Vorab eine Entschuldigung an alle, die sich nicht als Kinder gebannt vor dem Fernseher von der “Augsburger Puppenkiste” verzaubern lassen haben: es tut mir ein bisschen leid für Euch. Ignoriert am besten in diesem Beitrag einfach den kindischen Text und schaut Euch nur die Bilder an!
Für die anderen, Freunde der Augsburger Puppenkiste oder für Fans des Autors Michael Ende muss es LUMMERLAND sein (🎵 Eine Insel mit zwei Bergen und dem tiefen weiten Meer 🎶), auch wenn es ja in dieser Geschichte nur die noch aus dem Meer ragende Spitze des untergegangenen, viel größeren Königreichs Jamballa ist.
Ähnlichkeiten mit Mangareva und dem Gambier-Archipel und dessen Entstehung sind zufällig und bestimmt nicht beabsichtigt … 😚
Der ein oder andere wird sich vielleicht auch noch daran erinnern, das Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer die Dampflok Emma für ihre Reise von (und zurück nach) nach Lummerland zum Schiff umbauen mussten. Ein Segelboot ist da doch ungleich praktischer.
🎵 Eine Insel mit zwei Bergen und dem Fotoatelier, in dem zweiten macht man Bilder, auf den ersten Holldrijöh 🎶. Nachdem wir ja im letzten Blogbeitrag auf den Bergen waren, hier also einfach mehr (Drohnen-)Fotos. So sieht es hier aus:
Und ja, die Einfahrt zum Ankerplatz hinter den vielen Riffen sieht etwas kniffelig aus …
… aber sie ist gut betonnt und insofern wirklich nicht schwer zu meistern …
… erst mal drin, liegt man umso geschützter:
Und deshalb:
🎵 … jeder sollte einmal reisen in das schöne Lummerland 🎶
Es ist ganz putzig. Nimmt man die Eingewöhnungsphase der ersten drei Tage mal raus, hatten während der gut drei Wochen unserer Überfahrt nicht das Gefühl, zu wenig Schlaf zu bekommen. Und doch: nach der ersten Euphorie des Ankommens sacken wir ein bisschen durch. Schlafen geschlagene 12 Stunden in der ersten Nacht und wachen trotzdem wie gerädert und mit leichten Kopfschmerzen auf klitschnass geschwitzten Laken auf.
Allzuviel bekommen wir am Tag dann auch nicht mehr erledigt. Immerhin das Nötigste, das Einklarieren. Das geht flott in der Gendarmerie. Vor unserer Abfahrt in Mexiko hatten wir das Internet-Formular für die Einreise in Französisch Polynesien ausgefüllt. Man kann es ausdrucken, aber wir nehmen nur die Vorgangsnummer aus der Bestätigungs-Email mit, das reicht aus. Der freundliche Beamte der Gendarmerie Nationale, Brigade de Rikitea, fragt uns noch, ob wir einen Stempel in den Pass haben möchten, sozusagen als Souvenir. Na klar. Und dann gibt er sich auch ganz besondere Mühe mit den Stempeln.
Wir sind drin. Polynésie francaise.
Als wir die Pässe wieder in der Hand haben fragen wir noch mal nach. Wie lange dürfen wir jetzt bleiben? Der Bürochef antwortet: Das Boot zwei Jahre, danach müsste es importiert werden. Und wir? Als EU-Europäer so lange wir mögen. „No Limit.“ Das ist sehr nett zu wissen, aber eigentlich nicht unser Plan.
😉
Die nächsten Gänge führen zum Geldautomaten an der Post und dann zum Bürgermeisteramt, wo wir die Gebühren für die Müllentsorgung (am Bauhof) bezahlen sollen.
Wir spazieren noch ein bisschen weiter durch das schmucke kleine Dorf und kommen an diesem Schild vorbei:
Der Stützpunkt unseres Segelvereins Trans Ocean aus Cuxhaven! Wir hatten zuvor von anderen Seglern gehört, dass wir einen Besuch hier am Besten am frühen Vormittag machen sollten. Dafür ist es jetzt etwas spät, aber wir gehen trotzdem hinein. Fritz begrüßt uns freudig und auf Deutsch. Er teilt uns auch gleich mit, dass er seit seinem letzten Schlaganfall keinen Alkohol mehr trinkt und auch nicht mehr raucht. Und dann geht ein echter Tropenguss auf das Blechdach der Hütte nieder, währen der 83jährige Fritz uns ganz wunderbar mit seiner wirklich außergewöhnlichen Lebensgeschichte unterhält.
Bis vor kurzem war Fritz auch zugleich die Anlaufstation für Segler, die in den Gambier Wäsche waschen wollten. Einen Waschsalon gibt’s nämlich nicht. Aber leider, seine Waschmaschine gibt den Geist auf und ist so laut geworden, dass er diesen Service inzwischen nicht mehr anbietet. Und da auch Rikitea Yacht Service seinen Betrieb eingestellt hat, bleibt nur die Handwäsche oder – was für ein Luxus – wir nehmen das Angebot unserer Freunde Jeannette und Jeroen an, die Waschmaschine auf Fidelis zu benutzen. Damit nicht genug, bewirten die beiden uns auch noch mit einem fürstlichen Dankesessen. Wir danken Euch, Ihr Lieben.
Die zweite Nacht bringt uns immerhin noch mal 10 Stunden Durchschlafen und dann erleben wir den ganzen Vormittag tropische Regengüsse aus dem Bilderbuch.
Wir gehen es langsam an. Die sintflutartigen Regenfluten nutzen wir allerdings gleich für eine natur-unterstützte Dusche und um das Schiff von der intensiven Salzkruste zu befreien, die es während der Passage aufgebaut hatte.
Und schließlich:
Wiebke backt gerade einen Kuchen. Ein erster Eindruck von unserem wunderschönen und ruhigen Ankerplatz hier zwischen den Riffen vor Rikitea:
Es ist warm geworden. Man merkt deutlich, dass wir wieder in den Tropen sind. Von gut 23 Grad Celsius in Mexiko ist die Wassertemperatur in diesen vier Tagen auf jetzt 28 Grad angestiegen, die Lufttemperatur entsprechend auch.
Zeit für eine Eimerdusche auf dem Achterschiff 😁
Delfinbesuch gab es übrigens auch heute wieder.
Der Wind ist noch immer nicht sonderlich stark, aber mit einer kräftigeren Phase in der Nacht hat es für ein Etmal von 135 sm gereicht, gesamt gesegelt auf dieser Passage somit 488 sm, bis zu den Gambier sind es noch 2.812 sm.
Wir halten allerdings gegenüber der direkten Strecke ein ganzes Stück nach Osten vor, so dass die Strecke insgesamt länger als die kalkulierten 3.300 sm werden dürfte. Derzeit sieht es so aus, als könnte sich am Wochenende eine Durchsegelmöglichkeit durch den Kalmengürtel auftun, das wäre natürlich ideal. Es ist wohl noch zu früh, um das sicher vorhersagen zu können. Ein weit östlicher Startpunkt würde uns aber ermöglichen, zur Not nördlich parallel zu den Kalmen zu segeln und ein Stück weit auf ein passendes Fenster zu warten. Außerdem wird uns der Südäquatorialstrom später noch weiter nach Westen versetzen. Kommen wir zu weit nach Westen, wird es schwierig, die Gambier anzulegen, Plan B wäre dann ein Landfall auf den Marquesas.
So, Schluss für heute mit den taktischen Überlegungen, aus der Pantry weht der Geruch von warmem Senfkartoffeln mit Salat und (unserem letzten frischen) Fisch hoch. Die Angel ist draußen.
Die Zeit vergeht. Nicht ereignislos, aber doch sehr unaufgeregt. Wir wechseln je nach Wind die Ankerplätze, sind in uns zumeist schon vertrauten schönen Buchten. Bauen auf dem Vorschiff die Hängematte auf und lassen die Seele baumeln. Schnorcheln ausgiebig, angeln, fahren mit unserem Kayak, machen Spaziergänge am Strand, genießen die spektakulären Sonnenuntergänge. Kurz, wir trödeln wunderbar herum.
Und ganz nebenbei umrunden wir die Isla Espiritu Santo und die Isla Partida erneut, dieses Mal im Uhrzeigersinn, sehen dabei wieder springende Rochen und dieses Mal auch viele Delfine.
Am Ende der Woche geht’s dann doch wieder Richtung La Paz, damit wir das eingetroffene Ersatzteil für die Windmessanlage im Masttop schon mal abholen können. Außerdem wollen wir gerne Jeanette und Jeroen (Fidelis) noch treffen, bevor sie zu den Marquesas aufbrechen.
Auf dem Weg durch das schmale betonnte Fahrwasser erleben wir an der Öl-Verladestation der PEMEX eine Überraschung. Ausnahmsweise liegt kein Öltanker an der Pier, stattdessen aber kommt uns im Tonnenstrich ein Buckelwal entgegen:
Eine zweite nette Überraschung: Die Fidelis-Crew will mit dem Aufbruch noch etwas warten. So können wir noch Zeit miteinander verbringen und vielleicht sogar gemeinsam den ersten Abschnitt Richtung Französisch Polynesien in Angriff nehmen, uns jedenfalls aber auch über die Wetterfenster und die beste Route intensiv austauschen.
Stadt bedeutet natürlich auch wieder Einkaufen, Trinkwasser kannisterweise vom Dinghysteg holen, aber auch einen schönen Restaurantbesuch und Spieleabende mit Jeanette und Jeroen.
Und sonst: beschäftigen wir uns zum Beispiel mit Nähen oder Bootsarbeiten wie der Kontrolle der elektrischen Verbindungen unserer Kühlkompressoren, die in den Tiefen unter den Bodenbrettern des Stauraums im Küchenblock eingebaut sind.
Manchmal kommen Nähen und Bootsarbeit auch gleich zusammen, wie bei der (klettbaren) Fensterabdeckung, die dafür sorgen soll, dass die flexibel einsetzbaren zusätzlichen Solarpanele auch bei einem Regenschauer hängen bleiben können.
Hier in Mexiko wäre das eigentlich nicht erforderlich, wir haben in der Sea of Cortez noch keinen einzigen kräftigen Regenschauer erlebt.
In Französisch Polynesien wird das aber ganz anders sein, da kann etwas Vorbereitung nicht schaden.
Fast schon vorauszusehen: die Lieferung des Ersatzteils für den Wassermacher verzögert sich. Ursprünglich sollte sie bis Freitag Abend in Los Angeles ankommen sein, dann wäre sie am nächsten Mittwoch in La Paz gewesen. Aktuell ist die Lieferung für Montag nach Los Angeles terminiert, was für Mexiko dann circa eine Woche Verspätung bedeuten würde. Wir wären immer noch sehr froh, wenn das so klappen würde.
Ein bisschen mehr Zeit hier in der Sea of Cortez Mexiko ist ganz sicher keine Strafe. Und trotzdem: es juckt, wir würden gerne Richtung Französisch Polynesien aufbrechen. Das lässt sich ganz leicht schon daran ablesen, dass wir unsere Sprachlern-Programme bei Duolingo von Spanisch auf Französisch umgestellt haben und schon wieder fleißig üben.
😚
Aber erst einmal wird noch Spanisch benötigt. Abseits der touristischen Läden wird in der Geschäften ausschließlich Spanisch gesprochen. So auch in dem großen Stoffladen, in dem sich Wiebke (mangels Wollnachschub 🤪) mit Grundmaterial für die nächsten Monate versorgt. Oder in dem Gewürzladen, über den wir eher zufällig stolpern, weil der Geruch uns im Vorbeigehen quasi einfängt. In den großen Supermärkten haben wir leider weder Anis noch Fenchel gefunden, beides hätten wir aber gern, insbesondere für unser selbst gemachtes Brotgewürz. Hier in dem urigen Laden ist beides vorrätig und wird aus großen Behältern in der gewünschten Menge abgefüllt.
Wir lassen uns noch ein bisschen durch die Stadt treiben, finden den englischen Buchladen und kaufen einen Fischführer für den Pazifik, bummeln herum.
Nach dem immer noch nachwirkenden imposanten Walhai-Erlebnis zieht es uns dann aber doch aus dem quirligen Ankerplatz an der Stadt heraus und wieder in die Natur der Inseln der Bahía de La Paz.
Was für ein Unterschied. Trotz Wochenende haben wir den traumhaften Ankerplatz der Caleta Lobos ganz für uns allein.
Wiebke macht Yoga am einsamen Sandstrand, ich bade derweil erfolglos Köder an der Angelleine.
Auch in der nächsten Bucht sind wir wieder der einzige Ankerlieger. Ausgiebig erkunden wir bei traumhaftem Wetter und spiegelglattem Wasser mit dem Kayak die Ensenada del Gallo, die Hahnenbucht.
Vorgelagert sind die beiden kleinen Felseninseln Gallina (Henne) und Gallo (Hahn). Der Hahnenkamm aus Kakteen hat allerdings eine weiße Färbung angenommen:
Wir vermuten die zahlreich über der Isla Gallo kreisenden Truthahngeier als Verursacher der weißgetünchten Kakteen, denn die ebenfalls zahlreichen Seevögel wie Möven, Seeschwalben oder Boobies haben wir noch nie auf den Kakteen sitzen sehen. Und die großen Braunpelikane kommen dafür wohl auch nicht in Frage.
Die wunderbare Landschaft und die traumhaften Farben des klaren Wassers vom tiefen Blau bis zum hellen Türkis vor den leeren Sandstränden, die unzähligen felsigen Einschnitte in die unbewohnten Inseln dieses Naturschutzgebietes, die Sea of Cortez präsentiert sich einmal mehr als faszinierendes Segelrevier.
Und das gilt selbst, wenn sich der Himmel ausnahmsweise mal ein bisschen mit Wolken schmückt und die Farben nur gelegentlich aufleuchten lässt, wie heute hier in der Ensenada Grande auf Isla Partida mit ihrer unverkennbaren Felsformation:
Zum Sonnenuntergang scheinen die Farben die tagsüber eingesparte Intensität dann nachholen zu wollen; der Himmel brennt.
Langfahrtsegeln bedeutet, sein Boot an den schönsten Ankerplätzen der Welt zu reparieren. Oder auf Englisch noch knackiger formuliert: Cruising is boatwork in exotic places.
So geht’s uns jetzt hier in der malerisch Ensenada de la Partida. Gerade noch genießen wir die Gemeinschaft der Cruiser, die sich hier eingefunden haben. Potluck am Strand, am nächsten Abend auf der “Dos Peces” von Vicky und Kevin, am Tag darauf Sundowner auf der Talion, außerdem organisiert die unermüdliche Heidi von der “Sonho” Aktivitäten wie die Dinghyfahrt zu den Höhlen an der Westseite der Insel, es gibt morgendliche Yogatreffen am Strand und einiges mehr.
Außerdem erleben wir tolle Sonnenuntergänge …
… und die Sturzflug-Orgie der Pelikane und Boobies zur Dämmerung, wenn sie auf der Jagd nach den jetzt offenbar aufsteigenden Fischen in großer Zahl und immer wieder kopfüber ins Wasser stoßen. Was für ein Spektakel.
Na klar, zwischendurch steht auch Bootsarbeit an. Ich wühle unsere Tauchsachen hervor und schrubbe das Unterwasserschiff bis zum Kiel. Jetzt sehe ich auch, worauf die Pelikane und Boobies so scharf sind. Ein großer Schwarm von etwa 25 cm langen jungen Hornhechten (“Needlefish”) mit ihrem schnabelartig verlängerten spitzen Maul sucht Schutz im Schatten der Flora.
Nach der anstrengenden Putzaktion dann mit der Restluft der Tauchflasche noch kurz den Propeller der neben uns ankernden “Fidelis” gecheckt und ein bisschen poliert. Jeroen füllt mit seinem Kompressor meine Tauchflasche gleich wieder auf, klasse. Abends spielen wir auf der Fidelis “Mexican Train Domino”. Der Wassermacher auf der Fidelis mackelt und ihre Trinkwasservorräte werden knapper, also machen wir ein bisschen mehr Wasser und bringen es ihnen hinüber. Nur: dabei springt irgendwann unsere automatische Bilgepumpe an.
Hm, das ist kein gutes Zeichen. Kurzer Check: Salzwasser in der Bilge (dem tiefsten Bereich im Inneren des Bootes). Wir suchen nach der Ursache und – wenig überraschend bei dem zeitlichen Zusammenhang – es ist der Wassermacher. Der bereitet zwar weiterhin gutes Frischwasser aus dem Seewasser, flutet dabei aber auch unser Bootsinneres mit Salzbrühe. Die läuft dann vom Wassermacher unter unserer Koje an der Bordwand hinunter in die Bilge. Zu unserem Glück wird dabei nur die seit dem Mittelmeer dort eingelagerte Gangway nass, die anderen dort gestauten Sachen sind allerdings ohnehin überwiegend in Vakuumbeuteln geschützt. Außer unserem Ersatzvorsegel. Das ist zwar trocken geblieben, kommt aber jetzt trotzdem auf die Rollanlage. Der Grund dafür ist, dass wir auf der Passage nach Französisch Polynesien lieber wieder die alte Fock aufziehen möchten. Nicht um die neue Fock mit ihren 4 kurzen senkrechten Latten zu schonen, sondern weil die alte eben keine Latten hat. Am Wind sind die Latten gut, aber (jedenfalls bei uns) führen sie auf Vormwindkurs mit ausgebauter Fock zu einer blöden Falte am Ende der Latten. Kein guter Stand und wohl auch eine ziemliche Belastung für das Segel auf einer langen Strecke. Die Falte konnten wir bisher nicht vollständig weg trimmen, daher war der Wechsel auf die alte Fock für die Passage ohnehin vorgesehen. Und wo wir den Stauraum unter unserem Bett jetzt sowieso leer machen müssen…
Eigentlich wollten wir nach den schönen Tagen hier in der Bucht mal wieder weiter segeln, aber, na ja, eben nur eigentlich.
Statt dessen wird eben unser größter Stauraum an Bord leer gemacht und das Boot damit ins Chaos gestürzt. Der Wassermacher ausgebaut, die widerspenstige Endkappe der Membranhülle mit viel Überredungskunst (und einigen Flüchen) tatsächlich doch ausgebaut. Die Leitungen werden durchgeblasen, sie sind nicht verstopft.
Das Salzwasser leckt aus dieser Kappe, allerdings an der für uns nicht auf Anhieb erklärlichen Stelle, nämlich am Produktwasserauslass entlang. Laut Troubleshooting der Bedienungsanleitung ist die wahrscheinlichste Ursache dafür ein verschlissener O-Ring in der Abdichtung. Zum Glück haben wir das Dichtungs-Set des Wassermacherherstellers als Ersatz an Bord.
Der Produktwasserauslass hat keine O-Ringe, aber sicherheitshalber erneuern wir die Teflonband-Wicklungen auf dem eingeschraubten Gewinde. Vom Fitting sind die alten Reste leicht zu entfernen, aus dem Inneren des Endstopfens dafür um so schwieriger.
Der erste Tag ist um. Leckere Zitronen-Kokos-Küchlein aus dem Bordbackofen gegen den Frust.
Der nächste Morgen: der große O-Ring außen am Endstopfen wird ersetzt, erst ohne, dann mit Vaseline eingesetzt, zwischendurch der Wassermacher jedes Mal wieder zusammengesetzt, eingebaut und ausprobiert: leckt immer noch. Der innere O-Ring im Endstopfen ist eigentlich unverdächtig, schließlich müssten wir sonst Salzwasser im Produktwasser haben. Aber auch der wird getauscht. Neuer Einbau, gleiches Ergebnis.
Den Hochdruck-Auslass für den Auslass der Salzlake bekomme ich nicht ab, weil ich den Endstopfen auf der Flora nicht vernünftig (beschädigungsfrei) einspannen kann. Aber Alex von der “Chandelle” kann helfen, gemeinsam bekommen wir dieses Fitting gelöst. Auch hier wird der O-Ring getauscht. Neuer Einbau, gleiches Ergebnis.
Wieder raus. Vielleicht hat sich innen etwas versteckt, was wir bei der Reinigung übersehen haben. Nochmal checken. Nein. Aber da, im Durchfluss der Salzlake durch den Endstopfen, direkt am Gewinde des Hochdruck-Auslasses, entdecken wir zwei klitzekleine Haarrisse.
Grr. Die verhindern die Abdichtung, das Salzwasser der Lake läuft an dem Gewinde durch und sucht sich dann den Weg des geringsten Widerstands unter der Metall-Abschlussplatte hindurch zum Loch für den Produktwasserauslass. So jedenfalls reimen wir uns das zusammen. Gemein, denn das wohl bedeutet, dass wir einen neuen Endstopfen benötigen. Der wird hier in Mexiko vielleicht nicht ganz so leicht zu beschaffen sein. Teile werden meist über San Diego bestellt, das kann dauern. Na ja, mal sehen, immerhin gibt es in La Paz einen Wassermacher-Servicebetrieb. Es könnte allerdings sein, dass wir unsere Abfahrt Richtung Französisch Polynesien doch noch wieder auf etwas später verschieben müssen.
Egal, definitiv besser jetzt und hier einen solchen Schaden feststellen als unterwegs auf der Passage!
Wir verabschieden uns jedenfalls aus der (immer noch wunderschönen) Ensenada de la Partida und machen uns auf Richtung La Paz.
Unterwegs heitern uns springende Mobula-Mantas auf:
Und ohnehin: es ist herrliches Segeln in diesem wunderbaren Revier. Da kann man doch ruhig noch etwas länger bleiben …
Die Sea of Cortez ist für ihre reiche Unterwasserwelt bekannt. Neben der Erkundung der wunderbaren Landschaft über Wasser hatte ich deshalb die heimliche Hoffnung, wir könnten vielleicht Manta-Rochen zu Gesicht bekommen. Tatsächlich hatten wir schon ein paar Mal einzelne Rochen aus dem Wasser springen sehen, wenn auch in großer Entfernung. Jetzt aber haben wir richtig Glück: bei einer Dinghyrunde am Ankerplatz in der Caleta El Candelero springen nahe bei uns immer wieder Mantas meterhoch aus dem Wasser, schlagen mit ihren “Flügeln”, machen teilweise sogar Salti. Und dann klatschen sie bäuchlings wieder auf das Wasser. Was für ein Spektakel.
Dabei hatten auch die Hikes an unseren beiden letzten Ankerplätzen uns ganz wunderschöne Naturerlebnisse beschert.
In der Ensenada Grande auf Isla Partida beeindruckt schon die Uferformation (wir taufen sie die verschleierten Frauen).
An Land führt dann ein Hike ein weitgehend trockenes Bachbett hinauf. In einigen schattigen Senken finden sich auch noch feuchte Stellen und insgesamt zeigt sich viel Grün in diesem schmalen Tal. Das findet auch die Tierwelt klasse, wir entdecken ein endemisches Espíritu-Santo-Antilopenziesel, Queen-Schmetterlinge beim Hochzeitstanz und die wunderschönen Blue-Rock-Lizzards.
Auch die Wanderung selbst gefällt uns sehr, flachere Abschnitte wechseln sich mit Kletterpartien über die Steine und Felsbrocken im Bachbett ab.
Der Ankerplatz ist super. Morgens und Abends haben wir ihn fast für uns allein, tagsüber allerdings bringen Pangas viele Tagesgäste zu den drei Stränden der großen Bucht. Kein Wunder, denn auch schnorcheln lässt sich hier ganz gut. Neben Perlenkofferfischen, Falterfischen und vielen anderen fallen ganz besonders die knallgelben Zitronen-Kugelfische ins Auge.
An Silvester zieht es uns ein paar Buchten weiter südlich, wir verholen in die Caleta El Candelero auf Espiritu Santo. Diese Bucht wird durch eine markante Felseninsel in der Mitte geprägt.
Ebenfalls toll zum Schnorcheln, außerdem erfreuen uns hier eben die springenden Rochen. Und der (kurze) Hike führt an der kleinen Lagune vorbei durch eine seltsam ausgewaschene Sandstein-Landschaft mit vielen kleinen Überständen, Halbhöhlen und Höhlen.
Was für ein Tag. Und er ist ja noch nicht zu Ende, wir feiern zu viert an Bord der Flora Silvester, einschließlich Tanz auf dem Achterschiff und kleinem Feuerwerk auf einem der zahlreichen Motorboote, die wohl von La Paz für einen Silvesterausflug in die Bucht gekommen sind.
Am Neujahrsmorgen sind sie alle wieder verschwunden, dafür findet sich ein junger Seelöwe ein. Er spielt den ganzen Vormittag lang um die Flora herum, springt gelegentlich aus dem Wasser und scheint die kleinen Schwarmfische eher zusammenzutreiben wie ein Hütehund eine Herde. Es sieht mehr nach einem Spiel als nach einer echten Jagd aus, einzelne Fische treibt er wieder zum Schwarm zurück. Das wird besonders deutlich sichtbar, als wir schließlich zu ihm ins Wasser steigen. Irritieren lässt er sich von uns nicht, scheint eher mit uns zu tanzen, dreht Pirouetten und schraubt sich um uns herum.
Wir wünschen Euch allen einen wunderbaren Start in das Jahr 2024!
Es gibt eine Vielzahl wunderbarer Ankerplätze hier. Mit sehr unterschiedlichen Vorzügen. Von San Evaristo, dem kleinen Fischerdorf auf der Baja California, erhoffen wir uns eigentlich vor allem einen Besuch in dem nett beschriebenen Mini-Restaurant am Strand. Aber – Pech – das hat leider nicht geöffnet. Ob es an der Zeit “zwischen den Jahren” liegt oder am Feiertag “Día de los Santos Inocentes”? Wie auch immer, der ganze Ort wirkt fast wie ausgestorben, kaum ein Mensch ist zu sehen.
Der Strand ist leer, die Außenbordmotoren der meisten, hoch auf den Strand gezogenen Pangas sind abgedeckt. Die Kreuzung der beiden Sandstraßen, die zugleich Bolzplatz ist: vollkommen verwaist.
Ein bisschen seltsam wirkt, dass viele Grundstücke mit Stacheldrahtzäunen umgeben sind. Stacheldraht um die Kakteen – irgendwie skurril. Der sumpfige Brackwasserteich hinter der ersten Häuserreihe ist auch nicht dazu angetan, für eine heimelige Atmosphäre zu sorgen.
Unser Spaziergang durch den Ort bleibt dann doch eher kurz. Schade, denn der Ankerplatz selbst ist wieder richtig schön und bietet auch guten Schutz gegen den Nordwind. Wir kayaken bzw. nutzen das SUP und auch das Schnorcheln ist gut.
Es geht ein bisschen hin und her. Nach ein paar Tage mit Jan auf der Isla Partida fahren wir schon wieder nach La Paz. Noch mal ein Supermarkt-Großeinkauf. Und dann, fast schon um Mitternacht, holen wir Catalina am Dinghydock in der Marina ab. Damit ist die Crew der Flora für die Mexiko-Weihnachten komplett, es ist die gleiche wie vor zwei Jahren auf der Atlantikseite.
😊
Freudige Begrüßungsfeier, also lichten wir am nächsten Tag erst gegen Mittag den Anker. Es ist wenig Wind, aber mit dem Code0 können wir (wenn auch eher gemütlich) schön segeln.
So schaffen wir es bis zur Bahía El Empachado auf der Isla Espiritu Santo. Dort liegt schon die Wind River, wir laden mit Raffi und Kristen zu Fisch- und Hähnchen-Tacos auf die Flora ein. Es wird ein schöner Abend und die beiden Schwesterschiffe geben auch ein tolles Bild am Ankerplatz ab:
Und über dem Sandgrund im klaren Wasser scheint die Flora regelrecht zu schweben.
Wir möchten an Heiligabend dann noch ein Stückchen weiter nach Norden. Der Wind frischt zwar zunehmend bis über 20 kn auf, aber immerhin können wir die Isla San Francisco hoch am Wind fast anlegen. Nur das letzte Stück in die vor dem steifen Nord wunderbar geschützte halbmondförmige Ankerbucht motoren wir dann doch, denn durch den Canal de San José bläst es noch stärker hinunter. Ein AIS-Signal ist nicht zu entdecken, aber vier Boote liegen bereits in der Bucht, als wir einlaufen. Und wieder gibt’s ein unabgesprochenes Treffen mit befreundeten Crews: mit Doris und Wolf von der Nomad sowie Adriane und Michiel von der Joy treffen wir uns gleich zum Heiligabend-Sundowner am Strand.
Der Hike auf den Bergrücken im Osten der Bucht wird uns sehr nachdrücklich ans Herz gelegt.
Am ersten Weihnachtstag verziehen sich dann gegen Mittag die Wolken und wir machen uns auf. Am Strand entlang und dann durch die natürliche Salzpfanne der Landenge geht es auf einem Trampelpfad hinüber zu der Hügelkette.
Dann durch ein trockenes Bachbett etwas bergan bis zum hier noch recht niedrigen Grat. Und dann folgt unser kleines Weihnachtswunder: der Pfad folgt dem ansteigenden Grat, es wird die spektakulärste Wanderung, die wir bisher in Mexiko gemacht haben.
Es gibt tolle Ausblicke, aus dem Wandern auf dem Pfad wird Klettern, immer oben am Grat entlang, hoch über Floras Ankerplatz.
Kleiner Nebeneffekt: die Drohne hat eine um einiges erhöhte Starthöhe 😉.
Am Südende der Isla San Francisco können wir dann wieder zum Strand hinunter klettern.
In La Paz steigt unser “Chief” Jan zu. Wir bleiben aber nicht lange an dem gut gefüllten Ankerplatz vor der Großstadt, sondern nutzen den kurzen Aufenthalt nur zur Proviantierung im gut sortierten Supermarkt und zu einem Sundowner-Treffen mit den Seenomaden Doris und Wolf.
Foto Credit: Wolf
Und mit Jan an Bord geht’s dann gleich wieder los. Na ja, ein bisschen vorgezogene Bescherung gibt’s erst noch, schließlich bringt unser Besuch einiges an bestellten Ersatzteilen, eine neue Drohne und auch Weihnachtsgeschenke von Wiebkes Mama mit. Dankeschön!
Unser erster Stop ist Playa Pichilingue. Ganz unverhofft treffen wir an diesem Ankerplatz Raffi mit Floras Schwesterschiff “Wind River”. Wir freuen uns sehr über das Wiedersehen.
Chief Jan kann gleich wieder sein Mechanikertalent hervorkramen, nix mit Urlaub. Der 2-Takt-Außenborder von Raffis Dinghy mackelt, gemeinsam machen wir uns auf Fehlersuche.
Und auch Jan mit seiner BeAtitas kommt in die Bucht, sehr praktisch, denn auch für ihn hat “unser” Jan ein Ersatzteil mitgebracht, das wir gleich übergeben.
Während die anderen noch bleiben, segeln wir danach an der felsigen Küste mit ihren vielen Buchten nordwärts zu den Inseln Espiritu und Partida.
Nach gut 15 Seemeilen biegen wir in die Meerenge ein, die Espiritu und Partida teilt. Für Dinghies und Kayaks passierbar, ist der schmale gewundene Durchgang für Segelboote nicht befahrbar. Auch der Nordost-Schwell bleibt draußen, so dass die große Ankerbucht gut geschützt ist. Wir probieren gleich die neue Drohne mit dem Weitwinkelvorsatz aus, sieht gleich doppelt so hoch aus, verzerrt aber auch ein bisschen 😉:
Am nächsten Tag verholen wir für einen Kaffee-Stop um die Ecke in den schmalen Einschnitt “El Cordoncito”. Der Raum zu Herumschwingen ist begrenzt, aber für den kurzen Aufenthalt bei ruhigem Wetter ist der Platz wunderbar.
Für die Nacht Ankern wir dann aber in der deutlich größeren “Ensenada El Cordonal”, wiederum eine Bucht nördlicher auf der Isla Partida. Sehr schön: hier lässt es sich gut mit dem Dinghy anlanden und vom Scheitel der Bucht führt ein Pfad hinüber auf die Ostseite der Insel. Zunächst an den Mangroven entlang, wobei sich am Berghang zu unserer Linken bereits wieder viele beeindruckende Kakteen bewundern lassen.
Im Matsch zu unserer Rechten zieht etwas anderes unsere Blicke auf sich:
Krebse, genauer gesagt: Winkerkrabben (Fiddler-Crabs). Kaum so lang wie ein Fingerglied. Zuerst sehen wir nur einzelne von ihnen in kleine Löcher im lehmigen Untergrund schlüpfen. Mit ihrer einzelnen großen Zange (es gibt aber Rechtshänder und Linkshänder) verschließen sie dann ihr Versteck.
Also wir uns näher zum Wasser hin bewegen wird aus dem einzelnen Huschen dann aber schnell das große Krabbeln:
Nach der Wanderung gibt’s bei der Dinghy-Rückfahrt zu Boot ein weiteres tierisches Highlight. Wir entdecken die von uns so geliebten Blue Footed Boobies (Blaufußtölpel), die Wiebke und ich bisher nur auf Galapagos bewundern durften: