Einklariert auf den Galápagosinseln

Ja, es ist geschafft, wir haben auf den Galápagosinseln offiziell in Ecuador einklariert. Der Prozess war der bisher bürokratischste, den wir auf unserer Reise hatten. Wir hatten das zwar vorher schon gehört, neben den happigen Gebühren werden viele Segler dadurch vom Besuch abgeschreckt, aber obwohl wir das wussten war einiges dann trotzdem überraschend intensiv.

So mussten wir dem Agenten im Vorfeld bereits eine Vielzahl von Dokumenten und Bescheinigungen schicken, jeweils als PDF, Fotos werden von den Behörden nicht akzeptiert. Das wiederum erfordert zwingend ein Programm, was PDFs verkleinert, weil sonst die Dateien schlicht zu groß zum praktikablen Versandt per Email sind.

Neben den üblichen Schiffspapieren, Crewliste und Reisepässen war vorab zu übermitteln:

  • Impfzertifikat für jedes Crewmitglied
  • Bestätigung über bestehende Krankenversicherung die Galapagos einschließt
  • internationales Zarpe, das unbedingt selbst noch einmal die Crewliste enthalten muss
  • Zertifikat über die erfolgte Schiffsausräucherung
  • Antifouling Zertifikat
  • “Sauberes Unterwasserschiff”-Zertifikat
  • AIS/MMSI-Zuteilungsurkunde
  • Liste der letzten zehn besuchten Häfen mit Abfahrtsdatum

Die Zertifikate kann man zum Teil auch selbst erstellen und mit dem eigenen Schiffsstempel versehen, so etwa das “Sauberes Unterwasserschiff”-Zertifikat. Hier sollen aber in jedem Fall Bilder des sauberen Unterwasserschiffs (einschließlich der kritischen Punkte wie Spalt am Ruderblatt, Propeller, Borddurchlässe, Tunnel Bugstrahlruder bei der Inspektion auf Galapagos vorgezeigt werden können. Das Antifouling Zertifikat haben wir tatsächlich selbst erstellt, versehen mit der Rechnung für Coppercoat und einem Bild nach dem Auftragen.

Mit den ganzen Unterlagen und Zertifikaten ist es aber nicht getan. Nach der Ankunft auf den Galápagosinseln hat man an Bord zu warten, bis der vom Agenten organisierten Behördentross eintrifft, 8 bis 10 Leute kommen dann gleichzeitig an Bord.


Auf dem Bild sind nur sieben zu sehen? Ja, weil der Taucher (!) gerade schon das Unterwasserschiff kontrolliert. Da darf kein Bewuchs drauf sein, schon wegen einer Seepocke kann er die Einreise verweigern. Dann muss man 40 sm raus, auf gutes Wetter hoffen, tauchend nacharbeiten, 120 US$ zusätzlich bezahlen und bei der nächsten Inspektion hoffentlich unbeanstandet bleiben. Außerdem ist ein Officer des Ministerio del Ambiente (also dem Umweltministerium) schon unter Deck im Salon, weil die Vielzahl seiner Formulare den verfügbaren Platz im Cockpit jetzt wirklich sprengen würde.

Man sollte vorbereitet sein, weitere Dokumente präsentieren zu können, etwa eine “COVID-19-Guideline” zum Verhalten an Bord (hatten wir gefertigt, wurde aber nicht abgefragt) und eine Liste aller an Bord befindlichen Medikamente (wurde abgefragt, kontrolliert auf abgelaufenen Medikamente, weshalb es für zwei Medikamente einen Hinweis gab).

Vom Agenten gab es im Vorfeld eine Liste mit erforderlichen Gegenständen an Bord, die kontrolliert werden können, außerdem eine Liste mit verbotenen Dingen (hauptsächlich bestimmte Nahrungsmittel). Und eine Liste mit anzubringenden Schildern.

Bei den erforderlichen Dingen wurden bei uns Ölbindetücher und biologisch abbaubares Spülmittel kontrolliert (und jeweils für die Akten fotografiert). Die Kühlschränke wurden inspiziert, allerdings nur oberflächlich, nachdem wir vorher versichert hatten, kein Frischfleisch und keinen Frischkäse dabei zu haben, nach diesen beidem Dingen wurden wir ausdrücklich gefragt. Der Kaffee wurde darauf kontrolliert, dass er gemahlen ist (keine ganzen Bohnen) und nach den verbotenen Chia-Samen wurden wir dreimal gefragt. Die extra angebrachten erforderlichen Schilder an den drei erforderlichen Mülltonnen (Organic, Recyle, Non-Recycle) wurden genauso für die Akten fotografiert wie der (natürlich geschlossene) Hebel für die Entleerung des Abwassertanks. Das ebenfalls notwendige, IM MOTORRAUM anzubringende Schild “Do not discharge black waters into the sea” blieb dagegen unbeachtet, bei den im Innen- und im Außenbereich des Schiffes anzubringenden “Do not throw garbage into the sea” bin ich nicht sicher. Schließlich war ich zwischendurch mal nicht dabei, weil bei jedem Crewmitglied von den beiden Health-Mitarbeiterinnen Temperatur, Sauerstoffgehalt des Blutes und der Blutdruck gemessen wurden. Außerdem war ich immer wieder abgelenkt, wenn eines der unzähligen Formulare zu unterschreiben war.

Natürlich ist schon der Gedanke, dass Fremde das eigene Schiff und Zuhause durchstöbern (können) unangenehm. Theoretisch sind entsprechende Kontrollen bei fast jedem Einklarieren in einem neuen Land möglich, praktisch haben wir das bisher zum Glück nicht erlebt. Der bekannt massive Personaleinsatz hier auf den Galapagos steigert ein solches latentes Unbehagen (im Vorfeld) eher noch. Aber alle vom Einklarierungsteam waren freundlich und super nett, die Vorbereitung und Begleitung durch den Agenten sehr professionell und hilfreich. Am Ende hat das Ganze eine gute Stunde gedauert (die Vorbereitung allerdings deutlich länger).

Und jetzt: Galápagos genießen. Das Sehnsuchtsziel, seit es in Kindertagen auf einem WWF-Brettspiel eines der Exotic-Highlights war für den Teil der Crew, der damals und auch später bei jedem Tierfilm wie gefesselt vor dem Bildschirm hing 😁

Bildernachträge Passage Panama nach Galapagos

Wir sind da. 😊

Also angekommen auf den Galápagos-Inseln, einklariert noch nicht. Das kommt hoffentlich morgen früh, aber es scheint eine größere Aktion zu werden. Hoffen wir mal, das alles glatt geht.

Unser Internet ist noch ein bisschen mau, aber der Agent hat eine SIM-Karte vorbeigebracht, netter Emfangsservice.

Hier erst mal die versprochenen Bildernachträge zu den Blogbeiträgen der Passage. Viel blau, viele Tiere, ein bisschen grau, viel Boot, ganz viel Freude bei uns. Kriegt ihr die Bilder mit den Blogposts überein?

Brown Boobie
Rauchschwalbe
Nazca Boobie
Red footed Boobie
schuldbewusst?
matured at sea / gereift auf See

Und ja. Wir sind auf Galapagos. 🥂

Bildernachträge Passage Panama nach Galapagos

Wir sind da. 😊

Also angekommen auf den Galápagos-Inseln, einklariert noch nicht. Das kommt hoffentlich morgen früh, aber es scheint eine größere Aktion zu werden. Hoffen wir mal, das alles glatt geht.

Unser Internet ist noch ein bisschen mau, aber der Agent hat eine SIM-Karte vorbeigebracht, netter Emfangsservice.

Hier erst mal die versprochenen Bildernachträge zu den Blogbeiträgen der Passage. Viel blau, viele Tiere, ein bisschen grau, viel Boot, ganz viel Freude bei uns. Kriegt ihr die Bilder mit den Blogposts überein?

Und ja. Wir sind auf Galapagos. 🥂

6. Tag Passage Panama nach Galapagos

Die Linie! Wir überqueren den Äquator, allerdings mitten in der Nacht. Klar, die Freiwache (Wiebke) wird geweckt, die GPS-Position genau im Auge behalten. Und um 8:52 UTC (Universal Time Coordinated, entspricht 3:52 Bordzeit) ist es soweit.
0 Grad 0,000 Minuten N zeigen die Geräte an, als wir bei 88 Grad 31,890 Minuten W über die imaginäre Linie fahren. Jetzt sind wir auf der Südhalbkugel 😉
Na klar, die Galapagos-Inseln gehören zu Ecuador (!) und das Land hat seinen Namen, weil es eben genau auf dieser Linie liegt.
Traditionsgemäß gibt es einen ordentlichen Schluck für Neptun und Rasmus – Linie Aquavit, was sonst. Und einen klitzekleinen Schluck für uns. Die Äquatortaufe muss ein paar Stunden warten, nachdem es hell geworden ist gibt es für uns beide eine zünftige Eimerdusche mit Äquatorwasser oder jedenfalls Ecuadorwasser.
Die Nacht ist wieder trocken, allerdings müssen wir motoren. Am Tag dann abwechselnd segeln und motoren. Einen Mahi Mahi gefangen, wir haben wenig geangelt weil wir am Anfang noch so viel Fisch hatten. Etmal 146 sm, noch 38 sm bis zum Ziel.

5. Tag Passage Panama nach Galapagos

Zur Abwechslung ist heute mal alles grau in grau. Immer wieder Regenschauer und Windwechsel. Immerhin konnten wir außer 4 Stunden in der Nacht bisher zumeist segeln, wenn auch nicht immer in die ganz richtige Richtung. Das ist bemerkenswert, denn nach der gestern per Satellitenmail abgerufenen aktuellen Wettervorhersage wären wir jetzt im Flautengebiet mit maximal 7 Kn Wind in den Böen, wir hatten aber in den Böen über 20 kn. Hoch am Wind nicht ideal, aber eben segelbar.

Jetzt gerade ist der Wind allerdings fast weg, Motorsegeln. Immerhin, voraus scheint es etwas heller zu werden.

Echter Lichtblick sind einmal mehr die Boobies. Bis zu sieben von ihnen haben sich auf unseren Bugkorb und vorderen Seezaun gequetscht, vier sind die ganze Nacht geblieben, trotz Segelmanövern und gelegentlicher Duschen von den aufspritzenden Wellen. Überwiegend sind es Rotfußtölpel (Blaufußtölpel etwa können sich mit ihren Füßen gar nicht auf Äste oder eben Bugkörbe krallen), ein Brauner Tölpel hat es trotz Abwehrgeschnatter und und in die Schwanzfedern kneifen geschafft, seine gelben Füße zwischne ihre roten auf den Relingsdraht zu setzen. Mit ihren intensiv blau umrandeten Augen, dem hellblauen Schnabel und den rosafarbenem Gesicht, dem braunen Gefieder und dazu den kurzen roten Beinen wirken die zwischen Enten- und Gänsegroßen Vögel ein bisschen, als würden sich die Rotfußtölpel geschminkt zu einem Maskenball versammeln und auf der Toilette noch einmal das Federkleid sortieren. Wobei, Toilette … Gehört auch dazu 😦

Etmal 135 sm, Entfernung bis zur Isla San Christobal 179 sm. Wir haben dem Agent bereits die gewünschte 48-Std-vor-Ankunft-Satellitenemail geschickt.

Der Blogbeitrag wird wie immer auf Passage per Satellit als Text übermittelt, Bilder und Reaktionen auf Kommentare folgen deshalb später, wenn wir wieder Internetzugang haben.

4. Tag Passage Panama nach Galapagos

Schönes ruhiges Segeln am Tag und bis in den Sonnenuntergang hinein. Zur Nacht dann ein Wechselspiel. 19.00 Segel weg und Motor an, eine Stunde später Motor wieder aus, Fock und Groß, dann aber drehende (eigentlich: hin und her springende) Winde in unterschiedlicher Stärke, die das Spektakel der Nacht bereits ankünden. Segel wieder weg, unter Motor geht es durch den Rest der Nacht. Squalls, kleinere Regen- und manchmal auch größere Gewitterzellen ziehen durch. Sie sind auf dem Radar gut erkennbar, wir können ihnen ausweichen, was unter Motor natürlich auch etwas einfacher ist.
Bisher haben wir hinsichtlich der Gewitter Glück gehabt (ich klopfe dreimal auf Holz). Die Befürchtungen hinsichtlich Panama haben sich nicht bewahrheitet, wir hatten nur einmal in der Shelter Bay ein nahes Gewitter und blieben ansonsten verschont. Für Panama ist das alles andere als selbstverständlich, selbst wenn man wie wir in der Trockenzeit dort ist (hier um den Äquator gibt es nur zwei Jahreszeiten, eben Trockenzeit und Regenzeit).
Und auch auf der bisherigen Überfahrt sehen wir zwar häufiger entferntes Wetterleuchten, bleiben aber bisher von Gewittern verschont, bis auf eben die Squalls heute nacht, die ein paar Umwege erfordern.
Um uns herum ist hunderte von Kilometern nur Wasser, da sind Besuche von Vögeln immer eine willkommene und irgendwie auch erstaunlich Abwechslung. Insbesondere gilt das natürlich dann, wenn es sich nicht um Seevögel handelt.
Eine Rauchschwalbe landet auf unserer Reling. Der herrlich blauschwarz schimmernde Vogel mit der rostroten Stirn und der helleren Brust ist wenig scheu, wirkt allerdings etwas matt. Oft habe ich gelesen, dass die Besuche solcher kleiner Vögel auf Ozeanpassagen meist damit enden, dass die ausgelaugten Vögel an Bord sterben. Entsprechend besorgt betrachten wir die Schwalbe, stellen ihr frisches Wasser hin. Sie rührt es aber erwartungsgemäß nicht an, vielleicht ist ihr genetisch einprogramiert das sie auf dem Ozean kein Wasser trinken sollte. Sie verschmäht auch die eigens für sie gejagte und in ihrer Nähe abgelegte Fliege. Aber mit der Zeit wird sie wieder etwas reger, erkundet das Boot, verirrt ?!? sich dabei auch in den Salon. Sucht sich an Bord schattigere Plätze, z.B. im Cockpit innen hinter den Shades. Und dann taucht eine zweite Rauchschwalbe auf. Fortan wechseln die beiden ihre Plätze gemeinsam, bleiben noch einige Stunden an Bord und fliegen dann gemeinsam for t. Hoffentlich ein Happy End.
An Bord werden die Schwalben abgelöst von Boobies. Um diese Langstreckenflieger machen wir uns keine Sorgen, aber auch sie nutzen die Flora gern als Rastplatz, putzen und pflegen ausgiebig ihr Gefieder, was vermutlich auf See und im Flug sonst nicht möglich ist. Ein brauner Boobie landet auf dem Bimini, lässt sich von uns durch den Stoff an den (gelben) Füßen kraulen. Schwarz-Weiß gezeichnete Boobies treiben zweimal auf Holzstücken an uns vorbei. Und zu Beginn der Nacht findet sich gleich eine ganze Gruppe von Red footed Boobies (Rotfußtölpel) auf unserem Bugkorb ein und verbring dort die dunkle Phase. Es scheint ihnen zu gefallen, denn jetzt zur Mittagszeit sind vier von ihnen immer noch dort und lassen sich Richtung Galapagos schippern. Aktuell per Express, denn seit fünf Uhr heute morgen segeln wir wieder. Unter Fock und Groß auf Halbwindkurs mit etwa 7 kn Fahrt. Auch wir lassen uns das gefallen 😉 Etmal 134 sm, 310 sm bis Galapagos.

Blogbeitrag per Iridium Satellit übermittelt, Bilder und Reaktionen auf Kommentare dann später.

3. Tag Passage Panama nach Galapagos

Am Nachmittag erst (wenn auch langsames) Segeln auf dem richtigen Kurs. Es ist so ruhig, dass wir weiterhin die Hängematte auf dem Vorschiff nutzen oder zur Abwechslung im Cockpit Karten spielen.
Bei dem glatten Wasser sehen wir leider auch immer wieder Plastikmüll vorbeischwimmen, auch einiges an Treibholz ist unterwegs. Meist nur Zweige oder Äste, ab und zu aber auch Baumstämme. Manchmal können wir ausweichen, immer klappt es leider nicht. Einmal rumst es am Bug, als wir über Bord schauen sehen wir ein großes Stück Treibholz und eine ebenfalls ziemlich große Seeschildkröte rechts und links vom Heck auftauchen. Weder die Flora noch der Schildkröte scheint aber Schaden genommen zu haben.
Und es gibt noch ein paar weitere tierische Begegnungen: in einiger Entfernung springt dreimal ein Schwertfisch, deutlich näher kommen uns Delfine, die ebenfalls Sprünge vollführen. Wahrscheinlich sind es die ziemlich aktiven Schlankdelfine, obwohl wir die meist typischen Sprenkelungen mit Punkten nicht entdecken.
In die Nacht hinein dümpeln wir noch mit etwa 3 Knoten, aber um 22.00 muss dann doch der Motor ran, erst am Morgen um 7.00 können wir wieder segeln. 3 bis 4 Knoten Geschwindigkeit, immerhin. Jetzt segeln wir wieder in Sichtweite zu der Ultimate.
Das Wetter ist weiterhin sonnig mit wenigen Wolken, es ist ziemlich heiß, bisher ist noch nichts vom kalten Humboldt-Strom zu spüren. Der wenige Wind bringt ebenfalls kaum Abkühlung und ist so unstet in der Richtung, dass wir derzeit das Groß weggenommen haben und nur mit ausgebaumtem Gennaker unterwegs sind. Nicht gerade die klassische Besegelung, aber es knallt weniger und durch das Ausbaumen fällt das Segel nicht dauern völlig in sich zusammen. Die vier Knoten kommen trotzdem nur mit weiterhin freundlicher Unterstützung der mitsetzenden Strömung zustande.
Alles gut an Bord und der angesetzte Brotteig geht bei dieser Hitze schön schnell auf.
Etmal 113 sm,440 sm noch bis Galapagos. Irgendwann heute Abend müsste Bergfest sein 😉

Dieser Blogbeitrag wird über Iridium übermittelt, Bilder werden nachgereicht. Auf Kommentare (die zu lesen immer eine große Freude ist) können wir erst reagieren, wenn wir wieder Telefonempfang haben, also auf den Galapagos-Inseln.

2. Tag Passage Panama Galapagos

Meteorolügen. Ab Mittag flappen und schlagen die Segel, nix mit echtem Segelwind. Um bis Galapagos 6 Tage durchzumotoren ist es uns aber zu weit, also dümpeln wir mit zwischen 2 und (selten) 4 Knoten dahin,und auch das nur wegen des noch mitsetzenden Stroms. Wir versuchen das Knarzen im Baum und Klocken der Blöcke zu ignorieren, aber so ganz gelingt das nicht.
Für Abwechslung und Freude sorgen die Besucher. Wieder Delfine, außerdem mehrere braune Boobies (Tölpel). Elegant und fast ohne Flügelschlag drehen sie ihre Runden um die Flora, einige versuchen sogar zu landen. Zwei der Anhalter nehmen wir ein ganzes Stück mit, einen sogar noch die halbe Nacht auf der Nock des Spinnakerbaumes. Die damit ausgebaumte flappende Fock macht seinen Balanceakt zu einer andauernden Gleichgewichtsübung, aber er nimmt es mit Gelassenheit.
In der Nacht motoren wir 4 Stunden lang, morgens dann ab 5 Uhr wieder gaaaanz langsames Segeln, ab 8.15 Motorsegeln.
Immerhin, die Sonne scheint und der Ozean ist so ruhig, dass wir beim Motorsegeln die Hängematte auf dem Vorschiff nutzen können.
Etmal: 105 sm, Gesamtstrecke seit den Las Perlas (bei 8 Motorstunden) 297 sm, verbleibende Entfernung bis zum Ziel auf San Christobal in den Galapagos noch etwa 570 sm

Passage Panama nach Galapagos 1.Tag

Um 10.00 Uhr gehen wir gemeinsam mit der Ultimate Anker auf. Knapp 1.000 Seemeilen liegen vor uns. Da ist es schön, ein Buddyboat in der Nähe zu wissen. Gleichwohl, schon nach einem halben Tag verlieren wir uns aus den Augen, ein kleiner Geschwindigkeitsunterschied und eine etwas anders gewählte Route reichen da schon aus. Immerhin sind wir aber noch in Funkkontakt.
Solange wir noch zwischen den Las Perlas Inseln oder zumindest in deren Nähe sind, bekommen wir windmäßig ein bisschen von allem. Mit kräftigem Wind geht es los, aber schon kurz darauf flaut es ab, wir wechseln von der Fock auf den Gennaker. Dümpeln zwischendurch mit kaum 2 kn Fahrt über Grund, da würden wir normalerweise schon den Motor starten. Diesmal aber nicht, mit dem Diesel sollten wir haushalten. Die Strecke zu den Galapagos ist berüchtigt für ihre Windarmut. So sind wir schon froh, dass zumindest für die ersten paar Tage segelbarer Wind vorhergesagt ist. Das heißt aber im Umkehrschluss, dass wir wohl zumindest auf der zweiten Hälte der Strecke ausgiebig motoren müssen.
Heute aber kommt der Wind schnell zurück, wird sogar stärker. Wir nehmen den Gennaker weg, riggen den Ausbaumer für die Fock. Eine Zeitlang segeln wir nur unter Groß, dann können wir den Kurs anpassen und fast platt vor dem Laken (mit Wind von achtern) die Fock ausrollen, also Schmetterling segeln.
Unseren erster Wegepunkt legen wir auf das Südende des Verkehrstrennungsgebietes. Der kürzeste Weg zu den Galapagos würde diese „Autobahn für Schiffe“ mit getrennten Fahrbahnen und Mittelstreifen mehrfach schneiden, aber anders als bei echten Autobahnen gibt es natürlich keine Brücken oder Tunnel. Und so müsste man sich halt zwischen den vielen Frachtschiffen, die hier von und zum Panamakanal rauschen, eine Lücke suchen und hinübersprinten. Das ist hier genausowenig zu empfehlen wie auf echten Autobahnen. Es ist schon spannend genug zu sehen, wie sich die großen Dampfer einer nach dem anderen in das Verkehrstrennungsgebiet einfädeln und dabei mit ihren AIS-Vorauslinien immer wieder unsere kreuzen. Außerdem hat unser kleiner Umweg den Vorteil, dass wir (nach der Vorhersage) etwas länger guten Wind und mitsetzende Strömung haben.
Zur Abenddämmerung haben wir den zweiten längeren Delfinbesuch des Tages. Waren es zuvor die gefleckten Schlankdelfine, spielen dieses Mal große Tümmler ausgiebig an Floras Bug. Diese Begleitung freut uns immer sehr.
Zur Nacht gehen wir mit dem Groß ins zweite Reff, die Fock bleibt auf der anderen Seite ausgebaumt.
Die Strömung schiebt kräftig mit, so schaffen wir an diesem ersten Tag unserer Passage ein tolles Etmal von 183 sm.

Las Perlas, die Perleninseln

Für den Absprung zu den Galapagos bieten sich die Perlas an, denn auf der Pazifikseite bildet die Küste von Panama vor Panama Stadt eine große (etwa 100 sm) fast halbkreisförmigere Bucht, in deren Mitte eben die Perleninseln liegen.

Ihren Namen bekamen sie von den spanischen Eroberern, denn die Ureinwohner der Inseln trieben Handel mit ertauchten Muschelperlen. Nicht mehr sehr lange allerdings, denn bereits 1515, nur zwei Jahre nach ihrer Entdeckung, raubten die Spanier die Inselgruppe aus und ermordeten oder verschleppten die Bevölkerung. Erst drei Jahre später kam ein Teil zurück auf die Inseln um – nunmehr versklavt- wieder nach Perlen zu tauchen.

Der heutige Reichtum der Inseln liegt eher in den unzähligen Sandstränden. Etwa 200 Inseln weist die Inselgruppe auf (je nachdem, wie viele der vorgelagerten Felsen als eigene Insel gezählt werden lesen wir von 183 bis 238). Die allermeisten sind noch immer unbewohnt, aber in den letzten Jahrzehnten hat den Archipel mehr und mehr erschlossen. Obwohl im Bauhaus noch nicht vermerkt, gibt es inzwischen sogar eine Marina (auf der Isla Pedro Gonzales), mindestens zwei weitere sind in Planung, beide in Verbindung mit Luxusressorts.

Die meisten Sandstrände verändern ihr Erscheinungsbild mehrfach täglich, verschwinden fast ganz, tauchen wieder auf. So auch auf Contadora, unserem ersten Ankerstop in den Perlas. Der Tidenhub von rund vier Metern lässt uns vor einem wunderbar breiten Strand ankern, von dem einige Stunden später fast nichts mehr zu sehen ist.

Contadora ist ist eine der besterschlossenen Inseln der Gruppe, weist einen Flugplatz und Fährverbindungen auf. Wir sehen nur gepflegte Villen und Ressorts, der Luxus ist greifbar, wohl auch durch die relative Nähe zu Panama Stadt. Interessant ist, dass hier wie auch auf einigen anderen Inseln derzeit viele Bäume kahl wirken. Am Winter kann es so nah am Äquator kaum liegen, eher schon an der sich jetzt langsam dem Ende nähernden Trockenzeit (Mitte Dezember bis Mitte April).

Unser nächster Ankerplatz zwischen der Isla Chapera und der Isla Mogo Mogo wirkt ganz anders. Zwar haben wir auch hier (bei Ebbe) breite Sandstrände, zwischen denen felsige Abschnitte für Unterteilungen sorgen, aber außer einem Gebäude der Aeronaval in der nächsten Bucht ist vom Boot aus und selbst mit der Drohne keine weitere Bebauung sichtbar.

In den Perlas haben wir uns mit der Crew der Ultimate verabredet. Susan und Holger hatten wir in den San Blas kennengelernt. Sie wollen mit ihrer Hallberg-Rassy 45 ebenfalls nach Galapagos, da bietet sich das Buddyboating natürlich an.

Passt perfekt, dass wir auf der Fahrt zu unserem nächsten (und letzten) Ankerplatz in den Perlas einen schönen Bigeye Jack (Großaugen-Stachelmakrele) fangen, die reicht heute Abend für uns vier.

Auch wenn der Himmel an unserem letzten Tag in Panama ein bisschen dunstig ist, die Ankerbucht im Osten von Pedro Gonzales macht uns den Aufbruch nicht eben leicht.

Ebbe
Flut

In den Las Perlas und überhaupt an der Pazifikküste Panamas könnten wir noch so vieles entdecken. Andererseits freuen wir uns auf die Galapagosinseln und auch auf die Passage dahin. Etwa eine Woche sollte die Fahrt dauern, zumindest für die erste Hälfte verspricht der Wetterbericht sogar segelbaren Wind. Das ist keine Selbstverständlichkeit für diese Strecke, also gilt es, dieses Wetterfenster zu nutzen.

Ab morgen werden wir dann also erst einmal nur über Iridium-Satellit erreichbar sein, drückt uns die Daumen für eine gute Passage.