Covergirl Flora

Im Transocean Magazin ist wieder einmal ein Artikel von uns erschienen, volle sieben Seiten. Unser Thema in dieser Ausgabe: San Francisco.

Besonders erfreulich ist natürlich auch, dass unsere Flora gleichzeitig auch noch Cover-Girl ist.

Sehr schön. Und was machen wir sonst so?

Erstmal Schnorcheln am Bommie nahe bei Flora.

Geimeinsam mit Alex von der „No Stress“ und Ralf von der „Barbarella“ fahren wir dann am Nachmittag mit unserem Dinghy aber auch nochmal in den Südpass von Fakarava. Wiebke macht die Begleitung und bleibt im Dinghy, wir anderen drei tauchen noch einmal mit den Haien. Zur besseren Einordnung, weil Graue Riffhaie vielleicht nicht ganz so geläufig sind: in der Größe liegen sie nur leicht über den Schwarzspitzen-Riffhaien. Männchen werden maximal 2,50 m lang, Weibchen sind etwas kleiner.

Das Tauchen mit ihnen ist (auch) wegen ihrer großen Anzahl aufregend, aber nicht stressig. Die Haie bewegen sich zumeist ganz ruhig, scheinen uns kaum zur Kenntnis zu nehmen. Wir unsererseits sehen zu, dass wir am Rand der Wall of Sharks bleiben und sie möglichst wenig stören. So treiben wir mit der Strömung seitlich an ihnen vorbei.

Beim Ausklingen des Tauchgangs im flacheren (und damit lichtdurchflutetem) Wasser kommen dann auch die Farben wieder besser durch. Da strahlen die Falterfische und der Pfauen-Kaiserfisch …

… und auch der skurril geformte Trompetenfisch und die Ananas-Seewalze kommen selbst ohne auffällige Farben gut zur Geltung.

Nur der Camouflage-Zackenbarsch vertraut weiter auf seine Tarnung und hält sich versteckt. Kein Wunder, er ist eine Lieblingsspeise der Haie.

Das Deko-Bier nach dem Tauchen und der Sundowner auf dem Vordeck gehen ineinander über. Und was für ein Sundowner. Zuerst scheint sich die Sonne hinter den Wolken zu verstecken, dann bricht sich doch noch einmal durch und beleuchtet nach ihrem Untergang die flauschigen Wolken noch von unten.

Red sky at night, sailor‘s delight.

☺️

Fakarava. Wall of Sharks.

Die Südostecke von Fakarava ist klasse. Der Starkwind flaut langsam ab, jetzt können wir auch beruhigt die Sandbänke auf dem Riff erkunden.

Ein Video dazu habe ich bei Facebook eingestellt.

Aber das ruhige Wetter lädt auch dazu ein, noch einmal am Südpass zu ankern und jetzt auch dort zu tauchen.

Die WALL OF SHARKS. Na gut, man könnte meinen, dass es die Tourismus-Manager in Fakarava es mit der Vermarktung einfach nur besser hinkriegen als anderswo. Schließlich gibt es in praktisch allen Pässen der Tuamotus hohe Hai-Konzentrationen. Das schnell fließende Wasser ist für diese Raubfische einfach ideal. Sie brauchen durchströmte Kiemen für die Sauerstoffzufuhr. Hier können sich die vornehmlich nachtaktiven Jäger tagsüber ausruhen, quasi auf der Stelle stehen. Dazu kommt, dass die abgelegene Lage der Tuamotus mitten in der Weite des Pazifiks zwischen Südamerika und Australien und abseits der großen Touristenströme offenbar den Korallenriffen sehr zu Gute kommt. Diese Ökosysteme können sich hier noch immer weitgehend ungestört entwickeln. Auch das bietet beste Voraussetzungen für die Haie.

Das ist natürlich nicht nur in Fakarava so. Aber hier sind die Haie seit 2008 zudem auch noch umfänglich geschützt. Seit 2016 ist Fakarava auch als Unesco Biosphärenreservat Reservat anerkannt. Eine Weitere Besonderheit ist, dass jeweils zum Vollmond im Juni und Juli Unmengen von Zackenbarschen der Art Camouflage Grouper (Epinephelus Polyphekadion) hier zur Paarung einfinden. Gleichzeitig bilden sie ein Festessen für die Haie. Am Südpass von Fakarava findet sich aus all diesen Gründen die weltweit höchste Konzentration von Grauen Riffhaien. Mehrere Hundert sind es wohl immer, in der Saison sollen es laut einer wissenschaftlichen Studie über 700 (sic!) sein.

Das wiederum macht den Südpass von Fakarava zu einer Berühmtheit unter den Tauchplätzen dieser Erde. Wo wir schon mal hier sind, wollen wir uns das natürlich nicht entgehen lassen.

Den ersten Tauchgang machen wir mit einer der beiden örtlichen Tauchschulen des kleinen Dörfchens am Pass. Schon im Flachwasser unter dem Steg der Tauchschule tummeln sich Haie (hier aber die kleineren Schwarzspitzen-Riffhaie, meist unter 2 Meter) und imposante Napoleon-Lippfische.

Und auch auf dem weiteren Tauchgang gibt es viel zu sehen. Bekannte Rifffische wie die Papageifische mit ihren kräftigen Kiefern, mit denen sie an den Korallen herumknuspern (und letztlich zum feinen Sand an den Stränden beitragen). Falterfische mit langem Schnabel und – putzig anzusehen – Einhornfische. Eine Doktorfisch-Art, die auch als Pinocchio-Fisch durchgehen würde.

Ok, aber was ist denn nun mit den Haien? Einzelne Exemplare sehen wir gleich zu Beginn. Weißspitzenhaie liegen auf kleinen Sandstellen, Schwarzspitzenhaie ziehen oben am Riff entlang. Zur Mitte des Passes aber, wo es tiefer wird, bewegt sich eine Vielzahl von Schatten.

In etwa 20 Metern Tiefe suchen wir uns einen strömungsgeschützten Platz hinter einigen abgestorbenen Korallen. Es ist kaum zu fassen. Auf diesem Tauchgang und auch auf dem nächsten, den wir ohne Tauchschule machen, wird der Tauchplatz im Südpass seinem Spitznamen “Wall of Sharks” jedenfalls absolut gerecht.

Hier ein kleines Video dazu, diesmal auf Instagram.

Das Weitwinkel der GoPro-Kamera fängt die Nähe und Dichte optisch nicht optimal ein, aber sie leistet uns gute Dienste.
Sicher mit die spektakulärsten Tauchgänge, die wir bisher gemacht haben.

Fakarava, Südpass. Driftschnorcheln und Wingsurfen.

Von Tahanea nach Fakarava segeln wir bei gutem achterlichen Wind in einem Tag. Die Tiden für die Pässe passen gut, um halb acht gehen wir kurz vor Niedrigwasser aus Tahanea raus, gegen 15.00 Uhr um Hochwasser herum in den Südpass von Fakarava hinein.

Wir ankern gleich um die Ecke vom Südpass. Der Ankerplatz ist bei den Bedingungen zwar nicht optimal, es steht ganz gut Welle und Flora schaukelt kräftig. Aber für eine Nacht ist das erstmal ok.

Am nächsten Morgen fahren wir dann bei Niedrigwasser mit dem Dinghy durch den Südpass hinaus, springen ins Wasser und lassen uns von der einsetzenden Flut schnorchelnd wieder in die Lagune treiben. Beim ersten Mal ganz langsam, beim zweiten schon etwas schneller und beim dritten Mal mit ordentlich Speed. Es ist wunderschön.

Quasi ohne eigene Bewegung werden wir im klaren Wasser über die Korallen am Rande des Passes geschoben, können im Vorbeigleiten die Vielfalt an Rifffischen bewundern.

Der Pass ist für seine vielen Haie bekannt. Im flacheren Wasser an der Seite des Passes zeigen sich allerdings bei unseren Driftschnorchelgängen nur Schwarzspitzenhaie.

Anders sieht es unten am Grund in der Mitte des Passes aus. Von hier oben sehen wir nur schemenhaft die Konturen, aber die große Anzahl der zumeist fast regungslos in der Strömung stehenden Haie beeindruckt schon beim Schnorcheln. Das macht richtig Lust auf den einen Tauchgang hier an der bekannten “Wall of Sharks”.

Das muss allerdings noch warten, denn nach dem Schnorcheln holen wir erst einmal den Anker auf und fahren weiter in die bei diesen immer noch starken SE-Winden deutlich besser geschützte Südostecke des Fakarava-Atolls.

Hier liegt Flora deutlich ruhiger. Außerdem gibt es hier, versteckt hinter den Palmen auf der Landspitze, die kleine Surf-Schule “Kite Tuamotu”. Adrien bietet auch Wing-Kiten an, und das möchte ich gerne ausprobieren.

Gemeinsam mit Pierre von der “Viva” mache ich die ersten zwei Schnupperstunden.

Photo Credit: Marie & Pierre, S/V Viva

Das Board, das am Strand (und perspektivisch vergrößert im Vordergrund) noch recht massiv aussieht, entpuppt sich im Wasser als extrem kippelig. Der in der Hand gehaltene dreieckige Flügel, am Strand bei Trockenübung noch leidlich bedienbar, scheint jetzt mit wildem Eigenleben ausgestattet. Der eigene Körper ist der Mast und die Arme sind die Schoten, die Beine und Hüfte gleichzeitig auch noch das Steuerruder, das möchte alles koordiniert werden. Da bleibt dem Anfänger (mir!) nicht mehr viel Kapazität für das Halten des Gleichgewichts. Entsprechend anstrengend ist es, immer wieder nach dem Sturz die Sicherungsleinen von Board und Kite zu sortieren und zurück auf das kippelige Board zu klettern. Fahre ich zwischendurch doch mal ein paar Meter im Stehen, wird es auch gleich ziemlich schnell. Beim nächsten Sturz weiß man dann Prallschutzweste und Helm sehr zu schätzen.

Nach den zwei Stunden bin ich völlig erledigt, habe aber auch ein breites Grinsen im Gesicht. Also am nächsten Tag gleich noch einmal. Geht schon etwas besser, ab und zu beginnt das Board sogar zu foilen, sich also von der Wasseroberfläche zu lösen und nur auf den Unterwasserflügeln zu gleiten. BEGINNT, denn eine Zehntelsekunde später liege ich wieder im Wasser. Den Übergang zum Foilen hinzukriegen, das schaffe ich in meiner zweiten Doppelstunde noch nicht. Ganz sicher bin ich kein Naturtalent. Aber mit etwas (bzw. sehr viel) Übung muss das Wingsurfen möglich sein. Egal, wieder bin ich platt – aber glücklich.

Da wird wohl ein neues Spielzeug fällig.

😊

Zwei oder Sieben im Tahanea-Atoll?

Seit einer Woche sind wir inzwischen im Atoll Tahanea. Um uns herum sausen die Kitesurfer und Wing-Foiler von einigen der anderen Boote, sie finden die meiste Zeit ziemlich gute Bedingungen. Ein bisschen bereue ich, das vor Jahren in Antigua nicht mit unseren Freunden zumindest ausprobiert zu haben. Allerdings war damals die Erinnerung an die lange Rekonvaleszenz nach dem Snowboard-Unfall mit Riss aller Bänder in meiner rechten Schulter noch ziemlich frisch. Aber jetzt wäre hier neben dem Schnorcheln und gelegentlichem Tauchen ein bisschen Wassersport zum Auspowern ganz willkommen.

Hm, im etwa 50 Seemeilen entfernten Atoll Fakarava könnte man das ja vielleicht mal testen. Fakarava ist das zweitgrößte und zudem eines der touristisch am meisten erschlossenen Atolle der Tuamotus.

Zunächst aber ist an eine Weiterfahrt nicht zu denken. Die Maramu-Winde haben den Ozean ziemlich aufgewühlt.

Wir warten noch etwas ab. Dann doch lieber im geschützten Wasser der Lagune schnorcheln, ganz in Ruhe die Fische und Korallen bewundern …

… und den Tag mit einem weiteren Lagerfeuer am Strand ausklingen lassen (auch wenn die anderen Segler dabei ihre Kite-Geschichten des Tages erzählen 😉).

Heute geht’s dann aber doch ein bisschen weiter für uns. Der Wind bläst zwar immer noch mit um die 20 kn, in den Böen etwas mehr. Aber eben nicht mehr mit über 30 kn wie vor ein paar Tagen. Am Ankerplatz im Schutz der Motus merken wir davon ohnehin nicht viel, das Wasser ist glatt. Aber mit etwas Entfernung zu den Palmeninselchen zeigen sich dann auch im Inneren des Atolls erste Schaumkronen. Allerdings ist das natürlich nichts im Vergleich zu den Brechern, die von draußen aufs Riff krachen.

Im Satellitenbild haben wir uns die Route zu einem anderen Ankerplatz hier im Tahanea-Atoll abgesteckt. Dort ist Flora zwar nicht von einem Motu geschützt, wohl aber von einem flachen Riff mit Sandbank, das auch die sich in der Lagune aufbauenden Wellen abhält.

Was für eine Location:

Nur für uns ZWEI und die Flora! 😉

Allerdings, der Ankerplatz ist eigentlich als „Seven“, also „Sieben“ bekannt. Wie so vieles im Leben: Ansichtssache!

Geburtstag und Maramu-Verstecken auf Tahanea

Erst mal ganz lieben Dank für die vielen Glückwünsche zum Geburtstag, die mich auf allen möglichen Kanälen erreicht haben. Das hat mich wirklich sehr gefreut.

Für die nächsten Tage sind hier in den Tuamotus böige Wind der Stärke 7 bis 8 Beaufort vorhergesagt. Wir blieben also erst einmal wo wir sind, relativ gut geschützt hinter den mit Palmen bestandenen Motus im Südosten von Tahanea. “Maramu” werden diese kräftigen und manchmal ganz schön lange anhaltenden Winde aus Süd oder (in unserem Fall) Südost genannt.

Da viele Atolle insbesondere auf der Südseite nur ein relativ flaches Riff aufweisen, führen die Maramu-Winde oft auch dazu, das extrem viel Wasser über das Riff hinweg in die Atolle gedrückt wird. Raus kann es nur durch die Pässe. Anhaltender Maramu sorgt dann dafür, dass im Pass stets ablaufendes Wasser mit starken Strömungen herrscht und ein Einlaufen von See sowie auch das Auslaufen aus dem Atoll gefährlich oder gar unmöglich macht.

Also erstmal Füße still halten.

Etwa 15 Boote haben sich hier versammelt und warten den Maramu ab.

In der “Ruhe vor dem Sturm” gibt’s noch ein Seglertreffen mit Lagerfeuer am Strand, für die nächsten Tage wird das wohl nichts mehr werden.

Aber schon an diesem Abend bleibt es nicht so beschaulich. Eines der Dinghies ist unbemerkt abgetrieben, Mikael kommt entsprechend aufgeregt zum Feuer zurück. Wiebke und ich springen mit ihm in unsere Florecita, auch einige andere Beiboote mache sich auf die Suche. Einfach wird es nicht, es ist inzwischen stockdunkel und eben weiter draußen in der Lagune auch ganz schön windig. Wir holen noch unsere große Maglite-Stabtaschenlampe von Bord der Flora und beginnen dann, Suchmuster zu fahren. Geschätzt 1 bis 2 Meilen könnte das Dinghy schon abgetrieben sein. In der Finsternis gleicht das ein wenig der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Von den Wellen sind wir inzwischen klatschnass und Mikael denkt mehrfach laut ans Aufhören, aber so schnell geben wir nicht auf. Das zahlt sich aus, nach einer halben Stunde Zickzackfahrt durch die Finsternis erscheint im Lichtkegel der Maglite tatsächlich ein grauer Fleck. Das muss es sein und es ist es. Wahnsinn. Glück gehabt.

Am nächsten Tag: die Kitesurfer haben sich mit ihren Booten zunächst noch vor die Lücken zwischen den Motus gelegt: hier gibt es ungestörte Winde zum Kiten. In den letzten Tagen hat das für sie ganz gut geklappt, inzwischen verholen manche ihre Boote aber doch in den Landschutz. Der Wind hat heute nochmal kräftig zugelegt, inzwischen bilden sich selbst hier am Ankerplatz manchmal erste Schaumkronen.

Die Drohnenfotos sind deswegen “vorher” 😉.

Doppelpass. Auf das Timing kommt es an.

Nicht bei der Fußball-Europameisterschaft, sondern in den Tuamotus. Wir segeln von Makemo zu unserem dritten Atoll, Tahanea.

Das liegt südwestlich von Makemo. Von unserem schönen Ankerplatz am Punaruku-Motu tasten uns deshalb erst einmal weiter nach Westen und ankern in der Nähe des Westpasses von Makemo.

Eigentlich würden wir gerne vor unserer Weiterfahrt noch einen Driftschnorchelgang durch den Pass machen. Allerdings hat der Wind inzwischen aufgefrischt, draußen hämmert inzwischen auch hier in Lee die Brandung auf das Riff. Die Bedingungen sind nicht mehr ideal und in der Stillwasserphase wollen wir ja schließlich mit Flora durch den Pass.

Während wir noch auf das Stillwasser warten, segeln unsere Freunde Judy und Todd mit ihrem Katamaran Galileo schon unter Vollzeug durch den Pass. Das gibt mir die Gelegenheit, ihre Passdurchfahrt mit der Drohne aufzunehmen.

Hier der Link zum Video.

Wir folgen ihnen etwas später, allerdings nehmen wir die Segel erst nach dem Pass hoch. Und überhaupt, was heißt hier DIE Segel: genau genommen ist es nur ein Fitzelchen der Fock, das wir ausrollen. Damit segeln wir dann mit knapp 3 kn durch den Nachmittag und die Nacht. Schließlich folgt auf den Pass von Makemo der Pass von Tahanea. Dazwischen liegen nur knapp 50 Seemeilen und – entscheidend für unser absichtlich langsames Segeln – in Tahanea können wir erst gegen 7:00 Uhr morgens einlaufen. Rund 17 Stunden nachdem wir Makemo verlassen haben. Der Doppelpass wird also ausnahmsweise nicht schnell gespielt, sondern gaaaaanz sutje.

Und das klappt ganz gut. Die Passage ist mit so wenig stabilisierender Fahrt im Schiff etwas rollig, aber das Timing passt perfekt und so laufen wir bei Stillwasser in Tahanea ein. Mit dem Track unserer Freunde von der Nomad (danke!) geht’s dann durch die Lagune in die Südostecke des Atolls. Hier, im Schutz der palmenbestandenen Motus, wollen wir die für die nächsten Tage angekündigten kräftigen Winde abwettern.

Also richten wir uns darauf ein, hier ein bisschen zu bleiben. Es ist ein toller Ankerplatz mit gutem Sandgrund und relativ wenigen Bommies. Die Ankerkette müssen wir aber trotzdem “floaten”.

Immerhin sind es aber genug schöne Korallenköpfe, um nahe beim Boot im klaren Wasser ausgiebig schnorcheln zu gehen. Auch hier gibt es wieder eine Vielzahl von eingewachsenen Riesenmuscheln mit ihren faszinierend unterschiedlichen Farben und Mustern.

Und es lohnt sich, länger hinzuschauen und auf die kleinen Dinge zu achten. Weihnachtsbaumwürmer (genau genommen nur deren herausgestülpte Kiemen) finden sich, …

… bewegt sich in ihrer Nähe das Wasser, ziehen sie sich blitzschnell in die Korallen zurück. Ähnlich halten es viele der kleinen Riffbarsche, wie zum Beispiel die schwarz-weißen Preußenfische oder die blau-grünen Chromis/Schwalbenschwänzchen:

Sogar eine wunderschöne Chromodoris entdecken wir, es istfür uns die erste dieser äußerst farbenfrohen Meeresschnecken.

Immer wieder etwas Neues. 😊

5 Jahre unterwegs!

Wirklich. Heute vor 5 Jahren haben wir unseren lang gehegten Traum wahr gemacht. Haben die Leinen losgeworfen und sind zu unserer Langfahrt aufgebrochen.

Kaum fassbare 37.722 Seemeilen haben wir seitdem mit der Flora zurückgelegt. Fast 70.000 Kilometer.

Nur rund 40.000 Kilometer (21.600 Seemeilen) misst der Erdumfang am Äquator. Und trotzdem sind wir noch nicht einmal halb um die Erde herum gesegelt. Etwa 18.000 Kilometer (knapp 10.000 Seemeilen) wären es Luftlinie bis zu unserem Abfahrtsort in Griechenland. Wir haben uns herrliche, wunderschöne Umwege gegönnt. Haben mit dem Kielwasser der Flora Kringel gedreht, kleine und große Schleifen in den Nordatlantik bis hinauf nach Maine und in den Nordpazifik über Hawai’i und Alaska gemalt. Haben uns Zeit gelassen, Länder und Leute kennenzulernen. Haben dabei dreimal den Äquator überquert und zuletzt auch hier in Französisch Polynesien mit dem Besuch des Gambier-Archipel einen ordentlichen Schlenker weg von der klassischen Blauwasserroute gemacht.

Und jetzt sind wir hier in den Atollen der Tuamotus. In der Südsee. An einem weiteren Sehnsuchtsort.

Und wir haben noch lange nicht genug. Freuen uns, unseren Traum weiter leben zu dürfen. Freuen uns auch, dass Ihr uns dabei begleitet, über Eure Anteilnahme an unserem Abenteuer, über Euer Interesse und Eure Kommentare.

Über eine halbe Million mal habt ihr inzwischen unsere Blogseiten aufgerufen. Das ist toll und zugleich überraschend, denn eigentlich machen wir den Blog für uns selbst. Lassen keine Werbung zu und wollen mit dem Blog nichts verdienen. Sondern wollen eigentlich mit dem Blog vor allem unsere Fotos, Gedanken und Eindrücke sortieren, strukturieren, auch sammeln, ein Stück weit festhalten, Erinnerungsstützen bauen. Ab und zu auch gerne die eine oder andere Erfahrung weitergeben, weil wir selber auch viel aus anderen Blogs für uns mitnehmen konnten.

Über 90.000 Fotos haben wir in den fünf Jahren gemacht. Das ist schon lange ein Hobby von mir, aber so exzessiv habe ich das bisher nicht ausgelebt. Unvorstellbar, die Bilder alle noch einmal anzuschauen. Der Blog ist mein Fotoalbum, meine Galerie. Er sorgt auch dafür, dass wir Aufnahmen einigermaßen zeitnah durchsehen, Favoriten markieren und eben die Blog-würdigen heraussuchen, damit sie nicht im Wust der schieren Menge verschwinden. Und Euer Interesse am Blog gibt eben auch einen zusätzlichen Antrieb dafür, das nicht auf die lange Bank zu schieben.

Also jedenfalls zum Jubiläum unserer Langfahrt viele liebe Grüße aus der Südsee und ein großes Dankeschön an Euch, die Ihr über den Blog ein wenig mit uns mit reist.

Von Raroia nach Makemo

Wir segeln weiter nach Westen zu unserem nächsten Atoll. 78 Atolle gibt es im Tuamotu-Archipel, wenigstens ein paar davon wollen wir erkunden. Auf der Karte sieht es aus, als wäre dieser Bereich des Pazifiks voller Inseln, als lägen die Atolle dicht an dicht. Aber das täuscht gewaltig. Die Tuamotus sind die Inselgruppe mit der weltweit größten Ausdehnung, das Archipel erstreckt sich über 15 Längengrade und 10 Breitengrade, mithin auf mehr als 2.000 Kilometer. Die Entfernungen zwischen den für Yachten anlaufbaren Atollen sind daher größer als (von uns) erwartet.

Von Raroia bis nach Makemo sind es etwa 80 sm. Für eine solche Distanz würden wir normalerweise sehr früh auslaufen und dann (hoffentlich) kurz vor dem Dunkelwerden ankommen. In vielen Revieren funktioniert das, hier in den Tuamotus aber eher nicht. Die Crux liegt in den Pässen, den Ein- und Ausfahrten zu den Atollen. Ein- und Ausfahrt sollen wegen der starken Tidenströme idealerweise um Stillwasser herum erfolgen. Das gilt jetzt kurz nach Vollmond wegen der damit einher gehenden Springtide um so mehr. Außerdem verbieten sich für uns Fahrten im Atoll während der Dunkelheit, wir möchten mit einigermaßen hoch stehender Sonne eine Chance haben, die Bommies zu erkennen. Allerdings sind die Tage hier in der Nähe des Äquators kurz. Jetzt im Spätherbst der Südhalbkugel liegen zwischen Sonnenaufgang (6.00) und Sonnenuntergang (17.11) nur gut 11 Stunden.

In Raroia schauen wir daher morgens erstmal Fußball-Europameisterschaft auf dem iPad (über Starlink und VPN, durch die 12 Stunden Zeitverschiebung laufen die Spiele bei uns morgens live) und frühstücken ausgiebig. Frische Waffeln im Cockpit; ein kleines Morgen-Fest.

Am Kon-Tiki Ankerplatz brechen wir gegen 11.00 Uhr auf, tasten uns um die Bommies herum durch die Lagune und fahren gegen 13.00 Uhr mit 1,5 kn Gegenstrom durch den Pass hinaus.

Draußen auf dem offenen Pazifik setzen wir bei zunächst sehr leichtem Wind Groß und unseren blauen Genacker, nehmen irgendwann das Groß weg und wechseln zum Sonnenuntergang auf den deutlich kleineren Code0.

Es ist super angenehmes Segeln. Trotzdem rollen wir um Mitternacht den Code0 ein und statt dessen die noch viel kleinere Fock aus, wir sind einfach zu schnell.

Später reffen wir auch noch die Fock und schleichen mit einem Handtuch-kleinen Rest Segel langsam über die zum Glück immer noch sehr ruhige See.

Um 6 Uhr morgens stehen wir 8 Meilen vor dem Pass ins Makemo-Atoll. Gegen 10 Uhr soll Stillwasser sein. Wir sind nicht allein, einige andere Yachten warten auf die Durchfahrt. Die erste probiert es um 7 Uhr. Sie kommt durch, aber wir sehen sie in der Einfahrt mehrmals seitlich “fahren”, das ist uns und den meisten anderen zu heikel. Um 8 hat es sich etwas beruhigt, zwei weitere Yachten fahren durch und berichten über Funk von anspruchsvollen, aber machbaren Strömungen. Wir warten noch, schauen über Starlink und VPN Fußball-Europameisterschaft und gehen erst gegen 9 Uhr durch, bei gut zwei Knoten Gegenstrom und keinem wesentlichen Versatz durch Querströmungen oder Whirlpools. Der Ankerplatz an der Mole vor dem Ort liegt gleich um die Ecke neben dem Pass, das ist bequem. Zumal der Ort recht gute Einkaufsmöglichkeiten bietet (wir ergattern sogar Tomaten, Gurken, Zucchini und Pak Choi).

Am Freitagabend gehen wir zur Fundraising-Veranstaltung auf dem Schulhof, selbstgemalte Plakate dafür hängen überall im Dorf. Die Grundschüler führen hier polynesische Tänze auf, die stolzen Eltern halten das auf ihren Handys fest. Der Eintritt ist frei, die Einnahmen aus den verkauften Getränken und Leckereien kommen der Schule zu Gute.

Es ist eine schöne Atmosphäre und ganz nebenbei ein Seglertreff, fast alle Segler vom Ankerplatz sind gekommen.

Sonntag in der Kirche – wieder mit polynesischen Gesängen, wenn auch für uns nicht ganz so stimmungsvoll wie zuletzt auf Tahuata in den Marquesas – treffen wir von den Seglern nur Judy und Todd von der “Galileo”. Und auch von den beiden verabschieden wir uns kurz danach, denn wir möchten im Makemo-Atoll noch andere Ankerplätze kennenlernen. Da aber ab nächsten Donnerstag sehr kräftige Ostwinde angesagt sind, die wir in einem besser geschützten Atoll abwettern wollen, bleibt uns dafür nicht mehr allzu viel Zeit.

Wir legen auf einem IPad auf dem Navionics-Satellitenbild eine Route um die vielen Korallenköpfe herum fest und kontrollieren sie mehrfach. Im Makemo-Atoll gibt es neben den großen, besser sichtbaren Bommies eine Vielzahl sehr kleiner und unauffälliger Korallenköpfe, die wir nur bei starkem Hereinzoomen erkennen. Die (TZ-)Karte auf dem Furuno-Plotter ist völlig nutzlos. Auf den 17 Meilen durch das Labyrinth zum nächsten Ankerplatz laufen daher auf dem anderen iPad die Satellitenbild-Navigation über SeaIQ und auf dem iPhone wird die Position im Bing-Satellitenbild kontrolliert. Hört sich nach technischem Overkill an, gibt uns aber zusätzliche Sicherheit. Zumal, wenn Wiebke im Ausguck am Bug wegen eines Squalls zwischendurch einfach gar nichts mehr erkennen kann:

Alles geht gut, aber es sind dann doch ein paar durchaus nervenaufreibende Stunden.

Am Ankerplatz angekommen kommt dann auch wieder die Sonne durch.

Wir Schnorcheln noch ein bisschen und genießen dann einen herrlich stillen Abend.

😊

Tahuna Maru: wo Thor Heyerdahl mit seiner Kon-Tiki strandete.

Manchmal ist nicht direkt ersichtlich, was einen Ankerplatz am Außenriff von den vielen möglichen anderen abzuhebt und fast jedes Boot anzieht, das dieses Atoll besucht. Auf dem Riff von Raroia gibt es eine Vielzahl kleiner Inselchen (Motus). Obwohl äußerlich völlig unspektakulär, hebt sich das Motu “Tahuna Maru” von seinen Schwesterinseln ab: hier ist historisches passiert. Ein kleines steinernes Denkmal mit einer Plakette darauf erinnert daran. Als wir danach schauen, schrecken wir auf dem im Durchmesser nur etwa 75 m großen Motu erst einmal einige Feenseeschwalben auf, die im Geäst der niedrigen Bäume nisten.

Und da ist sie, ungefähr in der Mitte des Inselchens. Eingewachsen und vom Ufer aus nicht zu erkennen. Die Plakette erinnert an die Strandung des Balsa-Floßes Kon-Tiki hier auf diesem Riff im Jahr 1947. Strandung, Schiffbruch, dass hört sich eigentlich nach einem dramatischen Scheitern für diese Expedition an. Tatsächlich ist es das Gegenteil, nämlich der erfolgreiche Abschuss eines abenteuerlichen und international Aufsehen erregenden archäologischen Experiments, das den Norweger Thor Heyerdahl berühmt machte.

Das stilisierte Gesicht auf dem Denkmal stellt den mythologischen Schöpfergott der Inka dar, der der Legende nach aus dem Osten kam, die Kultur der Inka gründete und dann nach Westen weitersegelte. Die Darstellung zierte das Segel des Balsafloßes, mit dem Heyerdahl die grundsätzliche Seetauglichkeit präkolumbianischer Boote und damit die Möglichkeit der Besiedelung Polynesiens von Südamerika aus bewies. Gestaltet wurde es vom Künstler Erik Hessenberg, der als Steuermann Teil der sechsköpfigen Besatzung der Kon-Tiki war. Mit den vorherrschenden Winden und Strömungen erreichte die Kon-Tiki von Chile aus nach 101 Tagen Raroia und strandete hier.

Wer mehr erfahren möchte über die Strandung des Floßes auf diesem Riff und darüber, wie die Inselbewohner auf der anderen Seite des Atolls darauf aufmerksam wurden, dem empfehlen wir das YouTube-Video unserer Segelfreunde Janna und Ilja von der “Thula”, die sogar ein Interview mit dem letzten noch lebenden Zeitzeugen hier auf Raroia gemacht haben. Absolut sehenswert.

Allerdings jagt uns die Vorstellung – mit welchem Boot oder Floß auch immer – hier von der Brandung auf das scharfkantige Riff geschleudert zu werden, einen Schauer nach dem anderen über den Rücken.

Dann doch lieber in der ruhigen Lagune auf der Innenseite des Riffs ankern und die Brecher nur aus der Ferne sehen.

Und in dem klaren, geschützten Wasser gehen wir ausgiebig schnorcheln.

Farbenfroh mit Wimpelfischen, eingewachsenen Riesenmuscheln und Pfauen-Zackenbarschen. Natürlich sehen wir dabei auch immer wieder Haie, wie diesen in einer Korallenhöhle ruhenden Ammenhai …

… oder (häufiger) einen der verbreiteten Schwarzspitzen-Riffhaie:

Beide Arten sind für Menschen ziemlich ungefährlich. Dieser Riffhai ist übrigens mit einem seiner typischen Begleiter unterwegs, ein Remora hat sich an seinem Bauch festgesaugt. Auf deutsch heißen diese maritimen Tramper “Schiffshalterfische”. Warum wohl?
Der Blick unter die Flora an diesem “Kon-Tiki” genannten Ankerplatz gibt da gewisse Anhaltspunkte:

Wenn sie doch bloß auch ordentlich das Unterwasserschiff putzen würden!

Windstille. Wenn die Schönheit des Atolls so richtig gespiegelt wird.

Es ist ein seltenes Geschenk. Meistens streicht ein kräftiger Passatwind über die Atolle der Tuamotus, kaum gebremst von den flachen Inselchen auf den Ringriffen.

Heute aber zeigt sich das Wasser der Lagune von Raroia spiegelglatt, nur ab und zu deuten kleine Katzenpfötchen auf der Oberfläche mit sanften Kräuselungen einen ganz leichten Windhauch an.

Draußen brandet gleichwohl die Dünung gegen das Riff, drinnen in der Lagune ist es so still, als habe die Natur kurz den Atem angehalten.

Wir wechseln den Ankerplatz. Etwa 22 Seemeilen misst die Lagune Raroia in der Länge von Nordost nach Südwest. Es gibt (gerade bei Schwachwind) unzählige Möglichkeiten, irgendwo an einem kleinen Motu zu ankern.

Anders als von uns gedacht, lassen sich die unter der Wasseroberfläche verborgenen Korallenköpfe von Deck aus bei diesen extrem ruhigen Bedingungen aber nicht etwa besser, sondern im Gegenteil fast überhaupt nicht erkennen. Das glatte Wasser spiegelt den Himmel. Obwohl wir mit der Sonne im Rücken und mit polarisierender Brille unterwegs sind, bleiben die Korallen praktisch unsichtbar.

Trotz Sonne im Rücken schwer oder gar nicht zu sehen: die Korallenköpfe zwischen uns und dem Motu auf dem Riff

Ein Ausguck auf der Saling hoch im Mast wäre jetzt hilfreich, aber das ist für uns ebenso wenig praktikabel wie eine dauernde Kontrolle mit der Drohne. Wir schlängeln uns deshalb mit langsamer Fahrt und stetem Blick auf das Satellitenbild um die Bommies herum südwärts. Das ist durchaus nervenaufreibend und so lassen wir uns gern von einem kleinen Sandfleck mit nur einer ausgewachsenen Palme darauf näher ans Riff locken, gehen an diesem malerischen Motu für eine Kaffeepause vor Anker.

Bestaunen die Brecher auf dem Riffdach und können es kaum fassen, das alles hier ganz für uns allein zu haben.

Hier speichern wir uns auf Basis des Satellitenbildes eine eigene Route, etwas anders als der von einem anderen Boot erhaltene Track, dem wir bisher gefolgt sind.

Ausgeruht, beruhigt und frisch gestärkt geht es dann weiter in Richtung Ankerplatz “Kon Tiki”, benannt nach dem Balsa-Floß, mit dem Thor Heyerdahl 1947 hier strandete.

Schon von weitem können wir dort Segelboote vor Anker erkennen, wenngleich durch die über dem Wasser flirrende Luft seltsam verzerrt und zugleich gespiegelt, ein fast surrealer Anblick.

In der Abendsonne vor Ort wirkt das naturgemäß wieder ganz anders, aber nicht weniger faszinierend schön.

Danke für dieses kostbare Intermezzo. Wir wissen es sehr zu schätzen. Schon am Abend kommt Wind auf, der in der Nacht dreht und kräftig auffrischt.