Ankerprobleme und Minustide in Pleasant Bay

Gemeinsam mit der Denali Rose brechen wir auf. Diesmal macht uns die Barre etwas zu schaffen. Obwohl wir auf dem kurzen Weg von der No-Name-Cove zum Ausgang von Tracy Arm noch Schiebestrom haben, empfangen uns an der Barre heftige Verwirbelungen. Whirlpool. Flora wird hin und her gedreht. Also Vollgas, mit 2 kn über Grund kämpfen wir uns ganz langsam an der roten Tonne vorbei. Die grüne – auf der Hinfahrt noch deutlich sichtbar – fehlt entweder ganz oder ist von den Strudeln unter Wasser gedrückt. Aber nach einer Viertelstunde sind wir durch, die Geschwindigkeit über Grund steigt wieder deutlich an und wir können wieder mit normaler Marschfahrt unterwegs sein.
Wir fahren ein Stück die Stephens Passage hinunter, runden Hugh Point am Südende der Glass Peninsula und dann geht es im Seymour Canal wieder etwas gen Norden. Einige Buckelwale machen mit ihrem Blas auf sich aufmerksam, sie sollen sich hier in der 35 sm langen maritimen Sackgasse des Seymour Canals sehr häufig aufhalten.
Unser heutiges Ziel ist Pleasant Bay, eine kleine Bucht auf der großen, rund 100 km langen aber fast durchgängig naturbelassenen Admiralitätsinsel.
Entgegen der Namensgebung unserer Bucht erwartet uns am Ankerplatz zunächst eine unangenehme Überraschung: unsere Ankerwinsch verweigert den Dienst. Wir hören das Klicken des Schaltrelais, aber der Motor der Winsch setzt nicht ein, die Kette bewegt sich keinen Millimeter. Hm.
Wir versuchen, die Kette über die Freifall-Funktion fallen zu lassen und lösen die Kettenbremse. Erst ein bisschen, dann komplett, aber noch immer bewegt sich die Kette kein Stück. Die Kontrolle im Ankerkasten ergibt aber, dass sich die Kette selbst nicht etwa verkantet hat. Bill bietet an, bei der Denali Rose längsseits zu gehen. Das tun wir gerne, es ist deutlich einfacher als jetzt unseren Zweitanker mit Leine klar zumachen.


Die als Stauraum genutzte Vorschiffskabine wird leer geräumt und dann geht es an die Fehlersuche. Wir vermuten zunächst ein Problem mit dem Relais, aber nach den Messungen scheint es den Elektromotor der Winsch korrekt zu schalten. Mist, für das Relais hätte ich Ersatz dabei, für den Motor allerdings nicht. Andererseits: wieso lässt sich die Kette überhaupt nicht bewegen?
Bill berichtet, dass sich bei seiner Ankerwinsch öfter die Kupplung/Kettenbremse festfrisst. Vielleicht hilft rohe Gewalt. Ich trete auf die Kette. Nichts. Springe mit beiden Füßen darauf und … die Kette rauscht aus. Nur einen halben Meter, ich hatte den Anker vorher gesichert. Ok. Test der Ankerwinsch: funktioniert einwandfrei. Wenn doch alle Reparaturen so einfach wären.

Zum Sundowner („Dirty Martini“) und Abend-Snack sind wir auf der Denali Rose eingeladen.

Am nächsten Morgen zeigt sich, wie bei Vollmond die Minustide das Bild der Bucht verändert. Die Seekarte zeigt zwei kleine Inselchen, die die Ankerbucht nach Osten schützen. Der Törnführer macht allerdings deutlich, dass die Einfahrt nur mittig zwischen der nördlichen Insel und dem Land erfolgen kann.

Dass wird jetzt bei 1,2 m Niedrigwasser unter Normalnull, also heute deutlich über 6 m Tidenhub, sehr offensichtlich, ebenso der große „Mudflat“-Flachwasserbereich innen in der Bucht. Die doch recht große Wasserfläche um unseren gut gewählten Ankerplatz herum hat sich in eine mehr oder weniger kleine Pfütze verwandelt, in der wir aber immer noch 4 Meter Wasser unter dem Kiel haben.

Die täglichen Weißkopfseeadler sind dann heute mal auf dem Mudflat.

Internet (bzw. Empfang für das Mobiltelefon) gibt es hier weiterhin nicht. Also ein weiterer Textbeitrag mit nachzureichenden Bildern.

(Jetzt: nachgereichte Bilder)