Passage nach Samoa, Tag 4: die mysteriöse Datumsgrenze und die Herren von der Zeitsparkasse

Land Ho! Land in Sicht! Nach vier Tagen und Nächten auf hoher See taucht an Steuerbord voraus schemenhaft eine Insel auf. Ta’u Island ist noch nicht unser Ziel, gehört aber immerhin schon zu einem der beiden Samoas, nämlich zu American Samoa 🇦🇸.

Rund 70 Seemeilen weiter westlich liegt dann Tutuila, die größte Insel Amerikanisch Samoas, mit der Hauptstadt Pago Pago.

Unser Kurs führt zwischen diesen beiden Inseln hindurch und noch einmal 70 Seemeilen weiter nach Westen zur Insel Upulu mit Apia, der Hauptstadt von Samoa 🇼🇸.

Irgendwann heute Nacht werden wir also über die Grenze zwischen American Samoa und Samoa segeln. Wir erreichen schon wieder eine neue Zeitzone. Die Uhren brauchen wir dabei diesmal nicht umzustellen, dafür aber den Kalender. Fahren wir um Mitternacht über die Grenze, folgt für uns auf Freitag den 13. Juni 24.00 Uhr unmittelbar Sonntag der 15. Juni, 00.00 Uhr. Samstag, den 14. Juni 2025 hat es dann in unserem Leben schlicht nie gegeben!

Ein ganzer Tag einfach geklaut?! Haben die grauen Herren von der Zeitsparkasse aus Michael Endes Roman “Momo” mal wieder ganze Arbeit geleistet? Nein, die grauen Herren sind nicht schuld. Wir können uns diesen Tag deshalb auch nicht zurückholen, indem wir rückwärts gehend durch die Niemalsgasse Meister Hora im Nirgendhaus um Hilfe bitten. Der Tag ist wirklich unwiederbringlich für uns weg!

Wie kommt das?

Die Datumsgrenze folgt zwangsläufig aus der Einrichtung der Zeitzonen. Die sind ja einigermaßen eingängig. Vom Nullmeridian im englischen Greenwich aus grundsätzlich alle 15 Längengrade nach Westen ist es eine Stunde früher, alle 15 Längengrade nach Osten eine Stunde später. Damit fällt das Tageslicht (auf gleicher Breite) jeweils ungefähr auf den Tag und die Dunkelheit auf die Nachtstunden. Hätte man das nicht so festgelegt und würde stattdessen überall die Uhrzeit von Greenwich gelten, wäre es in Neuseeland und im Osten Russlands um 00.00 Uhr regelmäßig taghell, um 12.00 Uhr aber immer dunkel. So aber wandert die Zeit mit dem Sonnengang um die Erde. Das hat praktische und unpraktische Seiten. Sehr große Staaten haben sich deshalb unterschiedlich zu diesem Konzept entschieden. Die USA zum Beispiel wenden es auf ihrem kontinentalen Staatsgebiet im Prinzip an und haben deshalb zwischen der Ostküste und Alaska fünf verschiedene Zeitzonen. Die Zeitzonen folgen dabei allerdings nur ungefähr den 15-Grad-Abschnitten bei einer sehr freien Interpretation hinsichtlich Alaska und besonders der Aleuten. China dagegen erstreckt sich theoretisch ebenfalls über fünf Zeitzonen. Es hat sich aber dafür entschieden, dass in ganz China nur eine Zeit gilt, die der chinesischen Ostküste.

Bildquelle: Wikipedia.org

Global betrachtet wird aber das Konzept der Zeitzonen angewandt. Damit wandert allerdings auch der mitternächtliche Datumswechsel (die Mitternachtslinie) um die Erde. Dadurch wird eine zweite Datumswechsellinie erforderlich, um die Erde in einen Bereich mit dem alten Datum und einen mit dem neuen Datum aufteilen zu können. Und diese (zweite) Datumsgrenze wurde konzeptionell Greenwich genau gegenüber auf den 180 Längengrad gelegt, wo sich die Zeitzonen -12 und +12 treffen. Praktischerweise liegt diese Grenze zwischen den großen Kontinenten mitten im Pazifik. Den vergleichsweise wenigen dort lebenden Menschen wird zugemutet, dass die Nachbarn auf der anderen Seite der Datumsgrenze auch tagsüber ein anderes Datum haben (und damit einen anderen Wochentag).

Staaten, die genau auf dieser Datumsgrenze liegen, haben sich für ihr Staatsgebiet jeweils für die eine oder andere Seite entschieden. Aber nicht nur das. Auch manche Staaten in der Nähe der Datumsgrenze fanden es besser, auf die andere Seite zu rutschen. Unser Ziel Samoa zum Beispiel liegt auf etwa 171 Grad West. 1892 wechselte es auf die andere Seite der Datumsgrenze. Den 4. Juli 1892 gab es auf Samoa deshalb gleich zweimal. 2011 entschied man sich (vor allem wegen der Handelsbeziehungen zu Neuseeland) für den Wechsel zurück und strich dafür den 30. Dezember 2011 aus dem samoanischen Kalender.

Und unser gestohlener Tag? Ist genau genommen vielleicht doch kein ganzer Tag, denn bezogen auf unsere Abreise von Europa haben wir (einschließlich “Sommerzeit”) im Laufe der sechsjährigen Reise schon 13 mal die Uhr um eine Stunde zurück gestellt, 13 Stunden “geschenkt” bekommen. Oder vielleicht haben wir sie auch angespart (also doch Zeitsparkasse). Die anderen 11 geben wir als Kredit: wenn wir zurück in Deutschland sind, werden wir unterwegs 24 Tage mit 25 Stunden gehabt haben.

Nur eben keinen Samstag, den 14. Juni 2025!

Bitte auf das “Heute” bzw. “Morgen” achten

Essen: Auberginen/Kartoffel/Tomaten/Paprika-Auflauf mit Feta überbacken (wir dürfen kein Gemüse nach Samoa einführen).

Etmal: 150 sm, gesamt auf dieser Passage 589 sm, bis Apia noch ca. 136 sm.

Also: wenn alles glatt geht, Morgen Ankunft in Apia. Bloß das dort Morgen Übermorgen ist. 😊

Passage nach Samoa, Tag 2

Bewegte See, Seegang um 2,5 m. Schönwettersegeln mit leichtem Achterbahneffekt.

Nach zwei Nächten auf See haben wir uns an die Schiffsbewegungen aber inzwischen ganz gut gewöhnt, die zweite Nacht auch mit gutem Schlaf.

Skipjack Thuna gefangen. Elisa hilft beim Filetieren. Eine neue Erfahrung für sie.

Essen: Elisa zaubert Thunfisch-Sashimi in Kartoffelcreme-Gurkenrolle mit Cashew.

Etmal: 150 sm, gesamt bisher 288 sm, noch etwa 482 sm bis Apia, Samoa.

Passage nach Samoa, Tag 1

Bob ist am Montag wieder im Einsatz im kargen Übergangsbüro des Zolls, wir können also in Aitutaki ausklarieren. Interessanterweise sind dafür mehr Angaben zu machen als beim Einklarieren, so sollen wir zum Beispiel die Marke und das Fassungsvermögen der Rettungsinsel und die Seriennummer der EPIRB Seenotfunkbake im Formular eintragen.

Aber gut, letztlich klappt alles und kurz vor Mittag laufen wir aus.

Die Bedingungen sind gut, um sich in die Passage einzugewöhnen. Nicht allzu schaukelig, etwa 2 m seitliche Ozeanwelle. Erst Segeln wir auf Steuerbordbug mit Fock und Großsegel, seit heute früh ist die Fock an Backbord ausgebaumt. Schmetterlings-Segeln.

Ein schöner Sonnenuntergang und zudem fast Vollmond. Jeder von uns hat eine Nachtwache von vier Stunden, also 8 Stunden Freiwache. Das ist komfortabel, auch wenn der Schlaf in den ersten beiden Nächten einer Passage meist noch nicht so gut ist. Das Wetter ist etwas besser geworden. Bob hatte uns noch offenbart, dass auf Aitutaki um Vollmond und Neumond herum jeweils mit unstetem Wetter und Regen zu rechnen ist. Tatsächlich hat es bis kurz vor unserer Abfahrt genieselt.

Aber die Nacht bleibt trocken und es gibt auch einen schönen Sonnenaufgang.

Essen: Asiatische Glasnudelpfanne mit Pak Choy.

Etmal: 138 sm, noch etwa 632 sm bis Apia/Samoa.

Passage zu den Cook Islands, Tag 6: angekommen auf Aitutaki

Kiaorana. Das K vorne ist neu, in Französisch Polynesien hieß es zur Begrüßung noch Iaorana. Aber hier in den Cook Islands ist es eben ähnlich, aber anders. Vielleicht noch ein bisschen entspannter.

Gut gemeint 😇 ist ja manchmal das Gegenteil von Gut gemacht. Um vernünftig einklarieren zu können, wollen wir extra nicht am Wochenende ankommen, Montag scheint die bessere Wahl. Bloß, Montag, der zweite Juni ist naturgemäß der erste Montag im Juni, und da wird auf den Cookinseln „Kings Birthday“ begangen, ein nationaler Feiertag. Behörden also grundsätzlich geschlossen. Aber eben nur grundsätzlich.

Gleich sechs Boote kommen heute im kleinen Hafen von Aitutaki auf den Cookinseln an und würden gern einklarieren. Da kommen die Behördenvertreter dann auch an ihrem eigentlich freien Tag raus. Das ermöglicht uns, die Q-Flagge einzuholen und an Land zu gehen. Da wird dann auch schon mal das „Office“ eingepackt und der Papierkram auf der Sitzfläche des Scooters am Dock erledigt. 31 Tage dürfen wir bleiben, „enjoy the Island“.

„Meitaki“ dafür, also Dankeschön. Das hätte in Französisch Polynesien noch „Māuruuru“ geheißen, da werden die Unterschiede in den polynesischen Sprachen dann schon deutlicher.

Jedenfalls haben wir genug Gelegenheit, uns zu bedanken, insbesondere auch bei anderen Seglern. Aitutaki ist ein nicht ganz unkomplizierter Hafen. Die Lagune hat keinen für Yachten schiffbaren Zugang, es gibt aber eine schmale Rinne zu einem künstlichen Hafenbecken.

Die Rinne neigt zur Verlandung, wird aber gelegentlich ausgebaggert. Barbara von der Lille Venn hatte uns berichtet, dass dies kürzlich wieder erfolgt sei. Schon mal die halbe Miete. Die schmale Rinne wartet mit starker Tidenströmung auf. Aktuelle Tiefenangaben für den Hafen sind schwer zu erhalten. Das Wasser ist milchig undurchsichtig. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Segelboote im Hafen weder an einem Steg, noch direkt an der Pier anlegen können. Vielmehr wird geankert, um dann vom Heck aus Landleinen auszubringen. Direkt von Bord gehen kann man trotzdem nicht, weil das Heck mangels Wassertiefe fast überall Abstand von der Pier halten muss. Aber ist in dem engen Hafen überhaupt Platz für uns?

Tja, quasi als Selbsthilfegruppe gibt es die „Aitutaki Welcoming Group“ auf WhatsApp. Segler, die schon im Hafen liegen, geben hier bereitwillig Auskunft. Und – weit darüber hinaus – helfen sie bei der Planung und der Ankunft. Das geht so weit, dass sie die aktuellen Tiefen und Strömungen messen, sogar einen Plan für die bestmögliche Unterbringung der erwarteten Boote erstellen und in die Gruppe posten. Das sieht dann so aus:

Gemeinsam mit drei weiteren frühmorgens angekommenen Booten drehen vor Aitutaki bei und warten auf ein Abschwächen der noch sehr kräftigen Strömung. Als wir dann einlaufen, werden wir von vier(sic!) Dinghies erwartet, die uns zum Platz geleiten, den besten Platz für den Anker zeigen und unsere Heckleinen übernehmen. Die Leinen werden an weitere Helfer auf der Pier übergeben, die damit auf die Lagunenseite der Pier hinübergehend die Leinen an den dortigen Felsen festmachen. Wir holen die Lose aus den Leinen und sind fest.

Was für ein Service, nur eben nicht vom Hafen, sondern komplett von anderen, uns bisher unbekannten Seglern. Wow.

Und so kommen auch wir unbeschadet zu unserem ziemlich ungewöhnlichen Hafenplatz an der Westpier.

Um so schöner, dass ein Großteil der von der Passage doch recht müden Neuankömmlinge am Abend auf eben dieser Westpier mit den Helfern die erfolgreiche Aktion feiern.

Meitaki.

Passage zu den Cook Islands, Tag 5

Wir segeln weiter nach Westen. Das beschert uns schöne Sonnenuntergänge vor dem Bug, aber auch tolle Sonnenaufgänge genau in unserem Kielwasser.

Es bleibt dabei: angenehmes Segeln. Die Windstärke variiert ein bisschen, so können wir unsere Segelgarderobe ausprobieren. Sowohl die Fock als auch der Code0 kommen zum Einsatz, dazu wechseln wir durch verschiedene Reffstufen im Großsegel. Eine kurze Schwachwindphase nutzen wir für ein Bad im offenen, hier über 4.000 m tiefen Pazifik.

Aufregenden in diesem riesigen Freibad (auch für uns immer wieder) und trotz 26 Grad Wassertemperatur auch erfrischend, dieser Ausflug in das im mehrfachen Sinne tiefe Blau. Natürlich mit Sicherungsleine 😉, der Schwell stellt sich schließlich nicht so schnell ab.

Außerdem nehmen wir schon mal den Wechsel der Gastlandsflagge vor. Französisch Polynesien wird eingeholt, die Flagge der Cook Inseln gesetzt. Die sieht ein bisschen so aus, als wäre der britische Union Jack mit der Europaflagge vereint, aber die Erklärung ist natürlich eine andere. Der Union Jack im Blue Ensign (Mitglied im Commonwealth of Nations, zudem steht das Blau für den Pazifik ist zugleich eine Anlehnung an die neuseeländische Flagge). Der Kranz von 15 Sternen (nicht 12 wie bei der Europaflagge) steht für die 15 Inseln des Staates.

Vorerst muss darüber noch die gelbe Quarantäne-Flagge gesetzt sein, die wird erst eingeholt wenn wir einklariert sind.

Und sonst: noch eine Nacht, noch etwa 70 Seemeilen liegen vor uns. Zum Abendessen gab’s dann heute Zweierlei vom Mahi Mahi: zuerst eine Flora-Variation des Poisson Cru (roher Mahi Mahi in Limettensaft mariniert, mit Tomate, Gurke, Zwiebeln und Kokosmilch, abgeschmeckt mit Salz, weißem Pfeffer und Sirach). Und als Hauptgang dann eine Poke Bowl mit angebratenem Mahi Mahi auf Reis und Karotten und Salat mit Furikake-Topping.

Passage zu den Cook Islands, Tag 4

Herrliches Segeln. Allerdings sind wir zu schnell, zugegebenermaßen ein Luxusproblem. Also segeln wir trotz 15 kn Wind im zweiten Reff, während der Nacht sogar im dritten. Tagsüber bei langsam abnehmendem Wind wieder im zweiten Reff. Angenehme Bedingungen, Sonnenschein, tefblaues Meer. Offshore-Segeln vom Feinsten.

Um das Blauwassererlebnis wirklich perfekt zu machen gehört dann auch noch Angelerfolg dazu. Der kleine fliegende Fisch, der sich während Elisas Wache ins Cockpit verirrt, zählt nicht als solcher. Dann aber am Nachmittag: beide Angelleinen rauschen aus. Es wird ein ordentlicher Kampf mit Bauchgurt im Drill. Auch Elisa versucht sich zwischenzeitlich, aber die Kräfte sind doch ein bisschen groß. (Für bessere Auflösung auf Foto klicken)

Wir bekommen beide Fische tatsächlich an Bord, es sind jeweils kapitale Mahi Mahi. Allerdings schaffen wir das nicht ganz ohne Schwund: die vorsorglich herausgestellte altbewährte Plastikwanne (zum Ausbluten und Filetieren) ist viel zu klein und gleich der erste Mahi Mahi zertrümmert sie schon vor dem Hineinlegen mit einem Schwanzschlag. Beim zweiten Mahi Mahi bricht dann unser altes Gaff (ein Haken an einem Stiel, mit dem große Fische an Bordgehievt werden). Zum Glück erst, nachdem der Mahi Mahi schon auf dem Achterdeck zappelt.

Nach dem Filetieren sind die Kühlschränke übervoll und ich bin erstmal völlig fertig, Nachmittagsschlaf ist angesagt.

Vorher müssen allerdings noch die Spuren des Gemetzels auf dem Achterdeck beseitiget werden, gefolgt von ausgiebigen gegenseitig verabreichten Eimerduschen.

Essen: Kartoffel-Lauch-Eintopf. Der Fisch muss im Kühlschrank noch ein bisschen warten.

Noch rund 200 Seemeilen bis Aitutaki.

Passage zu den Cook Islands, Tag 3

Es ist eine Schande, jetzt schon wieder von Maupiha’a abzufahren. Es ist soooo schön dort. Warum wir es trotzdem machen? Wenn wir länger bleiben, schickt ein Wettersystem aus dem Süden hohe Wellen zu uns hinauf. Bei gleichzeitig abnehmendem Wind würde das eher unangenehme Bedingungen für eine Passage bedeuten.

Die Abfahrt ist trotzdem nicht ganz einfach zu planen. Für die Fahrt durch die Lagune und den engen Pass hätten wir gern eine hoch stehende Sonne und idealerweise auch keine zu starke Tidenströmung im Pass. Um Mittag herum wäre gut dafür. Allerdings sind es 360 Seemeilen von Maupiha’a bis nach Aitutaki in den Cook Inseln. Das bedeutet bei ideal schneller Fahrt zwei Tage, etwas konservativer gerechnet 2 1/2 Tage bzw. 60 Stunden. Bei Mittagsabfahrt heißt das Ankunft in der Nacht. Nicht ideal, aber wir können ja vielleicht langsamer segeln.

Also fahren wir tatsächlich mittags ab, kommen gut (wenn auch etwas angespannt) durch den 20 m engen Pass und setzen das Großsegel gleich im ersten Reff. Immer noch zu schnell. Wir wechseln ins zweite Reff. Sehr angenehmes Segeln.

Vielleicht nochmal ein bisschen Orientierung. Der Blick auf den Globus zeigt im Südpazifik ja fast durchgehend Wasser. Die Cookinseln sind ein unabhängiger Insel-Staat im Südpazifik in „freier Assoziierung mit Neuseeland“. So ist etwa die Währung an den Neuseeländischen Dollar gekoppelt und die Staatsbürgerschaft ist tatsächlich Neuseeländisch mit einem besonderen Status hinsichtlich der Cookinseln.

Und da, genauer gesagt nach Aitutaki in den Südlichen Cookinseln, wollen wir jetzt erstmal hin.

Elisa kocht, es gibt Bratkartoffeln und dazu Ratatouillereste von gestern. Lecker.😋

Fakarava Nord und Passage nach Tahiti

Vom Südpass in den Norden des Atolls, das bedeutet einmal längs durch die etwa 60 km lange und 13 km breite Lagune zu fahren. Es gibt einen vergleichsweise breiten Korridor mit nur wenigen Bommies a den Rändern. Eigentlich könnten wir versucht sein, dieses Mal innerhalb des Atolls zu segeln. Aber: wieder motoren wir, denn der Wind steht uns genau entgegen. Macht nichts, in Rotoava, dem Hauptort, können wir bei ruhigem Wetter sehr gut an der Tankstelle anlegen und Flora wieder voll tanken. Wir könnten etwas sparen, wenn wir das bis Papeete auf Tahiti aufschieben würden, denn dort besteht mit ein wenig Aufwand die Möglichkeit, steuerfrei das Boot zu betanken. Aber bei den derzeit flauen Winden wollen wir lieber auf Nummer sicher gehen.

Am Ankerplatz vor Rotoava liegen bereits etwa 25 Yachten, aber wir finden trotzdem einen guten Platz. Die Beliebtheit hängt auch damit zusammen, dass es im Ort ein paar Restaurants, mehrere Tauchschulen, kleine Hotels, Perlenverkäufer, Stände mit Muschelketten und eben auch ein paar Supermärkte gibt. Deren Angebot ist allerdings stark abhängig davon, wann zuletzt das Versorgungsschiff angelegt hat. An frischen Lebensmitteln ergattern wir nur ein paar Äpfel und Birnen. Insgesamt ist es ziemlich beschaulich und weniger touristisch als wir es uns vorgestellt hatten.

Die Kirche im Ort zeigt, wie wichtig Muschelschmuck für die Bewohner der Tuamotus ist.

Alle Bildnisse und Statuen in ihrem Inneren sind mit Muschelketten behängt, die Weihwasserbecken sind Schalen von Riesenmuscheln, wie Kronleuchter hängen Muschel-Glocken von der Decke, kunstvolle Perlenschnüre aus verschiedenen Muscheln verbinden sie. Einige der Fensternischen sind mit dem Perlmutt von geöffneten Austernschalen verkleidet.

Noch opulenter werden die Muschelketten in der halboffenen Kapelle im Hof hinter der Kirche:

Der eigentlich geplante Tauchausflug zum Nordpass fällt leider aus. Die Tauchschule sagt, der Südschwell der letzten Tage habe so viel Wasser in die Lagune gespült, dass derzeit zu keiner Zeit die für den Tauchgang benötigte einlaufende Strömung im Pass entsteht. Schade.


Die Windstille verlockt uns dazu, den Ankerplatz vor Rotoava nach nur einer Nacht wieder zu verlassen und uns ganz in die Nähe des Nordpasses zu verholen. Der Platz dort ist nämlich wunderschön, allerdings bei den normalerweise vorherrschenden Winden nicht sehr geschützt. Und man muss sich um einige verstreute Riffe herum an den Strand herantasten, weshalb wir zunächst den Ankerplatz auch ganz für uns haben. Wir genießen die Ruhe, Schnorcheln ausgiebig an den Bommies um Flora herum. Bei diesen Bedingungen entfaltet der Ankerplatz im Flachwasser eine ganz eigene Magie:

Am nächsten Tag machen wir uns dann auf zur Passage nach Tahiti. Nach dem dem Morgenhochwasser laufen wir durch den Pass, trotzdem schieben uns etwa zwei Knoten Strom. Dafür erwartet uns draußen eine schöne Überraschung: segelbarer Wind.

Die Wetterberichte hatten für den Vormittag noch Flaute vorhergesagt, dann aber ein Band mit Südwind und über den zweiten Tag auf Nordwest drehenden Wind. 

Mit Codo0 an Backbord machen wir von Anfang an gute Fahrt. Das stabilisiert und ist auch ganz gut so, denn es steht eine unangenehme 3-m-Dünung aus Süd. Mit einem Windsprung auf 25 bis 28 Knoten aus Süd kommt dann kräftiger Regen. Gerade noch rechtzeitig bergen wir den Code0. Statt dessen setzen wir die Fock an Steuerbord und es kommen zwei, später sogar drei Reffs ins Groß.

Durch die flotte Fahrt brauchen wir statt der kalkulierten 2 Tage nur anderthalb. Das bedeutet allerdings auch, dass es eine Nachtansteuerung von Tahiti wird. Wollten wir eigentlich gerne vermeiden, aber nun ist es halt so. Und es hat auch etwas für sich. In der Abenddämmerung schält sich unter einer Wolkendecke ein Stück Küstenlinie von Tahiti heraus. „Land Ho!“

Während wir näher kommen wird es dunkel.

An Backbord leuchtet das Kreuz des Südens am Sternenhimmel, voraus blinkt das Leuchtfeuer von Point Venus. Hinter dem Leuchtturm ist im Wolkendunst über der Insel die Lichtglocke der Hauptstadt Papeete auszumachen. 

Wir liegen uns im Cockpit in den Armen, während Flora unter vollen Segeln mit 7 Knoten durch die Nacht darauf zu fährt. 

Ein weiterer Meilenstein unserer Reise, Papeete auf Tahiti, die Hauptstadt der Südsee. 

Der Ankerplatz am Point Venus wäre eigentlich unsere erste Wahl gewesen. Hier hat Captain James Cook 1769 den Venusdurchgang beobachtet, daher der Name. Dieser Ankerplatz wäre auch bei Nacht vergleichsweise einfach anzusteuern. Aber durch den ungewöhnlichen Nordwestwind und den daraus folgenden Schwell ist er jetzt sehr ungemütlich. Unsere Freunde von der Easy One haben sich deshalb ein Stück weiter westlich nach Arue verzogen, wo das vorgelagerte Riff deutlich besser vor diesen Bedingungen schützt.  Dafür müssen wir allerdings erst durch das Riff und dann im engen Tonnenstrich auf das Lichtermeer der Stadt zu. Aber das klappt gut und wir genießen sogar noch einen späten Willkommensschluck bei Andrea und Ingo auf der Easy One.

Dann erst mal Ausschlafen und am nächsten Morgen:

Herrlich ruhiger Ankerplatz von Arue hinter dem Riff und Blick von Tahiti bin hinüber zur Nachbarinsel Moorea.

Minenfeld oder Sternenhimmel? Atoll-Navigation in Raroia/Tuamotus.

Wir sind in den Tuamotus angekommen. Der letzte Teil der dreitägigen Passage war wunderschön, herrlicher Segelwind, relativ ruhige See, blauer Himmel, Sonnenschein. Und ein Sonnenaufgang zum Innehalten und Niederknien:

Wir legen tatsächlich eine Pause ein, denn trotz drittem Reff im Großsegel und sogar gereffter Fock sind wir ein bisschen zu früh vor Raroia. Erst gegen 9:00 Uhr soll Hochwasser im Pass sein, bis dahin müsste die Tide auflaufen. Stillwasser oder leicht ablaufende Tide wäre ideal für die Einfahrt in die Lagune.

Also drehen wir bei. Für Nichtsegler: dieses Manöver ist eigentlich für Starkwind und entsprechende Wellen gedacht, um sich eine Ruhepause zu verschaffen, etwas zu Essen zu kochen, eine Böe durchziehen zu lassen oder ähnliches. Mit dichtgeholten Segeln geht das Boot durch den Wind, danach gibt man sofort Gegenruder und setzt das Steuer fest. Die Fock steht dann back (bekommt also den Wind von der falschen Seite). Dadurch stabilisieren die Segel das Boot, sorgen aber kaum für Vortrieb. Das Boot driftet nur ganz langsam ab.

Jetzt, bei nur 10 kn Wind, müssen wir ein bisschen mit den Segelgrößen vor Vorsegel und Groß spielen, bis wir eine passende Einstellung gefunden haben, aber es klappt.

Flora parkt praktisch ein und wir können den Sonnenaufgang und den langsam blauer werdenden Himmel ausgiebig bewundern.

Etwa eine Stunde lang treiben wir so dahin, dann zeigt das AIS die “Elin” (zufällig ein Schwesterschiff der Flora) bei der Einfahrt in den Pass an, vor dem sie schon einige Zeit gewartet hatte. Eigentlich wäre es noch 2 Stunden zu früh dafür, aber die Elin wird im Pass deutlich langsamer statt schneller. Also schon ablaufendes Wasser? Auf die Tidenzeiten ist hier wirklich kein Verlass, zu leicht können lokale oder wettertechnische Besonderheiten die Zeiten durcheinander wirbeln.

Na dann los. Abgesehen von den Brechern auf dem Riff direkt neben der Fahrrinne macht der Pass einen befahrbaren Eindruck und tatsächlich haben wir nur kurzzeitig 3 kn Gegenstrom. Dann sind wir drin in unserer ersten Lagune der Tuamotus. Das Aufatmen muss aber noch warten, die Anspannung bleibt erst einmal hoch.

Der Grund dafür sind die Korallenköpfe (auch “Bommies” genannt), mit denen die meisten Lagunen der Tuamotus gespickt sind, auch die Lagune von Raroia. Die (aktuelle) C-Map Timezero-Seekarte auf unserem Furuno-Plotter ist ist übrigens hier völlig unbrauchbar, sie zeigt in der Lagune lediglich eine gestrichelte graue Fläche an.

Spannend ist dagegen ein Satelliten-Blick auf Raroia, etwa bei Google Earth:

Was auf den ersten Blick wie ein Sternenhimmel oder die Hautzeichnung eines Walhais wirkt, ist in Wirklichkeit ein navigatorisches Minenfeld. Fast alle der weißen Punkte in der Lagune sind Bommies, ein paar kleine Wolken sind auch dabei. Die Korallenköpfe sind deshalb so hell und sichtbar auf dem Satellitenfoto, weil sie aus der Tiefe bis dicht unter die Wasseroberfläche ragen, drüber fahren mit dem Segelboot unmöglich.

Erschwerend kommt hinzu, dass jetzt am frühen Morgen die noch tiefstehende Sonne nicht hilfreich ist, um Bommies vom Steuerstand des Bootes aus zu erkennen. Und, dass der Ankerplatz im Nordosten liegt (zur Erinnerung: wir sind auf der Südhalbkugel, die Sonne wandert von Ost über Nord nach West)! Oh, hatte ich erwähnt, dass der Wind pünktlich zur Einfahrt auf gut 20 Knoten hochgegangen ist?

So zeigen sich Bommies in natura (Bilder von heute aus Raroia):

Mit der Sonne im Rücken, gut zu sehen trotz Wellen:

Mit einer Wolke vor der Sonne und eher seitlich, na ja:

Gegen die Sonne, keine Chance:

Sind wir also Glücksritter oder Hasardeure, wenn wir da trotzdem durchfahren?

Wir meinen: nein. Woran liegt’s?

Satellitenbilder lassen sich dankenswerterweise auch zur Navigation verwenden. Das Satellitenoverlay bei Navionics auf unseren iPads zeigt die Bommies in der Seekarte sehr gut an (und anders als etwa Sandbänke verlagern die langsam wachsenden Korallenköpfe ihre Position eher selten).

Hinzu kommt: wir sind ja nicht die ersten, die sich hier hinein tasten. Die gelbe Linie ist ein Track anderer Segler. Wir folgen ihr nicht sklavisch, aber sie bietet eine gute Orientierung. Wer unseren Track (als GPX-Datei) haben möchte, möge sich einfach bei uns melden.

Tipp: man kann in Navionics auch gut vorab im Satellitenoverlay eine Route erstellen (dabei Wolkenzonen meiden) und speichern. Die lässt sich dann auch ohne Satellitenoverlay nutzen, was manchmal besser zu erkennen ist. Mit Internetempfang (Starlink?) lässt sich auch direkt in Google Earth navigieren. Wer lieber in zuvor heruntergeladenen Satellitenbildern navigiert, kann das in OpenCPN tun. Das läuft allerdings nicht auf dem iPad, dort funktioniert aber zum Beispiel SeaIQ (ist unser Backup).

Die Fahrt durch Raroia zum Ankerplatz hat jedenfalls problemlos geklappt, wir konnten zu den einzelnen Bommies jeweils einen Sicherheitsabstand von geschätzt mindestens 40 m einhalten. Das Minenfeld ist ein bisschen entschärft.

Auf Noforeignland findet sich ja unsere gesamte Reiseroute, dort sieht unser Track vom Beidrehen bis zum Ankerplatz in Raroia so aus:

Am Ankerplatz gibt es noch eine kleine Herausforderung, das erste “Floaten” der Ankerkette mit den Perlfarmbojen aus den Gambier. Klappt aber dank der vorbereiteten Karabiner zum Einklicken in die Kette ganz gut.

Nebenbei, auch das Abschnorcheln des Ankers wird ein besonderes Erlebnis, denn Raroia hält ein tierisches Begrüßungskomitee für uns bereit:

Wir zählen bis zu 8 Schwarzspitzenhaie gleichzeitig direkt an der Flora. Und das, bevor wir den unterwegs gefangenen Skipjack-Tuna für das Abendessen zubereitet haben (mit Kartoffelspalten, Rotkohl-Sternfrucht-Salat und Mangochutney).

Lässt sich aushalten hier. Mit Sandstrand, Palmen, türkisfarbenem Wasser und überhaupt: leuchtenden Farben. Wow.

Und jetzt gerade gibt’s übrigens einen tollen Sternenhimmel. ÜBER der Lagune.

😊

Tag 2 der Passage von Nuku Hiva nach Raroia

Aus dem gestern noch sehr ruppigen Segeln in bewegter See ist heute Champagnersegeln geworden (natürlich ohne dass wir Alkohol zu uns nehmen würden). Herrliches Wetter ruhige See und 8 bis 10 kn Wind von der Seite. Wir sind trotzdem mit dem zweiten Reff im Großsegel und der kleinen Fock unterwegs. Nur gut vier Knoten Fahrt machen wir so – mit voller Absicht!

Wenn unsere Rechnung aufgeht, kommen wir damit zum Morgenhochwasser gegen 9:00 Uhr am Pass in die Lagune von Raroia an und können um Slack (Stillwasser im Pass) einlaufen.

Besonderheiten:

Zum Sonnenuntergang hat sich mal wieder ein gänsegroßer Booby eine Mitfahrgelegenheit für die Nacht erschlichen. Auf dem Bugkorb und hinten auf dem Davit dulden wir diese Tramper. Wenn sie sich dagegen auf der Saling im Mast niederlassen wollen, vertreiben wir sie; zu übel sind von da aus ihre über das ganze Schiff inclusive Bimimi und Solarpanel verteilten stinkenden und ätzenden Hinterlassenschaften.

Der Brown Booby (Weißbauchtölpel) blieb die Nacht über und verschwand erst im Morgengrauen.

Und dann haben wir heute Nachmittag wieder Angelglück: ein Skipjack Tuna, der größte, den wir bisher von dieser Art gefangen haben.

Nicht ganz so schön: unser AIS (Digital Yacht AIT5000) sendet nicht mehr. Empfang haben wir, die UKW-Funke (läuft über die gleiche Antenne) funktioniert. Der Silent/Stealth-Modus ist nicht aktiv, trotzdem wird kein AIS-Signal gesendet. Ich habe mal ein Suport-Ticket beim Hersteller eröffnet. Jedenfalls könnt Ihr uns derzeit nicht auf Marine-Traffic oder Vesseltracker finden, auf Noforeignland ist Floras aktuelle Position aber weiterhin einsehbar.

Wir haben übrigens eine weitere halbe Stunde Zeitverschiebung gegenüber den Marquesas, in den Tuamotus ist es jetzt 12 Stunden früher als in Deutschland. Wenn also bei Euch der Dienstag langsam zu Ende geht, fängt er bei uns an und wir laufen dann hoffentlich noch rechtzeitig vor der angekündigten Wetterverschlechterung in das Raroia-Atoll ein.