Nix mehr mit blauem Himmel. Es ist grau. Wir haben das südliche Wolkenband der ITCZ erreicht.
In der Nacht Flaute, wir halten lange durch, aber dann muss doch für drei Stunden der Motor ran. Eine Zeitlang gefälliges Segeln. Der Code0 wird gegen gegen die Fock getauscht, der Kurs ist ziemlich hoch am Wind.
Und dann – wie aus dem Nichts – Wolkenbruch. Regenmassen ergießen sich über uns, der Wind springt um und nimmt stark zu. Fast unmittelbar hat sich auch 3 Meter Welle aufgebaut. Zunächst steuern wir überhoch (also bereits leicht im Wind), um den Druck aus dem Rigg zu nehmen. Aber was wir für eine Böe gehalten haben, steht fast eine Stunde durch. Als der Wind kurzzeitig von 25 kn auf 16 kn nachlässt, gehen wir schnell mit dem Großsegel ins dritte Reff. Und tatsächlich, kurz darauf pfeift es wieder und wir sind dankbar für die jetzt stark verkleinerte Segelfläche. Unbequemes, ruppiges Segel, immer wieder schießt Weißwasser übers Deck.
Nach jetziger Vorhersage benötigen wir wohl noch mindestens einen Tag, um aus diesem Wolken- und Windband hinaus zu kommen.
Etmal 148 sm, gesamt 1.641 sm, rechnerisch 1.659 sm bis Gambier.
Die Angel rauscht aus. Das charakteristische Rattern der Rolle lässt den Adrenalinspiegel nach oben schießen, der Jagdtrieb ist geweckt. Aber der Blick übers Heck wandelt das Ganze in einen Schrecken um: ein noch nicht ganz ausgewachsener Blue Footed Booby (Blaufußtölpel) hat sich auf den Köder gestürzt und wird jetzt an der Wasseroberfläche hinter Flora her gezogen. Ein zweiter Booby bleibt immer ganz in seiner Nähe.
Vorsichtig, um den gänsegroßen Vogel nicht zu ertränken, ziehe ich ihn heran. Wiebke hat mir derweil einen dicken Lederhandschuh herausgesucht, mit dem kräftigen Schnabel dieser Vögel ist nicht zu spaßen.
Und dann wird der Haken herausoperiert:
Dankenswerterweise hält der Booby dabei still, zappelt überhaupt nicht herum.
Als ich ihn freilasse, setzt er sich zunächst aufs Wasser, probiert die Flügel aus, sammelt sich. Und fliegt dann wieder los. Sieht gut aus.
Leider entschließt sich just in diesem Moment der zweite Booby, den Köder unserer anderen Leine auszuprobieren, mit dem gleichen Ergebnis. „Tölpel“. Das gibt’s doch wohl nicht, wir exerzieren das Ganze noch einmal durch und beide Leinen bleiben erstmal an Bord. Wir haben jetzt schon so lange dauernd Boobies und andere Seevögel um uns, an den Haken gegangen ist bisher noch keiner. In der ganzen Zeit hatten es allerdings zwei Vögel geschafft, sich in der Angelleine zu verheddern, ohne sich aber den Haken ins Fleisch zu rammen.
Früher hätten derartig gefangene Seevögel sicher meistens für Abwechslung auf dem Speiseplan gesorgt (sie sind essbar und sollen sogar schmecken). Aber abgesehen davon, dass wir keinen Blue Footed Booby schlachten könnten, wäre das heute auch nur in Notfällen anzuraten. Eine gute Beschreibung dazu gibt es (auf Englisch) hier.
Ebenfalls nicht auf unserer Menükarte: obwohl sich die Crew der Snark sich morgens zum Frühstück immer über die auf Deck eingesammelten Fliegenden Fische hermacht (und Jack London sich auch über deren Geschmack wohlwollend äußert) werfen wir auf der Flora allmorgendlich die stark riechenden und schleimig-schuppigen Unglücksflieger mit spitzen Fingern über Bord.
Statt dessen gibts Filet vom Skipjack Tuna mit Rigatoni und selbstgemachtem Pesto marokkanisch (mit Kardamon, Datteln, Walnüssen, getrockneten Tomaten und Feta).
Schon wieder Festessen und wir haben auch etwas zu feiern. Heute Nacht haben wir das Band unserer Nordpazifik-Runde zur Schleife komplettiert:
(Floras bisherige Reise in der Noforeignland-App)
Wahnsinn, fast zwei Jahre (seit April 2022) waren wir jetzt in diesem von europäischen Segelbooten eher selten besuchten nordpazifischen Ozean unterwegs. Hawai‘i, Alaska, ausgiebig das kanadische British Columbia, dann die US-Westküste mit San Francisco, Mexikos Baja California und Sea of Cortez. Nichts davon möchten wir missen. Und jetzt kreuzen wir auf dem Weg nach Französisch Polynesien unseren damaligen Kurs von Galapagos nach Hawai‘i.
Die Nacht war ziemlich ruppig (aber schnelles Segeln). Wir waren im zweiten Reff sehr hoch am Wind unterwegs. Heute Morgen sind wir dann 20 Grad abgefallen, jetzt also eher voll und bei mit 60° scheinbarem Windeinfall, Flora hat „einen Knochen im Maul“, weiße Gischt stiebt am Bug.
Etmal 157 sm, gesamt auf dieser Passage bisher 1.326 sm, rechnerisch verbleiben 1.974 sm bis Gambier.
Unter gerefften Segeln geht es in die Nacht. Wind ist genug – noch -. Manchmal auch mehr als genug, die dunklen Wolken bringen teils kräftige Böen und Schauer mit sich. Das soll sich im Laufe des Freitags dann allerdings rapide ändern. Dieser Schwachwindkeil der Innertropischen Konvergenzzone (international: ITCZ) liegt vor uns.
Und direkt davor, am nördlichen Rand der ITCZ, befindet sich ein Gewitterband in ständiger Veränderung. Da müssen wir nächste Nacht den besten Weg hindurch finden.
So zeigt sich das auf dem Satellitenfoto bzw. der Gewittervorschau mit unserer geplanten Route.
Alles in allem sieht es gar nicht so schlecht aus, wenn unsere Routen-Knobelei denn so hinkommen sollte. Wir rufen Windy und PredictWind immer aufs Neue auf und wägen die verschiedenen Vorhersagemodelle gegeneinander ab. Drückt uns bitte vor allem für die Gewittervermeidung die Daumen.
Dahinter wartet dann allerdings gleich eine weitere Naturgewalt, der Südäquatorialstrom. Ein mächtiger, schnell von Ost nach West fließender Fluss mitten im Ozean, zusätzlich mit vielen kleinen Eddies links und rechts des Hauptstroms.
Wie mächtig?
Ganz spannend ist der vergleichende Blick auf den Golfstrom, oben rechts an der US-Ostküste. Der berüchtigte Golfstrom nimmt sich dagegen als ziemlich schmales Band aus. Vorteil im Pazifik: Wind und Hauptstrom gehen normalerweise in die gleiche Richtung. Der blaue Punkt unter der Strömungsangabe 0.8 ist übrigens unsere aktuelle Position.
Wir wollen den Südäquatorialstrom in Südwestrichtung queren, er wird uns dabei also beschleunigen und auch ein ganzes Stück in Richtung Westen versetzen. Zu weit sollte es aber möglichst nicht sein, weil sonst der Windwinkel für die weitere Fahrt nach Gambier immer spitzer wird (der Wind also ungünstig von vorn käme).
Tja, darum kreisen unsere Gedanken im Moment, wie segeln wir am besten mit und am wenigsten gegen die Elemente? Fein ist, dass wir uns dazu mit der Fidelis austauschen können, sie segeln immer noch ganz in unserer Nähe.
Und außerdem? Passen wir uns immer noch an die Tropen an. Obwohl die relative Luftfeuchtigkeit mit 60 Prozent noch im völlig normalen Bereich ist, bei Temperaturen von 32 Grad im Boot und 29 Grad im Cockpit fühlen wir uns ein bisschen wie Sauerteig: klebrig und stinkend. Na klar, bei uns hilft die Dusche … für ungefähr zweieinhalb Minuten …
😅😳🥵
Im Windzug des Cockpits lässt es sich aushalten, aber … Alaska war auch schön. 😚
Etmal 149 sm, gesamt 933 sm, rechnerisch noch bis Gambier 2.367 sm (was etwa einer Atlantiküberquerung entspricht).
Die Golden Gate Bridge ist wahrscheinlich neben der Freiheitsstatue das bekannteste Wahrzeichen der USA. Haben wir doch schon reichlich fotografiert? Stimmt, aber sie fasziniert uns immer wieder. Außerdem sind es Abschiedsbilder, den morgen werden wir – wenn das Wetter mitspielt – aus der San Francisco Bay nach ziemlich genau einem Monat (echt, schon ein ganzer Monat !?!) wieder heraus segeln und uns weiter Richtung Süden aufmachen.
Aber heute ankern wir noch einmal ganz nah an der berühmten Brücke, dieses Mal in der Horseshoe Cove am Nordufer.
Ein bisschen Bootsarbeit steht an. Unsere Ankerwinsch hat uns vor einiger Zeit mit losen Teilen (eine Sperrklinke und eine Feder) auf dem Vorschiff überrascht. Auf Langfahrt ist die Ankerwinsch immens wichtig, zum Glück war aber nur eine Schraube abgebrochen, welche die Sperrklinke für manuelles Aufholen der Ankerkette (bei Ausfall des Elektromotors) hält. Die Winsch funktionierte also weiterhin, wir konnten erstmal aufatmen. Aber nachdem die Ersatzteile eingetroffen sind, veranstalten wir ein bisschen Chaos auf dem Vorschiff:
Die Ankerwinsch wird zerlegt und der abgebrochene Rest der Schraube mit etwas Überredungskunst aus dem Gewinde geholt. Bei der Gelegenheit tauschen wir auch gleich die Kettennuss der Ankerwinsch:
Die alte hat noch funktioniert, aber die vielen Ankermanöver unserer Langfahrt haben deutliche Spuren hinterlassen, die Mitnehmer für die Kette sind schon ziemlich angesägt. So sieht’s dann doch wieder besser aus.
Richtig konkret war es nicht, eher ein diffuses Gefühl von Abenteuer in einer vom Mensch noch nicht völlig veränderten, „zivilisierten“ Welt, am Rande der gewöhnlichen Komfortzone, abseits der kleinen Ortschaften „out in the wild“. Vielleicht: Kalt. Natur pur. Hoffentlich: Bären. Wale. Eis.
Kalt stimmt nur bedingt. Wir hatten fast durchgehend zweistellige Temperaturen auch nachts, tagsüber meist so um 15 Grad Celsius. Nur in Gletschernähe war es dann doch kälter. Was wir gar nicht so richtig auf dem Schirm hatten: die trotzdem oft herrlich klare „Winterluft“, der intensive Nadelwaldgeruch, die krasse Gebirgslandschaft, die unzähligen Wasserfälle.
Und die Menschen: wundervolle Begegnungen mit den wenigen anderen Cruisern, freundliche, offene und hilfsbereite Alaskaner (wo immer wir welche trafen).
Die heißen Quellen, die Beeren, das Angeln und Krebsfischen. Navigatorisch die Narrows und die starken Tidenströme, die großen trockenfallenden Bereiche vieler Ankerbuchten, das mystisch leuchtende Eis bei den kalbenden Gletschern.
Die Naturerlebnisse waren traumhaft. Bären, Wale, so nah und so beeindruckend. Der tägliche Weißkopfseeadler, Seeotter, Lachse. Die Wanderungen durch den von Moosen überwucherten Regenwald, ja, auch Regen und Nebel. Die Freude über blauen Himmel, der sich eben nicht jeden Morgen wie selbstverständlich beim ersten Blick durch das Decksluk zeigt. Die unfassbare Stille am Ankerplatz, wenn kein Windhauch auch nur Katzenpfötchen auf die Spiegelungen im Wasser malt.
Klitzekleiner Wermutstropfen: segeln war nur selten möglich, wir haben einige Motorstunden angesammelt. Aber wie zur Versöhnung gab es heute auf dem Törn von unserem Ankerplatz in der Foggy Bay über den Dixon Entrance ins kanadische Prince Rupert den ganzen Tag Segelwetter vom Feinsten.
Alaska hat uns beschenkt auch mit ein bisschen Zurückgeworfensein auf uns selbst, wie wir es sonst eher von längeren Passagen kennen. Kombiniert mit ganz vielen „zum ersten Mal“-Erlebnissen und wunderbaren Begegnungen. Eine Quintessenz dessen, was uns am Reisen so gefällt.
Es ist mal wieder soweit. Der Klappstuhl wird aufs Achterdeck gestellt, die Werkzeuge bereitgelegt. Badeklamotten an, damit die nicht vom Wind weggewehten Schnipsel gleich abgespült werden können. Langfahrt führt halt dazu, dass auch ungeahnte (und ungelernte) Tätigkeiten an Bord übernommen werden. Und Wiebke macht das richtig gut. Ich muss zugeben, dass ich sie lieber zum Inselfriseur schicke 😉.
Und – na klar – danach gehts erst mal ins Wasser. Mit den Paddelboards fahren wir an das Riff und schnorcheln dort ausgiebig. Das Wasser ist nicht ganz so klar wie zuletzt am Molokini-Krater, aber die Sicht ist noch ganz gut und die Unterwasserlandschaft wunderschön. An der Kante unserer sandigen Ankerfläche springt das Riff ein, zwei Meter nach oben, bildet dann aber keine ebene Fläche, sonder ist von tiefen Spalten durchzogen, weist Blöcke, Brücken und kleine Höhlen auf. Und das alles in guter Schnorcheltiefe von rund 5 Metern, zum Ufer hin dann bis zur Oberfläche.
Klar, es gibt Rifffisch, vor allem aber sehen wir wunderbar viele Schildkröten.
Wie Delfine haben Meeresschildkröten (für uns) einen integrierten “Gute Laune – Lächeln” – Effekt. Und, wie die Amerikaner sagen: “it never gets old”. Sonnenuntergänge, Regenbögen, Wasserfälle, Delfine oder eben Schildkröten, immer wieder faszinierend.
Am Nachmittag dann ein schöner Spaziergang auf dem Kapalua-Coastal-Trail, vom Ankerplatz aus an der Küste entlang. Zum Teil schroffe felsige Abschnitte, dazwischen öffentlich zugängliche Sandstrände, sogar ein bisschen Dünenlandschaft.
Die Hotels in diesem Küstenabschnitt halten sich vornehm im Hintergrund. Zurück gehen wir durch den kleinen Ort, der im wesentlichen aus verschiedenen Ressorts besteht, die sich um den Golfplatz gruppieren.
Wir sind ja keine Golfer, aber … das geht wohl auch 😎.
So kurz nach der Passage sind wir immer noch mittendrin, die ganzen Eindrücke dieser intensiven 26 Tage zu verarbeiten. Die Bilder durchzugehen, eine Auswahl besonderer Momente oder Eindrücke oder damit verbunden auch Stimmungen zu treffen, das ist gar nicht so leicht. Ich versuche, mich ein bisschen an den Beiträgen entlang zu hangeln und ein paar Blöcke bilde, ohne dass ich alles im Einzelnen zuordne.
Los ging es mit eher wenig Wind.
Angelerfolg, hier ein schöner Großaugenthunfisch, so schwer, dass wir tatsächlich einmal unser Gaff benutzt haben.
„Kreative“ Besegelung schon mal am Anfang, wir haben das in den Kalmen dann noch einmal aufgegriffen.
Überhaupt, so viele wunderbare Sonnenuntergänge vor Floras Bug und Sonnenaufgänge hinter ihrem Heck, dass ich hier mal nur eine kleine Auswahl einstelle:
Kochen und Essen strukturiert auf einer langen Passage den Tag und ist immer wieder ein Highlight.
Fliegende Fische. In „ihrem“ Element:
Und was man morgens so jeweils an Deck findet.
Herrliches Segeln
… und auch knackiges Segeln.
Ein kleines bisschen Bootsarbeit natürlich auch …
Flaute. Wenn sie kurz genug ist, auch mal schön.
Und sinnvoll zu nutzen. Wahnsinn, wie schnell hier im Pazifik Bewuchs entsteht. So sieht (nach zwei Wochen) eine zwei Zentimeter lange Entenmuschel aus:
Eigentlich ja ganz hübsch. Nur nicht, wenn sie in Massen am Boot klebt. Also Tauch- und Säuberungseinsatz in der Flaute. Vorher:
Nachher:
Noch mal Wolkenstimmung
Vögel sorgen auch immer mal wieder für Abwechslung.
25 Tage, 14 Stunden. Das ist lang, jedenfalls das längste Seestück, was wir bisher gesegelt haben. Tatsächlich überwiegend gesegelt, wir mussten nur 22 Stunden durch die Kalmen motoren. Da hatten wir viel Glück mit unseren taktischen Entscheidungen 😊. Und es ist auch ganz schön kurz, denn auf 4.278 sm gerechnet bedeutet es, dass wir ziemlich genau 7 kn im Schnitt gemacht haben (zwischendurch hat der Strom ordentlich geholfen und damit die windschwächeren Phasen mehr als ausgeglichen).
Und 4.300 sm sind eben ganz schön weit. Von Hamburg aus entspricht das der Luftlinie nach Peking! Der Pazifik ist nun mal groß, klar. Alle Kontinente der Erde passen gemeinsam flächenmäßig locker hinein. Wir blasen noch mal unseren Wasserball-Globus auf:
Wow, ja, der Pazifik ist groß, und Hawai‘i liegt ganz schön weit drin. Der Blick auf den Globus bringt einige Überraschungen. Wer hätte das gedacht: Hawai’i liegt westlicher als die Gesellschaftsinseln (Tahiti). Von Hawai‘i nach Neuseeland (oder nach Japan) ist es kürzer als nach Galápagos.
Das polynesische Dreieck (Südsee) ist auch noch mal hervorgehoben
Und von wegen Überraschungen: auch das Bild von Hawai´i bietet einige. Wir hatten uns z.B. vorgestellt, dass wir die hohen Vulkanberge EWIG vorher sehen würden, mindestens aber die sie umhüllenden Wolken. Nix da. Bei unserer Ansteuerung wären wir mit derartiger Navigation aufgeschmissen gewesen, die ganze Insel verhüllt sich scheinbar im Dunst, obwohl wir gutes Wetter haben (und ich extra schon mal das passende T-Shirt angelegt hab).
Aber hinsichtlich der Überraschungen: der regenreichste Ort der Welt liegt …
… auf Hawai‘i (Mount Wai’ale’ale in Hawaii. Auf dem 1’569 Meter hohen Berg auf der Insel Kaua‘i regnet es an 335 Tagen im Jahr). Und die regenreichste Stadt der USA ist …
… Hilo. Wo wir jetzt gerade sind. Und wir haben einmal mehr Glück. Hatte mein iPhone gerade noch gemeckert: 😂
Heute haben wir 16.407 Schritte zurückgelegt. Im Trockenen 😁.
Sind zum Einklarieren gelaufen (sehr nett und unproblematisch, neue US-Cruising-Licence für ein Jahr, vorher per CBP-ROAM-App vorbereitet). Und dann durchs amerikanische Industriegebiet zu Walmart und Target, SIM-Karten besorgen und Einkäufe erledigen. Zurück per Uber.
Wir sind angekommen. Und wir brauchen noch etwas Zeit, sorry. Die Bilder der Überfahrt muss ich noch erst sortieren, sonst kriegt Ihr nur Unmengen von Sonnenauf- und -untergängen zu sehen, wer will das schon 😎.
Essen 😉: New York Strip Steak Premium Angus Beef. An Bord in der (neuen) Pfanne gebraten. Auch sooo lecker.
Die Uhren auf Isabela gehen langsamer. Die Tiere bewegen sich (überwiegend) gemächlich, die Menschen tun es ihnen gleich.
Als wir den Ankerplatz anlaufen, passieren wir die “Paola”, einen kleinen Frachter, der im Schutz der ersten kleinen Felsinsel ankert, das Heck an einer großen Mooringtonne gesichert. Rechts und links von ihm liegen kleine motorlose Bargen oder Leichter, daran wiederum jeweils ein Arbeitsboot mit Außenbordmotor.
Wir ankern kurz hinter der Paola und seit nunmehr (mindestens) vier Tagen wird das Schiff entladen. Tagsüber ohne Pause wird über die schiffseigenen Ladebäume Stückgut auf die Leichter gehievt. Zementsäcke, Getränkekisten, Motorräder, Außenborder, Waschmaschinen können wir identifizieren, dazu jede Menge Kartons, Kisten und Säcke mit nicht so offensichtlichem Inhalt. Abwechselnd fahren die Leichter an die Hafenmohle, werden dort zumeist per Hand entladen (für ganz großes Stückgut kommt ein LKW mit Mobilkran) und kehren zurück. So war es vor der Einführung der Containerschifffahrt in vielen Häfen.
Ein weiteres Schiff liegt auf Reede, eine Art offene Fähre mit LadeKlappe vorn. Drei Lkw, einen Pkw und ein paar Baumaschinen können wir darauf erkennen. Um Hochwasser herum pendelt eine zweite, deutlich kleinere offene Fähre zwischen Hafenmauer und der großen Fähre hin und her, legt sich Bug an Bug davor, stabilisiert von zwei Arbeitsbooten. Beide Fähren lassen ihre Bugklappen herunter, jeweils genau ein Fahrzeug wechselt auf die kleine Fähre und wird an Land gebracht.
Warum dieser Aufwand? Vor der Hafenmole ist es flach, sehr flach. Selbst die Taxiboote fahren einen großen Bogen und tasten sich langsam an den Steg heran. Und doch, der Ablauf der Entladung der Frachter wirkt aus der Zeit gefallen, eine Reminiszenz an vergangene Zeiten.
Auch im Ort Villamil setzt sich das fort. Im Zentrum sind mehrere Straßen rund um den zentralen Platz ungepflasterte Sandwege.
Wir sehen einen Maler, der eine Hauswand neu tüncht. Er balanciert barfuß auf einem schräg an die Wand gelehnten Bambusgerüst.
Aber natürlich sind das nur Schlaglichter, die Moderne hat auch hier Einzug gehalten, das ist nicht nur an den Satellitenschüsseln erkennbar. Die kleinen Hotels werben mit Wifi, Aircondition und Warmwasser (!), E-Bikes und Elektroroller werden zur Miete angeboten.
Gemeinsam mit Susan und Holger von der Ultimate entscheiden wir uns für eine Fahrradtour und mieten dafür Strandbikes mit fetten Ballonreifen. Mit 10 $ für fünf Stunden sind die auf der sonst nicht ganz günstigen Insel ziemlich preiswert.
Am langen herrlichen Strand entlang und und dann durch das ansteigende Gelände geht es an den hier typischen Kakteenbäumen vorbei hoch zur Mura de Lagrimas.
Die Mura de Lágrimas (=Mauer der Tränen) ist Bauwerk gewordener Zeuge eines dunklen Kapitels der Inselgeschichte. Die Mauer mitten in der Wildnis wurde in den Jahren zwischen 1945 und 1959 von den Gefangenen einer Strafkolonie unter unmenschlichen Bedingungen aufgeschichtet und ist heute ein Denkmal. Neben der harten Arbeit in der Hitze muss die völlige Sinnlosigkeit des Konstrukts ein (beabsichtigter) weiterer psychologischer Tiefschlag für die Häftlinge gewesen sein.
An der Mauer vorbei steigen wir weiter den Berg hinauf auf den Aussichtspunkt “Mirador de Bahia”. Er macht seinem Namen Ehre und lässt uns einen weiten Ausblick über die Bucht bis zu unserem Ankerplatz vor Villamil genießen.
Auf dem Rückweg zu unseren abgestellten Fahrrädern sehen wir die ersten Riesenschildkröten in freier Wildbahn. Schilder hatten schon auf sie hingewiesen, aber so recht hatten wir nicht daran geglaubt.
Spannend auch, dass die für Menschen giftigen kleinen “Äpfel” der Manzanillos (die Machinel Tree kennen wir bereits aus der Karibik, man sollte nicht einmal bei Regen unter ihrem Blätterdach Schutz suchen) eine der Lieblingsspeisen der Riesenschildkröten sind.
Zurück gehts überwiegend bergab und damit leichter, trotzdem machen wir noch zwei Stops. Erst an einem Lavatunnel direkt am Meer, dann an einem Mangrovenfluss, der Süßwasser aus den Vulkanbergen führt, in den aber auch Salzwasser von der nahen Mündung hineinflutet und in dem wir ein ganz herrlich erfrischendes Bad nehmen.
An beiden Plätzen wandern wir noch ein bisschen herum und jeweils finden wir am Meer Lavasteinküste, auf denen sich die schwarzen Meerechsen tummeln. Hier auf Isabela werden sie besonders groß, bis etwa 1,3 m lang. Auch wenn das Kinomonster Godzilla tatsächlich diesen Echsen nachempfunden wurde, sie sind völlig harmlose Pflanzenfresser. Und – anders als ihr Name vermuten lässt – leben sie auch nicht im Meer, sondern suchen sich dort nur ihre Nahrung, indem sie Algen und Tang von den Lavasteinen abweiden. Dabei können sie bis zu 10 Minuten unter Wasser bleiben und insgesamt etwa eine Stunde im Meer, bevor sie sich an Land wieder aufwärmen.
Auch wenn die Meerechse lüstern hinüber zu blicken scheint, der junge “Sally Lightfoot”-Krebs steht nicht auf ihrem Speiseplan.
Fast fünf Stunden dauert unsere Tour, genau pünktlich geben wir unsere Räder wieder ab. Abgesehen von einer erforderlichen Notreperatur an Holgers Sattelstütze (der Leatherman hat zum Glück auch eine Säge) haben sie uns gute Dienste geleistet. Zum Belohnungsbier suchen wir uns einen Schattenplatz in einem der vielen netten Strandrestaurants.
Wellenreiter tragen ihrer Boards vorbei oder surfen in Sichtweite. Hatte ich erwähnt, dass unser Ankerplatz ein bisschen rollig ist 😉?
Also noch einen Drink länger an Land bleiben, uns so richtig festquatschen und den Sonnenuntergang von der Dachterrasse der Bar betrachten.
Wir sind in Kolumbien 🇨🇴. Irgendwie. Andererseits auch wieder nicht, denn wir haben nicht einklariert, liegen hier nur vor Anker, die gelbe Q-Flagge unter der Steuerbordsaling. Auf Funk hat niemand reagiert, auch der designierte Agent nicht, der auch auf unsere Email nicht geantwortet hat. An Land dürfen wir erst, wenn wir einen PCR-Test vorlegen, der nicht älter als drei Tage ist. Das wird wohl nichts. Man kann auch in Kolumbien einen PCR-Test machen (dazu kommt wohl die Gesundheitsbehörde an Bord), bis zum Vorliegen des Ergebnisses dann Quarantäne an Bord. Wenn hier keiner auf unsere Kontaktversuche reagiert, kommt das wohl auch nicht in Frage. Macht aber nichts, wir erholen uns hier eine Nacht, schlafen aus, genießen den Ankerplatz als Zwischenstopp, und dann gehts weiter Richtung Panama 😁
Schön ist es trotzdem hier. Als wir gegen 15.00 in die malerische Ankerbucht einlaufen, haben wir in den fünf Tagen und 6 Stunden insgesamt 760 sm zurückgelegt. Grün und gebirgig hebt sich die Isla de Providencia aus dem Meer.
Der Naturhafen diente dem Freibeuter (und spätere Vizegouverneur des englischen Jamaika) Henry Morgan als eines seiner vielen Verstecke, von hier organisierte er die Überfälle auf Panama.
Im bunten Mix der Bebauung kann man bei genauerem Hinsehen noch deutlich die Spuren des 2020er Hurrikans Iota erkennen, aber auch die fortschreitenden Wiederaufbauarbeiten.
Dann jetzt die Bilder zu den vorherigen (Satelliten-)Blogbeiträgen:
Steve, Paula und Helena werfen unsere Leinen in Mexico los.Irgendwie falsch, Sonnenuntergänge hinter uns …Und Sonnenaufgänge vor uns. Aber zunächst mal segeln wir ja tatsächlich nach Osten.
Überhaupt, “Segeln”. Auf diesem Törn lief knapp ein Drittel der Strecke der Motor, wenn auch zum Teil nur zur Unterstützung. Die windarmen Teilstrecken hatten aber auch ihre Vorteile. Wir lieben das Baden im tiefen Blau!
Kuchenbacken ist sonst auch schwieriger 😉
Nicht zuletzt stellte sich auch unser zum frischen Sushi erforderliche Angelerfolg unter Motor ein.
Und immerhin sind wir ja die anderen zwei Drittel hierher gesegelt.