Tahiti

Seglerisch ist nichts passiert, wir liegen immer noch am wunderbar geschützten Ankerplatz von Arue, einem Vorort von Papeete. Wir erkunden die Stadt und auch die Insel. Ein paar Tage haben wir gemeinsam mit Andrea und Ingo einen Mietwagen. Am Sonntag nutzen wir den, um schon um 5:30 nach Papeete zu fahren, der Gemüsemarkt ist etwas für ausgesprochene Frühaufsteher.

Rund um die eigentliche Markthalle herum bieten am Sonntag lokale Bauern im Straßenverkauf ihre frischen Produkte an.

Wir bummeln ausgiebig (und kaufen auch ein bisschen), danach gibt’s ein leckeres Frühstück in einer Patisserie. So gestärkt brechen wir auf zur Inselrundfahrt. Erste Station: Botanischer Garten. Der ist für sich genommen schon sehenswert, aber uns lockt der hier startende Hike auf dem „Sentier de la Rivière de Vaipahi“. Durch den Wald und oft an einem Bachbett entlang führt der Pfad steil bergauf.

Ein richtig schöner Hike und mit etwa einer Stunde auch kurz genug, um uns den Rest des Tages noch Zeit genug für die Inselrundfahrt und weitere Erkundungen zu lassen.

Eigentlich wollten wir auch den Südöstlichen Teil der Doppelinsel besuchen: Tahiti Iti (Klein-Tahiti), aber da macht uns Olympia einen Strich durch die Rechnung. Kaum sind wir über die schmale Landenge gefahren, die es mit Tahiti Nui (Groß-Tahiti) verbindet, stoppt uns die Gendarmerie. Nein, wir haben keine Akkreditierung. Dann also umkehren, keine Weiterfahrt. Schade, damit können wir leider auch keinen Blick auf die berühmte Welle von Teahupo‘o werfen, weil der Surfwettbewerb der Olympischen Spiele von Paris (sic!, wir sind ja in FRANZÖSISCH Polynesien) eben dort stattfinden wird und die Zufahrt schon mal vorsorglich gesperrt ist.

Dann geht es für uns eben nur rund Tahiti Nui.

Wellen – wenn auch nicht DIE Welle – bekommen wir trotzdem zu sehen, Surfer auch. Der Nachwuchs übt rings um die Insel schon mal in den kleineren Wellen für Teahupo‘o.

Unsere weitere Inselrundfahrt wird unter anderem eine Wasserfall-Besichtigungs-Tour. Zum einen, weil wir alle vier echte Wasserfall-Fans sind. Zum anderen aber auch, weil man auf Tahiti quasi alle Naselang an einem vorbei kommt. Kein Wunder, die Passatwinde treffen hier ziemlich ungebremst auf die hohe Vulkaninsel. Die warme Luft wird zum Aufsteigen gezwungen, der Wasserdampf kondensiert und regnet in der Höhe ab. Hoch genug ist Tahiti: der Mont Orohena auf Tahiti Nui misst 2.241 m. Tatsächlich liegt seine Spitze oft über der Wolkendecke, die Wolken zeigen sich eher an den mittelhohen Hängen der steil abfallenden Berge. So ist denn auch das Inselinnere praktisch unbewohnt, dicht besiedelt sind dagegen die Küstenstreifen.

Unser nächster Wasserfall ist eine heilige Stätte. Vaihi. Das hält die Locals nicht davon ab, dort zu duschen, es ist eine spirituelle Reinigung, aber gleichzeitig findet auf der Plattform vor dem Wasserfall auch eine Versammlung statt.

Heilig ist auch die „Cascade de Pape‘ana‘ana“. Dort ist ihre Bedeutung nicht an den aktuellen Besuchern, sondern an den historischen Petroglyphen erkennbar.

Öffnet sich eine Falltür, wenn man die richtigen Knöpfe drückt? Zuviel Indiana Jones geguckt.

Der höchste Wasserfall für uns an diesem Tag sind die Cascades des Fa‘aruma‘i, der 80 m in die Tiefe stürzt. Bei weitem nicht der höchste auf Tahiti (schon der wenig entfernte Schwester-Wasserfall Haamaremare Rahi ist noch 20 m höher), aber doch einer der schönsten und bekanntesten, auch wenn er aktuell nicht allzu viel Wasser führt:

Gegen den Uhrzeigersinn umrunden wir Tahiti Nui, meistens führt die Straße nahe am Wasser entlang. Mit der Klischee-Vorstellung von weißen Stränden wird dabei schnell aufgeräumt. Helle Strände finden sich hier zumeist nur künstlich angelegt vor Hotelanlagen. Die echten Strände von Tahiti sind mal felsig, mal Sandstrand, aber praktisch immer dunkel, fast schwarz.

Trotzdem schön!

In den Tagen nach unserer Tour erwischt uns leider eine Erkältung. Vermutlich hat sie eher mit den klimatisierten Supermärkten und Bussen, vielleicht auch den Menschenmassen der Großstadt Papeete zu tun. Das sind wir wohl einfach nicht mehr gewohnt. So müssen wir selbst den eigentlich zur Feier des Tages geplanten schicken Restaurantbesuch ein paar Tage verschieben.

Zum Abschluss ein Bild von vor 25 Jahren:

Papeete, Tahiti.

Großstadtleben. Was für ein Kontrast zu den letzten Monaten. Ja, wir liegen vor Anker, sehr ruhig sogar. Und doch ist alles anders.

Jeden Morgen und jeden Abend wird die Flora umschwärmt von diversen Auslegerkanus. Die Tradition des Sports mit diesen typisch polynesischen Gefährten hatten wir zuerst in Hawai’i kennengelernt, auf den Inseln in Französisch Polynesien wird sie aber genauso intensiv weitergeführt, zumeist mit ultraleichten modernen Auskegerkanus, die aber eben doch mit ihren Auslegern traditionelle Technik weiterführen.

Ab und zu verirrt sich ein Jetski oder ein Wakebord hinter einem Motorboot in die Bucht, sonst sind nur die Optis des örtlichen Segelclubs unterwegs. Beschaulich.

Und doch: um uns herum ist Großstadt. An Land ist fußläufig ein großer Carrefour-Supermarkt, die Bushaltestelle ist nah und so kommen wir auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut in die Stadt. Trotzdem haben wir uns gemeinsam mit Andrea und Ingo für ein paar Tage ein Auto gemietet. Ein paar Ausflüge haben wir uns vorgenommen und einige Besorgungen sind auch zu machen. Lebensmittel, na klar, aber auch zum Beispiel notwendige Ersatzteile für unsere Tauchausrüstung, Bootszubehör, ein neuer Wasserkocher, und und und. Außerdem bringen wir Wäsche in die Laundry und Kleidung zum Waschen zu unserer Segelfreundin Barbara in ihr AirBNB mit Waschmaschine. Ganz lieben Dank für diese großzügige Möglichkeit.

Schnell noch einen Behördengang zwischendurch, endlich mal wieder ein Formular. Dafür können wir hier in Französisch Polynesien ab jetzt steuergünstiger unseren Bootsdiesel tanken.

Ein erster kleiner Hike, der „Chemin de la Croix“ führt uns hoch über die Stadt und bietet uns einen tollen Ausblick über Papeete mit seinem Hafen sowie hinüber zur Nachbarinsel Moorea.

Und als weitere sportliche Betätigung probieren Ingo und ich das von Ingo gerade gebraucht gekaufte Surfbord aus. 40 Jahre ist es wohl her, das ich das letzte Mal auf so einem Ding gestanden habe. Aller (Wieder-)Anfang ist schwer, aber: es macht Spaß!

In der Stadt genießen wir Brauerei und Restaurants, bummeln, shoppen. Treffen Segelfreunde.

Und besuchen gemeinsam mit Andrea , Ingo (Easy One), Barbara und Ralph (Lille Venn) ein kulturelles Highlight: das Heiva i Tahiti. Vom 4. bis zum 20. Juli findet es in diesem Jahr statt. Tänzer und Sänger aus ganz Polynesien messen sich in Vorauscheiden und treten dann zum Finale hier in Tahiti an, es ist ein Riesen-Event und eine großartige Veranstaltung. Klar, sie ist auch touristisch relevant. Aber vor allem ist das Heiva ein Fest, das die polynesische Kultur feiert und von den Polynesiern mit entsprechendem Stolz zelebriert wird.

Über fünf Stunden lang dauert die Veranstaltung, von 18:30 bis kurz vor Mitternacht. Bis zu hundert Tänzerinnen und Tänzer zählt eine einzelne Gruppe, dazu kommen Bands und Chöre. Während der Tanzdarbietungen ziehen sich die Teilnehmen zwischen den einzelnen Akten mehrfach um, jeweils mit aufwändigen, phantasievollen Kostümen. Leider sind Fotos bei dieser beeindruckenden Veranstaltung nicht gestattet, deshalb hier nur Screenshots der hier auch verlinkten offiziellen Facebookseite zum Heiva mit vielen weiteren Bildern.


Und Zack, sind schon 5 Tage Tahiti wie im Flug vergangen.

Von Raroia nach Makemo

Wir segeln weiter nach Westen zu unserem nächsten Atoll. 78 Atolle gibt es im Tuamotu-Archipel, wenigstens ein paar davon wollen wir erkunden. Auf der Karte sieht es aus, als wäre dieser Bereich des Pazifiks voller Inseln, als lägen die Atolle dicht an dicht. Aber das täuscht gewaltig. Die Tuamotus sind die Inselgruppe mit der weltweit größten Ausdehnung, das Archipel erstreckt sich über 15 Längengrade und 10 Breitengrade, mithin auf mehr als 2.000 Kilometer. Die Entfernungen zwischen den für Yachten anlaufbaren Atollen sind daher größer als (von uns) erwartet.

Von Raroia bis nach Makemo sind es etwa 80 sm. Für eine solche Distanz würden wir normalerweise sehr früh auslaufen und dann (hoffentlich) kurz vor dem Dunkelwerden ankommen. In vielen Revieren funktioniert das, hier in den Tuamotus aber eher nicht. Die Crux liegt in den Pässen, den Ein- und Ausfahrten zu den Atollen. Ein- und Ausfahrt sollen wegen der starken Tidenströme idealerweise um Stillwasser herum erfolgen. Das gilt jetzt kurz nach Vollmond wegen der damit einher gehenden Springtide um so mehr. Außerdem verbieten sich für uns Fahrten im Atoll während der Dunkelheit, wir möchten mit einigermaßen hoch stehender Sonne eine Chance haben, die Bommies zu erkennen. Allerdings sind die Tage hier in der Nähe des Äquators kurz. Jetzt im Spätherbst der Südhalbkugel liegen zwischen Sonnenaufgang (6.00) und Sonnenuntergang (17.11) nur gut 11 Stunden.

In Raroia schauen wir daher morgens erstmal Fußball-Europameisterschaft auf dem iPad (über Starlink und VPN, durch die 12 Stunden Zeitverschiebung laufen die Spiele bei uns morgens live) und frühstücken ausgiebig. Frische Waffeln im Cockpit; ein kleines Morgen-Fest.

Am Kon-Tiki Ankerplatz brechen wir gegen 11.00 Uhr auf, tasten uns um die Bommies herum durch die Lagune und fahren gegen 13.00 Uhr mit 1,5 kn Gegenstrom durch den Pass hinaus.

Draußen auf dem offenen Pazifik setzen wir bei zunächst sehr leichtem Wind Groß und unseren blauen Genacker, nehmen irgendwann das Groß weg und wechseln zum Sonnenuntergang auf den deutlich kleineren Code0.

Es ist super angenehmes Segeln. Trotzdem rollen wir um Mitternacht den Code0 ein und statt dessen die noch viel kleinere Fock aus, wir sind einfach zu schnell.

Später reffen wir auch noch die Fock und schleichen mit einem Handtuch-kleinen Rest Segel langsam über die zum Glück immer noch sehr ruhige See.

Um 6 Uhr morgens stehen wir 8 Meilen vor dem Pass ins Makemo-Atoll. Gegen 10 Uhr soll Stillwasser sein. Wir sind nicht allein, einige andere Yachten warten auf die Durchfahrt. Die erste probiert es um 7 Uhr. Sie kommt durch, aber wir sehen sie in der Einfahrt mehrmals seitlich “fahren”, das ist uns und den meisten anderen zu heikel. Um 8 hat es sich etwas beruhigt, zwei weitere Yachten fahren durch und berichten über Funk von anspruchsvollen, aber machbaren Strömungen. Wir warten noch, schauen über Starlink und VPN Fußball-Europameisterschaft und gehen erst gegen 9 Uhr durch, bei gut zwei Knoten Gegenstrom und keinem wesentlichen Versatz durch Querströmungen oder Whirlpools. Der Ankerplatz an der Mole vor dem Ort liegt gleich um die Ecke neben dem Pass, das ist bequem. Zumal der Ort recht gute Einkaufsmöglichkeiten bietet (wir ergattern sogar Tomaten, Gurken, Zucchini und Pak Choi).

Am Freitagabend gehen wir zur Fundraising-Veranstaltung auf dem Schulhof, selbstgemalte Plakate dafür hängen überall im Dorf. Die Grundschüler führen hier polynesische Tänze auf, die stolzen Eltern halten das auf ihren Handys fest. Der Eintritt ist frei, die Einnahmen aus den verkauften Getränken und Leckereien kommen der Schule zu Gute.

Es ist eine schöne Atmosphäre und ganz nebenbei ein Seglertreff, fast alle Segler vom Ankerplatz sind gekommen.

Sonntag in der Kirche – wieder mit polynesischen Gesängen, wenn auch für uns nicht ganz so stimmungsvoll wie zuletzt auf Tahuata in den Marquesas – treffen wir von den Seglern nur Judy und Todd von der “Galileo”. Und auch von den beiden verabschieden wir uns kurz danach, denn wir möchten im Makemo-Atoll noch andere Ankerplätze kennenlernen. Da aber ab nächsten Donnerstag sehr kräftige Ostwinde angesagt sind, die wir in einem besser geschützten Atoll abwettern wollen, bleibt uns dafür nicht mehr allzu viel Zeit.

Wir legen auf einem IPad auf dem Navionics-Satellitenbild eine Route um die vielen Korallenköpfe herum fest und kontrollieren sie mehrfach. Im Makemo-Atoll gibt es neben den großen, besser sichtbaren Bommies eine Vielzahl sehr kleiner und unauffälliger Korallenköpfe, die wir nur bei starkem Hereinzoomen erkennen. Die (TZ-)Karte auf dem Furuno-Plotter ist völlig nutzlos. Auf den 17 Meilen durch das Labyrinth zum nächsten Ankerplatz laufen daher auf dem anderen iPad die Satellitenbild-Navigation über SeaIQ und auf dem iPhone wird die Position im Bing-Satellitenbild kontrolliert. Hört sich nach technischem Overkill an, gibt uns aber zusätzliche Sicherheit. Zumal, wenn Wiebke im Ausguck am Bug wegen eines Squalls zwischendurch einfach gar nichts mehr erkennen kann:

Alles geht gut, aber es sind dann doch ein paar durchaus nervenaufreibende Stunden.

Am Ankerplatz angekommen kommt dann auch wieder die Sonne durch.

Wir Schnorcheln noch ein bisschen und genießen dann einen herrlich stillen Abend.

😊

Nuku Hiva: Taiohae, Tikis und Abschied

Schwupps, vier Wochen sind schon um. Unser Patenkind Jannik fliegt ab Nuku Hiva (über Papeete, Los Angeles und Paris) zurück nach Frankfurt. Etwa 50 Stunden dauert seine gesamte Rückreise.

Wir verlegen Flora in die Bucht vor Taiohae, mit 1.600 Einwohnern der Hauptort von Nuku Hiva. Dort mieten wir für den Abflugtag ein Auto. Der Flughafen liegt im Nordwesten der Insel, 40 km kurvenreiche Fahrt durch das Inselinnere sind es dorthin.

Erst einmal aber schauen wir uns noch gemeinsam Taiohae an, laufen zum größten zeitgenössischen Tiki, das auf einem kleinen Hügel an der Ankerbucht errichtet wurde. Das 12 m hohe Doppeltiki “Tuhiva” zeigt einen Krieger, der als Bewahrer mit der von seinen Vorfahren (repräsentiert durch das größere weibliche Tiki) geerbten Kraft von Tradition und Wissen in die Zukunft schreitet. Das ist sicher der Wunsch vieler Polynesien für ihre Kinder. Gleichwohl verlassen viele für die Ausbildung ihre kleinen Heimatinseln, bei weitem nicht alle wollen danach zurückkehren.

Und wie geht es für Jannik jetzt nach seiner Schulzeit weiter? Mal sehen, auch er verlässt ja zum Studium seinen Heimatort.

Hier gibt’s jedenfalls ein Abschiedsessen in der Pizzeria von Taiohae, gemeinsam mit unseren Segelfreunden Heather und Jim von der “Kavenga”. Und auch von den beiden müssen wir uns schon wieder trennen, denn während wir auf dem Absprung zu den Tuamotus sind, warten die beiden hier in Taiohae noch auf Ersatzteile und das wird wohl noch ein paar Wochen dauern.

Die Fahrt zum Flughafen ist dann zugleich noch ein bisschen Inselerkundung. Über Serpentinen schrauben wir uns an der üppig tropisch bewachsenen Südküste der Insel von Nuku Hiva in die Höhe, haben noch einmal einen tollen Blick auf unsere Ankerbucht in einem alten, eingestürzten Vulkankrater:

Als wir über den Pass auf die andere Seite des Gebirgsrückens wechseln, wandelt sich das Bild. Wir fahren durch eine leicht gewellte Hochebene, landwirtschaftlich genutzte Flächen, Kühe auf der Weide, Kiefern und andere Nadelbäume prägen das Bild. “Westerwald” für Jannik. Je näher wir dem Flughafen im Nordwesten kommen, desto trockener wird es. Am Ende sehen wir sogar Kakteen. Und dann heißt es wirklich “Tschüss”. Danke für den Besuch Jannik, es war schön, Dich an Bord zu haben.

Wo uns der Mietwagen schon mal zur Verfügung steht, fahren wir auch noch die andere befestigte Inselstraße hinüber in den Nordosten von Nuku Hiva. Hier ist es wieder tropischer. Die Straße führt von der Baie de Controleur zunächst in einem Tal entlang. Als wir uns dann langsam am Hang hinaubewegen, sehen wir auf der gegenüberliegenden Talseite einen massiven Wasserfall hinabstürzen.

Autoverkehr begegnet uns wenig, aber dafür sehen wir ein ums andere Mal Tiere. Pferde und Schweine, mal angepflockt am Straßenrand, mal halbwild mit einem kurzen Strick um den Hals, mal als echte Wildpferde und Wildschweine.

Wir fahren nach Hatiheu, malerisch unter einem spitzzackigen Hahnenkamm von Felsen gelegen.

Kurz vor dem Ort besuchen wir Kamuihei, eine (seit 1998) teilweise restaurierte polynesischen Siedlungsstätte, die sich oberhalb von Hatiheu im Wald verbirgt.

Wie praktisch immer an den historischen Stätten finden sich auch hier einige der imposanten heiligen Banyan-Bäume, der älteste wohl um die 600 Jahre alt:

Suchbild: Bayanbaum mit Wiebke 😉

Zurück in Taiohae nutzen wir das Auto noch, um unsere Proviantvorräte für die Tuamotus noch etwas aufzustocken, fahren auch zum weiter vom Dinghydock entfernt gelegenen Supermarkt im oberen Teil des Ortes. Der ist zwar nicht wesentlich größer als der „Utile“, scheint aber doch etwas günstiger (bzw. etwas weniger teuer) zu sein. Auch auf dem Obst- und Gemüsemarkt am Kai decken wir uns ein, finden sogar ein bisschen Gemüse.

Dann besuchen wir noch die Sammlung zeitgenössischer und historischer Tikis an der Uferpromenade.

Sieht spannend aus, aber nicht alle Einheimischen sind begeistert. „Da war wohl noch Geld über, und dann hat das ein Italiener designt. Aber einen Anschluss an fließendes Wasser haben wir immer noch nicht überall.“

Die Ansichten, wie mit der geerbten Kraft von Tradition und Wissen in die Zukunft geschritten werden soll gehen offenbar (kaum verwunderlich) auseinander.

Nuku Hiva: Wanderung zum 350 Meter Vaipō-Wasserfall

Einer der Wasserfälle mit der größten Fallhöhe der Polynesischen Inselwelt liegt, wenn man Neuseeland und Hawai’i ausnimmt, auf Nuku Hiva. Fast 350 Meter stürzt das Wasser hier in einem einzigen Strahl in die Tiefe (ein „Pferdeschwanz-Wasserfall“). Wir wissen schon, dass der Anblick weniger spektakulär sein wird als bei anderen, kleineren Wasserfällen. Denn obwohl aus der Ferne noch recht gut auszumachen, verbirgt sich das herabstürzende Nass beim Näherkommen hinter den steilen Felswänden einer Klamm, die nur durch einen schmalen Spalt einen Blick auf den unteren Teil des Wasserfalls zulässt und den oberen Teil sogar ganz vor den Augen der Besucher verbirgt. Das schreckt uns aber nicht ab, denn die Wanderung dorthin ist hier die eigentliche Attraktion.

Wir holen Ingo und Andrea ab und picken mit dem Dinghy auch noch Sigurd und Johanna von der norwegischen „Thindra“ auf. Das Dinghy wird wieder am Strand gebeacht, den Pfad von dort zum Dörfchen kennen wir ja jetzt schon.

Und dann geht’s los. Eine Besonderheit dieser Wanderung sind die vielen Flussdurchquerungen. Mehrfach gilt es, durch das steinige Bett des Hakaui-Flusses oder kleinerer Zufluss-Bäche zu waten.

Beim Haus von Kua und Te‘iki biegen wir rechts ab auf die Dorfstraße, einen Grasweg, der zwischen den Gärten der wenigen Häuser des Tales hindurchführt.

Als wir das Dorf hinter uns lassen wird der Weg schmaler und hier in der Niederung auch manchmal etwas sumpfiger.

Dann aber geht es etwas den Hang hinauf und auf einem jahrhundertealten, mit groben Steinen angelegten Pfad durch den Wald, vorbei an alten Mauern und den längst überwucherten steinernen Fundamenten von Häusern.

Mehr als tausend Menschen sollen in dem längst überwucherten Dorf einst gelebt haben. Wo sich das Blätterdach mal öffnet, haben wir einen tollen Ausblick …

… zum Teil sogar bis hin zum Vaipō-Wasserfall:

Im dichten Unterholz schreckt unsere Wander-Kolonne einen Hundertfüßler auf. Es ist das erste Mal, dass wir eines dieser giftigen, eher nachtaktiven „Scolopendra“ zu sehen bekommen, aber gewarnt wurden wir schon häufiger vor ihnen. Auf Deutsch werden sie „Riesenläufer“ genannt. Eine treffende Bezeichnung. Dieses Exemplar ist etwa 15 cm lang:

Menschen gehören natürlich nicht zum Beuteschema, aber ein Zupacken mit dem zu Giftklauen umgebildeten ersten Beinpaar am Maul ist extrem schmerzhaft. Da sie lichtscheu sind und sich tagsüber gern unter Blättern, Ästen oder in kleinen Höhlen verstecken empfiehlt es sich, zum Beispiel zum Baden abgelegte Kleidung oder Schuhe sorgfältig auszuschütteln.

Abgesehen von Mücken und den außerordentlich lästig juckend beißenden Sandfliegen (Nonos, von denen erwischen uns auf dieser Wanderung trotz Vorsorge einige) gibt es hier aber ansonsten wenig gefährliche Plagetiere.

Weiter geht’s durch die Bäche.

Und dann auch durch den ersten Felsdurchlass.

Dahinter finden wir aber noch nicht gleich den Wasserfall, der verbirgt sich nach dem Weiterwandern noch einmal und blinzelt nur durch einen kleinen Spalt zwischen senkrechten Felsen.

Man kann durch das trübe Wasser hineinschwimmen, aber dazu entschließen sich nur Sigurd und Johanna. Wir anderen belassen es bei dem Anblick von jenseits des Matsch-Teiches. Bei dieser knapp 20 km langen Wanderung ist eher der Weg das Ziel.

Das Bad folgt dann für uns erst am Ankerplatz.

Insbesondere Jannik und ich schließen dem noch ein ausgiebiges (Synchron-)Springen an:

😜

Nuku Hiva: Anse Hakatea (Daniels Bay) und Kokosnuss-Schulung 🥥

Ein paar Stunden schönes Segeln, dann sind wir von Ua Pou zurück auf Nuku Hiva. Wir entscheiden uns für Hakatea, eine der geschütztesten Ankerbuchten des Reviers. Aber nicht nur das zeichnet sie aus.

Die Einfahrt in die Bucht offenbart eine atemberaubende Schönheit der wild zerklüfteten Landschaft.

Die eigentliche Ankerbucht ist dabei durch die Halbinsel so gechützt, das wir von Floras Ankerplatz aus rundherum Land sehen. Draußen bricht sich der Schwell, drinnen liegt unser Schiff ruhig wie seit den Gambier nicht mehr.

Das Dörfchen an der westlichen Bucht bietet ein kleines Restaurant und die Möglichkeit, Obst zu kaufen. Wie schon in der Baie de Controleur liegen die wenigen Häuser allerdings an einem kleinen Fluss, dessen Mündung eine Barre aufweist. Sie kann nur um Hochwasser herum mit dem Dinghy befahren werden und auch das nur am äußeren Rand, ganz nahe an den Felsen. Wir holen Ingo und Andrea von der Easy One ab und probieren es. Direkt neben uns bricht sich die Brandung auf der Barre, aber wir kommen durch. Im Flüsschen ist es dann sofort herrlich ruhig.

Wir fahren noch ein Stück weiter Richtung Ort, dann binden wir Florecita an einer Palme fest und gehen zu Fuß weiter. Es ist fast unwirklich malerisch.

Beim dritten Haus treffen wir auf Kua. Wir fragen sie nach dem Weg, sind aber schon am Ziel. Gemeinsam mit ihrem Mann Te’iki betreibt sie ein kleines Gartenrestaurant und verkauft auch Früchte.

Te’iki fragt uns, ob wir ihm helfen können, sein Boot aus dem Wasser zu ziehen. Na klar. Also gehen Jannik, Ingo und ich mit Te’iki rüber zum Fluss, während Wiebke und Andrea mit Kua Früchte aussuchen.

Te’iki watet zum kleinen Motorboot und schiebt es ans Ufer, dort ziehen wir es dann mit einer Seilwinde über zuvor platzierte Baumstammrollen in den Garten. Hört sich einfacher an als es ist, das Ausbalancieren und manuelle Bedienen der Seilwinde ist recht aufwändig. Am Ende wird das Boot dann mit den Seitenteilen eines alten Bettes verkeilt. Fertig.

Zurück am Haus haben Wiebke und Andrea inzwischen eine ganze Schubkarre mit frischen Früchten wie Bananen, Papaya, Mango, Sternfrucht und Pampelmusen gefüllt. Ein paar Kräuter (Basilikum) gibt’s obendrauf.

Dann bekommt Jannik von Te’iki eine Kokosnuss-Schulung, er erinnert ihn vielleicht an seinen ungefähr gleichaltrigen Sohn, der in Tahiti in der Schule ist.

Zunächst einmal: wie wählt man die Kokosnuss aus, welche sind besonders gut? Und dann das entscheidende: wie öffnet man die Nuss vernünftig, schnell und ohne große Sauerei?

Jannik wird ausführlich eingewiesen, danach muss er (den Te’iki jetzt “Le Professeur” nennt) es uns erklären und zeigen.

Aber damit nicht genug. Als nächstes zeigt uns der Hausherr, wie das Kokosfleisch richtig aus den Teilen der Nuss herausgeschabt wird. Jannik soll sich auf das Schab-Brett mit der angeschraubten Metallspitze setzen und los geht’s. Immer wieder wird korrigiert: Fußstellung, Handhaltung, Bewegungsablauf.

Dann schabt der “Professeur” fleißig, Te’iki zupft derweil die Kokosfasern aus den Resten der Nuss-Hülle. In sie hinein gibt er das geschabte Kokosfleisch, wringt das Ganze mit den Händen über einer halben Kokos-Schale aus und lässt uns die so gewonnene leckere konzentrierte Kokosmilch kosten.

Ingo darf auch ran beim Auswringen.

Wir melden uns auch zum Mittagessen an, aber dafür müssen wir zuerst das Dinghy zurück zum Schiff bringen, ansonsten würden wir damit wegen der fortgeschrittenen ablaufenden Tide nicht mehr aus dem Fluss kommen. Also zur Flora in Hakatea (auf die bei Cruisern geläufigere Bezeichnung Daniels Bay ist Te’iki nicht gut zu sprechen) und eine Zeitlang später dann auf einem anderen Weg wieder ins Dörfchen. Diesmal beachen wir Florecita am Strand unserer Ankerbucht, ein kurzer Hike führt von dort zurück ins Dorf. Dafür müssen wir aber erstmal den Einstieg entlang des felsigen Ufers finden und in einer Furt durch den Fluss waten. Und dann Mittagessen im Gartenrestaurant von Kua und Te’iki. Es gibt Thunfisch mit Basilikum-Knoblauch-Marinade, frittierte Brotfrucht-Spalten und grünen Papaya-Salat. Délicieuse.

😋

Und das kommt dabei raus, wenn Jannik Smileys auf die Pampelmusen malt:

😂

Legendäre Pitons von Ua Pou: Wanderung zum Poumaka

Bei Pitons denkt man unmittelbar an die Wahrzeichen von Saint Lucia, Gros Piton und Petit Piton. Über vier Jahre ist es jetzt her, dass wir mit Flora unterhalb dieser beiden “Zuckerhüte der Karibik” an einer Boje gelegen haben. Und doch, ihr so spezieller Anblick hat einen unvergesslichen Eindruck bei uns hinterlassen.

Auch hier auf Ua Pou gibt es solche auffällig geformten Berge, hier wie dort sind es geologisch Stopfen aus erkalteter Lava, ehemalige Kerne von alten Vulkanen. Allerdings weist Ua Pou gleich zwölf dieser gigantischen Basaltstopfen auf. Unterschiedlich geformt, mal Zuckerhut, mal wie eine Stehle; mehrere von ihnen reichen deutlich höher hinauf als der knapp 800 m hohe Gros Piton.

Auch sie werden auf Französisch als “Piton” bezeichnet, was im Grunde nichts anderes als “Bergspitze” meint. In der polynesischen Sprache der Ureinwohner allerdings sind nicht nur die Bezeichnungen dieser von ihnen als “Säulen” verstandenen Berge weniger prosaisch. In den Legenden der Marquesas sind die Säulen lebendig, haben menschliche Züge und eigene Charaktere. So wird der Poumaka geboren, nachdem zuvor die kriegerische Säule Matafenua von der Nachbarinsel Hiva Oa sämtliche Säulen auf Ua Pou getötet und umgeworfen hat (die liegenden Körper dieser Säulen bilden die Bergrücken auf Ua Pou). Er sinnt auf Rache, wird zum Krieger und besiegt letztendlich Matafenua, dessen Kopf heute zu Füßen des 979 m hohen Poumaka ruht. In der Folge können auf Ua Pou wieder Säulen wachsen.

Zu diesem legendären Poumaka gibt es von unserem Ankerplatz bei Hakahetau aus einen Wander-Trail. Der hat es in sich. Bis auf 680 m Höhe reicht der über 11 km lange Pfad. Weite Teile des Weges führen auf dem schmalen Grat eines Bergrückens entlang, oft geht es links und rechts steil hinunter. Die Hänge sind aber dicht bewachsen, Pandanus-Palmen und Eisenholzbäume (an den roten Puschelblüten gut zu erkennen) bieten sich uns als Handgriffe beim Balancieren auf den besonders schmalen Passagen an.

Es ist ein Rundweg, der um die beiden kegelförmigen Pitons Poutemoka und Totamahiti herum führt. Wir wählen den Aufstieg über die östliche Route. Das hat den Vorteil, in zwei besonders steilen Passagen Seile zum Hinaufklettern nutzen zu können.

Unterwegs bieten sich grandiose Ausblicke auf andere Pitons, landseitig auf den Poutetainui und den praktisch immer in Wolken gehüllten über 1.200 m hohen Pou Oave:

Und in Richtung Meer auf die beiden vom Wanderweg eingekreisten Pitons Poutemoka und Totamahiti:

Besonders schön: entlang des Weges und selbst am höchsten Punkt unserer Wanderung finden sich immer wieder wilde Lila Orchideen (Spathoglottis):

Am Fuß des wie ein Arm mit ausgestrecktem Zeigefinger gen Himmel ragenden Poumaka biegen wir an einer Gabelung des Pfades rechts ab, zurück Richtung Küste. Wie nicht anders zu erwarten, landen wir auf dem kaum weniger steilen ersten Teil des Rückwegs mehr als einmal auf unserem Hosenboden, insbesondere auf nur farnbewachsenen offeneren Steilstücken mit lehmigem Untergrund.

Aber alles geht gut, nach ziemlich genau 5 Stunden (reine Wanderzeit 3 Stunden 47 Minuten) sind wir wieder an der Flora. Ziemlich geschafft, aber glücklich. Ab ins Wasser!

Dazu nur ein paar Bilder vom Vortag, als ich mit Jannik und Ingo schnorcheln war:

Ua Pou

Mit einem Zwischenschritt über die Baie de Controleur segeln wir zur nächsten Insel der Marquesas: Ua Pou. Unterwegs fangen wir endlich mal wieder einen Thunfisch. Perfekte Größe für uns, etwa 90 cm lang und damit beim Hereinholen noch vernünftig zu handhaben, gleichzeitig aber mit fast zwei Kilogramm Filet auch für drei Personen ausreichend für mehrere Hauptmahlzeiten und trotzdem noch im Kühlschrank unterzubringen.

Trotz der auffällig gelben Flossen ist das übrigens kein Gelbflossen-Thunfisch, sondern ein Großaugen-Thunfisch. Beim Gelbflossen-Thunfisch wären die gelbe Zweite Rückenflosse (Dorsal Fin) und die Afterflosse wesentlich länger, schmaler und sichelförmiger (ähnlich der Brustflossen, nur eben gelb).

So oder so, wir machen gleich am ersten Abend dreierlei vom Fisch daraus: Sushi, Sashimi und zart angebratenes Thunfischfilet.

Die Überfahrt nach Uta Pou ist dann durchaus sportlich, kräftige Böen bis 28 kn pfeifen durch die Meerenge zwischen Nuku Hiva und Ua Pou. Eine kleine Fähre geht nahe an uns vorbei. Die Gischt an ihrem Bug illustriert den Zustand der See recht gut:

Aber unser Kurs ist nur etwas vorlicher als Halbwind, in weniger als 4 Stunden haben wir die 28 Seemeilen der Passage bewältigt.

Im Windschatten von Ua Pou beruhigt sich auch der Seegang.

Allerdings ist der Ankerplatz von Hakahetau dafür bekannt, dass hier fast immer Schwell hinein steht. Die Easy One ist schon seit zwei Tagen da und Andreas Schilderungen sind ziemlich abschreckend: “Wiederlich und zermürbend” war die Beschreibung am ersten Tag, “Mies und echt räudig” am zweiten. Nach der Wetterlage müsste es inzwischen eigentlich besser sein, aber …

Die hohen Basaltkegel auf dieser Insel zeigen sich schon von weitem. Sie sind die Magma-Schlote längst erodierter Vulkane und geben Ua Pou ein unverwechselbares Gesicht. Bis über 1.200 m ragen sie empor, die höchste Erhebung der Marquesas. In der Legende, nach der alle Inseln der Marquesas Teile eines Hauses sind, stellt Ua Pou (= zwei Säulen) die geschnitzten Pfeiler dar, die das Dach tragen. Ein nahe liegendes Bild.

Wir schaffen es, noch rechtzeitig in der Ankerbucht von Hakahetau anzukommen um unsere Schweizer Freunde Barbara und Ralph mit ihrer “Lille Venn” zu erwischen. Die sind zwar schon auf dem Sprung zur Weiterreise im ihren Gästen, aber wir haben – gemeinsam mit Andrea und Ingo von der “Easy One” – noch einen wundervollen Abend, von Barbara aufs Leckerste bekocht. Es ist so schön, die beiden nach drei Jahren endlich wieder getroffen zu haben.

Photo credit: Ingo, SY Easy One

Früh am nächsten Morgen sind die Schweizer verschwunden. Mit Andrea und Ingo machen wir uns auf zu unserer ersten Wanderung auf Ua Pou. In der Noforeignland-App sehen wir, dass wir nahe am Dinghydock (gegen Gebühr von ca 5 $) unseren Müll abgeben können. Eine gute Gelegenheit, denn das ist auf den Marquesas nicht überall möglich. Beim Bezahlen kommen wir mit Eveline ins Gespräch. Es stellt sich heraus, dass sie (in 4. Generation) die Bürgermeisterin des Tals ist. Als wir nach den Pflanzen in ihrem Garten fragen, die über an Stangen aufgespießten Kokosnussschalen ranken, zeigt sie uns ihren Vanille-Anbau. Und damit nicht genug, sie erklärt uns auch, wie nach der Ernte mit den Schoten verfahren werden muss und schenkt uns zum Abschied sogar einige Vanilleschoten. Ein weiteres beeindruckendes Beispiel der polynesischen Gastfreundschaft.

Jetzt aber los auf die Wanderung, immerhin haben wir uns gleich zwei Ziele vorgenommen. Zuerst machen wir uns auf den Weg zu Schoko-Manfred.

Der an der Elbe bei Boitzenburg aufgewachsene Deutsche hat sich nach einem ziemlich bewegten Lebenslauf hier niedergelassen und eine kleine Schokoladenmanufaktur aufgebaut. Auch wenn er seine Rezeptur und die Konstruktion seiner selbstgebauten speziellen Kakaobohnenmühle inzwischen verkauft hat, ist ein Besuch bei ihm auf seinem abgelegenen Grundstück oben im Wald quasi ein Muss, sofern man sich vom bekanntermaßen zotigen Humor von Schoko-Manfred nicht abschrecken lässt.

Andrea und Ingo waren zwar schon da, kommen aber trotzdem wieder mit. Andrea hat sogar extra ihren selbst gemachten Schoko-Likör mitgebracht. Lecker!

“Schoko-Manfred” mit keimenden Kakaobohnen

So richtig Stimmung kommt aber trotzdem nicht auf. Manfred und seine Frau wirken müde. Wir ertragen die abgedroschenen (erwartet) derben Witze und kosten die leckere Manufaktur-Schokolade, von der dann auch einige Tafeln auf die Flora wandern.

Unser nächstes Ziel ist umso stimmungsvoller. Auf einem jetzt viel kleineren Pfad wandern wir zum Hakahetau- Wasserfall.

Ein erfrischendes Bad in dem wunderschönen Kessel, in den der Wasserfall hineistürzt ist ein zusätzlicher Lohn dieses Hikes.

Photo credit: Ingo, SY Easy One

Und dann zurück zum Ankerplatz. Ein bisschen Schwell ist schon noch da, o.k.

Aber inzwischen lassen sich die Bedingungen wirklich gut aushalten und mal ganz ehrlich, wie genial ist denn eigentlich dieser Blick?

Nuku Hiva

Nach einer Legende sind die Inseln Marquesas alle als Teil eines gemeinsamen Hauses erschaffen worden. Jede Insel ist entsprechend als Element dieses Gebäudes benannt. Nuku Hiva, größtes und vielleicht wichtigstes Eiland der Gruppe, wird dabei als Dach des Hauses eingeordnet.

Auch uns bietet es Schutz. Nach dem sehr rolligen Ua Huka präsentiert sich die von uns angesteuerte Nordküste von Nuku Hiva optisch im Gegenlicht zunächst monochrom, rau und ziemlich abweisend. Sobald wir bei einer der spektakulärsten Ansteuerungen unserer bisherigen Reise aber in die tiefe Bucht von Anahō hineinsteuern, wandelt sich das Bild.

Die zuvor fast drohend aufragenden steilen Felsspitzen weichen ein Stück zurück. Einzelne Sandstrände, Palmenhaine und eher sanft ansteigendes Gelände liegt zwischen dem Ankerplatz und senkrechten Basaltwänden. Das lässt die Kulisse gleichzeitig monumental und doch ausgesprochen lieblich erscheinen.

Ein Südseetraum von einem Ankerplatz!

Das Grundeisen fällt einmal mehr nahe bei der Terikah und gräbt sich auf 11 m Tiefe sofort in den Sand.

Näher zum Ufer hin sollte man nicht ankern, denn hier geht der Grund in Korallen über.

Am nächsten Tag machen wir gemeinsam mit unseren Segelfreunden einen Hike, der über den niedrigen Sattel hinweg in die Baie Haatuatua an der Ostküste der Insel führt.

In der Anlandezone für die Dinghys, am Ende eines kleinen Kanals durch das Korallenriff, werden wir freudig wiehernd begrüßt. Ein Pferd wird von seinem Besitzer gebadet, ist dafür an einer der Bojen festgebunden.

Auf dem weiteren Weg sehen wir bei den verstreuten Häusern des kleinen Dorfes noch einige weitere Pferde. Der Grund dafür ist, dass die Ortschaft nicht über eine Straße erschlossen ist. Lediglich ein mit Pferden begehbarer steiler Trail führt zur ans Straßennetz angebundenen Nachbarortschaft.

Für uns geht’s zunächst durch das Dorf und dann mal am Strand, mal etwas oberhalb auf den Felsen an der großen Bucht entlang. Jannik und Calder eröffnen dabei die “Kokosnuss-Jagd”.

Auf der anderen Seite des Sattels liegt die Farm von Roger. Er baut dort Gemüse und Obst an. Selbst Wassermelonen und herrlich rote Tomaten lächeln uns an, aber obwohl wir ausgiebig durch das Gelände streifen, treffen wir Roger nicht an. Also setzen wir unseren Weg zur Ostküste fort, wobei der Trail auf diesem Stück nicht immer ganz leicht zu finden ist und uns die Kommot Wander-App ein bisschen in die Irre führt. Dafür lockt am Ziel aber ein breiter flacher Sandstrand fernab jeglicher Bebauung und mit herrlichem Blick.

Photo credit: Jen, S/V Terikah

Leider wird durch den Südostpassat aber auch einiges an Treibgut und Müll angeschwemmt. Calder findet darunter immerhin auch eine Perlfarmboje, die jetzt die Ausrüstung der Terikah für die nicht allzu ferne Weiterfahrt zu den Tuamotus ergänzt.

Auf dem Rückweg treffen wir im Dorf dann tatsächlich auch noch auf Roger. Neben dem Anbau auf seiner Farm zieht er auch in seinem Garten Gemüse, so können wir hier unsere Frische-Vorräte doch noch aufstocken. Salat, Gurken, eine Handvoll grüner Bohnen, Auberginen, Pampelmusen Zitronen, Papaya und – allerdings aus der Tiefkühltruhe – auch Taro wandert auf die Flora und die Terikah.

Schlau wie wir sind, haben wir den Hike von Mittag bis kurz vor Sonnenuntergang gemacht, damit uns die Hitze beim Workout mal wieder so richtig schlaucht.

Selbst Jannik ist ein bisschen geschafft. 😉

Tahuatas wilder Norden: Wieder treffen und wieder verabschieden.

Nach den Mantas in Hapatoni wenden wir Floras Bug wieder nach Norden. Auch wenn es nicht eben typisch für die Marqueasas ist wollen wir Jannik doch auch den weißen Palmenstrand in der Baie Hanamoenoa zeigen. Zuerst aber noch ein Stop in Vaitahu. Bei moderaten Bedingungen sieht es dort am Dinghydock übrigens so aus:

Aber Ort und Landschaft sind den erneuten Stop allemal wert.

Dort ankern auch Doris und Wolf. Wir bekommen frischen Mangokuchen auf der “Nomad”, treffen die beiden Österreicher auch an Land bei “Chez Jimmy” und ein weiteres Mal in der nächsten Ankerbucht. Dann aber heißt es mal wieder Abschied nehmen, fürs erste trennen sich unsere Wege schon wieder.

So schön es auch ist, gute Segelfreunde immer mal in anderen Ecken der Welt wiederzutreffen, so schmerzlich ist das dauernde Abschiednehmen. Und auf Tahuata trifft uns das gleich mehrfach. Mit Mareike (Moana) und Andrea und Ingo (Easy One) haben wir schon so viel erlebt, unter anderem beim Lockdown in Antigua im März 2020.

Nach ganz unterschiedlichen Wegen und doch immer wieder Treffen zwischendurch gibt’s jetzt hier noch einen schönen Sundowner am Strand und dann brechen wir erstmal in unterschiedliche Richtungen auf. Bestimmt sehen wir uns aber noch in Französisch Polynesien wieder. Also jetzt nicht melancholisch werden.

Zum Treffen am Strand fahren wir dieses Mal übrigens mit den Paddelboads. Zuvor am Nachmittag hatten wir das Dinghy vor dem Strand geankert und waren an Land geschwommen. Der Schwell (siehe Eingangsbild) macht das Anlanden mit dem Dinghy hier nämlich riskant.

Ist man erst mal da, sieht es meist völlig harmlos aus:

Auch aus der Luft scheint die Bucht gut geschützt und ruhig, erst recht mit der gemütlichen Hängematte:

Und doch, das kleine Video macht vielleicht deutlich, wie schnell sich das Gefühl ändert:

Von dem Schwell ist auch das Wasser in der Baie Hanamoenoa etwas trüb. Jannik lässt sich aber nicht abhalten und ist eine große Hilfe beim Putzen des Rumpfes, auch ganz unten am Kiel.

Und wenn unser Gast das Schnorcheln schon so intensiv trainiert, suchen wir uns doch auch noch mal eine Bucht mit klarerem Wasser. Mit dem Dinghy (Beiboot-Fahren wird also auch geübt) brausen wir um den Pointe Matahoke in die Felsenbucht an der Nordwestspitze der Insel.

Hier kann der Schwell keinen Sand aufwirbeln, es gibt super Schnorchel-Bedingungen.

Tja, und dann heißt es Abschied nehmen von Tahuata. Diese Insel hat uns so viel geboten und uns richtig gut gefallen.

Nachdem uns ja der extrem rollige und ziemlich volle Ankerplatz von Atuona auf Hiva Oa einiges abverlangt hat (bis hin zur nächtlichen Ankerwache) soll unser nächster Stop dann in der Hoffnung auf etwas moderatere Bedingungen an der Nordküste von Hiva Oa sein.

Mal sehen.