Heilbutt und Bär

So wie der letzte Blogpost aufgehört hat, so beginnt der heutige: tierisch.

In der Blue Mouse Cove lassen wir auf dem Rückweg von den Gletschern den Anker fallen, bringen den Krebskorb aus und versuchen uns ausnahmsweise mal im Jig-Fischen. Nachdem wir inzwischen gelernt haben, dass das einfache Hinterherziehen des Köders (Trolling) wie wir es bisher stets gemacht haben erstens für Lachs und Heilbutt viel zu schnell ist (empfohlen werden maximal 3 kn) und zweitens im falschen Stockwerk stattfindet. Die Köder sollen hier nämlich für diese Fische auf Tiefe gezogen werden. Mit an einer Extraleine befestigten großen Bleigewichten (segenannten Kanonenkugeln) wird die Angelschnur mit dem Köder während der langsamen Fahrt tief gehalten. An der Kanonenkugel ist eine Vorrichtung befestigt, die die Angelschnur im Fall eines Bisses freigibt. Aha, so ginge dass. Aber dieses Equipment haben wir nunmal nicht und so langsam wollen wir auch nicht unterwegs sein. Die Alternative ist das Jig-Fischen vor Anker. Dabei wird (so wurde uns Blauwasser-Schleppangler
n erklärt) der Köder bis auf den Grund herunter gelassen, dann wird etwas Leine wieder eingeholt. Und jetzt: auf- und abwippen mit der Angelrute, so dass der Köder immer 2 m nach oben gezogen wird und dann wieder absinkt. Wir probieren es in der Blue Mouse Cove das erste Mal aus. Anfängerglück: nach kaum 2 Minuten haben wir einen Heilbutt am Haken. Nicht besonders groß (die werden riesig!), aber perfekte Pfannengröße für uns beide. Wir probieren es noch etwas länger, aber fangen nur einen Rockfish, den wir wieder freilassen. Reicht ja auch so.

Das bleibt aber nicht die einzige tierische Begegnung in der Blue Mouse Cove. Heute morgen, als ich gerade mit dem Dinghy den (leeren) Krebskorb einholen will, sehen wir am Strand einen Bär. Unverkennbar ein Grizzly, wie der Buckel an den Schulterblättern und der spitze Kopf verraten. Groß ist er, aber nicht sehr bullig, zumindest jetzt noch nicht. Vielleicht frisst er sich ja zum Herbst hin noch etwas Speck an. Seelenruhig spaziert er jetzt bei Niedrigwasser in der Tidenzone herum, dreht systematisch jeden größeren Stein um und schaut, ob sich darunter etwas Fressbares findet. Dann geht er das Bachbett hinauf zum Waldrand, am Saum des Waldes entlang findet er offenbar Beeren. Das Klicken der Kamera und selbst das Geräusch des Außenborders scheint ihn nicht zu stören, nachdem ich ihn überholt habe (wasserseitig, und da bleibe ich natürlich auch) geht er gemächlich am Waldrand entlang weiter auf mich zu.

Wir freuen uns, dass es heute auf unserer kurzen Fahrt hinüber in die Shag Cove im Geikie Inlet trocken bleibt, Nebel und Wolken mit ihren Bänken in unterschiedlichen Höhen nur fantastische Bilder in die Berglandschaft malen. Kaspar David Friedrich hätte seine Freude.
Die Shag Cove ist ein nur etwa 2 sm langer Fjord, der vielleicht mehr noch als die anderen Inlets und Buchten dem Idealbild eines Fjordes entspricht. An beiden Seiten ragen die Bergwände steil in die Höhe. Zwar reicht heute kein Gletscher mehr an den Scheitel der Bucht heran, die fast senkrechte Felswand an der Ostseite zeigt aber noch immer den von den füheren Eismassen blank polierten Grannit. Dort und auch auf der gegenüber liegenden waldigeren Westseite rauschen zahlreiche Wasserfälle ins Tal. Wie so oft haben wir auch diesmal die Ankerbucht ganz für uns. Der Fjord ist überwiegend tief bis fast ans Ufer. Der Anker fällt bei über 20 m Wassertiefe, um hier am Ende des Tales noch genügend Schwingraum beim Wechsel der Tide zu habe.
Kaum ist der Anker eingefahren zeigt sich der tägliche Weißkopfseeadler am Ufer und dann fängt es an zu regnen. Passt doch. Heizung an, unter Deck einkuscheln und die vielen Bilder im Kopf und auf dem iPad sortieren. 😉

Beitrag per Iridium-Satellit übermittelt, die Fotos werden also nachgereicht.

Ozeansegeln im Hochgebirge

Wir haben in Sitka andere Cruiser getroffen, die wegen des Aufwands um die Genehmigung für die Glacier Bay abgewinkt hatten: „Freunde von uns waren da, hatten aber die ganze Woche schlechtes Wetter und konnten überhaupt nichts sehen. Die Bürokratie mit der Genehmigung tun wir uns nicht an.“ Aber wir sagen uns: „Wenn wir nicht hinfahren, können wir ganz sicher nichts sehen.“
Als wir dann am Tag nach dem (obligatorischen) Einchecken aus der Bartlett Cove auslaufen, sehen wir … .. so gut wie nichts. Schemenhaft sind die Ufer zu erkennen, das Radar läuft.
Aber kaum zwei Meilen weiter kommt Wind auf, bläst den Nebel zur Seite und wir können eine dreiviertel Stunde lang segeln. Das sind um und bei 45 Minuten mehr, als wir nach der Wettervorhersage nur zu hoffen gewagt hätten.
Und nicht nur das. Jetzt, wo wir etwas weiter blicken können, sehen wir auch Wale. Erst ein paar mal einen Blas, dann die Rücken der Buckelwale, Fluken. In einiger Entfernung zwar, aber immerhin. Ein Wal springt sogar. Der Wind verlässt uns zwar wieder, aber die Wale bleiben uns treu. Den ganzen Tag über können wir immer mal wieder Buckelwale beobachten.
Bei der Beantragung der Genehmigung für die Glacier Bay muss man unter anderem einen „Float Plan“ angeben, also die Ankerplätze, die man an den einzelnen Tagen anzulaufen gedenkt. Daran muss man sich aber nicht sklavisch halten, manche der Ankerplätze können sich wetterbedingt z.B. wegen Eisgangs auch als ungeeignet erweisen. Wir hatten (nach Bartlett Cove) für die zweite Nacht die Blue Mouse Cove angegeben. Als wir sie erreichen, ziehen gerade ein paar Buckelwale in die Bucht, das wäre natürlich verlockend. Andererseits bekommen wir gerade noch ein viel größeres Geschenk: die Wolkendecke reißt teilweise auf und wir können vor uns im Norden die hohen, schneebedeckten Gipfel einiger der umliegenden Berggiganten der Mount Fairweather Range erkennen (Danke, dass Du Deinem Namen Ehre machst). Wir schmeißen den Törnplan um und fahren weiter.
Wir stehen auf dem Vorschiff, bestaunen das hochalpine Bergpanorama, bekommen das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht. Die Adjektive gehen uns aus, wir wiederholen uns in unseren Begeisterungsausbrüchen.
Die nächste sinnvolle Ankerbucht wäre das Reid Inlet, aber auch daran fahren wir erst einmal vorbei. Denn nur 4 sm hinter dem Reid Inlet lockt bei der jetzt guten Sicht der Lamplugh Glacier, einer der nur noch wenigen Gletscher, die bis direkt ans Wasser reichen. Das bedeutet natürlich auch, dass sie direkt in die Bucht auch kalben, Eisberge und kleinere Growler brechen von ihnen ab. Als wir uns nähern, hält sich das treibende Eis allerdings zum Glück in Grenzen. Der Großteil davon scheint zudem von den weiter innen im Johns Hopkins Inlet gelegenden anderen Gletschern (vor allem dem Johns Hopkins Glacier und dem Hoonah Glacier) zu stammen. Also nähern wir uns vorsichtig an, bleiben sicherheitshalber aber eine halbe Meile von der imposanten Gletscherzunge entfernt. Nach einiger Zeit trauen wir uns sogar, mit dem Dinghy Fotos von der Flora vor der Gletscherwand zu machen (Drohnen sind im Nationalpark leider nicht erlaubt). Die Gelegenheit nutzen wir gleich dazu, frisch
es Gletschereis für unseren Abenddrink einzusammeln. Zurück im Reid Inlet gibt es zum frischgebackenen Baguette Camenbert mit Rosmarin-Kirsch-Gelee und Pastis mit frischem Gletschereis, eine nur leicht verspätete Reminiszenz zu unserem gerade gefeierten Hochzeitstag bzw. der Hochzeitsreise, die vor 23 Jahren per Motorrad in die Provence führte.

Auch das Reid Inlet bietet eine beeindruckende Gletscherzunge in seinem Scheitel, aber der Reid Glacier reicht eben nicht mehr ganz an die Hochwassergrenze heran. Mehrere Gletscherbäche und -Flüsse transportieren das Schmelzwasser in die Bucht. Wir ankern hinter einer kleinen Landzunge auf 18 m Tiefe (plus 4 m Tiedenhub). Mit dem Dinghy fahren wir rund eine Meile zum Ufer im Scheitel, bei ablaufendem Wasser ziehen wir Florecita auf den Schlick und erkunden die Zone zwischen Ufer und Gletscher. Gut, dass wir die Alaska-Einheitsfußbekleidung tragen, Gummistiefel sind hier schlicht Pflicht. Wir rutschen durch den Matsch und sauen auch unser Ölzeug ziemlich ein (das lässt sich aber zum Glück hinterher gut abspülen). Trotzdem sind wir froh, diesen kleinen Ausflug gewagt zu haben. Bestimmt noch einmal ein halber Kilometer liegt jetzt zwischen Ufer und Gletscher, ein Teil glitschige Tidenzone, der andere loses Geröll. Und mit jedem Schritt wächst die vorher gar nicht so rie
sig erscheinende Gletscherzunge in die Höhe. Die steilen, baumlosen Hänge an seinen Seiten bieten einfach keine Größenreferenz, erst aus der Nähe wird die Dimension der Eismassen begreifbar.
Die Bäume sind auf dem Weg von der mit nordischem Regenwald gesäumten Bartlett Cove hier her ganz langsam nach und nach kleiner geworden und dann ganz verschwunden. Wer hätte gedacht, dass wir mit der Flora einmal mitten ins hochalpine Gebirge fahren? Aber so ist es. Als würde sich ein Fjordsystem von der ligurischen See bis zum Fuß des Mont Blanc winden. Wir fahren durch milchig grünes Gletscherwasser.

Als wir heute aufwachen, hören wir nichts. Abgesehen von dem Lärm der Wasserfälle – oder sind es nur Gebirgsbäche? An beiden Seiten des Reid Inlets steigen die Berge im 45 Grad Winkel in die Höhe, unzählige Bäche stürzen sich da herunter. Immer mal wieder auch im freien Fall. Sagen wir einfach Kaskaden. Jedenfalls rauscht es ordentlich. Aber was wir eben nicht hören, sind Regentropfen auf Floras Deck. Also schnell hoch, tatsächlich, die Sicht ist wieder gut. Dann mal los zum Tarr Inlet. An dessen Scheitel grüßt der Grand Pacific Glacier, der sich weithin sichtbar wie eine weiß-graue Autobahn durch die Berge schlängelt. Seine Gletscherzunge ist aber wegen des vorgelagerten Eises kaum zu erreichen. Anders der Margerie Glacier, der seine blau leuchtende Gletscherzunge seitlich in den Scheitel des Tarr Inlets drückt. Er steht ikonisch für die Gletscher der Glacier Bay und wird regelmäßig von jedem der Kreuzfahrtschiffen angelaufen, die in dieses Gebiet fahren drfen. Aber mit unserem Ankerplatz haben wir so viel Vorsprung, dass ein Cruiseliner erst um die Ecke biegt, als wir das Tarr Inlet gerade wieder verlassen.
So haben wir auch den Margerie Glacier – wie gestern den Lamplugh – ganz für uns allein. Können, nachdem wir das hier in größerem Umfang treibende Eis im Slalom umschifft haben, in aller „Ruhe“ die 70 m hohe Abbruchkante an der Gletscherzunge bewundern. Mit gebührendem Abstand, versteht sich, denn der Gletscher gibt immer mal wieder ein Geräusch von sich, dass wie ein Kanonenschuss klingt. Das Eis bricht während unserer Anwesenheit aber nur im Inneren des Gletschers, größere Eisstürze bleiben zum Glück aus. Sie sollen zwar spektakulär aussehen, können aber auch kräftige Flutwellen auslösen.
Beim Herausschlängeln aus dem Inlet um die kleineren und größeren treibenden Eisstücke bewundern wir die Eis-Skulpturen, in die sich die Eisstücke im Laufe der Zeit verwandeln. Waren es auf den größeren Seestrecken die Wolken-Tiere, können wir jetzt hier Eis-Tiere zusammenphantasieren, die sich im Vorbeifahren schon wieder ganz anders präsentieren oder gar auflösen.

Und auch echte, lebende Tiere zeigen sich zahlreich. Wieder Buckelwale, dazu einmal auch kleine Schweinswale, zudem mehrfach große Gruppen von Seeottern. Da darf natürlich auch der tägliche Weißkopf-Seeadler nicht fehlen. Absolut passend gibt es ihn heute … .. auf Eis.

🙂

Mite Cove, Seeotter und über die Icy Strait auf zur Glacier Bay

Die Mite Cove ist unser nächster Ankerplatz. Fast schon am Ausgang des Lisianski Inlets gelegen, wird er durch eine vorgelagerte kleine Insel geschützt und bietet uns zudem noch zwei schöne Überraschungen.

Wir teilen die Bucht nur mit einem kleinen traditionellen Fischerboot. Wie wir auch hat es einen Krebskorb ausgebracht. Ob sie mehr Erfolg haben wissen wir nicht, unserer ist jedenfalls weiterhin beim Aufholen leer. Trotzdem bleibt uns der Ankerplatz in dem fast schwarzen, durch gleich mehrere Waldboodenzuflüsse moorartig wirkenden Wasser in sehr guter Erinnerung. Die Anfahrt ist zwar so neblig, dass wir auf der einfachen Fahrt den Fjord hinunter ausgiebig verschiedene Einstellungen des Radars testen und ausprobieren können. Aber in der Bucht kommt kurz die Sonne heraus und der Himmel versöhnt uns sogar mit einem wunderschönen Regenbogen.

Vor allem aber besucht uns in der Mite Cove ein Seeotter (oder wir besuchen ihn und er zeigt sich gastfreundlich aufgeschlossen). Die Pelze der Seeotter waren einer der wesentlichen Gründe, warum Russland überhaupt erstmals Expeditionen nach Alaska unternahm, Handelsniederlassungen und Orte gründete und Alaska seinem Reich hinzufügte. Für die Tiere aber mit fatalen Auswirkungen. Als Alaska 1876 an Amerika verkauft wurde, war der Seeotter fast komplett ausgerottet. Einer der Gründe, warum das Land von Russland nicht mehr als wertvoll betrachtet wurde.

Seeotter werden bis zu 1,5 m lang (davon nur 30 cm Schwanz) und bis zu zu 40 kg schwer. Das Außergewöhnliche an ihnen ist nicht nur ihr besonders dichtes und weiches Fell (das die Pelzjäger auf den Plan rief) , sondern vor allem ihre Intelligenz. Die Tiere mit dem putzigen Schnauzbart benutzen sogar Werkzeuge. So klemmen sie mit den Bauchmuskeln einen Stein fest, auf dem sie dann rückenschwimmend Muscheln und erbeutete Krebse aufklopfen. Das können wir heute auch direkt an der Flora beobachten.

Heute gehen wir dann in der Mite Cove schon vor sechs Uhr Anker auf, die Tide für unsere Passage an der Engstelle bei den Inian Islands vorbei über die Icy Strait in die Glacier Bay will beachtet sein. Unser Zeitplan passt, mit zeitweise über 5 kn Strömung werden wir unserem Ziel entgegen geschoben.

Die Glacier Bay. Gleich 23 Gletscher münden in dieses verzweigte System aus Buchten und Inlets. Als Captain George Vancouver (der zuvor auf zwei von Cooks Weltumsegelungen dabei war) in den 1790er Jahren die Westküste Nordamerikas kartografierte, war die gesamte Glacier Bay noch bis in die Icy Strait hinein vereist, die meisten Gletscher sind seitdem aber kontinuierlich zurückgegangen.

Die gesamte Glacier Bay (und ein Gebiet noch etwas darüber hinaus) ist Nationalpark, insgesamt über 13.000 Quadratkilometer. Bis zu 60 sm weit ziehen sich die einzelnen Wasserarme in die mit Schnee und Eis bedeckten Gebirge hinein, die an der Glacier Bay bis über 4.000 m hoch aufragen (Mount Fairweather 4.669 m) ist Für das Befahren mit dem Boot ist in den Sommermonaten eine vorab einzuholende Genehmigung erforderlich. Nur 25 Boote gleichzeitig dürfen sich mit einer solchen Genehmigung in der Glacier Bay aufhalten, maximal eine Woche lang. Praktisch fahren also im Schnitt pro Tag drei bis vier Boote in die Glacier Bay bzw. raus. Zusätzlich täglich zwei Kreuzfahrtschiffe.

Wir haben unsere (kostenlose) Genehmigung bereits von Hawaii aus online beantragt, das geht frühestens 60 Tage vor dem Termin. So wird eine Hälfte der Slots vergeben. Die zweite Hälfte wird kurzfristig zwei Tage vorher zugeteilt. Für unseren ersten Ausweichtermin haben wir dann die Genehmigung erhalten: Eintritt 25.7.2022. Zuvor muss man versichern, mehrere Info-Videos angesehen zu haben, den Eintrittstermin zwei Tage vorher noch einmal bestätigen, sich per Funk anmelden und dann in der Ranger-Station einchecken, wo man noch einmal auf die diversen Beschränkungen hingewiesen wird, die innerhalb des Parks gelten.

Und da sind wir jetzt und sehr gespannt, was uns hier erwartet. Eins ist schon mal klar: die Natur ist der Hauptdarsteller (jedenfalls sobald sich der Theatervorhang aus Nebel lichtet, ansonsten ist es der Radarbildschirm 😉).

Pelican, Alaska

Von der wunderschönen Wasserfall-Bucht Porcupine lösen wir uns im zweiten Versuch dann doch. Die Seegangsverhältnisse draußen sind jetzt deutlich besser, die Sicht ist es nicht. Wir fahren durch die tiefhängende Wolke.

Nachdem wir uns durch das Labyrinth der Felsen hinein getastet haben, führt das in dem jetzt völlig glatten Wasser der Lisianski Strait zu einer regelrecht mystischen Stimmung.

Nach fast 10 sm, kurz bevor die Lisianski Strait auf den Lisianski Inlet trifft, gibt es “irgendwo im nirgendwo” einen massiven Schwimmsteg, an dem wir die Flora festmachen.

An Land gibt es eine Schutzhütte, Bohemia Shelter. An drei Seiten geschlossen, zum Wasser hin kann eine Plane als Regenschutz heruntergelassen werden. Drinnen Pritschen aus Holz, ein Ofen und Brennholz, natürlich auch eine Axt zum Spalten.

Von der Hütte aus soll es einen Trail in den Wald geben.

Wir suchen erst vergebens, finden dann aber doch einen Trampelpfad, der die Wahl der Gummistiefel als Schuhwerk mal wieder bestätigt. Bärenspray am Gürtel natürlich auch dabei.

Was die Marschverpflegung angeht, machen sich Himbeeren und Lachsbeeren diesmal rar, dafür finden wir aber Mengen von Blaubeeren. Pilze auch (auch größere als diese niedlich kleinen), aber die lassen wir stehen, damit kennen wir uns schlicht nicht genügend aus. Aber echte Pilzsammler hätten hier sicher ihre Freude.

Der Pfad endet an einem Fluss, jedenfalls für uns. Die Regenfälle machen ein Durchwaten derzeit nicht möglich, mindestens mal heute ist hier Feierabend. Wir wandern zurück zur Flora und motoren das letzte Stück durch den Fjord bis nach Pelican. Schneefelder finden sich links und rechts auf den hohen Bergen, Wasserfälle rauschen herunter. Dann taucht eine Stadt am Ostufer auf: Pelican.

Da wollen wir hin. “Stadt” ist zwar zutreffend, seit 1974 ist Pelican Alaskas kleinste “first class city”, aber bei nur 60 festen Einwohnern doch irgendwie auch etwas irreführend.

Es gibt eine “Hauptstraße”, den Boardwalk über dem Ufer des Fjords. Auf Stelzen gebaut und aus Holzbohlen. Die meisten Holzhäuser reihen sich bergseitig daran, einige Stelzenhäuser auch fjordseitig.

Eine Anbindung an ein Straßennetz gibt es nicht, aber das ist hier keine Besonderheit. Auch Sitka und selbst die Hauptstadt Alaskas, das 15.000-Einwohner-Städtchen Juneau, sind schließlich nicht an ein Straßennetz angebunden. Außer natürlich über den “maritime highway”, aka das Fährschiff. Die größte Stadt Alaskas, das weiter nördlich gelegene Anchorage, ist dagegen über das kanadische Straßennetz mit dem Auto erreichbar.

Der Boardwalk endet im “Stadtteil Tidal Flats”. Ziemlich deskriptiver Name.

Zurück zum Hafen.

Bleibt noch die Frage, wie der Ort zu seinem für Alaska ja doch eher ungewöhnlichen Namen gekommen ist. So ein Vogel bemoost hier ja doch recht schnell. Der Fischer Kalle “Charlie” Kaatainen (ob der wohl Finnischer Abstammung war?) gründete ihn 1938 und benannte ihn nach seinem Boot. 😁

Bildernachtrag Ankerkerplätze Magoun Bay, Kalinin Bay und Pocupine Bay und White Sulphur Hot Springs

Telefonempfang haben wir immer noch nicht, aber die örtliche Bibliothek in Pelican hat WLAN. Hier also die Bilder zu den drei vorherigen Ankerplätzen. Und was für herrliche Ankerplätze!

Magoun Bay:

Von da aus ging’s weiter in die Kalinin Bay.

Aber es gibt dort nicht allzu viel zu sehen für uns 😉

Erst auf der Weiterfahrt zur Porcupine Bay klart es auf. Erst nur über der See, dann wird es auch auch zum Land hin heller und Dall-Schweinswale zeigen sich.

Mit dem Dinghy anderthalb Meilen zurück zum einzigen Haus auf der ganzen 35 sm Strecke, dem Badehaus der White Sulphur Hot Springs. vom Ölzeug in den Bikini 😎

Wer sagt, das Wasser in Alaska sei zu kalt zum Baden?

😊

Porcupine Bay II

Gar nicht so lange nachdem wir von unserem Wellness-Ausflug zum Badehaus zurück auf der Flora sind verschlechtert sich das Wetter wieder. Es fängt an zu regnen, auch die Nacht durch und so bleibt es auch heute den ganzen Tag. Wir schlafen lange. Und nachdem wir gefrühstückt und den Krebskorb eingeholt haben (wieder leer :-() machen wir uns auf den Weg in Richtung Lisanski Strait. Das ist eine etwa eine halbe Meile breite und 10 sm lange fast kanalartige Verbindung, die mit dem Lisanski Inlet zusammen Yakobi Island von Chichagof Island abtrennt und uns eine geschützte Passage ermöglichen würde. Allerdings: Heute nicht. Nach nur zweieinhalb Meilen hinaus drehen wir wieder um in unsere kuschelige Porcupine Bay. Draußen erweist es nämlich als ziemlich ruppig, die 20 kn Wind und der Schwell sorgen für ordentliches Spritzspektakel an den zahlreichen vorgelagerten Felsen. Recht viele der Felsen finden sich auch im Eingang zur Lisanski Strait, das diesige Wetter und der Reg
en mit schlechter Sicht verbessern unsere Einfahrtbedingungen dort nicht eben. Dann lieber zurück an unseren erprobten Ankerplatz, der auch bei diesen Bedingungen still wie ein Waldsee daliegt.
Hatten wir die Porcupine Bay gestern für uns allein, kommen heute am Nachmittag drei Fischer in den Schutz dieses Naturhafens. Wir nehmen das als Bestätigung für unsere Entscheidung.
Außerdem gibt uns der Ruhetag Gelegenheit für Bootsarbeiten. Die Absaugpumpe der vorderen Dusche hat unvermittelt den Dienst eingestellt. Wir können sie hören, aber sie pumpt das Wasser nicht ab. Montiert ist sie im Fach unter dem Waschmaschinenschrank. Nachdem unsere Tauchsachen dort herausgeräumt sind, kann man sie wunderbar sehen. Erreichen leider nicht ganz so gut, ich bekomme meinen Brustkorb nur gerade so eben durch die Öffnung gezwängt. Nachdem die Pumpe losgeschraubt ist, verbinde ich die Schläuche zunächst mit der direkt daneben montierten Pumpe der Deckswaschanlage. Damit klappt das Abpumpen des Duschwassers sofort. Also nehme ich die Duschpumpe auseinander. Es ist eine eigentlich sehr robuste Diaphragma-Pumpe. Saubermachen, Durchgänge durchblasen, elektrische Funktion testen. Scheint alles in Ordnung. Ich baue sie wieder ein und siehe da, sie tut es wieder. Wollte wohl nur ein paar Streicheleinheiten.
Von dem Erfolgserlebnis beflügelt gehe ich gleich auch den zerschossenen Watermaker an. Ein neues Filtergehäuse für den Mineralisierer und einen Y-Verteiler für die Flaschenabfüllung hatte ich schon in Sitka besorgt. Die Anschlüsse für letzteren passen nicht ganz, lassen sich aber passend machen 😉
Die Druckanzeige funktioniert, der mechanische Durchflussmesser ist kaputt. Aber den kann ich durch alternatives Verlegen der Leitungen umgehen und siehe da: funktioniert. Hurra! Außerdem: Kekse backen im Novemberwetter. Macadamia-Weiße Schokolade-Cookies. 🙂

Per Satellit übermittelt, also ohne Bilder.

Love Alaska

Dieser Beitrag ist per Satellitentelefon eingestellt, insofern müssen wir die Bilder nachreichen, bis dahin lasst Eure Phantasie spielen.

Wir starten bei Mist(y) Wetter. Die Wolken hängen wieder so tief, dass wir durch den Fisselregen durchfahren. AAAber: kaum sind wir draußen auf dem Ozean, klart es auf. Hinter uns über Land dicke Suppe, an Steuerbord über der Küste noch Wolkenfelder in den Bergen, aber wir motoren durch den Sonnenschein. Zweimal zeigen Buckelwale ihre Rücken, ein paarmal sehen wir einen Blas. Ein kurzes Stück begleiten uns sogar schwarz-weiße Dall-Schweinswale. Wind ist keiner, aber das war auch so vorhergesagt. Trotzdem fahren wir 35 sm nach Norden. Etwa 60 km entlang der Küste, kein einziger Ort, nicht einmal ein Haus. Bis auf eins, direkt vorm Ziel. Dem statten wir nachher noch einen Besuch ab.
Estmal tasten wir uns zwischen den vorgelagerten Unterwasserfelsen durch, an einer kleinen Insel im Eingang vorbei und hinein in die Porcupine Bay. Alaska zum Reinverlieben. Die fast kreisrunde Bucht haben wir für uns allein (wenn man die immer mal wieder neugierig auftauchenden Seeotter nicht zählt). Wir ankern direkt vor einem Wasserfall. Nur etwa drei Meter hoch aber fast 10 m breit, sein Rauschen und ein paar Vogelschreie bilden die einzige Klangkulisse in dieser Idylle. Das Meeresrauschen von draußen dringt nicht bis hier her vor, der Kelp auf den vorgelagerten Felsen mildert die Brandung.
Wieder setzen wir hoffnungsvoll den Krebskorb (gestern war nichts drin), dann packen wir unsere Sachen und mit dem Dinghy geht es anderthalb Seemeilen zurück und in die nächste Bucht. Zu dem einzigen Haus eben. Denn das ist etwas ganz besonderes. Die kleine rotbraune Holzhütte direkt am Ufer beinhaltet nämlich eine heiße Quelle. Die „White Sulfur Hot Springs“ liegen hier und der namensgebende Schwefel ist zwar zu riechen, aber dankenswerterweise sehr dezent.
Das Dinghy anzulanden ist tricky, einen Steg oder Strand gibt es nicht. Wir sind froh über den Aluboden unseres Highfield-Ribs, so können wir Florecita auf den großen Steinen ein Stück hochziehen und dort festbinden. Bei dem auflaufenden Wasser der Flut gehe ich zwischendurch noch einmal zurück und ziehe das Dinghy ein Stück weiter hinauf.
Ansonsten aber genießen wir die Bäder, zunächst im Außenbecken unter Tannen, wobei wir ein bisschen Waldboden aufwirbeln, dann im Inneren der Hütte mit aufgeschobenen Glastüren hinaus zum Ozean im mit Natursteinen ausgekleideten Becken. Das Wasser ist badewannenwarm, herrlich. Und dabei der unverstellte Blick hinaus auf den Pazifik. Schon die Tlingit hatten hier ein Badehaus erbaut, die jetzige Hütte wurde 2013 mitten in der Wildnis wieder errichtet. Mit Kanus kann man hier anlanden, aber einen guten Ankerplatz gibt es nicht, deshalb die Dinghytour von der Porcupine Bay.
Aber selbst ohne die Möglichkeit des Ausflugs zu den heißen Quellen wäre unser Ankerplatz eine Wucht. Kaum zu fassen, das wir diese Bilderbuch-Bucht für uns allein haben.
Wir liegen uns in den Armen, Tränen fließen. Beide haben wir an Annemarie und Volker gedacht. Bei der Einfahrt (ja, auch die Escape wäre hier herein gekommen) und bei der Idylle. Denken an die gemeinsame Zeit oben in Maine an der US-Ostküste. Wir haben ihre Stimmen im Ohr und können doch diese wunderschöne Erfahrung nicht mit ihnen teilen. Aber in unseren Herzen sind sie dabei.

Out of Sitka

Wir sind aus Sitka ausgelaufen. Nicht weit, nur etwa 10 sm nördlich haben wir uns unseren ersten Ankerplatz in Alaska gesucht. Eine schmale Zufahrt zwischen den Felsen, dahinter eine zwischen mit Nadelbäumen bestandenen Inseln versteckte Bucht. Magoun Islands.
Schon hier zeigt sich, was uns wohl künftig begleiten wird. Beziehungsweise eben nicht: Internetempfang. In den Magoun Islands sind noch ab und zu Emails möglich, ein WhatsApp-Gespräch mit Wiebkes Mutter klappt wunderbar, ein Bild der Flora in den Inseln kann ich sogar auf Instagram hochladen. Eine Webseite zu öffnen klappt aber nicht.
Heute fahren wir 19 sm weiter, durch die schmale Neva Strait zur Nordspitze von Kruzof Island in die Kalinin Bay. Die russische Zeit Alaskas lebt in der Namensgebung deutlich fort.
Im Laufe der Fahrt wird es immer einsamer, nur noch vereinzelt sehen wir Häuser. Na ja, eigentlich sehen wir ohnehin nicht allzu viel, die Wolken hängen tief und es regnet fast durchgängig. Immerhin haben wir die Tide gut getimt und somit mitsetzende Strömung, was insbesondere an den Engstellen wichtig ist.
Hier um die Kalinin Bay herum gibt es nur Wald und bis zu knapp 800 m hohe Berge. „Kein Netz“, das werden wir künftig wohl häufiger auf unseren Mobilgeräten sehen. Oder wie es in Alaska heißt: „On good days, we have bad internet“.

Macht nichts. Wir statten noch unseren Krebskorb mit einem Köder aus und setzen ihn mit dem Dinghy vor der Bachmündung. Köder ist übrigens ein Fischkopf, obwohl wir beim Angeln unterwegs noch gar nichts gefangen haben. Die Hafenmeisterin in Sitka gab uns den Tip, Köder für den Krebskorb doch aus den Containern an der Fischputzstation am Ende des Stegs zu holen ;-).

Bilder liefern wir nach, dieser Post ist mal wieder über Iridium-Satellit gepostet. Aber das kennt Ihr ja schon von den Passagen. Wir haben übrigens gerade festgestellt, dass wir in 2022 bisher bereits knapp 10.000 sm gesegelt sind. Da können wir es uns hier also in unserer Bucht jetzt auch im Regen ganz gemütlich machen und uns Zeit lassen. Heizung an, Musik auch, Tee gekocht und Füße hoch.

Teil III: Was man in Alaska vielleicht auch braucht 🤔😉

Bärenspray und Gummistiefel haben wir. Und was brauchen wir noch? ganz klar, wenn wir Lachs zu den Salmonberries wollen: eine Fishing Licence! Zu Alaska hat wohl fast jeder Bilder im Kopf, auf denen sich die Lachse dicht an dicht die Flüsse und Bäche hinaufdrängeln und den Grizzlybären wie im Schlaraffenland in die weit geöffneten Mäuler hüpfen. Bei dem sprichwörtlichen Fischreichtum hier in Alaska wäre es ja sträflich, wenn wir nicht angeln 🎣 dürften.

Zumal es auch nicht so einfach ist, hier Fisch zu kaufen. Dem Vernehmen nach ist es den Fischern verboten, direkt vom Kutter zu verkaufen. Große Fischereischiffe gibt es viele, was auch daran liegt dass Fischfarmen in Alaska verboten sind. Anders in British Columbia, dort gibt es dafür viel weniger Fischer. Wie auch immer, das einzige Fischgeschäft an Sitkas Hauptstraße bietet nur Konserven an, die die Touristen als Geschenk mitnehmen können. Und im Supermarkt kostet eine Scheibe abgepacktes Lachssteak 12 US$. Hier angelt offenbar jeder selbst, die Vielzahl der kleinen und mittelgroßen Angelboote in den Häfen spricht dafür. Also gut, die Fischereilizenz kann man online beantragen (www.adfg.alaska.gov/) oder in einer der vielen Verkaufsstellen bekommen, etwa Angelgeschäften. Ganz günstig ist das allerdings für „Non Residents“ wie uns nicht: für einen Tag kostet die Lizenz 15$, für eine Woche 45$, für ein Jahr 100$. Also gut, dann die Jahreslizenz. Schluck.

„Ja, aber wenn Ihr King Salmon fischen wollt, kostet das noch mal 100$.“ Wie jetzt?

Lachs ist nicht gleich Lachs. Es gibt hier fünf verschiedene Lachsarten. Der Königslachs (King Salmon oder Chinook) wird bis zu 1,5 m lang und 36 kg schwer. Viel zu groß für uns, zumal wir den zweiten Kühlschrank nicht als Kühltruhe eingestellt haben. Abgesehen davon ist die Saison für diesen Lachs fast schon zu Ende und er ist ohnehin recht selten geworden. Die Zusatzlizenz kaufen wir also nicht. Wir werden „Nicht für King Salmon“ auf den Haken schreiben. Spaß beiseite, die mit der Lizenz übergebene Broschüre enthält diverse weitere lokale Einschränkungen und genaue Anleitungen zum Freilassen „verbotener“ Arten. Die anderen Lachsarten sind Chum (Calico/Ketalachs, bis 100 cm und 15 kg), Coho (Silver Salmon/Silberlachs, bis 100 cm und 10 kg), Sockeye (Red Salmon/Rotlachs, bis 90 cm, 7 kg) und Pink Salmon (Humpy/Buckellachs, bis 65 cm und 6,5 kg). Außerdem Steelhead Trout, kein Lachs, sondern die Salzwasservariante der Regenbogenforelle, die dafür aber um einiges größer ist (bis 110 cm und 25 kg). Mal schauen, ob uns irgendetwas davon an den Haken geht.

Der geschäftstüchtige Verkäufer im Angelladen ist aber noch nicht glücklich mit der verkauften Lizenz und ein paar Ködern. „Wenn Ihr ankert, solltet Ihr auf alle Fälle einen Crab Pot (Krebskorb) aussetzen. Dafür braucht Ihr keine weitere Lizenz.“

Oh Mann. Aber Krebse sind hier wirklich ganz groß. Im Wortsinn und auch was die Verbreitung des Krebsfischens angeht. Wir sehen kaum ein Sportboot, dass nicht mindestens einen Crab Pot an Bord hat. Unser Bootsnachbar (2 Krebskörbe) erklärt uns, wie es geht. Am besten vor einer Flussmündung/einem Wasserfall/einem einfließenden Bach, wo wir ohnehin gerne ankern wollen. Krebskorb runter auf 10 bis 40 m und ein paar Stunden warten. Das war’s.

Hm. Und wie machen wir das mit den Krebsen? 🦀

Hier in Alaska sind es hauptsächlich Dungeness Crabs, also Taschenkrebse, die bis etwa 25 cm groß werden können (Körperbreite ohne Beine). Wir finden einen Fischer, der uns zwei Crabs verkauft, erklärt, wie man die freizulassenden Weibchen von den Männchen unterscheidet und uns zeigt, wie man sie schnell und einfach tötet (kräftiger Schlag auf die Brust) und filetiert.

Na dann, jetzt kaufen wir uns tatsächlich einen (zusammenfaltbaren) Crab Pot. Wir werden berichten, ob wir damit Erfolg haben.

Erst einmal bereiten wir aber die Taschenkrebse zu. Das Kochen riecht etwas kräftiger, am Besten macht man es draußen. Bei uns kommt dafür unser „Notfall-Backup-Gaskartuschenkocher“ zum Einsatz.

Und das Ergebnis (mit selbst gebackenem Baguette):

Lecker. Wird Zeit, dass wir den Hafen verlassen, ankern ⚓️ und den Crab Pot ausprobieren 😊.

Was man in Alaska braucht, Teil II 😉

Neben dem Bärenspray gibt es noch ein Accessoire, ohne das hier in Alaska kaum jemand unterwegs zu sein scheint. Um nicht sofort als Touristen erkannt zu werden, mussten wir es uns UNBEDINGT sofort anschaffen: Gummistiefel! Aber nicht etwa irgendwelche. Braun müssen sie offenbar sein, mit beigefarbener Sohlenkante. Xtra Tuf. Abgesehen davon sind alle Varianten erlaubt: kurz, halblang oder hoch geschnitten, gefüttert oder einfach, mit eingearbeiteter Stahlkappe als Arbeitsschuh, Neopreneinsatz oder buntem Innendruck, der beim Umkrempeln zu sehen ist. Bootsausrüster, Angelladen oder Schuhgeschäft, jeder führt sie. Wie auf unserer bisherigen Reise vom Dinghy aus barfuß auf den Strand oder ins knietiefe Wasser zu springen dürfte sich hier in Alaska wohl verbieten und unsere kurzen Seestiefel sind da auch nicht die erste Wahl, insofern fällt die Kaufentscheidung leicht.

Wie weit dieser Stiefel verbreitet, wie eng er mit Alaska verbunden ist, das zeigt sich zum Beispiel auch an den immer noch verbreiteten COVID-Abstandsanzeigern auf dem Fußboden etwa an der Museumskasse oder in der Brauereikneipe und Pizzeria:

Als wir mit Liselotte und Machiel in der von außen ziemlich unscheinbaren „Pioneer Bar“ auf ein Bier einkehren, finden wir den Tresen fast durchgängig von Leuten mit eben dieser Fußbekleidung besetzt. Mit John kommen wir gleich ins Gespräch, na klar, das muss so, ist Arbeitsbekleidung, jetzt nach der Arbeit ist der Stiefelschaft umgekrempelt, so geht es sich leichter. John ist Langleinenfischer mit eigenem Boot, macht den Job seit 23 Jahren, die Hälfte seines Lebens. Er erzählt uns viel über die Fischerei hier, die verschiedenen Fangmethoden, den unterschiedlich ausgerüsteten Fangschiffen, mit deren Bildern die Wände der Bar dicht an dicht bedeckt sind.

Er liebt seinen Beruf, die Landschaft, die Natur. Nur auf die Pottwale ist er nicht gut zu sprechen, sie klauen ihm die Fische von seinen Leinen. Er kann das auf dem Fischfinder-Echolot verfolgen, aber machen kann er nichts dagegen. Wenn die Pottwale kommen, kann er den gefangenen Heilbutt und Black Cod (Kohlenfisch) gleich wieder abschreiben.

Bei unserer heutigen Wanderung auf dem „Sitka Cross Trail“ kommen unsere neuen Gummistiefel dann auch gleich zum Einsatz und bewähren sich mit ihrem Fußbett und der festen Sohle richtig gut. Dazu passend trägt der Wanderer in Alaska heute Ölzeug, der nordische Regenwald hält, was der Name verspricht. Da sieht sogar der tägliche Weißkopfseeadler ziemlich bedröppelt aus:

Der Wald aber ist wieder einmal beeindruckend. Unser Wanderweg führt parallel zum Ort ein bisschen hügelauf und hügelab, ohne sich in größere Höhen zu winden. Das ist gut so, denn gleich über uns hängen die Wolken so dicht, dass es sonst eine Nebelwanderung würde.

So aber können wir bei leichtem Tröpfeln neben dem intensiven Waldgeruch auch die Schönheit des bemoosten Urwalds bewundern und sogar ein paar herrliche Ausblicke genießen.

An vielen Stellen ist der Weg von Himbeer- und Lachsbeerbüschen gesäumt und so wird es eine ziemlich langsame Schlemmerwanderung. Lachsbeeren (Salmonberry) sind eng mit den Himbeeren verwandt, aber farblich variantenreicher von Gelb über Orange bis Rot, etwas größer und wasserreicher, schmecken auch etwas anders. Wir finden sie lecker.

Sie sind an der ganzen Westküste von Südalaska bis Kalifornien verbreitet, ihren Namen haben sie übrigens davon, dass die Ureinwohner sie gerne mit Lachs essen.

Müssen wir dringend mal ausprobieren.