Palmeira

Wir sind in Afrika. Geographisch war das schon auf Madeira und auf den Kanaren der Fall, aber beide Inselgruppen gehören zur Europäischen Union und fühlen sich auch europäisch an.

Ganz anders die Kapverden. Die Atmosphäre im Örtchen Palmeira auf der Insel Sal unterscheidet hat sich so deutlich von den bisher besuchten Orten, das der Wechsel in den afrikanischen Kulturkreis quasi ins Auge springt.

Dreh- und Angelpunkt (ja, Wortspiel) Palmeiras ist der Hafen. Hier landen die Fischer mit ihren zumeist kleinen bunten Booten täglich ihren Fang an, der dann vor Ort in Eimern und Plastikwannen sortiert, verkauft oder aufgeteilt oder zu einem Teil sogar gleich weiterverarbeitet wird (nämlich gesalzen und auf großen Tischen getrocknet).

Und hier am Hafen wird auch gespielt und gebadet, hier findet sich ein einfaches aber superleckeres Fischrestaurant, hier gibt’s improvisierte Bars, in denen geklönt und diskutiert wird und die die auf den Kapverden unverzichtbare Musik zur entspannten Atmosphäre beisteuern.

Die Frachtschiffmole des Hafens bietet außerdem den hier vor Anker liegenden Yachten Schutz gegen die mit großer Wucht anbrandenden Wellen des Atlantiks. Kaum zu glauben, wie ruhig wir hier liegen während wir vom Boot oder vom Strand aus beobachten können, wie in unmittelbarer Nähe Brecher mit weit abwehender Gischt ans Ufer schlagen und den lokalen Surfern herausfordernde Bedingungen bieten.

Im Ort selbst wird ebenfalls deutlich, dass wir die europäische Komfortzone verlassen haben. Es gibt zum Beispiel kein Wasserleitungsnetz. Einzelne neuere Häuser haben Druckwasseranlagen, bei einigen anderen sehen wir Wassertanks auf dem Dach. In beiden Fällen müssen die Wasserspeicher durch Tanklaster aufgefüllt werden. Die Mehrzahl der überwiegen einfachen Häuser mit Flachdächern versorgen sich mit Frischwasser, indem sie per Schubkarre in großen Kanistern Wasser aus dem örtlichen „Fontenário“ holen. Für ein paar Cent pro Liter kann an dieser Zapfstelle Frischwasser (aus der Meerwasserentsalzungsanlage) gekauft werden, dass ebenfalls per Tanklaster dorthin angeliefert wurde.

Der Komfort, ja Luxus, den unser Boot uns bietet wird uns vor einem solchen Hintergrund um so deutlicher.

Die Liebe der Menschen hier zu bunten Farben zeigt sich oft in der Kleidung, aber vor allem auch in vielen Wandmalereien und überhaupt den wann immer möglich leuchtend angestrichenen Häusern.

Und ja, auch die Einkäufe werden gelegentlich auf dem Kopf nach Hause getragen.

Passage nach Sal, Fliegende Fische, Einklarieren und „Zollstander“

Wie versprochen, hier noch der optische Nachtrag zur Passage von La Gomera auf den Kanaren nach Palmeira auf Sal in den Kapverden. Wir hatten abgesehen von einer kurzen Zeit im Windschatten der kanarischen Inseln fast durchgängig 6 Windstärken, selten weniger, in den Böen aber oft auch mehr. Aber, und dass hat uns etwas überrascht, trotz des immer aus Nordost kommenden Windes gab es auf dieser Passage nicht die eine lange Dünung, die zwar hoch ist aber doch nur langsam unter dem Schiff hindurchläuft. Statt dessen hatten wir achterliche Wellen von Anfangs drei Meter Höhe, zum Ende hin abnehmend auf zwei Meter, die aber etwa alle sieben Sekunden relativ steil heranrauschten. Dazu niedrigere Wellen von den Seiten, häufiger von Backbord, seltener auch von Steuerbord. Sie sorgten für ziemliches Gerolle und ab und an bei Überlagerung der Wellen klatschendes Aufeinandertreffen und Spritzer ins eigentlich gut geschützte Cockpit. Von anderen Seglern haben wir gehört, dass dieses Wellenbild auf der Passage von den Kanaren zu den Kapverden nicht unüblich ist. Das nährt die Hoffnung, auf der Atlantikquerung doch längere Dünung und weniger Kreuzseen zu haben 🤞.

Rollt ganz gut 😊

Ebenfalls ein bisschen unerwartet war das „Verhalten“ der Fliegenden Fische. Schon im Mittelmeer hatten wir welche gesehen und auch auf dem Weg zu den Kanaren stoben immer mal wieder einige von ihnen vor unserem Bug auf und segelten davon.

Auch auf den ersten drei Tagen dieses Törns blieb das so, aber am vierten Tag klatschte uns in Kammikaze-Manier der erste fliegende Fisch gegen die Windschutzscheibe und blieb an Deck liegen. Nach der folgenden Nacht fanden wir 8 (acht!) Fliegende Fische an Deck, vertrocknet und stinkend, zudem hatten sie um sich herum reichlich Schleim und Schuppen hinterlassen. In der letzten Nacht waren es sogar 9 und zusätzlich ein kleiner Tintenfisch.

Scheint ein Phänomen der Tropen zu sein, die wir jetzt nach passieren des Wendekreises des Krebses (*1) offiziell erreicht haben, obwohl die Temperaturen bei den Nachtwachen anderes suggerieren.

Nach der Nachtwache gestern: Vorbereitung des Einklarierens

Zum ersten Mal auf unserer Reise müssen wir in den Kapverden „richtig“ einklarieren. Bisher war das Anmelden der Einreise in ein von uns besuchtes Land in einem vereinfachten Verfahren möglich. Hier in den Kapverden dürfen wir erstmals bei der Einreise nur ganz bestimmte Orte anlaufen, sogenannte „Port of Entry“. Es gibt nur drei: Mindelo auf São Vincente, die Hauptstadt Praia auf Santiago und eben unsere Wahl: Palmeira auf Sal.

Jedes einlaufende Schiff muss durch Hissen der Flagge „Q“ des internationalen Flaggenalphabetes (*2) deutlich machen, dass an Bord alle gesund sind (Q wie Quarantäne!) und man bisher noch nicht einklariert, sich also bei allen zuständigen Behörden angemeldet hat.

Hier auf den Kapverden muss man sich bei nur zwei zuständigen Behörden anmelden, dem Hafenamt und der Polizei. Beide residieren praktischerweise im selben Gebäude, das mit dem Wartenden und den beiden Straßenhunden das hiesige Motto „no stress“ ganz gut wiederspiegelt.

Keine Ironie, obwohl die Mitarbeiter dort wenig Englisch sprechen und wir gar kein Portugiesisch oder Kreol, die Prozeduren laufen superfreundlich und entspannt ab. Na gut, der Kollege von der Polizei ist inzwischen am Flughafen (dort kann man auch einklarieren). Egal, wir dürfen das Schiff verlassen und uns frei bewegen (sonst eigentlich erst ab vollständiger Einklarierung), morgen wiederkommen und den Rest machen und vor allem: no stress!

Jonna von der Tangaroa hatte mich zu den Behörden geführt und mir auch gleich gezeigt, wo ich eine Internet-SIM-Karte kaufen kann. Im Laden übrigens das gleiche Phänomen: Sprachschwierigkeiten, na und? Die gewünschte Karte wird durch hin-und-her-hantieren der Besitzerin mit ihren zwei Handys freigeschaltet, klappt.

😁 🇨🇻

(*1) Wendekreis des Krebses: die Vorstellung, die Sonne stehe mittags senkrecht über dem Äquator stimmt nur ungefähr. Genau genommen tut sie das nur bei der Tagundnachtgleiche am 21. März und am 23. September. Ansonsten sorgt die Schrägstellung der Erdachse dafür, das die Sonne senkrecht über anderen Orten der Erde steht. Und zwar „wandern“ diese Punkte bis zum 21. Juni nach Norden bis zu einer Linie, die 23,5 Grad nördlich des Äquators liegt und im Atlantik von der Westsahara aus südlich der Kanaren hinüber zu den Bahamas und nach México läuft. Eben der Linie, die als Wendekreis des Krebses (lateinisch: tropicus cancri) bezeichnet wird. Auf der Südhalbkugel gibt es entsprechend den Wendekreis des Steinbocks (tropicus capricorni). Das Gebiet zwischen den Wendekreisen nennt man deshalb Tropen. Ein witziges Detail dazu ist, das die Sonne heute an den betreffenden Tagen gar nicht mehr in dem Sternbildern steht, nach denen die Wendekreise in der Antike benannt wurden. Vielmehr war das beim Wendekreis des Krebses zwischenzeitlich das Sternbild der Zwillinge und ist (seit 1990) heute Stier. Beim Wendekreis des Steinbocks ist es heute Schütze – die Bezeichnungen sind aber dennoch seit der Antike beibehalten worden.

(*2) Wir haben den kompletten Flaggensatz des internationalen Flaggenalphabetes ( https://www.esys.org/esys/flagalph.html ) an Bord, aber nur die schlicht gelbe „Q“-Flagge werden wir wohl häufiger benötigen. Wie alle anderen hier auch, zeigen wir sie über der Gastlandsflagge der Kapverden an Steuerbord. Unsere österreichischen Freunde werden uns hoffentlich diesen aus österreichischer Sicht offenbar schweren Mangel an guter Seemannschaft (so jedenfalls laut einer aufmerksamkeitstarken Diskussion in der österreichischen Yachtrevue ) irgendwie verzeihen, denn demnach würde er auf die andere Seite des Schiffes unter die Backbordsaling gehören. Die Deutschen sind da übrigens nicht wirklich besser: anders als international üblich muss nämlich (theoretisch) in Deutschland nach § 4a und Anlage 2 ZollV statt gelben „Q“ als „Zollstander“ der dritte Hilfsstander des Flaggenalphabetes (dreieckig weiß mit waagerechtem schwarzem Streifen) gezeigt werden 😳🤣.

Auf zu den Kapverden

Die Leinen sind los, wir sind unterwegs zu den Kapverden. Die nächsten Tage wird es dann also keine Fotos geben können, ab und zu vielleicht eine Statusmeldung über IridiumGo.

Aber noch haben wir Empfang. Der Start von La Gomera ist uns garnicht mal so leicht gefallen. Die Insel ist schön und wir haben eigentlich nur wenig von ihr gesehen. Vor allem aber haben wir ziemlichen Respekt vor der Fahrt zu den Kapverden. Vor dem Hafen empfängt uns viel Wind, wieder gut 35 kn in den Böen, aber dieses Mal mit achterlicher Welle, alles gut. Soll auch im weiteren Verlauf etwas abnehmen.

Ziel ist die Insel Sal. Da wollten wir sowieso hin, aber jetzt sogar mit Fracht 😉. Marga (wohnt auf Sal) hatte uns gefragt und es passt ja ganz gut. Jetzt hängt ein zweiter Außenbordmotor am Heck, Jochen von der Stressless hat ihn uns für Jonna von der Tangaroa mitgegeben, die zur Zeit vor Palmeira auf Sal ankert. Wenn alles glatt geht, können wir ihn Donnerstag abliefern. 🤞

Bergwanderung auf La Gomera

Eigentlich ist so ein morgendlicher Regenbogen in den Bergen hinter unserem Hafen ja ein deutliches Signal, oder?

Mit Susanne, Jochen und Jakob von der SY Stressless haben wir heute eine 15 km Bergwanderung unternommen. Die drei kennen die Insel (und auch diese Wanderung) gut, was heute von besonderem Vorteil war. Wiebke und ich hätten nämlich vermutlich noch nichtmal den Einstieg in die Tour gefunden, nachdem uns der Bus der Linie 1 von San Sebastián bis auf 1.100 m Höhe in einer dichten Wolke abgesetzt hat. Konnten wir vorher noch die tollen Ausblicke hinunter nach San Sebastián und unseren Hafen und hinüber über die Meerenge mit einem auf der anderen Seite wieder über die Wolken hinausragenden Pico de Teide genießen, sehen wir jetzt … nicht viel.

Neben der Bushaltestelle führt ein kleiner steiler und rutschiger Pfad scheinbar ins Nichts. Nicht mal den 1.350 m hohen Roque de Agando können wir erkennen, obwohl wir neben ihm ausgestiegen sind. Offenbar nicht grundlos gibt’s im gebirgigen Inneren La Gomeras im Herz des Nationalparks Garajonay subtropischen Nebelwald mit bis zu zwei Meter hohen Farnen.

Aber Susanne ist sich sicher und wir folgen ihr. Tatsächlich führt er uns zum eigentlichen Einstieg in den dann ausgeschilderten Wanderweg hinunter nach Playa de Santiago.

Und trotz Nebel oder Wolke oder Regen, die Wanderung ist wunderschön und abwechslungsreich. Laufen wir zunächst meist durch Kiefernwald, wird es zwischendurch offener und ab und zu können wir sogar in der Ferne das Meer durchblitzen sehen.

Je weiter wir hinuntersteigen, desto karger wird es. Und das, obwohl sich Agaven und auch Palmen einfinden.

Aber dafür werden die Hänge steiler, die vor langen Zeiten angelegten Terrassen werden kaum noch genutzt, zu aufwendig ist die erforderliche Handarbeit. Manchmal geht’s direkt neben dem Pfad senkrecht hinunter, aber meist ist der Weg eigentlich ganz gut zu begehen. Nur das ständige Bergab auf dem glitschigen Geläuf setzt den Knien auf Dauer doch kräftig zu.

Die Wolken und mit ihnen die Feuchtigkeit begleiten uns bis hinunter nach Playa de Santiago, obwohl sich zwischendurch sogar mal die Sonne zeigt.

Im Ort erwischen wir mit perfektem Timing den Bus zurück nach San Sebastián, kaufen noch etwas ein und genießen dann bei Sonnenschein Eis und Bier im Cockpit der Stressless – wir finden, das haben wir uns verdient.

Nachtrag zum Whale-watching

Einen kleines Video noch als Nachtrag. Zum Schluss des letzten Posts geschrieben habe ich ja geschrieben „29 kn Wind, ordentlich Welle, zweifach gerefftes Groß und Fock. Langweilig wird es nicht 😁“. Da wusste ich noch nicht, dass wir nur Minuten später über 37 kn Wind (mittlere Windstärke 8) haben würden. Dazu eine richtig gemeine hohe Kreuzsee, die für eine quer durch den Salon fliegende Kaffeemaschine gesorgt hat. Alles heil geblieben.

Das Gebolze gabs aber nur für die letzten 5 Meilen vor San Sebastián de La Gomera, jetzt liegen wir hier gut geschützt im Hafen, das Kreuzfahrtschiff legt gerade ab, das Anlegebier ist schon getrunken. Was für ein Tag!

Eine etwas längere Version (mit aufgeregten Regieanweisungen) findet ihr durch Klick auf den Link: Grindwale zwischen Teneriffa und La Gomera: https://vimeo.com/372942890.

Tschüß Teneriffa, Whale-watching auf dem Weg nach Gomera

Wir verabschieden uns von Teneriffa. Vorm Hafen von San Miguel steht noch etwas Welle, die Acceleration Zone begleitet uns noch bis zum Kap Punta Rasca mit etwa 25 kn Wind, sogar der Pico de Teide grüßt noch einmal aus den Wolken. Und dann – Flaute. Wir dümpeln noch etwas, spielen mit verschiedenen Segelkombinationen, beobachten die Gelbschnabelsturmtaucher, die mit einer Flügelspannweite von über einem Meter elegant und bei mehr Wind scheinbar mühelos ohne einen Flügelschlag ganz dicht über dem Wasser dahingleiten, immer wieder hinter den Wellen verschwindend.

Etwa 30.000 Brutpaare der hier auch Guañaguaña genannten Verwandten der Albatrosse sollen auf den Kanaren brüten.

Aber Wind und Wellen nehmen ab und irgendwann müssen die Segel eingerollt doch der Jockel angeworfen werden. Aber dann das:

Grindwale. Direkt an der Flora ziehen sie ganz langsam ihre Bahn. Eine ganze Schule der auch „Pilotwal“ genannten 3 bis 6 m großen Tiere begleitet uns auf beiden Seiten des Schiffes. Ihre fast rohrförmigen Körper mit der runden Melone am Kopf, die den Schnabel fast zu überragen scheint können bis zu 8 m lang werden, aber so große Exemplare entdecken wir nicht. Dafür aber Walmütter mit ihren Jungen. Wir sind mal wieder völlig aus dem Häuschen.

Jetzt sind wir schon kurz vor La Gomera, in der nächsten Acceleration Zone. 29 kn Wind, ordentlich Welle, zweifach gerefftes Groß und Fock. Langweilig wird es nicht 😁

Acceleration Zone

Acceleration Zone, WAZ’n das? Wind Acceleration Zone Canary Islands ist der wunderschöne technische Begriff für das, was wir auf Seglerdeutsch “Düse” nennen würden. Verschärfte Düse vielleicht.

Für Nichtsegler: zwischen den hohen kanarischen Inseln muss sich der vorherrschende Nordostwind quasi durchzwängen. Dabei wird er beschleunigt, und aus entspannten 20 kn (Windstärke 5) Wind werden 30 kn (Windstärke 7). Hinter den Inseln (also südwestlich), ganz besonders hinter Teneriffa mit seinem hohen Teide gibt’s dann dafür Windschatten bzw. Flaute.

Auf Windy sieht das für heute so aus:

So weit, so gut. Wenn man wie wir von Santa Cruz im Norden nach San Miguel im Süden Teneriffas segeln möchte, hat man eben starken Rückenwind, kein Problem, oder?

Na ja, für die Windböen gilt das Ganze natürlich auch. Wieder Windy:

Das ist jetzt schon weniger nett. 43 kn sind Windstärke 9, also Sturm. Hm.

Dazu kommen natürlich noch die Wellen und da gibt’s eine weitere Gemeinheit:

Den Windwellen von 2,7 m Höhe aus Nordost steht nämlich fieserweise ein Schwell (nicht zum Wind passende Welle) aus Süd entgegen. Auch wenn der nur 70 cm hoch ist, führt das doch zu steilen Wellen und einem chaotischen Wellenbild, das eher unangenehm zu befahren ist.

Heute haben wir das heute seeehr anschaulich erleben dürfen. Wir sind so früh wie möglich losgefahren, um das Ärgste zu vermeiden, tatsächlich hatten wir erst perfekten Wind, der dann aber immer stärker wurde und erst am letzten Kap (Cabo de Punta Roja) oft die dreißig und selten 40 kn (Windstärke 8) erreichte. Und die See, na ja.

Dazu muss man allerdings sagen, dass sich Wellen vom Boot aus wirklich schlecht fotografieren und filmen lassen 😚.

Trotzdem ein kleines Video, bei knapp 30 kn aufgenommen:

Sooo schlimm war es also nicht, sonst hätte ich ja nicht gefilmt. Aber die Halse (Seitenwechsel des Segels) am Kap hat doch einiges an Adrenalin freigesetzt. Und warum waren wir überhaupt unterwegs? Unsere Reservierung im knackvollen Hafen Santa Cruz war abgelaufen, mit einem neuen Hafenplatz hier unten hatte es geklappt. Allerdings nur durch Vermittlung des hiesigen Segelmachers, der unseren Code0 noch mit einem Klettstreifen nachrüsten sollte, das Segel aus Santa Cruz bei einem anderen Termin mitgenommen hat und uns mitgeteilt hat, es würde jetzt hier in bei ihm in San Miguel fertig bereitliegen.

Außerdem soll es die nächste Zeit windmäßig nicht besser werden und es ist ein weiterer (begrenzter) Test für den Atlantik. Bestanden, 😁.

Ach ja, und die Vorhersage des gegenläufigen Schwells hatten wir schlicht übersehen 😳. Hätte aber eh nichts geändert.

Teneriffa: Über den Wolken …

… und manchmal auch darunter oder darin! Wie, Wolken? Richtig mit Regen? Ja, das gibt’s hier auf Teneriffa. Und deshalb gibt’s auch ordentlich Grün, was wir ja auf Gran Canaria noch suchen mussten.

Aber Teneriffa kann mit dem Teide aufwarten, dem mit 3.715 m höchsten Berg Spaniens und insgesamt dritthöchsten Inselvulkans unserer Erde. Ganz schön hoch!? Wie so oft ist auch das relativ. Der “Olympus Mons” als wohl höchster Vulkan unseres Sonnensystems befindet sich auf dem Mars ist und steigt etwa 26 km hoch aus der umliegenden Tiefebene auf. Ich finde, es spricht für die Spanier, dass sie auf dem Aussichtsparkplatz vor dem Teide auf diesen Fakt aufmerksam machen.

Aber zunächst mal machen wir einen großen Bogen um den Teide. Mit Uschi fahren wir nämlich quer über die Insel und dann an der herrlich grünen Nordseite der Insel entlang. Der Küstenstreifen ist hier recht dicht bebaut und ansonsten auch intensiv landwirtschaftlich genutzt, oft mit Bananenplantagen bis dicht an die Steilküste heran.

Hier ist noch die wunderschöne lila Blüte unter der Bananenstaude zu erkennen

Wir fahren nach Westen bis Garachico, einer der ältesten Städte Teneriffas. Mit dem Bau der Kirche Santa Ana wurde schon 1520 begonnen, allerdings wurde sie wie der größte Teil des Ortes bei einem Vulkanausbruch zerstört, die heutige Kirche am idyllischen zentralen Platz stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Eigentlich wären wir gern in dem zwischen den Lavaklippen vor dem alten Castillo befindlichen Meerwasserschwimmbad mit seinen natürlichen Becken schwimmen gegangen, Badesachen hatten wir extra mitgenommen. Aber im “Winter” ist das Bad leider geschlossen. Wir verstehen schnell, warum das so ist: der Wellengang ist enorm und es bilden sich beeindruckende Strudel, obwohl die See selbst noch nicht einmal besonders bewegt aussieht.

Der Hafen von Garachico, im 16. und 17. Jahrhundert der wichtigste der Insel, wurde 1706 bei einem Vulkanausbruch größtenteils verschüttet.

Für uns geht’s ab Garachico in engen Serpentinen über eine Nebenstraße hinauf in die Berge, wobei wir den Teide nur in der Ferne immer mal wieder hinter den “kleineren” Gipfeln auftauchen sehen.

Nachdem wir noch Los Gigantes und seinem unter den wahrhaft gigantischen 450 m senkrecht ins Meer fallenden Klippen liegenden Hafen einen Besuch abgestattet haben kurven wir uns wieder hinauf über die Berge und nehmen die Küstenautobahn zurück nach Santa Cruz.

Los Gigantes

Am nächsten Tag spannen wir aus, holen mit dem Mietwagen in größerem Umfang Proviant und fahren dann mit Uschi sowie mit Doris und Christian von der Dancing Pearl zum Strand Playa de las Teresitas, diesmal auch mit Baden.

(Foto-Credit: Christian)

Dieser Strand ist ein Beispiel für die Blüten, die der Tourismus so treibt. Uns als Touristen bewegt die Natur, dafür wird einiges bewegt. Ob das noch Natur ist? Nördlich von Santa Cruz wurde 1973 auf den ursprünglich vulkanisch schwarzen Sand feinster heller Sand aufgelegt, den man eigens aus der Sahara hergeschafft (=hergeschifft) hatte. Ein kilometerlanger Wellenbrecher sorgt dafür, dass er nicht gleich wieder weg gewaschen wird.

Übrigens liegt auch heute ein Frachter im Hafen von Santa Cruz, aus dem unentwegt feiner heller Sand auf einen Lkw nach dem anderen geladen wird. Nachschub oder ein weiterer “aufgehellter” Strand 🏖?

Nehmen wir doch lieber nochmal den Teide ins Visier. Schon wieder müssen wir Abschied nehmen, Uschi fliegt zurück ins kalte und regnerische Norddeutschland. Wir bringen sie zum Flughafen im Süden Teneriffas. Auf dem Rückweg wählen wir nicht die Küstenautobahn, sondern die Nebenstraße, die quer durch den Teide Nationalpark in der Inselmitte verläuft. Wieder geht es zunächst über viele Serpentinen hinauf, wobei wir schnell in die diesmal tief hängenden Wolken hineinkommen. Schon bei unserem Mittagsstop im kleinen Ort Vilaflor sind wir mittendrin.

Die ausgeschilderten Wanderwege locken bei diesem Wetter nicht so sehr, es wird mit nur 7 Grad auch empfindlich kalt. Aber wir finden ein tolles, eher rustikales Restaurant mit ländlicher, deftiger, traditioneller kanarischer Küche. Lecker. Und auch die kleine alte, bis auf den prunkvollen Altar eher schlicht gehaltene Kirche des Ortes begeistert uns.

Auf der Weiterfahrt durch den grauen Nebel der Wolken fragen wir uns schon, ob wir den Teide heute überhaupt zu sehen bekommen, aber dann wird es mit jedem Höhenmeter etwas heller über uns. Und irgendwann lassen wir die Wolken unter uns, ein phantastischer Anblick.

Und wir schrauben uns immer noch höher, bis wir die auf etwa 2.200 m gelegene Hochebene der Las Cañadas erreichen, die ältere Vulkancaldera mit 17 km Durchmesser, aus der sich der Pico de Teide, also die eigentliche Bergspitze noch einmal fast 1,5 km hoch erhebt.

Aber selbst auf dieser Höhe holen uns die Wolken dann doch ein.

Wir schaffen es gerade noch, einen Blick auf die Observatorien am Kamm des Berges Izaña zu werfen, die hier in 2.400 m Höhe die normalerweise klare Sicht ins Weltall nutzen, dann werden auch sie von Wolken eingehüllt.

Das Freiburger Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik betreibt hier leitend gleich zwei Teleskope, “VTT” und GREGOR”. Aber auch Institute aus anderen Ländern betreiben hier (oft in internationaler Zusammenarbeit) Teleskope.

Den Rest der Fahrt geht’s durch Nebel oder Regen, viele Aussichtspunkte (Mirador) sind ausgeschildert, aber mehr als das Hinweisschild können wir nicht erspähen. Erst kurz bevor wir es bis hinab zur Küste geschafft haben reißt der Himmel wieder auf und unter einem schönen Regenbogen 🌈 sehen wir wieder das Meer.

Wird Zeit, dass wir mal wieder segeln.😉

Crew available!

Das schwarze Brett im Hafenbüro hier in Santa Cruz de Tenerife sieht zur Zeit so aus:

Zusätzlich liegen noch ein paar Anfragen im Seekarten-Tauschkasten und weitere hängen an den Türen zu den Stegen. Außerdem kommen ab und zu Leute auf dem Steg vorbei und fragen nach “Hand gegen Koje”, also Mithilfe gegen Mitnahme. Entsprechende Internet-Foren gibt’s natürlich auch.

Wir hatten vorher gehört und gelesen, dass Boots- und Crewsuchende hier auf den Kanaren gute Chancen haben. Was uns aber doch ein wenig erstaunt, ist zum einen die schiere Menge von herausgehaltenen Daumen zur See. Schließlich geht es anders als an der Landstraße doch um eine recht lange Zeit auf ziemlich engem Raum, die man gemeinsam verbringen würde ohne sich vorher näher zu kennen. Und die – nimmt man Hand gegen Koje ernst – eben auch so etwas wie Rudergehen oder Nachtwachen mit einschließt, also ein hohes Maß an (gegenseitigem) Vertrauen bedingt.

Zum anderen (oder: erst Recht) erstaunt uns, dass bei weitem nicht alle “Crew”-Bewerber über nennenswerte Segelerfahrung verfügen. Einmal findet sich der Hinweis “möchte segeln lernen”, ein andermal “keine Kenntnisse in Navigation”. Einer schreibt immerhin, er habe “alles für den Trip nötige dabei: Jacke, Shirt, Hose, Schuhe und Bücher”. Das ist ja dann doch beruhigend. 😉 Und auf der anderen Seite gibt es auch erfahrene Segler, Köche, Bootsbauer etc., die hier eine Mitsegelgelegenheit suchen.

Wir hatten mit Maria ja auf der Fahrt von Gibraltar bis Lanzarote eine super Erfahrung und eine tolle Zeit, haben uns aber dennoch entschieden, nach der Absage von Silja und Jan die Etappe von den Kanaren zu den Kapverden “nur” zu zweit zu machen. Naturgemäß wird das die Nachtwachen anstrengender machen (weniger wachfreie Zeit, also statt knapp 6 Stunden nur knapp drei Stunden Schlaf am Stück, wenn es denn so gut läuft). Und natürlich auch weniger spannende und anregende Gespräche mit anderen Leuten.

Dafür auch weniger Anpassungen an unbekannte Gewohnheiten, Ecken, Kanten, Marotten (unsere eigenen sind uns schon einigermaßen vertraut). Und vor allem: praktisch freier Zeitplan für uns. Keine Verpflichtung, dann und dann an einem bestimmten Ort zu sein, um den Mitsegler aufzupicken oder abzusetzen. Losfahren können, wenn es uns passt (und der Wind stimmt). Startort hier auf den Kanaren und Ankunftsort auf den Kapverden frei wählen. Und auf einem überschaubaren Törn von geplant knapp einer Woche ausprobieren, ob uns lange Schläge zu zweit gefallen.

Mal sehen, was dabei herauskommt. Aber wir lassen uns noch Zeit, etwa gegen Mitte des Monats soll es losgehen.

Markthalle und La Laguna

Wenn irgend möglich, lassen wir uns die Markthalle nicht entgehen. So auch hier in Santa Cruz de Tenerife, wo wir den “Mercado de nuestra Señora de Africa” besuchen. Im kolonialen Stil eines Forts mit zwei Innenhöfen und einem zentralen Platz errichtet, zudem mit dem Fischmarkt im Untergeschoss, ist MarktHALLE hier fast schon das falsche Wort. Vor dem Eingang findet sich eine lebensgroße realistische Skulptur zweier Fischer mit einem lokal typischen Boot.

Überhaupt ist auffällig, wieviel Kunst im öffentlichen Raum existiert, besonders die Zahl der Brunnen und Skulpturen, klassisch historisch oder modern, ist beeindruckend.

Drinnen ist der Markt so gestaltet, dass die Kunden in oft sonnenbeschienen Gängen, die Händler mit ihrer Ware aber unter den schattigen Arkaden mit ihren gekachelten Säulen Platz finden.

Und wir sind ja nicht nur zum gucken hier: wir finden RICHTIG GUTES BROT, nicht nur die häufiger anzutreffende Variante “Pan Aleman” (deutsches Brot), die meist mit Sirup dunkler gefärbtes Weißbrot mit Tarnungskörnern drauf beschreibt 😉 . Es ist schon erstaunlich, wie sehr wir da doch geprägt sind. Wiebke und ich gehören nicht zu denen, die im Ausland am liebsten Schnitzel essen, aber ordentliches Brot … 😚. Und wo wir schon dabei sind: zur Abwechslung vom Manchego würde sich ein schöner französischer Käse dazu perfekt machen. Wir finden hier Comté und Morbier, herrlich! Wir sind aber auch sowas von verwöhnt!!!

Dann also hinunter ins Untergeschoss zu den Fischständen. Auch hier wird wieder (wie bereits mehrfach auf den Kanaren) weder Thunfisch noch Schwertfisch angeboten ohne deren dekorative Ausstellung im Mittelmeerraum kaum ein Fischhändler auskam. Oder liegt es an der Jahreszeit?

Wir jedenfalls entscheiden uns für einen Alfonsiño (südlicher Kaiserbarsch), er hat die perfekte Größe für unseren Backofen an Bord und ist ungemein lecker 😋 mit schwarzen kanarischen Kartoffeln und Salat.

Ein weiterer Ausflug führt uns in die alte Inselhauptstadt San Christóbal de La Laguna. Man kann den im 15. Jahrhundert gegründeten und schachbrettartig angelegten historischen Ort ganz wunderbar (für 1,35 €) mit der Tram erreichen. Sie fährt unweit vom Hafen ab und windet sich über 500 Höhenmeter den Berg hinauf nach La Laguna, zwar ein eigenständiger Ort, aber gefühlt heute eher ein angebundener Vorort von Santa Cruz. Der historische Stadtkern wurde in seiner heutigen Form bis zum Ende des 16. Jahrhunderts angelegt und weist eine Vielzahl gut erhaltener und sanierter Gebäude auf, auch hier wieder oft mit Holzbalkonen und mit aufwendig geschnitzten Fenstern und Portalen.

Im Schnitt ist es in La Laguna vier Grad kälter als in Santa Cruz, vielleicht ein Grund für die Beliebtheit bei den Hauptstädtern für einen sonntäglichen Kurzausflug.

Und so sind die Straßen wie auch die Cafés und Restaurants gut gefüllt, wir ergattern aber trotzdem ein schönes Plätzchen.

Und wir besuchen das Monasterio (Kloster) de Santa Catalina de Siena, schauen uns dort eine kleine Ausstellung an und bewundern die Hecken im herrlichen Innenhof.

Was auf den ersten Blick wie eine Buchsbaumhecke anmutet, entpuppt sich nämlich bei näherem Hinschauen als Rosmarin. Und auch an die aufgehängte Weihnachtsdekoration über den Straßen bei diesem Wetter und unter Palmen müssen wir uns noch gewöhnen.

😁