Great Barrier Island. Wer keine Arbeit hat, der macht sich welche.

Nee wat schön. Herrliches Segeln von den Mokohīnau Islands nach Great Barrier Island. Ein Kreuzkurs, wie unser Track auf Noforeignland zeigt, aber ganz überwiegend einer zum Genießen.

Der Legende nach landete hier das „Aotea Waka“ genannte Kanu von Turi und seinen Gefolgsleuten, mit dem die Entdeckung und Besiedlung Neuseelands durch die Polynesier begann. Von den Maorí wird Great Barrier Island deswegen Aotea (Weiße Wolke) genannt.

Bei unserer Ankunft präsentiert sich Aotea aber entgegen seines Namens wolkenlos mit blitzblank geputztem blauem Himmel. Unser Ziel liegt etwa in der Mitte des 35 km langen Great Barrier Island. Wir schlängeln uns zwischen den vorgelagerten Inseln hindurch und an diversen einladenden Buchten vorbei bis in die Kiwiriki Bay im Südosten des geschützten Naturhafens Fitzroy Harbour.

Nur wenig entfernt in der beliebten Smokehouse Bay ankern sechs Boote und es wäre trotzdem noch reichlich Platz, hier aber liegen wir ganz allein.

Blauer Himmel, je nach Lichteinfall jadegrünes, türkises oder blaues Wasser, Vogelgezwitscher und Landschaft pur.

Wir lassen es uns gut gehen, backen Kuchen und Brot, schlemmen uns durch die in Whangārei frisch aufgestockten Delikatessen-Vorräte. Rehwildfleisch mit grünem Spargel zum Beispiel.

Venison, auf Deutsch Wildfleisch, ist in Neuseeland eher ein landwirtschaftlicher als ein jagdwirtschaftler Artikel. Rehe und auch Hirsche werden im großen Stil freilaufend auf Weideflächen gehalten, 2015 gab es etwa 900.000 dieser Tiere auf Farmen. Zur Erinnerung: Neuseeland hat nur etwa 5 Millionen Einwohner. Venison wird auch in Neuseeland gern gegessen, aber der weit überwiegende Teil geht in den Export. Größter Abnehmer ist übrigens – wer hätte es gedacht – Deutschland.

Wir beschließen, einen Landausflug zu machen. In der Nachbarbucht soll man mit dem Dinghy am Strand anlanden können, ganz in der Nähe eines Wanderweges. Das lockt uns, aber zum Wandern kommen wir leider nicht. Wir schlitzen uns kurz vor dem Ufer das Dinghy an einer messerscharfen Austernbank auf. Ein lautes Zischen, unmittelbar darauf noch eines. Das darf doch nicht wahr sein. Gleich zwei der drei Luftkammern unseres Beibootes hat es erwischt. Dabei wähnten wir uns mit dem Aluminiumboden unseres Dinghy’s eigentlich ganz gut geschützt, aber direkt daneben erhält unter Wasser der gute Hypalonrumpf ein paar Kratzer und eben auch zwei Schnitte. Glück im Unglück: Bug und der Steuerbordschlauch sind zwar schlapp. Die Restluft darin und der intakte Backbordschlauch reichen in Verbindung mit dem festen Alu-Boden aber aus, um sicher und trocken zurück zur Flora zu fahren. Dort nehmen wir erstmal den Motor ab und hieven das Beiboot dann auf Floras Vordeck.

Jetzt gilt es erst einmal, das eingedrungene Salzwasser aus dem Schlauch zu bekommen. Dafür müssen die Schnitte die tiefste Stelle des Dinghies sein. Wir wuchten das gut 50 kg schwere Beiboot mit Hilfe des Spinnakerfalls hin und her, heben es zum Ablaufenlassen des Wassers mal vorne und mal hinten an.

Dann rücken wir den Schnitten mit einem Hypalon-Reparaturset zu Leibe. Säubern, Schadstelle und Flicken mit Sandpapier anrauen, wieder säubern. Stelle und Flicken mit einem speziellen Kleber einpinseln, trotz Wölbung und schlappem Schlauch möglichst gerade auflegen und andrücken … und dann hoffen. Erst nach frühestens sieben Stunden sollen wir das Dinghy wieder aufpumpen, also warten wir gleich über Nacht ab.

Morgen sehen wir dann, ob unsere Reparatur erfolgreich war oder ob wir doch noch einen Profi in Auckland damit beauftragen müssen.

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