Und was ist bei der mehrfach geänderten Planung nun herausgekommen?

Wir sind wieder unterwegs in Richtung San Francisco. Drei Stops haben wir nach Verlassen der kanadischen Gewässer unterwegs bereits eingelegt.

Da war zunächst Neah Bay in Washington State. Nach einem abgebrochenen Versuch klappt es beim zweiten Mal. Wir runden Cape Flattery im ersten Sonnenlicht.

An der schönen aber auch rauen Küste von Washington und Oregon mit ihren prägnanten Felsen geht es hinunter bis zu unserem Etappenziel Newport. Kein wirklich angenehmer Törn, obwohl wir nur selten die vorhergesagten 30 kn in Böen haben, wobei der Wind und die Wellen achterlich kommen. Aber es sind gut 200 Seemeilen, also ein Übernachttörn. Und ich bin seekrank. Kann zwar meine Wachen gehen, behalte aber nichts bei mir, füttere mehrmals die Fische. Nicht ungewöhnlich für die erste längere Offshore-Passage nach den kurzen Hüpfern an der Küste, da muss ich jetzt durch und hoffen, dass die See-Beine sich schnell wieder einstellen.

Die Einfahrt nach Newport klappt gut, Wind und Welle haben wie vorhergesagt nachgelassen. Wir passieren die Barre ohne Probleme und motoren unter der in den 1930er Jahren gebauten imposanten Bay Bridge hindurch den Yaquina River hinauf.

Der Ankerplatz liegt gleich hinter dem Zentrum von Newport in einer Flussbiegung. Abgesehen davon, dass direkt hinter der Flora die Verbände auf Schleppverband (seewärts) oder Schubverband (flussaufwärts) umgestellt werden ist es ziemlich ruhig.

Eben noch hinter der Schute schiebend, jetzt als Schlepper im Einsatz. Der fahrende Leuchtturm 😉

Aber es stinkt. Die Fischverarbeitungsfabrik am Ufer schickt Schwaden von wenig wohlriechender Bestätigung ihrer Aktivitäten herüber. Wir bleiben trotzdem zwei Nächte, denn das Einklarieren in die USA zieht sich etwas hin. Wir haben den Antrag online über die App CBP ROAM gestellt, nachdem wir gegen 16.00 Uhr geankert hatten. Sofort erhalten wir eine Meldung:

“Your request has been submitted and is awaiting review by a CBP officer. Status: Pending”

Am nächsten Morgen hat sich daran nichts geändert. Gegen 9.00 Uhr bekommen wir immerhin schon mal die Bestätigung, dass unsere Cruising License erteilt wurde. Gut, damit ist Flora drin. Aber wir sind halt noch nicht offiziell eingereist. Kurz darauf eine neue Meldung:

“Your request is being processed by a CBP Officer. Please stand by for a video interview or confirmation. Status: Processing”

Und dabei bleibt es dann den Tag über. Am Nachmittag werden wir langsam unruhig. Newport in Oregon ist “Port of Entry”, aber die CBP ist hier offenbar nicht mehr vor Ort. Die angegebene Telefonnummer führt nur zur Auskunft: ist nicht mehr vergeben. Die nächstgelegene CBP-Station ist Coos Bay. Dort landen wir auf dem Anrufbeantworter, unsere Telefonate brechen aber bereits vor dem Piepton immer an der selben Stelle ab. Die allgemeine Nummer der CBP probieren wir auch, aber an der Ostküste der USA ist schon Büroschluss. Hm.

Und dann plötzlich: Pling. “Approved”. Kurz danach auch die Email-Bestätigung. “Enjoy your stay”. Wir sind eingereist und dürften an Land gehen. Fein. Aber lieber bereiten wir Flora auf die Weiterreise am nächsten Morgen vor. Das Wetterfenster passt für eine weitere Übernachtfahrt nach Crescent City im nördlichen Kalifornien.

Die vielen Seelöwen fühlen sich von dem Geruch der Fischfabrik eher angezogen. Und riechen selbst auch ziemlich intensiv.

Es wird ein ziemlich flotter Ritt, diesmal aber zum Glück ohne Seekrankheit. Der Wind nimmt wie vorhergesagt kräftig zu, die Welle bleibt aber noch mäßig. Mit Reffs im Großsegel und in der ausgebauten Fock rauschen wir gen Kalifornien.

Dass die Sonne wieder so außerordentlich rot ist, liegt an den vielen Staubpartikeln in der Atmosphäre. Die stammen von den verbreiteten Waldbränden. Leider hat das auch Auswirkungen auf unseren Aufenthalt in Crescent City. Das ansonsten nicht sonderlich attraktive (und 1964 und 2011 jeweils von verheerenden Tsunamis heimgesuchte) Städtchen bietet sich für einen Ausflug in den Redwood Nationalpark ganz in der Nähe an. Hätten wir sehr gerne gemacht, ist aber zur Zeit nicht möglich. Die Waldbrände sind zwar außerhalb des Parks, aber unzählige Feuerwehrleute versuchen das Übergreifen auf die uralten Baumriesen zu verhindern. Die Motels in Crescent City sind mit Rettungskräften belegt, Feuerwehrfahrzeuge überall.

Also wieder eine Planänderung: gemeinsam mit der Joy laufen wir schon am Tag nach unserer Ankunft wieder aus. Damit können wir es (hoffentlich) noch vor dem nächsten von Süden heranziehenden Starkwindfeld um das berüchtigte Kap Mendocino herum zur Drakes Bay eben nördlich von San Francisco schaffen. Zwei Tage und zwei Nächte werden wir dafür wohl unterwegs sein. Drückt uns die Daumen.

Orcas zum Abschied

Die Chance in British Columbia Orcas zu sehen, ist eigentlich ziemlich groß. Vier verschiedene Populationen gibt es hier. Erstaunlicherweise mischen sie sich nicht, obwohl sich ihre Verbreitungsgebiete überlagern. Sie haben unterschiedliche Verhaltens- und Ernährungsweisen, Forscher haben zudem für die jeweilige Population unterschiedliche Laute und Kommunikationsfolgen bei diesen intelligenten Tieren erkannt und gehen von regelrecht verschiedenen Sprachen aus.

Da sind zum einen die Offshore-Population am Kontinentalschelf vor der Westküste, die sich ausschließlich von Fisch ernährt (unter ihrer Beute finden sich selbst Haie). Die zweite Gruppe bilden die sogenannten „Transients“. Sie ziehen in Küstennähe herum und jagen ganz überwiegend maritime Säugetiere, vor allem Seehunde und Seelöwen, aber auch Delfine und sogar andere Walarten wie zum Beispiel Schweinswale (daher auch die oft reißerisch verwendete Bezeichnung „Killerwal“).

Die dritte und vierte Gruppe bilden die nördlichen und die südlichen „Residents“. Beide Gruppen ernähren sich fast ausschließlich von Lachs. Die beiden Gruppen lassen sich nicht nur geografisch sondern auch genetisch unterscheiden, scheinen sich gegenseitig zu meiden und paaren sich auch nicht miteinander.

Trotz der vier Gruppen: nur insgesamt drei Mal haben wir bisher Orcas gesehen, allerdings jeweils ziemlich kurz und aus großer Entfernung. Es waren vermutlich jeweils Northern Residents.

Jetzt in den Gulf Islands hatten wir ein bisschen auf Southern Residents gehofft, die sich hier häufiger aufhalten sollen. Aber bisher: Fehlanzeige.

Von Saturna Island aus segeln wir nach Portland Island. Als wir ankommen, ist der im Törnführer empfohlene aber ohnehin ziemlich flache Ankerplatz in der Princess Bay bereits gut belegt.

Ist aber kein Problem: nur 500 m weiter um die Ecke herum sieht es laut Seekarte ebenso geschützt aus, sogar etwas tiefer und weiter vom Schwell der vorbei fahrenden Fähren entfernt. Wir probieren es, der Ankergrund ist gut und hier sind wir ganz allein.

Das Beste: zum Dinghydock in der Princess Bay ist es nur ein kurzer Weg, so können wir trotzdem einen schönen Hike auf der unbewohnten Insel machen und uns an den dort wild wachsenden Brombeeren gütlich tun.

Am nächsten Tag motoren wir bei Windstille aus den Gulf Islands hinaus, passieren die kargen Chatham Islands bei mitsetzender Tide …

… und sind damit in der Strait of Juan de Fuca, quasi der südlichen Ausfahrt von BC. Abschiedstour. Hm. Als die Tide kentert biegen wir nach Victoria ab.

Sommer in der Stadt: zwei Tage genießen wir strahlenden Sonnenschein, blauen Himmel und warme 28 Grad. Verglichen mit der Westküste von Vancouver Island ist es hier tatsächlich regelmäßig um einige Grade wärmer.

Wir treffen noch einmal Eliza und Ben. Ben fährt „als Rentnerjob“ im Sommer eines der knuffigen und für Victoria so typischen Hafentaxis. Er macht uns ein wunderbares Abschiedsgeschenk: eine Privattour mit einer der elektrischen Hafenfähren.

Die Route führt vom Liegeplatz an der ikonischen Klappbrücke durch die „Gorge Waters“ mit ihrer bunten Mischung aus Industriehafen, neuem modernen Stadtviertel, Naturbadeanstalten und – weiter den eigentlich nicht wirklich einer Schlucht ähnelnden sondern eher lieblich gewundenen Wasserweg hinauf – auch mit elegant edlen Wassergrundstücken mit Einzelhäusern und Bootsstegen.

Es ist ein herrlicher Einblick in Teile von British Columbias Hauptstadt, die wir bisher noch überhaupt nicht kannten.

Und dann: ist das jetzt ein Wetterfenster? Jedenfalls nutzen wir vorsichtshalber am nächsten Morgen wieder die Tide und fahren die Juan de Fuca weiter hinaus. Mit bis zu 5,5 kn werden wir zwischenzeitlich (zusätzlich zur etwa gleichen Geschwindigkeit durchs Wasser) geschoben, die „Race Passage“ mit dem markanten Leuchtturm auf dem „Great Race Rock“ wird ihrem Namen gerecht.

Auch das ein Geschenk, und die Serie reißt noch nicht ab. Einige Meilen weiter – da hat die Strömung längst wieder auf „nur noch“ zwei Knoten nachgelassen, treffen wir auf einen Clan „Southern Residents“. In mehreren Gruppen ziehen uns die Orcas entgegen. Zunächst sehen wir eine Familie in Ufernähe auftauchen. Wir nehmen den Gang heraus und lassen uns von der Strömung vorbei treiben, aber da kommen uns bereits rechts und links von der Flora weitere Gruppen von Orcas entgegen geschwommen.

Wegen ihrer charakteristischen Rückenflossen, die bei den Männchen schmaler und gerader sind und bis zu 2 m lang werden können, werden sie auch als Schwertwale bezeichnet. In Europa können Segler die Begegnung mit den Orcas leider nicht mehr uneingeschränkt genießen, da es – zunächst vor Spanien, jetzt aber auch an anderen Orten – zu einer Vielzahl von zerstörerischen Angriffen der Orcas auf die Ruder von Segelyachten gekommen ist, mehrere Segelboote sind sogar gesunken. Hatten zunächst auch dort nur wenige Mitglieder einer einzelne Orcafamilie dieses Verhalten gezeigt, hat es sich inzwischen dort weiter verbreitet. Hier in BC und an anderen Orten der Welt (Orcas kommen in allen Weltmeeren vor) zeigen die Schwertwale dieses Verhalten aber (bisher) nicht. Es ist also um so schöner, hier jetzt ohne derartige Befürchtungen so viele dieser wunderschönen Tiere sehen zu können.

Wir sind total geflasht. Was für ein Erlebnis.

Rund Vancouver Island: weitere Eindrücke von der Westküste

Verwöhn-Segeln, Flauten-Motoren, 2. Reff im Nebel. Die Küste mal schroff, mal lieblich, mal mit Sandstrand, mal mit skurriler Felsen-Landschaft. Grün und Grau. Inselwirrwarr, schnuckelige kleine Orte oder jetzt gerade die Großstadt Victoria.

Gemeinsam mit Floras Buddyboat, der SolarCoaster, machen wir die Runde um Vancouver Island komplett. Auf Noforeignland sieht unser (engerer) Track um die große Insel jetzt so aus:

Seit wir Ende April in Campbell River wieder losgefahren sind, haben wir 1.688 weitere Seemeilen in British Columbia geloggt. So langsam naht der Abschied aus Kanada, aber ein paar Wochen sind es noch. In der ersten Augustwoche ist noch ein kurzer Werftaufenthalt geplant. Ein paar Seeventile sollen getauscht und das Unterwasserschiff fit für die Fahrt nach Süden gemacht werden.

Aber noch ist es nicht ganz so weit.

Seit Hot Spring Cove haben wir noch einmal die ganze Vielfalt der wilden Westküste genießen können. Erst einmal zieht es uns wieder tief hinein in die Insel. Wir segeln in das Shelter Inlet. Dieser Fjord führt hinter Flores Island herum und versteckt ganz an seinem Nordende die schmale und erst aus der Nähe überhaupt erkennbare Einfahrt in die Bacchante Bay. Spektakulär mit ihren steilen Gebirgsflanken und den vom Logging verschonten Wälder (Strathcona Provincial Park).

Das ausgedehnte Flach im Scheitel der Bucht ist das Delta des Watta Creek. Wir erkunden ihn ein ganzes Stück mit dem Dinghy, bis das steinige Bachbett einfach zu flach wird.

Am nächsten Morgen gehts mal wieder früh raus. Wir wollen durch die Sulphur Passage östlich an Obstruction Island vorbei, das geht nur um Stillwasser herum. Wie so oft herrscht am frühen Morgen absolute Flaute. Landschaft und Wolken verdoppeln sich im Spiegel des Wassers.

Die Passage selbst ist tief, es macht also nichts aus, dass es Niedrigwasser-Still ist, sondern bietet eher den Vorteil, die sonst überspülten Felsen rechts und links des Fahrwassers erkennen zu können und durch das aufschwimmende Kelp die schmale Rinne gut sichtbar markiert zu finden.

Nachdem die Engstellen passiert sind, geht es 10 Meilen den Millar Channel hinunter, bevor wir uns bei Vargas Island um Flachstellen und Felseninseln herum in den offenen Pazifik manövrieren können. Hier wechseln sich schroffen Steinküste und ausgedehnte Sandstrände ab, während im Hintergrund schneebedeckte Berge das Panorama bilden.

Unter Gennaker segeln wir an der Küste hinunter – traumhaft der Blick auf den Gebirgszug.

Wir lassen Tofino, dass wir ja schon von Land aus besucht hatten, an Backbord liegen. Ebenso den berühmten Ganzjahres-Kaltwasser-Surferstrand Long Beach. Unser Ziel ist das etwas südlicher gelegene und weniger touristische Ucluelet.

Der tägliche Weißkopfseeadler. In Ucluelet einer von ziemlich vielen.

Genau richtig, um im Supermarkt mal wieder die Frisch-Vorräte aufzustocken und am nächsten Tag vor der Abfahrt noch einen schönen Hike auf einem Teil des West Pacific Trail zu unternehmen.

Fischotterweibchen mit Jungtier

Danach dann aber flott los: der Nebel hat sich aufgelöst. Wind ist allerdings fast keiner, unter Motor fahren wir in Richtung der Broken Island Group.

Die Broken Islands bieten reichlich geschützte Ankerplätze, allerdings auch ein Gewirr von einigen passierbaren und vielen nur für Kayaks geeigneten Passagen. Wirklich ein Labyrinth.

Am Ankerplatz treffen wir auf die „New Era“, Freunde von Melanie und Steve, die aus Port Alberni mit ihrem kleinen Motorboot hier her gekommen sind. Gemeinsam verbringen wir den Abend auf der SolarCoaster und verabreden uns für den nächsten Tag im nur wenige Meilen entfernten Bamfield. Sehr gut: bevor wir hineinkommen, angeln wir uns einmal mehr Lachs: zwei (allerdings etwas kleinere) Spring-Salmon gehen an den Haken. In Bamfield macht dann die Crew der New Era den Tourguide, Liz und Darren nehmen uns mit auf den Hike durch den schmucken Ort, weiter zum Brady Beach mit seinen imposanten Felsformationen und dem herrlichen Sandstränden. Danach ist ein Tisch im einzigen Restaurant am Ort reserviert und zum Abschluss gibts Cocktails und „Nanaimo-Bar“ Nachtisch bei Liz und Darren. Wir werden rundum verwöhnt.

Dann folgt wieder einmal Nebel-Segeln. Mal licht, mal dichter. Aber immerhin müssen wir auf dem Weg nach Port Renfrew die Maschine ganz überwiegend nicht einsetzen.

Port Renfrew ist hauptsächlich auf kleine Motorboote ausgerichtet, aber für uns Segler findet sich am äußeren Steg auch noch ein Plätzchen. Das Bild des leeren Hafens täuscht, als wir zu unserer Wanderung aufbrechen wollen, sind die Angelboote alle schon ausgelaufen.

Wir haben Glück, Hafenmeister Simon fährt uns mit seinem Auto die 4 km zum Juan de Fuca Park und holt uns sogar wieder ab. So können wir die geologischen Besonderheiten dort in aller Ruhe erwandern. Im Tidenbereich finden sich unzählige Pools, die wie Aquarien in der Felslandschaft wirken. Bei Abfahrt vom Hafen scheint die Sonne, hier aber sorgt Nebel für eine ganz besondere Stimmung.

Als wir gegen Mittag zurück im Hafen ankommen, hat auch hier der Nebel Einzug gehalten. Unter Radar segeln wir aus der Bucht heraus, denn trotz Nebel weht es ordentlich.

Ziel ist die Becher Bay an der Südspitze von Vancouver Island, rund 40 Meilen weiter im Westen, wir können also den Wind ganz gut gebrauchen, denn wegen der Tide in der Streit of Juan de Fuca können wir erst am frühen Nachmittag aufbrechen. Zum Glück lichtet sich der Nebel nach ein paar Stunden, vor dem Wind rauschen wir dahin.

Am Abend erwartet uns am Ankerplatz eine Überraschung: Melanie hat an unseren 24. Hochzeitstag gedacht und verwöhnt uns mit einer Apple Pie.

Bei der Weiterfahrt nach Victoria bleiben wir heute von dem hier so häufigen Nebel sogar ganz verschont. Nur drüben auf der amerikanischen Seite der Strait zeigt sich etwas Hochnebel.

Und jetzt: zur Abwechslung mal Großstadt. Wir sind gespannt auf Victoria.

Nootka oder: das war knapp!

Es ist einfach zu verlockend. Kaum 7 sm sind wir von Walters Cove aus gefahren, da stoppen wir die Flora schon wieder. Der Anker fällt in der Nordbucht von Rugged Point vor zwei Sandstränden. Der Platz ist nicht sonderlich gut geschützt, aber bei dem ruhigen Wetter reicht es allemal für einen Zwischenstopp und einen ausgedehnten Hike über die Halbinsel zu den langen weißen Sandstränden der Südbuchten.

Das Anlanden klappt diesmal gut …

Chris kombiniert Schuhe anziehen mit Yoga

… und der Hike durch den Wald und die kleinen Trennstücke zwischen den Felsen ist zwar mitunter steil, dann aber mit Kletterhilfen versehen, denn der Trail liegt in einem “Provincial Park”

Der Spaziergang am Strand bietet dann sogar noch eine Ballettvorführung der Strandläufer 😉

Da müssen sich die Fotografen für die beste Perspektive allerdings ein bisschen ins Zeug legen …

Dann heißt es Weitersegeln, denn für die Nacht haben wir uns die deutlich besser geschützte Queen Cove als Ankerplatz ausgesucht.

Von dort aus geht’s am nächsten Morgen nördlich durch die schmalen aber unproblematischen Tahsis Narrows um Nootka Island herum. Ein Kaffee-Stop im Princess-Channel …

… und dann weiter zur Friendly Cove im Südwesten von Nootka Island.

Wer sich mit der Geschichte von British Columbia beschäftigt, wird auf jeden Fall über diesen ganz besonderen Ankerplatz stolpern. Denn dies ist der Schauplatz der “Nootka Sound Controversy”, bei der ab 1789 die konkurrierenden Ansprüche der Briten und der Spanier hinsichtlich des amerikanischen Nordwestens beinahe zu einem Krieg dieser damaligen Großmächte geführt hätten. Die Spanier hatten hier in der “Friendly Cove” unfreundlicherweise mehrere britische Handelsschiffe beschlagnahmt. Beide Seiten machten Ihre Flotten klar. Der Krieg wurde dann doch knapp vermieden.Vermutlich insbesondere weil Spaniens Verbündeter Frankreich nach ersten Zusagen deutlich machte, dass er Spanien doch nicht bei einem solchen Krieg unterstützen würde (wegen der französischen Revolution war man gerade anderweitig beschäftigt) willigten die Spanier dann allerdings in Verhandlungen ein.

Die anschließenden Verträge führen zwar formal nicht dazu, dass eine der Parteien auf ihre Gebietsansprüche verzichtet, faktisch aber setzen die Briten ihre wesentlichen wirtschaftlichen und politischen Interessen durch und ebneten damit den Weg für ihren weiteren Einfluss im heutigen westlichen Kanada.

Ebenfalls historisch: bereits in diesen frühen Zeiten des Kontakts zwischen den Europäern und den hier lebenden Nuu-chah-nulth First Nation kommt es sowohl zu intensiven Handelskontakten als auch zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit Massakern, Geiselnahmen und Versklavungen.

Am Yuquot Point auf der Südwestspitze von Nootka steht eine (in den 1990er Jahren entwidmete) ehemals katholische Kirche.

Zu Zeiten der Franco-Diktatur schenkten die Spanier der (indigenen) Gemeinde Glasfenster, die an die hier erfolgte Unterzeichnung der Nootka-Verträge (mit Nuu-chah-nulth als Zuschauern) und an die Bekehrung der Indigenen zum Christentum erinnern.

Interessant zu sehen, dass diese Fenster unversehrt erhalten geblieben sind, obwohl die ehemalige Kirche inzwischen mit kunstvoll geschnitztem Donnervogel, zweiköpfiger Schlange, Wal und Totempfählen für anderweitige Nutzung ausgestattet ist, was dem missionierenden Priester wohl kaum gefallen hätte. Umgekehrt lässt es sich scheinbar besser vereinbaren.

Noch etwas näher am Ankerplatz findet sich ein anderes interessantes Gebäude, der Nootka-Leuchtturm .

Er ist einer von 26 noch bemannten Leuchttürmen und so treffen wir auf den Leuchtturmwärter Doug und seine als “Assistent lighthouse keeper” ebenfalls fest angestellte Ehefrau Donna. Seit sechs Jahren betreuen die beiden das Nootka Lighthouse. Sie freuen sich über unseren Besuch und bestätigen, dass wir Segler gerne über Funk (Kanal 82a) beim Leuchtturm z.B. das tatsächliche Wetter vor Ort abfragen dürfen. Die Handfunke ist auch immer greifbar, während uns die beiden ihren Leuchtturm erklären, zeigen und geduldig unsere Fragen beantworten.

Unfassbar: die winzig kleine Glühbirne in seiner Hand ist tatsächlich das einzeln angefertigte Original-Leuchtmittel, dass für eine Erkennbarkeit des Leuchtturms aus 18sm Entfernung (Tragweite) sorgt.

Nachdem wir uns im Gästebuch eingetragen haben, sehen wir vom Leuchtturmgelände aus, wie unter uns in der Bucht ein Wasserflugzeug landet. Doug erklärt, das es Wanderer vom Endpunkt des Nootka-Trail abholt. Dieser Wanderweg führt 37 km an und in der Nähe der Westküste von Nootka entlang. Typischerweise wird dieser Hike in 4 bis 7 Tagen zurückgelegt, was dem nicht ganz einfachen Gelände an der Küste und im Regenwald geschuldet ist (manche Teilstrecken am Strand sind auch nur bei Niedrigwasser passierbar).

Tja, und dann saust das Wasserflugzeug wieder los, unmittelbar an der Flora vorbei:

Hm. Das ist dann (für unseren Geschmack) auch ganz schön knapp 😅.

Buddyboating und der springende Buckelwal

Die Begegnungen, der Austausch mit anderen, das ist etwas, was wir am Langfahrtsegeln ganz besonders schätzen. Mit ganz viel Glück, wenn die Chemie stimmt und die Reiseroute auch, tun sich zwei Boote für eine Zeit zusammen: Buddyboating.

Es gibt viele nette Aspekte beim Buddyboating. Die gemeinsamen Sundowner, die Gespräche, na klar. Gemeinsam planen.

Gemeinsam lachen, gemeinsam genießen.

Gemeinsame Wanderungen.

Und durch das parallele Segeln eben auch gegenseitige Fotos, damit also auch Bilder von uns auf der Flora …

… , von der Flora unterwegs …

… und zwar auch in Situationen, die wir sonst nie und nimmer hätten einfangen können. Etwa im Morgennebel mit Seeotter am Schiff …

… oder bei der Fahrt von Sea Otter Cove nach Winter Harbour mit einem Buckelwal, der sich ganz in Floras Nähe hoch aus dem Wasser wuchtet und klatschend auf seinen Rücken fallen lässt:

Alle Bilder: Foto Courtesy Melanie und Chris, S/V SolarCoaster.

Ein riesengroßes Dankeschön an Euch beide. Und das nicht nur für die wunderbaren Fotos. Ihr seid klasse!

Um Cape Scott zur Westküste von Vancouver Island

Die Westküste von Vancouver hat den Ruf, besonders schön und wild zu sein. Die von uns bereits besegelten anderen Küstenstreifen von BC haben ja bereits mit diesen Reizen nicht gerade gegeizt. Wenn es also stimmt, dass insbesondere der Norden von Vancouver Islands Westküste dem noch ein i-Tüpfelchen aufsetzen kann, dann müssen wir da wohl hin.

Allerdings gilt hier – mehr noch als ohnehin sonst in BC – der Vorbehalt: wenn das Wetter es zulässt! Den der Weg führt um die Nordwestspitze von Vancouver Island, das berüchtigte Cape Scott.

Zunächst einmal gilt es, überhaupt in dessen Nähe zu kommen. Ruhiges Wetter ist angesagt, das ist gut. Wir tasten uns heran, indem wir vom Maze Inlet aus über das breite Rivers Inlet und Kelp Head herum erst einmal nach Millbrook Cove im Smith Sound segeln. Und trotz der Vorhersage können wir tatsächlich segeln – wenn auch zwischenzeitlich sehr gemächlich. Aber in dem sich nur langsam auflösenden Nebel ist das nicht das Schlechteste.

Beim nächsten Schlag gilt es dann, die Queen Charlotte Strait zu queren und unseren Absprungort auf Hope Island zu erreichen. Dort – in Bull Harbour – können wir das Timing für die Passage der Nahwitti Bar anpassen. Wieder können wir einen größeren Teil der Strecke segeln, weil erneut etwas mehr Wind ist als vorhergesagt.

Steintroll in der Einfahrt zum Naturhafen Bull Harbour
Strand mit reichlich Treibholz und von der Brandung rund geschliffenen Steinen. Das klackernde Geräusch der rollenden zumeist mindestens Hühnerei-großen Kiesel in den zurück weichenden Wellen bleibt uns im Ohr, es ist bis zum Ankerplatz zu hören.
Strand und Wellen von oben

Seekarten und Törnführer sparen nicht mit Warnhinweisen für diese flache Barre, über die das Wasser mit bis zu 5 kn strömt. Da man den nach Westen setzenden Ebbstrom in Richtung Cape Scott benötigt, allerdings praktisch immer von Westen her die Pazifikdünung anrollt, sollte die Nahwitti Bar bei Slack Tide / Stillschweigen überquert werden.

Für uns und unser Buddyboat SolarCoaster heißt das: früh um 5:30 Anker auf. Dankenswerterweise ist diesmal wirklich kein Wind. So kommen wir gut über die Barre und können im spiegelglatten Wasser trotz morgendlichem Dunst neben vielen Wasservögeln (darunter Nashornalke) und Seeottern auch zahlreiche Buckelwale beobachten.

Nashornalke / Rhinoceros Auklets
BuckelwalFluke
Buckelwale um SolarCoaster herum

Spider und Kalmare

Spider Island Group. Auch wenn die Namensgebung vielleicht anders erfolgte, es braucht nicht viel Phantasie, um das Spinnennetz von Wasserwegen dieser Inselgruppe mit der Benennung in Verbindung zu bringen.

Allerdings: vieles, was wie eine Durchfahrt aussieht, ist viel zu flach und mit Unterwasserfelsen gespickt. Die Seekarte warnt: “entire area bottom irregular- many rocks”. Gut für das Rockfish-Angeln. Dennoch, manchmal scheinbar Spinnweb-dünn ziehen sich auch ausreichend tiefe, befahrbare Rinnen zwischen der Vielzahl von Inseln hindurch. Mal fast schnurgerade wie der Spitfire-Channel, meist aber gewunden wie der Braydon-Channel, den wir für die Durchfahrt nutzen. Und einige schöne Ankerplätze verbergen sich in dem Gewirr. Gemeinsam mit der Solar Coaster wählen wir den Hurricane Anchorage im Süden von Hurricane Island. Für die Drohnenaufnahmen musste jetzt unsere kleine Magic Mini II ran, die wir sonst hauptsächlich für Bilder unter Segeln und auf Wanderungen verwendet haben. Bin ziemlich froh über dieses Backup.

Das Kelp in der “Durchfahrt” im Vordergrund zeigt an: zu flach!
Flora unterm Sternenzelt. Foto courtesy: Chris, S/V SolarCoaster

Nach der klaren Nacht warten wir erst einmal ab, bis sich der Morgennebel etwas hebt. Dann gehts aus der Spider Island Group heraus und unsere beiden Boote segeln weiter Richtung Süden nach Calvert Island.

Foto: Melanie & Chris, S/V SolarCoaster

Der Ankerplatz vor dem Hakai-Institut ist mit 15 Booten recht gut gefüllt, letzten Herbst hatte die Flora hier noch alleine gelegen.

Auf den Wanderwegen, die durch den Wald und an den Seen vorbei zu den verschiedenen Stränden führen ist aber von Andrang nichts zu spüren. Den großen Nordstrand haben wir vier sogar ganz für uns allein.

Und auch hier gibt’s wieder tierische Überraschungen: erst zeigt sich ein Flussotter …

… ein Diademhäher …

… und dann, zurückgekehrt zum Dinghydock, wimmelt es im Wasser plötzlich nur so von Kalmaren. Die etwa 15 cm langen Kopffüßer wuseln direkt am Steg herum.

Foto: Chris, S/V SolarCoaster

Melanie ist geistesgegenwärtig genug, ihre GoPro ins Wasser zu halten. Das Ergebnis: magisch!

Video courtesy: Melanie, S/V SolarCoaster

Heute dann ein knackiger Kreuzkurs den Fitz Hugh Sound hinunter bis zum Secure Anchorage bei den Maze Islets (Labyrinth-Inselchen). Passend benannt.

Blau in Grau.

Nebel. Als wir um 5 Uhr morgens den Anker hochnehmen, bescheint das morgenwarme Licht der Sonne die Spitzen der Berge um die Ikeda Cove. Aber kaum streckt Flora ihre Bugnase aus der Bucht, wird die Sicht auf die Sonne von Nebel fast verschluckt, durch diffuses Licht hindurch ist sie kaum mehr als zu erahnen. Na gut, „patches of fog“ hatte der kanadische Wetterbericht angesagt. Also Radar an und durch. Immerhin ist genügend Wind für den Gennaker und so setzen wir die blaue Blase.

Der Gennaker soll uns helfen, die gut 100 sm über die Hecate Strait einigermaßen flott zu bewältigen, obwohl der Wind zumindest für die erste Hälfte eher schwach vorhergesagt ist.

Zunächst scheint sich die Sonne doch langsam durch das schwammige Grau zu brennen …

… aber: zu früh gefreut. Die Nebelsuppe wird wieder dichter und bleibt uns leider auch den ganzen Tag erhalten. Klamme feuchtkalte Luft auf der ganzen Passage.

Wenigstens stimmt die Windvorhersage. Abgesehen von einer guten Stunde Motorfahrt am Nachmittag reicht es durchgehend zum Segeln, gegen Abend frischt die Brise dann sogar etwas auf. Trotzdem, unseren Ankerplatz erreichen wir erst nach Mitternacht. Dass wir uns im Dunkel hinein tasten spielt eigentlich keine Rolle, der Nebel ist nämlich auch jetzt noch ziemlich dick. Sicht null, das Radar ist gefragt. Aber die Einfahrt in den schmalen Day Island Ankerplatz ist schnurgerade und damit kein großes Problem.

Heute empfängt uns auch nach langem Ausschlafen erst mal gleich wieder dunstiges Grau:

Aber anders als gestern setzt sich die Sonne dann durch. Als wir aus der Ankerbucht fahren, liegen (außer der direkt hinter uns) nur weit voraus auf unserem Weg noch eine Nebelbank, die sich als wir auf sie zu segeln immer weiter zurück zieht und schließlich ganz auflöst.

Blau in Blau.

😊

Haida Gwaii

Eines unserer Ziele für diesen Sommer in British Columbia ist Haida Gwaii. An der Grenze zu Alaska liegen eng bei einander zwei große Hauptinseln und rund 150 kleinere Eilande. Sie erstrecken sich über rund 300 km und sind durch die breite Hecate Strait geografisch klar vom übrigen British Columbia abgetrennt.

Und die Hecate Strait hat es in sich. Sie stellt ein im Schnitt etwa 50 Seemeilen breites Stück offenen Pazifik dar, das aber durch seine Ausrichtung von Nordwest nach Südost die vorherrschenden Winde deutlich kanalisiert. Weil sie außerdem vergleichsweise flache Wassertiefen aufweist, baut sich hier notorisch eine fiese steile Welle auf. Gegen den vorherrschenden Nordwest ist da nichts zu machen. Es ist also gar nicht so sicher, dass wir dort wirklich hin kommen. Und da ist es wieder, das typische Seglerwort: WETTERFENSTER!

Genau ein Tag Südwind taucht in der Vorhersage auf. Grund genug, ordentlich Gas zu geben, um einen möglichst guten Absprungplatz zu erreichen. Das war schon der Grund für den weiten Schlag nach Larkin Point. Und von dort machen wir nochmal Strecke, dieses Mal nach Norden bis in die Harwood Bay auf Campania Island. Eine gute, geschützte Ankerbucht, sozusagen in der zweiten Reihe.

Allerdings: mit 50 sm ist es auch von diesem guten Startort aus nicht getan. Gut das Doppelte wird es werden, denn wir müssen schräg hinauf nach Nordwesten bis Queen Charlotte City und dann hinter dem vorgelagerten Flach noch einmal wieder 13 sm nach Süden bis zum Zielort. Also fahren wir morgens um 5 Uhr los, motoren bei Flaute hinaus zwischen Banks Island und Truch Island in die Hecate Strait.

In der Hecate Street können wir zunächst den Gennaker setzen. Als der Wind auffrischt und südlicher dreht, kommt das Großsegel dazu.

Später wechseln wir bei stärkerem Wind vom Gennaker auf den Code0. Die ganze Segelgarderobe wird durchgelüftet, denn bei weiter zunehmendem Wind müssen wir erst auf die Fock wechseln und später das Groß auch noch ins zweite Reff nehmen. Auch die Welle nimmt deutlich zu.

Aber neben der Arbeit an den Segeln gibts auch unsere Lieblingsabwechslung: Tierbesuch!

Dall-Schweinswale spielen ausgiebig um Flora herum. Trotzdem, es wird ein langer Segeltag. Um 20:30 machen wir die Leinen in Queen Charlotte City / Daajing Giids fest.

Geschafft.

Weiter durch die Broughtons, Handarbeiten und mal wieder tierische Begegnungen

Sie sind eines der ikonischen Segelreviere im Westen Kanadas. So sehr, dass ihr Name weit über das eigentliche Gebiet hinaus ausstrahlt und oft das ganze Inselgewirr nördlich des Desolation Sound so bezeichnet wird. Aber eigentlich sind die Broughtons nur zwei größere Inseln (Broughton Island und North Broughton Island). Von George Vancouver 1792 zu Ehren von William Robert Broughton so benannt (Kapitäns der Chatham, des neben der Discovery kleineren zweiten Expeditionsschiffes), stehen die beiden Inseln mit ihren vielen tiefen Buchten heute stellvertretend für den ganzen Archipel.

Unsere Route führt uns zunächst unter Motor von Mound Island durch die enge und schöne Providence Passage an Midsummer Island vorbei hinaus in offeneres Wasser. Dort gehen die Segel hoch. An Backbord zeigt sich in der Ferne der Gebirgszug auf Vancouver Island, an Steuerbord die Inselwelt der Broughtons. Wow.

Sailing to Mars 😉

Zwischen Mars Island und Eden Island biegen wir wieder in das Labyrinth der Inseln ein. Bergen die Segel, motoren um ein paar kleine Felsen herum und ankern dann in der Joe Cove. Wunderbar geschützt, das Wasser ist so ruhig, dass wir wieder mal eine ausgedehnte Runde durch die Buch auf unseren Paddelboards unternehmen. Na klar, muss ja paradiesisch sein, wenn die Insel schon Eden heißt 😉.

Von der Joe Cove geht’s dann wirklich nach Broughton: unser nächster Ankerplatz ist Cullen Harbour im Süden von Broughton Island. Wir könnten auch durch den Nowell Channel ein kleines Stück weiter fahren, hinein in die Booker Lagoon. Aber die Tide passt gerade nicht für die Engstelle. Da ankern wir doch lieber hier “draußen” und erkunden die heute allerdings nur mäßig verwirbelte Passage ausschließlich mit dem Dinghy.

Blick von der Booker Lagoon auf die Engstelle des Nowell Channel und Flora in Cullen Harbour.

Und weil die Entfernungen zwischen den traumhaften Ankerplätzen nicht wirklich groß sind, kommen wir auch mal wieder etwas intensiver zum Stricken. Ich bringe tatsächlich mein Pullover-Projekt zum Abschluss:

Heute schaffen wir es dann sogar den ganzen Tag zu segeln, obwohl der Kurs “innen” (also östlich) um Broughton Island herum führt.

Zwischen platt vor dem Laken (Wind genau von hinten) und kreuzen (Wind genau von vorn) ist alles dabei, ebenso zwischen 2 kn und 25 kn Wind. Aber das Wetter ist gut, der Fjord ist schön breit und nach der dicht gedrängten Kolonie Stellerscher Seelöwen gleich zu Beginn der Fahrt hebt ein vor der Flora abtauchender Buckelwal die Stimmung nochmals.

Das soll nicht die letzte tierische Begegnung bleiben: zwei junge Schwarzwedelhirsche queren direkt vor uns den breiten Sutley Channel.

Das Wild ist nicht schüchtern. Die beiden ändern ihre Schwimmrichtung und kommen auf die Flora zu. Aber wir machen ihnen Platz fahren um die nächste Ecke herum in die Sullivan Bay Marina. Diese kleine Marina mit ihren “Float Houses” hat auch einen General Store. Über zwei Wochen nach unserem letzten Einkauf hoffen wir auf frische Milch und vielleicht etwas frisches Gemüse, aber das wird leider beides nichts. Am Donnerstag soll sich das Angebot wieder verbessern, da kommt eine Lieferung (per Wasserflugzeug, hinter einem der Float Houses kann man übrigens auch ein privates Float Plane entdecken).

Macht nichts, es spricht sowieso einiges für einen Stop in Port Hardy als nächste Station und dort gibt’s auch einen gut sortierten Supermarkt.

Klasse ist, dass wir hier in Sullivan Bay gleich zwei Boote wieder treffen, die mit uns auch in Lagoon Cove gelegen haben: mit Peter sowie Ed und Eileen gibt’s also einen Wiedersehens-Sundowner.

Die Häuser an den Schwimmstegen werden gerade für die Saison herausgeputzt, Stege gekärchert, Farbe erneuert, Blumen gepflanzt. Das freut nicht nur uns, sondern auch die heimische Natur. Mehrere Kanadische Tigerschwalbenschwänze laben sich an der Blütenpracht.

Die bis zu 9 cm großen Schmetterlinge sind eng mit den auch in Deutschland vorkommenden Schwalbenschwänzen verwandt.

Ohne so enge Angehörige in Europa müssen die “Hummingbirds” auskommen, die wir hier ebenfalls zahlreich antreffen. Kolibris gibt’s nämlich nur in (Nord- und Süd-)Amerika, auf anderen Kontinenten sind sie nicht heimisch. Bis wir sie in Alaska das erste Mal gesehen haben, hatte ich sie nur in tropischen Gebieten vermutet. Tatsächlich aber haben sie sich hier Lebensräume von Alaska bis Feuerland erobert.

Ich liebe diese kleinen schillernden Flugartisten, die auf der Stelle schweben, seitlich und sogar rückwärts fliegen können.

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