlreichen Schwimmer selbst, die mit jahrzehntelanger Hartnäckigkeit, Anträgen und Petitionen dafür sorgten, dass die ihren Sandstrand zunehmend bedrängende industrielle Nutzung von diesem innerstädtischen Badeplatz fern gehalten und der Aquatic Park geschaffen wurde.

Das Gebäude war 1939 eine der Speerspitzen der Moderne in der Stadt San Francisco. Das zeigt sich im runde Schiffsaufbauten interpretierenden Äußeren …

… aber ebenso im Inneren mit den farbenfrohen Wandmalereien der Eingangshalle, die phantastische nautische Welten zwischen Realismus und Abstraktion changieren lässt.

Hier ist heute eine kleine, aber durchaus interessante Ausstellung des maritimen Museums untergebracht.

Ein Schwerpunkt sind die transpazifischen Einhand-Segelreisen des Japaners Kenichi Horie. 1962 erreichte der damals 23jährige mit seiner nur 5,83 m langen “Mermaid” nach einem 94tägigen Nonstop-Törn von Osaka aus San Francisco. Ebenso beeindruckend: 2022, also 60 Jahre später (!) legte der inzwischen 83jährige Japaner die gleiche Strecke in umgekehrter Richtung wiederum allein segelnd in seiner 6,05 m kurzen “Suntury Mermaid III” in 69 Tagen zurück.

Ein zweiter Schwerpunkt ist einer historischen städtebaulichen und auch maritimen Kuriosität San Franciscos gewidmet. Sie beginnt – wie so vieles in San Francisco – wieder einmal mit dem kalifornischen Goldrausch 1849. Noch zwei Jahre zuvor hatte das Städtchen nur etwa 500 Einwohner gehabt. Nachdem sich die Kunde von einem 1848 gemachten Goldfund in Kalifornien verbreitete, fluteten allein 1849 etwa 40.000 Menschen in den Ort, um den Sacramento River hinauf in die Sierra Nevada Goldfields zu gelangen. Die Stadt boomte, bereits ein paar Jahre später Anfang der 1850er Jahre hatte sie knapp 40.000 feste Einwohner. Dabei ist zu beachten, dass das Gebiet der heutigen US-Bundesstaaten Kalifornien, Nevada, Arizona, Utah sowie Teilen von New Mexico, Colorado und Wyoming erst mit dem Friedensvertrag vom 2. Februar 1848 von Mexiko an die USA übergegangen war. In dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg von 1846-1848 hatte Mexiko dadurch fast die Hälfte seines bisherigen Staatsgebietes verloren. Die Benennung des Krieges ist allerdings ziemlich irreführend, da er maßgeblich von der amerikanischen Seite gewollt war und vorangetrieben wurde.

Wie auch immer, der Goldrausch und die dadurch angezogenen Menschenmassen führten unter anderem dazu, dass Kalifornien bereits 1850 als 31. Staat in die USA aufgenommen wurde.

In San Francisco führte der Goldrausch zu einem maritimen Kuriusom: buchstäblich hunderte von Schiffen, die mit Lieferungen von Waren oder mit Goldsuchern als Passagieren die Stadt angelaufen hatten, kamen hier nicht wieder weg. Grund war, das schlicht jegliche Besatzung fehlte. Die hatte nämlich sofort abgemustert oder war desertiert, um ebenfalls ihr Glück auf den Goldfeldern zu suchen.

Aus der Not machten andere eine Tugend. In gelb und rot sind auf diesem Stadtplan rund 50 Schiffe markiert, die bei der Bebauung von (heute) Downtown San Francisco ausgegraben wurden oder deren Standorte bekannt waren:

Wie kam es dazu? Die nutzlos gewordenen Schiffe wurden in der damaligen feuchten Niederung schlicht mit dem eigenen Ankergeschirr an Land gezogen, die Masten für die Abstützung verwendet und der Rumpf anderweitig genutzt, z.B. als Hotel, Lagerhalle oder als Ladengeschäfte.

Aus der (eigentlich gar nicht so) grauen Vorzeit in die regenbogenbunte Gegenwart: unser nächster Ausflug führt uns in den Stadtteil “The Castro”. Mehr Regenbogen geht eigentlich kaum.

The Castro nimmt für sich in Anspruch, eines der ersten “Gay Villages” bzw.. eine der erste “LGBT Neighborhoods” der USA zu sein. Parallel ist auch die Kunst-Scene sehr aktiv. Dieses Wochenende haben sich “Art Walk SF” und “Castro Art Mart” zusammengetan, diverse Bands spielen, es gibt Performances, Ausstellungen, Straßenverkaufsstände für Kunst und vieles mehr.

Und natürlich darf auch die Freude an der Provokation in der Stadt des „Summer of Love“ nicht fehlen. Kein „love-in“ wie von Scott Mckenzie für San Francisco besungen, aber ein ein bisschen öffentliche Nacktheit muss es dann scheinbar doch sein, vielleicht ist es auch eine Statement der besonderen Freiheit in San Francisco und besonders in The Castro.

Was einmal mehr auffällt ist die ungeheure Vielzahl an guterhaltenen Altbauten auch in diesem und den umliegenden Vierteln. Etwas, das wir bisher auf allen unseren Spaziergängen durch die Stadt gesehen haben und das für uns einen ganz besonderen Charme San Franciscos ausmacht.

Zurück am Boot im Aquatic Park: Ein weiterer phantastischer Sonnenuntergang mit der Golden Gate Bridge im Hintergrund, allerdings der vorerst letzte mit der Fidelis von Jeanette und Jeroen im Vordergrund: die beiden zieht es schneller als uns weiter nach Süden Richtung Mexiko.

Wir dagegen lassen Alcatraz links liegen, den Coit Tower rechts, und fahren unter der Bay Bridge (eigentlich: San Francisco -Oakland Bay Bridge) hindurch.

Die Bay Bridge spannt sich mit vier Stützen bis hinüber nach Yerba Buena Island, wobei die Autos auf dem oberen Brückendeck stadteinwärts und auf der darunter liegenden zweiten Ebene stadtauswärts fahren. Auf Yerba Buena gehts dann durch einen Tunnel und dann schließt sich der östliche Teil der Bay Bridge mit einem weiteren, allerdings deutlich moderneren stahlseiltragenden Pylon an.

Wir aber bleiben am westlichen Ufer, biegen gleich hinter der Brücke in den South Beach Harbour ein. Die maximalen Liegezeit im Aquatic Park von 5 Tagen am Stück ist abgelaufen, aber wir wollen noch etwas in der Stadt bleiben.

Die Seelöwen auf den Stegen geben zwar Tag und Nacht lautstarke Bell- und Rülps-Konzerte, aber ansonsten gefällt uns der Hafen ganz gut. Wir erledigen in der Laundry die Wäsche, füllen Wasser auf (in der Bay möchten wir den Wassermacher nicht lange laufen lassen). Und mit der direkt vor der Marina abfahrenden U-Bahn machen wir einen Ausflug in den Stadtteil Sunset zum botanischen Garten. Statt weiteren Bildern von schönen alten Häusern (die es auch in Sunset reichlich gibt), hab ich aus dem botanischen Garten mal wieder Fotos von Kolibris mitgebracht. Von vorne so unscheinbar, zeigt sich in der Seitenansicht der metallische Glanz des grünen Gefieders.

Und heute? Ging’s dann entlang der westlichen Bay Bridge (unter der man in der Ferne wieder die Golden Gate Bridge sehen kann) und um Yerba Buena herum zum Ankerplatz bei Treasure Island.

Mal sehen, welche Schätze sich dort finden lassen.

San Francisco: erste Eindrücke

Angekommen am Ankerplatz in Aquatic Parc, lassen wir erst einmal die Umgebung auf uns wirken. Das fast herzförmige Becken wird nach Nordwesten (in Richtung Golden Gate Bridge) durch eine geschwungene Mole gebildet. Die ist allerdings seit dem letzten größeren Erdbeben am 25.10.2022 baufällig und darf nicht mehr betreten werden.

Landseitig grenzt ein makelloser Sandstrand an die Bucht, dahinter schließt sich der öffentliche “Maritime Garden” an. Bei dem wunderbaren (für San Francisco untypisch warmen) Sommerwetter werden Park und Strand ausgiebig genutzt. Vor allem aber gibt es in der Bucht von frühmorgens bis spätabends viele Schwimmer. Gleich zwei Schwimmclubs haben hier ihre Stege und trotz der kräftigen Strömung trainieren ihre Mitglieder auch noch bei Dunkelheit. Motorboote dürfen daher nicht auf diesen Ankerplatz. Früher mussten die Segelboote auch unter Segeln einlaufen und ankern, heute darf aber der Hilfsmotor genutzt werden. Am Dinghy sind aber Motoren über 5 PS unzulässig. Unser Außenborder bleibt also am Heckkorb, wir rudern an Land.

In die andere Richtung schließen sich erst der Museums- und dann ein Fischereihafen an. Auch zur bekannten Pier 39 ist es zu Fuß nicht weit. Und dann geht’s den Berg hoch nach San Francisco hinein. Und in die Bucht hinaus geht der Blick zur berühmten Gefängnisinsel Alcatraz. Was für ein wunderbarer Ankerplatz!

Ok, also Fisherman’s Wharf und Pier 39. Das scheint als touristisches Pflichtprogramm in San Francisco zu gelten. Kneifen wir uns das? Wir sind versucht, aber dann haken wir es doch einfach mit einem Spaziergang ab. Es ist touristisch, besonders die Pier 39 ähnelt einem einzigen Jahrmarkt, aber es hat auch nette Seiten, zumal es alles andere als überfüllt ist. Wir sind scheinbar schon in der Nachsaison, spätestens ab nächstem Wochenende (Labour Day).

Einzig an der Spitze von Pier 39 drängeln sich die Menschen, um einen Blick auf die Seelöwen zu haben, die sich auf den davor befestigten Pontons sonnen und die Aufmerksamkeit zu genießen scheinen. Die am nächsten liegenden Pontons sind am dichtesten belegt.

Nette Idee auch: das Hard Rock Cafe am Eingang der Rummelmeile hat den Eingangsbereich nebst überdimensionierter Gitarre aus Stahl gebaut und in der Farbe der Golden Gate Bridge gestrichen.

Wir haben uns zwar (über die Munimobile-App) für 41 Dollar eine Wochenkarte für den öffentlichen Nahverkehr in San Francisco gekauft, die sonst 8 Dollar pro Einzelfahrt kostenden Cablecar-Wagons sind dabei eingeschlossen. Aber die Spannung darauf heben wir uns noch ein bisschen auf und erschließen uns die Umgebung erst einmal zu Fuß. Unser Weg führt uns im Zickzack in den Stadtteil North Beach, zurecht auch „Little Italy“ genannt.

Umwege hier her wären eigentlich nicht nötig (machen aber Spaß und sind ein guter Ausgleich nach der Zeit auf dem Boot). Die Stadt ist im Wesentlichen mit Straßen im Schachbrettmuster gebaut. Dies völlig unabhängig davon, dass die steilen Hügel eigentlich eine andere Wegeführung nahelegen würden. Aber dadurch entsteht eben auch der einzigartige Charakter der Stadt. Teilweise führen die Straßen mit 30 Prozent Steigung den Berg hinauf, im 90-Grad-Winkel zu terrassierten Straßen am Hang entlang. Die Verfolgungsjagden in den Krimis “Die Straßen von San Francisco” mit den springenden Autos lassen grüßen, Karl Malden und Michael Douglas auch.

Von North Beach aus haben wir zum Beispiel einen tollen Blick hinüber auf die Lombard Street. Die ist in einem Abschnitt so steil ist, dass auf dem eigentlich geraden Teilstück im Stadtteil Russian Hill Serpentinen hineingebaut wurden:

Da gehen wir auf dem Rückweg zur Flora natürlich auch lang. Von den steilen Passagen aus bieten sich auch immer wieder tolle Blicke:

Den Kaffee nach dem leckeren italienischem Essen nehmen wir denn auch erst, als wir fast schon wieder am Boot sind. Es wird ein besonderer Kaffee. Die Spezialität des “Buena Vista” ist nämlich Irish Coffee, man nimmt für sich in Anspruch, diese besondere Mischung aus (Irish) Whiskey und heißem Kaffee mit einer Schicht kalter flüssiger Sahne obendrauf 1952 in den USA eingeführt zu haben.

Und “Buena Vista” stimmt auf jeden Fall: als wir heraus kommen, sehen wir zwischen zwei Cablecars hindurch unten im Wasser genau …

… unsere Flora!

Am Abend hat dann zunächst die Sonne einen farbenprächtigen Abgang …

… und dann der Mond einen ebenso beeindruckenden Auftritt. Supermoon (wegen Erdnähe auf der elliptischen Umlaufbahn besonders groß) und außerdem noch Blue Moon (der zweite Vollmond in einem Monat), da wird alles gegeben:

Unter der Golden Gate Bridge hindurch nach San Francisco …

… das ist schon ein Träumchen.

Um das zu verwirklichen, ist der nächste Schritt von Crescent City aus ein etwa zwei Tage (und zwei Nächte) dauernder Törn um Kap Mendocino herum zur Drakes Bay. Wir nehmen in Kauf, dass wir eventuell einen größeren Teil davon unter Motor zurücklegen müssen. Aber wir haben Glück mit dem für seine Starkwinde bekannten Kap Mendocino, doppeltes Glück sogar: zunächst einmal begleiten uns bei spiegelglattem Wasser Pazifische Weißstreifendelfine (mit Kussmund-Zeichnung) um das Kap …

… und dann setzt kurze Zeit später segelbarer Wind ein. Eine Zeitlang fahren wir den Gennaker, die “Joy” unserer Segelfreunde Arianne und Michiel lüftet sogar das Besanstagsegel ihrer Contest 38 und fährt damit gleich vier Segel gleichzeitig:

Der Wind wird uns für den Rest des Törns nicht mehr verlassen, sondern entgegen der ursprünglichen Vorhersage weiter zunehmen, die bunte Pracht weicht also schon bald gerefften weißen Tüchern.

In die Ankerbucht der Drakes Bay laufen wir nach dem rund 40 Stunden dauernden Törn fast zeitgleich ein. Ein paar Stunden später gesellt sich die “Fidelis” von Jeanette und Jeroen dazu. Witzig, alle drei Yachten haben zusammen in Campbell River überwintert.

Der Stop in Drakes Bay gibt uns Gelegenheit auszuschlafen und den nur knapp 30 sm langen verbleibenden Schlag nach San Francisco mit mitlaufender Tide zu gestalten. Jeder kalkuliert ein bisschen anders: als wir Anker auf gehen, ist die Joy schon 6 sm voraus. Die Fidelis wiederum lässt uns einen ähnlichen Vorsprung.

Wir können segeln, aber zunächst löst sich die tief hängende Wolkendecke nur sehr zögerlich auf.

Am Point Bonita Lighthouse vorbei, der erste Blick auf die Golden Gate Bridge. Die Spitzen der Pfeiler sind noch in den tiefhängenden Wolken (oder ist es Hochnebel) verborgen.

Aber dann reißt der Himmel immer mehr auf, Gänsehaut, wir passieren die Golden Gate Bridge:

Nach der ersten vorsichtigen Durchfahrt unter Motor drehen wir gleich wieder um, nehmen die Segel hoch. Bei dem Wetter, das können wir doch jetzt auch unter Segeln genießen. Wir kreuzen wieder zurück. Wiebke hat pünktlich für San Francisco ihren Sommer-Pullover fertig gestrickt (mit Blumenmuster, wenn wir schon keine Blumen im Haar tragen).

Passt doch!

Und jetzt kommt auch die Fidelis an, wie wir zunächst unter Motor. Sie machen Fotos von der ihnen entgegen segelnden Flora …

…, drehen dann um, nehmen die Tücher hoch und lassen sich von uns vor der Golden Gate Bridge fotografieren:

Nach der Fotosession geht’s gemeinsam zum Ankerplatz im Aquatic Parc, ganz nahe am historischen Zentrum von San Francisco gelegen und mit Blick auf die Gefängnisinsel Alcatraz. Eigentlich eine Badebucht mit Sandstrand und mehreren Schwimmclubs, aber nach Online-Reservierung unter http://www.recreation.gov können wir hier für fünf Nächte direkt in der Stadt ankern.

Danke, San Francisco, für den netten Empfang.