In der Blue Lagoon Bay verabschieden wir uns von Einhandseglerin Ruby, sie nutzt ein Wetterfenster zur Überfahrt zu Fiji‘s Hauptinsel Viti Levu.

Da müssen wir auch demnächst hin, denn unsere Visa laufen bald ab. Eigentlich kann so ein Visum online verlängert werden, aus unerfindlichen Gründen muss dabei jedoch ein PDF der Zertifizierung des Fotos des Reisepasses eingesandt werden (quasi ein Foto der Beglaubigung des Fotos des Passes). Das ist hier auf Ono nicht zu erhalten, wir werden es wohl in Denerau auf Viti Levu erledigen müssen.
Aber: für das Wochenende ist ruhiges Wetter vorhergesagt. Das wollen wir nutzen, um noch einmal unser Glück beim Schnorcheln mit (hoffentlich) Mantas bei Buliya Island zu versuchen und danach auf der Ostseite von Kadavu zu ankern. Das soll uns ermöglichen, auch noch direkt am Außenriff oder in einem Pass des Great Astrolabe Reefs zu schnorcheln.
Obwohl Wind und Wellen am Freitag noch stärker als vorhergesagt sind, verlegen wir Flora zur Manta-Insel. Etwa einen halben Meter Welle haben wir an deren Nordspitze zwar noch, das macht das Schnorcheln anstrengend. Wir sind vorerst die einzigen dort, aber wir werden belohnt. Bis zu fünf große Riff-Mantas gleichzeitig drehen dort ihre Kreise und lassen sich dabei von unserer Anwesenheit nicht beirren. Sowohl Mantas mit weißer als auch solche mit schwarzer Unterseite sind darunter. Mit gemächlichem Flügelschlag gleiten sie um uns herum. Die Begegnung mit diesen bis zu fünf Meter Flügelspannweite aufweisenden riesigen und doch so sanften Rochen ist immer wieder ein wunderschönes Erlebnis. In der Mythologie der Südsee stehen Mantas als spirituelle Wesen sowohl für die Verbindung mit den Ahnen als auch für das mit den Göttern verknüpftes Wissen, für Harmonie und eine sichere Passage auf See. Kein Wunder, dass wir Segler sie lieben! (zum Vergrößern auf ein Bildchen klicken)






Nach dem Schnorcheln wechseln wir noch einmal den Ankerplatz. Wir segeln östlich um Ono herum. Zwischen der Insel und dem Außenriff hindurch schlängeln wir uns an diversen Korallenköpfen und Flachs vorbei an die Ostseite von Kadavu Island, der größten Insel am 65 km langen Great Astrolabe Reef.
Der dem Riff zugewandte Osten der Insel ist die Wetterseite, hier schiebt der Passatwind normalerweise Wolken die steilen Hänge des bergigen Terrains hinauf, sorgt so für üppige Niederschläge und teils dichten Regenwald. Das unwegige Gelände verhindert Landwirtschaft in größerem Stil wie etwa den Anbau von Zuckerrohr. Industrie gibt es ebenfalls nicht, die meisten Bewohner betreiben Subsistenzwirtschaft, also Selbstanbau des Notwendigen zu Leben sowie etwas Fischerei. Der wenige Tourismus hängt zumeist mit dem Tauchen am Great Astrolabe Reef zusammen und wird ganz überwiegend mit einfachen kleinen Lodges statt internationaler Ressorts bedient.
Wir entscheiden uns für den Ankerplatz in der Naiqoro Bay. Noch kommt der Wind recht frisch aus Ost, aber die der Bucht vorgelagerten Riffe brechen den Schwell. Für die Nacht und den nächsten Tag sind nachlassende und rückdrehende Winde angesagt, also zunächst Nord und später West. Dafür eignet sich der Ankerplatz perfekt.



Tatsächlich haben wir eine sehr ruhige, erholsame Nacht. Gleich nach dem Morgenkaffee fahren wir mit dem Dinghy zum Dorf Naiqoro, denn es ist gerade Hochwasser. Das wollen wir nutzen, denn im Scheitel ist die Bucht sehr flach, zwei kleine Flüsschen münden hier und lagern reichlich Schwemmsand ab. Selbst bei Flut halten wir uns dicht an die Mangroven, dort ist das Wasser am tiefsten und unser Außenbordmotor muss keine Furche in den Schlamm wühlen.

Kurz nach uns landet ein Longboat am Steg seinen guten Fang an, die Bucht ist reich an Fisch.


Einer der Fischer ist der Headman des Dorfes, er bringt uns für das Sevusevu zum Chief. Der empfängt uns sehr freundlich, wir bringen das rituelle Gastgeschenk der Kawa-Wurzeln dar und werden offiziell als Gäste in die Dorfgemeinschaft aufgenommen. Der Chief ruft seinen Enkel Dan. Der ist wegen der Schulferien nicht in Suva, sondern hier im Dorf bei seinem Großvater. Dan wird uns das Dorf zeigen. Was eine lästige und vom Spielen abhaltende Bürde für den Enkel sein könnte, scheint diesem im Gegenteil viel Spaß zu machen. Dan bleibt auch nicht allein, seine Freunde begleiten ihn. Wir sind erst ein paar Meter weit gegangen, da greift außerdem schon ein Mädchen Wiebkes Hand, kurz danach kommen weitere Kinder angelaufen und gesellen sich auch zur Wandergesellschaft. Dan führt uns durch Naiqoro, zeigt uns wie im Wald geerntete Kawa-Wurzeln getrocknet werden, welche Pflanzen im Ort und welche auf den Feldern höher am Berg angebaut werden. Sein Freund erklärt uns die Dorfglocke, die ebenso wie die obligatorischen Trommeln sonntags zum Kirchgang ruft. Thradition trifft Moderne: eine Frau sortiert Palmblätter zum Flechten einer Matte, neben ihrer Hütte sorgt ein aufgeständertes Solarpanel für Strom. Einfache Schaukeln gibt es fast überall, Plastikpistolen als Spielzeug scheinbar auch. Vor einer anderen Hütte haben sich ein paar Männer versammelt, das Mobiltelefon darf auch in diesem Dorf ohne Straßenanbindung nicht fehlen.












Und die Kinder zeigen uns auch ihre „Schlitten-Piste“. Ein halbierter Kanister wird mit einem hinein gelegten Kissen gepolstert und los geht die Rutschpartie den Hang hinunter:


Bei der Führung durch das Dorf haben offenbar nicht nur wir, sondern auch die Kindern richtig Spaß.

Der Rundgang endet wo er begann, beim Chief. Der hat nämlich zwischenzeitlich für uns ein Frühstück mit Tee und Kuchen in einer Nachbarhütte organisiert.


Wunderbare Gastfreundschaft in Fiji!